Digital Business & Startups
186.000 Firmen vor dem Wissens-Crash: Deutschlands Krise beginnt im Chefbüro
186.000 Firmen stehen vor der Nachfolge – und riskieren dabei den Verlust ihres wichtigsten Wissens. Ein Gründer will das mit KI verhindern.
Deutschland steuert auf eine Nachfolgewelle zu: Bis 2030 suchen rund 186.000 Unternehmen einen neuen CEO. Für Unternehmen und den deutschen Mittelstand ist das eine Herausforderung. Denn: Wer eine Firma übernimmt, sieht in der Regel nur die expliziten Daten: CRM-Listen, Auftragsbestände und operative KPIs.
Doch das kritische interne Wissen ist oft nicht sichtbar. Warum ein Kunde bestimmte Sonderkonditionen habe, wie informelle Entscheidungswege den Arbeitsalltag prägen würden oder warum ein Prozess gut laufe – bleibe für den neuen CEO meist unsichtbar. „Das gesamte Know-how einer Firma erfasst keine KI-Suche, weil es in den Köpfen der Menschen steckt“, sagt Oliver Diekmann.
Mit seinem Startup Wingmaite setzt Diekmann genau dort an: Es entwickelt eine KI-Plattform, die implizites Unternehmenswissen – also das Know-how aus den Köpfen der Mitarbeiter – erfasst, strukturiert und für Nachfolger nutzbar macht, um Wissensverluste bei Übergaben zu verhindern.
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Warum das Wissen bei der Übergabe verloren geht
Das Risiko für den Verlust wichtigen Wissens sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Früher wäre die interne Nachfolge der Standard gewesen: Der Sohn oder die Tochter wuchs über Jahre in das Geschäft hinein, kannte die Kunden beim Namen und hatte die informellen Abläufe im Gedächtnis. Heute allerdings würden fast 50 Prozent der Nachfolger aus dem externen Bereich stammen.
Laut Diekmann würden viele Nachfolger beim Eintritt in ihre neue Rolle dann einen entscheidenden Fehler machen: Sie kommen in das Unternehmen, betrachten die Bilanz, scannen die Kennzahlen und beginnen sofort damit, die bestehenden Strukturen aufzubrechen. „Viele wollen sofort etwas ändern, und das ist der größte Fehler, weil sie das Unternehmen selbst noch nicht wirklich verstehen“, sagt er.
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„Wenn ein Inhaber 40 Jahre lang das CRM quasi im Kopf und per Handy geführt hat, gibt es für den Nachfolger keinerlei Dokumentation darüber, welche Erfahrungen zu bestimmten Entscheidungen geführt haben“, so Diekmann. Dieser Wissensverlust sei für Unternehmen nicht nur ein organisatorisches Problem, sondern ein reales wirtschaftliches Risiko. Die operative Basis der Firma könne mit dem Ausscheiden des Gründers verloren gehen.
Vier Tipps für eine erfolgreiche Übergabe
Damit bei der Übergabe wichtiges Wissen nicht verloren gehe, sondern Basis für den nächsten Wachstumsschritt sei, sollten Nachfolger laut Diekmann folgende vier Punkte berücksichtigen:
- Erst verstehen, dann transformieren: Ein neuer Inhaber sollte sich bewusst sechs bis neun Monate Zeit nehmen, bevor er große Transformationen oder Kurswechsel anstößt, meint Diekmann. Erst wenn die informellen Entscheidungsbäume und die kulturellen Feinheiten der Belegschaft verinnerlicht worden sein, ließe sich Dinge sinnvoll und respektvoll verändern, ohne das Vertrauen der Mitarbeiter zu beschädigen.
- Implizites Wissen systematisch sichern: Prozesse in gewachsenen Unternehmen funktionieren oft nach dem ungeschriebenen Gesetz: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Wer dieses Wissen nicht aktiv abfrage, laufe blind in Probleme, sagt Diekmann. Hier helfe es, Mitarbeitende einfach „laut denken“ zu lassen, um die Logik hinter täglichen Entscheidungen zu protokollieren, statt nur die Ergebnisse zu dokumentieren.
