Künstliche Intelligenz
SADAS: Neue Software warnt Fahrer vor Gefahrenzonen im Straßenraum
Was haben dicke, gelbe Bücher mit autonomem Fahren zu tun? Mehr als man denkt, wenn es nach dem Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) und der pdm solutions GmbH geht. In einem sechsmonatigen Forschungsprojekt haben die beiden Partner nach eigenen Angaben einen Proof of Concept abgeschlossen, der kuratierte Standortdaten aus dem Verzeichnis „Das Telefonbuch“ für moderne Fahrerassistenzsysteme (ADAS) nutzbar machen soll. Der Prototyp wurde auf dem Branchentreff des Verbands Deutscher Auskunfts- und Verzeichnismedien (VDAV) in Berlin präsentiert.
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Im Zentrum steht die am Fraunhofer FOKUS entwickelte Software SADAS (Support for Advanced Driver Assistance Systems). Sie soll die Verzeichnisdaten in den sogenannten „Digitalen Stadtzwilling“ integrieren – ein virtuelles Abbild des Straßenraums. Konkret identifiziere das System laut Fraunhofer Orte mit besonders schutzbedürftigen Verkehrsteilnehmenden, etwa Kindergärten, Spielplätze oder Schulen, und gleiche diese Informationen in Echtzeit mit Fahrtroute und Fahrzeugposition ab.
Erkenne das System eine potenzielle Gefahrenzone, soll der Fahrer optische oder akustische Signale über das Dashboard erhalten – und zwar, bevor die Situation im Sichtfeld auftaucht. Künftig sollen diese Warnungen nach Darstellung der Partner auch direkt an Bremsassistenten oder automatisierte Fahrfunktionen weitergereicht werden können. Wie KI-gestützte Assistenzsysteme im Fahrzeug funktionieren und welche Infrastruktur dahintersteckt, zeigt etwa das Forschungsprojekt Central Car Server der TU München, bei dem ein Zentralrechner alle elektronischen Komponenten steuert und neue Funktionen selbst programmiert.
Alternative zu Datensilos großer Plattformen
Standortdaten von Schulen oder Kitas finden sich grundsätzlich auch in den Kartendiensten globaler Tech-Konzerne. Das Fraunhofer-Projekt zielt jedoch ausdrücklich auf eine souveräne Dateninfrastruktur. „Ein zentrales Ziel ist es, bestehende Datensilos aufzubrechen. Das unterstützt auch digital souveräne Systeme“, erklärt Dr.-Ing. Ilja Radusch, Leiter des Geschäftsbereichs Smart Mobility bei Fraunhofer FOKUS und Leiter des Daimler Center for Automotive IT Innovations (DCAITI) an der TU Berlin. Das Ziel digitaler Souveränität steht dabei im Mittelpunkt des Projekts.
Über offene, standardbasierte Schnittstellen sollen Städte und Mobilitätsdienstleister auf den Digitalen Stadtzwilling zugreifen können, ohne sich an die geschlossenen Ökosysteme einzelner Plattformanbieter zu binden. Das soll es zudem ermöglichen, dass nicht jeder Datenanbieter von vornherein sämtliche Qualitätsanforderungen aller – oft noch unbekannten – Datennutzenden erfüllen muss.
Vom Telefonbucheintrag zur Geokoordinate
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Eine Herausforderung dürfte die Datenqualität sein. Während für Verzeichnisdienste eine korrekte Postadresse genügt, benötigen Fahrzeuge hochpräzise Geokoordinaten. Radusch nennt ein anschauliches Beispiel: Schulen oder Spielplätze erstreckten sich häufig über ganze Straßenblöcke und grenzten an mehrere Straßen. Würde ein Assistenzsystem pauschal an allen angrenzenden Straßen warnen, käme es schnell zum Gewöhnungseffekt – mit negativen Folgen für die Verkehrssicherheit.
