Künstliche Intelligenz
Dienstag: Anthropic gegen chinesische KI-Firmen, SPD will Palantir blockieren
Der KI-Wettlauf wird immer mehr zum Machtkampf zwischen den Vereinigten Staaten und China. Nach OpenAI beschuldigt nun auch das US-Start-up Anthropic die chinesische Konkurrenz, zur Verbesserung ihrer KI-Modelle „Destillation“ einzusetzen. DeepSeek und andere sollen dafür Anthropics KI-Modell Claude angezapft haben. Die SPD reagiert auf monatelangen Druck aus der Zivilgesellschaft und verspricht, sich gegen den bundesweiten Einsatz der umstrittenen Analyse-Software Palantir starkzumachen. Und ein Entwurf zum Abkommen über Austausch von Biometriedaten zwischen der EU und den USA könnte dazu führen, dass bald eine Software allein über die Einreise entscheidet – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
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Als das chinesische Unternehmen DeepSeek Anfang vergangenen Jahres sein KI-Modell R1 präsentierte, reagierte die Branche geschockt. Zu gerade einmal einem Bruchteil der immensen Kosten der US-Konkurrenz hatte DeepSeek ein konkurrenzfähiges Produkt entwickelt. Schnell kamen Vorwürfe auf – vornehmlich aus den USA – DeepSeek habe für die Entwicklung seiner KI-Modelle Destillation genutzt, eine Technik, bei der ein weniger leistungsfähiges Modell anhand der Ergebnisse eines leistungsstärkeren Modells trainiert wird. OpenAI wirft bis heute DeepSeek vor, seinen Chatbot mittels ChatGPT trainiert zu haben. Nun erhebt das US-amerikanische KI-Start-up Anthropic ähnliche Vorwürfe gegen DeepSeek und andere chinesische Firmen. Anthropic wirft chinesischen Unternehmen unlautere Praktiken vor
Die Software „Gotham“ des US-amerikanischen Technologieunternehmens Palantir, das unter anderem von Tech-Milliardär Peter Thiel mitgegründet wurde, ermöglicht es Sicherheitsbehörden, große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und automatisiert auszuwerten. In mehreren unionsgeführten Bundesländern kommt Palantir bereits zum Einsatz. Kritiker warnen seit Längerem vor weitreichenden Überwachungsmöglichkeiten, mangelnder Transparenz und potenziellen Eingriffen in Grundrechte. Die Abhängigkeit von einem US-Konzern erscheint zudem als ein sicherheitspolitisches Risiko. Zuletzt hatten zivilgesellschaftliche Initiativen gegen den Einsatz von Palantir in Deutschland mobilisiert. Jetzt positioniert sich die SPD. Überwachungssoftware: SPD will Palantir auf Bundesebene blockieren
Zwischen den Vereinigten Staaten und der EU knirscht es derzeit an verschiedenen Stellen – nicht erst seit Donald Trump. Bereits unter der Regierung von Präsident Joe Biden haben die USA mit der sogenannten Enhanced Border Security Partnership (EBSP) neue Anforderungen für die visumfreie Einreise geschaffen. Darin werden EU-Staaten aufgefordert, bilaterale Abkommen mit der US-Regierung zu schließen, um den Zugriff auf nationale biometrische Datenbanken zu ermöglichen. Wer bis Ende dieses Jahres keine Einigung erzielt, riskiert den Ausschluss aus dem Programm für visumfreies Reisen. Um einen Flickenteppich an Einzelverträgen zu vermeiden und ein gewisses Schutzniveau zu wahren, hat die EU-Kommission die Verhandlungen über ein übergeordnetes Rahmenabkommen übernommen. Ein aktueller Entwurf des Abkommens gewährt den US-Sicherheitsbehörden tiefgreifende Befugnisse. US-Algorithmen als Grenzhüter: Automatisierte Urteile über EU-Reisende möglich
