Social Media
Feed und Fudder Podcast 86 – Digital News Report 2026
Social Media sind Nachrichtenquelle Nummer 1! Laut dem Digital News Report 2026 des Reuters Institute sind Social-Media-Kanäle für immer mehr User*innen und User die wichtigste Nachrichtenquelle. Dafür hat das Reuters Institute rund 100.000 Menschen in 48 Ländern befragt.
Erstmals liegen Social Media und Videoplattformen mit 54 Prozent vor TV und klassischen News-Websites. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 52 Prozent, die Plattformen als Hauptquelle nutzen. Wir sprechen im Feed und Fudder Podcast darüber, warum auch abseits von News der Report eine wertvolle Studie für Social Media Manager*innen ist.
Die aktuellen Zahlen zu Reichweite, Videokonsum und dem Aufstieg von KI-Chatbots zeigen, wie sich die Mediennutzung verändert und welche Trends und Entwicklungen Social Media in nächster Zeit prägen werden. Außerdem schräge Vertriebstipps auf LinkedIn, freudige Briefe vom Finanzamt und den ein oder anderen Social Media Trend, den man vielleicht nicht unbedingt mitmachen muss.
KI und Community Management im Social Media Marketing: Zwei Trends – ein Ziel?
Feed und Fudder Podcast 84 – Gen Z Marketing
Reuters Digital News Report 2025: Social Media als Newsquelle, YouTube & WhatsApp dominieren
Transkript Feed und Fudder Podcast 86 – Digital News Report 2026
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Hier gibt es das Transkript zu Folge 86 – Digital News Report 2026
Transkript
Nicola
Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed und Futter mit Alex und mir, der Nici. Hallo Alex!
Alexander
Hallo, herzlich willkommen.
Nicola
Seit langem mal wieder live und tatsächlich auch ohne Baby auf dem Arm. Ich habe mich deswegen vorbereitet, Surprise, und Zahlen mitgebracht, weil heute reden wir mal wieder endlich über Zahlen. Weißt du, nicht immer nur Laber, Laber, LinkedIn, Learnings, sondern mal einfach Zahlen, Fakten, auch mal wieder was Handfestes. Deswegen dachte ich, komm, ich bring dir mal ein paar Zahlen mit.
Alexander
Juhu, aber keine Sorge, wir haben am Ende der Folge trotzdem noch was von LinkedIn.
Nicola
Nein, ist okay. Aber ganz kurz, bevor wir hardcore einsteigen: Wir sind ja beide, ihr wisst es, im wunderschönen Baden‑Württemberg. Wie hält sich die Hitze denn aus? Ich habe gehört, du hast deine Sommerresidenz bezogen und hast die gute Hitze‑Hochburg Mannheim verlassen. Kann man das so sagen?
Alexander
Sommerresidenz klingt klasse. Fast wie der Papst. Ja, ich bin zu Hause, wo ich ursprünglich herkomme, am schönen Bodensee. Das ist es auch sehr heiß, aber man kann nach Feierabend ins Strandbad gehen und ein bisschen in den See springen. Tut dann ganz gut bei der Hitze. Mache ich fast jeden Abend.
Nicola
Da bin ich ein bisschen neidisch, aber bei uns auf dem Land lässt es sich tatsächlich auch noch aushalten. Deswegen ganz liebe Grüße an alle, die trotz Hitze irgendwie versuchen zu überleben. Ja, ich glaube, das ist schon eine Herausforderung. Wir haben schon gesagt, ich hoffe, dass die Laptops, die Macs, der Router, alle Geräte irgendwie stabil sind. Fun Fact: Ich habe letztens gehört, in der Verwandtschaft ist ein Auto nicht mehr angesprungen wegen überhitzter Batterie und die Werkstatt meinte, das sei kein Einzelfall. Viele Autos haben momentan Probleme, deswegen nicht so ungewöhnlich, wenn dein Mac hier Stress macht.
Alexander
Ja, aber jetzt bin ich ein bisschen verwirrt. Bist du im Ländle oder bist du in The Länd?
Nicola Ja, ich bin tatsächlich nicht mal im Ländle, ich bin im Badischen. Aber was müssen wir machen? Naja, 7‑4 sage ich nur zu dem Thema. Aber wo wir hinwollen, ist ja in die Zukunft. Beziehungsweise: Was ist denn 2026 eigentlich spannend im Medienkonsum? Weil Social Media, ich glaube, da braucht man nicht drüber reden, ihr draußen beschäftigt euch täglich damit, ist nicht wegzudenken.
Ich komme aus dem Sport, das ist natürlich gerade mit WM und Tour und Wimbledon und was es alles gibt. Ja, ich glaube, da kommt Social auch nicht drum rum. Es boomt an allen Ecken. Politisch gesehen: Mein Feed ist voll mit, ich weiß nicht, nichts gegen die Regierung, aber so oft will ich die gar nicht in meinem Feed haben. Also auch da passiert wahnsinnig viel. Ich habe das Gefühl, es ist ein Overload an Social‑Media‑Content. Und trotzdem finden wir immer noch ein paar Perlen dazwischen. Das kommt am Ende: ein paar Wins, ein paar Fails. Aber ich möchte heute mit dir über den neuen Reuters Digital News Report reden, 2026. So, Punkt.
Alexander
Schon mal sehr cool. Was hat dir am meisten aufgefallen oder bei welcher Zahl hast du gesagt, die will ich unbedingt vorstellen?
Nicola
Ich sage gleich dazu was, nur vielleicht einen Schritt zurück. Ich hatte 2025 dazu auch einen Artikel auf AllSocial mit den wichtigsten Zahlen und habe da nochmal reingeklickt. Spannend war: In den USA ist Social Media erstmals wichtigste Newsquelle vor TV. Ich glaube, das war damals, also vor einem halben Jahr, super innovativ und neu. Und das hat mich interessiert: Hat sich da was verändert? Hat es sich bestätigt? Wie ist der Konsum von Social Media weltweit und vor allem in Deutschland?
Vielleicht für dich und euch da draußen interessant: Es gibt ein paar Reportings, die man sich als Social‑Media‑Manager einmal im Jahr angucken sollte. Das ist die ARD‑ZDF‑Online‑Studie, der Digital News Report und noch ein paar kleinere. Aber das sind so die wichtigsten. Hast du noch einen Report, den du dir immer anschaust?
Alexander
Wenn man sich mit LinkedIn beschäftigt, sollte man immer mal auf dem Kanal von Richard van der Blom vorbeischauen. Der hat immer die neuesten, besten Zahlen.
Nicola
Genau, also da ist man dann schon ganz gut aufgestellt. Der Reuters Digital News Report ist eine jährlich erscheinende Studie vom Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford. Es ist ein Bericht zur Mediennutzung, erhoben seit 2012, aktuell in 48 Ländern mit etwa 2000 Personen pro Land. Über 100.000 Teilnehmende. Es geht um soziale Netzwerke, Influencer und KI‑Chatbots. Das ist neu, das war vor zehn Jahren kein Thema. Wie entwickelt sich die Mediennutzung in dieser Hinsicht?
Für Deutschland ist das Leibniz‑Institut für Medienforschung in Hamburg zuständig, im Hans‑Bredow‑Institut, und die Medienanstalten helfen mit. Es ist wirklich ein fundierter Report.
Nur einmal kurz, bevor wir tiefer einsteigen: Du hast gefragt, was die wichtigste Erkenntnis für mich ist. 2025 war Social Media erstmals die wichtigste Newsquelle und das hat sich bestätigt. Auch 2026. Überrascht dich das?
Alexander
Ja und nein. Nein, wenn wir uns die ganze Zeit mit Social Media beschäftigen, Blog und Podcast, dann nicht. Ja, aber dass es dann doch diese Wende gab. Und dass man Social Media endlich ernst nimmt als eigenes Medium, gleich zu TV, Rundfunk, Presse. Social Media wird erwachsen. Ja.
Nicola
Ja, ist erwachsen. Vielleicht nochmal interessant: Global ist Social Media die Nachrichtenquelle Nummer eins. In Deutschland hält sich das lineare Fernsehen immer noch richtig gut, aber auch da dominiert Social. Also selbst in Deutschland dominiert Social. Nicht überraschend, aber der Hinweis: 18‑ bis 24‑Jährige, wenn man die erreichen möchte, ist Social Media Pflichtprogramm. Ich glaube, das überrascht uns nicht, aber es ist immer anders, wenn es mit Zahlen hinterlegt ist.
