Künstliche Intelligenz
Zu viel Überwachung in französischem Anti-P2P-Gesetz: Hadopi entkernt
Frankreichs Urheberrechts-Bestrafungssystem Hadopi ist ab sofort weitgehend wirkungslos. Seit 2010 sieht das Modell der „abgestuften Erwiderung” auf vermutete Urheberrechtsverletzung in P2P-Netzen (Filesharing) beim dritten Mal eine Geldstrafe vor („three strikes”). Das Problem: Dafür speichert der Internetprovider (ISP) des verdächtigten Anschlussinhabers personenbezogene Daten gemeinsam mit Informationen über die vermutlich kopierten Werke. Dies erfolgt auf Zuruf privater Organisationen. Die Daten können tiefen Einblick in besonders sensible Bereiche des Privatlebens gewähren, beispielsweise in die sexuelle oder religiöse Orientierung.
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Frägt die für Hadopi zuständige Regulierungsbehörde Arcom diese Daten mehr als zweimal ab, kann sich ein Muster zeigen. Daher hat der Conseil d’État, das höchste Verwaltungsgericht Frankreichs, am Donnerstag Arcom untersagt, die Daten mehr als zweimal pro verdächtigem Anschlussinhaber anzufordern (Erkenntnis N° 433539). Denn ohne unabhängige Genehmigung der Einsichtnahme ist das Datenschutzrisiko unverhältnismäßig zur Ahndung geringfügiger Verletzungen des Urheberrechts und verstößt gegen die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Vorratsdatenspeicherung. Notwendig wäre getrennte Speicherung von IP-Adressen und Inhaltsdaten.
Damit fällt die Möglichkeit, beim dritten Verstoß eine Geldstrafe durch die Staatsanwaltschaft zu veranlassen, weg. Beim ersten Verdachtsfall schickt die Behörde eine Warnung per E-Mail, beim zweiten Mal per Einschreiben. Doch zur bisher vorgesehenen Geldstrafe von bis zu 1.500 Euro kommt es vorerst nicht mehr. Das Verbot der dritten Datenverknüpfung gilt ab sofort. Das Kulturministerium wollte, dass die Datenschutzverletzungen ein Jahr lang weiterlaufen dürfen; doch das hat der Conseil d’État abgelehnt, zumal seit der einschlägigen EuGH-Vorlageentscheidung genau zwei volle Jahre verstrichen sind.
Alternativen sind möglich
In dieser Zeit hätten Gesetzgeber oder Regulierungsbehörde auf die Vorgaben des EuGH reagieren können. Möglich wären beispielsweise Auflagen, wonach die Internetprovider die Daten getrennt zu speichern haben; Bestrafung bereits beim zweiten Verstoß; Genehmigungen im Einzelfall durch ein Gericht oder eine andere unabhängige Behörde; oder blinde Verwarnungen, bei denen Arcom nicht erfährt, welche Werke unzulässig kopiert worden sein sollen.
Kommenden Mittwoch möchte sich die Regulierungsbehörde mit Vertretern der großen Rechteinhaber dazu beraten. Allerdings ist der Betrieb des Hadopi-Systems teuer, und seit seiner Konzeption ist die Bedeutung von P2P-Filesharing deutlich zurückgegangen. Zudem ist die Wirksamkeit des Three-Strike-Ansatzes seit jeher zweifelhaft.
Sind die vermuteten Verstöße gegen das Urheberrecht so schwer, dass sie strafrechtlich relevant werden, hält das Höchstgericht auch die mehrmalige Zusammenführung der Daten für zulässig. Strafrechtliche Verfolgung ist allerdings sowieso, auch ohne Hadopi mit seinem Three-Strikes-Modell, möglich.
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Die Aussetzung der tiefgreifenden Datenauswertung ist ein Erfolg für jene Vier, die seit vielen Jahren gegen Hadopi prozessieren: die Bürgerrechtsorganisation Quadrature du Net, der älteste ISP Frankreichs French Data Network, der regionale ISP Franciliens.net (beide gemeinnützig) und der Verband gemeinnütziger Internetzugangsprovider in Frankreich (Fédération FDN).
