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GEO statt SEO? Wie KI-Suche gerade unser Marketing verändert › PAGE online


Generative KI verändert gerade, wie Menschen im Netz nach Informationen suchen und damit auch, wie Marken sichtbar werden. Statt nur bei Google zu ranken, geht es plötzlich darum, überhaupt in den Antworten von KI-Systemen aufzutauchen.

GEO statt SEO? Wie KI-Suche gerade unser Marketing verändert › PAGE onlineBild: Jana Reske

Von der Suchliste zur fertigen Antwort

Über viele Jahre hinweg folgte Online-Marketing einer relativ klaren Logik: Wer bei Google möglichst weit oben rankt, wird gefunden, bekommt Klicks und hat damit die Chance, Nutzer:innen auf die eigene Website zu führen. Diese Gleichung beginnt jedoch gerade zu kippen.

Mit der Verbreitung generativer KI-Systeme verändert sich die Struktur der Suche selbst. Tools wie ChatGPT, Perplexity AI oder Googles Google AI Overviews liefern immer häufiger direkt formulierte Antworten statt einer Liste von Links. Die Modelle durchsuchen verschiedene Quellen, fassen Informationen zusammen und präsentieren Nutzer:innen eine bereits kuratierte Antwort. Das wirkt auf den ersten Blick effizient. Für Websites bedeutet es jedoch, dass Sichtbarkeit zunehmend auch ohne klassischen Klick stattfinden kann.

GEO statt SEO?

In diesem Zusammenhang taucht seit einiger Zeit ein neuer Begriff auf, der in Marketing- und Tech-Kreisen immer häufiger diskutiert wird: Generative Engine Optimization, kurz GEO.

Während sich Search Engine Optimization (SEO) lange darauf konzentriert hat, Inhalte für Suchmaschinen zu optimieren und möglichst weit oben in den Ergebnislisten zu erscheinen, verschiebt sich der Fokus bei GEO leicht, aber entscheidend. 

Die zentrale Frage lautet nicht mehr nur, ob eine Website gefunden wird, sondern ob ihre Inhalte Teil der Antworten werden, die generative KI-Systeme formulieren. Damit verändert sich auch der klassische Weg digitaler Aufmerksamkeit. Wo früher ein klarer Ablauf existierte – Suche, Klick, Website –, kann dieser Prozess heute deutlich kürzer ausfallen. Die Antwort erscheint bereits in der Oberfläche der Suchmaschine oder des Chatbots selbst.

Sichtbarkeit ohne Klick

Genau darin liegt eine der größten Verschiebungen. Wenn KI-Systeme Antworten direkt zusammenstellen, kann es passieren, dass Nutzer:innen die Information bereits erhalten haben, ohne eine Website überhaupt zu öffnen. Für viele Unternehmen stellt sich daher eine neue Frage: Nicht nur, ob eine Marke gefunden wird, sondern auch, ob die KI sie überhaupt »kennt«. 

In Marketingdiskussionen taucht dafür inzwischen gelegentlich ein Begriff auf, der an den klassischen »Share of Voice« erinnert: der Share of Model. Gemeint ist damit die Präsenz einer Marke innerhalb der Antworten generativer Systeme. Wenn ein Modell beispielsweise regelmäßig dieselben Tools oder Anbieter nennt, entsteht eine neue Form von Sichtbarkeit, selbst dann, wenn kein direkter Websitebesuch stattfindet.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen SEO und GEO liegt darin, wie stark Unternehmen die eigene Sichtbarkeit kontrollieren können. Klassische Suchmaschinenoptimierung konzentrierte sich lange auf die eigene Website: Inhalte, Struktur, Keywords und technische Optimierung.

Generative KI funktioniert anders. Die Modelle greifen auf ein breites Spektrum an Quellen zurück, wie journalistische Artikel, Blogs, Foren, Bewertungen oder Social-Media-Beiträge. Dadurch entsteht ein deutlich komplexeres Bild davon, wie eine Marke im Netz wahrgenommen wird.

Die überraschende Rückkehr der Textplattformen

Gerade deshalb gewinnen Plattformen an Bedeutung, die lange nicht unbedingt als klassische Marketingkanäle galten. Besonders auffällig ist derzeit die Rolle textbasierter Community-Plattformen.

