Connect with us

Entwicklung & Code

Event Modeling: Das Storyboard für Software


Adam Dymitruk hat Event Modeling erfunden. Er ist Gründer und CEO der AdapTech Group.

Weiterlesen nach der Anzeige


the next big thing – Golo Roden

the next big thing – Golo Roden

Golo Roden ist Gründer und CTO von the native web GmbH. Er beschäftigt sich mit der Konzeption und Entwicklung von Web- und Cloud-Anwendungen sowie -APIs, mit einem Schwerpunkt auf Event-getriebenen und Service-basierten verteilten Architekturen. Sein Leitsatz lautet, dass Softwareentwicklung kein Selbstzweck ist, sondern immer einer zugrundeliegenden Fachlichkeit folgen muss.

Golo Roden: Adam, Du hast Event Modeling entwickelt und unterrichtest und verfeinerst diesen Ansatz nun seit Jahren. Du bist außerdem Gründer der AdapTech Group und hast mit unzähligen Teams an der Einführung dieses Ansatzes gearbeitet. Bevor wir in die Methode selbst einsteigen: Kannst Du kurz erzählen, welches Problem Du ursprünglich lösen wolltest? Gab es eine konkrete Frustration mit bestehenden Ansätzen, die Dich dazu gebracht hat, etwas Neues zu entwickeln?

Adam Dymitruk: Im Kern ging es um eine Sache, die Design-Lücke. In nahezu jeder anderen Ingenieursdisziplin, egal ob du eine Brücke oder ein Haus baust, hast du einen Bauplan. Du hast eine visuelle Darstellung, an der jeder erkennen kann, was genau gebaut wird. In der Software hingegen versuchen wir seit Jahrzehnten, komplexe Systeme mit nichts als Ticket-Stapeln zu bauen. Und schlimmer noch: mit unterschiedlichen Tickets für unterschiedliche Rollen.


Foto Adam Dymitruk

Foto Adam Dymitruk

Adam Dymitruk ist Gründer und CEO der AdapTech Group, eines kanadischen Beratungsunternehmens mit Fokus auf Event-getriebenen Systeme.

Ich habe überall die gleichen Fehlermuster gesehen. Agile brachte uns einen Backlog aus zusammenhanglosen Aufgaben, aber keine kohärente Vorstellung davon, wie Informationen tatsächlich über die Zeit durch das System fließen. Das aufwendige Design von RUP (Rational Unified Process) und UML (Unified Modeling Language) haben wir gegen gar kein Design eingetauscht. Gleichzeitig hat sich unsere Branche immer wieder in Abstraktionen verliebt, die naturgemäß subjektiv sind und sofort zum Kompromiss werden, sobald mehrere Menschen sie teilen müssen. Spezifikationen für traditionelle Systeme ignorierten die Vorteile einer minimalen, sinnvollen Kopplung über einen unveränderlichen Ledger aus Events, und traditionelle Datenbanken sind auf den Status Quo ausgelegt: sie zeigen dir, was da ist, aber niemals, wie es dorthin gekommen ist. Dieser Mangel an Kausalität macht es deutlich schwieriger, das System zu auditieren, zu skalieren oder zu erklären. Obendrein gab es die weitverbreitete Unfähigkeit, Aufwände in der Softwareentwicklung zu schätzen, und ich wusste, dass ich unseren Kunden verlässlichere Budgets und Zusagen machen konnte.

Mir wurde letztlich klar: Wenn wir das System als Storyboard darstellen könnten (wie ein Filmskript oder einen Screencast dessen, was kommen soll), könnten wir die Lücke zwischen Business und Technik mit einer universellen und menschenfreundlichen Notation schließen.

Das klingt nach einer faszinierenden Herausforderung. Mittlerweile hat Event Modeling erhebliche Verbreitung in der Event-Sourcing- und DDD-Community gefunden. Als Du es zum ersten Mal vorgestellt hast: Hast Du erwartet, dass es so breit Anklang findet, oder war es zunächst etwas, das Du für Deine eigenen Teams gebaut hast?

Weiterlesen nach der Anzeige

Dymitruk: Es war eher eine Art Geheimwaffe für uns bei AdapTech, bevor die globale Community darauf aufmerksam wurde. Ich hatte ursprünglich nicht vor, einen neuen Industriestandard zu schaffen. Ich wollte einfach nur Projekte, die kein Geld verbrennen, und Entwickler, die nicht an Scope Creep und unvorhergesehener Komplexität ausbrennen.

