Digital Business & Startups
Trade-Republic-Gründer: „Ein Weiter-so kann es nicht geben“
Christian Hecker ist gelungen, was in den vergangenen Jahren nur wenigen gelungen ist. Der Gründer des Neobrokers hat es geschafft, von Deutschland aus eine internationale Erfolgsgeschichte zu schreiben: zehn Millionen Kunden in Europa, mehr als fünf Millionen davon allein hierzulande. Ein Firmenwert weit jenseits der zehn Milliarden Euro – und das in einer Branche, die lange schwer disruptierbar schien.
Trade Republic zeigt: Deutschland kann noch große Tech-Erfolge hervorbringen
Und das Beste steht noch bevor. Auf Deutschland wartet eine Art Kapitalmarktrevolution. Mit der bevorstehenden Einführung des Altersvorsorgedepots, der Frührente und der kapitalgedeckten Zusatzrente erlebt das Land die vielzitierte Demokratisierung der Geldanlage – und eine Abkehr vom Sparbuch und der Lebensversicherung, hin zur Aktie als zentralem Element der langfristigen Altersvorsorge.
Damit es dazu wirklich kommt, muss die Politik in den kommenden Monaten liefern. Und Hecker glaubt, dass sie das kann. Im Gespräch mit Gründerszene formuliert er einen überraschenden „Bull-Case“ für Deutschland.
Deutschlands Problem: Zu lange auf der Stelle getreten
Gründerszene: Du wirbst seit Jahren dafür, dass die Deutschen anders mit ihrem Geld umgehen. Nun soll mehr Kapitaldeckung in die Rente kommen, die Kommission peilt über alle drei Säulen 70 Prozent des letzten Einkommens an. Ist Deutschland damit endlich auf einem besseren Weg?
Christian Hecker: Bei aller Schelte, die die Regierungsarbeit seit Jahrzehnten teils zu Recht bekommen hat: Das sind maßgebliche Reformen, die ich vor wenigen Jahren in dieser Klarheit nicht für möglich gehalten hätte. Deutschland hat sein Rentensystem innerhalb von zwei Jahren von Grund auf reformiert und auf einen modernen Standard gehoben. Wenn alles umgesetzt ist, ist das ein guter Start.
Sollten die Menschen mit diesem Geld dann auch in deutsche Aktien investieren?
Christian Hecker: Die Menschen sollten dort investieren, wo es nachhaltig gute Renditen gibt. Und die gibt es derzeit eher selten in Deutschland.
Wagen wir trotzdem den Versuch einer optimistischen These für den Standort. Gibt es sie?
Christian Hecker: Für mich gibt es einen plausiblen Weg nach vorne für unser Land. Es gibt große Chancen. Sollen wir einen echten Bull-Case für Deutschland formulieren?
Ja, bitte.
Christian Hecker: Am Anfang müssen wir eine unbequeme Wahrheit aussprechen: Ein Weiter-so kann es nicht geben. Es gibt kein „Wir schaffen das“ mehr. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es nur schlimmer. Vor uns steht einer der größten Kraftakte nach dem Krieg. Denn zunächst ist die Analyse düster. Deutschland hat die Digitalisierung verschlafen. Wir haben keine großen digitalen Spieler hervorgebracht – keine Googles, keine Apples, keine Chip-Giganten wie Nvidia. Jetzt kommt Künstliche Intelligenz. Dafür braucht man günstige Energie, Daten und Chips. All das haben wir nicht.
Das klingt noch nicht nach Optimismus. Wo beginnt die Hoffnung?
Christian Hecker: Bevor es nach vorn geht, müssen wir offen über unsere Schwächen reden. Denn wir haben einen sehr strengen Datenschutz, hohe Energiekosten und keine eigene Chipindustrie. So werden wir die nächste technologische Welle verpassen. Künstliche Intelligenz wird alle Bereiche des Lebens durchmischen. Aber genau hier liegt die Chance für unser Land. Wir setzen uns bei Trade Republic selbst intensiv mit einer großen Gefahr auseinander: Durch KI sinken die Eintrittsbarrieren. Es wird für Wettbewerber einfacher, zehn Jahre Arbeit in vielleicht zwei Jahren aufzuholen. Die Kosten der Disruption sinken massiv.
Der Burggraben wird also flacher: Was früher kaum kopierbar war, kann heute schneller nachgebaut werden?
