Künstliche Intelligenz
Fühlt sich einfach gut an: Pop!_OS ausprobiert | c’t 3003
Im c’t 3003-Team ist seit einiger Zeit CachyOS das Linux der Wahl für aktuelle Rechner – bis jetzt. Denn Pop!_OS fühlt sich oft noch schneller an und bringt mit der vorinstallierten Desktop-Umgebung Cosmic schicke Optik und frische Ideen wie einen flexiblen Tiling-Window-Manager auf den Bildschirm. c’t 3003 hat ausprobiert, ob Pop!_OS das Zeug zum neuen Lieblings-Linux hat.
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Transkript des Videos
(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)
Guck mal hier, das bin ich auf meiner ewig währenden Mission, das perfekte Betriebssystem für mich zu finden, und uuuh, ich glaube, wir haben einen ganz heißen Kandidaten am Start. Diese Linux-Distribution läuft out of the box wirklich ultra schnell, also wirklich, snappier geht’s fast gar nicht, und ist vor allem auf Gaming ausgelegt, was auch butterweich läuft. Außerdem sieht das Teil auch noch total schick aus, und ich musste wirklich so gut wie kein einziges Mal die Kommandozeile benutzen, wenn ich das nicht unbedingt wollte.
Das Ding nennt sich Pop!_OS und ist aktuell ein ganz heißes Teil auf dem Distro-Markt, und die Frage ist: Ist es das? Ist es das perfekte Betriebssystem oder müssen wir die Blase poppen lassen? In diesem Video klären wir genau diese Frage und schauen uns mal an, wie sich der Cosmic Desktop von Pop!_OS so anfühlt. Ja, so heißt die auch unabhängig von Pop!_OS gerade ziemlich gehypte Desktop-Umgebung, und ich kann jetzt schon mal sagen: In Cosmic sind Ideen verbaut, die ich so noch auf keinem anderen Desktop gesehen habe. Bleibt dran.
Liebe Hackerinnen, liebe Internet-Surfer, herzlich willkommen hier bei …
Also, ein neues Betriebssystem hat den Chat betreten. Naja, neu im Sinne von: Ich will was Neues ausprobieren und hab vielleicht auch mein CachyOS neulich ein bisschen kaputtgespielt. Hoppla. Also Pop!_OS gibt’s schon seit ’ner Weile, aber ich finde, man hört in letzter Zeit immer öfter, dass Leute das ausprobieren. Zum Beispiel auch Linus von den gleichnamigen Tech Tips. Das Ding wird vom US-amerikanischen Computerhersteller System76 entwickelt, die verkaufen Laptops und Desktop-Rechner, die, wer hätt’s gedacht, standardmäßig mit Pop!_OS oder Ubuntu ausgeliefert werden. Ja, aber auch wenn das von einem kommerziellen Entwickler kommt, ist Pop!_OS komplett Open Source und kostenlos.
Und Pop!_OS ist ein Ubuntu-Derivat und vor allem auf Gaming ausgelegt. Beim Download kann man jeweils eine Version für AMD-, Nvidia- oder Intel-GPUs runterladen, da sind dann jeweils die passenden Treiber schon vorinstalliert. Also in meinem Fall die ISO für Nvidia-Karten runterladen, auf einen USB-Stick packen und installieren. Falls ihr die Installation von Linux im Detail sehen wollt, hab ich euch einen Link in die Beschreibung gepackt, wo wir das schon mal erklärt hatten.
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Beim ersten Start von Pop!_OS ist mir direkt erst mal aufgefallen, wie schnell das läuft und wie schick das Ganze auch noch dabei aussieht. Die Optik beziehungsweise die Bedienung ist eh für mich das größte Highlight an Pop!_OS, aber da komm ich später noch zu. Ja, also das Ding ist wirklich schnell und alles fühlt sich wirklich super snappy an. Bisher hatte ich ja immer CachyOS laufen, und das ist auch schon super schwupsig, aber wenn ich jetzt wählen müsste, dann würd ich sagen, dass sich Pop!_OS noch mal einen kleinen Schnuff knackiger anfühlt. Alleine hier die Fenster im Tiling-Modus rumzuschieben oder die Workspaces zu wechseln, fühlt sich super schnell an. Aber das ist vielleicht auch diese Euphorie, wenn man ein neues Betriebssystem ausprobiert. Also CachyOS ist auch schon sehr schnell. Und zu Gaming kommen wir gleich auch noch, das läuft nämlich auch butterweich.