Breite Resonanz fand das Ganze, als ich 2018 den ursprünglichen Artikel veröffentlichte, um es von anderen Ansätzen abzugrenzen, denn ich nutzte die Notation, um Event Sourcing und andere Konzepte in verschiedenen Tech-Communities zu erklären. Auf Hacker News wurde er an diesem Tag zur Top-Story hochgevotet.

Wie sich zeigt, sind alle, unabhängig vom Tech-Stack, das Stille-Post-Spiel mit Anforderungen leid. Die Leute wollen das Gesamtbild sehen. Sie wollen das Filmskript ihres Systems sehen, bevor sie Millionen für die Verfilmung ausgeben.

Das ist ein ziemlich breites Publikum. Angenommen, jemand liest dies, der den Namen schon einmal gehört, Event Modeling aber noch nie ausprobiert hat. Wenn Du die Kernidee in zwei Minuten erklären müsstest, was würdest Du sagen?

Dymitruk: Wenn ich nur zwei Minuten habe, lasse ich den Tech-Speak weg und komme direkt zum Punkt: Event Modeling ist das Filmskript-Storyboard für dein System. Die meisten Softwareprojekte scheitern, weil jeder auf ein anderes Puzzleteil schaut. Entwickler schauen auf Code, Manager auf Jira-Tickets, und der CEO auf eine Präsentation. Event Modeling holt alle in einen Raum, wo sie gemeinsam auf denselben Blueprint schauen: einen, der anhand konkreter Beispiele zeigt, wie sich Information über die Zeit durch das System bewegt.

Stell dir dein System als Zeitleiste vor. Von links nach rechts bilden wir genau ab, was Schritt für Schritt passiert. Wir verwenden vier einfache Bausteine, mehr nicht:

  1. Der Screen (UI): Was sieht der Nutzer tatsächlich? Noch keine High-Fidelity-Designs, gerade genug, um die Information zu zeigen.
  2. Das Command (Blau): Die Absicht des Nutzers. „Ich möchte diesen Raum buchen.“ Das ist der Auslöser für eine Veränderung.
  3. Das Event (Orange): Die unveränderliche Tatsache. „Raum gebucht.“ Das ist die Geschichte deines Systems. Sobald es passiert ist, ändert es sich nie mehr.
  4. Die State View (Grün): Die Information, die der Nutzer sehen muss, um die nächste Entscheidung zu treffen oder um sich bestätigen zu lassen, dass das System getan hat, was er wollte.

Statt über User Stories zu streiten (die oft nur vage Wünsche sind), zeichnen wir die gesamte Reise als Storyboard. Wenn du den Fluss von einem Screen zu einem Command, zu einem Event und dann zurück zu einer View auf einem anderen Screen nicht zeichnen kannst, dann hast du keine Anforderung. Du hast eine Vermutung. Am Ende einer Session hast du keinen Stapel Tickets, du hast einen Blueprint. Er ist so klar, dass ein Entwickler genau weiß, was er bauen muss, und der Business-Owner genau weiß, wofür er bezahlt. Wir holen Software vom kreativen Schreiben zurück zum Engineering.

Mir gefällt das Bild eines Blueprints im Vergleich zu einem Stapel Tickets, weil es die ganze Idee viel greifbarer macht. Diese visuelle Zeitleiste, die Commands, Events und Views verbindet, war für mich immer das herausragende Merkmal von Event Modeling. Was macht dieses Format so wirkungsvoll, im Vergleich etwa zu einer Liste von User Stories oder einem klassischen Anforderungsdokument?

Dymitruk: Kontext. Mit einer Liste von User Stories schaust du auf einen Stapel Tickets. Es ist, als würde man dir 500 zufällige Frames aus einem Film geben und Dich bitten, die Geschichte zu erzählen. Du verstehst vielleicht, was in Frame 42 passiert, aber du hast keine Ahnung, wie wir dorthin gekommen sind oder wohin es als Nächstes geht.

Der Blueprint krempelt alles um, weil er dem einen Ding Rechnung trägt, dem Software nicht entkommen kann: der Zeit.