Christian Hecker: Genau. Und ist nicht genau das vielleicht die größte Möglichkeit für Deutschland? Wir haben 30, womöglich sogar 40 Jahre verpasst. Wir waren bei vielen digitalen Entwicklungen schlicht nicht dabei. Unser Staatsapparat, die Bürokratie, die wir alle jeden Tag spüren, ist veraltet. Andere Länder sind uns enteilt. Wer in die USA, nach China oder nach Singapur fährt, erlebt das. Wir sind abgehangen. Aber nun gibt es KI – und mit KI könnten wir diese verlorenen Jahrzehnte vielleicht in wenigen Jahren aufholen. Es ist durch KI vorstellbar, dass wir eigene große Softwarefirmen hervorbringen, eigene Chips herstellen und sogar den Staat von Bürokratie befreien. KI bietet die Möglichkeit, andere schnell ein- und vielleicht zu überholen. Für mich als Unternehmer ist das durchaus unbequem. Ich habe zehn Jahre daran gearbeitet, Trade Republic aufzubauen. Jetzt könnte theoretisch jemand kommen und vieles davon mit Hilfe von KI in zwei Jahren nachbauen. Aber was für mich eine Herausforderung ist, kann für Deutschland eine historische Chance sein.
Reicht dafür die Substanz? Oder reden wir uns den Standort nur schön?
Christian Hecker: Wir haben herausragende Köpfe in Deutschland. Wenn ich ins Silicon Valley reise und mit großen Technologieunternehmen spreche, sitzen dort in den Führungsebenen viele Deutsche. Viele von ihnen hätten durchaus Lust, wieder in Deutschland zu leben. Denn wir haben hier etwas, das die USA in dieser Form nicht haben: Lebensqualität. Wir haben Sicherheit. Kinder können hier allein jeden Morgen zur Schule gehen. Wir haben funktionierende öffentliche Institutionen, einen Rechtsstaat und vielleicht am wichtigsten: eine Kultur des Konsenses. Wenn wir die richtigen Anreize schaffen, könnten viele dieser Menschen zurückkommen. Dann würden wir intellektuell wieder in der Champions League mitspielen.
Die Kinder können hier gut zur Schule gehen. Aber lernen sie dort nicht oft das Falsche?
Christian Hecker: In der Tat. Wir müssen unser Bildungssystem grundlegend verändern. Wir müssen Fähigkeiten, wie das Programmieren, sehr viel schneller und einfacher vermitteln und den Bildungsstand unserer Gesellschaft massiv modernisieren. Dann könnten wir einen Teil dessen, was wir verschlafen haben, deutlich schneller aufholen.
Bleibt das Energiethema. Wie soll Deutschland dieses Manko schnell genug beheben?
Christian Hecker: Auch hier müssen wir ehrlich sein: Bei KI wird langfristig wahrscheinlich eine Sache über allem stehen. Die Grenzkosten der Künstlichen Intelligenz sind Energiekosten. Wir werden unvorstellbar viel davon bereitstellen müssen, oder die Intelligenz arbeitet nicht für uns. Dann bleiben wir im Mittelalter stehen, während andernorts Autos selbst fahren. Man muss bereit sein, Denkverbote aufzuheben. Ich mag das verbotene Wort „Atomenergie“ gar nicht aussprechen. Aber andere Länder investieren hier massiv. Micro-Reaktoren sind eines der heißesten Themen im Silicon Valley. Welche Rolle soll hier Deutschland spielen? Die Mutter eines unserer Mitarbeiter arbeitet bei der Internationalen Atomenergiebehörde. Sie sagte kürzlich, es sei eigentlich erstaunlich, wo Deutschland in der Atomenergie intellektuell einmal gestanden habe. Wir könnten in dieser so wichtigen Technologie führend sein. Aber wir haben noch einen weiteren, wahrscheinlich alles entscheidenden Standortvorteil.
Jetzt sind wir gespannt.