So taucht etwa Reddit in vielen KI-Antworten überraschend häufig als Quelle auf. Die Plattform besteht aus Diskussionen, Erfahrungsberichten und Bewertungen, genau jener Art von Inhalten, die Sprachmodelle gut verarbeiten können. Wenn Nutzer:innen dort Produkte vergleichen oder konkrete Probleme diskutieren, entstehen Beiträge, die für generative Systeme besonders wertvoll sind.

Auch LinkedIn scheint eine neue Rolle einzunehmen. Während die Plattform lange vor allem als berufliches Netzwerk wahrgenommen wurde, entwickeln sich längere LinkedIn-Posts und Artikel zunehmend zu einer Art öffentlich zugänglicher Wissensbasis. Beiträge, die ein Thema erklären oder analysieren, werden immer häufiger von KI-Systemen als Quelle aufgegriffen. 

Diese Entwicklung könnte Social-Media-Strategien langfristig verändern. Plattformen, die stark auf kurze visuelle Inhalte setzen, bleiben zwar wichtig für Aufmerksamkeit. Doch textbasierte Plattformen könnten wieder an Bedeutung gewinnen. Schlicht deshalb, weil sie die Art von Informationen liefern, aus denen KI-Modelle ihre Antworten konstruieren.

Eine neue Phase der Suche

Suchmaschinen experimentieren weiterhin mit KI-Antworten, und auch die Modelle selbst entwickeln sich ständig weiter. Doch schon jetzt zeigt sich, dass generative KI nicht nur ein neues Interface für die Suche darstellt. Sie verändert auch, wo und wie Informationen im Netz entstehen und damit die Orte, an denen Marken sichtbar werden.

All das deutet darauf hin, dass sich Marketing langsam in eine andere Richtung bewegt. Während SEO lange stark auf technische Optimierung und Keyword-Strategien ausgerichtet war, rückt nun stärker in den Fokus, wie eine Marke im gesamten digitalen Diskurs erscheint.

Es reicht möglicherweise nicht mehr aus, nur Inhalte auf der eigenen Website zu veröffentlichen. Entscheidend wird zunehmend, ob eine Marke auch in Artikeln, Diskussionen, Erfahrungsberichten oder Analysen auftaucht. Genau darin liegt vielleicht die spannendste Veränderung: Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur durch Rankings, sondern durch Einordnung, Kontext und Erwähnungen.

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»Der Designprozess ist nicht tot – aber die Ausreden sterben« › PAGE online


Mark Meyer, Vertretungsprofessor für AI + Design an der HfG Schwäbisch Gmünd, über die Frage, die gerade alle beschäftigt: Jenny Wen von Anthropic hat den Designprozess für tot erklärt. Die Wahrheit ist differenzierter – und die Chance größer, als die meisten denken.

»Der Designprozess ist nicht tot – aber die Ausreden sterben« › PAGE onlineBild: Mark MeyerJenny Wen, Head of Design für Claude bei Anthropic, hat Anfang März bei Lenny’s Podcast den Designprozess für tot erklärt. Double Diamond, Divergenz, Konvergenz – alles Geschichte. Wen beschreibt eine konkrete Verschiebung in ihrer eigenen Arbeit: Früher gingen 60–70 Prozent ihrer Zeit in Mockups und Prototypen, heute sind es 30–40 Prozent – der Rest fließt in direkte Zusammenarbeit mit Engineers und in die Implementierung selbst. Der Grund: Wenn Engineers mit mehreren AI-Coding-Agents gleichzeitig arbeiten und funktionierende Features in Stunden liefern, wird der klassische Designprozess, von wochenlanger Discovery und dann Handoff zu Engineers, zum Flaschenhals. Sie trifft damit einen wichtigen Punkt: Es ist tatsächlich Zeit aufzuwachen, nicht aber unbedingt, um Panik zu machen.

Die unbequeme Wahrheit: Design hatte schon vor Generative AI ein Problem

Wer die letzten paar Jahre nicht verschlafen hat, weiß, dass die Design Disziplin in einer Krise steckt. Google hat 2025 über 100 Designer:innen entlassen, und auch IDEO musste große Einbußen in Kauf nehmen.

