Künstliche Intelligenz
Digitale Demokratie: Ostdeutsche Kleinstädte hängen den Westen ab
Wer glaubt, dass digitale Teilhabe in den wohlhabenden Regionen Westdeutschlands ihre Hochburg hat, irrt. Eine aktuelle Erhebung des Forschungsprojekts „Erfolgsfaktoren lokaler E-Partizipation“ (ErLE) zeichnet ein Bild, das die gängigen Klischees der deutschen Digitalisierungslandschaft auf den Kopf stellt. Das Forschungskonsortium, das aus Wissenschaftlern der TU Dresden (TUD) sowie der Universitäten Düsseldorf, Leipzig und Koblenz besteht, hat über 10.000 Kommunen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist eine Art digitaler Ost-West-Tausch: Besonders in der Fläche hat der Osten die Nase vorn.
Weiterlesen nach der Anzeige
So bieten nur 43 Prozent der westdeutschen Kleinstädte digitale Beteiligung an, wie aus einem ersten Ergebnisbericht hervorgeht. In Ostdeutschland sind es dagegen bereits 62 Prozent. Auch bei den mittelgroßen Städten führt der Osten mit 85 zu 70 Prozent deutlich. Lediglich in den Metropolen wendet sich das Blatt zugunsten des Westens, doch der strukturelle Vorsprung der kleineren ostdeutschen Kommunen bleibt das markanteste Ergebnis der Studie.
Die Datenbasis ist groß: 2390 Städte und Gemeinden haben geantwortet. Damit repräsentiert die Umfrage Orte, in denen mit 45 Millionen Menschen mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Bevölkerung lebt. Die Forscher dokumentieren damit bei der Online-Bürgerbeteiligung erstmals eine Kluft zwischen den Ambitionen der Großstädte und der oft mühsamen Realität im ländlichen Raum.
Ressourcen-Falle in Rathäusern
Ob eine Kommune ihre Bürger online mitentscheiden lässt, ist selten eine reine Frage der politischen Ideologie. Vielmehr geht es um harte Standortfaktoren. Große, einwohnerstarke Städte sind fast ausnahmslos mit digitalen Partizipationsangeboten am Start (96 Prozent). Die personelle Schlagkraft ist hier der Motor: In den Großstädten leisten sich 63 Prozent der Verwaltungen eigene Abteilungen oder feste Personalstellen für digitale Beteiligung im Rahmen des E-Governments. Ganz anders sieht es in der Provinz aus: Hier wird die Partizipation meist flexibel und ohne feste personelle Verankerung „mitgestemmt“.
Das Forschungsteam betont das übergeordnete Ziel des Projekts: Ziel sei es, „Erfolgsbedingungen für digitale Bürgerbeteiligung zu identifizieren und für die kommunale Praxis nutzbar zu machen“. Dass dies dringend nötig ist, zeigt die Beobachtung, dass digitale Teilhabe anscheinend „ansteckend“ wirkt. Kommunen, die entsprechende Formate nutzen, finden sich auffällig oft in der Nachbarschaft anderer digital aktiver Gemeinden wieder. Es entsteht eine Art regionaler Sogeffekt.
Wer hingegen als kleine Gemeinde allein auf weiter Flur agiert, tut sich schwerer, die notwendigen Strukturen aufzubauen. Das Team unter Sprecherin Marianne Kneuer von der TUD will daher Wege aufzeigen, wie diese Erfolgsfaktoren auch dort greifen können, wo die Personaldecke dünn ist.
