Digital Business & Startups
Was ich über Tim Cook völlig falsch verstanden habe
Kein Gründer — und trotzdem einer der erfolgreichsten CEOs aller Zeiten: Wie Tim Cook Apple zur wertvollsten Maschine der Welt machte.
Tim Cook ist die ultimative Erfolgsgeschichte eines Nicht-Gründers. Während er nach 15 Jahren als CEO von Apple zurücktritt, ist das für mich die wichtigste Erkenntnis.
Im Silicon Valley werden Gründer als die einzigen Führungspersönlichkeiten gefeiert, die in der Lage sind, großen, disruptiven und nachhaltigen Wert zu schaffen. Cook hat diese „Founder-Mode“-Theorie auf spektakuläre Weise widerlegt.
Ich war von Anfang an dabei. Als Steve Jobs 2011 starb, ging ich zum Apple-Hauptquartier, um über die Stimmung vor Ort zu berichten. Unter der Trauer lagen viele Fragen: Würde das Unternehmen ohne seinen legendären Mitgründer bestehen? Cook, ein Spezialist für Lieferketten und Operations, übernahm die Führung. Würde er genauso innovativ sein wie Jobs?
Gelächter über meine knallgrüne Hose
Diese Zweifel hingen jahrelang über Apple. Ende 2013 bezeichnete ich Cook in einer Analyse als „Verlierer“, nachdem er einen Großteil des Jahres damit verbracht hatte, zu zeigen, dass der Konzern weiterhin bahnbrechende Geräte entwickeln kann, die das Leben der Menschen verändern.
Etwa sechs Monate später reiste ich erneut zum Apple-Hauptquartier, um Cook, Eddy Cue, Dr. Dre und Jimmy Iovine zur Übernahme von Beats Electronics zu interviewen.
Ich glaube, der CEO hatte mir meine „Verlierer“-Aussage noch nicht verziehen. Als ich in einer knallgrünen Hose erschien, fragte Cook, ob ich direkt vom Golfplatz käme. Ich stammelte, während Cook und sein Team lachten. Ja, sogar Dr. Dre lachte über meine Hose. Das werde ich nie vergessen.
Leben nach Steve Jobs
Was ich ebenfalls nie vergessen werde, ist Cooks Antwort auf eine meiner Fragen. Die Beats-Übernahme war damals Apples mit Abstand größter Zukauf. „Hätte Steve Jobs so eine Übernahme gemacht?“, fragte ich.
Cook sagte, er versuche, sich nicht ständig zu fragen: „Was würde Steve tun?“ — führe Apple aber dennoch mit demselben Ethos obsessiver Produkt-Exzellenz.
Damals war ich etwas enttäuscht von dieser Antwort. Doch mit der Zeit habe ich den differenzierten, ausgewogenen und pragmatischen Ansatz zu schätzen gelernt. Jobs kam nicht zurück. Cook war nicht Jobs und konnte es auch nie sein. Also ging der neue CEO seinen eigenen Weg — und hielt gleichzeitig die grundlegenden Ziele und Ideale seines berühmten Vorgängers am Leben.
Die Billionen-Marke
2018 überschritt Apples Börsenwert erstmals die Marke von einer Billion Dollar und wurde damit zum ersten börsennotierten US-Unternehmen, dem das gelang. Statt ein Nicht-Gründer-„Verlierer“ zu sein, hatte Cook rund 650 Milliarden Dollar an Wert geschaffen — fast doppelt so viel wie Jobs.
Damals war ich Redakteur bei Bloomberg und fragte den iPod-Designer Tony Fadell nach seiner Einschätzung.
„Tim und sein Team haben es meisterhaft geschafft, Steves Vision weiterzuentwickeln und gleichzeitig operative und ökologische Exzellenz in jeden Teil des Unternehmens zu bringen — und so eine nie dagewesene Größenordnung zu erreichen, bei gleichzeitig außergewöhnlich hohen Margen im Consumer-Electronics-Geschäft“, sagte Fadell.