Er beendet das Stille-Post-Spiel, das man von traditionellen Anforderungen kennt. Ein Business-Analyst schreibt eine So-sollte-es-sein-Anforderung, ein Entwickler übersetzt das in ein Klassendiagramm, und ein Tester versucht zu erraten, was ursprünglich gemeint war. Mit dem Blueprint haben wir eine gemeinsame Sprache. Wir alle schauen auf dieselbe Zeitleiste. Wenn ein Stakeholder ein Raum-gebucht-Event sieht, aber feststellt, dass davor kein Zahlung-verarbeitet-Event steht, kann er auf die Lücke zeigen. Das geht mit einem 40-seitigen Word-Dokument oder einem Jira-Backlog nicht.

Er entlarvt auch die Magie. User Stories sind berüchtigt für ihr vages Geschwafel. In einer Story heißt es dann vielleicht: „Als Nutzer möchte ich eine personalisierte Empfehlung erhalten.“ Großartig. Wie? In einem Event Model musst du offenlegen, wie es funktioniert. Wenn du die Linie von den Daten zum Screen nicht ziehen kannst, existiert das Feature nicht. Das zwingt uns, früh mit der Realität umzugehen, statt zwei Wochen vor dem Launch fehlende Teile zu entdecken.

Der Blueprint ist außerdem im großen Maßstab begreifbar. Du kannst Dich vor ein sechs Meter langes Event Model an der Wand stellen (oder vor ein riesiges Miro-Board) und ein komplexes Banking-System in zehn Minuten verstehen. Du folgst einfach den Pfeilen. Versuch das mal mit einem Jira-Backlog. Du klickst drei Stunden lang auf „Nächste Seite“ und weißt immer noch nicht, wie die Zinsberechnung tatsächlich den Monatsauszug beeinflusst. Der Blueprint gibt dir räumliches Gedächtnis: Du erinnerst Dich daran, dass die Checkout-Logik dort drüben rechts ist, und das macht Navigation und mentales Modellieren mühelos.

Schließlich macht er Integration sichtbar. Wir bauen die Login-Story, dann die Profil-Story. Aber bei Software geht es darum, wie diese Dinge zusammenspielen. Der Blueprint zeigt die Integrationspunkte als First-Class Citizens. Wir sehen genau, wie ein Event im Versand-Slice eine View im Kundenservice-Slice beeinflusst.

Ich habe kürzlich darüber geschrieben, wie Event Sourcing eine gemeinsame Sprache zwischen technischen und nicht technischen Personen schafft. Wie verändert Event Modeling Deiner Erfahrung nach die Dynamik in einem Raum, wenn Entwickler und Domänenexperten zusammensitzen? Gibt es einen Moment, in dem Du typischerweise das Klick-Erlebnis siehst?

Dymitruk: Der Klick ist meist hörbar. Es ist dieser Moment in einem Workshop, in dem die Spannung im Raum einfach … verfliegt. Vor Event Modeling hattest du die Business-Seite auf der einen Seite des Tisches und Tech auf der anderen. Die Business-Leute sind frustriert, weil sie das Gefühl haben, ins Leere zu schreien, und die Entwickler sind frustriert, weil sie etwas bauen sollen, das noch nicht definiert wurde. Es läuft auf ein „Rate, was ich denke“ hinaus.

Der Klick passiert meist während der Storyboarding-Phase. Wir haben das chaotische Brainstorming mit den orangefarbenen Klebezetteln (Events) hinter uns und beginnen jetzt, sie auf der Zeitleiste auszurichten. Der Moment der Erkenntnis kommt, wenn ein Domänenexperte, vielleicht ein Versandleiter oder ein Buchhalter, auf den Bildschirm zeigt und sagt: „Moment, wenn das Event Bestellung versandt dort passiert, woher weiß der Kunde dann seine Tracking-Nummer? Wir haben dafür keinen Screen.“

Das ist der Klick. Zum ersten Mal ist die Business-Person nicht bloß ein Gast in einem technischen Meeting; sie ist die leitende Architektin. Sie erkennt, dass die orangefarbenen Klebezettel die Realität ihres Geschäfts sind, und dass der Blueprint das erste Mal ist, dass sie die Logik ihres eigenen Unternehmens in einer Form sehen, die für sie wirklich Sinn ergibt.