Hochverzinsliche Anlagebetrügereien, Betrug mit mobilem Geld und betrügerische Kreditgeschäfte im großen Stil – eine von Interpol koordinierte verdeckte Operation gegen transnationale Cyberkriminalitätsnetzwerke in 16 afrikanischen Ländern hat zur Festnahme von Hunderten Verdächtigen und zur Beschlagnahmung mehrerer Millionen US-Dollar geführt. Die Operation mit dem Namen „Red Card 2.0“ war die zweite große koordinierte Aktion gegen Cybercrime in ganz Afrika innerhalb von sechs Monaten. In zahlreichen Ländern wurden Banden enttarnt und deren Mitglieder festgenommen. „Red Card 2.0“: Großangelegte Razzia gegen Cyberkriminalität in Afrika
Level 3 beschreibt hochautomatisiertes Fahren, bei dem das Auto mit bestimmten Einschränkungen selbstständig fahren kann. Ab dieser Stufe muss der menschliche Fahrer das System nicht mehr permanent beaufsichtigen, sondern darf sich anderen Tätigkeiten widmen. Hochautomatisiertes Fahren auf Level 3 ist in Deutschland bis zu einer Geschwindigkeit von 95 km/h erlaubt. Derzeit bieten nur BMW beim 7er und Mercedes bei seiner S-Klasse und dem EQS diese Option – gegen hohe Aufpreise. Mercedes will bei der überarbeiteten S-Klasse auf Level 3 verzichten. Nun zieht BMW nach. Autonomes Fahren: BMW streicht Level 3 aus 7er-Reihe
Auch noch wichtig:
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- US-Elektroautobauer Tesla will einen Taxidienst aufbauen, der ohne jeglichen menschlichen Eingriff auskommt. Die US-Regulierungsbehörde FCC hat eine wichtige Genehmigung erteilt. Tesla darf Cybercabs drahtlos laden
(akn)
Künstliche Intelligenz
KI-Update Deep-Dive: KI-Kompetenzen verbessern mit dem KI-Campus
KI-Wissen für Hochschulen und darüber hinaus
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Um die Innovationsfähigkeit Deutschlands zu stärken, braucht es ein breites Verständnis für Künstliche Intelligenz. Hier setzt der KI-Campus an, eine Lernplattform, die ursprünglich aus der KI-Strategie der Bundesregierung hervorging. Florian Rampelt, Programmleiter für Future Skills & KI und Geschäftsstellenleiter des KI-Campus beim Stifterverband, erläutert im KI-Update die Entwicklung und Ziele des Projekts.

Der Stifterverband ist eine Gemeinschaftsinitiative von Unternehmen und Stiftungen zur Förderung von Wissenschaft und Bildung. Er hat gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) den KI-Campus aufgebaut. Während der Fokus weiterhin auf Hochschulen liegt, hat sich die Zielgruppe seit dem Start 2020 erweitert. „Im Moment sind die, die am meisten davon profitieren, Menschen, die einen ersten Einstieg in das Thema KI haben wollen und dafür bei uns kurze Online-Kurse nutzen“, erklärt Rampelt.
Anfänglich habe man vor allem auf umfangreiche Kurse mit bis zu 150 Stunden Lernaufwand gesetzt. Inzwischen sei aber klar, dass auch kürzere Formate benötigt werden. „Dafür haben wir auch Podcasts zum Beispiel, aber eben auch Mikrokurse mit zwei bis vier Stunden Workload“, so Rampelt. Ein zentrales Kriterium für alle Inhalte sei die Bereitstellung als offene Bildungsressource. Das bedeutet, dass alle entwickelten Materialien, wie etwa ein Kurs der Humboldt-Universität, auch von anderen Schulen oder Universitäten frei und ohne Lizenzprobleme nachgenutzt werden können.
Neues Projekt mit Fokus auf Hochschulen
Ein neues, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Projekt soll nun gezielt die KI-Kompetenzen an Hochschulen stärken. Dies sei auch eine Anforderung des AI-Acts, des europäischen KI-Gesetzes. „Artikel 4 versucht dort, eine mehr oder weniger starke Verpflichtung einzuführen, dass Institutionen, die KI-Systeme nutzen, auch KI-Kompetenzen stärken müssen“, sagt Rampelt.
