Künstliche Intelligenz
Avatare und Augmented Reality: Apple schnappt sich kleines Start-up
Apple hat im Rahmen eines Asset-Deals Materialien, Rechte und womöglich auch Mitarbeiter eines auf Augmented-Reality-Systeme und Avatare spezialisierten Start-ups übernommen. Die Firma Animato, die unter anderem die KI-Tutoring-Lösung Call Annie entwickelt hat, war in Kalifornien beheimatet. Der Kauf wurde über Berichtspflichten im Rahmen des Digital Market Act (DMA) der EU-Kommission bekannt.
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Typische Apple-Aufkaufstrategie
Apple erkaufte sich demnach das Recht, Animatos laufende Patentanträge zu übernehmen, bekommt Lizenzen für das geistige Eigentum der Firma (interessanterweise allerdings nicht exklusiv) und erhält die Erlaubnis, Mitarbeiter zu übernehmen. Laut der Beschreibung auf der EU-Website entwickelt und vertreibt Animato „Software, die virtuelle Avatare für Videochats und Lehre kreiert“.
Der Vorgang bedeutet keine direkte Übernahme von Animato, sondern es gehen nur Assets an Apple über. Durch die Erlaubnis, Mitarbeitern Angebote zu machen, wird aus dem Deal zudem ein „Acqui-Hire“, also eine Kombination aus Teilübernahme und dem Versuch, Talente anzuwerben. Apple führt solche Käufe regelmäßig durch, hat dadurch bereits wichtige Funktionen, Apps und Techniken ins Unternehmen geholt. Zu den bekannten Akquisitionen zählt die Mannschaft hinter iTunes (aus dem später Apple Music wurde) oder das Team hinter den visionOS-Avataren. Auch die Sprachassistentin Siri stammt ursprünglich nicht von Apple selbst.
Diverse KI- und Augmented-Reality-Firmen übernommen
Es ist unklar, was Apple mit dem Animato-Know-how plant. Oftmals kann es Jahre dauern, bis aus einem solchen Aufkauf ein Produkt wird. Zuletzt hatte Apple unter anderem die Firmen WhyLabs, Mayday Labs, TrueMeeting und PromptAI übernommen. Gerade in spezielleren Bereichen wie Augmented Reality oder KI scheinen sich solche Erwerbungen zu lohnen. Allerdings kommt es auch vor, dass die dadurch ins Unternehmen kommenden Mitarbeiter dieses nach Ablauf ihrer Verträge sofort wieder verlassen.
Apple hatte zuletzt etwa massiv mit Abgängen aus seiner KI-Abteilung zu kämpfen – Mitarbeiter ließen sich von besseren Angeboten wie denen von OpenAI, Anthropic oder Meta anlocken. Seit einigen Monaten ist hier aber wieder mehr Ruhe eingekehrt. Letzter großer Abgang war die Verrentung des KI-Chefs John Giannandrea.
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(bsc)
Künstliche Intelligenz
Airbnb personalisiert App mit KI
Die Unterkünfte-Plattform Airbnb will ihren Dienst stärker individuell auf einzelne Nutzer zuschneiden und setzt dafür auf Künstliche Intelligenz. Unter anderem sollen bei der Anzeige der Beschreibung Merkmale hervorgehoben werden, von denen man wisse, dass sie für die konkreten Kunden relevant seien, sagte Mitgründer Nathan Blecharczyk der dpa. Habe man etwa in der Vergangenheit öfter Unterkünfte mit einem Pool gebucht, werde das bei der Ansicht anderer Angebote prominent angezeigt.
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Künstliche Intelligenz soll auch bei der Auswertung von Bewertungen auf der Plattform zum Einsatz kommen. „Wir haben mehr als eine Milliarde Bewertungen auf der Plattform. Sie werden sie nicht alle lesen“, sagte Blecharczyk. KI soll stattdessen den Inhalt der Bewertungen zu einzelnen Themen zusammenfassen. Dabei werden Aspekte hervorgehoben, die besonders häufig in den Bewertungen vorkommen: Etwa Lage, Sauberkeit, Anbindung, Heizung, Check-In-Verfahren oder Lärm.
Hotels bei Airbnb
Airbnb setzt zudem stärker auf zusätzliche Dienstleistungen. Über die App soll man künftig unter anderem auch Mietwagen, Kofferaufbewahrung oder Lebensmittel-Lieferungen buchen können. Zudem will die Firma Erlebnisse wie Touren, Verkostungen oder Workshops prominenter anbieten.