Von diesem Punkt an verschiebt sich die Dynamik grundlegend. Entwickler hören auf, „Mach dir keine Sorgen, wie das funktioniert“ zu sagen, und beginnen stattdessen: „Schauen wir mal auf die Zeitleiste.“ Das Gespräch verlagert sich von abstraktem Vertrauen zu empirischer Evidenz. Da wir alle auf dieselbe 2D-Karte von Information schauen, die sich durch die Zeit bewegt, gibt es keinen Spielraum mehr für Interpretation. Wenn ein Schritt fehlt, ist das ein physisches Loch an der Wand. Ich habe CEOs erlebt, die seit 20 Jahren keine Zeile Code mehr gelesen haben und ganz begeistert waren, weil sie das System endlich lesen konnten. Sie merken, dass sie die Logik selbst auditieren können, ohne einen Übersetzer zu brauchen.

Wenn alle im Raum erkennen, dass Events die letzte Quelle der Wahrheit sind, hören sie auf, über Klassen und Datenbanken zu streiten, und beginnen, über die Reise zu sprechen. Das ist der Moment, in dem du aufhörst, eine Entwicklungsbude zu sein, und anfängst, ein Engineering-Team zu sein.

Das klingt beeindruckend, und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie sich dadurch das Gespräch verändert. Nicht-technische Stakeholder wirklich am System-Design zu beteiligen, ist eines der schwierigsten Probleme unserer Branche, und was Du beschreibst, klingt sehr vielversprechend. Kannst Du uns mehr darüber erzählen, wie sich das in der Praxis darstellt? Hast Du ein Beispiel, bei dem Event Modeling Menschen ins Gespräch gebracht hat, die normalerweise außen vor bleiben?

Dymitruk: Es ist ein klassisches Problem: Wir gehen in einen Raum und fangen an, über Encapsulation, Microservices und Aggregates zu reden, und die Business-Stakeholder (die Leute, die tatsächlich wissen, wie das Geld verdient wird) schalten einfach ab. Sie haben das Gefühl, in einer Sprache belehrt zu werden, auf die sie sich nie eingelassen haben.

Event Modeling löst das Problem mit einem Vokabular aus vier Begriffen: den Screens, Commands, Events und State Views, über die wir bereits gesprochen haben. Das war’s. Wenn du einen Klebezettel, eine Zeitleiste und einen Screen verstehen kannst, bist du Architekt. Wir reden nicht mehr über Klassen, sondern über Events (Tatsachen, die geschehen sind). Wir reden nicht mehr über API-Endpunkte, sondern über Commands (was der Nutzer tun möchte). Wenn du die Einstiegshürde so weit senkst, vereinfachst du nichts unzulässig, sondern erhöhst tatsächlich die Strenge, weil die Personen mit dem meisten Wissen endlich teilnehmen können.

Ich erlebe das oft bei Buchhaltern oder Compliance-Verantwortlichen. Das sind Menschen, die in Tech-Meetings traditionell extrem gelangweilt sind. Ich erinnere mich an eine Session für ein großes Logistikunternehmen, in der wir den Erstattungsprozess modelliert haben. Die Entwickler hatten ein komplexes Diagramm mit State Machines und Status-Flags. Der CFO saß im Raum und schaute verwirrt.

Wir sind zu einem Event Model gewechselt und haben die Zeitleiste gezeichnet: Zahlung empfangen (Event), dann Erstattung angefordert (Command), dann Erstattung ausgegeben (Event). Plötzlich stand der CFO auf, zeigte auf die Lücke zwischen Anfrage und Ausgabe und sagte: „Moment. Bei uns kannst du nicht einfach eine Erstattung ausgeben. Du brauchst erst einen Audit-Log-Eintrag und ein Steuerumkehr-Event, sonst verstoßen wir gegen das Gesetz.“

Darauf waren die Entwickler nicht einmal gekommen. Weil wir uns nicht hinter technischem Jargon versteckt haben, konnte die Person, die die rechtliche Realität des Geschäfts verstand, das Loch in der Zeitleiste sehen. Das ist die Stärke des Blueprints: Er macht den Domänenexperten zum Lead-Validator.

