Connect with us

Digital Business & Startups

Humanoide Robotersoldaten – Startup testet sie im Ukraine-Krieg


Phantom robot
Phantom, ein von Foundation entwickelter humanoider Roboter, wurde für eine Pilotdemonstration eines Szenarios zur Abholung von Lieferungen in die Ukraine entsandt. / Foto: Foundation

Humanoide Roboter könnten eines Tages anstelle von Soldaten aus Fleisch und Blut einige der gefährlichsten Aufgaben im Krieg übernehmen – und ein Startup testet diese Idee bereits in der Ukraine.

Sankaet Pathak, Mitbegründer und CEO von Foundation, sagte, es gebe eine „moralische Verpflichtung“, humanoide Roboter an die Front zu schicken, anstatt sie „in Küchen“ zu stellen.

„Ich fand all diesen Kram rund um den Heimgebrauch irgendwie dumm“, sagte Pathak gegenüber Gründerszene. „Ich finde, die Leute können ihren Kaffee selbst kochen und ihre Wäsche zusammenlegen. Ich dachte mir: ‚Wir müssen etwas anderes machen.‘“

Lest auch

Mit bis zu 5 Milliarden Euro bewertet: Das sind die 7 wichtigsten Defense-Tech-Startups Europas

Fortschritte in der Drohnentechnologie und Robotik sind mittlerweile zentraler Bestandteil des Arsenals der modernen Kriegsführung und ermöglichen präzise Angriffe in großem Umfang und zu geringeren Kosten; diese Fähigkeit hat jedoch nicht immer zu sauberen, risikofreien Operationen geführt.

Im Zeitalter intelligenter Waffen und KI-gestützter, autonomer Systeme birgt die moderne Kriegsführung nach wie vor ein hohes Risiko für zivile Opfer, insbesondere in dicht besiedelten städtischen Gebieten.

A robot packs boxes
Foundation will seine Roboter für Aufklärung und Versorgungslogistik einsetzen. /Foto: Foundation

Pathak sagte, der derzeitige Ansatz in der Kriegsführung sei oft „rohe Gewalt“, bei der entweder das Leben von Soldaten riskiert oder ein Gebäude zerstört werde, um ein einzelnes Ziel zu eliminieren.

Er glaubt, dass Humanoide in Zukunft „präzise“ Operationen durchführen könnten, wie zum Beispiel die Entführung eines Ziels. Kurzfristig könnten sie militärische Operationen wie Aufklärung und Logistik unterstützen.

Foundation gab bekannt, kürzlich einen Test durchgeführt zu haben, der den Weg für solche Missionen ebnen könnte.

Im Februar schickte das Startup zwei seiner Phantom-Roboter an einen nicht genannten Ort in der Ukraine für eine geschlossene Pilotdemonstration.

„Man hört Bomben explodieren. Man hört, wie der Strom ausfällt. Man befindet sich mitten in einem Kriegsgebiet“, sagte Pathak über den Besuch von Foundation in dem Land, das seit Jahren gegen eine russische Invasion kämpft. „Sobald man Kiew verlässt, sind die meisten Orte ein Schlachtfeld.“

Der CEO erklärte, der Phantom-Test habe sich ausschließlich auf die „Abholung von Nachschub“ konzentriert, um zu demonstrieren, dass zweibeinige Roboter effektiv „Nachschub von außen nach innen transportieren und verhindern können, dass ein Soldat beschossen wird“.

Es habe „großes Interesse an dem gegeben, was dem Unternehmen mitgeteilt wurde“, sagte Pathak. Ein Sprecher von Foundation erklärte, das Startup habe zudem einen Vertrag über 24 Millionen Dollar mit dem Pentagon abgeschlossen. Eric Trump, der Sohn des Präsidenten, wurde im März zum Chefstrategen ernannt.

Humanoide Truppen sind noch nicht einsatzbereit

Pathak sagte, er wolle das Pilotprojekt in der Ukraine nicht „überbewerten“. Es bestehe nach wie vor eine große Lücke zwischen einem Humanoiden, der langsam eine Testküche reinigen kann, und einem, der auf dem Schlachtfeld im Feuergefecht einen M4-Karabiner einsetzen kann.