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Christian Hecker: Was wollen die USA im Kern? Übrigens unabhängig davon, welche Partei im Weißen Haus sitzt. Sie wollen industrielle Produktion zurückholen. Das ist die Wertschöpfung der Zukunft. Das schafft Jobs, das macht ein Land unabhängig. Der wahre Megatrend ist es nicht, sich mit ChatGPT zu unterhalten. Die wirkliche Disruption unseres Lebens wird die physische KI sein. Roboter, Hyperautomatisierung. Diese Roboter müssen für die Welt gebaut werden. Vor uns steht eine industrielle Revolution. Das meine ich nicht sinnbildlich, sondern im direkten Sinne des Wortes. Und genau darin können wir als Deutschland eine entscheidende Rolle spielen. Da sind wir stark. Schnell, automatisiert und in hoher Qualität industrielle Güter herzustellen – das können wir. Und das macht uns auch aus. Viele meiner Freunde arbeiten im Maschinenbau. Sie machen das mit großer Leidenschaft, weil es für sie erfüllend ist, solche Produkte zu entwickeln und zu bauen. Das steckt in uns. Da müssen wir stolz drauf sein. Wir haben also industrielle Kompetenz. Wir haben Zugang zu starken Köpfen. Wir haben grundsätzlich die Fähigkeit, Energiefragen neu zu denken. Und mit KI könnten wir zu Ländern aufholen, die uns in den vergangenen Jahrzehnten enteilt sind.
Aber Deutschland hat kein eigenes großes KI-Modell. Wenn die USA den Zugang zur neuesten Version begrenzen, stünde Deutschland nackt da.
Christian Hecker: Nicht unbedingt. Heute sehen wir einen brutalen Wettbewerb der KI-Modelle. Viele Modelle sind inzwischen ähnlich leistungsfähig. Dadurch sinken die Preise. Das ist Kapitalismus: Wenn mehrere Anbieter vergleichbare Qualität liefern, entsteht Wettbewerb, und die Kosten fallen.
Wie sieht das konkret bei Trade Republic aus: Von welchem KI-Modell hängt Ihr Geschäft ab?
Christian Hecker: Wir sind mit mehreren großen Modellen verbunden. Das nächste Projekt geht dann an den Anbieter, der am besten und günstigsten ist. So entsteht Preisdruck. Vielleicht gehen wir in eine Zukunft, in der KI-Modelle stärker zu einer Commodity werden – also zu einer breit verfügbaren Infrastruktur, die von mehreren großen Anbietern bereitgestellt wird. Dann kommt es weniger darauf an, wer welches Modell besitzt. Entscheidend wird vielmehr: Wer hat die Daten?
Und über genau diese Daten verfügt Deutschland?
Christian Hecker: Deutschland hat da gute Chancen. Denn für physische KI braucht man andere Daten: Wir haben industrielle Daten, Produktionswissen, Maschinen, Autos mit Kameras, Fabriken, Prozesse. Wir haben die Köpfe und die industrielle Basis. Wenn man nur auf die vergangenen 40 Jahre schaut, könnte man denken: Jede Kraftanstrengung lohnt sich nicht mehr, wir sind zu weit zurückgefallen. Ich glaube aber, dass das falsch ist. Wenn wir uns aufraffen und mit Zuversicht auf diese Lage blicken, können wir Reformen anstoßen. Erste Reformen sehen wir bereits. Das Rentensystem wird innerhalb weniger Jahre auf einen moderneren Stand gebracht. Ich glaube auch, dass es in der Gesellschaft eine wachsende Unzufriedenheit mit dem Status quo gibt – und wieder mehr Lust auf Leistung.
Gibt es diese Lust auf Leistung wirklich – oder ist das eher ein Wunschbild?
Christian Hecker: Ich komme aus einem kleinen Dorf im Münsterland. Das ist weit weg vom Silicon Valley und der Startup-Bubble. Wenn ich da nach Hause fahre, habe ich nicht das Gefühl, die Leute sind zufrieden damit, im Mittelfeld zu sein. Ich glaube, es entsteht wieder ein Konsens darüber, dass unser heutiger Anspruch nicht reicht. Ich blicke deshalb inzwischen ziemlich zuversichtlich auf die nächsten zehn bis 15 Jahre. Ich sage es noch einmal: Deutschland hat hervorragende Standortfaktoren – hohe Lebensqualität, Sicherheit, funktionierende Institutionen und eine Gesellschaft, die grundsätzlich noch konsensfähig ist. Man muss nur einmal zwei oder drei Wochen in den USA verbringen, um zu sehen, wie zerrissen dieses Land ist.
Wie konsensfähig ist Deutschland noch, wenn selbst die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen oft weit auseinanderliegt?
Christian Hecker: Das stimmt. Das muss wieder besser werden. Dass so etwas möglich ist, hat Deutschland schon einmal gezeigt. Die Agenda 2010 unter Gerhard Schröder kann man bewerten, wie man will – aber sie hat das Land innerhalb weniger Jahre stark verändert und den Aufschwung der späten 2000er und frühen 2010er Jahre ermöglicht. Aber wir müssen endlich offen darüber reden, dass wir so nicht weitermachen können. Wir müssen unbequeme Wahrheiten rational aussprechen. Die Ärmel hochkrempeln. Da haben mehr Leute Lust drauf, als man denkt.