Also alle normalen Programme, die ich installiert hatte, starten hier wirklich auf der Stelle. Und auch die Installation von Software geht super schnell, denn bei Pop!_OS ist der Cosmic Store vorinstalliert. Das ist ein grafischer App-Store mit Suchfunktionen, Kategorien, Bildern, Beschreibung und so weiter. Also alles, was man so braucht. Wenn ich hier etwas installiere, dauert das nur wenige Sekunden, und das Programm ist sofort ready. Hier beispielsweise Discord. Ich klicke da drauf, der installiert das in ungefähr zwei Sekunden, und ich kann es sofort starten. Schon nice.
Der Cosmic Store ist in Rust geschrieben und läuft mit wenig Speicherfußabdruck. Zum Vergleich: Die andere populäre App-Verwaltung KDE Discover hat schon deutlich mehr Funktionen, ist aber definitiv schwerfälliger. Cosmic kann aber auch wie Discover zwischen Flatpak und Systempaketen umschalten. Ganz kurz noch mal der Unterschied: Flatpaks bringen alle Abhängigkeiten selbst mit und laufen abgeschottet in einer Sandbox. Können also euer System nicht zerschießen. Systempakete sind tiefer ins Linux-System integriert, teilen sich Bibliotheken mit anderen Programmen, verbrauchen dadurch auch weniger Speicherplatz, aber können halt im schlimmsten Fall Probleme verursachen.
Apropos Systempakete. Pop!_OS basiert auf Ubuntu, und hier ist standardmäßig der Paketmanager apt installiert. Den musste ich aber für meine Programme kein einziges Mal mit der Kommandozeile benutzen. Alles, was ich installieren wollte, habe ich im Store als Flatpak gefunden. Und während Ubuntu weiterhin das viel kritisierte Snap-Paketsystem verwendet, ist bei Pop!_OS Snap nicht mal vorinstalliert. Auch ein komplettes System-Update geht über den Cosmic Store einfach unter Aktualisierungen, und da kann man alles updaten. Also das ist so ähnlich wie bei Linux Mint, da läuft ja auch fast alles über die grafische Oberfläche. Bei CachyOS, was ja auf Arch basiert, braucht man schon irgendwie häufiger mal die Kommandozeile.
Ach doch, eine Kleinigkeit habe ich dann doch per Kommandozeile installiert, und zwar Neofetch. Das ist diese Systemanzeige mit passender ASCII-Art vom Distro-Logo, die man beim Öffnen vom Terminal bekommt. Die ist standardmäßig bei Pop!_OS nicht vorinstalliert, und im Store habe ich das auch nicht gefunden. Witzigerweise wird das Pop!_OS-Logo mit 7 und 6 angezeigt, passend zum Entwickler System76. Also das hat nichts mit dem 6/7-Meme zu tun. Wirklich gar nichts. Und ja, ich weiß, Neofetch ist mittlerweile eigentlich veraltet und von Fastfetch abgelöst. Fastfetch hat bei mir aber so komische Farben beim Logo angezeigt, das hat mich genervt, und ich hatte keinen Bock, da groß rumzufummeln, deswegen habe ich jetzt einfach Neofetch verwendet. Naja, ist auch eh alles komplett unnötig, sonst lief wirklich alles einfach über den Store.
Ja, und der Store ist Teil vom Cosmic Desktop, dem Desktop Environment von Pop!_OS. Noch mal als Reminder: Ein Desktop Environment beziehungsweise eine Desktop-Umgebung ist eine Sammlung an Programmen, die die komplette Benutzeroberfläche vom Betriebssystem bilden. Also so was wie Fenstermanagement, Startmenü und so weiter. Und das ist auch das, was den kompletten Look and Feel bei der Bedienung am Ende ausmacht.