Alexander
Da möchte ich einen kleinen Querverweis machen auf die vorletzte Folge. Da hatten wir es über Gen‑Z‑Marketing. Und da haben wir auch darüber gesprochen, dass für die jüngere Generation Social Media die wichtigste Nachrichtenquelle ist. Es ist nicht nur ein Begleiter auf dem Smartphone, sondern die Quelle wie früher die Frühstückszeitung oder die Tagesschau.
Nicola
Absolut. Der Report bestätigt es auch. In der Gruppe 18 bis 24 ist für die Hälfte Social die erste und wichtigste Informationsquelle. Das hat viele Konsequenzen. Es wird über Social‑Media‑Verbote diskutiert, in Schulen wird darüber gesprochen. Es verändert das Leben der Familien und Jugendlichen. Aber es ist Fakt: Pflichtprogramm bei der jungen Zielgruppe. Hier auch interessant: das Nachrichtenverhalten. Während Trust in News weltweit eher sinkt, bleibt er in Deutschland mit 46 Prozent relativ stabil. Das hat mich überrascht.
Ich meine, der Tagesschau‑Account, ich weiß nicht, was mit dem los ist. Der hatte im letzten Monat unfassbar krasse Reichweiten. Man hat gemunkelt, ob das Fake wäre. TikTok hat sich eingeschaltet und gesagt: Nein, das sind organische Reichweiten. Es kommt vor allem durch die WM und den Content rund um die WM. Der Tagesschau‑Account auf TikTok hat gerade extrem hohe Reichweiten. Auch auf Social funktioniert das News‑Prinzip.
Alexander
Manchmal lohnt es sich, früher anzufangen. Die Tagesschau hat früh auf 9:16 gesetzt und war eine der ersten News‑Kanäle. Mittlerweile sind fast alle Medien auf Social Media vertreten. Aber sie haben es verstanden und haben eine clevere Strategie. Budget allein reicht nicht, man muss es sinnvoll umsetzen.
Nicola
Ja, Budget allein ist nicht der Grund, weil viele Jahre wurde es nicht gut gemacht. Video ist ein Thema, Content‑Format ist das Richtige. Video ist Standard inzwischen. Viele Jahre haben wir gesagt, Video wird wichtiger. Jetzt ist Video Standard. Nachrichten werden vor allem in Bewegtbild geschaut. Videoformate, die exakt auf die Plattform abgestimmt sind, sind die Gewinner. Es ist nicht mehr „bitte tut das“, sondern es ist der Fall. TV‑Nachrichten werden vor allem als Online‑Videos konsumiert. Das ist nicht überraschend.
In Deutschland ist trotzdem spannend: Deutschland ist eine Ausnahme. 59 Prozent schalten immer noch wöchentlich die Tagesschau im linearen TV ein. Das ist eine große Ausnahme. Das liegt höchstwahrscheinlich am öffentlich‑rechtlichen.
Alexander
Deutschland ist oft eine Ausnahme. Aber weißt du, warum wir heute über den Digital News Report sprechen? Der Report behandelt Nachrichten, aber er ist ein wichtiger Seismograph für die Entwicklung der Social‑Media‑Nutzung generell. Und auch die Trends, wo es hingeht. Video ist Standard. Und diese Aussage gilt nicht nur für News, sondern generell für Social Media Content. Vielleicht ist LinkedIn eine Ausnahme, aber auf allen anderen Plattformen ist Video Standard.
Nicola
Auf jeden Fall. On top: Instagram ist die Plattform der jüngeren Menschen. Die Nutzung ist aber anders. 59 Prozent schauen wöchentlich die Tagesschau, also gezielt zu einer bestimmten Zeit. Bei den Jüngeren ist es so, dass sie zufällig über Nachrichten stolpern, aber nicht aktiv danach suchen. Das ist ein entscheidender Unterschied. Wenn ich News mache oder Informationen vermitteln will, muss ich zufällig im Feed landen. Die Nutzung hat sich geändert.
Alexander
Das sehen wir überall: Die Feeds sind kaum noch kontaktbasiert.
Nicola
Absolut. Ich glaube, das wird noch extremer. KI‑Chatbots sind aktuell weniger gefragt. 5 Prozent der Deutschen nutzen KI‑Chats für Nachrichten, global sind es 10 Prozent. Deutschland ist zurückhaltender. Die Deutschen steuern lieber direkt Webseiten an. Das ist Markentreue. Direktkanäle als Anker sind ein wichtiger Punkt. Newsletter und direkte Webseitezugriffe bleiben wichtige Werkzeuge. Man ist unabhängiger von Drittplattformen. Es ist schön zu sehen, dass das in Deutschland noch ein Thema ist. Weltweit anders, aber in Deutschland funktioniert es, dass Leute direkt auf Medienmarken gehen und die Treue zur Marke wichtig ist.
Alexander
Und du sprichst jetzt schon Marke an oder Unternehmen. Was würdest du als Social‑Media‑Managerin, wenn du für eine Marke zuständig wärst, als wichtigste Learnings mitnehmen?
Nicola
Auf jeden Fall weiterhin auf die eigene Website setzen und das Newsletter‑Thema nicht abschreiben. Gar nicht. Man muss ein starkes eigenes Produkt haben und dann auf den Social‑Plattformen schauen, wie man die Zielgruppen im Feed zufällig erreichen und stärker an sich binden kann. Das wäre mein Learning.
Alexander
Und du sagst, das ist eigentlich ein Thema für eine eigene Folge. Aber ich lese es oft auf LinkedIn: Durch KI und alles ist die eigene Website nicht tot. Ich glaube, die eigene Website wird vielleicht sogar noch entscheidender.
Nicola
Absolut.
Alexander
Müssen wir auch mal drüber reden. Aber das bestätigt sich: Social Media ist oft der erste Touchpoint. Das sagen wir als Social‑Menschen sehr oft. Und wir hatten in den letzten beiden Folgen Gäste zum Community‑Management. Viele Marken unterschätzen es noch, dass Social Media inzwischen der erste Berührungspunkt mit einer Marke ist. Nicht mehr das Produkt im Supermarkt, nicht mehr das Plakat auf der Straße.
Nicola
Ich glaube, das ist extrem zielgruppenabhängig. Aber Direktkanäle als Anker sind super wichtig. Im Digital News Report ist das definitiv ein Thema, gerade in Deutschland. Hier noch ein spannender Fakt: News‑Fluencer, die sich auf Nachrichten spezialisiert haben, spielen gar nicht so eine große Rolle. Nur 13 Prozent nutzen unabhängige Creator oder Influencer für Nachrichten.
Das zeigt, dass Vertrauen in verlässliche Medienmarken weiterhin da ist. Auch die Zustimmung bei jungen Menschen zu ARD und ZDF ist positiv. Das kommt wahrscheinlich durch das TikTok‑Thema und dass sie das gut können und sich eine starke Plattform aufgebaut haben. Die Rundfunk‑Zustimmung bei Jungen ist überraschend positiv. Das ist eine super Nachricht. Es heißt auch, dass jüngere Menschen Vertrauen in verlässliche Medienmarken haben.
Alexander
Zeigt auch, dass Jugendkritik manchmal gar nicht angebracht ist. Junge Menschen suchen sich ihren eigenen Weg und ihre eigenen Kanäle.
Nicola
Im Report ist das Thema Vertrauensvorsprung wichtig. Klassische Medien genießen immer noch hohes Vertrauen vor KI und vor Social Media, wenn es nicht an eine Marke gebunden ist. Vertrauen ist ein wichtiger Bindungsfaktor. Wenn du eine starke Medienmarke hast oder eine starke Marke, nutze Social clever im Branding, bleib dir treu. Dann kommen die Leute immer wieder zu dir und vertrauen dir. Der Report bestätigt das, zumindest in Deutschland. Das ist eine gute Nachricht.
