Künstliche Intelligenz
Fast perfekte Fälschung: Alte GPUs auf neueren Grafikkarten
Seit Jahren veröffentlicht ein als „Tony“ bekannter Mann aus den USA auf seinem YouTube-Kanal „Northwestrepair“ humorvoll gehaltene Videos von seiner Arbeit. Er repariert vorwiegend Grafikkarten. Vor kurzem scheiterte er aber einem Auftrag, denn: Die ihm von einem Kunden übersandte Karte konnte schlicht nicht funktionieren. Mutmaßlich mit Betrugsabsicht hatte jemand auf die echte Platine einer Asus RTX-4090 Strix eine GPU der Serie RTX-3000 gesetzt. Die ist anders beschaltet, die Kombination sieht nur so aus wie eine betriebsbereite Grafikkarte.
Weiterlesen nach der Anzeige
Selbst dem sehr erfahrenen Tony, der auch GPUs und Speicherbausteine von einer Karte auf eine andere verpflanzen kann – etwa wegen gebrochener Platine – fiel die Fälschung nicht unmittelbar auf. Die Karte lieferte kein Bild, einige Messungen an der Platine zeigten zahlreiche Kurzschlüsse. Oft ist das ein Hinweis auf Karten, bei denen GPU und RAM entfernt wurden, um sie auf andere Platinen zu setzen. Die vermeintliche Strix wies jedoch keine der üblichen Anzeichen wie ein verfärbtes Board durch große Hitzeeinwirkung oder Klebstoff an zur Tarnung schlampig montierten Chips auf. Eine kleine Stelle mit Kleber und einige fehlende passive Bauteile zeigten sich dann aber doch unter dem Mikroskop.
Neu beschriftete GPU und Speicherchips
Damit war dann auch zu sehen, dass die Beschriftungen von sowohl GPU wie Speicherbausteinen nicht dem Werkszustand entsprechen. Das ist ein übliches Vorgehen von Betrügern, sie verbauen irgendwelche Chips, die nur dem flüchtigen Blick standhalten sollen. In diesem Fall war sogar die Beschriftung der GPU selbst mit „AD102-300-A1“ verändert worden. Das ist die korrekte Bezeichnung des Chips für eine RTX-4090. Einige andere Bestandteile wie die Kondensatoren auf dem GPU-Package entlarvten ihn jedoch als Vertreter der 3000-Generation. Auch die Speicherbausteine waren offenbar abgeschliffen und mit Beschriftungen für GDDR6X versehen worden. Was sich unter dem Plastik tatsächlich verbirgt, hat Tony nicht weiter untersucht.
Fälschung bei Kartenhersteller ist wahrscheinlich
Fälschungen von Grafikkarten sind nicht neu, erst vor gut einem Jahr fielen vermeintliche 4090 mit 3090-GPUs in China auf. Im aktuellen Fall ist aber der Aufwand besonders hoch gewesen, unter anderem vermutlich mit einem Laser-Beschrifter für die GPU. Auch die Montage der verfälschten Chips ist nahezu perfekt. Wie Tony in einem Kommentar zu seinem Video schreibt, ist er inzwischen sicher, dass solche Arbeiten nur in einer Fabrik für Grafikkarten in dieser Qualität erfolgen könnten. Er hält eine Bastelarbeit selbst durch eine gute ausgestattete Werkstatt einer Einzelperson für unwahrscheinlich.
Seit Jahren werden defekte Spiele-Grafikkarten umgearbeitet, etwa, um sie mit neuen Platinen für KI-Rechenzentren nutzbar zu machen. Die Exportbeschränkungen für besonders schnelle GPUs haben hier einen Graumarkt geschaffen. Die quasi „leeren“ Grafikkarten ohne GPU und RAM – das ist am wertvollsten – werden dann bisweilen auch verkauft. Das fällt bei Demontage des Kühlers sofort auf, nicht jedoch in diesem Fall, auch nicht erfahrenen Technikern.
