Datenschutz & Sicherheit
Spyware kann Kamera- und Mikrofonanzeige beim iPhone abdrehen
Die scheinbar „fest verdrahtete“ Warnung, dass Kamera oder Mikrofon beim iPhone aktuell aktiv sind, lässt sich offenbar umgehen. Das Sicherheitsforschungsteam des MDM-Spezialisten Jamf warnt in einer neuen Untersuchung davor, dass dies mindestens eine bekannte Spyware bereits tut. Dabei handelt es sich um die kommerziell erhältliche Spionagesoftware Predator vom Hersteller Intellexa/Cytrox. Immerhin: Damit der Trick funktioniert, muss das iPhone zuvor vollständig übernommen worden sein und die Spyware Kernelzugriff haben.
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Eingriff ins System mit einem Hook
Im Gegensatz zum Mac, der eine physische LED für die Webcam-Anzeige verwendet, für die zumindest aktuell keine Hacks bekannt sind (allerdings früher), werden ein grünes Licht für Kamerazugriff (plus gegebenenfalls Mikrofon) und ein oranges Licht für Mikrofonzugriff auf iPhones und iPads rein grafisch dargestellt. Predator nutzt zur Umgehung dieser tief im System verankerten Funktion eigene Hooks und Code-Injections, die Systemprozesse aushebeln.
In ihrer Studie, die keine neuen Angriffsformen für die jüngste iOS-Version beschreibt, sondern ein Reverse-Engineering von Predator vornimmt, wird ein einzelner Hook identifiziert, der sowohl Kamera- als auch Mikrofonanzeige aushebeln kann. Frühere Ansätze arbeiteten anders, simulierten ein Herunterfahren des gesamten Geräts, um dann Kamera und Mikrofon aktiv zu lassen. Predator unterdrückt hingegen nur die Anzeige, während das iPhone normal weiterarbeitet.
Spyware braucht kompletten iPhone-Zugriff
Aus der Jamf-Studie geht nicht hervor, was Apple tun könnte, um diese Angriffsform abzuwehren – oder ob die ausgenutzten Lücken weiterhin bestehen beziehungsweise überhaupt abgewehrt werden könnten. „Diese Erkenntnisse schließen Lücken in den vorhandenen Bedrohungsinformationen und zeigen die ausgeklügelten Post-Exploitation-Techniken auf, die von kommerzieller Spyware eingesetzt werden, um die Datenschutzmaßnahmen von iOS zu umgehen“, schreiben die Forscher. Wir haben bei Jamf angefragt, wie man die aktuelle Lage dort einschätzt.
Informationen zu Predator waren bereits 2024 bekannt geworden – die Google Threat Intelligence Group hatte die Angriffe aufgedeckt. Bei der Spyware handelt es sich um eine vermutlich sehr teure und nur für gezielte Angriffe eingesetzte Software. Um die Kamera- und Mikrofonanzeige auszuhebeln, muss sie wie erwähnt vollen Zugriff auf das iPhone haben, was nur über die Ausnutzung schwerwiegender Zero-Day-Lücken geht. Diese treten allerdings immer wieder auf.
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(bsc)
Datenschutz & Sicherheit
CPUID: Angreifer haben über Webseite Malware-Installer verteilt
Wer am Donnerstag oder Freitag vergangener Woche, also dem 9. oder 10. April 2026, die System-Analysewerkzeuge von der CPUID-Webseite wie CPU-Z oder HWMonitor heruntergeladen hat, sollte den Rechner auf Malware-Befall untersuchen. Die Webseite lieferte an diesen Tagen für mehrere Stunden zufällig Links auf Malware anstatt auf die regulären Installationspakete aus.
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Den genauen Vorfall mit tiefgehender Malware-Analyse beschreibt ein Dokument des IT-Forschers mit Handle nemesis auf GitHub. Demnach konnten Angreifer die CPUID-Webseite über eine Schwachstelle in einer API kompromittieren. Die Webseite hatte dadurch demnach zufällig bösartige Links angezeigt. Die signierten Originaldateien wurden allerdings nicht verändert.