Alexander
Und ich finde, das bestätigt auch, was wir immer sagen: Echter menschlicher Content genießt einen sehr hohen Vertrauensfaktor. KI‑Content dagegen nicht so. Wenn du auf LinkedIn schaust, jeder Post handelt davon, wie toll KI ist. Aber in den Kommentarspalten kommt sofort der Vorwurf AI‑Slop. Das kommt gar nicht so gut an, wenn KI Inhalte produziert. Und das zeigt auch eine Entwicklung, über die wir schon gesprochen haben: Das Aufkommen von KI hat dafür gesorgt, dass Community‑Management ein Comeback erlebt. Das bestätigt der Report auch.
Nicola
Der Report bestätigt vor allem, dass KI eher als Werkzeug gesehen wird. Nur 5 Prozent der Deutschen nutzen KI‑Chats für Nachrichten, global sind es 10 Prozent. KI‑Nutzung ist da, aber eher als Werkzeug. News über KI zu konsumieren ist weniger der Fall. Vielleicht sieht es nächstes Jahr anders aus, aber das ist der Stand 2026. Deswegen ist es für Medienmarken interessant: KI ist wichtig, aber die Leute gehen gern auf Webseiten oder Newsletter der Marken direkt.
Noch ein anderer Punkt: Nachrichtenpausen. Newsmüdigkeit ist neu. 72 Prozent der Deutschen vermeiden ab und zu aktiv Nachrichten. Wegen Überlastung, Erschöpfung, dem Wunsch nach einer Pause. Nicht wegen Misstrauen. Das ist wichtig. Es ist ein gesundheitlicher Aspekt: Man ist newsmüde, überfordert, interessiert sich aber weiterhin für News und vertraut ihnen. Man kann nur nicht jeden Tag. Das ist neu.
Alexander
Kann ich nachvollziehen. Wir leben in multiplen Krisen. Da braucht man Abstand und zieht sich auf lustigen Content zurück. Absolut nachvollziehbar. Oder Feel‑Good‑Content.
Nicola
Ja, oder auch selektiver. Aber ich glaube, das ist ein Thema, das vor drei, vier Jahren angedeutet wurde. 2026 ist ein Punkt, wo bewusst ein Großteil der Befragten in Deutschland sagt: Ja, mir ist es bewusst, ich brauche eine Pause, ich bin erschöpft von diesen vielen News. Natürlich sind es oft krisenhafte News und es ist zu viel. Es ist interessant, was in den nächsten Jahren die Lösungen sein werden. Aber dieses Thema Überlastung von Information wird uns weiterhin beschäftigen. Da bin ich mir sicher.
Das war ein grober Abriss, nicht überraschend. Zum Abschluss nochmal: WhatsApp und Instagram dominieren. YouTube läuft eher Richtung Nachrichtennutzung, aber es sind WhatsApp und Instagram. Facebook verliert an Relevanz, bleibt aber für News einigermaßen stabil. Also nichts, was uns total aus dem Sessel haut, eher eine Bestätigung dessen, was wir in vielen Folgen bei Feed und Futter besprochen haben.
Alexander
Wir hatten auch mal eine Facebook‑Folge, die muss ich jetzt zitieren, weil Facebook in jeder Studie heißt: Facebook geht zurück, aber es ist trotzdem immer noch da.
Nicola
Bleibt für News stabil. Ich denke, da ist immer noch die gleiche Situation. Das ist wie früher beim Teletext, wo man gesagt hat, der Teletext hat gleich hohe Abrufzahlen und dann sterben sie plötzlich weg. Keine Ahnung, ich bin gespannt, ob das passieren wird.
Ja, das waren die wichtigsten Fakten aus dem Reuters Digital News Report 2026. Ich denke, jeder kann das selbst nachlesen. Wir verlinken in den Shownotes. Aber es ist spannend, da reinzuschauen. Social als wichtigste Newsquelle: weiterhin der Fall. Neu ist das Thema Newsmüdigkeit und Erschöpfung. Und vielleicht kann man als Brand oder Newsmarketer überlegen, wie man darauf reagieren kann.
Alexander
Und wenn man erschöpft ist, hilft vielleicht ein kleiner Imbiss zwischendurch, wie ein Mettigel zum Beispiel.
Nicola
Das war eine schöne Überleitung in die Kategorie: Was hat uns gar nicht so geschmeckt die Woche? Oder was hat uns geschmeckt? Du hast den Mettigel auf den Tisch gepackt. Was ist denn da los?
Alexander
Aber du musst es vorlesen, dann ist es viel lustiger.
Nicola
Was ist da los? Ich muss vorlesen. Ja, also du hast mir einen Mettigel geschickt und ich dachte mir, ich komme nicht aus einer Region, wo Mettigel ein gängiges Gericht ist. Deswegen ist der Anblick für mich so: Würde mir jemand einen Mettigel vorbeibringen, wäre ich irritiert.
Aber du hast mir einen LinkedIn‑Post geschickt von einem Vertriebler. Und er schreibt: Zu Kundenterminen im Mittelstand bringe ich immer einen Mettigel mit. Das hat sich über die Jahre bewährt. Beim Termin stelle ich ihn auf den Tisch zwischen uns. Also der Geruch. Du bist im Kundentermin und bringst einen Mettigel mit.
Alexander
Bei dem Wetter auch.
Nicola
Die meisten Kunden schauen ihn kurz an. Ja, das hätte ich auch gemacht. Dann mich, dann wieder den Mettigel. Ich sage nichts. Der Kunde auch nicht. Das respektiere ich. Dann sprechen wir über Bewerber, Kunden und Umsatz. Der Mettigel hört zu. Nach 45 Minuten wird der Vertrag unterschrieben. Erst danach schneide ich den Mettigel an. Also stell dir vor, 45 Minuten steht dieser rohe Geruch von Fleisch auf dem Tisch. Das kannst du nicht machen. Bei den Temperaturen sowieso nicht.
Alexander
Ich komme auch nicht aus einer Region, wo es Mettigel gibt. Mett ist rohes Hackfleisch.
Nicola
Ja, und 45 Minuten steht dieses rohe Hackfleisch im Meetingraum. Und danach essen sie es. Also Achtung, Salmonellen. Ich weiß nicht, wie lange man das im Raum stehen lassen kann. Aber das Schönste ist der Satz: Ich bin ja kein Tier, wir essen jeweils zwei, drei Bissen. Anschließend schütteln wir uns die Hand und hauchen uns kurz gegenseitig an. Ich nicke, er nickt, dann fahre ich nach Hause. Auf der Rückfahrt denke ich über das Gespräch nach und über den Mettigel. Der Kunde vermutlich auch.
Alexander
Das haben wir uns nicht ausgedacht. Das steht wirklich so auf LinkedIn.
Nicola
Deswegen habe ich es komplett vorgelesen, weil dieses Thema „wir hauchen uns an“ einfach unglaublich ist. Wir beide haben den Post geteilt. Die Aufmerksamkeit war hoch.
Alexander
Ich bin kein Vertriebsexperte, aber sich gegenseitig anhauchen im Verkaufsgespräch ist nicht die beste Taktik.
Nicola
Also mir hat es nicht so gut geschmeckt. Ich bin aber auch kein Mettigel‑Freund. Vielleicht hilft’s.
Alexander
Außer du willst Minzbonbons oder Atemerfrischung verkaufen, aber sonst muss es nicht sein.
Nicola
Ja, weiß ich auch nicht. Wenn Zwiebel und Zwiebelgeruch zusammenkommen, ergibt es ein super Business. Keine Ahnung, ich habe es nie gemacht. Die Erfahrung spricht ja aus dem Post, dass es funktioniert. Ansonsten, was uns nicht geschmeckt hat, bevor wir zu den positiven Beispielen kommen, ist auch von dir und von LinkedIn. Was ist los auf LinkedIn?
Alexander
LinkedIn ist so absurd geworden. Dieser LinkedIn‑Post regt mich echt auf. Man sieht ihn 80.000 Mal im Feed. Den haben so viele Leute gepostet. Es ist immer das Gleiche. Da schreibt jemand: Gestern hatte ich ein wenig mehr Zeit auf LinkedIn, also habe ich unter das Bild von einem Typen geschrieben „vermiss dich“ mit drei Herzchen. Heute Morgen hatten dann 523 seiner Kontakte und seine Verlobte mein Profil angesehen. Ist schon sehr cringy. Und jetzt kommt das Business‑Learning. Und das ist mega cringy. Und nun wissen gut 1100.000 Leute mehr, dass ich ihnen helfen kann, ihr Business voller Freude und fetten Umsätzen auf‑ und umzubauen. Achtung, LinkedIn‑Learning: Marketing ist Marketing.