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Das klingt nach einem Bekenntnis zum Standort. Bleibt Trade Republic langfristig in Deutschland – auch wenn die Politik in Berlin wieder schwieriger wird?
Christian Hecker: Wir machen das seit elf Jahren. Und diese elf Jahre waren nicht immer einfach. Am Anfang hat es fünf Jahre gedauert, Kapital einzusammeln. Dann mussten wir eine Wertpapierhandelsbank-Lizenz bekommen, später eine Vollbank-Lizenz. Zuletzt haben wir über Jahre unsere Infrastruktur aufgebaut. Jetzt schließt sich ein Kapitel. Ich empfinde es so, dass 2026 und vor allem 2027 jedes neue Produkt einfacher wird. Die Grundlagen sind gelegt. Ich habe große Lust, in den nächsten zehn Jahren die Früchte dieser Arbeit zu ernten.
Bleibt Berlin Ihr Hauptquartier?
Christian Hecker: Na klar.
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App bauen mit Claude Code: Diese Gründerin teilt ihre drei wichtigsten Tipps
Eine Gluten-Diagnose brachte Swantje Dettmers auf eine Idee. Mit Claude programmierte sie ihre eigene App – heute steckt dahinter ein Startup.
Swantje Dettmers hat Zöliakie. Schon kleinste Mengen Gluten können bei ihr Entzündungen auslösen und die Schleimhaut des Dünndarms schädigen. „Ich musste sogar meine Schneidebretter austauschen, weil sich im Holz noch Spuren befinden können“, sagt sie zu Gründerszene.
Im Supermarkt liest Dettmers fortan die Zutatenlisten aller Lebensmittel, die sie braucht. „Oft sind sie winzig gedruckt oder gelbe Schrift steht auf weißem Hintergrund“, sagt sie. „Jeder Einkauf dauerte plötzlich drei- bis viermal so lange.“
Die Familienmutter macht Fotos, vergrößert die Texte mit dem Smartphone. Doch sie erkennt: „Das kann nicht die Lösung sein.“ Als Ärzte auch bei ihren Kindern eine Glutenunverträglichkeit feststellen, macht sie sich einen Plan. „Da wurde mir klar, dass es einen Helfer geben müsste, der beim Einkaufen unterstützt.“
Dettmers baut eine App, die per Barcode-Scan erkennt, ob ein Lebensmittel unverträgliche Stoffe enthält. Sie soll per Ampel-Logik zeigen, wie gefährlich ein Produkt ist: rot für bedenklich, gelb für Vorsicht, und grün für glutenfrei. Vier Monate später stehen das Produkt und das Startup dazu: Ampelo. Rund 5000 User haben die App bereits heruntergeladen. Programmiert hat Dettmers sie vor allem mit Künstlicher Intelligenz (KI) – und erzählt im Interview mit Gründerszene, wie genau sie Claude Code dafür genutzt hat.
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Gründerin programmiert ihre App mit Claude Code – und lässt sich jeden Schritt erklären
Als Wissenschaftlerin forscht Dettmers lange am Max-Planck-Institut, lehrt später an der Fernuniversität Hagen und berät zuletzt eine Stiftung. Die Gluten-Warn-App baut sie anfangs für ihre Familie. „Als klar wurde, dass ich die App veröffentlichen möchte, brauchte das Projekt meine volle Aufmerksamkeit“, sagt sie. Den Job gibt sie auf für Ampelo.
Ihr wissenschaftlicher Background helfe beim Programmieren. „Große Datenmengen zu strukturieren, Modelle zu bauen und Ergebnisse zu validieren war mein Alltag. Dank KI hatte ich nun die Möglichkeit, dieses Wissen in eine eigene App zu übersetzen.“
Auch in Ernährungswissenschaften arbeitet sie sich ein. „Ich habe sehr viel recherchiert und mir zusätzlich fachliche Unterstützung geholt. So konnte ich das Wissen kontinuierlich erweitern und überprüfen“, sagt sie. „Es war fast wie ein zusätzliches Studium.“
Auf dieser Grundlage entwickelt Dettmers ab Oktober 2025 das Konzept für Ampelo. „Die Idee entstand aus einer sehr persönlichen Geschichte. Deshalb wusste ich genau, welches Problem ich lösen wollte und konnte entsprechend präzise prompten“, sagt sie.
