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Wissensverlust in Firmen: Deutschlands Krise beginnt im Chefbüro


186.000 Firmen stehen vor der Nachfolge – und riskieren dabei den Verlust ihres wichtigsten Wissens. Ein Gründer will das mit KI verhindern.

Wissensverlust in Firmen: Deutschlands Krise beginnt im Chefbüro

Gründer von Wingmaite: Oliver Diekmann.
Viktor Strasse / Collage: Dominik Schmitt

Deutschland steuert auf eine Nachfolgewelle zu: Bis 2030 suchen rund 186.000 Unternehmen einen neuen CEO. Für Unternehmen und den deutschen Mittelstand ist das eine Herausforderung. Denn: Wer eine Firma übernimmt, sieht in der Regel nur die expliziten Daten: CRM-Listen, Auftragsbestände und operative KPIs.

Doch das kritische interne Wissen ist oft nicht sichtbar. Warum ein Kunde bestimmte Sonderkonditionen habe, wie informelle Entscheidungswege den Arbeitsalltag prägen würden oder warum ein Prozess gut laufe – bleibe für den neuen CEO meist unsichtbar. „Das gesamte Know-how einer Firma erfasst keine KI-Suche, weil es in den Köpfen der Menschen steckt“, sagt Oliver Diekmann.

Mit seinem Startup Wingmaite setzt Diekmann genau dort an: Es entwickelt eine KI-Plattform, die implizites Unternehmenswissen – also das Know-how aus den Köpfen der Mitarbeiter – erfasst, strukturiert und für Nachfolger nutzbar macht, um Wissensverluste bei Übergaben zu verhindern.

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Warum das Wissen bei der Übergabe verloren geht

Das Risiko für den Verlust wichtigen Wissens sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Früher wäre die interne Nachfolge der Standard gewesen: Der Sohn oder die Tochter wuchs über Jahre in das Geschäft hinein, kannte die Kunden beim Namen und hatte die informellen Abläufe im Gedächtnis. Heute allerdings würden fast 50 Prozent der Nachfolger aus dem externen Bereich stammen.

Viele wollen sofort etwas ändern, und das ist der größte Fehler, weil sie das Unternehmen selbst noch nicht wirklich verstehen.

Oliver Diekmann

Gründer Wingmaite

Laut Diekmann würden viele Nachfolger beim Eintritt in ihre neue Rolle dann einen entscheidenden Fehler machen: Sie kommen in das Unternehmen, betrachten die Bilanz, scannen die Kennzahlen und beginnen sofort damit, die bestehenden Strukturen aufzubrechen. „Viele wollen sofort etwas ändern, und das ist der größte Fehler, weil sie das Unternehmen selbst noch nicht wirklich verstehen“, sagt er.

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„Wenn ein Inhaber 40 Jahre lang das CRM quasi im Kopf und per Handy geführt hat, gibt es für den Nachfolger keinerlei Dokumentation darüber, welche Erfahrungen zu bestimmten Entscheidungen geführt haben“, so Diekmann. Dieser Wissensverlust sei für Unternehmen nicht nur ein organisatorisches Problem, sondern ein reales wirtschaftliches Risiko. Die operative Basis der Firma könne mit dem Ausscheiden des Gründers verloren gehen.

Vier Tipps für eine erfolgreiche Übergabe

Damit bei der Übergabe wichtiges Wissen nicht verloren gehe, sondern Basis für den nächsten Wachstumsschritt sei, sollten Nachfolger laut Diekmann folgende vier Punkte berücksichtigen:

  • Erst verstehen, dann transformieren: Ein neuer Inhaber sollte sich bewusst sechs bis neun Monate Zeit nehmen, bevor er große Transformationen oder Kurswechsel anstößt, meint Diekmann. Erst wenn die informellen Entscheidungsbäume und die kulturellen Feinheiten der Belegschaft verinnerlicht worden sein, ließe sich Dinge sinnvoll und respektvoll verändern, ohne das Vertrauen der Mitarbeiter zu beschädigen.
  • Implizites Wissen systematisch sichern: Prozesse in gewachsenen Unternehmen funktionieren oft nach dem ungeschriebenen Gesetz: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Wer dieses Wissen nicht aktiv abfrage, laufe blind in Probleme, sagt Diekmann. Hier helfe es, Mitarbeitende einfach „laut denken“ zu lassen, um die Logik hinter täglichen Entscheidungen zu protokollieren, statt nur die Ergebnisse zu dokumentieren.
  • Wissenstransfer als Prozess, nicht als Event: Auch wenn der Gründer per Beratervertrag noch für ein Jahr an Bord bleibe, reiche die bloße Anwesenheit oft nicht aus, um tiefes Kontextwissen zu übertragen. Ein sauberer Übergabeprozess müsse über Monate geplant werden – unterstützt durch Werkzeuge, die über klassische Wissensdatenbanken hinausgehen und das implizite Wissen greifbar machen.
  • Fokus über den CEO hinaus: Das wertvolle Wissen liege niemals allein beim Gründer, sondern verteile sich über alle Schlüsselrollen. Wer bei der Übergabe nur den Chef befrage, verliere essenzielle Informationen aus dem Vertrieb, dem Einkauf oder der Produktion, die für die langfristige Kundenbindung entscheidend sind, meint Diekmann.