Nicola
Natürlich fehlt da auch noch ein Emoji mit einer Sonnenbrille.
Alexander
Ich finde schon die ganze Sache an sich cringy. Ich finde es nicht lustig, weil, ob das echt ist oder nicht, sowas unter jemandem zu schreiben, kann jemanden voll in die Bredouille bringen. Es ist nicht lustig, weil es schon 80.000 Mal derselbe Gag ist. Leute, lasst euch doch was Neues einfallen.
Nicola
Ja, gehört definitiv in die Fail‑Kiste. Abgehakt, bitte nicht mehr machen.
Alexander
Aber sowas von.
Nicola
Es ist einfach merkwürdig. Und warum klicken die Leute drauf? Weil sie dich merkwürdig finden. Willst du auf LinkedIn als die Merkwürdige oder der Merkwürdige gelten? Naja, jeder wie er will.
Alexander
Und anstatt cringe‑schick zu schreiben „Ich vermisse dich“, schreib doch einfach drunter „Hat der Mettigel geschmeckt?“
Nicola
Ich finde es merkwürdig. Immerhin, das wäre ein guter Move.
Nicola
Aber es gibt ja auch positive Beispiele. Wir switchen von Metzgerware zu Bäckersware. Wir sind im Handwerk unterwegs. Ich liebe Handwerksaccounts. Und ich habe zwei positive Handwerksaccounts mitgebracht. Einen hätte ich gar nicht unbedingt als Win genommen, aber du fandest den richtig gut. Die Bäckerei und Konditorei Seidel, die hat gar nicht so viele Follower, knapp 7000, darum geht es nicht. Aber die gute Frau Seidel ist sehr lustig. Sie hat ein Video gemacht: ein Brief vom Finanzamt, den sie vorgelesen hat. Dieser Brief war einfach lustig. Erzähl mal, du hast ihn ja auch gesehen.
Alexander
Vielleicht war es auch so, weil allein: Es gibt für mich nichts Schlimmeres. Da komme ich von einer Person, die ich vermisst habe, oder vom Mettigel‑Essen nach Hause. Der Tag war wunderschön. Du gehst an den Briefkasten. Du merkst schon, wenn Post vom Finanzamt drin ist. Du siehst diese Umschläge.
Nicola
Das ist die Aura des Briefkastens. Dieses braune Ökopapier.
Alexander
Und dann machst du es auf. Und diese Schreibmaschinen‑Schrift, die aussieht, als wäre sie mit der Schreibmaschine getippt. Warum nutzt ihr diese Schriftart, liebes Finanzamt? Man sieht den Brief im Video. Heute würde man sagen: Vintage Design. Und was mich angesprochen hat, war dieses Gefühl, wenn man Post vom Finanzamt bekommt. Das macht sie super nachvollziehbar. Jeder, der Post vom Finanzamt kriegt, fühlt sich verstanden.
Und dann liest sie vor, als würde das Finanzamt sich bedanken, dass sie die ganze Umsatzsteuer verwaltet, den bürokratischen Prozess kostenlos übernimmt, dass sie mit ihrer Tätigkeit dazu beiträgt, dass es dem Finanzamt gut geht, dass sie Lohnsteuer und Sozialabgaben zahlt. Das macht sie super lustig. Das müsst ihr euch anschauen.
Nicola
Ich habe mir das Video komplett angeschaut, weil ich dachte: Wie schön wäre es, wenn das Finanzamt jedem so Briefe schreiben würde. Wie gut wäre die Laune der Menschen, wenn sie hören würden: Du bist wertvoll, du bist ein guter Unternehmer, wir sind froh, dass du da bist, dass du Geld verdienst und Abgaben leistest. Mal ehrlich, ein kleiner Move, aber würde das Finanzamt ein halbes Jahr lang freundliche Briefe schreiben, es wäre interessant, was passieren würde. Ich glaube, das würde einen positiven Ruck durchs Unternehmertum bringen.
Alexander
Da fällt mir noch ein Win ein. Ich habe den Urheber vergessen, sorry. Wenn du das hörst, melde dich, wir holen es nach. Sie hat auf LinkedIn geschrieben: Wir sind nicht mehr weit vom Atomkrieg entfernt, alles bricht zusammen, keine Digitalisierung, kein Strom. Außer Deutschland, weil alles in Leitzordnern abgeheftet wird. Deutschland überlebt die nukleare Apokalypse und kann weiter Verwaltung machen, weil alles auf Papier gedruckt ist. Darf halt nicht verbrennen.
Nicola
Das ist vielleicht der Grund, warum die Schrift beibehalten wird. Damit man sie nicht ändern muss, wenn es soweit ist. Das ist der Grund. Hast du mal drüber nachgedacht?
Alexander
Stimmt.
Nicola
Und final abschließend zum Thema kleine Accounts: Ich bin im Rabbit Hole kleiner Accounts, die spezielles Handwerk können. Stricken, Kochen, Lederhandwerk. Ein Account exemplarisch: Amatus Leathercrafts aus Österreich. Handgenäht in Österreich. Ein kleiner Account mit 4000 Followern, noch nicht krasse Reichweiten. Aber wunderschöne Videos, hochwertig wie das Handwerk selbst. Dieser Account rettet Designer‑Handtaschen, zerstörte Louis Vuitton Speedy zum Beispiel. Man weiß, das Video war viel Arbeit, aber das Handwerk ist unfassbar viel Arbeit.
Es ist krass zu sehen, wie jemand so viel Leidenschaft reinsteckt. Die Werkstatt ist vom Opa, der war Sattler. Er bringt die Werkstatt auf Vordermann. Ich liebe diese Leidenschaft und die hochwertigen Videos. Die Community ist positiv, alle schätzen das. Diese Mikro‑Communities, die sich gegenseitig kommentieren: einer näht Leder, einer repariert Louis Vuitton, einer reinigt. Ein Mikrokosmos, super aktiv, viral, positiv. Ich liebe alles daran.
Alexander
Ich liebe es, wenn du über Social‑Media‑Rabbit‑Holes sprichst. Mich würde interessieren, was eure Lieblings‑Rabbit‑Holes sind. Und weißt du, was diese Handwerker gemeinsam haben? Egal, was sie machen, sie kriegen alle Post vom Finanzamt.
Nicola
Fröhliche, freundliche, aufbauende, positive Post. Und in dem Sinne schicken wir euch in die Woche und wir hören uns bald wieder. Ciao!
Alexander
Macht’s gut.
Social Media
Schattendasein vorbei: Warum Social SEO 2026 zur Pflichtdisziplin im Social Media Marketing wird!
Was sind die bekanntesten Social Media Marketing Disziplinen? Ohne lange zu zögern fallen sofort Begriffe wie Performance, Community-Management oder Video-Content ein. Doch im Vergleich zu allen anderen Disziplinen scheint eine ihr Dasein im Schatten zu fristen. Social SEO.
Doch mit der jüngsten Ankündigung von Google, Social Signals in der Search-Console sichtbar zu machen, sollte auch ein Umdenken stattfinden. Mehr Platz für Social SEO in der Social Media Strategie! Und die KI hat auch noch ein Wörtchen mitzureden.
Social SEO, GEO und vieles mehr: Mit dem AllSocial Newsletter bist du top informiert. Jetzt abonnieren und exklusiven Rabatt für dein AllSocial Marketing Conference Ticket sichern!
Warum Social Signals bisher im Schatten standen
Die Gründe, warum Social SEO und Social Signals kaum Beachtung finden, liegt an ihrer fehlenden Messbarkeit. Social Signals sind letztlich alle Interaktionen deiner Community mit deinen Inhalten. Also Kommentare, Share, Likes usw. Aus Sicht der Suchmaschine sind sie weniger harte SEO-Faktoren, wie Backlinks oder Keywords, sondern eher Anzeichen, dass deine Inhalte für deine Community relevant sind. Übrigens ist dieser Faktor noch wichtig, wenn wir einen kleinen Exkurs zur GEO machen, dem KI-Verwandten der herkömmlichen SEO.