- Wissenstransfer als Prozess, nicht als Event: Auch wenn der Gründer per Beratervertrag noch für ein Jahr an Bord bleibe, reiche die bloße Anwesenheit oft nicht aus, um tiefes Kontextwissen zu übertragen. Ein sauberer Übergabeprozess müsse über Monate geplant werden – unterstützt durch Werkzeuge, die über klassische Wissensdatenbanken hinausgehen und das implizite Wissen greifbar machen.
- Fokus über den CEO hinaus: Das wertvolle Wissen liege niemals allein beim Gründer, sondern verteile sich über alle Schlüsselrollen. Wer bei der Übergabe nur den Chef befrage, verliere essenzielle Informationen aus dem Vertrieb, dem Einkauf oder der Produktion, die für die langfristige Kundenbindung entscheidend sind, meint Diekmann.
Technologie als Brücke zwischen den Generationen
Tools, wie der von Diekmann entwickelte „Context-Layer“, könnten hier helfen, um die Hemmschwellen bei der Sicherung des Wissens zu senken. Der Context Layer sei dabei ein Tool, das aus bloßen Daten das nötige Firmenwissen und den Zusammenhang dahinter herstelle. Mitarbeiter könnten hier ihr Wissen für die nachfolgende Generation „ablagern“. „Wir sehen, dass Leute mit einer KI offener und detaillierter sprechen als mit ihrem direkten Vorgesetzten, weil sie nicht in einer Rechtfertigungshaltung sind“, sagt Diekmann.
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LiveEO erhält 28 Millionen – waterdrop bekommt 11 Millionen – Norvestor übernimmt Debtist
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ LiveEO erhält 28 Millionen +++ Atlantic Grupa investiert 11 Millionen Euro in waterdrop +++ Norvestor übernimmt Inkasso-Startup Debtist ++++ Coupons4u kauft Webgears Gutscheindienste ab +++

Im #DealMonitor für den 6. Mai werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
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INVESTMENTS
LiveEO
+++ Der junge DefenseTech-Investor Helantic, b2venture, Nordic Ninjas, DeepTech & Climate Fonds (DTCF), Matterwave, MMC, Segenia, Greencode, EIC und Andy von Bechtolsheim sowie ein nicht genannter Lead-Investor investieren 28 Millionen Euro in das Soonicorn LiveEO. Das Startup aus Berlin, 2017 von Sven Przywarra und Daniel Seidel gegründet, analysiert durch Künstliche Intelligenz die Aufnahmen von Satellitenaufnahmen seiner Kunden und bietet auf dieser Grundlage eine Lösung zur Überwachung der Infrastruktur, wie zum Beispiel Bahntrassen und Hochspannungsleitungen, an. Das frische Kapital soll „die weitere Expansion von LiveEO in den zivilen Kernmärkten der Infrastrukturüberwachung vorantreiben“. Die Firma sieht ihre Zukunft aber auch im derzeit boomenden DefenseTech-Segment. Dual-Use lautet das Schlagwort. Der japanische Geldgeber NordicNinja und DeepTech & Climate Fonds (DTCF) investierten zuletzt 25 Millionen Euro in LiveEO. Insgesamt flossen bereits rund 78 Millionen in das Unternehmen. Mehr über LiveEO
waterdrop
+++ Das kroatische Konsumgüter-Unternehmen Atlantic Grupa investiert 11 Millionen Euro in waterdrop. „This enables Atlantic Grupa to gain direct insights into the business while actively supporting the brand’s future development and growth“, heißt es in einer Presseinfo. waterdrop, 2016 von Martin Murray gegründet, setzt auf „kleine, kompakte Würfel, die pures Wasser im Handumdrehen in ein erfrischendes Getränk verwandeln“. Zuletzt peilte das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 150 Millionen an. Tennisstar Novak Djokovic investierte zuletzt eine siebenstellige Summe in waterdrop. Temasek, Bitburger Ventures und Founders Future investierten zuvor zudem 60 Millionen Euro in das Unternehmen, das sich langfristig an der Börse sieht. Mehr über Waterdrop
MERGERS & ACQUISITIONS
Norvestor – Debtist