Manipulierte Download-Pakete
Die Analyse beschreibt, dass die Malware-Pakete glaubwürdige Dateinamen wie „cpu-z_2.19-en.zip“ trugen und die legitimen CPU-Z-Dateien enthielten, nebst einer bösartigen CRYPTBASE.dll. Die missbraucht die Standard-Windows-Suchreihenfolge, die diese Datei zunächst im aktuellen Verzeichnis und erst dann in Systemverzeichnissen sucht. Dadurch gelangt der Schadcode durch diese sogenannte „DLL Sideloading“-Schwachstelle zur Ausführung. Nach der Ausführung folgt eine mehrstufige Infektionskette. Eine von Kaspersky als „Backdoor.Win64.Alien“ erkannte Backdoor wird dabei persistent im System verankert. Die Analyse liefert diverse Anzeichen für erfolgreiche Angriffe (Indicators of Compromise, IOC).
Der Analyse von vxunderground auf Bluesky zufolge wurde der Angriff etwa ab 1 Uhr morgens am Freitag nach mitteleuropäischer Ortszeit (7 pm EST) entdeckt. Auch das HWMonitor-Paket lag dadurch in manipulierter Fassung als Download vor. Ein weiterer Kommentar weist auf eine Stellungnahme des CPU-Z- und HWMonitor-Maintainers @d0cTB. Demnach dauerten die Untersuchungen noch an, jedoch scheint eine API für sekundäre Funktionen der Webseite für etwa sechs Stunden kompromittiert gewesen zu sein. Dadurch habe die Hauptseite zufällig bösartige Links angezeigt. Die signierten Originaldateien wurden dabei nicht kompromittiert. Der Einbruch wurde entdeckt und daraufhin gestoppt.
Laut der tiefergehenden Analyse von nemesis handelt es sich um einen Lieferkettenangriff, bei dem die offizielle CPUID-Download-Infrastruktur bösartige Dateien ausgeliefert habe. Die Download-Links wurden dabei auf einen Cloudflare-C2-Speicher umgeleitet, anstatt auf die Standard-Infrastruktur von CPUID zu verweisen. Die Angreifer lieferten ihre eigenen trojanisierten Pakete aus, die durch russischsprachige Installer auffielen; die signierten Original-Installer wurden nicht manipuliert. Es gab also zwei Varianten der manipulierten Pakete, einmal die ausführbaren InnoSetup-Installer und dann die neu verpackten .zip-Dateien mit der zusätzlichen bösartigen CRYPTBASE.dll. Die Analyse erwähnt zudem eine ähnliche Malware-Kampagne gegen FileZilla Anfang März 2026, was auf dieselben Angreifer deute.
Wer im fraglichen Zeitraum die Software von CPUID heruntergeladen hat, sollte prüfen, ob es sich um die bekannten Malware-Varianten handelt. Auf VirusTotal sollten die Scanner inzwischen zu einem Großteil darauf anschlagen.
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Lieferketten- oder auch Supply-Chain-Angriffe treffen viele Unternehmen. So konnten Angreifer vor rund zwei Wochen durch eine Supply-Chain-Attacke auf LiteLLM auf interne Cisco-Daten zugreifen. Dabei sollen Quellcode und Kundendaten gestohlen worden sein.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
SAP-Patchday: Eine kritische SQL-Injection-Lücke – und 18 weitere
SAP kümmert sich am April-Patchday in 19 neuen Sicherheitsnotizen um Schwachstellen in diversen Produkten. Eine davon gilt als kritisch und erlaubt Angreifern das Einschleusen von SQL-Befehlen, eine weitere als hochriskant. Einen Großteil der Sicherheitslecks hat das Unternehmen als mittleres Risiko eingestuft, zwei sogar nur als niedrigen Bedrohungsgrad.
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Die Patchday-Übersicht für den April von SAP listet die einzelnen Schwachstellen sowie zugehörige CVE-Schwachstelleneinträge auf. Am schwerwiegendsten ist eine unzureichende Autorisierungsprüfung in SAP Business Planning and Consolidation sowie in SAP Business Warehouse, durch die authentifizierte Nutzer und Nutzerinnen manipulierte SQL-Statements zum Lesen, Verändern und Löschen von Datenbank-Daten ausführen können (CVE-2026-27681, CVSS 9.9, Risiko „kritisch“).