Ja, ich muss sagen, dass mir das bei Pop!_OS richtig, richtig gut gefällt. Aber ganz kurz vorher: Warum heißt das Teil eigentlich Pop!_OS? Laut System76-CEO Carl Richell steht das Pop! für die knalligen Farben, und der Unterstrich kommt vom System76-Logo, wo hier unter der 6 auch so ein Strich ist. Naja gut, der Unterstrich ist aber vielleicht auch einfach wichtig, damit die Leute das Ding nicht immer Popos aussprechen. So zumindest unsere Theorie. Das Pop zieht sich auch durch andere Produkte von System76, wie beispielsweise deren USB-Flash-Tool Popsicle.
Anyways, jetzt einmal zum Look and Feel von Pop!_OS, beziehungsweise vom Cosmic Desktop. Der Cosmic Desktop ist ein eigens von System76 entwickeltes Desktop-Environment, was hier und da Ähnlichkeiten mit Gnome hat. Und ich finde, das fühlt sich richtig frisch an. Hier zum Beispiel der Login-Screen, den finde ich richtig schick, oder? Ansonsten hat man hier oben so eine Menüleiste und hier unten ein Dock. Hier beim Dock gibt’s aber eine Kleinigkeit, die mich stört. Wenn man ein Fenster groß macht, dann ziehen sich die Kanten des Docks hier so automatisch bis an die Ränder, und smooth sieht das irgendwie nicht aus. In den Einstellungen kann man das Ding aber mit diesem Schalter hier auch dauerhaft bis an den Rand ziehen. Das wirkt dann mit den Fenstern alles irgendwie deutlich stimmiger. Besonders wenn ich so Systemfenster hier groß mache, dann geht das hier so nahtlos über. Das finde ich schon ganz schick.
Die Menüleiste hier oben sieht so ähnlich aus wie bei Gnome. Also mit der Uhrzeit in der Mitte und diesen Widgets hier rechts. Hier links sind aber noch zwei Shortcuts, einmal für Applications und einmal für Workspaces. Im Applications-Menü sind Apps aufgelistet, und out of the box sind wirklich nur ganz wenige Programme vorinstalliert. Was ich persönlich ja richtig nice finde, so ist alles nämlich richtig schön clean, wenn man das Ding frisch installiert. Es gibt ja auch andere Betriebssysteme, die nach einer frischen Installation schon vollgestopft sind mit Bloatware. Hust, Windows, hust. Was auch noch ganz nice ist: Man kann sich hier unten im App-Fenster Ordner anlegen und so Software so ein bisschen sortieren. Das ist ganz nett.
Hier neben den Applications kann man die Workspaces öffnen. Da kann man dann Fenster reinziehen, die Spaces hin- und herwechseln und rumschieben und so weiter. Das funktioniert alles wirklich sehr intuitiv und super snappy. Aber dieses Snappiness kommt auch daher, dass es wirklich so gut wie gar keine Animationen gibt. Dadurch fühlt sich zwar alles super schnell an, aber auch etwas weniger smooth beziehungsweise sogar auch so ein bisschen ruckelig, wie ich finde. Also es gibt ja einige, die stellen eh immer alle Animationen bei ihren Desktops aus, weil die das so lieber mögen. Also das ist Geschmackssache, aber ich persönlich bin schon Fan davon, wenn Dinge animiert sind. Zumindest ein bisschen.
An anderen Stellen gibt es dann schon Animationen, beispielsweise wenn man hier zwischen den Workspaces hin und her wechselt. Ganz praktisch: Wenn man hier unten auf eine App klickt, die in einem anderen Workspace geöffnet ist, dann switcht er automatisch zu dem richtigen Space. Und das sieht auch alles smooth und nice aus. Und es sind auch weitere Desktop-Animationen laut Roadmap von System76 auf jeden Fall in Planung. Ansonsten funktioniert das Hin- und Herwechseln zwischen Workspaces wirklich super, und wenn man Apps beendet und die Spaces dann leer sind, schließen die sich auch automatisch. Also funktioniert alles sehr gut.