Um die Daten für den Einsatz im Fahrzeug zu veredeln, will Fraunhofer FOKUS mehrere Quellen kombinieren: Informationen aus Verkehrsmanagementzentralen, stationäre Sensoren in Ampelanlagen sowie Sensordaten aus Fahrzeugflotten. Hinzu kommen soll Crowdsourcing über die KI-basierte App Eidos Road Glancr (PDF): Ein handelsübliches Smartphone an der Windschutzscheibe – beispielsweise in Bussen oder Taxis – soll datenschutzkonform Veränderungen im Straßenraum wie Baustellen, neue Verkehrszeichen, Straßenschäden oder verfügbare Parkflächen erfassen. Für seltene oder sicherheitskritische Ereignisse will das Team die Realdaten zusätzlich durch Simulationen in der Open-Source-Umgebung Eclipse MOSAIC ergänzen.
Nach dem nach eigenen Angaben erfolgreichen Proof of Concept wollen pdm solutions und Fraunhofer FOKUS die Zusammenarbeit fortsetzen. Perspektivisch sollen die datenbasierten Digitalen Stadtzwillinge nicht nur Assistenzsysteme ergänzen, sondern auch für automatisiertes und autonomes Fahren nutzbar werden. Andere Hersteller setzen bei der Integration von Fahrerassistenz auf KI-Plattformen wie etwa Google Gemini in Volvo-Fahrzeugen, wo die KI über Fahrzeugkameras Verkehrszeichen und die Umgebung in Echtzeit analysiert. Denkbar seien laut Radusch zudem klassische Telematik-Services wie barrierearme Routen zur nächsten Apotheke oder thematische Stadttouren.
Transparenzhinweis: Heise & Dumrath Medien ist am Herausgeber von „Das Telefonbuch“ beteiligt.
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(vza)
Künstliche Intelligenz
Jadepuffer: Die erste KI-Ransomware-Attacke verbaselt nicht nur den Schlüssel
Forscher der Cloud-Security-Firma Sysdig dokumentieren den ersten, wie sie behaupten „komplett LLM-getriebenen“ Ransomware-Vorfall. Und was sie beschreiben, ist tatsächlich ein Einbruch in ein Produktionssystem, bei dem offenbar ein LLM weitgehend autonom agiert, dabei wichtige Daten verschlüsselt beziehungsweise löscht und für deren Wiederbeschaffung Lösegeld fordert. Doch bei genauerer Betrachtung ist das Ganze eher skurril als ernsthaft gefährlich.
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Dass bei dem Vorfall ein Large Language Model am Werk war, geht recht eindeutig aus den am Tatort vorgefundenen Skripten hervor. Menschliche Akteure dokumentieren ihre maliziösen Skripte eher nicht mit Kommentaren wie "High-ROI databases to drop". Für die These, dass das LLM weitgehend autonom handelte, führen die Forscher an, wie schnell es auf fehlgeschlagene Aktionen reagierte. So verbesserte es ein Skript nach einem fehlgeschlagenen Login innerhalb von 31 Sekunden.
Typische LLM-Fails
Man könnte an der Stelle auch anführen, dass ein menschlicher Täter für die Lösegeldforderung kaum die Adresse einer Bitcoin-Wallet verwendet hätte, die häufig als Beispiel in öffentlich verfügbarer Dokumentation auftaucht (3J98t1WpEZ73CNmQviecrnyiWrnqRhWNLy). Oder mehr Wert darauf gelegt hätte, zumindest den Anschein zu erwecken, den zum Verschlüsseln der Daten verwendeten AES-Key auch tatsächlich für eine mögliche spätere Herausgabe zu speichern. Die Liste der für LLMs so typischen Fails ließe sich weiter fortsetzen.