Als hochriskant gilt den Entwicklern eine fehlende Autorisierungsprüfung in SAP ERP und SAP S/4HANA sowohl in der Private Cloud als auch On-Premise. Die ermöglicht angemeldeten Angreifern, einen bestimmten ABAP-Report auszuführen und damit jeden bestehenden achtstelligen ausführbaren ABAP-Report unbefugt zu überschreiben. Dadurch kann bei überschriebenen Reports die eigentlich angedachte Funktion nicht mehr verfügbar sein (CVE-2026-34256, CVSS 7.1, Risiko „hoch“).
Weitere bedachte SAP-Sicherheitslücken
15 weitere Sicherheitslücken erhalten die Einstufung als mittleres Risiko. Sie betreffen
- SAP BusinessObjects Business Intelligence Platform
- SAP Human Capital Management for SAP S/4HANA
- SAP Business Analytics and SAP Content Management
- SAP S/4HANA OData Service (Manage Reference Equipment)
- SAP S/4HANA Backend OData Service (Manage Reference Structures)
- SAP S/4HANA Frontend OData Service (Manage Reference Structures)
- SAP Supplier Relationship Management (SICF Handler in SRM Catalog)
- SAP NetWeaver Application Server Java (Web Dynpro Java)
- SAP NetWeaver Application Server ABAP
- SAP HANA Cockpit und HANA Database Explorer
- SAP S/4HANA (Private Cloud und On-Premise)
- Material Master Application
- SAP S/4HANA OData Service (Manage Technical Object Structures)
- SAP BusinessObjects Business Intelligence Platform
Außerdem hat SAP eine ältere Sicherheitsnotiz SAP S4CORE (Manage Journal Entries) aus dem November 2025 aktualisiert. Die beiden als niedriges Risiko eingestuften Schwachstellen betreffen SAP NetWeaver Application Server ABAP und SAP Landscape Transformation.
IT-Verantwortliche sollten prüfen, ob sie die verwundbare Software einsetzen, und gegebenenfalls die angebotenen Aktualisierungen anwenden. Am SAP-Patchday im März dieses Jahres hatten Admins von SAP Flicken zum Ausbessern von 15 Schwachstellen erhalten. Davon galten zwei als kritische Bedrohung.
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(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Sicherheitslücke: wolfSSL-Bibliothek winkt manipulierte Zertifikate durch
Aufgrund einer Sicherheitslücke in der TLS-Bibliothek wolfSSL können Angreifer Opfer unter dem Deckmantel einer vertrauenswürdig wirkenden Verbindung auf von ihnen kontrollierte Server locken. Um das zu unterbinden, sollten Admins die dagegen abgesicherte Version installieren. In einer aktuellen Ausgabe haben die Entwickler noch weitere Lücken geschlossen.
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Mehrere Sicherheitsprobleme
Wie aus dem Changelog der aktuellen Version 5.9.1 hervorgeht, haben die Entwickler sich insgesamt um 21 Sicherheitsprobleme gekümmert. Am gefährlichsten gilt eine „kritische“ Lücke (CVE-2026-5194), die den Umgang mit Zertifikaten betrifft. Weil es bei über etwa ECDSA/ECC oder DSA ausgestellte Signaturen zu Fehlern kommt, können Angreifer Zertifikate manipulieren, die dann als gültig durchgewinkt werden. So können Angreifer etwa Opfer im Rahmen einer vertrauenswürdig aussehenden Verbindung auf von ihnen kontrollierte Server locken.
Neun weitere Softwareschwachstellen sind mit dem Bedrohungsgrad „hoch“ eingestuft. Nutzen Angreifer diese Lücken erfolgreich aus, können sie Speicherfehler auslösen (etwa CVE-2026-5264). Das führt in der Regel zu Abstürzen, oft gelangt in so einem Kontext aber auch Schadcode auf Systeme.
Setzen Angreifer an den verbleibenden Schwachstellen an, kann es ebenfalls zu Speicherfehlern (etwa CVE-2026-5392 „mittel“) kommen oder Angreifer können eigentlich verschlüsselte Inhalte im Klartext sehen (CVE-2026-5504 „mittel“).
Sicherheitspatch installieren
Bislang gibt es keine Hinweise auf Attacken. Admins sollten mit der Installation der gegen die geschilderten möglichen Angriffe gerüsteten Ausgabe aber nicht zu lange zögern. Andernfalls ist die Sicherheit von Verbindungen nicht gewährleistet.
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(des)
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