Die Batterielaufzeit und die Haltbarkeit gehören zu den Einschränkungen. Pathak sagte, Robotersoldaten bräuchten eine längere Batterielaufzeit und müssten Wasser, Staub und Stößen standhalten.

Phantom, humanoid robot.
Pathak sagte, der Test habe gezeigt, dass zweibeinige Roboter für bestimmte Anwendungen eingesetzt werden können. / Foto: Foundation

Zuverlässige Manipulation – die Fähigkeit eines Roboters, einen Gegenstand aufzunehmen und etwas damit zu tun, wie zum Beispiel den Abzug eines Gewehrs zu betätigen – bleibt ebenfalls ein großes technologisches Hindernis.

„Derzeit besteht die große technische Hürde darin, eine hochgeschickte Hand zu bauen, die zuverlässig und einfacher herzustellen ist, nicht zu massiv und nicht zu teuer“, sagte Pathak.

Der CEO gab ehrgeizige Prognosen zur Bewältigung dieser Herausforderungen ab und erklärte, dass die wichtigsten technischen Hürden innerhalb weniger Jahre überwunden werden könnten und dass humanoide Roboter innerhalb von fünf bis zehn Jahren komplexe Missionen wie die Zielerfassung durchführen könnten.

Roboter sollen Erlaubnis von Menschen bekommen, bevor sie andere Menschen töten

Über die technischen Fragen hinaus sind auch ethische Dilemmata im Zusammenhang mit autonomen Waffen zu berücksichtigen, darunter Bedenken hinsichtlich der Verantwortlichkeit, wenn Menschen nicht mehr in den Entscheidungsprozess eingebunden sind.

Pathak sagte, dass es zwar keine einfache Grenze gebe, die man um Autonomie ziehen könne, man aber unter normalen Umständen „wahrscheinlich einen Menschen im Regelkreis haben wolle, bevor irgendeine Art von Tötungsaktion ausgelöst wird“. Viele westliche Streitkräfte haben dies angesichts der rasanten technologischen Fortschritte bei künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen zu einer Priorität gemacht, auch wenn das Ausmaß weiterhin aktiv diskutiert wird.

Lest auch

Wer setzt sich in Defense-Tech durch? Arx-Gründer über Panzer der Zukunft, Startup-Allianzen und Europas neue Verteidigung

„Wenn man also tatsächlich eine Waffe abfeuern muss, braucht man einen Menschen, der das wirklich genehmigt, was heute auch bei Drohnen der Fall ist“, sagte er. „Aber auch in diesen Fällen gibt es Ausnahmen, wie zum Beispiel eine Anti-Drohnen-Kanone oder das Iron Dome-System. Bei diesen kann man nicht auf menschliche Reaktionszeiten warten, da die Alternative eine 100-prozentige Gewissheit des Todes ist.“

Wettrennen um KI-Waffen

Die Verteidigungsindustrie insgesamt treibt Robotik und autonome Waffen als eine Frage der nationalen Sicherheit voran. Palmer Luckey, Mitbegründer von Anduril, hat wiederholt erklärt, dass die Vereinigten Staaten China bei KI-Waffen voraus sein müssen. Der oberste US-Admiral im Pazifik sagte diese Woche, dass der Vorsprung der USA gegenüber China bei der KI-Technologie bestenfalls nur sechs Monate bis ein Jahr betrage.

Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen hat sich Foundation besonders deutlich zum Einsatz von Humanoiden auf dem Schlachtfeld geäußert.

„Mut ist ein knappes Gut“, sagte Pathak und argumentierte, dass in China keine vergleichbare Debatte über militärische Humanoide geführt werde und dass die USA, Europa und ihre Verbündeten wachsam sein müssten. „Wenn man eine Utopie aufbaut“, sagte er, „muss man in der Lage sein, sie zu verteidigen.“





Source link

Digital Business & Startups

Machtwechsel bei Earlybird: „Bauen dauerhafte Legacy“ – Neues Führungsteam beim Kult-VC




Earlybird übergibt an die nächste Generation. Was das für Strategie, Investments und den VC-Markt bedeutet.