Airbnb konkurriert zwar grundsätzlich mit der Hotel-Industrie. Die Firma bot allerdings schon seit Jahren zusätzlich Aufenthalte in Boutique-Hotels an. Doch inzwischen sorge man dafür, dass auf der Plattform in allen relevanten Stadtteilen auch Hotelzimmer im Angebot seien, sagte Blecharczyk. „Wir erkennen an, dass selbst unsere loyalsten Airbnb-Kunden immer noch manchmal Hotels buchen.“ Das könne in manchen Fällen die bessere Lösung sein, zum Beispiel auf Dienstreisen oder nur einer Übernachtung. Und anstatt sie zu einer anderen Website zu schicken, wolle Airbnb auch diesen Markt bedienen.
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(egia)
Künstliche Intelligenz
c’t-Podcast: „KI kann allein keine Cyberangriffe entwickeln“
Es klang fast nach einer neuen Eskalationsstufe im Cyberwar, was Google kürzlich verkündete: Man habe den ersten Beweis erbracht, dass Angreifer KI erfolgreich zur Entwicklung einer Zero-Day-Schwachstelle eingesetzt hätten, so eine Pressemitteilung des Konzerns. „Aber es ist nicht so wie behauptet“, sagt Haya Schulmann, Professorin für Informatik an der Goethe-Uni Frankfurt und Mitglied im Direktorium des Nationalen Forschungszentrums für Angewandte Cybersicherheit Athene. Sie hat das zugehörige Forschungspaper genau gelesen und kommt im c’t-Podcast They Talk Tech mit Svea Eckert und Eva Wolfangel zu einem anderen Schluss: Laut dem Paper selbst habe die KI die Zero-Day-Schwachstelle nicht entdeckt, sie sei lediglich als Unterstützung eingesetzt worden. Ein entscheidender Unterschied.
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Haya Shulman
Der Fall ist eines von vielen Beispielen, das zeigt, wie der Hype um künstliche Intelligenz die Realität verzerrt und wie Hersteller wie Anthropic oder in diesem Fall Google diesen ausnutzen, um für die eigenen Produkte oder die eigene Arbeit zu werben.
Was das Paper von Google hingegen zeige, erklärt Schulmann, sei seit Anfang 2024 bekannt: Staatliche Akteure und Cyberkriminelle nutzen KI-Werkzeuge, um schneller zu werden. Interessant sei allerdings, wie Google in diesem Fall zu seiner Erkenntnis gelangt ist: Nämlich unter anderem, indem die Firma auswertete, was Nutzerinnen und Nutzer mit dem Chatbot Gemini machen. „Das heißt, die KI-Anbieter können genau verfolgen, was ihre Kunden tun“, sagt Schulmann. Das habe in Zeiten einer angespannten Atmosphäre zwischen USA und Europa eine eigene strategische Dimension – ein Aspekt, den die alarmistischen Berichte konsequent ausblenden.
Das eigentliche Problem aber liege tiefer, betont Schulmann. Zero Days, also bislang unbekannte Sicherheitslücken, für die es noch keinen Patch gibt, stehen im Zentrum der öffentlichen Debatte, insbesondere seit Anthropic verkündet hat, sein Modell Mythos nicht zu veröffentlichen, weil es zu gefährlich sei. Angeblich, weil Mythos unbekannte Sicherheitslücken besonders gut finde.