Was die Bürger am meisten bewegt
Weiterlesen nach der Anzeige
Inhaltlich trennen die verschiedenen Gemeindetypen Welten. In den Metropolen geht es um die „großen“ Transformationsthemen unserer Zeit: Über die Hälfte der Großstädte lässt ihre Bürger bei der Verkehrsentwicklung sowie beim Klima- und Umweltschutz digital mitreden. Kleinstädte und Landgemeinden nutzen die Tools dagegen eher für Pragmatisches: Stadtentwicklung und das Management von Mängeln stehen hier im Fokus – Schlaglöcher-Melder oder die Gestaltung des neuen Dorfplatzes. Doch egal ob Millionenstadt oder kleine Gemeinde, ein Kernmotiv eint fast alle Teilnehmer der Stichprobe: „Entscheidungsprozesse in Politik und Verwaltung transparenter zu gestalten“.
Ein weiterer Aspekt der Untersuchung ist die Zielgruppe. Großstädte setzen stark auf das Internet, um „unterrepräsentierte Gruppen zu erreichen“ (Platz 2 der Beweggründe). Kleinere Kommunen hoffen eher darauf, überhaupt die absolute Zahl der Beteiligten zu erhöhen. Sie wollen die Menschen generell wieder mehr an Politik teilhaben lassen, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund. Die Wissenschaftler machen jedoch deutlich, dass die Erhebung nicht repräsentativ ist. Beleuchtet würden vor allem die strukturellen Unterschiede zwischen den Regionen und Stadttypen.
Das durch die Stiftung Mercator geförderte Projekt ErLE zeigt: Die digitale Bürgerbeteiligung ist in Deutschland kein Luxusgut für privilegierte Großstädter, sondern wird zunehmend zum Standardwerkzeug der lokalen Demokratie. Doch der Vorsprung der ostdeutschen Kommunen im Bereich der Kleinstädte offenbart auch, dass Nachholbedarf in den alten Bundesländern besteht. Damit E-Partizipation flächendeckend gelingt, müssen laut den Resultaten vor allem die Rahmenbedingungen für kleinere Verwaltungen verbessert werden: Ohne feste Ansprechpartner und eine solide Finanzierung droht die digitale Teilhabe am Markstein zur Landgemeinde zu enden.
(vbr)
Künstliche Intelligenz
Fensterputzroboter Hutt 10 im Test: fast streifenfrei dank Trockentuch
Der Fensterputzroboter Hutt 10 überrascht mit einem ungewöhnlichen Zwei-Tuch-System und erstaunlich guten Wischergebnissen.
Der Hutt 10 hebt sich deutlich von der Masse der Fensterputzroboter ab. Während die meisten Konkurrenten auf eckige Designs mit einem einzelnen Wischtuch setzen, geht der chinesische Hersteller einen anderen Weg: Ein ovales Gehäuse mit zwei unterschiedlichen Wischtüchern – einem runden vorne und einem eckigen hinten.
Mit einem Preis von 299 Euro liegt der Hutt 10 im mittleren Preissegment. Die Kombination aus 6500 Pa Saugkraft und dem ungewöhnlichen Zwei-Tuch-System macht neugierig. Ob er die Erwartungen erfüllen kann, zeigt sich im Test. Das Testgerät hat uns der Hersteller zur Verfügung gestellt.
Design: Wie gut ist die Verarbeitung des Hutt 10?
Mit 3,03 kg Gewicht und Maßen von 29,5 x 8,5 cm wirkt der Hutt 10 kompakt und handlich. Das weiße Kunststoffgehäuse fühlt sich stellenweise dünn an, übersteht aber Stürze problemlos – unser Testgerät überlebte einen versehentlichen Absturz von der Wandheizung unbeschadet, auf der wir ihn abgelegt hatten.
Die ovale Form unterscheidet sich deutlich von eckigen Konkurrenzmodellen. Vorne arbeitet ein rundes, motorisiertes Wischtuch, hinten ein rechteckiges Trocknungstuch. Ein einzelner Riemen-Raupenantrieb sorgt für die Fortbewegung.