Es wäre einfach, das alles jetzt auf neue AI-Tools zu schieben, allerdings liegt die Wahrheit woanders: Die bisherigen Bemühungen Design als strategische Kompetenz zu positionieren sind gescheitert. Kaum etwas ist von dem Design-Thinking Hype vor einigen Jahren noch zu spüren. Zu sehr wurde sich auf der »Craft«, also den handwerklichen Aspekten von Design, ausgeruht. Zu sehr nahmen wir als Designer:innen unseren Wert als selbstverständlich wahr. Design hat es sich zu lange bequem gemacht in der Überzeugung, dass gute Arbeit für sich spricht. Sie tut es nicht – jedenfalls nicht in Organisationen, in denen Budgets und Roadmaps von Menschen entschieden werden, die andere Sprachen sprechen. Wer jetzt jammert, AI würde Designer:innen überflüssig machen, sollte sich ehrlich fragen: Haben wir jemals überzeugend erklärt, warum wir nicht überflüssig sind? Die Antwort ist nicht mehr Design-Rhetorik. Sie ist Interdisziplinarität – raus aus der eigenen Blase, rein in die Sprache von Engineering, Product, Business und Daten. Genau hierbei können AI-Tools helfen: uns von der »Craft« zu lösen und die strategischen Kompetenzen des Designs endlich zu etablieren. Um das zu erreichen, lohnt sich ein genauerer Blick in das, was sich gerade rapide ändert: die Tool Landschaft.

Was sich ändert: Weg von Mockups, hin zum Produkt

Die vielversprechendsten AI-Tools aktuell sind Produktions-Tools, also Tools, die es ermöglichen, schnell UIs nicht nur zu entwerfen, sondern tatsächlich zu bauen. Machen diese Tools das schon genauso gut wie erfahrene Designer:innen? Sicherlich nicht. Teilweise werden noch grobe gestalterische Fehler gemacht, und Accessibility ist in der Regel auch noch ein Fremdwort. Allerdings wäre es leichtsinnig, sich auf diesen paar Prozentpunkten, die wir noch besser sind, auszuruhen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis diese paar Prozentpunkte verschwinden, und Generative AI Tools genauso gute Ergebnisse liefern wie erfahrene Designer:innen.

Statt also den durchgemachten Nächten Pixel-Schubserei nachzutrauern sollten wir uns freuen: Generative AI Tools stellen es uns in Aussicht, näher als je zuvor am realen Produkt zu sein! Noch nie war ein Mockup gleichzusetzen mit dem realen Produkt, und jetzt können wir, einfacher als je zuvor, ein Teil davon sein. Wir müssen nicht mehr große Handoff-Prozesse vorbereiten und darauf hoffen, dass möglichst viel unserer wunderschönen Mockups auch tatsächlich ihren Weg ins Produkt finden – wir können selbst mitmischen.

Was wir uns allerdings genau überlegen sollten ist, was uns überhaupt berechtigt mitzumischen. Welche Kompetenzen bringen wir als Designer:innen – also abseits unserer »Craft« – mit? »Kreativität« oder »Empathie« können es nicht sein – das sind keine Kompetenzen, die ausschließlich Designer:innen mitbringen. Engineers können genauso kreative Lösungen entwickeln, und emphatisch kann sowieso jeder Mensch kann sein. Die realen Kompetenzen des Designs liegen woanders: in der Fähigkeit, Aufgabenstellungen selbst in Frage zu stellen, bevor man Lösungen baut – also korrektes Problem Framing statt vorschnellem Lösungsmodus. Sie liegen in der Synthese widersprüchlicher Inputs, um Nutzer-Feedback, technische Einschränkungen und Business-Ziele zu einer kohärenten Richtung verdichten. Und die Kompetenzen liegen letztlich auch darin, die Endnutzer-Perspektive in Räumen zu vertreten, in denen alle anderen auf Metriken, Timelines oder technische Eleganz optimieren. Keine dieser Kompetenzen steht in einer Figma-Datei. Aber jede davon entscheidet darüber, ob das Richtige gebaut wird – oder nur irgendetwas, aber schnell.

Wo anfangen?

Wenn die eigentliche Designkompetenz nicht in der Figma-Datei steckt, dann ist der erste Schritt auch kein Tool-Wechsel, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie viel meiner Zeit fließt aktuell in Problem Framing, in Synthese, in die Vertretung der Nutzer-Perspektive? Und wie viel in Pixel-Produktion, die ein AI-Tool in Minuten erledigen könnte? Wer diese Frage beantwortet hat, weiß auch, wo AI-Tools ansetzen sollten: nicht als Ersatz für die eigene Urteilskraft, sondern als Mittel, um schneller dort anzukommen, wo die eigentliche Designarbeit beginnt.