Ein Konsortium aus neun Partnern, darunter die Humboldt-Universität zu Berlin, die FernUniversität Hagen und die TU München, entwickelt nun Angebote für alle Zielgruppen an Hochschulen. „Das heißt, wir entwickeln für Studierende, Lehrende oder Verwaltungsmitarbeitende, Onlinekurse, Podcasts und andere Lernangebote“, führt Rampelt aus. Dabei werde auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingegangen. Während Verwaltungsmitarbeitende tiefere Einblicke in rechtliche Rahmenbedingungen benötigen, interessiere Lehrende vor allem die didaktische Einbettung von KI-Tools in den Unterricht. Der Ansatz verfolge „gemeinsame Grundlagen und gleichzeitig eine praxisorientierte Anwendung in den jeweiligen Fokusbereichen.“
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Von der Theorie in die Praxis
Dass die Angebote des KI-Campus bereits genutzt werden, zeigen mehrere Beispiele. An der Technischen Hochschule Nürnberg ist ein Kurs für Studierende inzwischen Pflicht. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat bestehende Materialien des KI-Campus genutzt, um einen eigenen Kurs zu KI und wissenschaftlichem Arbeiten für über 2.000 Personen zu erstellen. Auch Verwaltungsmitarbeitende aus Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben kooperativ einen Einführungskurs entwickelt. Für Florian Rampelt ist diese Zusammenarbeit ein positiver Nebeneffekt. „Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass das Thema KI, das durchaus ein bisschen Panik bei vielen auslöst, auch unfassbar viel Kooperationsbereitschaft mit sich bringt.“
Für den Abschluss der Kurse können kostenlose Zertifikate erworben werden, entweder eine Teilnahmebescheinigung oder ein Leistungsnachweis, der das Absolvieren von Tests bestätigt. Die Inhalte werden regelmäßig, etwa alle sechs Monate, überprüft und bei Bedarf aktualisiert oder archiviert.
Eine KI-kompetente Gesellschaft
Bis 2030 will der KI-Campus eine halbe Million Menschen in Deutschland erreichen; aktuell sind 150.000 Personen auf der Plattform registriert. Ein weiteres Ziel sei es, die Vorbereitung von Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt zu verbessern. Eine Studie des Stifterverbands habe gezeigt, dass 80 Prozent der Unternehmen finden, Hochschulen würden Absolventen nicht hinreichend auf eine KI-geprägte Arbeitswelt vorbereiten. „Wir haben uns hier vorgenommen, in den nächsten fünf Jahren diese Zahl zu halbieren“, kündigt Rampelt an.
Eine KI-kompetente Gesellschaft erkenne man daran, dass Menschen KI im Alltag wahrnehmen und eine bewusste Entscheidung für oder gegen deren Nutzung treffen können. „Es ist mir ganz wichtig, dass KI-Kompetenz nicht nur KI-Anwendungskompetenz ist, sondern auch eine kritische Reflexion im jeweiligen Kontext“, betont Rampelt. Dabei müsse man zwischen KI-Kompetenzen in der Breite und in der Spitze unterscheiden. „Während alle KI-Grundlagen benötigen, müssen manche eben auch hochspezialisierte Expertise aufbauen“, so der Programmleiter. Dies betreffe Bereiche wie AI-Engineering, aber auch KI-Leadership für Führungskräfte.
(igr)
Künstliche Intelligenz
Nach Mond-Flug: Artemis 2 vor „Feuerball“-Landung in der Nacht zu Samstag
Nachdem sie als erste Menschen seit mehr als 50 Jahren um den Mond herumgeflogen sind, steht der vierköpfigen Crew von Artemis 2 mit der Rückkehr zur Erde die letzte große Herausforderung ihrer Mission bevor. „Seit dem 3. April 2023, als wir für diese Mission ausgewählt worden sind, denke ich über die Rückkehr nach“, sagte US-Astronaut Victor Glover bei einer Pressekonferenz aus der Orion-Kapsel. Es sei wie einen „Feuerball durch die Atmosphäre zu reiten“.
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Mit einem komplizierten Manöver soll die Crew – bestehend neben Glover aus den US-Astronauten Christina Koch und Reid Wiseman sowie dem Kanadier Jeremy Hansen – in der kommenden Nacht gegen 2.07 Uhr MESZ im Pazifik nahe San Diego aufkommen. Zeitweise soll ihre Kapsel dabei eine Geschwindigkeit von bis zu etwa 38.400 Kilometern pro Stunde erreichen, was den Astronauten extreme körperliche Belastungen aussetzt.