Technologie als Brücke zwischen den Generationen

Tools, wie der von Diekmann entwickelte „Context-Layer“, könnten hier helfen, um die Hemmschwellen bei der Sicherung des Wissens zu senken. Der Context Layer sei dabei ein Tool, das aus bloßen Daten das nötige Firmenwissen und den Zusammenhang dahinter herstelle. Mitarbeiter könnten hier ihr Wissen für die nachfolgende Generation „ablagern“. „Wir sehen, dass Leute mit einer KI offener und detaillierter sprechen als mit ihrem direkten Vorgesetzten, weil sie nicht in einer Rechtfertigungshaltung sind“, sagt Diekmann.





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160.000 Bewerbungen – und dieser Investor sucht nur nach einem Skill


160.000 Menschen bewarben sich bei Frühphaseninvestor Antler. Doch nicht die beste Idee entschied – sondern, wer diese Eigenschaft mitbringt.

160.000 Bewerbungen – und dieser Investor sucht nur nach einem Skill

Christoph Klink ist GP bei Antler.
Antler / Collage: Dominik Schmitt

In unserem Podcast Royal GS ging es diesmal in die Welt von Early-Stage-Venture-Capital – mit einem Gast, der täglich erlebt, wie aus Ideen Unternehmen werden (oder eben nicht): Christoph Klink, Partner bei Antler.

Hört die Folge hier: Spotify und Apple Podcast

Antler gilt als einer der aktivsten Frühphaseninvestoren weltweit. Mit Präsenz in 27 Städten und über 1300 Investments.

160.000 Bewerbungen – und was übrig bleibt

„Wir sehen mittlerweile pro Jahr so 160.000 Applications weltweit. Das ist krass“, zeigt er sich selbst beeindruckt. „Davon laden wir 2000 bis 3000 zu uns ins Büro ein. Und dann machen wir am Ende um die 300 bis 400 Investments, keine feste Quote.“

Martin Eyerer (links) und Nikita Fahrenholz sprechen jede Woche im Gründerszene-Podcast Royal GS über Themen aus der Startup-Welt.

Martin Eyerer (links) und Nikita Fahrenholz sprechen jede Woche im Gründerszene-Podcast Royal GS über Themen aus der Startup-Welt.

Diese Zahlen zeigen: Erstens, wie enorm der globale Gründerdrang ist. Zweitens, wie selektiv der Prozess tatsächlich abläuft. Selbst bei einem der aktivsten Frühphaseninvestoren. Es geht nicht darum, ein festes Investmentziel zu erfüllen, sondern die richtigen Personen zu finden.

Ideen haben alle, grit nicht

Wie Antler Gründer und Gründerinnen auswählt? Klink räumt mit einem der größten Mythen im Startup-Ökosystem auf:

„Weniger danach, ob wir das Problem, woran sie arbeiten, zu diesem Zeitpunkt schon unfassbar spannend finden.“ Stattdessen blicket er auf Eigenschaften, die sich kaum in Pitchdecks zeigen lassen. Eine Person passe am ehesten, „weil die grit hat, sagt man im Englischen, also kann sich durchbeißen und hat da irgendwie Freude dran.“

Gleich wird geredet: Christop Klink, Nikita Fahrenholz und Martin Eyerer.

Gleich wird geredet: Christop Klink, Nikita Fahrenholz und Martin Eyerer.
Royal GS

„Grit“ – die Kombination aus Ausdauer, Belastbarkeit und intrinsischer Motivation – ist für Antler entscheidend. Es geht um Menschen, die nicht bei Gegenwind umfallen, sondern Widerstände sportlich nehmen.

Entscheidend ist, wer weitermacht

Konkreter gesagt: „Die ist bereit, sich 50 Neins zu holen und sich nochmal 50 Neins zu holen. Bis dann irgendwie der oder die erste Ja sagt.“

Das ist Startup-Realität jenseits von LinkedIn-Erfolgsposts. Ablehnung gehört zum Alltag – bei Kunden, Investoren, Partnern. Entscheidend ist nicht, wer ein Nein bekommt, sondern wer weitermacht.





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Die KI-Revolution frisst ihre Kinder: Deepl streicht 250 Mitarbeiter


DeepL-CEO Jarek Kutylowski beschreibt, warum klassische Unternehmensstrukturen aus seiner Sicht nicht mehr funktionieren.

Die KI-Revolution frisst ihre Kinder: Deepl streicht 250 Mitarbeiter

Deepl-CEO und Gründer Jarek Kutylowski.
picture alliance / SZ Photo | Friedrich Bungert; Collage: Gründerszene

Der deutsche KI-Übersetzer DeepL baut rund 250 Stellen ab. Das betrifft rund ein Viertel der Angestellten. CEO und Gründer Jarek Kutylowski begründet den Schritt in einem ungewöhnlich offenen Statement mit dem rasanten Wandel durch Künstliche Intelligenz.