Source link

Weiterlesen

Digital Business & Startups

WIN-Initiative investiert 2,64 Milliarden Euro in Startups – ohne Steuergeld


Mit der WIN-Initiative sollen bis 2030 zwölf Milliarden Euro in Startups und Scaleups fließen. Der erste Report zeigt Fortschritte – aber es wird auch deutliche Kritik an Tempo und Strategie laut.

WIN-Initiative investiert 2,64 Milliarden Euro in Startups – ohne Steuergeld

Katharina Beck (Bündnis 90/Die Grünen) findet lobende Worte – aber kritisiert auch offene Baustellen bei der Umsetzung der WIN-Initiative.
picture alliance / dts-Agentur

WIN-Initiative auf Kurs: Gemeinsam mit dem Bundesfinanz- und dem Bundeswirtschaftsministerium hat die KfW den ersten Jahresreport zum Programm für Wachstums- und Innovationskapital vorgelegt. Die Bilanz für 2025 fällt positiv aus. Aber Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen und Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst mahnen: Trotz Fortschritten gebe es weiterhin entscheidende Stellschrauben zu drehen.

Darum geht es bei der WIN-Initiative

Die Initiative wurde im September 2024 unter der Ampel-Regierung von Bundesfinanzministerium, Bundeswirtschaftsministerium, Bundeskanzleramt, der KfW, Unternehmen und Verbänden gegründet, um privates Kapital für Startups und Scaleups in Deutschland zu mobilisieren.

Hierzu zählen Beteiligungen an jungen Unternehmen – als direkte Investments, über Venture-Capital-Fonds oder -Dachfonds. Weitere Investitionen umfassen etwa Fremdkapital für diese Unternehmen. Das Ziel ist, bis 2030 Investitionen von zwölf Milliarden Euro zu erreichen. Im Auftrag der Bundesregierung koordiniert die KfW die WIN-Initiative.

Lest auch

„Ziemlich dumm“: CEO rechnet mit Informatikstudium-Hype ab

Das sind die Ergebnisse des Reports

Die Ergebnisse des Jahresreports: Bis Ende 2025 wurden 2,64 Milliarden Euro von insgesamt 12 Milliarden Euro zugesagten Commitments in den Markt investiert. Thematisch konzentrieren sich Investitionen in junge Unternehmen mit den Schwerpunkten KI, Klima- sowie Sicherheits- und Verteidigungstechnologien.

61 Prozent des Kapitals fließt nach Deutschland. 37 Prozent der Investitionen fließt in den europäischen Markt, heißt es in einer Mitteilung des Bundesministeriums der Finanzen, des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und der KfW. Rund 67 Prozent der Milliardensumme flossen in Scaleup-Unternehmen in fortgeschrittenen Wachstumsphasen. Zehn Prozent gingen an Startups, 18 Prozent wurden als Seed-Kapital in Early-Stage-Gründerinnen und Gründer investiert.

Ein Großteil der Mittel sei demnach in klassische Venture-Capital-Fonds (51 Prozent) geflossen. Direktinvestitionen in Unternehmen machen acht Prozent aus, Venture-Capital-Dachfonds sechs Prozent.

Lest auch

Wie das KI-Startup Logicc in nur 6,5 Monaten die erste Million ARR knackte

„Wir arbeiten weiter daran, die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafts- und Innovationsstandorts Deutschland zu stärken. Wir wollen in zentralen Bereichen Technologieführerschaft erreichen“, sagt Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. „Mit dem Standortfördergesetz hat die Bundesregierung außerdem die Rahmenbedingungen für junge und innovative Unternehmen maßgeblich verbessert. Das schafft die Arbeitsplätze von morgen und stärkt unsere Souveränität.“