Der 80-ml-Wassertank reicht für normale Fenstergrößen aus. Zwei seitliche Öffnungen versprühen die Reinigungsflüssigkeit gleichmäßig. Ein 500-mAh-Notfall-Akku hält den Roboter bei Stromausfall bis zu 30 Minuten an der Scheibe. Das 4,5 Meter lange Sicherheitsseil bietet zusätzlichen Schutz vor Abstürzen.
Einrichtung: Wie schnell ist der Hutt 10 betriebsbereit?
Die Inbetriebnahme gestaltet sich denkbar einfach. Die Wischtücher sind bereits vormontiert – man muss lediglich den 80-ml-Wassertank mit Reinigungsflüssigkeit befüllen. Hierfür eignet sich im besten Fall destilliertes Wasser mit einem Spritzer Glasreiniger oder spezielles Fensterputzroboter-Reinigungsmittel. Der Tank lässt sich von der Oberseite aus befüllen und mit einem Gummipfropf verschließen.
Das Sicherheitsseil ist neben dem Stromkabel am Roboter befestigt und sollte immer an einem stabilen Punkt des Fensters fixiert werden – etwa am Fenstergriff, einem Haken oder an der Wandheizung. Nach dem Anschließen des Stromkabels ist der Roboter sofort einsatzbereit. Eine App-Verbindung gibt es nicht – der Hutt 10 arbeitet autonom oder lässt sich per mitgelieferter Fernbedienung über das Fenster steuern. Neben der Fernbedienung, die die Funktionen Start, Stopp und manuelle Steuerung bei Bedarf ermöglicht, gibt es einen einzelnen Powerbutton. Ein langer Knopfdruck startet oder stoppt die Ansaugung, eine kurze Betätigung startet oder pausiert die Reinigungsfahrt.
Navigation: Wie gut erkennt der Hutt 10 Ecken & Kanten?
Der Hutt 10 navigiert anders als die meisten Konkurrenten. Er nutzt das motorisierte runde Wischtuch in Kombination mit dem Raupenantrieb zur Fortbewegung. Zunächst dreht er sich seitlich, fährt zur oberen Fensterkante und tastet diese sanft ab. Dann arbeitet er sich systematisch in horizontalen Bahnen nach unten. Dabei hat er auch mit unseren fast rahmenlosen Bürofenstern keine Probleme – andere Modelle setzten hier bereits auf den niedrigen Fensterkanten auf und hingen dort fest.
Die Kantenerkennung funktioniert zuverlässig durch sanftes Anstoßen. Das runde Wischtuch reicht über die Seitenkanten hinaus und reinigt diese gründlich. Problematisch sind die Ecken – die runde Form erreicht diese nicht vollständig. Nach der Flächenreinigung fährt der Roboter nochmals die Kanten ab und stoppt mit einem langen Piepton an der unteren Kante, nicht aber am exakten Ausgangspunkt.
Reinigung: Wie gut wischt der Hutt 10?
Die Reinigungsleistung überzeugt im Test. Das Zwei-Tuch-System zeigt seine Stärken: Während das vordere runde Wischtuch den Schmutz löst und aufnimmt, trocknet das hintere eckige Tuch die Scheibe sofort nach. Diese Methode reduziert Streifenbildung deutlich effektiver als bei Konkurrenzmodellen, die nur mit einem Tuch arbeiten. Komplett streifenfrei wird die Scheibe zwar nicht, aber der Hutt 10 kommt diesem Ideal sehr nahe.
Besonders bei kalkhaltigem Wasser macht sich der Unterschied bemerkbar – wo andere Roboter deutliche Kalkspuren hinterlassen, bleiben beim Hutt 10 nur minimale Rückstände. Die Reinigungsflüssigkeit wird großzügig und häufig aus beiden seitlichen Düsen versprüht. Normale Verschmutzungen wie Fingerabdrücke, Staub und leichte Wasserflecken entfernt der Roboter mühelos. Bei hartnäckigen Verschmutzungen wie eingetrocknetem Vogelkot muss er mehrfach über die Stelle fahren, hier empfiehlt sich manuelle Vorarbeit. Die Kanten werden gründlich gereinigt, nur die Ecken bleiben durch die runde Pad-Form unberührt und müssen manuell nachgewischt werden.