Weiterlesen nach der Anzeige
Quelle angeblich ein Amazon-Rückläufer
Erworben wurde die gefälschte Grafikkarte auf Ebay, und zwar von einer Person, die sie über einen „pallet deal“ von Amazons Versandrückläufern erhalten haben will. Schon bei solchen Angaben sollten alle Alarmglocken schrillen. Professionelle Händler, die Amazon-Rückläufer in großem Stil aufkaufen, sortieren besonders wertvolle Ware wie Smartphones und Grafikkarten in der Regel aus, bevor sie etwa in den „Mystery-Automaten“ landen. Und Amazon verkauft Rückläufer wertvoller Ware auch selbst. Dass eine rund zweitausend Euro teure Grafikkarte – was eine gute RTX-4090 auch heute noch erreichen kann – in einem „pallet deal“ landet, ist höchst unwahrscheinlich. Zumal die Karte gar nicht mehr hergestellt wird.
Um sich vor solch perfiden Fälschungen zu schützen bleibt nur, Geräte wie Grafikkarten aus vertrauenswürdigen Quellen zu kaufen. Neue Ebay-Accounts und Verkäufer, die auf Vorkasse oder Bezahlung als „Familie und Freunde“ per Paypal bestehen, sind stets Warnhinweise. Wenn ein Angebot zu gut aussieht, um seriös auszusehen, ist es das in der Regel auch nicht.
(nie)
Künstliche Intelligenz
Android 17 QPR1 Beta 4: Update bringt neue „Screen Reactions“ und Bugfixes
Während der stabile Release von Android 17 in wenigen Tagen erscheinen dürfte, bereitet Google schon das nächste Update vor: Android 17 QPR1 (Quarterly Platform Release) Beta 4 mit den Buildnummern CP31.260522.006 steht nur drei Wochen nach der Beta 3 für Tester zur Installation bereit und enthält überwiegend Fehlerbereinigungen, aber auch das Screen-Reactions-Feature, das Google im Zuge der Android Show – I/O Edition angekündigt hat.
Weiterlesen nach der Anzeige
Screen-Reactions
Die am 12. Mai für Android 17 angekündigte „Screen Reactions“-Funktion wird offenbar erst im September mit der QPR1 erscheinen. Schließlich ist sie nicht in der letzten Beta von Android 17, sondern erst in der vierten Beta der QPR1 enthalten – in der vergangenen Woche hatte Google sie zuerst experimentell im Canary-Channel veröffentlicht. Mit dieser Funktion können Kreative sich selbst und den Smartphonebildschirm gleichzeitig aufnehmen.

Die Screen Reactions Funktion schwappt vom Canary-Channel in die QPR1 Beta rüber.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
Die Einstellungen hierfür befinden sich in der Bildschirmaufnahmefunktion. Hier wählt man „Gesamter Bildschirm“ aus, schon zeigen sich im Dialogfenster weitere Optionen wie „Selfie-Kamera anzeigen“ und „Berührungen anzeigen“. Neben dem Starten-Knopf oben auf dem Bildschirm erscheint ein Farbpaletten-Symbol, mit dem Nutzerinnen und Nutzer die Farbe des Selfie-Hintergrunds auswählen können. Standardmäßig ist er transparent.
Eine weitere kleine Funktion schiebt Google vom Canary rüber in die Beta 4: In den Schnelleinstellungen lässt sich nun eine Keyboard-Kachel hinzufügen. Über diese lässt sich schnell zwischen Text- und Spracheingabe wechseln.

Auch die Keyboard-Kachel in Schnelleinstellungen war zuerst im Canary-Channel.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
Die experimentelle Erweiterung des dynamischen Themings der Canary-Version hat es hingegen nicht in die QPR1 Beta 4 geschafft.
Weiterlesen nach der Anzeige
Bugfixes
Dafür bessert Google allerlei Bugs aus, wie der Konzern in den Release-Notes verrät. Unter anderem behebt die Beta 4 ein Problem, „bei dem der Mauszeiger auf externen Displays unsichtbar wird, wenn Anwendungen mit Arbeitsprofil oder FLAG_SECURE aktiv sind“. Zudem sollen die Einstellungen beim Öffnen der Einstellungsfunktion für Anmeldedatenanbieter über ein vertrauliches Profil nicht mehr abstürzen.
Weiter behebt die Beta 4 ein Problem, bei dem die Screenshot-Töne an die Lautstärke des Klingeltons gekoppelt waren. Damit waren Google zufolge keine lautlosen Aufnahmen möglich, ohne dass Anrufbenachrichtigungen deaktiviert wurden.