Weitere drei Billionen
Seitdem hat Apple weitere drei Billionen Dollar an Börsenwert aufgebaut. Das iPhone hat sich von einem coolen Gadget zum zentralen Werkzeug entwickelt, mit dem die meisten Menschen ihr Leben organisieren.
Macs wurden dank Apples eigener Chips immer besser — eine Strategie, die Cook mit typischer Präzision umgesetzt hat. Mein MacBook ist auch nach mehr als fünf Jahren intensiver Nutzung noch extrem schnell. Unglaublich.
Apples Servicegeschäft nahm durch die Beats-Übernahme richtig Fahrt auf, weil das Unternehmen damit einen Musik-Streamingdienst bekam, der mit Spotify konkurrieren konnte. Heute generieren Services weit über 100 Milliarden Dollar Umsatz — und das hochprofitabel.
„Tim Cook hat Apple zu dem Unternehmen gemacht, das es heute ist. Diese weltverändernde Größe ist ganz klar das Ergebnis seiner Führung und seines Fokus“, sagte Matt Rogers, ein ehemaliger iPhone-Designer und Mitgründer von Nest Labs.
Sein letzter Sieg?
War Cook so innovativ wie Apples Mitgründer? Vielleicht nicht. Das Unternehmen stellte ein selbstfahrendes Auto-Projekt nach jahrelangen Problemen ein. Die Vision Pro war ein teurer Flop, und es bleibt die große Frage, ob Apple im Bereich KI hinterherhinkt.
Dennoch sind neue Wearables in Entwicklung, und Apple hat bislang die massiven Investitionen vermieden, die andere Big-Tech-Konzerne in KI stecken. Das könnte sich am Ende als Cooks letzter großer Sieg herausstellen.
Doch der Markt lügt nicht — vor allem nicht über viele Jahre hinweg: Apple ist eines der wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Und Tim Cook hat das möglich gemacht.
Interessant ist auch: Apple liegt aktuell beim Börsenwert ungefähr gleichauf mit Google. Und wer führt Google seit über einem Jahrzehnt? Ein Nicht-Gründer namens Sundar Pichai.
Digital Business & Startups
Was deutsche Unternehmen falsch machen
„Europe plays not to lose“: Mawave-CEO Jason Modemann war in Singapur. Warum er nun das Mindset deutscher Unternehmer kritisiert.
In Unternehmen in Asien geht es um Wachstum, Tempo und Ambition. In Europa oft nur noch darum, den Status Quo beizubehalten. Jason Modemann, CEO und Gründer der Agentur Mawave, über einen Satz in Singapur, der ihn und sein Team besonders geprägt hat.
Diese Woche hat mich Meta nach Singapur ins Office eingeladen. Dort habe ich mit verschiedenen Unternehmen, Gründern und Entscheidern gesprochen. Aus den Gesprächen hat sich vor allem eine Zahl bei mir eingebrannt: Während die Wachstumsprognose in Südasien bei rund sechs Prozent plus liegt, sind es in Deutschland lediglich null bis maximal ein Prozent. Ein enormer Unterschied!
„Europe plays not to lose“
Natürlich hat mich interessiert, woran das liegen könnte. Daher habe ich den CEO einer größeren Marke nach seiner Einschätzung gefragt. Und er hat einen Satz gesagt, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht: „We play to win. Europe plays not to lose.“
Ich glaube, in dieser Aussage steckt ziemlich viel drin. Denn wenn man sich das Mindset im Vergleich anschaut, fällt ein Unterschied sofort auf: In Asien geht es darum, nach vorne zu kommen, schneller zu wachsen, größer zu werden, Dinge aufzubauen. In Europa geht es oft darum, das zu halten, was da ist: Wir wollen Marktanteile sichern, Risiken minimieren, bloß nichts verlieren.