Mit 66 dB(A) arbeitet der Roboter vergleichsweise leise – es gibt deutlich lautere Modelle mit geringerer Saugkraft. Das direkte Nachtrocknen durch das zweite Tuch verhindert, dass Reinigungsflüssigkeit lange auf der Scheibe verbleibt und dort eintrocknet.
Akkulaufzeit: Wie lange arbeitet der Hutt 10?
Der Hutt 10 arbeitet kabelgebunden und benötigt daher keine Akkuladung. Das Stromkabel muss während des gesamten Reinigungsvorgangs angeschlossen bleiben. Der integrierte 500-mAh-Notfall-Akku dient ausschließlich der Sicherheit: Bei Stromausfall hält er die Saugkraft bis zu 30 Minuten aufrecht, damit der Roboter nicht von der Scheibe fällt. Diese Lösung hat Vor- und Nachteile: Einerseits entfällt das Laden und die Arbeitszeit ist unbegrenzt, andererseits schränkt das Kabel die Flexibilität ein. Für normale Fenstergrößen reicht die Kabellänge problemlos aus.
Preis: Was kostet der Hutt 10?
Aktuell kostet der Hutt 10 rund 299 Euro bei Amazon.
Fazit
Der Hutt 10 überrascht mit seinem unkonventionellen Ansatz und sehr guten Reinigungsergebnissen. Das Zwei-Tuch-System mit Wischen und direktem Nachtrocknen reduziert Streifenbildung erheblich besser als die meisten Konkurrenten – auch wenn er nicht komplett streifenfrei arbeitet. Die 6500 Pa Saugkraft sorgt für sicheren Halt, die systematische Navigation für gründliche Flächenreinigung.
Schwächen zeigt der Roboter bei der Eckenreinigung und der Pad-Demontage, die unnötig kraftaufwendig ist. Das fehlende App-Feature mag moderne Nutzer stören, über die Fernbedienung lässt er sich aber auch von Hand steuern. Für 299 Euro erhalten Käufer einen zuverlässigen Fensterputzroboter mit fast streifenfreier Wischleistung, der sich besonders für Haushalte mit kalkhaltigem Wasser eignet.
Künstliche Intelligenz
c’t-Story: Albert, der Geist, der in die Flasche kam
Albert Inglewood, sechzehnter Count of Wayburn, künftiger Erbe eines kleinen Vermögens sowie eines halb verfallenen Schlosses, das die Mitglieder seiner Familie schon seit unzähligen Generationen bewohnt und vernachlässigt hatten, war ein seltsames Kind.
Während andere Kinder lernten, zu laufen und mit dem Ball zu spielen, zählte er. Was auch immer ihm in die Finger geriet, es wurde gezählt statt mit einem Namen versehen. So waren ihm auch die Grundrechenarten bereits bekannt, bevor er ein einziges Wort lesen konnte. Die Welt der Literatur erschloss sich ihm auch in späteren Jahren nicht.

Was ist das: Es dreht sich um Technik, ist mal spannend, mal bestürzend, mal amüsant und hat nur sehr selten ein Happy End? Richtig: die c’t-Story. Seit gut 37 Jahren hat sie ihren festen Platz im Magazin – und seit einiger Zeit auch auf heise+. Mal kommt sie aus der Feder preisgekrönter Belletristik-Profis, mal sind die Verfasser hochkarätige Wissenschaftler – oder eigenwillige junge Science-Fiction-Debütanten. Viele unserer c’t-Story-Autoren haben in den vergangenen Jahren für ihre Werke renommierte Preise wie den Kurd-Laßwitz-Preis (KLP) oder den Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) errungen.