KI stützt die Datenbank
Zunächst strukturiert Dettmers ihre Idee mithilfe von ChatGPT. „Ich habe vieles einfach ausprobiert und die KI immer wieder gefragt“, sagt sie. Außerdem lernt sie mit Youtube-Tutorials. Mit dem Wissen hinterfragt sie die KI-Antworten. „Das ist enorm wichtig, weil KI auch Fehler macht oder halluziniert.“
Sie erklärt dem Modell ihre Vision, stellt fortlaufend Fragen, lässt sich Code generieren. Im Januar erfährt das KI-Modell Claude Code einen Hype. Für Dettmers ist das agentische Programm „eindeutig die beste Lösung“. Mithilfe des Programmier-Chatbots schreibt sie den Code für Ampelo im Terminal ihres Computers.
„Es war letztlich ein klassisches Learning by Doing. Gleichzeitig bekam ich von der KI ständig Rückmeldungen darüber, was funktioniert und was nicht. Ich konnte sofort sehen, ob ein Befehl erfolgreich war oder ob ich etwas kaputtgemacht hatte.“
Außerdem baut sie eine Datenbank auf mit mehr als 350.000 Produkten aus dem deutschen Lebensmittelhandel. Die erweitere sie fortlaufend. Grundlage seien mitunter Open-Source-Register, die Zutaten für Lebensmittel auflisten. Auch die Barcodes kann Ampelo anhand der Datenbank zuordnen.
Allerdings sei schwierig gewesen, das KI-System darauf zu trainieren, Wörter richtig zu erkennen und im Ampel-System einzuordnen. „Der Aufbau war aufwendig, denn manche Zutaten werden unterschiedlich geschrieben, enthalten Bindestriche oder sogar Tippfehler. All diese Varianten versucht Ampelo zu erkennen und korrekt einzuordnen“, sagt Dettmers.
Dabei geht es etwa um glutenhaltige Produkte wie Weizenmehl. „Darauf muss die App selbstverständlich reagieren. Gleichzeitig gibt es aber Begriffe wie Buchweizenmehl. Obwohl dort das Wort ‚Weizen‘ enthalten ist, ist Buchweizen glutenfrei.“
Mehr als 1000 Menschen nutzen Ampelo
Dettmers analysiert auch den Markt. Etwa ein Prozent der Deutschen hat Zöliakie, die Dunkelziffer ist höher. Bis zu 20 Prozent sind laktoseintolerant und eine unbekannte Zahl an Deutschen verträgt keine Fructose. Deshalb erweitert sie die App. Sie soll auch andere Unverträglichkeiten erkennen.
Zunächst testen 30 Menschen die App. Inzwischen haben allein im Google Play Store mehr als 1000 Menschen Ampelo heruntergeladen. Eine medizinische Beratung ersetzt die Plattform nicht, aber sie soll helfen bei der Orientierung im Supermarkt.
„Ohne KI hätte ich die App als Einzelperson nicht so schnell bauen können, aber ohne mein Wissen über Daten und Programmierung hätte die KI allein es ebenso wenig gekonnt“, sagt sie.
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Drei Tipps fürs Coden mit KI
Im Interview teilt Dettmers ihre wichtigsten Tipps für den KI-gestützten Aufbau einer App:
- Löst ein ganz konkretes Alltagsproblem. Ich hatte von Anfang an eine klare Vorstellung davon, was mir persönlich helfen würde. Diese konkrete Vision hat mir beim Entwickeln enorm geholfen.
- Hinterfragt die Antworten der KI immer kritisch. Mir hat außerdem die Aufforderung „Erklär es mir wie einem zehnjährigen Kind“ sehr geholfen. Dadurch konnte ich neues Wissen Schritt für Schritt einordnen und verstehen.
- Seid mutig. Wenn ihr wirklich an eine Idee glaubt und überzeugt seid, dass sie ein echtes Problem löst, solltet ihr euch trauen, sie umzusetzen.