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Das Problem: Aus dieser Haltung entsteht selten etwas wirklich Großes. Wann kam zuletzt ein Produkt aus Deutschland, das international wirklich relevant wurde? Wann haben wir zuletzt etwas gebaut, das global Maßstäbe setzt?
Ich sehe das auch ganz konkret in unserer Branche: In der Agenturwelt läuft in Europa extrem viel über London – ein Markt, der nicht mal mehr Teil der EU ist. Wir schaffen es nicht, vergleichbare Hubs in Deutschland oder Europa aufzubauen.
Aus der Komfortzone raus
Ich glaube, da fehlt den deutschen Unternehmen gerade ein Stück Hunger. Oder der Mut, sich aus der Komfortzone herauszubewegen und auf Wachstum, Innovation und neue Märkte zu setzen.
Für mich war das ein ziemlicher Reality Check. Deshalb versuche ich, das asiatische Mindset auch in unserer Company zu verankern – bei dem Team das schon da ist, genauso wie bei neuen Einstellungen.
Ehrgeiz nach mehr
Ich will keine Leute, die einfach nur eine Rolle ausfüllen, die den Job genau so machen wie ihr Vorgänger und versuchen, nichts falsch zu machen. Ich will Leute, die Dinge voranbringen und die Lust haben, etwas zu verändern. Ein Team, das hungrig nach mehr ist und nicht nur darauf achtet, nichts zu verlieren – sondern darauf, etwas zu gewinnen.
Am Ende ist es wahrscheinlich genau diese Frage, die sich alle Unternehmer stellen sollten: Spielst du, um nicht zu verlieren? Oder spielst du, um zu gewinnen?
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Jason Modemann ist Gründer und Geschäftsführer von der Social Media Agentur Mawave Marketing. Mit 27 Jahren führt er rund 150 Mitarbeiter. Zu Mawaves Kunden zählen unter anderem Red Bull, Nike und Lidl. Zudem ist er Autor des Buches „Always hungry, never greedy.“
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Blinkist-Gründer kaufen ihr Startup zurück
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ Blinkist-Gründer kaufen ihr Startup zurück (Exit 2023) +++ Spot My Energy übernimmt Messstellenbetrieb von Zählerhelden +++ Goldman Sachs Alternatives investiert 50 Millionen in BLP Digital +++

Im #DealMonitor für den 23. April werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere phänomenale dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: Die nächste STARTUPLAND findet am 10. März 2027 statt. Mehr über Startupland
MERGERS & ACQUISITIONS
Blinkist
+++ Die Blinkist-Gründer Holger Seim und Tobias Balling kaufen ihr Unternehmen vom australischen Lern-Unternehmen Go1 (Exit 2023) zurück. „Eine strategische Neuausrichtung hat dazu geführt, dass die gemeinsame Vision, die die Grundlage unseres Exits war, nicht mehr im Fokus steht. Ein Teil der Wahrheit ist sicherlich auch, dass beide Seiten unterschätzt haben, wie viel Komplexität es mit sich bringt, ein Unternehmen über drei Zeitzonen hinweg zu führen und dabei schnell und agil zu bleiben. Aus diesen Gründen war eine ‚Trennung‘ für beide Seiten die bessere Option“, sagt Seim zum Rückkauf. Blinkist, 2012 gegründet, liefert seinen Nutzerinnen und Nutzern Kernaussagen aus Sachbüchern – in Wort und Ton. Im Geschäftsjahr 2023/24 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von rund 53 Millionen Euro (Vorjahr: 28 Millionen). Mehr über Blinkist
Spot My Energy – Zählerhelden
+++ Das Kölner Smart Meter-Startup Spot My Energy übernimmt den Messstellenbetrieb von Zählerhelden (Dornstadt). „Mit der Übernahme von rund 3.000 Smart Metern baut Spot My Energy seine Marktposition im deutschen Messstellenmarkt weiter aus. Gleichzeitig konzentrieren sich die Gesellschafter künftig wieder stärker auf ihre jeweiligen Kerngeschäfte“, heißt es in einer Presseaussendung. Mehr über Spot My Energy
INVESTMENTS
BLP Digital
+++ Goldman Sachs Alternatives (Growth Equity) investiert im Rahmen einer „secondary transaction“ 50 Millionen US-Dollar in BLP Digital. Das Unternehmen aus Zürich, 2019 von Tim Beck, Sven Beck, Sabrina Schenardi und Thore Harmuth gegründet, entwickelt „KI-basierte Technologien, die Organisationen dabei unterstützen, ERP-Prozesse effizienter, transparenter und zuverlässiger zu gestalten“. Derzeit setzen „mehr als 450 Unternehmenskunden in über 40 Ländern auf BLP Digital“. Mehr über BLP Digital
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): azrael74
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Geheimes KI-Startup von Jeff Bezos sammelt 10 Milliarden Dollar ein
Project Prometheus ist ein geheimnisumwittertes KI-Startup, das von Jeff Bezos mitbegründet wurde. Was macht es?