Mehr dazu erfährst du auch in unserem Social Signals Spezial und unserer Übersicht zum Social SEO Monitoring.
Social Signals und GEO
Wenn schon das Google Update noch nicht ausreicht, um endlich von der Bedeutung von Social Signals überzeugt zu sein, vielleicht gelingt es der GEO. Kurz erklärt: GEO steht für Generative Engine Optimization das KI-Pendant zur klassischen SEO und ist auch für uns Social Media Manager*innen nicht ganz unbedeutend.
Statt für Suchmaschinen optimierst du hier für KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity, die Inhalte analysieren und daraus ihre Antworten generieren. Und genau hier kommen Social Signals wieder ins Spiel. Denn KI-Modelle greifen zunehmend auf Social Media Inhalte zurück, um Marken, Themen und deren Relevanz einzuordnen. Ganz hoch im Kurs steht dabei übrigens die Plattform Reddit.
Interaktionen wie Shares und Kommentare werden so zu einem Indikator dafür, wie präsent und glaubwürdig eine Marke im digitalen Raum ist. Weil immer mehr User*innen ihre Suchanfragen direkt an KI-Tools stellen, sind Social Signals in doppelter Hinsicht relevant: für die klassische Suche und auf für Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten. Social Signals ignorieren, ist verlorene Reichweite auf gleich zwei Kanälen.
Messbarkeit und Monitoring: Das ändert sich mit dem Google-Update für die Social SEO
Mit den neuen Platform Properties in der Google Search Console wird die Wirkung von Social Signals erstmals messbar. Nach derzeitigem Stand kannst du deine Kanäle auf Instagram, TikTok, X und YouTube direkt verknüpfen, unabhängig davon, ob du eine eigene Website hast. Anschließend siehst du, welche Suchbegriffe User*innen zu deinen Beiträgen führen und wie sie mit deinen Inhalten interagieren. Dadurch erhältst du die Möglichkeiten deine Social Signals besser zu monitoren und auszuwerten.
Social Signals für deine Social Media Strategie
Social Signals zu messen war davor immer so eine Sache, die manchmal eher dem Bauchgefühl glich. Spürbar, aber dennoch wenig aussagekräftig. Es waren mehr Vermutungen, welche Beiträge die Sichtbarkeit in der Suchergebnissen erhöhten. Jetzt siehst du es direkt in der Search Console.
Dadurch lässt sich gezielt erkennen, welche Formate und Themen in der Suche funktionieren und wie du deine Social SEO Maßnahmen entsprechend ausrichten solltest. Gleichzeitig rücken Social, SEO und Content näher zusammen, weil sie am selben Nutzerverhalten gemessen werden. Und das Update ist sicherlich kein Zufall. Seit Meta angekündigt hat, Instagram-Beiträge für die Google-Suche indexierbar zu machen, senden gleich zwei große Plattformen dasselbe Signal. Social Media Inhalte werden zu einem festen Bestandteil der Suche. Wer Social Signals wirklich versteht und darauf gezielt arbeitet, verbessert die eigene Reichweite und Sichtbarkeit.
Social Signals gezielt nutzen für mehr Reichweite und Sichtbarkeit
Aus den neuen Daten wird erst dann ein Vorteil, wenn du sie in konkrete Maßnahmen übersetzt. Setze auf Formate, die aktiv zur Interaktion einladen. Fragen, Umfragen oder Inhalte mit klarem Mehrwert erzeugen mehr Shares und Kommentare als reine Selbstdarstellung. Mehr Tipps, wie du über Social Signals und Social SEO Content deine Sichtbarkeit erhöhst, haben wir dir auch hier im Beitrag zusammengestellt.
Achte außerdem auf konsistente Marken- und Profilangaben über alle Kanäle hinweg. Das hilft Google, deine Profile korrekt zuzuordnen. Nutze die Reports auch, um Content-Lücken aufzudecken. Führt etwa eine Suchanfrage zu deinem Instagram-Post, aber du hast dazu keine passende Webseite, auf der die entsprechenden Angebote, Produkte oder Inhalte zu finden sind, dann weißt du, wo du vielleicht noch nachbessern solltest.
Social Signals klingen allerdings durch das Google Update verlockend. Aber zu viele auf einmal, dürfte kaum hilfreich sein. Verzichte auf Keyword-Stuffing und Über-Optimierung. Googles Spam-Systeme erkennen das in der Regel zuverlässig. Der Fokus sollte auch weiterhin auf echter Relevanz für deine Community liegen. Denn darum sollte es bei allen Inhalten gehen, egal ob für den Social Media Algorithmus, KI-Chatbots oder die Google-Suche. Echte Relevanz entsteht nur durch Mehrwerte für deine Community.
Mach Platz für Social SEO in deiner Strategie!
Social SEO hat lange im Schatten der großen Disziplinen gestanden. Nicht, weil sie unwichtig war, sondern weil ihr die Messbarkeit fehlte. Genau das ändert sich jetzt. Mit den Platform Properties liefert Google endlich die Daten, um die Wirkung von Social Signals sichtbar zu machen. Und im Zusammenspiel mit KI-Suche und Metas Öffnung Richtung Google-Indexierung zeigt sich, wie Social Media Inhalte fester Bestandteil der Suche geworden sind. Höchste Zeit also, Social SEO mehr Platz in deiner Strategie einzuräumen.
Social Media
Ihr seid auf zu vielen Social-Media-Kanälen
Die Auswahl der richtigen Social-Media-Kanäle gehört zu den wichtigsten strategischen Entscheidungen. Trotzdem wird sie häufig auf Basis erstaunlich einfacher Argumente getroffen.
„Unsere Zielgruppe ist auf Instagram.“
Dieser Satz dürfte schon für sehr viele Social-Media-Kanäle verantwortlich gewesen sein. Er klingt schließlich vollkommen logisch. Wenn die eigene Zielgruppe auf einer Plattform unterwegs ist, dann sollte das Unternehmen dort ebenfalls präsent sein.
Das Problem ist nur: Mit dieser Logik landet fast jedes Unternehmen auf fast jedem größeren Social Network. Denn natürlich sind die eigenen Zielgruppen auf Instagram. Wahrscheinlich sind sie auch auf Facebook, YouTube, LinkedIn und TikTok. Je nachdem, wie weit man die Definition der Zielgruppe fasst, kommen noch Pinterest, Threads, Snapchat und ein paar weitere Plattformen hinzu.
Die Anwesenheit der Zielgruppe ist deshalb noch lange kein ausreichender Grund für einen eigenen Kanal. Sie ist eine Grundvoraussetzung, mehr aber auch nicht.
Die strategisch wichtigere Frage lautet deshalb nicht, ob die Zielgruppe auf einer Plattform vertreten ist. Die Frage ist, ob das eigene Unternehmen die Voraussetzungen mitbringt, um dort dauerhaft erfolgreich zu sein.
Ein Kanal braucht einen echten Content-Fit
Unternehmen sind erstaunlich gut darin, für jedes Social-Network eine mögliche Content-Idee zu finden. Für TikTok könnten wir kurze Videos drehen. Auf Instagram zeigen wir Einblicke hinter die Kulissen. Bei LinkedIn veröffentlichen wir das Fachwissen unserer Expert*innen und für YouTube machen wir irgendwann einmal eine Videoserie.
Das Problem ist nicht, für einen Workshop oder eine Präsentation ein paar gute Ideen zu entwickeln. Die Herausforderung beginnt einige Monate später, wenn aus den ersten zehn Ideen regelmäßig neue Inhalte entstehen müssen.
Ein Unternehmen sollte deshalb nicht nur fragen, ob es Inhalte für eine Plattform produzieren kann. Es sollte sich fragen, ob es dauerhaft Zugang zu den richtigen Themen, Geschichten, Personen und Situationen hat.
Ein Tourismusverband verfügt beispielsweise über einen anderen Content-Zugang als ein Industrieunternehmen. Eine Medienmarke kann Aktualität ausspielen, während ein Unternehmen mit vielen Fachleuten vielleicht einen Vorteil bei der Vermittlung komplexer Themen hat. Andere Unternehmen verfügen über starke Persönlichkeiten, außergewöhnliche Produkte oder einen exklusiven Blick hinter die Kulissen.