Lob für Fortschritte der Startup-Förderung

Zuletzt hatte das Bündnis 90/Die Grünen scharfe Kritik an der Umsetzung geübt. Nun gibt es lobende Worte von Katharina Beck (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecherin für Finanzpolitik und Berichterstatterin: „Die WIN-Initiative ist im Plan, das ist nach einem Jahr großer Untätigkeit der neuen Bundesregierung endlich eine gute Nachricht für den Startup-Standort Deutschland. 2,64 Milliarden Euro in gut einem Jahr, 6 von 10 Maßnahmen umgesetzt, Pensionskassen mit mehr Spielraum für VC-Investitionen durch die angehobene Risikokapitalquote, Standortfördergesetz verabschiedet. Das zeigt, dass dieser Ansatz funktioniert. Gekostet hat es den Steuerzahler nichts.“

Grüne fordern konkrete Schritte für 25-Milliarden-Ziel

Trotzdem hapere es noch an einigen Stellen, insbesondere die Kommunikationsstrategie der Bundesregierung wird von den Grünen kritisiert. Keine Pressekonferenz, kaum Kommunikation durch die Bundesregierung – es sei einfach zu still um den Report. „Reiche und Klingbeil verkennen ganz offensichtlich das riesige Potenzial der WIN-Initiative. Wer neue Investoren gewinnen und weitere Commitments mobilisieren will, muss auch öffentlich dafür eintreten.“ Dieses Signal bleibe aus.

Lest auch

„Wir müssen lernen zu verlernen“: Warum OpenAIs Startup-Chefin für Europa ein radikales Umdenken fordert

Und noch eine weitere Forderung haben die Grünen, denn die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag das Ziel formuliert, das Kapital auf über 25 Milliarden Euro zu verdoppeln. Aber: „Eine Verdoppelung setzt voraus, dass die Bundesregierung konsequent handelt. Davon ist nichts zu sehen“, sagt Katharina Beck. Deshalb fordert sie, dass sich die Regierung nun für die geplante Verdoppelung einsetzen müsse.

Bitkom fordert mehr Tempo

Auch die noch vier noch offenen WIN-Maßnahmen, darunter die Stärkung von Dachfondsstrukturen und die Reform der privaten Altersvorsorge sollten ebenfalls zügig umgesetzt werden, so Beck. „Auf europäischer Ebene braucht Deutschland eine stärkere Verhandlungsposition beim 28. Regime einem einheitlichen Rechtsrahmen, der Gründen und Skalieren in Europa für alle erleichtern würde.“

Wo es wirklich zählt, sind die Beteiligten die Umsetzung noch schuldig.

Dr. Ralf Wintergerst

Bitkom-Präsident

Auch der Digitalverband Bitkom mahnt in einer Mitteilung, dass es weitere Schritte brauche, um die Wachstumskapital-Lücke wirklich zu schließen. „Ausgerechnet dort, wo es wirklich zählt, sind die Beteiligten der WIN-Initiative noch die Umsetzung schuldig“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Für Stiftungen und Family Offices muss es attraktiver werden, in Startups zu investieren.

Und vor allem Pensionskassen und Versorgungswerke müssen einen Teil ihres Kapitals in junge Technologieunternehmen investieren – davon würden beide Seiten profitieren, weil dann auch breite Bevölkerungsteile am Erfolg von Startups teilhaben könnten. Und schließlich müssen Investoren, die wie zum Beispiel Business Angels frühzeitig in Startups eingestiegen sind, ihre Anteile auch weiterverkaufen können.“ Er fordert mehr Sichtbarkeit für diese Themen und deutlich mehr Tempo von der Politik gefragt.





Source link

Weiterlesen

Digital Business & Startups

Wachstum ohne Chaos: 3 Wege, wie Teams gesund skalieren


Der Begriff „Wachstumsschmerzen“ wird im Startup-Kontext inzwischen fast schon reflexartig benutzt. Klingt nach etwas, das man nun mal aushalten muss, wenn’s vorangeht. Nur: Die Schmerzen spürt nicht das Unternehmen, sondern die Menschen, die dort arbeiten. Dieser Gastbeitrag zeigt drei Wege auf, um Teams gesund wachsen zu lassen.

