Datenschutz & Sicherheit
Digitale Souveränität: Wire soll Signal als Standard im Bundestag ablösen
Vor dem Hintergrund aktueller Phishing-Kampagnen, die gezielt Messenger-Dienste und Politiker ins Visier nehmen, hat sich Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) mit einem dringlichen Appell an die Mitglieder des Parlaments gewandt. In einem heise online vorliegenden Schreiben legt sie den Abgeordneten die Nutzung des Dienstes Wire ans Herz.
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Die Bundestagsverwaltung stellt Wire aktiv zur Verfügung, um eine Alternative zu kommerziellen Plattformen wie WhatsApp oder Signal zu etablieren. Klöckner, die selbst von einer Phishing-Operation betroffen war, argumentiert mit formaler Sicherheit: Wire verfüge über eine Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und „ermöglicht vollständig Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation“.
Die Bundestagspräsidentin verweist zudem auf den Anmeldeprozess: Anders als bei vielen Konkurrenten erfolge die Registrierung bei Wire ausschließlich über eine E-Mail-Adresse. Die private Handynummer bleibe außen vor, die verwendete E-Mail-Adresse sei für Dritte nicht sichtbar. Diese Architektur soll es Angreifern erschweren, erfolgreiche Phishing-Versuche zu starten, da ein zentrales Identifikationsmerkmal verborgen bleibt.
Neuer Standard für staatliche Geheimhaltung
Das BSI hat der Version „Wire Bund“ gerade auch die Freigabe für Daten der Geheimhaltungsstufe „Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch“ (VS-NfD) erteilt. Das erlaubt es Behörden, sensible Informationen innerhalb einer kontrollierten, behördeneigenen Infrastruktur auszutauschen. Wire-Geschäftsführer Benjamin Schilz sieht darin einen Schritt hin zu mehr digitaler Souveränität, die vom Zusammenspiel von zertifizierter Software und sicheren staatlichen Betriebsverfahren lebe.
Die neue Zulassung ist zunächst bis Ende 2028 befristet. Das liegt an den noch fehlenden Post-Quanten-Verfahren, die auch Angriffen durch Quantencomputer standhalten müssen. Trotz der Zertifizierungen bleibt ein Rest Skepsis. Kritiker geben zu bedenken, dass auch Wire kein Allheilmittel gegen Cyberangriffe sei. Phishing lasse sich nie ganz ausschließen. Angreifer könnten versuchen, über die leicht zu erratenden dienstlichen E-Mail-Adressen von Parlamentariern an die Login-Daten für den Messenger zu gelangen. So ließen sich Angriffsmuster wie bei den jüngsten Attacken auf Signal-Nutzer wiederholen.
Zwischen Verbotspolitik und Eigenverantwortung
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Aus den Reihen der Konservativen kommen schärfere Töne. CDU/CSU-Vizefraktionschefin Andrea Lindholz (CSU) fordert ein Verbot von Signal für Abgeordnete und Mitarbeiter. Solche pauschalen Ansätze stoßen aber auf Unverständnis bei Experten, die darin eher ein mangelndes Verständnis für moderne digitale Kommunikationswege sehen.
Die Debatte verdeutlicht ein tieferliegendes Problem: Oft ist nicht die Technik die Schwachstelle, sondern der Mensch. Fachleute drängen daher auf mehr digitale Bildung für den politischen Apparat. Die Sicherheit im „Neuland“ Bundestag wird letztlich auch davon abhängen, wie souverän die Nutzer selbst mit ihren digitalen Instrumenten umgehen.
(vbr)
Datenschutz & Sicherheit
„Copy Fail“: Linux-root in allen großen Distributionen mit 732 Byte Python
Im Linux-Kernel haben IT-Forscher eine Schwachstelle entdeckt, die Angreifer zum Erlangen von root-Rechten missbrauchen können. Die Entdecker haben die Schwachstelle „Copy Fail“ getauft. Eigentlich alle Linux-Distributionen, die seit 2017 verfügbar sind, sollen davon betroffen sein.