Geld verdient Dettmers bislang nicht mit der kostenlosen App. Statt mit Investoren baut Dettmers ihr Startup mit Eigenkapital auf. Sie plant Premium-Funktionen in der App und Kooperationen mit Krankenkassen, dem Lebensmittelhandel und Ernährungscoaches. „Mir war zunächst wichtig, Vertrauen in das Produkt aufzubauen. Gerade im Gesundheitsbereich spielt das eine zentrale Rolle.“
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Ardian übernimmt Pflegia – VisualLogix kauft refyne – Apryse übernimmt PDF Tools
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ Ardian übernimmt HR-Plattform Pflegia +++ Insight-Investment VisualLogix kauft Software-Roll-up refyne +++ Apryse kauft Smallpdf PDF Tools ab +++ Finanzspritze für Ascléa +++ All About Accuracy sammelt Millionensumme ein +++

Im #DealMonitor für den 15. Juli werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere phänomenale dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: Die nächste STARTUPLAND findet am 10. März 2027 statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
Ascléa
+++ Das Family Office Quercus, Catalpa Ventures, IBB Ventures und Business Angels investieren eine ungenannte Summe (Series A) in Ascléa, bisher unter dem Namen x-cardiac bekannt. Das Berliner Unternehmen, 2020 als Spin-off der Charité gegründet, entwickelt mit „Clé eine Plattform, die Krankenhäusern den souveränen Einsatz moderner Sprachmodelle und agentischer KI ermöglicht“. In den vergangenen Jahren setzt x-cardiac insbesondere auf ein KI-basiertes System zur Vorhersage von Komplikationen nach Herzoperationen. „Mit der Erweiterung des Produktportfolios wird diese KI-Expertise und Erfahrung künftig noch breiter zugänglich gemacht“, teilt das Team rund um Oliver Höppner mit. IBB Ventures und mehrere Business Angels investierten zuvor bereits in das Startup. IBB Ventures hielt zuletzt 12,5 % an Ascléa. Mehr über Ascléa
All About Accuracy
+++ Der Kölner Frühphaseninvestor Campus Capital by STS Ventures, Brandenburg Kapital, ZOHO.VC, Gigahertz Venture und Superangels investieren eine siebenstellige Summe in All About Accuracy. Beim DeepTech aus Potsdam, von Yori Fournier, Olivier Astraud, Denys Martynenko und Nicolas Illy als Spin-off des Leibniz-Instituts für innovative Mikroelektronik gegründet, geht es um „die Bereitstellung eines hochmodernen Lokalisierungssystems für Innenräume“. „Die Technologie ermöglicht es Maschinen, Bewegungen in realen Umgebungen mit Millimetergenauigkeit zu erfassen und zu verstehen“, teilt das Team mit. Mehr über All About Accuracy
MERGERS & ACQUISITIONS
Ardian – Pflegia
+++ Die französische Investmentgesellschaft Ardian übernimmt via Ardian Growth die Mehrheit am Berliner Startup Pflegia, einem Jobdienst für Pflegekräfte bzw. eine „KI-gestützte Reverse-Recruiting-Plattform“. Der Jobdienst, 2019 von Felix Westphal, Lennart Steuer und Masoud Shahryari gegründet, wird nach Firmenangaben derzeit von „über 900.000 Pflegekräfte und rund 10.000 Arbeitgebern genutzt“. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft U.C.A. hielt zuletzt rund 57,5 % an Pflegia. Auch nach dem Einstieg von Ardian bleibt das „mittelständische Investmenthaus“ am Unternehmen beteiligt. „Durch die Transaktion realisiert die U.C.A. einen signifikanten Buchgewinn sowie einen Netto-Liquiditätszufluss jeweils im mittleren zweistelligen Millionenbereich“, heißt es in einer Bekanntmachung. Ardian Growth investierte hierzulande bereits in Kapten & Son. Mehr über Pflegia
VisualLogix – refyne
+++ Das New Yorker Software-Unternehmen VisualLogix, das von Insight unterstützt wird, übernimmt refyne. Das 2023 gegründete Unternehmen aus Frankfurt am Main, ein Zusammenschluss der Firmen CAD-PLAN, flixo, Triviso, N.CAD und TrunCAD, positioniert sich als „Softwareplattform für den Holz- und Metallbau“. refyne beschäftigt derzeit an acht Standorten rund 150 Mitarbeitende. refyne wurde in den vergangenen Jahren von LEA Partners unterstützt und vorangetrieben. Im Zuge der Übernahme steigt Lea nun komplett aus. Für VisualLogix bedeutet die Übernahme die Expansion nach Europa: „The acquisition broadens VisualLogix’s presence across Europe while adding a leading software platform for wood and metal fabricators, providing integrated CAD, CAM, thermal analysis, and ERP solutions across the DACH region.“ Mehr über refyne
Apryse – PDF Tools – Smallpdf
+++ Das amerikanische Unternehmen Apryse (früher als PDFTron bekannt) übernimmt PDF Tools (gehörte seit 2022 zu Smallpdf). „Apryse erweitert sein Produktangebot um die herausragende Technologie von PDF Tools und baut zugleich seine globale Präsenz aus. Smallpdf wiederum kann sich nun vollständig auf seine PDF-Softwareplattform für Privatpersonen und Unternehmen konzentrieren“, heißt es in einer Presseaussendung. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Smallpdf legte einst 30 Millionen US-Dollar für PDF Tools auf den Tisch. Mehr über Smallpdf
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): azrael74
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Baut er das deutsche Polymarket?