Wir Menschen sind zum Geschichtenerzählen geboren. Wir erzählen seit 50.000 Jahren Geschichten an Lagerfeuern; wir schreiben seit etwa 30 Jahren Java. Wenn du eine Zeitleiste zeigst, knüpfst du an die Art und Weise an, wie das menschliche Gehirn Informationen natürlich speichert. Das verlagert das Gespräch von „Wie programmieren wir das?“ zu „Stimmt diese Geschichte?“.



Source link

Entwicklung & Code

US-Regierung erzwingt Abschaltung von Anthropics KI Fable 5 und Mythos 5


close notice

This article is also available in
English.

It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Anthropic muss seine KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 für alle Kunden weltweit abschalten. Auslöser ist nach Darstellung des Unternehmens eine Exportkontrolldirektive der US-Regierung, die am 12. Juni 2026 eingegangen sei und ausländischen Staatsangehörigen den Zugriff auf beide Modelle untersagt – auch ausländischen Anthropic-Mitarbeitern innerhalb der USA. Alle übrigen Claude-Modelle seien von der Anordnung nicht betroffen. Die Maßnahme reiht sich in eine bereits zuvor eskalierte Auseinandersetzung zwischen Anthropic und Teilen der US-Sicherheitsbürokratie ein.

Weiterlesen nach der Anzeige

Wie Anthropic in einer Stellungnahme erklärt, habe die Behörde keine konkreten technischen Details zu den angeführten nationalen Sicherheitsbedenken genannt. Nach dem Verständnis des Unternehmens geht die Regierung davon aus, dass eine Methode existiere, um Fable 5 zu „jailbreaken“, also dessen Schutzmechanismen zu umgehen. Anthropic bezeichnet die Maßnahme als „Missverständnis“ und arbeitet an der Wiederherstellung des Zugangs.


Screenshot der Startseite von Claude.

Screenshot der Startseite von Claude.

Beim Start von Claude verweist Anthropic auf die Erklärung, warum Fable 5 derzeit für alle Kunden deaktiviert ist.

Die beanstandete Technik beschreibt Anthropic als verbal überlieferten, potenziell nicht-universellen Jailbreak. Im Kern bestehe er darin, das Modell anzuweisen, eine bestimmte Codebasis zu lesen und Softwarefehler zu beheben. Eine Demonstration dieser Technik habe man geprüft und dabei lediglich eine kleine Zahl bereits bekannter, geringfügiger Schwachstellen gefunden, die auch andere öffentlich verfügbare Modelle aufspüren könnten – das Unternehmen nennt in diesem Zusammenhang ausdrücklich OpenAIs GPT-5.5.

Aus Sicht von Anthropic handelt es sich dabei um eine alltägliche Fähigkeit, wie sie Sicherheitsfachleute täglich bei legitimen Code-Reviews und beim Bugfixing nutzen. Der entscheidende Unterschied liege nicht in der Funktion selbst, sondern im Kontext: Derselbe Vorgang könne in einem Sicherheitsreview erwünscht sein, in einem anderen Szenario aber als potenzieller Missbrauch gewertet werden. Einen universellen Jailbreak, der die Schutzmechanismen von Fable 5 grundsätzlich aushebelt, habe man bislang nicht gefunden.

Anthropic verweist auf eine sogenannte „Defense-in-Depth-Strategie“: Jailbreaks sollen entweder eng begrenzt oder sehr aufwendig sein und werden durch Monitoring ergänzt, das erfolgreiche Angriffe schnell erkennen soll. Für Fable 5 gelte zudem eine 30-tägige Datenspeicherungspflicht, um Umgehungsversuche analysieren und eindämmen zu können. Unser Test von Fable 5 bestätigt, dass Anthropic Classifier vor das eigentliche Modell schaltet und bei heiklen Eingaben teils auf das Vorgängermodell Opus 4.8 zurückfällt.

Weiterlesen nach der Anzeige

Die zuvor kommunizierten Schutzmaßnahmen seien in einer Vorabprüfung über Tausende Stunden Red-Teaming getestet worden – gemeinsam mit der US-Regierung, dem britischen AI Safety Institute (UK AISI), privaten Organisationen und internen Teams. Die Ergebnisse hätten deutlich über denen früherer Modelle gelegen. Eine vollständig unabhängige Auditierung, etwa durch europäische Forschungseinrichtungen, ist nach derzeitigem Stand allerdings nicht belegt: Eine komplette Offenlegung der Schutzlogik oder der internen Classifier-Architektur gab es nicht. Während Fable 5 mit zusätzlichen Schutzmechanismen für die öffentliche Nutzung versehen wurde, gilt Mythos als restriktivere Variante.