Wenn wir von „Wachstumsschmerzen“ sprechen, meinen wir auf Unternehmensseite meist Dinge wie sinkende Effizienz, mehr Abstimmung, neue Komplexität. Plötzlich dauert alles länger, die Produktivität sinkt, Prioritäten verschwimmen.

Für die Menschen, die dort arbeiten, fühlt sich das deutlich konkreter an: Überforderung, Überlastung, Frust. Entscheidungen ziehen sich ewig, werden von fünf Leuten gleichzeitig getroffen – oder von niemandem. Verantwortlichkeiten werden unscharf, Orientierung geht verloren.

Wer sauber skalieren will, muss sich genauso konsequent, strukturiert und analytisch mit den Menschen in seinem Unternehmen beschäftigen wie mit seinem Finanzplan. Was in vielen Ratgebern als „Soft Topic“ nebenbei abgehandelt wird, ist in Wahrheit eine knallharte Bedingung für Erfolg oder Misserfolg: Sind die richtigen Leute zur richtigen Zeit in den richtigen Rollen?

Sich damit ehrlich auseinanderzusetzen, ist unangenehm. Einem Excel-Sheet gegenüber ist man eben deutlich weniger loyal als den allerersten Leuten im Team – denn es hat weder die dritte Nacht in eurer ersten Due Diligence mit dir durchgemacht, noch den ersten großen Kundenabschluss mit dir gefeiert.

Und genau deshalb wird es schwierig: Die Menschen, die in der Gründungsphase alles mitgetragen haben und oft längst mehr als nur Kolleg:innen sind, sind nicht automatisch die richtige Besetzung für die Rollen, die daraus entstehen.

Um das Problem greifbarer zu machen, hilft es, ihm einen Namen zu geben. Zwei Phänomene beschreiben diese frühe Skalierungsfalle besonders gut: Heritage Hires und Ghost Positions.

Heritage Hires: Loyalität als Wachstumsbremse 

Der Effekt ist bekannt und wiederholt sich tausendfach: Ein junges Unternehmen startet mit einem Gründungsteam und ein paar Mitarbeitenden. Mit dem ersten Wachstumsschub werden Mitarbeitende zu Teamleads, später zu „Head of“ – und plötzlich hat das Unternehmen einen Finanzchef, der erst vor kurzem seinen Uni-Abschluss gemacht hat und noch nie mehr als zwei Menschen gleichzeitig geführt hat. Der Begriff dafür ist „Heritage Hire“.

Das Beispiel ist plakativ, aber nicht aus der Luft gegriffen. Denn oft ist es gar nicht so, dass die Besetzung von Anfang nicht gepasst hat – sondern dass sich die Rolle im Wachstum stark verändert hat.

Jemand, der als CFO in einer frühen Phase mit einer GmbH-Struktur sehr gut klar gekommen ist, kann plötzlich vor einer völlig anderen Realität stehen: internationale Expansion, mehrere Tochtergesellschaften, unterschiedliche Währungen, vielleicht noch ein M&A-Case, der integriert werden muss. Das ist nicht einfach mehr vom Gleichen, sondern eine grundlegend andere Rolle mit anderen Anforderungen. 

Dass trotzdem oft sehr lange an offensichtlich falschen Besetzungen festgehalten wird, hat nachvollziehbare Gründe. Gerade in der Anfangsphase entstehen enge Bindungen – vor allem aber Vertrauen. Man weiß, wie der andere arbeitet, wie er denkt, wie er Entscheidungen trifft. Und genau deshalb ist die Versuchung groß, diesen positiven Faktoren mehr Gewicht zu geben als der unbequemen Realität: dass die Anforderungen der Rolle längst nicht mehr zu dem passen, was die Person aktuell leisten kann – und dass dieser Abstand ab einem gewissen Punkt auch nicht mehr sinnvoll aufzuholen ist.