Anfangen kann man dann mit Figmas oder Adobes eigenen AI-Features. Gleichzeitig kann man Prototyping-Tools wie Lovable oder v0 ausprobieren und in den Workflow integrieren. Perspektivisch kann man die Brücke zu Coding-Tools über Figmas MCP-Server schlagen. All das sind Wege, die Produktionsschicht zu komprimieren. Nicht um weniger zu arbeiten, sondern um mehr Zeit für die Arbeit zu haben, die das Profil von uns Designer:innen wirklich ausmacht.

Der Designprozess lebt – er entwickelt sich lediglich weiter

Jenny Wen hat also recht: Etwas Grundlegendes verschiebt sich. Und ihr Impuls – raus aus dem Elfenbeinturm, rein in die Zusammenarbeit mit Engineering, Product und Business – ist genau richtig. Aber der Designprozess ist nicht tot. Was stirbt, ist die Möglichkeit, sich hinter dem Prozess zu verstecken. Wer wochenlang in Discovery-Phasen verschwindet, ohne klare Entscheidungen zu treffen, für diejenigen wird es eng. Und wer Pixel-Perfektion als Wertbeitrag verkauft wird ebenfalls keinen Erfolg mehr verzeichnen können.

Für alle anderen ist das hier eine Chance, den eigenen Wertbeitrag klarer zu definieren. Nicht als isolierte:r Designer:in mit den perfekten Mockups. Sondern als integraler Bestandteil des Teams, das entscheidet, was gebaut werden soll und warum.

HfG Schwäbisch Gmünd

Die Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd bildet Designer:innen in drei Bachelorstudiengängen aus, die das Spektrum vom Physischen bis zum Digitalen abdecken: Produktgestaltung, Kommunikationsgestaltung und Interaktionsgestaltung. Der Master Strategische Gestaltung richtet den Blick auf Designmanagement und Forschung. Was die Programme verbindet: ein starkes Fundament in gestalterischen Grundlagen, geprägt durch die Tradition der HfG Ulm und des Bauhauses. Mit dem AI+D Lab baut die Hochschule eine programübergreifende Praxis an der Schnittstelle von KI und Design auf — nicht als Werkzeugkurs, sondern als kritische Auseinandersetzung mit der Frage, welche Rolle Gestaltung in der Entwicklung von KI-Systemen spielt.

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Wie viel Einfluss bleibt uns als Menschen in der Arbeit mit KI? › PAGE online


KI generiert auf Knopfdruck Bilder und Ideen. Doch wer entscheidet, was noch als kreativ gilt? Ein Blick darauf, wer wirklich der »Creative Agent« hinter dem Output ist und wie sich das gerade schlagartig verändert.

Wie viel Einfluss bleibt uns als Menschen in der Arbeit mit KI? › PAGE online

Welche Rolle spielen wir als Menschen eigentlich noch, wenn es um KI-Tools oder insbesondere um Bildgenerierung geht? Spiegelt der Output wirklich unsere kreativen Ideen und menschliche Kreativität wider, oder ist er mittlerweile so stark automatisiert, dass wir gar keinen Einfluss mehr auf das haben, was am Ende entsteht? 

Noch vor ein paar Jahren war es sehr deutlich, dass wir Menschen im Punkt der Kreativität immer den Einfluss und die Handlungsfähigkeit behalten werden und KI lediglich die ausführende Instanz ist. Wenn wir uns jedoch die aktuellen Entwicklungen und vor allem die Geschwindigkeit und Qualität von KI-Tools anschauen, stellt sich die Frage, wie groß unser Einfluss noch ist. Denn unsere aktuellen Tools liefern keine groben Entwürfe, sondern vermeintlich perfekte Lösungen. 

Wer genauer hinschaut – und vor allem in die Forschung blickt –, erkennt, dass es dabei nicht nur um technische Innovation geht, sondern um eine Verschiebung dessen, was wir unter »Creative Agency« verstehen. Der englische Begriff meint die Fähigkeit, kreativ zu handeln. Ideen zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen und Bilder zu kreieren. Wenn wir ihn ins Deutsche übersetzen, sprechen wir häufig von »kreativer Handlungsfähigkeit«. Und genau diese Fähigkeit wird durch KI-Systeme nicht ersetzt, sondern neu verteilt und neu gedacht.