Das LLM absolvierte alle typischen Schritte eines Ransomware-Angriffs: vom Initial Access über Persistenz, Informationsbeschaffung, weiteres Ausbreiten bis zum finalen Impact. Die konkreten Umstände des Einbruchs sind allerdings nicht unbedingt geeignet, bei seriösen Admins Schrecken zu verbreiten. Der initiale Zugriff erfolgte über eine offenbar seit langem ungepatchte Sicherheitslücke eines über Internet erreichbaren Langflow-Servers (CVE-2025-3248), einer Code-Injection-Lücke in einem Open-Source-Framework zum Bau von LLM-Systemen. Auf dem Server lief auch ein selbst-gehostetes MinIO, ein S3-kompatibler Objektspeicher mit Defaultzugang minioadmin:minioadmin. Der daraufhin angegriffene Naming-Server enthielt eine seit fünf Jahren bekannte Schwachstelle (CVE-2021-29441). Die Systeme und ihre Daten lagen also sozusagen auf einem Präsentierteller. Woher die Zugangsdaten für den finalen Zugriff auf eine MySQL-Datenbank stammen, ist allerdings ungeklärt.
Müssen wir alle sterben?
Der von Sysdig als Jadepuffer bezeichnete Vorfall zeigt, dass Angreifer tatsächlich damit experimentieren, Angriffe von einer KI weitgehend selbstständig durchführen zu lassen. Und dass das prinzipiell Schaden verursachen kann. Doch selbst aus Sicht der eigentlichen Täter im Hintergrund dürfte dieser Vorfall bestenfalls als Proof of Concept denn als echter Durchbruch verbucht werden. Der Weg zum eigentlichen Ziel „make money fast“ ist doch noch sehr weit. Insgesamt wirkt das Vorgehen der KI mehr wie das eines Toddlers, der mit Cybercrime-Bauklötzchen spielt, als das eines Furcht einflößenden Cyber-Terminators. Doch beim aktuellen Tempo der KI-Entwicklung wird dieser Toddler sehr schnell dazu lernen. Die wichtigste Jadepuffer-Botschaft für Verteidiger ist jedenfalls keine neue: Es wird allerhöchste Zeit, seine Security-Hausaufgaben zu machen und seine IT-Infrastruktur vernünftig abzusichern.
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(ju)
Künstliche Intelligenz
Dank Apple: Foldables werden laut Marktforscher bald teurer
Im September ist es angeblich so weit: Apple bringt sein erstes faltbares iPhone auf den Markt, das in der Gerüchteküche unter dem Begriff „iPhone Ultra“ läuft. Bekannt ist bereits, dass der Hersteller einen hohen Einstiegspreis ansetzen dürfte: Laut jüngsten Schätzungen des bekannten Analysten Ming-Chi Kuo soll er bei 2300 bis 2500 US-Dollar (ohne Umsatzsteuer) liegen, was in Europa bis zu 2700 Euro bedeuten könnte. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Counterpoint hat das Auswirkungen auf den gesamten Foldables-Sektor: Der durchschnittliche Verkaufspreis (Average Selling Price, ASP) werde dank Apple deutlich ansteigen.
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Günstige Foldables werden weniger
Counterpoint schätzt, dass der ASP noch in diesem Jahr um 18 Prozent steigen wird, da das Angebot dank Apple im „Super Premium Segment“ zunehme. Auch die Art des Foldables soll sich weiter in Richtung „Buchtyp“ verschieben – mit einem Marktanteil von 76 Prozent. Clamshell-Modelle, wie sie etwa Motorola und Samsung im Angebot haben, von Apple aber zunächst nicht geplant sind, verlieren hingegen. Der Anteil der Foldables, die zwischen 1600 und 2000 Dollar kosten, soll laut Counterpoint 2026 auf 58 Prozent steigen – von 30 Prozent im Vorjahr. Günstige Geräte unter 1200 Dollar liegen dann bei unter 30 Prozent.
Das heißt: Counterpoint geht davon aus, dass sich auch die Hersteller von Android-Geräten ein Beispiel an Apple nehmen und Preise nach oben korrigieren. Laut Liz Lee, Associate Director bei Counterpoint Research, nutzen die Hersteller die höheren Preise auch dazu, um einen Margenpuffer aufgrund der Komponenteninflation zu haben. Dadurch würden weniger preissensible Early Adopter angezogen und mehr Premium-Nutzer angelockt. Diese suchten nach mehr Produktivität und Effizienz bei den Foldables, etwa beim Multitasking, unterstützt von KI.
