Entwicklung & Code
Claude Code für Modernisierung von COBOL-Systemen: Schwarzer Tag für IBM-Aktie
Offenbar, weil die KI Claude Code von Anthropic besonders zeitaufwendige Prozesse bei der Aktualisierung von Quellcode in COBOL übernehmen kann, ist der Aktienkurs von IBM am Montag um mehr als 13 Prozent eingebrochen. In einem Blogeintrag hatte das KI-Unternehmen erläutert, dass die eigene Technik die langwierige Erkundungs- und Analysearbeit automatisieren kann, die vor einer Migration durchgeführt werden muss. Dank der KI könne eine COBOL-Codebasis jetzt in einem Zeitraum von Quartalen modernisiert werden, während das bislang Jahre dauerte. Für die IBM-Aktien folgte der schlimmste Börsentag seit mehr als 25 Jahren, und allein im Februar hat die Aktie des Konzerns damit jetzt mehr als 26 Prozent an Wert verloren.
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Keine „Heerscharen“ von Beratern mehr nötig
COBOL läuft noch immer auf zahlreichen Mainframes, die insbesondere bei Banken, im Gesundheitswesen und Einzelhandel wegen ihrer hohen Zuverlässigkeit im Einsatz sind. Die meisten dieser Großrechner stammen von IBM, der US-Konzern macht damit einen signifikanten Teil seines Umsatzes. Die Modernisierung eines solchen Systems „erforderte früher ganze Heerscharen von Beratern, die jahrelang damit beschäftigt waren, Arbeitsabläufe abzubilden“, schreibt Anthropic jetzt. Nur wenige seien deshalb bereit gewesen, die hohen Kosten zu tragen. Genau diese kostenintensiven Teile einer Modernisierung könne Claude Code jetzt erledigen, während Menschen die Aufsicht und Kontrolle übernehmen müssen.
Trotzdem bleibt das Ausmaß des Ausverkaufs jetzt überraschend. IBM selbst hat schon vor zweieinhalb Jahren einen KI-Assistenten für die effizientere Übersetzung von COBOL in Java vorgestellt, um die Modernisierung von Mainframe-Anwendungen voranzutreiben. Erst im Sommer 2025 hat der IBM-CEO erklärt, dass das Werkzeug weite Verbreitung gefunden habe. Unternehmen würden es benutzen, um die Millionen Zeilen an Quellcode in ihren Systemen zu verstehen und damit entscheiden zu können, was sinnvollerweise modernisiert werden sollte. Gegenüber Bloomberg weist ein Analyst darauf hin, dass Mainframes also längst effizienter modernisiert werden könnten, die Betreiber das aber nicht angehen würden.
COBOL (Common Business Oriented Language) wurde in den 1950er-Jahren entwickelt und kommt heute nur noch selten zum Einsatz. Gleichzeitig handelt es sich dabei aber um besonders wichtige Systeme, die nicht einfach durch neuere Alternativen ersetzt werden können. Damit bedeuten die Mainframes für Unternehmen aber auch immense „technische Schulden“, die hohe Kosten verursachen. Gleichzeitig erschweren sie zunehmend den Zugriff auf Daten sowie die Integration moderner Technik. Zudem gibt es immer weniger Entwickler und Entwicklerinnen für COBOL, weshalb erfahrene Teams für viel Geld vorgehalten werden müssen. Hier vermuten Anleger und Anlegerinnen für KI-Technik wie Claude Code wohl ein großes Einsparpotenzial.
(mho)
Entwicklung & Code
Gas Town 1.0.0: Agenten brauchen jetzt eine Freigabe
Gas Town hat Version 1.0.0 erreicht und gilt damit als produktionsreif. Nach 14 Vorabversionen (v0.5.0 bis v0.13.0) bringt das Release vor allem mehr Stabilität, bessere Sicherheit und neue Werkzeuge für die Orchestrierung komplexer Abläufe. Im Mittelpunkt stehen eine Workflow-basierte Ausführung, die direkte Anbindung an GitHub Merge Queues sowie zusätzliche Kontroll- und Schutzmechanismen für automatisierte Systeme.
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Gas Town ist ein Open-Source-Projekt, das Entwicklungs- und Automatisierungsprozesse orchestriert – insbesondere mehrstufige, teils agentenbasierte Workflows. Konzepte wie „Formulas“, „Polecats“ oder „Refinery“ stehen für die Verbindung strukturierter Abläufe mit automatisierten Akteuren, die sich in bestehende Entwicklungsumgebungen wie GitHub einfügen. Entwickler arbeiten dazu nur mit einem einzigen, zentralen Agenten zusammen, dem Mayor, der die anderen Agenten selbsttätig ins Leben ruft und orchestriert.