Wenn man die Super-Taste drückt, also Windows oder Option, dann öffnet sich hier so ein Launcher für Apps. Also Super drücken, beispielsweise Firefox eingeben und starten. Das ist so ähnlich wie bei Gnome oder Spotlight von macOS oder so. Und genau wie bei Spotlight hat der auch ein paar kleine Zusatzfunktionen. Beispielsweise kann man da direkt eine Rechnung eintippen, und man bekommt direkt hier in der Suche dann das Ergebnis ausgespuckt. Wenn man „Find“ vor eine Suchanfrage eintippt, dann sucht der Launcher direkt nach allen Dateien und nicht nur nach den Apps. Und wenn man direkt Google davor schreibt, dann öffnet sich ein Tab im Browser mit der Google-Suche. Schon alles ganz praktisch.
Und die eine Sache, die ich wirklich ganz besonders cool finde am Cosmic Desktop, ist diese Schaltfläche hier oben. Da kann man nämlich spontan zwischen Tiling und schwebenden Windows hin- und herwechseln. Falls ihr nicht wisst, was das ist: Schwebendes Window Management ist das, was man von Windows und macOS kennt. Also wenn sich die Fenster so ganz normal überlappen können. Tiling Windows ordnen sich automatisch auf dem Desktop fest an. Also man kann die verschieben, größer und kleiner ziehen und so weiter. Aber die hängen halt immer im Vordergrund an irgendeiner Stelle im Bild.
Also wenn ich jetzt hier oben draufklicke und auf Tiling wechsle, dann ordnen sich alle Fenster auf dem Bild an. Also man kann hier alles fröhlich hin- und herschieben, und ja, ihr seht, man braucht auf jeden Fall einen kleinen Moment Übung damit. Aber dann funktioniert das erstaunlich intuitiv. Also ich finde das jetzt nicht unbedingt weniger fummelig, als mit dieser Fenster-Snap-Funktion bei Windows rumzuhantieren. Wenn man sich richtig doll hacker-mäßig cool fühlen will, könnte man sich dann auch noch die ganzen Hotkeys aneignen und komplett nur noch mit der Tastatur arbeiten. Dafür bin ich aber leider zu schlecht und auch zu faul.
Aber ein Hotkey ist echt ziemlich praktisch, und zwar Super-Taste + G. Damit kann man nämlich ein einzelnes Fenster aus dem Tiling-Windows-Desktop befreien, wenn man das mal braucht. Also es gibt Tiling und schwebendes Window Management, und man kann da halt zwischendrin hin- und herwechseln. Das Coole ist, man kann das nicht nur allgemein für den ganzen Desktop hin- und herswitchen, sondern das unabhängig für den Bildschirm und die Workspaces jeweils einzeln einstellen. Das heißt, ich kann hier auf meinem linken Bildschirm Spotify, Notion und Signal irgendwie fest im Bild hängen haben, während auf meinem Hauptbildschirm alles weiter schwebt. Die Idee, dass man das einfach die ganze Zeit hin- und herswitchen kann, finde ich wirklich richtig super und habe ich bisher auch noch bei keinem anderen Desktop-Environment in der Form gesehen. Falls es das woanders gibt, dann schreibt es mal gerne in die Kommentare, ich wusste es nicht.
Und unabhängig von dem Tiling-Windows-Management: Man kann auch wie bei Windows die Sachen hier so an die Seiten snappen. Also das geht auch und funktioniert auch gut. Falls man noch ein bisschen am Desktop rumbasteln will, gibt es auch noch ein paar Anpassungsmöglichkeiten in den Einstellungen. Da kann man dann beispielsweise die Farben vom Desktop frei wählen, Light- oder Dark-Mode auswählen, den Stil von Schaltflächen jeweils runder oder eckiger einstellen und so was wie die Randgröße vom Fenster-Highlight anpassen. Das ist schon okay, aber richtig doll viel kann man jetzt in den Systemeinstellungen nicht anpassen.