Hitze, körperliche Belastungen und Kommunikationsausfall
Orion ist beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre großer Hitze ausgesetzt, die Astronauten sollen durch einen speziellen Hitzeschild geschützt werden. Für rund sechs Minuten wird planmäßig die Kommunikation mit dem Kontrollzentrum ausfallen. Mithilfe von Fallschirmen soll die Kapsel anschließend abgebremst im Pazifik aufkommen. Letzte Wettervorhersagen und letzte Außenaufnahmen von Orion sähen gut aus, hieß es von der NASA.
Die vier Artemis-2-Astronauten waren die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes. Sie waren in der vergangenen Woche an Bord der Orion-Kapsel mit dem SLS-Raketensystem (Space Launch System) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben und dann um den Mond herumgeflogen. Dabei entfernten sie sich auch weiter von der Erde als jemals Menschen zuvor.
Unser Liveticker zu Artemis-2:
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(mho)
Künstliche Intelligenz
99 Prozent wollen digitale Unabhängigkeit – 6 Prozent nutzen KI aus EU
Eine große Mehrheit in Deutschland wünscht sich mehr Unabhängigkeit bei digitalen Technologien. Laut einer Bitkom-Umfrage halten 99 Prozent es für wichtig, dass Deutschland in diesem Bereich unabhängiger wird. 93 Prozent sehen aktuell eine Abhängigkeit von anderen Ländern, 79 Prozent fordern stärkere Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien.
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Grundlage ist eine repräsentative Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, die zwischen Kalenderwoche 9 und 12 im Jahr 2026 telefonisch durchgeführt wurde. Untersucht wurden unter anderem Wahrnehmungen zur digitalen Abhängigkeit, die Bereitschaft zum Wechsel zu europäischen Anbietern sowie die tatsächliche Nutzung entsprechender Angebote.
Verbraucher sehen sich in der Pflicht
Ein Drittel der Befragten (34 Prozent) hat sich nach eigenen Angaben bereits bewusst für einen digitalen Dienst oder ein Gerät aus Europa entschieden. Weitere 27 Prozent haben sich zumindest schon einmal mit dieser Frage beschäftigt, während 34 Prozent darüber bislang nicht nachgedacht haben. Gleichzeitig sehen viele auch die Nutzer selbst in der Pflicht: 87 Prozent meinen, dass sich Verbraucher anpassen müssen, wenn Deutschland digital unabhängiger werden soll. 62 Prozent wären zudem bereit, dafür kurzfristige Nachteile in Kauf zu nehmen.
In der Praxis zeigt sich jedoch eine zentrale Hürde: Für 55 Prozent ist ein Wechsel zu europäischen Anbietern zu kompliziert. Dazu zählen etwa der Aufwand für Datenmigration, Abhängigkeiten von bestehenden Plattform-Ökosystemen oder fehlende Funktionsgleichheit und Integrationen.
Tatsächlich sind europäische Angebote im Alltag bislang nur in einzelnen Bereichen verbreitet. 14 Prozent der Befragten nutzen nach eigenen Angaben europäische soziale Netzwerke, 13 Prozent eine europäische Suchmaschine oder einen Browser. Auf europäische Messenger setzen 11 Prozent. Noch geringer ist die Nutzung bei KI-Anwendungen oder Chatbots (6 Prozent) sowie bei Smartphones europäischer Anbieter (5 Prozent).
Forderung nach Investitionen
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Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fordert vor diesem Hintergrund mehr Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien sowie einen Abbau von Regulierung. Zugleich betont er, dass digitale Souveränität nicht im Alleingang erreicht werden könne. Neben Investitionen und „maßvoller Regulierung“ seien auch internationale Partnerschaften notwendig. Technologien aus Nicht-EU-Ländern müssten dabei den Anforderungen an Sicherheit und Souveränität in der praktischen Anwendung genügen.
Details zu den Ergebnissen finden sich in der Meldung des Bitkom.
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