Anthropic räumt ein, dass perfekte Jailbreak-Resistenz für kein Modell erreichbar sei. Zugleich widerspricht das Unternehmen der Auffassung, dass ein einzelner „unwahrscheinlicher Jailbreak den Widerruf eines kommerziellen Modells mit Hunderten Millionen Nutzern rechtfertige“. Würde man diesen Maßstab branchenweit anlegen, käme das einem Stopp neuer Frontier-Modelle gleich.

Die jetzige Anordnung trifft auf ein bereits angespanntes Verhältnis. Anfang März 2026 hatte das US-Verteidigungsministerium Anthropic als „supply chain risk“ eingestuft. In einem aktuellen Blogbeitrag erklärte CEO Dario Amodei, man halte die Einstufung als „supply chain risk“ für rechtlich nicht tragfähig und wolle sie vor Gericht anfechten. Der zugrunde liegende US‑Statut 10 U.S.C. § 3252 sei eng auf spezifische Lieferkettenrisiken bei nationalen Sicherheitssystemen zugeschnitten und verlange, dass das Ministerium darlegt, warum weniger eingriffsintensive Maßnahmen („less intrusive measures“) nicht vernünftigerweise zur Verfügung stehen.

Der Konflikt drehte sich nach Anthropics Darstellung um die Weigerung, Claude uneingeschränkt für massenhafte inländische Überwachung und vollautonome Waffensysteme freizugeben. Ob die aktuelle Exportdirektive primär eine Sicherheitsmaßnahme oder politischer Druck auf einen renitenten Anbieter ist, lässt sich aus den veröffentlichten Quellen nicht beweisen. Plausibel erscheint jedoch, dass der vorangegangene Streit das Verhältnis erheblich verschlechtert und die Eskalation begünstigt hat.

Für hiesige Anbieter ist ein direkt vergleichbarer, einzelmodellbezogener Eingriff in der EU nicht ersichtlich. Während das US-Exportkontrollrecht auf außenwirtschaftliche Zugriffssperren zielt, verfolgt der EU AI Act einen risikobasierten Ansatz mit Marktaufsicht, Transparenz- und Dokumentationspflichten. In Deutschland soll die Bundesnetzagentur die zentrale Marktüberwachungsbehörde werden; den entsprechenden Gesetzentwurf (KI-MIG) hat der Bundestag am 11. Juni 2026 beschlossen, die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus. Eine globale Abschaltung eines einzelnen Modells als Maßnahme der Exportkontrolle ist in dieser Logik so nicht vorgesehen.

Lesen Sie auch


(vza)



Source link

Weiterlesen

Entwicklung & Code

App Store: Entwickler dürfen Nutzer künftig beim Kündigen ansprechen


Abseits der viel beachteten Neuerungen rund um KI, Siri und die Betriebssysteme hat Apple im Zuge der Entwicklerkonferenz WWDC auch eine ganze Reihe von Neuheiten und Änderungen für App Store-Entwickler angekündigt. Künftig können erstmals Gruppenkäufe für Abonnenten und entwicklerübergreifende Bundles angeboten werden. Im Mac App Store entfällt die Intel-Pflicht und Entwickler bekommen die Möglichkeit, Nutzer zur Fortsetzung eines Abos zu bewegen. Zudem gibt es mehr Gestaltungsmöglichkeiten für den Auftritt im App Store und neue Auskunftspflichten. Das aus Nutzersicht umstrittenste neue Feature dürfte das sogenannte Retention Messaging werden. Apple bietet neue Werkzeuge in App Store Connect an, um Abonnenten mit Kündigungsabsicht über Apples Abo-Plattform ansprechen zu können. Bereits im März hatte Apple den Analytics-Bereich in App Store Connect massiv erweitert und Entwicklern dabei über 100 neue Metriken für Abonnements und In-App-Käufe an die Hand gegeben. Laut Ankündigung sollen personalisierte Nachrichten und Sonderangebote möglich sein.