Mehrstufige Workflows und GitHub-Merge-Queue-Anbindung
Die wichtigste funktionale Neuerung sind Workflow-Formeln. Der neue Typ „workflow“ in gt formula run erlaubt es, mehrstufige, interaktive Abläufe zu definieren und auszuführen. Statt einzelner Befehle lassen sich damit ganze Prozessketten abbilden – etwa Codegenerierung, Testlauf und Pull-Request-Erstellung in einem Durchgang. Für Entwicklungsteams entspricht das einer leichtgewichtigen Workflow-Engine, die besonders bei KI-gestützten Prozessen nützlich ist.
Dazu passend bindet die Komponente „Refinery“ jetzt nativ GitHub Merge Queues an. Mit merge_strategy=pr reiht Gas Town Pull Requests direkt in die Warteschlange ein. GitHub führt Änderungen dann seriell und erst nach erfolgreichem CI-Lauf zusammen. In automatisierten Setups entfällt damit ein guter Teil der eigenen Merge-Logik, gleichzeitig sinkt das Risiko von Konflikten durch parallele Änderungen.
Windows-Support
Version 1.0 bringt außerdem einen ersten Windows-Support. Gas Town implementiert dafür plattformspezifisches Signal-Handling, Prozessmanagement und die Nachverfolgung von tmux-Prozesshierarchien. Da sich diese Mechanismen unter Windows grundlegend von Unix unterscheiden, war eine eigene Umsetzung nötig. Teams mit gemischten Betriebssystemlandschaften können Gas Town damit erstmals durchgängig einsetzen.
Sicherheit und Governance
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Beim Thema Sicherheit bündelt das Release mehrere Maßnahmen. Die Entwickler haben eine SQL-Injection-Lücke in dolt_remotes geschlossen. Ein neuer „PreToolUse“-Guard blockiert kritische Systemeingriffe wie sudo-Aufrufe oder Paketinstallationen. Zusätzlich lehnt Gas Town unsignierte Binärdateien ab. Die Kombination aus Schwachstellenbehebung und Laufzeitkontrollen zielt vor allem auf agentenbasierte Szenarien, in denen automatisierte Akteure potenziell gefährliche Aktionen auslösen könnten.
Neu sind auch „Mayor Approval Gates“ als Governance-Mechanismus. Bevor ein Polecat – also ein ausführendes Modul oder ein Agent – seinen Wirkungsbereich erweitert, braucht er eine Freigabe. Das betrifft etwa den Zugriff auf zusätzliche Ressourcen oder Komponenten. Das Prinzip ähnelt Policy-Engines oder Human-in-the-Loop-Ansätzen und soll verhindern, dass automatisierte Systeme eigenmächtig ihre Berechtigungen ausweiten.
Ein neues Rate-Limit-Watchdog-Plugin rundet das Release ab. Es erkennt HTTP-429-Antworten und stoppt den betroffenen Prozess automatisch. Das verhindert, dass Workflows bei API-Überlastung in Endlosschleifen laufen oder ungewollt hohe Kosten verursachen.
Alle Details zur Version 1.0.0 finden sich in den Release Notes auf der GitHub-Projektseite von Gas Town.
(fo)
Entwicklung & Code
Neu in .NET 10.0 [18]: Webserver als File-based App
Das direkte Übersetzen und Starten von C#-Dateien nennt Microsoft File-based Apps. Es ist auch möglich, einen Kestrel-Webserver innerhalb einer solchen App zu starten. Unten stehendes Beispiel zeigt eine ASP.NET Core Minimal WebAPI als eigenständige C#-Datei. Das Hosting erfolgt in dem in ASP.NET Core mitgelieferten Webserver Kestrel.
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Dr. Holger Schwichtenberg ist technischer Leiter des Expertennetzwerks www.IT-Visions.de, das mit 53 renommierten Experten zahlreiche mittlere und große Unternehmen durch Beratungen und Schulungen sowie bei der Softwareentwicklung unterstützt. Durch seine Auftritte auf zahlreichen nationalen und internationalen Fachkonferenzen sowie mehr als 90 Fachbücher und mehr als 1500 Fachartikel gehört Holger Schwichtenberg zu den bekanntesten Experten für .NET und Webtechniken in Deutschland.
In der File-based App wird Microsoft.NET.Sdk.Web als SDK angegeben. Als NuGet-Pakete werden Microsoft.AspNetCore.OpenApi und Humanizer verwendet. Die Ahead-of-Time-Kompilierung, die in File-based Apps Standard ist, ist hier deaktiviert, um Warnungen des JSON-Serialisierers zu vermeiden.