Was akademische Forschung unter Kreativität in KI-Systemen versteht

In der akademischen Literatur ist die Position klarer, als man es angesichts der öffentlichen Debatten vermuten würde: KI-Systeme haben keine eigene Intention, keine ästhetische Subjektivität. Sie produzieren Bilder, indem sie Wahrscheinlichkeiten berechnen und visuelle Muster aus gigantischen Trainingsdatensätzen zusammenbringen. KI generiert also keine neuen Bilder oder Ideen, sondern synthetisiert das, was bereits vorhanden ist.

Der Medienwissenschaftler Matteo Pasquinelli und der Designer Vladan Joler formulieren es unmissverständlich: »AI does not create meaning. It recombines signals extracted from pre-existing data sets.« (Pasquinelli und Joler 2021). Und das ist entscheidend: KI kann nichts Neues hervorbringen. Sie kann nur remixen, was bereits existiert. Die Vorstellung, dass diese Systeme kreativ sein könnten, entsteht oft durch die visuelle Wirkung der Ergebnisse und nicht durch den Prozess dahinter. Und genau hier setzt die Theoretikerin und Künstlerin Hito Steyerl an, die den Begriff der »Mean Images« geprägt hat. Steyerl beschreibt diese Bilder als statistische Mittelwerte eines riesigen visuellen Archivs. Nicht das Besondere oder Neue wird generiert, sondern das, was rechnerisch am häufigsten vorkommt. Sie schreibt: »Mean images replace likeness with likeliness.« (Steyerl 2023). KI-Bilder entsprechen nicht einer tatsächlichen Referenz, einer realen Person oder Szene, sondern einem statistischen Wahrscheinlichkeitsprofil dessen, was eine Person »dieser Art« in den Trainingsdaten repräsentiert. 

KI-Bilder spiegeln keine Vielfalt in unserer Kultur wider, sondern einen Durchschnitt.

Doch diese vermeintliche Neutralität ist trügerisch. Steyerl betont, dass solche Mean Images keineswegs objektiv sind. Sie reproduzieren die dominanten visuellen Ideologien, die in den Trainingsdaten eingeschrieben sind, häufig ohne dass dies bewusst wahrgenommen wird. Dazu zählen Schönheitsideale, Körpernormen, Machtstrukturen und westlich-kommerzielle Bildwelten. Pasquinelli und Joler formulieren diese Problematik ergänzend so: »Mean images generate the illusion of neutrality, while in fact they reproduce the dominant visual ideologies embedded in the training data.« (2021). KI-Bilder spiegeln keine Vielfalt in unserer Kultur wider, sondern einen Durchschnitt. Dieser Durchschnitt ist jedoch kein globaler Querschnitt, sondern wird von westlichen und kapitalistischen Strukturen geprägt. Und genau darin liegt die Gefahr für kreative Handlungsfähigkeit: Die KI erzeugt das Erwartbare, nicht das Unvorhersehbare und verstärkt dadurch Muster, statt sie zu durchbrechen.

Wer oder was handelt eigentlich kreativ?

Statt also zu fragen, ob KI kreativ ist, lohnt sich eine andere Frage: Wie verändert KI die kreative Handlungsfähigkeit von Designer:innen? Denn beim Einsatz generativer Modelle wird deutlich, dass kreatives Handeln nicht mehr ausschließlich im Kopf oder in der Hand eines Menschen sitzt. Es verteilt sich über mehrere Ebenen: auf das Modell, die Daten, das Interface, den Prompt, die Nutzer:innen und die ökonomischen Strukturen dahinter. Diese Verschiebung wird in der Forschung häufig als »distributed agency« beschrieben. Ein KI-Modell trifft zwar keine autonomen Entscheidungen, beeinflusst die Ergebnisse aber dennoch, indem es bestimmte Bildlogiken bevorzugt und andere systematisch ausblendet. Ein Forschungsteam beschreibt diese Co-Produktion als: »Creativity becomes a relational process between human intention and machine imagination.« (Celis Bueno et al., 2024). Diese Formulierung trifft den Kern dessen, was Designer:innen aktuell erleben. Kreative Entscheidungen entstehen in einem Wechselspiel zwischen menschlicher Vision und algorithmischer Vorschläge.