Nicht jeder dieser Vorteile funktioniert auf jedem Social Network gleich gut. Genau deshalb ist die Frage nach dem Content-Fit so wichtig.
Wer jeden Montag in einer Redaktionskonferenz verzweifelt nach einer Idee für den nächsten Post sucht, hat nicht automatisch ein Kreativitätsproblem. Vielleicht passt der Kanal schlicht nicht zu dem Content, den das Unternehmen glaubwürdig und dauerhaft produzieren kann.
Wo liegt unser struktureller Vorteil?
Mit dem Content-Fit eng verbunden ist die Frage, ob ein Unternehmen auf einer Plattform einen strukturellen Vorteil hat.
Social-Media-Teams schauen bei ihrer Planung gerne auf erfolgreiche Accounts und überlegen anschließend, welche Formate sie davon übernehmen können. Das ist zur Inspiration sinnvoll, führt strategisch aber nicht weit genug. Denn ein Format lässt sich kopieren, die Voraussetzungen für seinen Erfolg häufig nicht.
Ein Fußballverein hat direkten Zugang zu Spieler*innen. Ein Tourismusverband kann Orte und Erlebnisse zeigen, an die andere nicht ohne Weiteres kommen. Ein Hersteller verfügt über Wissen zu seinen Produkten und ihrer Entwicklung. Ein Handelsunternehmen sieht frühzeitig, welche Produkte und Themen bei Kund*innen an Bedeutung gewinnen.
Die interessante Frage lautet deshalb nicht nur: Was könnten wir auf diesem Kanal machen?
Sie lautet: Was können wir dort besser, glaubwürdiger oder konsequenter machen als andere?
Das muss kein spektakulärer Vorteil sein. Aber es sollte einen Grund geben, warum ausgerechnet dieses Unternehmen auf dieser Plattform dauerhaft relevante Inhalte veröffentlichen kann. Wer keinen solchen Vorteil findet, muss im Zweifel mit mehr Budget, mehr Produktionsaufwand oder einer höheren Frequenz dagegen anarbeiten.
Auch das kann eine strategische Entscheidung sein. Sie sollte nur bewusst getroffen werden.
Versteht jemand im Unternehmen das Netzwerk wirklich?
Ein Punkt wird bei der Auswahl neuer Kanäle besonders häufig unterschätzt: das notwendige Wissen über die Plattform.
Gibt es im Unternehmen jemanden, der das Netzwerk wirklich versteht? Jemanden, der es selbst nutzt, Entwicklungen verfolgt und ein Gefühl dafür hat, welche Inhalte funktionieren und warum Menschen sich dort auf eine bestimmte Weise verhalten?
Damit ist ausdrücklich nicht gemeint, dass diese Person jede neue Funktion am Tag der Veröffentlichung kennen muss. Es geht um ein grundsätzliches Verständnis für die Mechanik und die Kultur einer Plattform.
Das lässt sich nicht vollständig durch Best-Practice-Präsentationen, Trendreports und gelegentliche Webinare ersetzen. Natürlich kann Wissen aufgebaut werden. Aber genau dieser Wissensaufbau ist dann Teil der Investition in einen neuen Kanal.
In der Praxis wird dieser Aufwand gerne vergessen. Ein Unternehmen entscheidet sich für TikTok, weil die Plattform strategisch relevant erscheint, und erwartet anschließend von einem Team, das bisher hauptsächlich Facebook und Instagram betreut hat, dass es TikTok nebenbei mit übernimmt.
Das kann funktionieren. Aber dann braucht es Zeit zum Lernen, Ausprobieren und Verwerfen. Es braucht Freiräume, um ein Gefühl für die Plattform zu entwickeln. Und es braucht die Bereitschaft, zu akzeptieren, dass nicht vom ersten Monat an alles funktioniert.
Wenn diese Zeit nicht vorhanden ist, sollte sie in der Kanalentscheidung auch nicht einfach ignoriert werden.
Können wir den Kanal auch in einem Jahr noch sinnvoll betreiben?
Der Start eines neuen Social-Media-Kanals ist meistens nicht das Problem. Für den Launch gibt es Ideen, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar ein zusätzliches Budget. Die eigentliche Frage ist, was ein Jahr später passiert.
Gibt es dann noch genügend Inhalte? Ist die zuständige Person noch da? Wurde das zusätzliche Budget verstetigt? Funktionieren die internen Freigabeprozesse? Werden Kommentare beantwortet? Gibt es Zeit für die Auswertung und Weiterentwicklung des Kanals?
Zu den Kosten eines Social-Media-Kanals gehört schließlich deutlich mehr als die reine Content-Produktion. Abstimmungen, Freigaben, Community-Management, Monitoring, Reporting und die kontinuierliche Weiterentwicklung müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Hinzu kommt, dass die Netzwerke sehr unterschiedliche Anforderungen stellen. Ein Unternehmen, das mit zwei guten LinkedIn-Beiträgen pro Woche erfolgreich arbeitet, kann daraus nicht ableiten, dass sich ein zusätzlicher Kanal mit demselben Aufwand betreiben lässt.
Genau an diesem Punkt werden Kanalstrategien häufig unrealistisch. Auf dem Papier werden Plattformen einzeln bewertet. Jede für sich erscheint machbar. In der Realität greifen aber alle Kanäle auf dieselben begrenzten Ressourcen zurück.
Und damit kommen wir zur wahrscheinlich wichtigsten Frage.
Was lassen wir dafür weg?
Jeder neue Kanal kostet etwas. Selbst dann, wenn kein zusätzliches Mediabudget eingeplant wird und die Produktion mit vorhandenen Ressourcen erfolgen soll.
Die Arbeitszeit, die in TikTok fließt, fehlt an anderer Stelle. Die Idee, die für ein Instagram-Reel umgesetzt wird, bindet Kapazitäten, die nicht für YouTube zur Verfügung stehen. Das Community-Management für einen weiteren Kanal muss von jemandem übernommen werden, der in dieser Zeit etwas anderes nicht macht.
Deshalb sollte die Frage bei einem neuen Social-Media-Kanal nie nur lauten: „Können wir das auch noch machen?“
Die bessere Frage lautet: Ist dieser Kanal wichtiger als das, was wir mit denselben Ressourcen stattdessen verbessern könnten?
Vielleicht ist es sinnvoller, aus einem mittelmäßigen YouTube-Kanal einen guten zu machen, statt zusätzlich TikTok zu starten. Vielleicht bringt es mehr, endlich ein funktionierendes Community-Management auf Instagram aufzubauen, statt den nächsten Kanal mit Inhalten zu füllen. Und vielleicht braucht das Unternehmen gar keinen weiteren Social-Media-Kanal, sondern mehr Budget für die Distribution der Inhalte, die bereits produziert werden.
Diese Abwägung fehlt in vielen Kanalstrategien. Statt Prioritäten zu setzen, werden immer neue Plattformen ergänzt. Das Ergebnis sind Social-Media-Teams, die ihre Ressourcen auf sechs oder sieben Kanäle verteilen und auf keinem davon genügend Zeit haben, um wirklich gute Arbeit zu leisten.
Eine gute Kanalstrategie sagt auch Nein
Natürlich spielen Ziele und Zielgruppen bei der Auswahl der Social-Media-Kanäle eine Rolle. Sie sollten zu diesem Zeitpunkt aber längst geklärt sein. Die Kanalauswahl ist nicht der Anfang einer Social-Media-Strategie, sondern eine Konsequenz aus ihr.
Erst danach beginnt die eigentliche Prüfung. Haben wir den passenden Content? Verfügen wir über einen strukturellen Vorteil? Gibt es das notwendige Wissen? Können wir den Kanal dauerhaft sinnvoll betreiben? Und ist der Einsatz unserer Ressourcen dort wirklich besser als an anderer Stelle?
Das Ergebnis dieser Prüfung darf auch sein, einen Kanal nicht zu bespielen.
Vielleicht sogar häufiger, als es vielen Unternehmen lieb ist.