Lesen Sie auch
Ferner kam es bei Videoaufnahmen mit 5-fachem Zoom zu Frame-Sprüngen und Ruckeln beim Schwenken; die Beta 4 soll diesen Fehler beheben. Zudem behebt die neue Beta ein Problem, bei dem die Back-Tap-Gesten auf dem interaktiven Sperrbildschirm nicht ausgelöst wurden. Außerdem werde mit dem Update eine „Regression des Grafiktreibers“ behoben. Diese führte Google zufolge „zu erheblichen Einbußen bei der 3D-Leistung in OpenGL ES-Anwendungen auf neuerer Hardware“. Überdies behebt das Update Probleme mit Wireless ADB und Apps.
Nicht für Pixel 6 und 6 Pro
Die Beta 4 steht für Pixel-Geräte ab dem Pixel 6a und neuer zum Ausprobieren bereit. Neugierige und Entwickler müssen ihre Smartphones lediglich im Android-Betaprogramm registrieren, die Software wird anschließend als Over-the-Air-Update eingespielt. Interessanterweise bietet Google die QPR1 nicht für das Pixel 6 und 6 Pro an.
Wer auf die finale Version von Android 17 wartet, sollte die Installation auf die QPR1 besser lassen. Denn eine Rückkehr auf die stabile Software geht mit einem Datenverlust einher.
(afl)
Künstliche Intelligenz
Erster vollelektrischer TaxiBot senkt Flugzeug-Emissionen in Schiphol erheblich
Der niederländische Amsterdam Airport Schiphol setzt weltweit erstmals einen vollelektrischen TaxiBot zum Schleppen der Flugzeuge vom Gate zur Startbahn ein. Da die Triebwerke des Flugzeugs dabei ausgeschaltet bleiben, wird so Kerosin eingespart und damit CO₂ und NOx vermieden. Der elektrische TaxiBot von Smart Airport Systems ergänzt zwei hybride TaxiBots, die bereits seit 2022 auf dem Flughafen eingesetzt werden.
Weiterlesen nach der Anzeige
Der TaxiBot ist ein vollelektrisch angetriebenes Schleppfahrzeug, das am Bugfahrwerk einer Passagiermaschine angekoppelt wird. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 42 km/h schleppt das Fahrzeug die Flugzeuge vom Gate zur Startbahn. Der Pilot steuert dabei den TaxiBot vom Cockpit aus.
Weniger Emissionen bedeuten Entlastungen für das Bodenpersonal
Die Triebwerke des Flugzeugs sind während des Schleppvorgangs abgeschaltet. Das soll Kerosin einsparen. Laut den Projektdaten von Smart Airport Systems soll bei jedem dieser Rollvorgänge rund 95 kg Treibstoff und etwa 299 kg CO₂-Emissionen eingespart werden. Hinzu kommt eine Verringerung der NOx- und (Ultra-)Feinstaubbelastung sowie ein niedrigeres Betriebsgeräusch, was das Bodenpersonal entlastet. Der Rollvorgang gilt als eine der energieintensivsten Phasen des Flughafenbetriebs.
Steht die Passagiermaschine an der korrekten Position auf der Startbahn, koppelt ein im TaxiBot mitgefahrener Mitarbeiter des Bodenpersonals das Fahrzeug vom Flugzeug ab und fährt es manuell zurück.
Mehr elektrische TaxiBots geplant
Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol setzt das Bodenabfertigungsunternehmen Menzies Aviation den TaxiBot ein, um zusammen mit dem Flugunternehmen easyJet sowie dem Flugzeugbauer Airbus Passagiermaschinen des Typs A320neo zur Startbahn „Polderbaan“ zu bringen. „Polderbaan“ ist mit rund 3,8 km die am weitesten von den Gates befindliche Startbahn des Flughafens, sodass sich der Einsatz aufgrund der längsten Rollzeiten am meisten lohnt.
Der elektrische TaxiBot ergänzt zwei Hybrid-TaxiBots, die seit 2022 Boeing-737-Maschinen der KLM-Fluglinie zur Startbahn schleppen. Für 2026 sollen noch drei weitere vollelektrische TaxiBots auf dem Airport Schiphol eintreffen und eingesetzt werden. Sie sollen dann andere Flugzeugtypen zur Startbahn befördern können. Darunter befinden sich Embraer-Flugzeuge etwa der KLM Cityhopper. Dazu müssen die TaxiBots für diesen Flugzeugtyp noch zertifiziert werden. Bei Transavia sollen sie Boeing 737 befördern.