Per App sollen Menschen auf Ereignisse in Sport, Politik und Alltag wetten – und so Daten liefern über die Stimmung in der Gesellschaft.
Seinen Exit hat er gerade hingelegt – jetzt programmiert Vincent Betz die nächste App: User sollen damit Vorhersagen treffen über Politik, Sport und den Alltag. Wer wird Fußball-Weltmeister? Bleibt eine Ministerpräsidentin im Amt? Kommt ein bestimmter Zug pünktlich?
„Die Vision ist ein Prediction Market – zunächst für Deutschland, später für Europa“, sagt Vincent. Die Umfragen sollen Stimmungen abbilden in der Gesellschaft und Daten liefern für Medien, Forschende und Unternehmen.
Vincent ist Teilnehmer unseres Startupcamps „Gründerszene sucht die Supergründer“. Zehn Wochen lang bauen acht Fellows mithilfe verschiedener KI-Modelle eigene Consumer-Apps.
„Gründerszene sucht die Supergründer“ ist ein zehnwöchiges Startup-Fellowship von Gründerszene. Acht ausgewählte Fellows entwickeln in Berlin mit Künstlicher Intelligenz Consumer-Startups – von der Idee bis zum ersten Produkt. Während des Programms arbeiten die Fellows gemeinsam im Axel-Springer-Hochhaus und werden von erfahrenen Unternehmern, Investoren und Experten begleitet. Partner wie OpenAI, Vercel, Dash0 und DHL unterstützen sie mit Technologie, Know-how und Mentoring. Gründerszene dokumentiert die gesamte Reise mit Artikeln, Videos und Social-Media-Inhalten – und zeigt hautnah, wie heute die nächste Generation von Startups entsteht.
Wetten abschließen per App: auf News, Sport und Alltag
Mit Coding kennt sich Vincent aus. Er studiert fünf Jahre lang Management und Informatik, legt ein Auslandssemester ein in Berkeley. An der Elite-Uni lernt er, wie er Unternehmen sichtbarer macht in KI-Systemen wie ChatGPT. Mit dem Know-how gründet er 2025 ein Startup – und verkauft es vor wenigen Monaten. Das Thema sei spannend, aber “einfach nicht meine Welt”, sagt er.
Nach dem Exit „habe ich jeden Tag mit Menschen aus meinem Netzwerk gesprochen und versucht herauszufinden, welche Themen gerade spannend sind“. Vincent entscheidet sich für Prediction Markets, also Plattformen, die künftige Ereignisse voraussagen sollen. Kicktipp bietet sie als Game an, bei dem User auf Sportergebnisse wetten. Beim Martführer Polymarket setzen hunderttausende User sogar Geld auf bestimmte Ereignisse. „Das zeigt, wie groß das Interesse an solchen spielerischen Wettbewerben sein kann“, sagt Vincent.
Er will das Prinzip in Deutschland ausbauen und um News-Themen ergänzen. Für jede richtige Vorhersage sammeln User Punkte und können sich in Ranglisten oder privaten Ligen mit Freunden messen. Zunächst geht es dabei um den spielerischen Wettbewerb. Langfristig sollen aus den Vorhersagen vieler Nutzer belastbare Daten entstehen, die zeigen, welche Entwicklungen die Gesellschaft für wahrscheinlich hält.
Der wichtigste Faktor für seine künftige App sei Spaß. „Die Menschen müssen Lust haben, darüber zu sprechen und gemeinsam zu diskutieren.“ Menschen könnten um den Dönerpreis wetten. „Fast jeder kennt die Diskussion darüber, dass ein Döner heute sieben oder acht Euro kostet“, sagt Vincent. „Man könnte Vorhersagen dazu machen oder fragen, ob der Preis bis Jahresende über oder unter einem bestimmten Wert liegt. Solche Themen holen viele Menschen ab, weil sie jeder kennt.“ Die Mischung aus Alltag, Humor und Wettbewerb bringe User auf seine Seite.