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Das schreiben die IT-Forscher in einem Blog-Beitrag, der Bericht ist ihnen jedoch sogar eine eigene Domain wert. Die Lücke haben sie offenbar mit dem KI-Werkzeug Xint Code aufgespürt. Es handelt sich um einen Logikfehler, der lokalen Nutzern im System ermöglicht, einen deterministischen, kontrollierten 4-Byte-Schreibzugriff auf den Page-Cache jedes lesbaren Dateisystems eines Rechners auszuführen. Mit einem Python-Skript von 732 Byte Größe gelingt es den Forschern, eine Binärdatei mit setuid-Flag zu manipulieren und dadurch root-Rechte zu erlangen (CVE-2026-31431, CVSS 7.8, Risiko „hoch“).
Die IT-Sicherheitsforscher führen weiter aus, dass der Kernel die manipulierte Page nicht als „Dirty“ zum Rückschreiben aufs Laufwerk markiert, sodass die Datei unverändert bleibt und einfache Checksummen-Prüfungen von der Manipulation nichts mitbekommen. Beim tatsächlichen Dateizugriff erfolgt jedoch der Rückgriff auf den Page-Cache. Damit lassen sich zudem Container-Grenzen sprengen, da der Page-Cache auf dem Host geteilt wird. Konkret kündigen die IT-Forscher an, weitere Details zu veröffentlichen, die den Ausbruch aus Kubernetes-Containern erörtern.
Fehler im Krypto-Subsystem
Der Fund sei zwar KI-unterstützt gewesen, basierte aber auf Untersuchungen der Interaktion des Linux-Krypto-Subsystems mit Page-Cache-Daten. Interessierte finden sehr tiefgehende Details im Blog-Beitrag. Dort stellen die Programmierer auch einen Proof-of-Concept-Exploit vor. Das Python-Skript ist 732 Byte groß und verschafft lokalen Angreifern root-Rechte etwa unter Ubuntu 24.04 LTS mit Kernel 6.17.0-1007-aws, Amazon Linux 2023 mit Kernel 6.18.8-9.213.amzn2023, RHEL 10.1 und Kernel 6.12.0-124.45.1.el10_1 sowie SUSE 16 mit Kernel 6.12.0-160000.9-default. Zumindest haben die Entdecker der Schwachstelle diese Kombinationen erfolgreich getestet.
Einen Fix für den Kernel-Quellcode stellen die IT-Forscher ebenfalls bereit. Aktualisierte Kernel sollten inzwischen die größeren Distributionen bereitstellen. Als temporäre Gegenmaßnahme soll demnach aber helfen, AF_ALG-Socket-Erstellung über seccomp zu blockieren oder aber als algif_aead-Modul in die Blacklist aufzunehmen, sodass der Kernel es nicht lädt: echo "install algif_aead /bin/false" > /etc/modprobe.d/disable-algif-aead.conf rmmod algif_aead 2>/dev/null im Terminal erledigt das.
Es ist erst wenige Tage her, da hat die Telekom mittels KI die Schwachstelle „Pack2TheRoot“ im Linux-Kernel aufgespürt. Auch hierbei handelt es sich um eine Rechteausweitungslücke, die sich in mehreren Linux-Distributionen in den Standardkonfigurationen ausnutzen ließ.
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(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
SonicWall SonicOS: Sicherheitslücke erlaubt Management-Interface-Zugriff
Im Firewall-Betriebssystem SonicOS von SonicWall haben IT-Forscher drei Sicherheitslücken entdeckt. Angreifer können dadurch unter Umständen etwa unberechtigt auf das Management-Interface zugreifen.