Wie sich kreative Praxis durch KI konkret verändert

Dieser Wandel zeigt sich besonders deutlich im Arbeitsalltag. Die Ideenfindung wird zwar schneller, aber paradoxerweise nicht unbedingt freier. Zwar liefert KI innerhalb von Sekunden visuelle Interpretationen, diese folgen jedoch bestimmten Mustern und Richtlinien. Dadurch wird die Vorstellung davon, wie ein Entwurf aussehen könnte, eingeengt, da ständig die »wahrscheinlichste« Lösung vorgeschlagen wird. Gleichzeitig vervielfacht sich die Anzahl der Iterationen: Statt zehn Varianten entstehen hundert. Doch die Quantität täuscht über ein anderes Problem hinweg, denn die Konzepte werden dadurch nicht automatisch vielfältiger. Viele Versionen unterscheiden sich nur minimal voneinander, aber sie sind oft keine echten Alternativen. Die Verantwortung der Designer:innen verschiebt sich somit: Sie werden stärker zu Kurator:innen, Selektor:innen und Kritiker:innen. Die kreative Arbeit entsteht im Aussortieren, Kommentieren und Umformen. 

Kreative Kompetenz wird somit um eine neue Dimension ergänzt

Dabei zeigt sich, dass technisches Wissen plötzlich relevanter wird. Wer versteht, wie Modelle trainiert sind, wie Embeddings funktionieren oder wie sich Bilddaten durch Prompts beeinflussen lassen, hat eine ganz andere Kontrolle über die Ergebnisse. Kreative Kompetenz wird somit um eine neue Dimension ergänzt, die mit Software-Know-how und kritischer Modellkompetenz zu tun hat. Die Forschung macht deutlich, dass KI-Bildgeneratoren Muster reproduzieren, die ihnen kulturell und technisch vorgegeben sind. Das bedeutet, dass Kreativität heute nicht mehr nur darin besteht, Bilder zu erzeugen, sondern auch darin, bewusst mit der Unsichtbarkeit und den Lücken von Systemen umzugehen. Die eigentliche kreative Handlungsfähigkeit der Zukunft liegt vielleicht genau darin, KI nicht nur als Werkzeug zu nutzen, sondern sie aktiv zu formen, zu hinterfragen und immer wieder zu brechen. Designer:innen, die verstehen, dass KI-Bilder keine neutralen Vorschläge sind, sondern Ideologien, können die Systeme produktiv irritieren, gegen sie arbeiten, sie zweckentfremden und vor allem hinterfragen.

Letztendlich geht es weniger darum, ob KI kreativ ist, sondern vielmehr darum, wie wir mit ihr kreativ bleiben. »Creative Agency« wird damit zu einer Haltung, nicht zu einer Methode. Sie zeigt sich darin, welche Fragen wir stellen, welche Bilder wir akzeptieren und welche wir verwerfen sowie darin, wie bewusst wir die Systeme nutzen, die uns umgeben. Die zentrale Erkenntnis aus der Forschung ist, dass nicht die KI über die Zukunft der Kreativität entscheidet, sondern unsere Fähigkeit, sie zu verstehen. Und unsere Bereitschaft, gerade dort abzuweichen, wo ihre Bilder zu glatt, zu perfekt oder zu generisch erscheinen.

Akademische Quellen:

Bueno, Claudio Celis, Pei-Sze Chow, and Ada Popowicz. 2024. “Not ‘What’, But ‘Where Is Creativity?’: Towards a Relational-materialist Approach to Generative AI.” AI & Society, March. https://doi.org/10.1007/s00146-024-01921-3

Pasquinelli, Matteo, and Vladan Joler. 2021. “The Nooscope Manifested: AI as Instrument of Knowledge Extractivism.” AI & Society 36 (4): 1263–80. https://doi.org/10.1007/s00146-020-01097-6

Steyerl, Hito. 2023. “M E a N I M a G E S.” New Left Review. https://newleftreview.org/issues/ii140/articles/hito-steyerl-mean-images.pdf

 



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Der Countdown läuft: Ab dem 2. August 2026 kommt die KI-Kennzeichnungspflicht › PAGE online


Britta Klingberg, Fachanwältin für Gewerblichen Rechtsschutz und Expertin für IT- und KI-Recht, gibt einen Überblick, welcher KI-Content in Zukunft wie gekennzeichnet werden muss und stellt die Leitlinien vor, die der Code of Practice des EU-KI Büros jetzt bereits für die Praxis bietet.