Aber es gehöre mehr dazu, eine Schwachstelle auszunutzen, sagt Schulmann: Schließlich muss dafür erstmal Schadcode geschrieben werden. Und gerade KI-generierter Code enthält Fehler und funktioniert nicht zuverlässig. „Außerdem fällt er auf, er verrät die Angreifer.“ Wer unentdeckt bleiben will, greife lieber auf bekannte, bereits gepatchte Schwachstellen zurück – weil dafür fertige Werkzeuge existieren und die Angriffe erprobt sind. Denn: Selbst wenn es Patches gibt, heißt das noch lange nicht, dass die Systeme auch auf dem aktuellen Stand sind. Eine noch unveröffentlichte Studie des Athene-Zentrums mache das Ausmaß sichtbar: In 16 deutschen Bundesministerien fanden die Forscherinnen und Forscher kritische Schwachstellen, die teilweise über zehn Jahre alt sind. „Gleichzeitig wächst die Zahl veralteter End-of-Life-Systeme mit jeder neuen Digitalisierungsschicht, die darübergebaut wird.“
Dazu kommt, dass Angreifer weit weniger von KI profitieren als behauptet. „LLMs produzieren geschwätzigen, fehlerbeladenen Code“: Ein Problem, das Verteidiger und Angreifer gleichermaßen trifft. Im Google-Paper selbst finden sich Hinweise darauf: Der entdeckte Code enthielt halluzinierte Werte und war so lehrbuchartig dokumentiert, dass er die Angreifer verriet. „Die gleichen Probleme, die wir haben, haben natürlich die Angreifer auch“, sagt Schulmann. „Der Holy Grail – ein KI-System, das völlig autonom Angriffe entwickelt und auf jedes beliebige Ziel loslässt – ist noch sehr weit weg.“
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Was Schulmann jedoch grundsätzlich beunruhigt, ist die Art, wie diese Debatte politisch geführt wird. Alarmistische Papiere erzeugten Panik und verdeckten gleichzeitig reale strukturelle Probleme: veraltete IT, mangelnde Professionalisierung, fehlende eigene KI-Infrastruktur in Europa. „Wir müssen aufpassen, dass die deutsche Politik nicht die Werbeargumente eines Herstellers übernimmt“, sagt sie. Wenn Politikerinnen und Politiker Pressemitteilungen von Tech-Konzernen als Faktenlage behandelten, führe das zu falschen Prioritäten. Was stattdessen gebraucht werde, sei eine langfristige Strategie: für digitale Souveränität, für eine europäische KI-Infrastruktur, die es mit US-Modellen aufnehmen kann, und für das Schließen der Lücken, die längst bekannt sind.
„They Talk Tech“ erscheint jeden Mittwoch überall, wo es Podcasts gibt. Svea Eckert und Eva Wolfangel diskutieren ein Tech-Thema oder treffen inspirierende Frauen aus und rund um die Tech-Welt.
(mond)
Künstliche Intelligenz
Navee XT5 Max Test: Brachialer E-Scooter mit 2200 Watt ist Outdoor-Testsieger
Der Navee XT5 Max ist ein wuchtiger Offroad-E-Scooter mit 2200 W Spitzenleistung, 12-Zoll-Reifen und Vollfederung.
Navee hat sich als ernsthafte Alternative zu Platzhirschen wie Segway und Xiaomi etabliert. Der Navee ST3 Pro (Testbericht) überzeugt mit edler Optik und exzellenter Federung. Günstiger, aber ebenfalls stark ist der Navee GT3 Max (Testbericht) mit kräftigem Motor und attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit unter 600 Euro fast schon ein Schnäppchen: Der Navee N65i II (Testbericht) als Einstiegs-E-Scooter.
Der Offroad-Spezialist Navee XT5 Max setzt auf einen 2200-W-Motor, riesige 12-Zoll-Reifen und einen massiven Stahlrahmen. Damit positioniert er sich im Premium-Segment und greift Modelle wie den Segway Ninebot Max G3 D (Testbericht) direkt an.
Der Navee XT5 Max kostet aktuell ab 1099 Euro (Expert) – kein Schnäppchen, aber angesichts der Ausstattung ein faires Angebot. Wir haben den Offroad-Riesen getestet.
Aufbau, Optik und Verarbeitung
Der Aufbau geht schnell. Lenker aufsetzen, mit vier Schrauben fixieren, fertig. Es gibt aber einen Haken: Ohne App-Kopplung und Registrierung piept der XT5 Max penetrant.
Optisch ist der E-Scooter ein echter Hingucker mit auffallend kantigem Design in Offroad-Optik. Mit einer Länge von 136 cm überragt er die meisten Konkurrenten deutlich. Rote Akzente an Bremsen, Sicherungshebel, Kabeln und Streifen am Trittbrett lockern das grauschwarze Design auf. Lenkstange und Lenker sind mit Kunststoff verkleidet. Das verleiht dem XT5 Max etwas Futuristisches, fast schon Transformer-Style.
Die wuchtigen 12-Zoll-Reifen dominieren das Erscheinungsbild. Das Trittbrett misst stolze 21 cm in der Breite und bietet damit reichlich Platz für jede Standposition. Der Stahlrahmen wirkt unverwüstlich. Insgesamt erscheint der E-Scooter massiv und wuchtig – eben für den harten Geländeeinsatz konzipiert. Mit IPX6-Zertifizierung trotzt er auch starken Regenfällen.
Navee XT5 Max Bilder
Beeindruckend ist die maximale Zuladung von 150 kg – damit übertrifft der Navee XT5 Max die meisten Konkurrenten. Die Verarbeitung wirkt durchweg hochwertig. Nichts wackelt, nichts knarzt.