(ds)
Künstliche Intelligenz
Trump-Handy T1 ist ein umlackiertes HTC U24 Pro aus China
Das T1 Phone der Trump Organization ist im Kern ein goldlackiertes HTC U24 Pro aus dem Jahr 2024, wie ein Teardown der Reparaturplattform iFixit zeigt. Das Innenleben des goldfarbenen Smartphones stimmt demnach fast vollständig mit dem zwei Jahre alten Android-Gerät von HTC überein.
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Für die Analyse schob iFixit beide Handys zunächst durch einen Computertomografen und zerlegte sie anschließend. Das Ergebnis: gleiche Hauptplatine, gleicher Prozessor Snapdragon 7 Gen 3, 12 GByte Arbeitsspeicher und 512 GByte Speicherplatz. Die Unterschiede sind weitgehend kosmetisch: Die Position des Blitzes wurde leicht verschoben, das Lautsprechergitter ist anders perforiert. Die Platine des HTC-Modells lief im Test problemlos im Trump-Gehäuse, dokumentiert iFixit im Teardown.
Der einzige nennenswerte Hardware-Unterschied steckt offenbar im Akku: Die Zelle des T1 Phones ist mit 19,35 Wattstunden etwas größer als die 17,23 Wattstunden des HTC U24 Pro. Dafür lädt das Trump-Handy nur mit 30 Watt statt mit 60 Watt wie das Original.
Entworfen und gebaut in China
Damit widerspricht der Teardown den Werbeversprechen hinter dem T1. „Wenn man diese Informationen zusammennimmt, erhält man kein ‚american-proud Design’, sondern ein Handy, das in China entworfen und weitgehend mit Teilen, die aus China stammen, in China hergestellt wird“, schreibt iFixit. Die Trump Organization hatte das T1 zunächst als „Made in the USA“ beworben, diese Behauptung nach den ersten Vorbestellungen aber entschärft. Das Handy sei mit „amerikanischen Werten“ designt worden, hieß es stattdessen etwa vorübergehend. Auf der Verpackung steht inzwischen nur noch „Assembled in the USA“: Laut iFixit behauptet die Trump Organization, das Handy werde von einem Team in Florida aus zehn Teilen zusammengesetzt.
Beim Preis nehmen sich das mittlerweile an erste Nutzer ausgelieferte T1 Phone und das HTC-Handy wenig: 500 US-Dollar entsprechen ungefähr dem, was das baugleiche HTC U24 Pro mit 512 GByte kostet. Den Reparatur-Score vergibt iFixit vorläufig mit 3 von 10 Punkten – gleichauf mit der HTC-Vorlage.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
Google-freies Android: Murena kündigt /e/ OS 4.0 an
Gut ein Jahr nach Vorstellung von /e/ OS 3.0 hat das französische Unternehmen des Linux-Urgesteins Gaël Duval, Murena, den Nachfolger /e/OS 4.0 veröffentlicht. Im Zuge dessen zeigt das Unternehmen neue Funktionen des Murena Workspace inklusive eines Tools, mit dem Nutzer Gmail den Rücken kehren können.
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Weg von Gmail mit einem Klick
Im Zuge der Ankündigung des neuen Android-Forks erwähnt das Unternehmen zunächst einen überarbeiteten Launcher, der unter anderem neue Farben und Bildschirmhintergründe liefert. Interessanter ist jedoch, dass /e/ OS 4.0 Nutzerinnen und Nutzer dabei helfen soll, Google den Rücken zu kehren. Dafür hat das Unternehmen seinen Migrations-Assistenten um eine neue Funktion erweitert, mit der Nutzer ihren Gmail-Account auf ein Murena-Konto quasi mit einem Klick umziehen können, heißt es.