Obwohl das hier ja ein ganz eigenes Desktop-Environment ist, gab es im Store trotzdem etwas, das sich Tweaks nennt, wie Gnome Tweaks. Ich habe das mal runtergeladen, da kann man dann auch noch Sachen einstellen wie die Farben oder Dinge am Dock und so weiter. Ob man das benutzen sollte, weiß ich nicht. Fand es trotzdem lustig, dass es das gibt. Also ja, das ist halt Linux, und im Zweifel kann man alles irgendwie verändern, wenn man das will. Dazu hatten wir auch schon mal ein eigenes Video gemacht, gerne mal auschecken.
Okay, okay, alles schön und gut, aber was ist mit Gaming? Läuft das genauso nice wie bei CachyOS? Ganz simpel: Ja, läuft es. Ähnlich wie bei CachyOS sind passende GPU-Treiber direkt vorinstalliert, also da muss man nicht selbst runterladen. Steam kann man easy über den Cosmic Store installieren, und alle Spiele, die ich ausprobiert hatte, liefen bei mir ähnlich gut wie auf meinem Windows 11. Also so was wie ARC Raiders, Cyberpunk 2077, Path of Exile 2 und auch Nicht-Steam-Spiele wie World of Warcraft. Für Letzteres muss man dann den Battle.net-Launcher bei Steam als Nicht-Steam-Spiel einbinden, und dann läuft das auch über Proton. Ist ein bisschen fummelig, aber das ist ein allgemeines Linux-Gaming-Problem und hat jetzt nichts mit Pop!_OS zu tun.
Also vielleicht habt ihr gemerkt, ich bin wirklich großer Fan von Pop!_OS und werde das auf jeden Fall in nächster Zeit als mein Hauptbetriebssystem verwenden. Dadurch, dass man fast nie mit der Kommandozeile rumhantieren muss, eignet sich das Teil auch wirklich super als Einsteiger-Linux. Gaming funktioniert einwandfrei, und die Bedienung macht mir sehr viel Spaß. Schreibt gerne mal in die Kommentare, was aktuell euer Lieblings-Linux ist und wie ihr Pop!_OS so findet, falls ihr es schon ausprobiert habt. Bis zum nächsten Mal, tschüss!
c’t 3003 ist der YouTube-Channel von c’t. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t Magazin. Die Redakteure Jan-Keno Janssen, Lukas Rumpler, Sahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.
(sahe)
Künstliche Intelligenz
Breitband-Mindestversorgung: Bundesnetzagentur startet Prüf-Tool für Bürger
Ein Internetanschluss für die digitale Teilhabe ist in Deutschland längst kein bloßes Privileg mehr, sondern ein gesetzlich verankertes Recht. Doch Theorie und Praxis klaffen beim Breitbandausbau oft noch auseinander. Um die Transparenz für Verbraucher zu erhöhen, hat die Bundesnetzagentur am Freitag ein neues digitales Werkzeug zur Marktüberwachung veröffentlicht. Mit der Anwendung soll sich in weniger als einer Minute feststellen lassen, ob an der eigenen Wohnadresse die gesetzlich definierte Mindestversorgung potenziell verfügbar ist oder ob ein Anspruch auf staatliches Eingreifen besteht.
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Das jetzt freigeschaltete Online-Tool basiert auf dem „Recht auf Versorgung mit Telekommunikationsdiensten“, das im Telekommunikationsgesetz (TKG) verankert und „technologieneutral“ ausgestaltet ist. Es soll sicherstellen, dass jeder Haushalt Zugang zu einem Mindestmaß an Sprachkommunikation und einem funktionierenden Internetzugang hat. Ein gesetzlicher Anspruch auf eine bestimmte Leitungstechnik besteht nicht.