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Davor warnt SonicWall in einer Sicherheitsmitteilung. Am schwersten wiegt eine Schwachstelle, die die Entwickler als schwache Authentifizierung einstufen. Dadurch können Angreifer unbefugt auf bestimmte, nicht genannte Management-Interface-Funktionen zugreifen – unter ebenfalls nicht genannten Umständen (CVE-2026-0204, CVSS 8.0, Risiko „hoch“). Angemeldete Nutzerinnen und Nutzer können zudem eine Path-Traversal-Schwachstelle ausnutzen und dadurch mit eigentlich zugriffsbeschränkten Diensten interagieren (CVE-2026-0205, CVSS 6.8, Risiko „mittel“). Und schließlich ist SonicOS für einen Denial-of-Service anfällig, da angemeldete User einen Stack-basierten Pufferüberlauf provozieren und so die Firewall abstürzen lassen können (CVE-2026-0206, CVSS 4.9, Risiko „mittel“).
Alle drei Lücken wurden von CrowdStrike gemeldet. Sie scheinen noch nicht attackiert zu werden, dazu schreibt SonicWall nichts.
Fehlerkorrekturen
Die Sicherheitslücken stopft SonicWall mit den Versionen 6.5.5.2-28n für die Gen6-Hardware-Firewalls, 7.3.2-7010 für Gen7-Geräte und 8.2.0-8009 für die Gen8-Firewalls des SonicOS-Betriebssystems. Für die Firmware 6.5.5.2-28n merkt SonicWall an, dass ein Downgrade auf vorherige Firmware-Versionen damit nicht unterstützt wird – wer das versucht, läuft Gefahr, alle LDAP-User und MFA-Einstellungen zu löschen respektive zurückzusetzen.
IT-Admins, die SonicWall-Firewalls und SSLVPNs einsetzen, können als temporäre Gegenmaßnahme bis zum Anwenden der Aktualisierungen das Management-Interface komplett deaktivieren und SSLVPN auf allen Interfaces abschalten. Die Verwaltung sollen sie dann auf den SSH-Zugang beschränken.
Admins sollten jedoch zügig aktiv werden. Sicherheitslücken in SonicWall-Firmware sind auch bei Cyberkriminellen hoch im Kurs – vergangenen Dezember haben sie eine Schwachstelle in SMA1000-Appliances attackiert.
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(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Diese Sicherheitspolitik gefährdet uns alle
Mehr Sicherheit sollen drei Gesetzentwürfe bringen, die das Bundeskabinett am heutigen Mittwoch beschlossen hat. Der „Gesetzentwurf zur Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse in der Polizeiarbeit“, der „Gesetzentwurf zur Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus“ und der „Gesetzentwurf zur Änderung der Strafprozessordnung“ legen die Grundlage dafür, dass Ermittlungsbehörden Gesichtsbilder mit Aufnahmen aus dem Internet abgleichen können und automatisierte Datenanalysen durchführen dürfen. Warum sie das brauchen? Unter anderem wegen der „hohen abstrakten Bedrohungslage“, erklärt der Vorspann der Entwürfe.
Dass dieses Paket jede Menge neue Überwachungsbefugnisse bringen soll und tief in Grundrechte eingreift, haben Datenschützer:innen und Bürgerrechtsorganisationen überdeutlich und immer wieder kritisiert. Darauf hören will die Bundesregierung offenkundig nicht.
Eingeschränktes Sicherheitsverständnis
Damit offenbart sie nicht nur, dass ihr die fachlichen Einwände egal sind und sie in Kauf nimmt, dass das heute geplante Gesetz später vor einem Verfassungsgericht wieder fallen könnte. Sie präsentiert auch ein hochgradig beschränktes Verständnis von Sicherheit. Und das gefährdet uns alle.
Sicherheit ist in der Welt der Merz-Regierung ein Schlagwort, um Kontroll- und Ordnungspolitik durchzusetzen. Das ist kein neuer Kurs, auch Vorgängerregierungen setzten auf immer mehr Gesetzesverschärfungen im Namen der Sicherheit, während andere Sicherheitsbereiche aus dem Blick gerieten.