Weiterlesen nach der Anzeige

Ganz neue Vermarktungsmöglichkeiten für Apps ergeben sich durch entwicklerübergreifende App-Bundles. Bislang konnte nur ein einzelner Entwickler, der mehrere Apps anbietet, ein vergünstigtes Paket mit mehreren Apps schnüren. Künftig ist das auch für mehrere Entwickler möglich, sodass sich diese bei den Apps zusammentun können. Apple führt zudem ab Winter 2026 Gruppenkäufe für Abonnements ein. Ein einzelner Abonnent kann damit Lizenzen für mehrere Personen in einem einzigen Kauf erwerben.

Apples Abkehr von der Intel-Plattform im neuen macOS Golden Gate schlägt sich auch im Mac App Store nieder: Künftig ist es für App-Entwickler keine Pflicht mehr, Intel-Unterstützung vorzuhalten. Dies dürfte in einigen Fällen dazu beitragen, dass Besitzer eines Intel-Macs eher in die Situation geraten, den Umstieg auf einen Apple-Silicon-Mac erwägen zu müssen – etwa wenn häufig genutzte Apps künftig nicht mehr den Intel-Mac unterstützen. Wann genau Intel-Apps unter Apple Silicon nicht mehr laufen werden und was das Ende von Rosetta 2 für Nutzer bedeutet, erklärt unser Überblick zum Zeitplan des Intel-Supports.

Vereinfachungen und Erweiterungen gibt es beim App-Marketing. Die neuen Betriebssysteme, darunter iOS 27 und macOS 27, stehen Entwicklern bereits als Beta zur Verfügung. In einer neuen Asset Library können Grafiken, Vorschauvideos und Screenshots zentral verwaltet werden. Diese Assets können nun auch unabhängig von einem App-Update zur Prüfung eingereicht werden – und Apple öffnet die Produktseiten-Header für eigenes Bild- und Videomaterial. Neue „Personalized Collections“ sollen maßgeschneiderte App-Empfehlungen für Nutzer ermöglichen. Diese Funktion startet zunächst auf Englisch in den USA.

Und Apples angekündigte erweiterte Jugendschutzfunktionen wirken sich auch auf die Entwickler aus. Diese müssen Social-Feed-Funktionen in ihren Apps künftig angeben. Zudem werden Apps in die neuen Nutzungszeit-Kategorien (Soziale Netzwerke, Unterhaltung, Spiele, Andere) eingruppiert. Der Altersfreigabe-Fragebogen soll hierfür ab Juli aktualisiert werden.

Weiterlesen nach der Anzeige


(mki)



Source link

Weiterlesen

Entwicklung & Code

Homebrew 6.0 sichert Paketquellen ab


Das Homebrew-Team hat Version 6.0.0 des Paketmanagers veröffentlicht. Das Release legt den Schwerpunkt auf Sicherheit, Tempo und Plattformunterstützung. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen ein Vertrauensmodell für externe Paketquellen, eine schnellere interne API als neuer Standard und eine Sandbox unter Linux. Hinzu kommen zahlreiche Verbesserungen beim Werkzeug brew bundle sowie eine erste Unterstützung für macOS 27 „Golden Gate“.

Weiterlesen nach der Anzeige

Homebrew ist ein quelloffener Paketmanager für macOS und Linux. Entwickler installieren und aktualisieren damit Kommandozeilenwerkzeuge, Bibliotheken und Anwendungen. Neben den offiziellen Paketquellen lassen sich auch externe Repositories einbinden, sogenannte „Taps“. Über das Windows Subsystem for Linux (WSL) lässt sich Homebrew zudem mit Windows nutzen.

Die wichtigste Neuerung von Homebrew 6.0 ist das Sicherheitskonzept „Tap Trust“. Externe Taps können beliebigen Ruby-Code enthalten, der auf dem lokalen System läuft. Bislang ließen sich solche Paketquellen vergleichsweise unkompliziert einbinden. Künftig müssen Nutzer Taps von Drittanbietern ausdrücklich als vertrauenswürdig markieren, bevor Homebrew deren Code ausführt. Die offiziellen Homebrew-Repositories bleiben standardmäßig freigeschaltet.

Mit dem neuen Modell reagiert das Projekt auf Risiken in der Software-Lieferkette. Übernehmen Angreifer etwa ein Community-Repository, soll die zusätzliche Prüfung verhindern, dass dessen Code unbemerkt auf den Systemen der Nutzer landet. Homebrew liefert dafür neue Befehle zur Verwaltung vertrauenswürdiger Quellen und eine eigene Dokumentationsseite.