Vom MVP-Konzept zum Prototyp: So hilft der KI-Agent
Vincent will sein Tool auch auf News-Seiten integrieren. Leser sollen dann unter Artikeln Fragen beantworten, etwa zum Ausgang einer Wahl. Die Verlage würden ihm dafür Geld zahlen, soweit die Idee. „Solche Kooperationen könnten helfen, die Plattform in der Anfangsphase zu finanzieren“, sagt er. Sobald genügend Nutzer aktiv sind, würden die Daten möglicherweise interessant – für Börsen, Investoren oder Marktforschungsunternehmen.
In seiner ersten Woche bei „Gründerszene sucht die Supergründer“ will er „möglichst schnell die richtigen Leute kennenlernen.“ Auch definiert er die kleinstmögliche Version seines Produkts – einem sogenannten Minimum Viable Product (MVP). „Anschließend habe ich alles sehr detailliert dokumentiert. Ich habe für mich selbst ein ausführliches Dokument geschrieben, in dem jeder einzelne Schritt beschrieben war – von der grundlegenden Idee bis zu allen Funktionen, die das Produkt später haben soll.“
Danach befragt er einen KI-Agenten, den er mit Positiv-Beispielen für Apps und Projektplänen trainiert habe. Das dauere einen ganzen Tag. „Man kann sich das wie eine lange Aufgabenliste mit ungefähr 150 einzelnen Aufgaben vorstellen.“ Darunter: „Baue die Karten für das Frontend“, „richte die Datenbank ein“, „befülle sie mit Beispieldaten“, „implementiere den Google-Login“ oder „verbinde die Anwendung mit einer bestimmten API“.
Anschließend stellt der KI-Agent Rückfragen, „weist auf mögliche Probleme hin und fordert zusätzliche Entscheidungen ein. Erst wenn alle offenen Fragen geklärt sind, zerlegt er das Projekt in viele einzelne Arbeitsschritte.“
Parallel holt er Feedback ein von seinem Mentor, erfahrenen Gründern und Freunden. Nach einer Woche steht die Website für sein Projekt, Prediqu. „Man sitzt gerne hinter dem Laptop und entwickelt immer weiter, weil das Spaß macht. Viel schwieriger ist es, das Produkt früh zu zeigen und ehrliche Kritik auszuhalten. Es kann passieren, dass man drei Tage oder drei Wochen an etwas gearbeitet hat und dann feststellt, dass niemand es braucht. Genau deshalb sollte man so schnell wie möglich veröffentlichen.“
Später könnten User auch auf seiner Plattfomen Wetten abschließen mit Geld-Einsätzen, schlägt Vincent vor. Die Gesetze für Glücksspiel in Deutschland und anderen Ländern muss er zuvor aber prüfen. Erst mal sollen die Nutzer Wetten in einem kostenlosen Punktesystem abschließen.
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Vincents Top-Learning nach einer Woche
Vincents wichtigstes Learning: „Vorher hatte ich kaum Einblick darin, wie Medienunternehmen tatsächlich arbeiten. Genau diese Einblicke fand ich besonders spannend. Am Ende braucht jedes Startup Öffentlichkeit. Außerdem habe ich gelernt, wie kurz die Wege manchmal sein können. Man hat hier plötzlich direkten Zugang zu Menschen, die in ihrem Bereich zu den Besten gehören und einem konkret weiterhelfen können.“
Das erste Fazit: „Wir treffen fast jeden Tag Gründer, CEOs oder CTOs erfolgreicher Unternehmen. Solche Gespräche hat man normalerweise vielleicht ein- oder zweimal im Jahr – wenn überhaupt. Hier passiert das täglich. Deshalb würde ich mich fast schämen, wenn ich diese Gelegenheit nicht vollständig nutzen würde. Für mich bedeutet das, morgens anzufangen, bis spät in die Nacht zu arbeiten und jede einzelne Möglichkeit mitzunehmen. Das ist die beste Art, Wertschätzung für dieses Programm zu zeigen.“
Ziel für die zweite Woche: „Ich möchte den ersten größeren Launch vorbereiten. Bis jetzt habe ich fast meine gesamte Zeit in die Produktentwicklung investiert. Marketing und Content stehen als Nächstes auf der Liste.“ Vor allem über Social-Media-Inhalte wolle er 1000 Menschen animieren, seine Seite zu nutzen.
„Gründerszene sucht die Supergründer“ powered by Dash0, DHL, OpenAI & Vercel.
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