Der Countdown läuft: Ab dem 2. August 2026 kommt die KI-Kennzeichnungspflicht › PAGE onlineBild: Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content, Europäische KI-Büro (das KI-Kompetenzzentrum der EU-Kommission) Der Countdown läuft: Ab dem 2. August 2026 legt Art. 50 Abs. 4 KI-VO allen Betreibern (= Nutzern!) von KI verbindlich die Pflicht auf, KI-generierten Content als solchen zu kennzeichnen. Das gilt verbindlich in der gesamten EU. Damit Verstöße nicht teuer werden, ist jetzt die Zeit für Unternehmen, Agenturen und Kreative, genau hinzuschauen und eine rechtssichere Kennzeichnungspraxis aufzustellen. Das EU-KI Büro entwickelt aktuell einen Code of Practice, der hierzu wichtige Leitlinien bietet.

Wer muss KI-generierten Content nach Art. 50 Abs. 4 KI-VO kennzeichnen?

Alle »Betreiber« von KI. Hier darf man sich vom Wortlaut der KI-VO aber nicht täuschen lassen, denn nach dem Verständnis der KI-VO sind Betreiber alle Unternehmen und Personen, die KI in eigener Verantwortung im beruflichen Kontext nutzen. Eine Ausnahme gilt nur für den KI-Einsatz für rein private Zwecke.

Welche Rechtsfolgen können Verstöße haben?

Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder 3% des weltweiten Jahresumsatzes des Unternehmens, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Und möglicherweise auch Abmahnungen von Mitbewerbern, wenn der faire Wettbewerb tangiert ist.

Muss nun alles, was mit KI generiert oder bearbeitet wurde, gekennzeichnet werden?

Ganz klar: Nein.

Weder die KI-VO noch irgendein anderes Gesetz schreiben eine allgemeine Kennzeichnungspflicht für jeden KI-Einsatz vor. Im Hinblick auf KI-generierte oder manipulierte Inhalte greift die Pflicht tatsächlich nur für zwei Fallgruppen:

Welcher Content muss nach Art. 50 Abs. 4 KI-VO gekennzeichnet werden?

Bild-, Ton- oder Videoinhalte, die Deepfakes sind.

Unter Deepfakes versteht man durch KI erzeugte oder manipulierte Bild-, Ton- oder Videoinhalte, die wirklichen Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen ähneln und einer Person fälschlicherweise als echt oder wahrheitsgemäß erscheinen würden. Entscheidend ist: Entsteht hier ein Realitäts-Gesamteindruck? Könnte ein (durchschnittlich informierter) Betrachter den Content insgesamt als echt ansehen? Dann ist es ein Deepfake und muss als KI-generiert gekennzeichnet werden.

Bei manchem Content liegt ein Deepfake auf der Hand: Bilder von tatsächlich existierenden Personen in real erscheinenden, aber tatsächlich nie passierten Situationen. Ein Video, dessen Tonspur durch einen KI-Voice-Over überspielt wurde.

Auf der anderen Seite klar kein Deepfakes sind KI-generierte Bilder oder Videos, die keine »echten« Menschen, Orte, Dinge zeigen. Zum Beispiel die Darstellung einer Person als Comic. Die Grenze liegt da, wo KI-generierter Content auf den ersten Blick unnatürlich oder realitätsfremd erscheint. Das ist kein Deepfake, weil es niemanden in die Irre führt. Aber was ist z.B. mit KI-Models, also KI-generierten Personen, die eigene Social-Media-Kanäle unterhalten und in der Werbung für Unternehmen erscheinen? Je nach Medium und Kontext könnte das als Deepfake eingestuft werden.

Fazit: Zwischen »eindeutig Deepfake« und »offensichtlich fiktional« liegt ein Bereich, dem Rechtsprechung und gesetzgeberische Leitlinien in der Zukunft noch Konturen geben müssen.

Veröffentlichte Texte von öffentlichem Interesse, sofern keine menschliche Überprüfung und redaktionelle Kontrolle erfolgt

Was Texte angeht, die veröffentlicht werden und von öffentlichem Interesse sind, die ebenfalls gekennzeichnet werden müssen: Werbe- und Marketingtexte werden hiervon in der Regel nicht erfasst sein, da das öffentliche Interesse daran fehlt. Dasselbe gilt für E-Mails, die man sich von Claude, ChatGPT oder Perplexity erstellen lässt und andere Texte, die nicht veröffentlicht werden.