Denn eine Strategie, die am Ende Instagram, TikTok, LinkedIn, YouTube, Facebook, Pinterest und Threads empfiehlt, hat keine Auswahl getroffen. Sie hat lediglich eine Liste der verfügbaren Plattformen erstellt.
Eine gute Kanalstrategie erklärt deshalb nicht nur, wo ein Unternehmen aktiv sein sollte. Sie schafft auch die Kriterien, um sich bewusst gegen Plattformen zu entscheiden.
Die richtige Plattform ist nicht einfach die, auf der eure Zielgruppe unterwegs ist. Es ist die Plattform, auf der ihr die Voraussetzungen habt, dauerhaft relevante Inhalte zu produzieren, das Netzwerk zu verstehen und eure begrenzten Ressourcen besser einzusetzen als an anderer Stelle.
Social Media
Feed und Fudder Podcast 85 – Corporate Influencing
Wenn aus Mitarbeitenden Markenbotschafter werden! Corporate Influencing ist einer der Social Media Trends der letzten Zeit und Unternehmen versprechen sich viel davon. Mehr Nähe zur Community, authentische Kommunikation, echte Menschen statt langweiliger Unternehmensaccounts.
Corporate Influencer verspricht viel – wenn man die Corporate Influencer machen lässt. Und da beginnen die Herausforderungen. Wir sprechen im Feed und Fudder Podcast mit Social Media Marketing Expertin Lisa Merki über Chancen, Stolperfallen und Erfolgsfaktoren eines Corporate Influencer Programms.
Zwischen Company-Vorgaben und persönlichen Inhalten – wie viel Freiheit brauchen Corporate Ambassadors?
Community Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
Transkript Feed und Fudder Podcast 85 – Corporate Influencing
Du bist grad irgendwo, wo es still sein muss, schmöckerst lieber in Texten oder möchtest unsere Folge barrierefrei mit deinem Screenreader lesen? Kein Problem!
Hier gibt es das Transkript zu Folge 85 – Corporate Influencing
Transkript
Alexander
Hallo und herzlich Willkommen beim Feed und Fudder Podcast. Wir haben heute ein Gesprächsthema, das sich viele von euch da draußen gewünscht haben. Und dann habe ich gedacht, laden wir uns einfach mal einen tollen Gast dazu ein. Wir sprechen heute über Corporate Influencing. Und wie gesagt, ich bin nicht allein, sondern ich habe heute Lisa dabei. Schön, dass du da bist, Lisa. Stell dich doch einfach mal kurz vor.
Lisa
Ich bin Lisa.
Ich arbeite als Senior Social Media Managerin bei Social Hub, bin aber auch freiberuflich im Social Media Marketing unterwegs und mache Speakings und Co. Und was für das heutige Thema am spannendsten ist: Ich habe bei uns vor eineinhalb Jahren das Corporate‑Influencer‑Programm aufgebaut und betreue es intern. Ich habe viele Hindernisse und Typen gesehen und ich glaube, es lohnt sich total, in dieses Thema deeper reinzugehen, weil viele Aspekte unterschätzt werden. Deswegen freue ich mich total, heute hier zu sein.
Alexander
Auf jeden Fall. Bei Corporate Influencing denke ich zuerst an die LinkedIn‑Unternehmensseite. Aber da haben wir ein kleines Problem: Der LinkedIn‑Algorithmus mag Unternehmensseiten nicht besonders. Ich glaube, aktuell sind es nur rund zwei Prozent Sichtbarkeit im Feed. Also macht es Sinn, wenn man Personen einbindet. Aber „beauftragen“ klingt nicht authentisch, und das ist die erste Herausforderung. Wie würdest du Personen auswählen, um mit Corporate Influencing zu starten?
Lisa
Das ist kein einfaches Thema, weil viele Ebenen reinspielen und es stark von der Unternehmensgröße abhängt. Der Best Case ist eine Bewerbungsphase, weil man so die Leute erreicht, die sich proaktiv melden würden. In manchen Unternehmen werden auch Personen aktiv angesprochen. Ich glaube, es braucht ein Zusammenspiel aus beidem, weil es Menschen gibt, die sich das nicht zutrauen, obwohl sie gut geeignet wären.
Gerade die Bewerbung zeigt intrinsische Motivation, die für die Langfristigkeit extrem wichtig ist. Wir öffnen alle sechs Monate eine Bewerbungsphase und schauen dann: Passt das? Ist die Dedication da? Haben sie sich mit dem Thema beschäftigt? Wenn ja: Let’s go.
Alexander
Und wie hält man die Leute langfristig bei der Stange?
Lisa
Es ist wirklich kein einfaches Thema. Viele denken, man setzt ein Programm einmal auf und dann läuft es von selbst. Aber die leitende Person muss immer wieder Ideen entwickeln, um die Leute zu motivieren weil wir das alles neben unseren eigentlichen Jobs machen. Wir arbeiten mit Incentives, zum Beispiel exklusivem Merchandise, das nur Corporate Influencer bekommen. Das ist an Zugehörigkeit gekoppelt: x Monate aktiv = Item 1, y Monate aktiv = Item 2.
Wir machen auch Challenges, damit sowohl Gemeinschafts‑ als auch Wettbewerbsmotive angesprochen werden. Was aber noch wichtiger ist als Incentives: gute Betreuung. Es braucht eine dedizierte Ansprechperson, Wissenssessions, Workshops, Feedback auf Postings. Interner Ownership ist entscheidend. Deshalb sehe ich es kritisch, wenn eine externe Agentur alles übernimmt und intern niemand Verantwortung trägt. Das ist essenziell für langfristige Motivation.
Alexander
Und das sind genau die Gründe, warum Corporate Influencing sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Sie sind die Gründe, warum so viele Leute sich für dieses Thema interessieren und auch bei uns angefragt haben, hey, macht doch mal bitte was dazu. Aber das sind eben auch die Herausforderungen.
Da kommt man nicht drum herum zu sagen, sie sind am Anfang recht hoch. Aber gehen wir mal kurz weg von den Herausforderungen. Warum lohnt sich aus deiner Sicht überhaupt Corporate Influencing? Warum sollte man bereit sein, diese Herausforderungen anzunehmen? Was kann man damit erreichen?
Lisa
Ich glaube, den größten Vorteil sieht man schon in der Sache selbst. Corporate Accounts werden immer ein Stück weit weiter weg vom Menschen sein. Es ist ein Logo, das für eine Unternehmenskultur steht und für die Menschen dahinter. Und genau diese Menschen sind es, die ein Unternehmen zu dem machen, was es ist. Sie sichtbar zu machen und ihnen eine Stimme zu geben, ist unglaublich wertvoll.
Wenn jemand mit dem eigenen Gesicht sagt, das ist meine Meinung, das ist meine Erfahrung, dann entsteht Vertrauen. Das wird immer authentischer wirken als ein Corporate Account, der abgesegneten Unternehmenssprech veröffentlicht. Das hat ein ganz anderes Trust‑Level.
Viele Unternehmen nutzen Corporate Influencing fürs Employer Branding. In Bewerbungsgesprächen stellt sich jedes Unternehmen toll dar. Aber wenn Mitarbeitende Real Talk geben und erzählen, wie es wirklich ist, dann glaubt man das viel eher als dem abstrakten Unternehmen. Das ist ein riesiger Vorteil.
Und durch verschiedene Persönlichkeiten im Unternehmen schafft man viel mehr Anknüpfungspunkte. Wenn ich mit dem Corporate Account nicht connecte, dann vielleicht mit Mitarbeiter B oder F. So spricht man unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Bereichen an. Das ist die große Stärke.
Alexander
Das mit der Vielfalt finde ich sehr schön. Wenn man es richtig macht, zeigt man damit auch, dass man moderne Arbeitskultur nicht nur in Stellenanzeigen verspricht, sondern wirklich lebt. Corporate Influencing ist ein Echtzeit‑Beweis dafür, dass die Werte eines Unternehmens ernst gemeint sind. Oft erleben wir ja das Gegenteil: schöne Werte auf Papier, aber in der Praxis passiert nichts. Du hast das Wort Seele gesagt.