Die Messlatte für dieses Minimum beim sogenannten Recht auf schnelles Internet hat der Gesetzgeber erst kürzlich nach oben korrigiert. Ein Internetanschluss muss aktuell mindestens eine Download-Rate von 15 Megabyte pro Sekunde (Mbit/s) und eine Upload-Rate von 5 Mbit/s leisten. Auch die Latenz, also die Verzögerungszeit bei der Datenübertragung, ist mit einem Grenzwert von 150 Millisekunden fest definiert.
Präzise Analyse auf 100-Meter-Gitterzellen
Nutzer können ihre genaue Adresse eingeben und erhalten das Ergebnis auf einer Karte, die Deutschland in Gitterzellen von 100 mal 100 Metern unterteilt. Die farbliche Kennzeichnung folgt einem einfachen Ampelsystem. Eine grüne Markierung signalisiert, dass nach den Daten der Bundesnetzagentur alle Haushalte in dieser Zelle potenziell versorgt sind.
Erscheint die Zelle dagegen rot, deutet dies auf eine mögliche Unterversorgung hin. Dabei berücksichtigt der Algorithmus sowohl leitungsgebundene Technologien wie DSL, Kabel oder Glasfaser als auch die mobile Versorgung über das Funknetz. Eine wichtige Einschränkung gibt es aber in der derzeitigen Testphase: Eine mögliche Versorgung via Satellit bildet die Karte bislang nicht ab.
Die Bundesnetzagentur betont, dass es sich um eine Testversion handelt. Sie setzt auf das Feedback von Nutzern, um die Datengrundlage zu validieren und die Anwendung kontinuierlich zu verbessern. Wer bei der Abfrage feststellt, dass sein Standort rot markiert ist oder die tatsächliche Leistung massiv von den theoretischen Werten abweicht, wird über das Tool direkt zu einem Kontaktformular geleitet. Dieses hat die Regulierungsbehörde bereits Ende 2024 überarbeitet, um Hürden zu entfernen.
Weitere Schritte
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Wichtig für die rechtliche Einordnung ist der Hinweis, dass die bloße Anzeige in der Karte noch keine automatische Verpflichtung für die Provider oder eine sofortige Rechtsgrundlage für Entschädigungen darstellt. Vielmehr dient die Anwendung als erste Orientierungshilfe und Beweissicherung für die Verbraucher. Bestätigt sich der Verdacht einer Unterversorgung im anschließenden Verfahren, kann die Bundesnetzagentur die Anbieter verpflichten, innerhalb klar definierter Fristen eine angemessene Versorgung herzustellen.
Profitiert haben noch nicht viele Bürger von dem 2021 geschaffenen Anspruch. Erst im März 2024 schritt der Regulierer erstmals ein und verpflichtete im Mai einen Provider, einen Haushalt in Deutschland mit Internet auf Basis der Verordnung zu versorgen. Mittlerweile hat er einige weitere solche Verpflichtungen ausgesprochen. Das Tool soll nun zu einem zentralen Instrument der Marktüberwachung werden. Es könnte den Druck auf die Netzbetreiber erhöhen, auch die letzten „weißen Flecken“ in der deutschen Breitbandlandschaft zu schließen.
(mki)
Künstliche Intelligenz
KI-Update Deep-Dive: KI im Recruiting zwischen Effizienz und Risiko
Vier Stufen der KI-Unterstützung
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Künstliche Intelligenz kann Unternehmen bei der Suche nach Arbeitskräften unterstützen. Wenn KI Bewerbungen vorsortiert, können Personalabteilungen viel Geld und Zeit sparen. Aber wer Recruiting-Prozesse automatisieren möchte, muss hohe rechtliche Hürden überwinden. Meine Kollegin Stella-Sophie Wojtczak von t3n sprach mit der Wirtschaftsprofessorin Claudia Bünte, über die Chancen, Herausforderungen und Stolperfallen, auf die man beim Einsatz von KI im Recruiting achten muss. Es geht um die Gefahr von Diskriminierung, rechtliche Risiken und den AI Act der Europäischen Union.