Auswirkungen auf Gesamtmarkt
Im Foldable-Gesamtmarkt erhoffen sich die Hersteller, dass Apples Einstieg das Segment auf eine neue Ebene hebt. Bei den von Apple angepeilten Preisen könnte dies aber schwierig werden.
Der Konzern peilt laut Kuo in diesem Jahr um die 8 Millionen verkaufte Geräte an, laut anderer Marktbeobachter bis zu 10 Millionen. Das ist insgesamt deutlich weniger als reguläre iPhones im alten Formfaktor verkauft werden.
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(bsc)
Künstliche Intelligenz
Android-Backups werden künftig auf den Google-Speicher angerechnet
Ab dem 7. Juli 2026 – zunächst für neue Backup-Nutzer, für bestehende Konten in den kommenden Monaten – rechnet Google neben Fotos und Videos, die in Google Fotos hochgeladen werden, nun auch weitere Daten wie SMS auf das Speicherkontingent des eigenen Google-Kontos an. Diese Daten lassen sich künftig auf Wunsch auch nicht mehr sichern.
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Neue Schalter für die Backups
Wie Google in einem Supportdokument schreibt, werden künftig auch der Anrufverlauf, Geräteeinstellungen und App-Daten auf das Speicherlimit angerechnet. Laut Google sollten diese neuen Daten die Größe des Backups im Durchschnitt um 40 MByte erhöhen.
Im Zuge der neuen Richtlinie gibt Google Android-Nutzern mehr Kontrolle darüber, was Bestandteil des Backups ist. Neben der Aus- und Abwahl einzelner Apps, die man womöglich nicht gesichert haben möchte, führt Google im Laufe der kommenden Wochen Ein-/Aus-Schalter für SMS- und MMS-Nachrichten, den Anrufverlauf und die Geräteeinstellungen für alle Nutzerinnen und Nutzer hinzu. 9to5Google hat darüber zuerst berichtet.
Um auf die Backup-Einstellungen zuzugreifen, bewegt man sich auf Pixel-Geräten zu „Google-Dienste und -Einstellungen“ > „Sicherung verwalten“ > „Andere Gerätedaten“. Auf Geräten anderer Hersteller ist die Backup-Funktion in den Einstellungen unter „Google“ zu finden.
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Ein Google-Sprecher sagte 9to5Google: „Mit der Android-Sicherung können Sie die Daten auf Ihrem Smartphone in Ihrem Google-Konto speichern, um sie später einfach wiederherzustellen oder ein neues Gerät einzurichten. Wir haben unsere Richtlinien aktualisiert, sodass nun alle Android-Sicherungsdaten auf den Speicherplatz Ihres Google-Kontos angerechnet werden. Wir gehen davon aus, dass dies im Durchschnitt nur 40 MB zusätzlich beanspruchen wird. Außerdem bieten wir Ihnen mehr Transparenz und neue Einstellungsmöglichkeiten, mit denen Sie auswählen können, welche Daten und Apps Sie sichern möchten.“
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15 GByte kostenloser Cloudspeicher
Google bietet seit Jahren standardmäßig 15 GByte Cloudspeicher kostenlos als Teil eines Google-Kontos an. Gegen Gebühren lässt dieser sich mit dem Angebot Google One von 100 GByte für 2 Euro monatlich auf bis zu 30 TByte für 220 Euro im Monat erweitern. Die teureren Tarife enthalten unter anderem zahlreiche KI-Funktionen.
Seit dem Jahr 2024 wird unter Android auch das WhatsApp-Backup auf den Cloudspeicher angerechnet, sollten WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzer die Cloudbackup-Funktion verwenden. Wie groß der verwendete Cloud-Speicherplatz ist, lässt sich auf einer Übersicht einsehen. Hier können Nutzer ihr WhatsApp-Backup bei Bedarf löschen; die Verwaltung erfolgt über die WhatsApp-App.
(afl)
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