Für die Welt und die Wissenschaften war es jedoch ein Glück, dass Albert sich dennoch entschloss, Lesen und Schreiben zu lernen. So konnte er mit anderen Menschen, die ähnliche Interessen hatten wie er, kommunizieren, ohne sie aufsuchen zu müssen. Ein solcher Korrespondenzpartner in Alberts frühen Jugendjahren war Charles Babbage. Der spätere Erfinder der Differenzmaschine zeigte sich stets aufs Neue überrascht und begeistert von Alberts frischen Ideen im Reich von Mathematik und Logik. Es ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die eine oder andere Idee, die später dem rührigen Mr. Babbage zugeschrieben wurde, ursprünglich aus Wayburn Castle stammte. Aber das hier weiter zu vertiefen, würde bedeuten, sich in das Reich der wilden Spekulationen zu begeben und die rein faktenorientierte Welt der Wissenschaften zu verlassen. Bleiben wir also bei den realen Dingen.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „c’t-Story: Albert, der Geist, der in die Flasche kam“.
Mit einem heise-Plus-Abo können Sie den ganzen Artikel lesen.
Künstliche Intelligenz
KI-Turbo im Betrieb: Zwischen Job-Angst und Effizienzrausch
Der Einzug Künstlicher Intelligenz in die deutsche Wirtschaft hat das Theoriestadium verlassen. Was vor Kurzem noch als Zukunftsvision galt, ist 2025 in der betrieblichen Realität angekommen. Eine Studie des Berliner Weizenbaum-Instituts belegt, dass die Berührungsängste schwinden und der Hunger nach Produktivitätsgewinnen wächst. Innerhalb nur eines Jahres ist demnach der Anteil der Firmen, die KI im Regelbetrieb nutzen, von 50 auf 62 Prozent nach oben gegangen. Rechnet man die Unternehmen hinzu, die derzeit noch in Pilotprojekten zur Einführung der Technik stecken, steigt die Quote auf 74 Prozent.
Weiterlesen nach der Anzeige
Besonders in der IT, der Verwaltung und im Marketing gehört der Algorithmus laut der Untersuchung bereits zum Kollegenkreis. Hoch ist die Durchdringung etwa in den Bereichen IT-Sicherheit und Programmierung, wo durchschnittlich 55 Prozent der Betriebe KI meist schon im Regelbetrieb nutzen. Auch in sensiblen Bereichen wie dem Personalwesen steigt der Einsatz an. Hier meldeten 25 Prozent der Firmen eine Nutzung (18 Prozent Regelbetrieb, 7 Prozent Pilotphase).
Doch hinter der technologischen Fassade tobt eine Auseinandersetzung über die Verteilung der potenziellen Dividende. Fast 80 Prozent der Unternehmen geben an, KI primär zur Effizienzsteigerung zu verwenden. Die Frage ist dabei, was mit der gewonnenen Zeit geschieht. Hier malt die Studie ein Bild, das die weitverbreitete Angst vor einem raschen Massen-Jobverlust zumindest teilweise entkräftet. Zwar liebäugeln 40 Prozent der Betriebe mit dem Ziel, Personal durch KI zu ersetzen. Doch die Realität sieht derzeit noch anders aus.
Qualitätssprung statt Kündigungswelle
Die große Mehrheit von über 80 Prozent nutzt die freien Kapazitäten aktuell dazu, die Qualität der eigenen Produkte und Dienstleistungen zu erhöhen. Knapp drei Viertel der Firmen verwenden die Zeitersparnis, um den chronischen Berg an Mehrarbeit abzubauen und die Belegschaft so spürbar zu entlasten. Statt den Algorithmus primär als Job-Killer einzusetzen, fungiert er derzeit also eher als Puffer in einem Arbeitsmarkt, der ohnehin unter hohem Leistungsdruck steht.