Das war einmal anders. In seiner Regierungserklärung im Jahr 1969 sagte Willy Brandt: „Dauerhafte Sicherheit kann es in einer entwickelten Gesellschaft nur durch Veränderung geben.“ Und er sprach danach zuerst von Bildungspolitik und finanzieller Stabilität. Sein Verständnis und das der damaligen Politik machten nicht an Polizeibefugnissen und militärischer Stärke halt. Ja, auch Verbrechensbekämpfung und Militärbündnisse kamen in seiner Rede vor. Aber sie waren nicht die einzigen Aspekte eines Sicherheitsbegriffs, sondern zwei Faktoren von vielen, die in einer Gesellschaft wichtig sind.
Sicherheit ist mehr als Verbrechensbekämpfung
Wenn wir Sicherheit nur auf Verbrechensbekämpfung beziehen, verlieren wir die Gesamtheit unserer Lebensgrundlagen aus dem Blick.
Sicherheit ist, dass Menschen in Ruhe gesunden können, wenn sie krank geworden sind – ohne dass sie Nachteile fürchten müssen. Und nicht, dass ein Bundeskanzler ihnen Müßiggang unterstellt und sie dazu aufruft, mehr zu arbeiten.
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Sicherheit ist, wenn sich eine Regierung darum kümmert, dass Menschen sich auch in Zukunft Strom, Heizung und Mobilität leisten können. Und nicht, dass sie sich mit einer fossilverliebten Energiepolitik an den untergangsgeweihten Status Quo klammert.
Sicherheit ist, wenn Menschen sich ohne Angst frei entfalten und an der Gesellschaft teilhaben können – egal wo sie herkommen, wer sie sind oder ob sie in der Mehrheitsgesellschaft auffallen. Dazu passt weder der Kurs der Merz-Regierung zum Selbstbestimmungsgesetz noch zum Asylrecht und vielen anderen Bereichen.
Sicherheit ist kein Supergrundrecht
Und das wichtigste: Grundrechte müssen die Basis für jegliche Sicherheitspolitik sein. Denn ohne Grundrechte gefährden wir unsere Demokratie. Und eine Bundesregierung darf nicht selbst an deren Schwächung arbeiten. Sicherheit ist kein Supergrundrecht, wie der einstige CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich es vor mehr als zehn Jahren zu kolportieren versuchte.
Wenn es schon ein Supergrundrecht geben soll, ist das zweifelsohne die unantastbare Menschenwürde. Sicherheit kommt in der Liste der Grundrechte so nicht vor. Doch umgekehrt sind die Rechte, die in unserer Verfassung verankert sind, Basis für jede Sicherheit, die wir als Menschen in einem demokratischen Staat haben können.
Grundrechte können eingeschränkt werden, das stimmt. Aber dafür gibt es Voraussetzungen: Die entsprechenden Maßnahmen müssen geeignet, erforderlich und verhältnismäßig sein. Und dass das im Fall der derzeit vorgelegten Gesetzentwürfe der Fall wäre, daran – damit wieder zurück zur Kritik vom Anfang – zweifeln Fachleute stark.
Ein Gegenteil von Sicherheit ist Verunsicherung
Wir dürfen nicht aufhören, diese Kritik zu üben. An jeder einzelnen Maßnahme, die Grundrechte im Übermaß beschneiden. Wir dürfen auch nicht aufhören zu fordern, dass wir eine evidenzbasierte sogenannte Sicherheitspolitik brauchen, die sich aus mehr speist als performativer Innovationsinszenierung und schnellen technischen, vermeintlichen Antworten auf tieferliegende Probleme.
Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass Sicherheit mehr ist als das, was in Polizei- und Strafgesetzen steht. Wer Menschen immer wieder verunsichert, versteht Sicherheit falsch. Und das kann schnell gefährlich werden.
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