+++ Der skandinavische Private-Equity-Investor Norvestor übernimmt die Mehrheit am Inkasso-Startup Debtist (Frankfurt am Main). „Mit Norvestor im Rücken will Debtist seine Position als KI-native Plattform weiter ausbauen. Der Fokus liegt darauf, die bestehende Technologie weiter auszubauen, neue Märkte schneller zu erschließen und den Zugang zu professionellem Forderungsmanagement weiter zu vereinfachen“, teilen die Unternehmen mit. Im Zuge der Mehrheitsübernahme soll Debtist mit rund 100 Millionen Euro bewertet worden sein – siehe Finance Forward. Debtist, 2023 von Matteo Benedetti, Tony Zabel und Brandon Baumgarten gegründet, positioniert sich als „technologiegetriebenes Unternehmen für Forderungsmanagement und Inkasso“. altitude, 10x Value Partners und mehrere Business Angels investierten zuletzt eine sechsstellige Summe in Debtist. Zuletzt expandierte das Team nach Schweden und Dänemark. Aktuell beschäftigt Debtist rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Team fährt derzeit 15 Millionen Annual Recurring Revenue (ARR) ein. Mehr über Debtist
Coupons4u – Webgears
+++ Der Chemnitzer Gutscheinanbieter Coupons4u (Coupons.de) übernimmt von der österreichischen Webgears Group Gutscheindienste wie Gutscheinsammler.de, Reduc.fr und Cupones.es. Die Webgears Group bleibt auch nach dem Verkauf als Unternehmen bestehen, zieht sich aber aus dem B2C-Gutscheingeschäft zurück. Das Unternehmen konzentriert sich künftig auf eigene Technologieprodukte. Mehr über Coupons4u
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Foto (oben): azrael74
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Mein wichtigster Business-Hack steht jede Woche im Kalender
Feste Date Nights statt Dauerstress: Jason Modemann erklärt, warum Family-Time sein wichtigster Business-Hack ist.
Feste Zeit für Familie im Kalender – und zwar nicht verhandelbar. Jason Modemann, CEO und Gründer der Agentur Mawave erklärt, warum er Date Nights wie Business-Termine behandelt und was das mit seiner Performance als Geschäftsführer zu tun hat.
Mittwochabend gehört meiner Frau, Donnerstagnachmittag meiner Tochter Luana. Beides steht als fester Block im Kalender. Und mein Team weiß, dass da niemand etwas drüber buchen darf.
Das klingt für viele Unternehmer vielleicht erstmal unromantisch oder banal – ist es für mich aber nicht. Denn wenn ich eines über die letzten Jahre gelernt habe, dann das: Zeit für Familie und Beziehung passiert nicht von allein. Sie entsteht nicht plötzlich, weil „gerade mal nichts los ist“. Im Gegenteil. Wenns danach geht, ist immer etwas los. Es gibt immer noch einen Call, noch ein Dinner, noch ein Problem, noch einen Pitch, noch irgendeine vermeintlich wichtige Sache, die dazwischenkommt.
Genau deshalb bin ich da mittlerweile extrem strikt. Natürlich sage ich nie etwas komplett dogmatisch ab. Wenn eine fette Krise ansteht oder ein wirklich wichtiger Pitch, dann verschiebt sich meine Family Time auch mal. Aber das ist die absolute Ausnahme. In der Regel finden die beiden „Termine“ statt.
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Der richtige Moment kommt nie
Ich bin ehrlich: Die Blocker setze ich vor allem aus Selbstschutz. Weil ich genau weiß, dass sonst die Dinge, die im Moment nicht dringlich sind, sonst unter meinem vollgepackten Alltag leiden. Früher habe ich mir eingeredet, ich würde mir schon genug Zeit für meine Freunde und die Familie nehmen – spätestens dann, wenn es etwas ruhiger wird.
Das Problem daran: Dieser Moment kommt so gut wie nie. In meiner Zeit als Unternehmer und Gründer gab es noch nie einen Mittwochabend, an dem ich dachte: Ach super, ich habe ja jetzt eh nichts mehr zu tun, dann plane ich mal spontan Zeit mit meiner Frau ein. Ganz im Gegenteil.