„Wir erleben gerade einen massiven strukturellen Wandel darin, welche Arbeit existiert, wer sie macht und wie viele Menschen dafür gebraucht werden“, schreibt Kutylowski. KI sei nicht nur ein Produktivitäts-Tool, sondern verändere grundlegend, wie Unternehmen aufgebaut werden.

Deepl wolle künftig deutlich „AI-native“ arbeiten: kleinere Teams, weniger Hierarchien, schnellere Entscheidungen. KI soll tief in alle Prozesse integriert werden – von Produktentwicklung bis Vertrieb. Einzelne Personen könnten dadurch Arbeit erledigen, für die früher ganze Teams nötig gewesen seien.

Besonders deutlich wird der CEO bei der Frage, ob die bisherige Struktur von Deepl noch funktioniere: „Die ehrliche Antwort war: Nein. Was uns hierher gebracht hat, wird uns nicht dorthin bringen, wo wir hinmüssen.“

Gleichzeitig investiert DeepL weiter in neue KI-Produkte. Das Unternehmen übernimmt das Team des US-Audio-Startups Mixhalo und eröffnet ein Büro in San Francisco. Vor allem Echtzeit-Sprachübersetzung sieht Deepl als nächstes großes Wachstumsfeld.

Zum Ende seines Statements beschreibt Kutylowski eine Arbeitswelt, in der klassische Spezialisierung an Bedeutung verlieren könnte. Künftig seien vor allem Urteilsvermögen, Fokus und Eigenverantwortung gefragt.





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Startup feuert jeden vierten Mitarbeiter, weil KI-Agenten ihre Jobs übernehmen


0G Labs ersetzt rund 25 Prozent seiner Belegschaft durch KI. Die Mitarbeitenden sollen täglich KI nutzen, um das „20‑Fache“ ihrer bisherigen Leistung zu schaffen.

Startup feuert jeden vierten Mitarbeiter, weil KI-Agenten ihre Jobs übernehmen

Das Lächeln dürfte einigen vergangen sein.
0G Labs

0G Labs, ein Startup aus San Francisco, das Blockchains für KI‑Agenten entwickelt, gibt an, ein Viertel seiner Belegschaft abzubauen, weil seine Agenten menschliche Aufgaben so gut übernehmen können.

0G Labs gab die Entscheidung vergangene Woche in einer E‑Mail des CEO Michael Heinrich bekannt, die uns vorliegt.

Heinrich erklärte, das Unternehmen werde zu einem „schlankeren, schnelleren, KI‑nativen Unternehmen“ und konzentriere sich nun darauf, KI hoch zu skalieren statt die Mitarbeiterzahl.

„Jeden Tag sprechen wir über eine Welt, in der KI‑Agenten Arbeit erledigen, die Menschen nicht erledigen müssen sollten“, heißt es in seiner E‑Mail. „Es ist an der Zeit, selbst so zu arbeiten.“

In der E‑Mail steht weiter, Mitarbeitende sollten täglich KI nutzen, um das „20‑Fache“ ihrer bisherigen Leistung zu erreichen, während menschliches Urteilsvermögen weiterhin „essenziell“ bleibe.

0G Labs erklärte in einer Stellungnahme, dass Entscheidungen über Entlassungen „nie leicht“ seien, die Effizienzgewinne durch KI‑Agenten seien jedoch real.

Das Startup sei zwei Milliarden Dollar wert

„Als Unternehmen, das KI‑Infrastruktur entwickelt, glauben wir daran, selbst mit derselben Technologie zu arbeiten, die wir auch anderen zur Verfügung stellen“, sagte ein Sprecher.

0G Labs hatte angegeben, bis zum vergangenen Jahr rund 350 Millionen US‑Dollar an Kapital eingesammelt zu haben und eine Bewertung von zwei Milliarden US‑Dollar erreicht zu haben. Das Unternehmen wurde damals in einem Business‑Insider‑Artikel über KI‑Unicorns mit sehr kleinen Teams vorgestellt, der schrieb, dass 0G Labs etwa 40 Mitarbeitende habe.

Der Krypto‑Token des Startups, $0G, ist laut CoinMarketCap seit seiner Einführung im vergangenen Jahr um mehr als 80 % im Preis gefallen. 0G Labs äußerte sich nicht dazu, ob dies die Entscheidung zum Stellenabbau beeinflusst habe.

KI‑getriebene Entlassungen haben die Tech‑Branche hart getroffen, nachdem sich die Technologie über die Feiertage sprunghaft weiterentwickelt hat – ein Zeitraum, den einige als „Claude Christmas“ bezeichneten, in Anlehnung an den Chatbot von Anthropic.

Im Februar baute das Fintech‑Unternehmen Block aufgrund von KI fast die Hälfte seiner Belegschaft ab, während Coinbase am Dienstag ankündigte, ebenfalls 14 % seiner Mitarbeitenden wegen KI zu entlassen.





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