Aber selbst, wenn ein mithilfe von KI erstellter oder manipulierter Text öffentlichkeitsrelevant ist, gilt: Die KI-Nutzung muss dann nicht offenbart werden, wenn der Text von einem Menschen überprüft oder redaktionell kontrolliert wurde und wenn eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung trägt. Entscheidender Faktor ist hier – wie an vielen Stellen in der KI-VO – die menschliche Kontrolle, der »Human-in-the-Loop«.

Wie muss gekennzeichnet werden?

Die KI-VO ist technikneutral und gibt nur vor, dass die KI-Kennzeichnung »in klarer und eindeutiger Weise« erfolgen muss, und zwar so, dass man die Kennzeichnung spätestens dann sieht oder hört, wenn man den KI-Content zum ersten Mal wahrnimmt (Art. 50 Abs. 5 KI-VO).

Gute Leitlinien und Orientierung bietet aber bereits jetzt der (freiwillige) Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content, den das Europäische KI-Büro (das KI-Kompetenzzentrum der EU-Kommission) aktuell entwickelt. Das ist derzeit zwar noch »work in progress« – der 2. Entwurf ist am 5. März 2026 veröffentlicht worden, die Fertigstellung des Kodex ist für Anfang Juni angekündigt.

Aber auch, wenn sich Details bis zum Sommer noch ändern mögen, die Eckpfeiler sind bereits da:

  • EU KI-Icon: Zur Kennzeichnung visueller Inhalte wird es ein EU-einheitliches Icon mit »AI« bzw. »KI« in Großbuchstaben geben. Im aktuellen Kodex-Entwurf werden folgende Vorschläge gezeigt. (Achtung, noch nicht final!)
Der Countdown läuft: Ab dem 2. August 2026 kommt die KI-Kennzeichnungspflicht › PAGE online
Beispiele eines von der Europäischen Kommission entwickelten Symbols mit ver-schiedenen Varianten vor einem Hintergrund. Bild: Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content, Europäische KI-Büro (das KI-Kompetenzzentrum der EU-Kommission)

Das EU KI-Icon wird nicht zwingend sein, aber die Verwendung hilft bei der Dokumentation, dass man KI-VO konform ist. Ggf. kann es ergänzt werden um einen kurzen Text wie »Erstellt mit KI« oder »Verändert mit KI«.

  • Barrierefreiheit: Es ist ein Kontrastverhältnis von mind. 4,5:1 gegen den Hintergrund einzuhalten. Dann ist das Icon auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigung gut lesbar.
  • Klare Erkennbarkeit: Das Icon muss konstant und deutlich erkennbar sein. Es darf nicht im Hintergrund oder hinter anderen Elementen versteckt oder durch unruhige Hintergründe unkenntlich gemacht werden.
  • Skalierung: Wird die Größe des Content verändert, muss das Icon entsprechend mitangepasst werden.
  • Videos: Bei kurzen Videos (TikToks, Instagram Reels, YouTube Shorts) muss das Icon über die gesamte Dauer des Clips sichtbar sein. Bei längeren Videos muss es am Anfang und dann in regelmäßigen Abständen eingeblendet werden. Ein »Disclaimer« am Ende reicht nicht aus.
  • Audio-Content: Auch hier kommt es auf die Länge an. Gefordert wird ein deutlicher, gesprochener Hinweis in Landessprache am Anfang, bei Content über 30 Sekunden auch wiederholt. Zudem erforderlich: Visuelles Icon, sofern das Audio am Bildschirm konsumiert wird (Smartphone-App, Auto-Display etc.).

Link zur Info-Seite der EU-Kommission:

Der 2. Entwurf des Code of Practice steht unter dem Artikel zum Download bereit:

Über Britta Klingberg

Britta Klingberg ist Fachanwältin für Gewerblichen Rechtsschutz und Expertin für IT- und KI-Recht, geistiges Eigentum und Datenschutz. Sie ist Partnerin in der Kanzlei Boege Rohde Luebbehuesen (BRL). BRL ist eine international ausgerichtete Partnerschaft von Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern, die im Jahr 2006 gegründet wurde. Heute ist BRL mit rund 420 Mitarbeitenden an den Standorten Hamburg, Berlin, Bochum, Hannover, Dortmund, Essen, München, Bielefeld und Düsseldorf vertreten. www.brl.de

 



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