Und ich merke inzwischen auch sehr klar, warum mir die regelmäßige Zeit mit meinen Liebsten so wichtig ist: Wenn ich eine Woche einfach nur durcharbeite, geht das meistens noch. Aber wenn ich über längere Zeit nur funktioniere und keinen echten Ausgleich habe, werde ich schlechter in meinem Job. Ich treffe schwächere Entscheidungen, bin weniger kreativ, habe weniger Drive und irgendwann auch weniger Geduld.
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Ohne Ausgleich kein Fokus
Diese Zeit mit meiner Frau und meiner Tochter ist für mich deshalb längst kein „privater Luxus“ mehr. Sie ist in gewisser Weise auch mein wichtigster Business-Hack, um überhaupt leistungsfähig zu bleiben. Eigentlich ist es sogar genau andersrum, als viele Gründer denken: Nicht trotz dieser Zeit läuft der Laden gut weiter — sondern auch wegen ihr.
Was ich anderen Gründern deshalb mitgeben würde – ganz kurz:
- Behandle Family & Friends nicht als Lücke im Kalender, sondern als Priorität. Blocke dir das auch fest ein.
- Mach Ausnahmen wirklich zur Ausnahme.
- Hör auf, das Private vom Job zu trennen.
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5 neue Startups: LetsVibe, fertig.ai, Voico, familymind, Space Acceleration
#Brandneu
Erneut bereichern vielversprechende Neugründungen die Startup-Szene. Im Folgenden stellen wir diese junge Unternehmen vor: LetsVibe, fertig.ai, Voico, familymind und Space Acceleration.

Frische Ideen, neue Firmen: deutsche-startups.de präsentiert heute wieder junge Startups, die kürzlich gegründet wurden oder gerade ihren Stealth-Mode beendet haben. Wer noch mehr Neugründungen entdecken möchte, sollte unseren Newsletter Startup-Radar abonnieren.
LetsVibe
Das Münchner Startup LetsVibe, von Sebastian Kraiker und Theresa Villinger an den Start gebracht, setzt auf so genanntes Vibe-Dating. In den Profilen der Plattform gibt es neben Fotos auch „eine faire Bewertung des Verhaltens“. So sollen alle Nutzenden gleich sehen können, „welche Mitglieder angenehme Kontakte sind – und alle müssen sich mehr Mühe geben“.
fertig.ai
Bei fertig.ai aus Halberstadt und Berlin dreht sich alles um „Intelligente Voice-Bot und KI- Lösungen für Unternehmen“. Das Team der Gründer Paul Winter und Reza Jaber schreibt dazu: „Wir bauen die Infrastruktur dafür, wie Arbeit im nächsten Jahrzehnt erledigt wird – angetrieben von intelligenten, autonomen Agenten, die tatsächlich Dinge erledigen.“
Voico
Die Jungfirma Voico aus Hamminkeln, von Dean Koenning, Saman Ahmadifar und Nico Lichtenstein gegründet, bringt sich als „AI Telephony Platform“ in Stellung. „Mit unseren Voico Voice-Agenten automatisieren Sie: Termine, Anfragen und Reservierungen und sparen dabei tausende Euro im Monat“, verspricht das Team.
familymind
Hinter familymind aus München, von Mousa Abdelmaksoud, Rosaria Di Donna und Ariane Vogel ins Leben gerufen, steckt ein „All-in-One Familien-KI-Assistent“. Die Plattform deckt dabei insbesondere Themen wie Essens- und Terminplanung sowie Routineaufgaben ab. Das Motto dabei lautet: „Mit familymind bleibst du nicht nur organisiert – du delegierst.“
Space Acceleration
Space Acceleration aus Bremen, von Manuel Constantin Olariu angeschoben, bietet eine „technologische Infrastruktur und skalierbare Marktplatzlösungen für die neue Weltraumwirtschaft“. Konkret möchte das Team „den globalen Austausch von Weltraumressourcen“ vorantreiben.
Tipp: In unserem Newsletter Startup-Radar berichten wir einmal in der Woche über neue Startups. Alle Startups stellen wir in unserem kostenpflichtigen Newsletter kurz und knapp vor und bringen sie so auf den Radar der Startup-Szene. Jetzt unseren Newsletter Startup-Radar sofort abonnieren!
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3
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