Folgender Code zeigt den Webserver auf Basis von ASP.NET Core mit einem Minimal-WebAPI-Endpunkt und OpenAPI-Metadaten:
#:sdk Microsoft.NET.Sdk.Web
#:package Microsoft.AspNetCore.OpenApi@10.*-*
#:package Humanizer@2.14.1
#:property Version=1.1.4
#:property PublishAot=false
using Humanizer;
using Microsoft.OpenApi;
// Webserver einrichten
var builder = WebApplication.CreateBuilder();
builder.Services.AddOpenApi();
var app = builder.Build();
app.MapOpenApi(); //
app.MapGet("/", () =>
{
// Daten für Operation
var d = new Data
{
Version = "9.0",
Release = "2024-11-12"
};
var dotNet9Released = DateTimeOffset.Parse(d.Release);
var since = DateTimeOffset.Now - dotNet9Released;
return $"It has been {since.Humanize()} since .NET {d.Version} was released.";
});
app.MapGet("/data", () =>
{
var d = new Data
{
Version = "9.0",
Release = "2024-11-12"
};
return Results.Json(d);
});
app.Run();
class Data
{
///
/// Version of the .NET release.
///
public string? Version { get; set; }
///
/// Release date of the .NET version.
///
public string? Release { get; set; }
}

Start und Ausgabe des Webservers (Abb. 1)
(rme)
Entwicklung & Code
software-architektur.tv: Was Developer von anarchistischen Denkern lernen können
Andrew Harmel-Law, Tech Principal beim Beratungsunternehmen Thoughtworks, hat eine ungewöhnliche Verbindung zwischen anarchistischer Theorie und moderner Softwarearchitektur aufgedeckt. Ausgangspunkt ist das 1966 erschienene Buch „Patterns of Anarchy“ von Leonard I. Krimerman und Lewis Perry – eine Anthologie anarchistischer Aufsätze, die auch Christopher Alexander als Inspiration für sein einflussreiches Werk „A Pattern Language“ diente.
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Harmel-Law stieß auf die Sammlung, weil Alexander sie in seinem 1977 veröffentlichten Standardwerk zitierte. Alexanders Konzept der Pattern Language – 253 Entwurfsmuster für Architektur und Städtebau – hat auch die Softwarebranche nachhaltig geprägt. Die berühmten Design Patterns der sogenannten Gang of Four aus dem Jahr 1994 gehen direkt auf Alexanders Arbeit zurück.
Die Anthologie von Krimerman und Perry versammelt Texte zur anarchistischen Tradition und behandelt unter anderem alternative Gemeinschaftsmodelle und Organisationsprogramme. Besonders der Abschnitt „Constructive Anarchism: Alternative Communities and Programs“ widmet sich praktischen Aspekten dezentraler Organisationsformen – ein Thema, das in der Softwareentwicklung aktueller ist denn je. Darüber sprechen Andrew Harmel-Law und Eberhard Wolff in dieser englischsprachigen Folge des Videocasts software-architektur.tv.
Der auf agile Methoden und Domain-Driven Design spezialisierte Berater Andrew Harmel-Law sieht deutliche Parallelen zwischen anarchistischen Organisationsideen und modernen Entwicklungspraktiken. Dezentrale, autonome Strukturen und föderale Entscheidungsprozesse, wie sie anarchistische Denker beschrieben, spiegeln sich in agilen Teams, Open-Source-Communities und selbstorganisierten Entwicklungsgruppen wider. Harmel-Law wird einige der interessantesten Erkenntnisse aus seiner Perspektive als Student des soziotechnischen Organisationsdesigns teilen. Manchmal wird er eigene Kommentare hinzufügen. Und natürlich stellt sich die Frage, inwiefern dies mit Softwareentwicklung zusammenhängt.
Livestream am 10. April
Die Folge wird am Freitag, 10. April 2026, live ab 13 Uhr gestreamt. Während des Livestreams können Interessierte Fragen via Twitch-Chat, YouTube-Chat oder anonym über das Formular auf der Videocast-Seite einbringen.
software-architektur.tv ist ein Videocast von Eberhard Wolff, iX-Blogger und bekannter Softwarearchitekt, der als Head of Architecture bei SWAGLab arbeitet. Zum Team gehören außerdem Lisa Maria Schäfer (Socreatory) und Ralf D. Müller (DB Systel). Seit Juni 2020 sind über 250 Folgen entstanden, die unterschiedliche Bereiche der Softwarearchitektur beleuchten – mal mit Gästen, mal Wolff, Schäfer oder Müller solo. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren berichtet heise Developer über die Episoden.
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(map)
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