Mit dem Migrations-Assistenten lassen sich nun Kontakte, Kalender und Google-Drive-Daten und auch Gmail-E-Mails in den Murena-Workspace bewegen. Um keine E-Mails zu verpassen, können Nutzerinnen und Nutzer eine automatische E-Mail-Weiterleitung an ihre neue Murena-Adresse einrichten und die Kontakte mittels automatischer Antwort über die Änderung informieren.

Mit /e/ OS 4.0 bringt Murena einen „Gmail Migration Assistant“.
(Bild: Murena)
Überdies könne ein Assistent den Verlauf des Posteingangs durchsuchen, um die mit dem alten Konto verknüpften Abonnements, Banken und Online-Dienste zu identifizieren, und Nutzern dabei helfen, diese zu aktualisieren.
Cloudbasiertes Backup
Weiter enthält die neue Version von /e/ OS die Funktion Murena Backup: Der cloudbasierte Dienst kann dem Unternehmen zufolge installierte Apps, App- und Systemeinstellungen, Konten, E-Mails, Medien und Kalender im Murena-Konto sichern. Damit will das Unternehmen Googles Android-Backuplösung ersetzen. Laut Murena kommt diese Funktion jedoch erst mit Version 4.1.
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Mit /e/ OS 4.0 oder 4.1 zieht ein Backup-Tool ein.
(Bild: Murena)
Eine weitere neue Funktion nennt sich App-Certification-Compatibility-Layer. Mithilfe dieser sollen Apps, die auf Googles Device-Verifizierungs-System setzen und Google-Dienste erfordern, dennoch unter /e/ OS 4.0 funktionieren. Murena sagt, dass dies den Umfang der unterstützten Apps unter /e/ OS erhöhe.
Passwortmanager und Maps
Ebenso neu, aber auch für Version 4.1 vorgesehen, ist Murenas eigener Passwortmanager für /e/ OS, der die browserbasierte Lösung des Murena Workspace ergänzen soll. Der Passwortmanager unterstützt laut Hersteller automatisches Ausfüllen von Anmeldeformularen, die Erstellung sicherer Passwörter bei der Kontoerstellung und bietet eine proaktive Überwachung. Heißt: Sollte ein Passwort in einer bekannten Datenpanne auftauchen, wird der Nutzer umgehend darüber benachrichtigt.
Zudem arbeitet Murena an einer eigenen Kartenapp: Murena Maps laufe bereits in der Beta-Testphase, das Unternehmen werde bald weitere Informationen dazu veröffentlichen.
Murena Workspace
Mit /e/ OS 4.0 hat Murena auch die Tools „Murena Meet“ und „Murena Sign“ für seine Workspace-Suite angekündigt. Bei Meet handelt es sich um eine Alternative zu Google Meet, die auf Murenas eigener Infrastruktur läuft und unter anderem über Funktionen wie Terminplanung und Bildschirmfreigabe verfügt. Die Videoanrufe sind laut Hersteller Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Mit Sign können Nutzer Dokumente wie PDFs, Word-Dokumente und ODT signieren. Die Lösung ist Murena zufolge eIDAS-konform; einfache Signaturen sind für alle Nutzer kostenlos. Laut Murena sollen beide Funktionen im Laufe des Juli mit /e/ OS 4.0 und /e/ OS 4.1 eingeführt werden.
Gigaset mit /e/ OS
Murena hat im Zuge der Ankündigung seine Palette an unterstützten Smartphones erweitert: Die beiden Smartphone-Modelle GS6 und GS6 Pro des deutschen Herstellers Gigaset laufen nun auch auf /e/ OS. Die Geräte verfügen unter anderem über einen MediaTek-Dimensity-7300-Chip, einen 6,67-Zoll-OLED-Bildschirm mit 120-Hz-Bildwiederholrate, 8 GByte RAM, einen austauschbaren 5.300-mAh-Akku, 15-W-Wireless-Laden, eSIM-Unterstützung, Schutzklasse IP68 und ein Kamerasystem mit 64-MP-+8-MP-+2-MP-Sensoren. Die Smartphones ergänzen Murenas bestehendes Partnerportfolio, wie etwa das Fairphone 6.