Wir sind Menschen, wir haben Emotionen. Wie verhindert man, dass ein Corporate‑Influencer‑Account einfach ein Copy‑and‑Paste‑Kanal der Unternehmensseite wird?
Lisa
Es steht und fällt mit der Haltung, mit der man das Thema angeht, und mit einer Person, die es verteidigt. Bei uns war es so: Ich kam ins Unternehmen und war sofort überzeugt, dass Corporate Influencing zu uns passt. Ich hatte intrinsische Motivation, das aufzubauen. Als dann Vorschläge aus dem C‑Level kamen wie „Wir könnten Ghostwriting machen“, war ich diejenige, die gesagt hat: Wenn wir es so machen, brauchen wir es gar nicht machen. Es braucht jemanden, der das Thema schützt und auf dem richtigen Weg hält. Es kann nur funktionieren, wenn es authentisch ist.
Es gibt Unternehmen, die zentral gesteuerte Kommunikation machen und Texte vorgeben. Das kann bis zu einem gewissen Grad funktionieren, je nach KPIs. Aber es wird nie so vertrauensstiftend sein wie echte Menschen, die selbst posten.
Alexander
Und wir haben eine Herausforderung noch nicht angesprochen: Loslassen und Ownership. Damit tun sich Unternehmen extrem schwer. Ich denke da immer an Ikea. Ikea macht großartige Socia Media Kampagnen, weil sie keine Freigabeschleifen haben. In fast jeder Feed und Fudder‑Folge sagen wir denselben Satz: Leute, lasst diese Freigabeschleifen endlich sein.
Gebt euren Leuten Verantwortung und freie Hand. Sonst passiert genau das, was wir kennen: Trends sind längst vorbei, wenn Unternehmen sie posten. Wie kann man Corporate Influencern diese Verantwortung geben? Wie schafft man dieses Loslassen?
Lisa
Man muss sich bewusst sein, dass Corporate Influencing immer ein Stück weit Kontrollverlust bedeutet. Man kann keine Freigabeschleifen für persönliche Accounts einführen, die den Menschen gehören. Ich fände es sogar bedenklich, wenn das so wäre. Deshalb würde ich Corporate Influencing nur Unternehmen empfehlen, die bereit sind, diesen Kontrollverlust zu akzeptieren.
Sonst wird es nur eine leere Hülle einer verlängerten Unternehmenskommunikation. Es ist nicht einfach, Kontrolle abzugeben, aber es gehört Vertrauen dazu. Mitarbeitende, die Corporate Influencer werden, leisten viel. Sie stehen mit ihrem Gesicht für das Unternehmen. Das würden nur Menschen tun, die wirklich hinter dem Unternehmen stehen. Niemand, der das Unternehmen schlecht findet, würde sagen: Klar, ich werde Corporate Influencer.
Deshalb würde ich immer die positive Intention sehen. Am Anfang kann man Rahmenbedingungen festlegen: Was geht, was geht nicht, welche Informationen sind vertraulich. Aber danach sollte man möglichst viel Freiheit geben. Davon profitieren alle am meisten.
Alexander
Und du hast ja gerade gesagt, Rahmenbedingungen. Ich weiß nicht, ob man das pauschal beantworten kann, aber die Leute, die Corporate Influencing übernehmen, haben ja trotzdem noch ihren eigentlichen Job im Unternehmen. Das ist ja erstmal ein Mehraufwand. Was meinst du, kann man das in einer Stundenzahl festhalten? Wie viel Zeit braucht man fürs Corporate Influencing oder sollte das Unternehmen den Leuten Freiraum schaffen?
Lisa
Also Freiraum schaffen auf alle Fälle. Ich finde, das sollte in der Arbeitszeit stattfinden. Ansonsten verlangt man den Leuten viel zu viel ab. Und ich glaube, arbeitsrechtlich ist es auch nicht okay. Man sollte es realistisch einschätzen. Am Ende hängt es davon ab, wie viele Ressourcen das Unternehmen freimachen kann und was vertretbar ist.
Ich finde zwei bis drei Stunden pro Woche realistisch, gerade wenn man keine Unterstützung wie Ghostwriting hat, sondern alles selbst macht. Am Anfang ist das Setup schwieriger, weil man mit Menschen arbeitet, die nicht die gleiche Content‑Creation‑Erfahrung haben. Da kann man nicht erwarten, dass alles sofort super ist.
Es dauert, bis man einen Groove entwickelt. Es hängt auch davon ab, welche Frequenz man erwartet und wie viel Zeit man geben kann. Wenn man nur eine halbe Stunde pro Woche hat, sollte man überlegen, ob es überhaupt Sinn macht. In der Zeit überlegt man gerade mal, was man posten möchte. Man muss dem Thema Priorität geben und sagen: Ja, das ist uns wichtig, und dafür schaffen wir Zeit.
Alexander
Wir haben jetzt die meiste Zeit über LinkedIn gesprochen. Der Vorteil dort ist, dass man mit einem persönlichen Profil ohnehin im Business‑Kontext unterwegs ist. Aber wie sieht Corporate Influencing auf anderen Plattformen aus? Instagram, TikTok? Macht es Sinn, ein Business‑Profil als Person einzurichten oder kann man Corporate Influencing auch mit dem Privataccount machen?
Lisa
Zur Plattformauswahl: Ich sehe Unternehmen, die das auch auf Instagram oder TikTok umsetzen. Es hängt stark davon ab, was für ein Unternehmen man ist, ob B2C oder B2B, und welches Ziel man verfolgt. Wenn man Employer Branding pushen möchte, kann Insta oder TikTok Sinn machen. Wir als B2B‑Brand haben dort wenig Mehrwert.
Ich finde es auch in der Handhabung schwieriger. Videos zu coachen ist ein viel größeres Unterfangen als Schreiben und Fotos. Fotos kann man gemeinsam erstellen, Videokonzeption und Schnitt sind viel individueller. Es gibt Unternehmen, die das machen, und dort sehe ich oft separate Profile für Corporate Influencer.
Viele wollen ihr privates Profil nicht dafür nutzen. Es gibt aber auch Personal Brands, die beides verbinden, allerdings ohne das Unternehmen stark in den Vordergrund zu stellen. LinkedIn ist für Business‑Ziele meist der beste Ort: Netzwerk aufbauen, Kontakte knüpfen, PR‑Möglichkeiten. Und es ist in der Programmhandhabung viel einfacher zu steuern als andere Plattformen.
Alexander
Und vielleicht zum Abschluss: Würdest du empfehlen, wegen der Ressourcen lieber eine Plattform richtig gut zu machen?
Lisa
Auf alle Fälle. Das gilt im Corporate Influencing genauso wie im Social Media Marketing. Wenn die Ressourcen nicht reichen, alles vernünftig zu machen, sollte man sich auf eine Plattform konzentrieren. Coacht die Leute dort gut, betreut sie eng und gebt ihnen eine solide Basis. Wenn ich mir vorstelle, zusätzlich zu LinkedIn auch noch Instagram für zwölf Leute zu coachen, wäre das ein enormer Mehraufwand. Man sollte überlegen, wie man Ressourcen sinnvoll einsetzt, um das Beste herauszuholen.
Alexander
Vielen Dank für diesen wunderbaren Einblick ins Corporate Influencing. Ich hoffe, ihr da draußen habt ein paar Antworten bekommen und vielleicht auch ein bisschen die Scheu verloren. Das Interesse ist hoch, aber die Bereitschaft, es zu tun, ist oft noch niedriger. Ich hoffe, wir konnten euch Mut machen. Probiert es einfach aus. Wenn die Leute erstmal dabei sind, macht es allen Beteiligten Spaß.
Lisa
Das glaube ich auch. Ich finde, es schafft eine schöne interne Community und stärkt den Zusammenhalt zwischen Abteilungen, gerade im Remote‑Setting. Es gibt der Unternehmenskultur viel zurück. Also auf allen Ebenen eine große Empfehlung. Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne bei mir auf LinkedIn. Ich tausche mich sehr gerne dazu aus und hoffe, ich konnte die Lücke zwischen Lust und Angst ein bisschen schließen. Vielen Dank für die Einladung.
Alexander
Schön, dass du da warst. Ihr da draußen, wir hören uns in der nächsten Folge Feed und Fudder.
Lisa
Tschüssi!
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