Der Klappmechanismus funktioniert solide. Ein Haken an der Lenkstange rastet in einer Öse am Trittbrett ein. Der Mechanismus wirkt stabil. Aufgeklappt misst der XT5 Max 136 × 63 × 141 cm. Gefaltet schrumpft er auf 135 × 63 × 66 cm, bleibt damit aber weiterhin sehr lang und sperrig. Das hohe Gewicht erschwert den Transport in Treppenhäusern und im ÖPNV erheblich. Denn mit rund 35 kg Eigengewicht spielt der E-Scooter in einer eigenen Liga.
Lenker & Display
Die breite Lenkstange liegt gut in der Hand und sorgt für präzise Kontrolle. Die hohe Position kommt großen Fahrern entgegen. Die Bedienelemente sitzen direkt neben den Griffen und sind auch während der Fahrt gut erreichbar.
Ein echtes Sicherheitsplus bieten die gut sichtbaren Frontblinker an den Lenkerenden. Das akustische Signal beim Blinken lässt sich bei Bedarf über die App abschalten.
Das LED-Display ist mit 5 Zoll für E-Scooter ungewöhnlich groß. Es zeigt Geschwindigkeit, Akkustand und Fahrmodus klar an. Die Ablesbarkeit ist auch bei Sonnenschein gut.
Das 9-W-Frontlicht leuchtet die Fahrbahn kräftig aus – deutlich heller als bei vielen günstigen E-Scootern. Der Abstrahlwinkel ist allerdings fix und lässt sich nicht verstellen. Das automatische Einschalten bei Dunkelheit muss zunächst per App aktiviert werden. Das Rücklicht leuchtet beim Bremsen zusätzlich auf und warnt nachfolgende Verkehrsteilnehmer.
App
Die Navee-App ist Pflicht – ohne Registrierung verweigert der E-Scooter den Dienst. Hat man diese Hürde genommen, bietet sie jedoch einen beachtenswerten Mehrwert.
Vier Fahrmodi stehen zur Auswahl: Gehmodus, D (Standard), S (Sport) und Boost. Die Rekuperation lässt sich anpassen. Die Startgeschwindigkeit kann zwischen 3, 4 und 5 km/h gewählt werden.
Navee XT5 Max Screenshot
Praktisch sind das geplante Laden und ein aktivierbarer Batteriesparmodus, der die Geschwindigkeit unter einer bestimmten Akkuladung begrenzt. Detaillierte Fahrstatistiken zeigt die App ebenfalls an. Als Diebstahlschutz lässt sich ein direkt am E-Scooter einzugebender PIN-Code aktivieren. Alternativ funktioniert die Entsperrung per Bluetooth. Bei Bedarf kann der Fahrer die Traktionskontrolle deaktivieren.
Apple-Nutzer freuen sich über die Integration in das „Wo ist?“-Netzwerk – so lässt sich der E-Scooter im Notfall orten. OTA-Updates spielt die App ebenfalls ein. Insgesamt ist sie umfangreich und durchdacht, der Registrierungszwang bleibt aber ein Wermutstropfen.
Fahren
Sobald man auf das großzügige Trittbrett steigt, vermittelt der Navee XT5 Max sofort ein sicheres Gefühl. Die enorme Standfläche bietet Platz für jede Fußposition. Der hohe Lenker und die breite Spur sorgen für eine bequeme Fahrhaltung. Besonders große Personen profitieren davon. Für kleinere Fahrer könnte der Riese hingegen zu groß und schwer ausfallen.
Das Herzstück ist sein Heckmotor mit beeindruckenden 2200 W Spitzenleistung. Im Boost-Modus ist die Beschleunigung schlicht brachial. Wer nicht aufpasst, hebt vorne ab. Trotzdem lässt sich die Leistung über den Daumengriff erstaunlich fein dosieren. Steigungen meistert der Motor souverän – Navee gibt bis zu 32 % an. In der Praxis hängt das stark vom Fahrergewicht ab, aber selbst bei steileren Anstiegen geht dem E-Scooter nicht so schnell die Puste aus. Der Hinterradantrieb verbessert die Traktion beim Beschleunigen spürbar, eine Traktionskontrolle sorgt für zusätzliche Sicherheit.
Federung und Reifen
Ein echtes Highlight ist die Vollfederung. Statt einer einfachen Federgabel setzt Navee auf eine ausgeklügelte Dämpferarm-Konstruktion an beiden Rädern. Diese arbeitet besser als die meisten Federungen, die wir bisher in E-Scootern erlebt haben. Bordsteine, Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster verlieren ihren Schrecken. Für sehr leichte Fahrer ist die Federung etwas zu hart abgestimmt. Personen ab 85 kg dürften sich aber rundum wohlfühlen.