Laut Bünte kann KI in allen vier Phasen der „Kandidatenreise“ unterstützen. „Das ist einmal das Thema Sourcing, dann das Thema Screening, also ein Unternehmen guckt, ob die Bewerbung zu dem passt, was sie haben wollen, dann das Interview, und natürlich im besten Fall Hiring“, erläutert die Professorin. Bei allen diesen Aufgaben könne KI helfen, Routineaufgaben zu übernehmen. Das reicht von der Erstellung der Stellenanzeige mit Unterstützung eines Chatbots bis zur professionellen Analyse des gesamten Recruiting-Prozesses, um Schwachstellen zu identifizieren.
Effizienzgewinn mit Tücken
Besonders im Bereich des Screenings, also der Vorauswahl von Bewerbungen, kann KI ihre Stärken ausspielen. Sogenannte „Application Tracking Tools“ (ATS) können aus hunderten Bewerbungen die vielversprechendsten herausfiltern. „Da würde eine künstliche Intelligenz mir aus den 400 Bewerbungen vielleicht die 10 raussuchen, bei denen es sich lohnt, dass ich sie mir noch mal angucke“, sagt Bünte. Dies biete gerade bei größeren Unternehmen einen erheblichen Effizienzvorteil. Allerdings warnt sie auch vor den Gefahren, „weil dann eine KI unter Umständen entscheidet, welche 390 ich mir nicht mehr angucke.“
Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von KI-gestützten Chatbots auf der Unternehmensseite, die rund um die Uhr Fragen von Bewerberinnen und Bewerbern beantworten und so die Kommunikation verbessern. Wichtig ist ein deutlicher Hinweis, dass dort nicht ein Mensch, sondern eine KI antwortet. Dabei sollte das Unternehmen immer wieder überprüfen, ob der Chatbot so reagiert, dass es zur eigenen Marke passt, „Stichwort Employer Branding“, betont Bünte. Auch bei Videointerviews kann KI zum Einsatz kommen, um anhand von Sprache, Mimik und Antworten eine erste Einschätzung der Bewerberinnen und Bewerber vorzunehmen.
Hohe Strafen und die Gefahr der Diskriminierung
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Ein zentrales Problem beim Einsatz von KI im Recruiting ist die Gefahr der Diskriminierung. Bünte verweist auf eine Studie von 2019, die zeigte, wie KI-Systeme Frauen systematisch benachteiligten. Die KI wurde mit historischen Daten trainiert und leitete daraus ab, dass die Bestnote in einem Arbeitszeugnis bei einer Frau weniger wert sei als bei einem Mann. Um einen solchen Bias zu verhindern, sei es entscheidend, dass die für die KI verantwortlichen Teams im Unternehmen divers aufgestellt sind und die Ergebnisse der KI fortlaufend kontrollieren. „Wenn da, und ich übertreibe jetzt, wieder nur Männer sitzen, dann kann es sein, dass die kein dafür Gespür haben, weil das eine Gruppe ist, die eher am wenigsten in diesem ganzen Prozess diskriminiert wird.“
Zudem müssen Unternehmen den EU-AI-Act beachten. Dieses Gesetz stuft viele KI-Anwendungen im Personalwesen als „hohes Risiko“ ein. Dies zieht strenge Dokumentations- und Transparenzpflichten nach sich. „Im HR-Bereich geht es ja darum, dass man mit einer Entscheidung für oder gegen eine Kandidatin oder einen Kandidaten auch deren Leben massiv beeinflusst. Und deshalb ist es besonders wichtig, dass man nicht einfach ein Tool kauft, das eine Blackbox ist, und dann gar nicht merkt, dass man systematisch irgendeine Bewerbergruppe diskriminiert.“ Denn bei Verstößen gegen den AI Act drohen massive Strafen, die in die Millionen gehen können, warnt die Professorin.
Das richtige Werkzeug finden
Die Landschaft der KI-Tools im HR-Bereich ist groß und reicht von günstigen Spezialanwendungen für einzelne Aufgaben bis zu teuren Komplettsystemen. Bünte rät Unternehmen, sich nicht auf ein einziges Tool festzulegen und lange Vertragslaufzeiten zu meiden, da sich die Technologie schnell weiterentwickelt.