Standardmäßig aktiv ist nun auch die interne JSON-API von Homebrew. Sie fasst die Metadaten zu Paketen in einem einzigen Download zusammen und senkt so die Zahl der Netzwerkanfragen. Für Anwender wirkt sich das vor allem durch schnellere Updates und eine geringere Netzwerklast aus. Die Funktion stand seit Homebrew 5.0 optional bereit und wird jetzt zur Voreinstellung.

Auf Linux-Systemen führt Homebrew zudem eine Sandbox auf Basis von Bubblewrap ein. Unter macOS laufen Build-, Test- und Postinstallationsschritte bereits abgeschottet, nun zieht Linux nach. Bubblewrap ist ein schlankes Werkzeug, das Prozesse und Dateizugriffe isoliert. Die Maßnahme soll verhindern, dass Installations- und Build-Prozesse unnötig auf sensible Bereiche des Systems zugreifen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Auch bei den Voreinstellungen hat das Projekt nachgebessert und sich dabei auf eine Nutzerumfrage gestützt. Entwickler sehen vor Installationen und Upgrades nun standardmäßig eine Übersicht der geplanten Änderungen und Abhängigkeiten. Erst nach einer Bestätigung führt Homebrew die Aktionen aus.

Darüber hinaus arbeitet Homebrew an vielen Stellen schneller: Es gibt Optimierungen beim Programmstart, eine parallele Verarbeitung einzelner Upgrade-Schritte und einen geringeren Ruby-Overhead. Das Kommando brew leaves, das eigenständig installierte Pakete ohne abhängige weitere Pakete auflistet, soll rund 30 Prozent schneller arbeiten.

Deutlich ausgebaut hat das Projekt brew bundle, mit dem sich komplette Entwicklungsumgebungen über eine Brewfile beschreiben lassen. Pakete installiert das Werkzeug nun standardmäßig parallel. Außerdem unterstützt es zusätzliche Ökosysteme wie npm und den kubectl-Plugin-Manager Krew. Unter Windows arbeitet brew bundle jetzt auch mit dem Microsoft-Paketmanager Winget zusammen. Hinzu kommen erweiterte Funktionen zum Aufräumen installierter Pakete.

Im Sicherheitsbereich verweist das Projekt auf drei behobene Schwachstellen. Darunter fallen ein Problem bei Download-Weiterleitungen sowie Lücken im macOS-Installer, die unter bestimmten Umständen eine lokale Rechteausweitung erlaubten. Darüber hinaus filtert Homebrew sensible Umgebungsvariablen nun strenger. Eine neue Dokumentationsseite beschreibt zudem die Maßnahmen gegen Risiken in der Software-Lieferkette.

Für Entwickler kommen mehrere Werkzeuge hinzu. Das neue Kommando brew exec erinnert an npx aus der Node.js-Welt und führt Programme in der Umgebung eines Homebrew-Pakets aus. Ebenfalls neu ist brew vulns, das installierte Pakete auf bekannte Sicherheitslücken prüft. Es liegt vorerst als separates Homebrew-Tap vor.

Technisch interessant ist außerdem das neue „Install Steps Framework“. Paketbetreuer können bestimmte Installationsschritte künftig als reine Daten beschreiben, statt sie als ausführbaren Ruby-Code zu hinterlegen. Für einfache Aufgaben wie das Anlegen von Verzeichnissen, das Verschieben von Dateien oder das Erzeugen symbolischer Links muss Homebrew dadurch weniger Code herunterladen und ausführen. Das verspricht Vorteile bei Sicherheit, Wartbarkeit und Tempo.

Mit Homebrew 6.0 unterstützt der Paketmanager erstmals macOS 27 „Golden Gate“ in Grundzügen. Gleichzeitig kündigt das Team das schrittweise Aus für Intel-Macs an, da Apple mit macOS 27 keine Intel-Systeme mehr unterstützt. Ab September 2026 will Homebrew keine neuen vorkompilierten Pakete mehr für macOS auf Intel-Prozessoren bereitstellen. Ein Jahr später soll die Unterstützung vollständig wegfallen.

Detaillierte Informationen zum neuen Release finden sich auf der Webseite des Projekts.


(fo)



Source link

Weiterlesen

Beliebt