Gigaset GS6 Pro mit Murenas /e/ OS 4.0.
(Bild: Murena)
Das Gigaset GS 6 Pro hat die c’t-Redaktion bereits getestet, jedoch noch ohne /e/ OS. Mit /e/ OS scheinen die beiden Gigaset-Geräte einen längeren Softwaresupport zu erhalten als mit der Software des Herstellers. Gigaset spricht von zwei Android-Updates (Android 16 und 17) und sieben Jahren Sicherheitspatches. Murena zufolge sollen die Modelle mindestens 8 Jahre Software-Support erhalten. Das Modell ohne Pro kostet bei Murena ab 340 Euro, das Pro ab 450 Euro.
(afl)
Künstliche Intelligenz
iCloud+ wird zum indirekten KI-Abo
Was kostet Siri AI? Wer Apples WWDC-Keynote in dieser Woche verfolgte, konnte zunächst davon ausgehen: nichts zusätzlich. „Sie werden kostenlos mit unseren neuesten Softwareversionen verfügbar sein“, so Softwarechef Craig Federighi in einer Videosequenz. Doch dann schob er ein „Aber“ nach: Es wird bei bestimmten Features Nutzungslimits geben. Diese lassen sich allerdings unter Umständen „überspringen“. Dabei nutzt Apple eine bereits bekannte Strategie, die sich um den Speicherdienst iCloud+ dreht.
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„Leistungsstarke Servermodelle“ kosten
Als Beispiele für Limits nannte Apple unter anderem die Bildgenerierung, die sich dank des neuen Image Playground (und Google-Unterstützung) verbessert hat. Vermutlich gelten sie aber genauso für die Erweiterung von Bildinhalten, eventuell die Clean-Up-Funktion zum Löschen von Bildinhalten sowie die neue Perspektivenänderung Spatial Reframing, die durchaus interessant ist. Bislang hat Apple keine konkreten Angaben dazu gemacht, wie viele Bilder Nutzer standardmäßig generieren dürfen. Federighi sprach aber von „Tageslimits“, diese setzen sich also nach 24 Stunden wieder zurück. Als Grund für die Einschränkungen nannte er, dass für die Funktionen „leistungsstarke Servermodelle“ verwendet werden.
Wer an die Grenze stößt, kann aber Abhilfe schaffen: „Ein erweiterter Zugriff ist bei den meisten iCloud+-Abos verfügbar“, so der Softwarechef. Das erinnert an andere Funktionen, die Apple iCloud+ spendiert hat – respektive dazu nutzt, mehr (oder teurere) dieser Abonnements zu verkaufen. „Bei den meisten iCloud+-Abos“ dürfte bedeuten, dass die billigste Variante für 99 Cent im Monat (ergibt 50 GByte Speicherplatz) wohl nicht dabei ist.
Erinnerungen an HomeKit Secure Video
Apple hatte dies bereits früher ähnlich gehandhabt: So funktioniert der sichere Videodienst für Apple Home, HomeKit Secure Video, mit dem billigsten Abo nur mit einer einzigen Kamera, die größeren Pakete (2,99 Euro im Monat für 200 GByte, 9,99 Euro im Monat für 2 TByte) nutzen fünf oder gar eine unlimitierte Anzahl von Aufnahmequellen.
Eine weitere Neuerung nur für iCloud+-Abonnenten ist die Nutzung von Apple Intelligence im Rahmen von HomeKit Secure Video. Mit „kompatiblen Kameras“ (welche das sind, blieb zunächst unklar) soll man dann unter anderem schriftlich zusammenfassen können, was zu sehen ist. Apple dürfte im Laufe der kommenden Wochen oder Monate konkretere Angaben zu Nutzungslimits machen. iOS 27, iPadOS 27, macOS 27 und die anderen neuen Systeme werden im Herbst erwartet.
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(bsc)
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