Project Prometheus, das geheimnisvolle KI-Startup, das von Jeff Bezos mitbegründet wurde, sammelt laut mehreren Quellen rund zehn Milliarden US-Dollar (8,49 Milliarden Euro) an frischem Kapital bei einer Post-Money-Bewertung von rund 38 Milliarden US-Dollar (32,27 Milliarden Euro).
Die Finanzierungsrunde ist noch im Gange, und die Details könnten sich noch ändern. Sollte sie abgeschlossen werden, wäre dies die erste Finanzierung des Unternehmens seit den 6,2 Milliarden US-Dollar (5,27 Milliarden Euro), die es bei seiner Gründung im vergangenen Jahr eingesammelt hatte. Eine Sprecherin des Startups lehnte eine Stellungnahme ab.
Bezos war im November Mitbegründer von Project Prometheus. Über das Startup ist wenig bekannt, außer dass es sich auf physische KI konzentriert, die für die Interaktion mit realen industriellen Prozessen wie Fertigung, Luft- und Raumfahrttechnik und Halbleiterproduktion ausgelegt ist, anstatt auf rein digitale Aufgaben wie Chatbots.
Der andere Mitbegründer ist Co-CEO Vik Bajaj, der zuvor leitende Positionen bei Google X, dem „Moonshot“-Labor von Alphabet, innehatte und als außerordentlicher Professor an der Medizinischen Fakultät der Stanford University tätig ist.
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Project Prometheus hat in San Francisco Büroräume aufgekauft und Top-Talente von OpenAI abgeworben. Weitere Neueinstellungen stammen laut LinkedIn von xAI und Google DeepMind; dem Netzwerk zufolge beschäftigt das Unternehmen zwischen 50 und 200 Mitarbeiter.
Bezos hat zudem erste Gespräche mit Investoren im Nahen Osten und Südostasien geführt, um bis zu 100 Milliarden US-Dollar (84,93 Milliarden Euro) für einen Investmentfonds aufzubringen, der Unternehmen erwerben oder in diese investieren soll, die von der von Project Prometheus entwickelten Technologie profitieren würden, berichtete „New York Times“ im vergangenen Monat.
Bezos macht den KI-Giganten Konkurrenz
Project Prometheus betritt ein umkämpftes Feld, das von Giganten wie OpenAI, Google DeepMind, xAI und Anthropic dominiert wird, die alle einen Vorsprung bei der Entwicklung von KI-Modellen und der Rekrutierung hochkarätiger Fachkräfte haben.
Es steht zudem unter dem Druck anderer Startups, die sich auf physische KI konzentrieren, wie Periodic Labs, gegründet von William Fedus, einem prominenten KI-Forscher, der vor allem für seine Arbeit bei OpenAI bekannt ist, wo er als Vizepräsident für Forschung tätig war und die Post-Training-Bemühungen hinter ChatGPT mitgeleitet hat.
Was Project Prometheus natürlich hat, ist Bezos und sein 224-Milliarden-US-Dollar-Konto.
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