Die großen 12-Zoll-Reifen verbessern die Fahrstabilität auf schlechten Wegen zusätzlich. Der Komfort ist klar besser als bei typischen 10-Zoll-Stadt-Scootern. Auch auf Schotter und Kopfsteinpflaster bleibt der XT5 Max jederzeit kontrollierbar. Der Geradeauslauf ist sehr stabil, der breite Lenker verbessert die Kontrolle weiter.
Das hohe Gewicht von 35 kg hat zwei Seiten. Es erhöht die Fahrstabilität bei höheren Geschwindigkeiten spürbar, verschlechtert aber die Wendigkeit. Im Stand lässt sich der Lenker nicht voll einschlagen. Dadurch wird es schwierig, den E-Scooter bei langsamer Fahrt durch enge Kurven zu manövrieren.
Bremsen
Vorne und hinten verbaut Navee Scheibenbremsen mit etwa 130 mm Durchmesser. Zusätzlich gibt es ein elektronisches E-ABS, das ein Blockieren der Räder verhindert. Beim Bremsen gewinnt der E-Scooter durch Rekuperation Energie zurück. Die Bremsen sind bissig abgestimmt und packen ordentlich zu. Eine kurze Eingewöhnungsphase ist daher sinnvoll. Wer beim ersten Versuch zu beherzt zugreift, riskiert einen ungeplanten Abstieg.
Akku
Mit 899 Wh fällt der Akku üppig aus. Navee verspricht eine Reichweite von bis zu 110 km unter Laborbedingungen. Diese Bedingungen sind realitätsfern: konstantes Tempo um 15 km/h, ein leichter Fahrer von 75 kg, ebene Strecke, optimale Außentemperatur um 25 °C und perfekter Reifendruck. In der Realität sieht es anders aus. Bei flotter Fahrweise mit über 20 km/h, hügeligem Gelände, kühlerem Wetter und durchschnittlichem Fahrergewicht sind eher 45 bis 65 km realistisch. Das ist trotzdem ein hervorragender Wert.
Die Ladezeit mit dem Standardladegerät beträgt 5 bis 6 Stunden. Wer es eilig hat, greift zum optionalen Schnellladegerät, das die Ladezeit auf etwa 2 Stunden verkürzt. Der Akku ist fest eingebaut – ein Wechsel ist nicht möglich. Optional bietet Navee einen Zusatzakku an, der die Reichweite um rund 50 Prozent erweitert.
Preis
Der Navee XT5 Max kostet aktuell ab 1099 Euro (Expert) und positioniert sich damit im Premium-Segment. Angesichts der starken Ausstattung mit 2200-W-Motor, 12-Zoll-Reifen, Vollfederung und großem Akku ist der Preis fair. Vergleichbare Modelle wie der Vmax VX2 Hub (Testbericht) kosten ähnlich viel, bieten aber weniger Motorleistung und einen kleineren Akku.
Fazit
Der Navee XT5 Max ist ein beeindruckender E-Scooter für alle, die Power, Komfort und Offroad-Tauglichkeit suchen. Der 2200-W-Motor liefert brachiale Beschleunigung. Die Vollfederung mit Dämpferarm-Konstruktion macht selbst grobe Wege erträglich. Die 12-Zoll-Reifen sorgen für Stabilität auch auf schwierigem Untergrund. Hinzu kommen die hohe Zuladung von 150 kg, das große 5-Zoll-Display und die helle Beleuchtung mit 9-W-Frontlicht. Auch der 899-Wh-Akku überzeugt mit realistisch 45 bis 65 km Reichweite – optional sogar mit Zusatzakku erweiterbar.
Kritikpunkte gibt es trotzdem. Das hohe Gewicht von 35 kg macht den Transport zur Tortur. Zusammengeklappt bleibt der E-Scooter sperrig. Der Lenker lässt sich im Stand nicht voll einschlagen. Für kleine Fahrer ist er möglicherweise zu wuchtig. Der Registrierungszwang nervt, und die Federung ist für sehr leichte Personen etwas zu hart.
Wer einen kompakten Pendler-Scooter sucht, ist hier falsch. Wer aber einen kraftvollen Begleiter für Stadt und Gelände will, bekommt für 1099 Euro ein hervorragendes Gesamtpaket.
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