Um die wissenschaftliche Belastbarkeit der Ergebnisse einzuordnen, lohnt ein Blick auf das Studiendesign: Die Panel-Untersuchung basiert auf einer geschichteten Zufallsstichprobe aus den Jahren 2024 und 2025, bei der zuletzt 440 Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten aus dem produzierenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor befragt wurden.
Eine Besonderheit liegt in der methodischen Kopplung der Perspektiven: In über 230 Fällen interviewten die Forscher das Management und die Betriebsratsvorsitzenden, um ein kontrastreiches Bild zu erhalten. Durch den Verzicht auf Kleinstbetriebe und die Konzentration auf KI-relevante Kernbranchen bildet die Studie zwar nicht die gesamte Wirtschaft ab. Sie liefert aber eine valide Datenbasis für Firmen, die den digitalen Wandel in Deutschland vorantreiben.
Mitbestimmung als Sicherheitsnetz
Weiterlesen nach der Anzeige
Insgesamt bleibt das Klima in den Betrieben gespalten. Die Akzeptanz der neuen Technik fällt nicht vom Himmel, sondern ist das Ergebnis harter Verhandlungen und transparenter Kommunikation. Die Wissenschaftler fördern hier eine Korrelation zutage: Der Erfolg der KI-Einführung steht und fällt ihnen zufolge mit der gelebten Mitbestimmung. Wo das Management den Betriebsrat von Anfang an aktiv einbezieht, berichten die Beschäftigten deutlich seltener von einer belastenden Arbeitsintensivierung durch die neuen Systeme. Derzeit geschieht das in etwa 53 Prozent der untersuchten Fälle.
In solchen kooperativ geführten Unternehmen wird die KI als Werkzeug verstanden, das den Menschen unterstützt, statt ihn zu kontrollieren oder zu hetzen. Fehlt diese Einbindung, wächst das Misstrauen in der Belegschaft rapide. Während Führungskräfte die Auswirkungen auf die Arbeitsgestaltung oft durch die rosarote Brille sehen, befürchten Arbeitnehmervertreter einen schleichenden Verlust an Handlungsspielräumen und eine wachsende Entmündigung. Diese unterschiedliche Wahrnehmung zeigt, wie wichtig der Dialog zwischen den Hierarchien ist, um die technologische Transformation nicht gegen die Mitarbeiter zu forcieren.
Martin Krzywdzinski vom Weizenbaum-Institut sieht in den Resultaten eine Bestätigung für das europäische Digitalisierungsmodell. Der an der Studie beteiligte Experte warnt davor, die Mitbestimmung als lästige Innovationsbremse misszuverstehen. Zwar könnten Abstimmungsprozesse mit dem Betriebsrat den Roll-out neuer Systeme gelegentlich etwas verlangsamen. Doch dieser Zeitverlust sei eine wertvolle Investition in die soziale Nachhaltigkeit des Unternehmens. Letztlich zeige die Analyse, dass der KI-Turbo die Produktivität befeuern könne, ohne zwangsläufig die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Voraussetzung: Die Machtbalance im Betrieb bleibt gewahrt und der Mensch im Mittelpunkt.
Lesen Sie auch
(nen)
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenSchnelles Boot statt Bus und Bahn: Was sich von London und New York lernen lässt
-
Künstliche Intelligenzvor 1 Monat
Top 10: Die beste kabellose Überwachungskamera im Test – Akku, WLAN, LTE & Solar
-
Social Mediavor 4 WochenCommunity Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
-
Social Mediavor 2 MonatenCommunity Management zwischen Reichweite und Verantwortung
-
UX/UI & Webdesignvor 2 MonatenEindrucksvolle neue Identity für White Ribbon › PAGE online
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenAumovio: neue Displaykonzepte und Zentralrechner mit NXP‑Prozessor
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateneHealth: iOS‑App zeigt Störungen in der Telematikinfrastruktur
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenX3D² bestätigt: Der AMD Ryzen 9 9950X3D2 mit doppeltem 3D V-Cache kommt!