Weiterlesen nach der Anzeige
Der Airport Schiphol ist nach Angaben von Smart Airport Systems der erste Flughafen weltweit, der einen vollelektrischen TaxiBot einsetzt. Das Ziel des Flughafens ist es, bis 2030 einen emissionsfreien Flughafenbetrieb zu erreichen. Der elektrische TaxiBot sei laut Studien bei großflächigem Einsatz in der Lage, den Treibstoffverbrauch von Flugzeugen am Boden erheblich zu senken.
(olb)
Künstliche Intelligenz
Meta-Partner EssilorLuxottica fertigt Smart Glasses künftig auch in Europa
Der italienisch-französische Brillenkonzern und Meta-Partner EssilorLuxottica wird künftig auch in Europa smarte Brillen fertigen. Das Unternehmen hat angekündigt, in Italien erste Produktionskapazitäten für Smart Glasses aufzubauen. Die Initiative konzentriert sich zunächst auf den Standort Agordo, wo ein kompletter Produktionsbereich für die neuen industriellen Aktivitäten umgebaut werden soll. Die Aufnahme des Betriebs ist für Anfang 2027 vorgesehen. Dem Vorhaben ging ein Abkommen mit italienischen Industriegewerkschaften voraus.
Weiterlesen nach der Anzeige
Mit dem Projekt will EssilorLuxottica die Rolle seiner italienischen Standorte als Innovationszentren sichern und ausbauen. Das Unternehmen verweist dabei auf den „hohen Technologieanteil von Wearables“. In der Ankündigung deutet CEO Francesco Milleri an, dass ein Ausbau der europäischen Produktionskapazitäten an anderen italienischen Standorten folgen könnte.
Europäische Fertigung als strategischer Vorteil
EssilorLuxottica ist der weltweit größte Brillenkonzern mit einem Portfolio, das Marken wie Ray-Ban, Oakley und Persol umfasst. Seit 2021 stellt EssilorLuxottica gemeinsam mit Meta Smart Glasses her, 2024 wurde die Partnerschaft bis in die 2030er Jahre verlängert. 2025 erwarb Meta zudem einen Anteil von drei Prozent an EssilorLuxottica. Die Partner sind mit weitem Abstand Marktführer bei smarten Brillen und haben im vergangenen Jahr sieben Millionen Geräte verkauft.
EssilorLuxottica sagt nicht, ob in Italien Produkte aus dieser Partnerschaft hergestellt werden oder nur eigene Wearables wie die Hörhilfe Nuance Audio. Es liegt jedoch nahe, dass die europäischen Fertigungslinien nicht nur für dieses Nischenprodukt gedacht sind.
Eine starke europäische Produktion könnte EssilorLuxottica einen entscheidenden Vorteil bringen. Die Ray-Ban Meta-Brillen rücken in der EU wegen datenschutzrechtlicher Bedenken zunehmend in den Blick von Regulierern. Dass das Flaggschiffprodukt Meta Ray-Ban Display bislang nicht in Europa erhältlich ist, dürfte auch mit regulatorischen Hürden zusammenhängen.
Wenn ein europäischer Konzern diese Gerätekategorie nicht nur mitentwickelt, sondern auch in der EU fertigt und dort Arbeitsplätze schafft, dürfte das gegenüber EU-Regulierern argumentativen Spielraum schaffen, gerade, wenn EssilorLuxottica im entstehenden Markt für Smart Glasses eine zentrale Rolle einnimmt.
Weiterlesen nach der Anzeige
(tobe)
-
Entwicklung & Codevor 3 MonatenCommunity-Protest erfolgreich: Galera bleibt Open Source in MariaDB
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenMähroboter ohne Begrenzungsdraht für Gärten mit bis zu 300 m²
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateniPhone Fold Leak: Apple spart sich wohl iPad‑Multitasking
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
JBL Bar 1300MK2 im Test: Soundbar mit Dolby Atmos, starkem Bass und Akku‑Rears
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateniX-Workshop KRITIS: Zusätzliche Prüfverfahrenskompetenz für § 8a BSIG
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenOscars 2026: Was die heise‑Leser anders entschieden hätten
-
Social Mediavor 3 MonatenVon Kennzeichnung bis Plattformpflichten: Was die EU-Regeln für Influencer Marketing bedeuten – Katy Link im AllSocial Interview
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenEmpfehlungsalgorithmen bei TikTok erklärt: Die Maschine hinter dem Endlos‑Feed