Für die Auswahl eines passenden Tools hat die Expertin einen praktischen Tipp: Man sollte es für etwa 45 Minuten testen. „Wenn ich nach 45 Minuten nicht den Eindruck habe, wow, das ist das Beste seit geschnitten Brot, das erleichtert mir das Leben, ich kann auch sofort damit umgehen. Wenn es das nicht schafft, dann ist es kein Tool für mich“, so Bünte. Grundsätzlich rät sie Personalverantwortlichen, sich beim der Auswahl und dem Einsatz des Tools intensiv mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen.
Der größte Fehler laut Bünte wäre jedoch, wenn ein Unternehmen aufgrund der rechtlichen Hürden entscheidet, lieber komplett die Finger von der KI-Unterstützung zu lassen: „Wir sind alle in einem War of Talents im Moment. Es gibt nicht genug gute Kandidatinnen und Kandidaten. Und wer jetzt ein Werkzeug nicht nutzt, das einem helfen kann, effektiver und effizienter Kandidaten und Kandidatinnen anzuziehen und zu betreuen, lässt sehr viel Potenzial liegen.“
Mehr von Stella-Sophie Wojtczak zum Thema Arbeitswelt hört Ihr jeden Freitag im Podcast „t3n Arbeit in Progress“.
(igr)
Künstliche Intelligenz
Bemannte Mondmission der NASA: Artemis-2 soll jetzt am 1. April starten
Die NASA will die Riesenrakete SLS kommenden Donnerstag zurück auf die Startrampe rollen: Wenn dabei und danach alles gut geht, soll damit dann am 1. April der erste bemannte Flug zum Mond starten. Das hat die US-Weltraumagentur jetzt mitgeteilt und erklärt, dass die Prüfung der Flugbereitschaft am gestrigen Donnerstag erfolgreich abgeschlossen wurde. Sollte der jetzt anvisierte Starttermin für die Mission Artemis-2 nicht gehalten werden können, gibt es an den fünf darauffolgenden Tagen weitere Startfenster. Andernfalls könnte die Mission auch noch am 30. April starten. Vor der jetzt erfolgten Freigabe haben Ingenieure festgestellt, dass eine Dichtung für die Probleme bei der jüngsten Generalprobe verantwortlich war, und das Bauteil repariert.
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Problemursache behoben
Ende Februar war die zweite Generalprobe für die Betankung der Rakete beendet worden. Dabei war es nicht gelungen, die Oberstufe ordnungsgemäß mit Helium zu betanken. Laut dem NASA-Chef war das Problem schon bei Artemis-1 aufgetreten. Für die Suche nach der Ursache musste die Riesenrakete zurück in das Montagegebäude, die Crew durfte die Quarantäne verlassen. Vorige Woche hat die US-Weltraumagentur dann erklärt, dass eine Schnellkupplung ausgebaut wurde, an der eine Dichtung den Durchfluss von Helium behindert hat. Das System sei danach wieder zusammengebaut worden. Bei der Gelegenheit seien auch andere Systeme der Rakete aufgefrischt worden.
Mit Artemis-2 will die NASA wieder Menschen zum Mond fliegen und ihn umrunden. Geplant war der Start zuerst für den 6. Februar, doch es kam zur ersten Verschiebung auf März. Die Crew besteht aus Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch von der NASA sowie dem Kanadier Jeremy Hansen. Auf ihrem zehntägigen Flug sollen sie zuerst die Erde umrunden und dann in Richtung des Erdtrabanten beschleunigen. Für den Flug dorthin sind danach vier Tage veranschlagt. Wenn alles klappt, sollen im kommenden Jahr Artemis-3 als Mission ohne Mondlandung starten, bevor dann 2028 Menschen auf dem Mond eintreffen sollen. Bei der ersten Mission des ambitionierten Artemis-Programms ist im Herbst 2022 eine unbemannte Kapsel um den Mond geflogen.
(mho)
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