Langfristig schadet es dem Unternehmen, wenn Gründer:innen in dieser Situation den Konflikt scheuen – und zwar gleich doppelt. Zum einen für die Person selbst: Wer dauerhaft in einer Rolle steckt, die überfordert, hat weder ein gutes Arbeitserlebnis noch einen sinnvollen Rahmen, um sich weiterzuentwickeln. Zum anderen für das Unternehmen: Die Rolle liefert nicht den Output, den es braucht. Entscheidungen bleiben liegen, Projekte kommen nicht voran, Verantwortung versandet.

Die Organisation reagiert darauf oft ziemlich pragmatisch: Sie sucht sich Wege um die Probleme herum, um arbeitsfähig zu bleiben. Dinge werden selbst oder in anderen Abteilungen erledigt, Entscheidungen bei anderen Personen eingeholt – bis die überforderte Rolle faktisch umgangen wird. So entsteht schleichend das, was man eine „Ghost Position“ nennen kann.

Ghost Positions: Schattenstrukturen zur Schmerzvermeidung

Das Perfide an Ghost Positions ist, dass sie nicht von Anfang an sichtbar sind. Erst langsam entstehen die Schattenstrukturen rund um die überforderten Kolleg:innen herum, oft sogar noch unfreiwillig unterstützt vom Management: Neue Expert:innen werden eingestellt, weil in einem bestimmten Teil des Unternehmens Probleme sichtbar werden. Kurzfristig scheint das Problem gelöst, in Wahrheit aber verstärkt sich der Geistereffekt. Schlussendlich steht man als Management mit höheren Lohnkosten und mit Expert:innen da, die unzufrieden sind, weil sie neben ihrem Job einen in ihrer Wahrnehmung inkompetenten Vorgesetzten anleiten müssen.

Diese Effekte sind so häufig, dass sie für viele eigentlich erfolgreiche Startups zur echten Skalierungsfalle werden. Dabei gibt es Wege, loyale Mitarbeitende zu halten, ohne dafür Wachstum opfern zu müssen. In meinem Beratungsalltag haben sich drei Dinge herauskristallisiert, die so gut wie alle erfolgreich skalierenden Startups gemein haben.

  1. Scheue dich nicht, Menschen einzustellen, die mehr Erfahrung haben als dein Team

Spätestens beim ersten echten Wachstumsschub reicht es nicht mehr, Rollen „mitwachsen zu lassen“. Gründer:innen müssen anfangen, ihre bestehenden Rollen klar zu beschreiben: Welchen Output soll diese Rolle in den nächsten sechs bis zwölf Monaten liefern? Wie lässt sich messen, ob das gelingt? Und welche Erfahrung braucht es dafür realistisch?

Der entscheidende Schritt ist dann der ehrliche Abgleich: Passt die aktuelle Besetzung noch zu dem, was die Rolle inzwischen verlangt?

Manchmal bedeutet das, eine neue Rolle zu schaffen, inklusive Veränderungen im Organigramm – und gezielt jemanden mit mehr Erfahrung zu holen. Manchmal bedeutet es auch, einem bestehenden Teammitglied einen Titel wieder zu nehmen, weil sich hinter diesem Titel inzwischen ein komplett anderer Job verbirgt als noch vor einem Jahr.

Der Versuch, fehlende Erfahrung einfach mit Expert:innenpositionen ohne Führungsverantwortung zu ergänzen, greift meist zu kurz. Zusätzliche Expertise im Team hilft nur dann, wenn die Rolle darüber klar und stabil geführt ist. Ist sie das nicht, bleibt die Überforderung bestehen – und das eigentliche Problem ungelöst.

  1. Befördere nicht automatisch – ermögliche echte Weiterentwicklung 

Viele Heritage Hires und Ghost Positions entstehen aus einem simplen Reflex: Entwicklung wird mit Beförderung gleichgesetzt. Und Beförderung heißt oft automatisch mehr Titel – und vor allem mehr Führungsverantwortung. Das Problem: Nicht jede:r ist ein guter Vorgesetzter. Und nicht jede Rolle braucht einen.

Gerade in wachsenden Startups rutschen deshalb viele Menschen in Führungspositionen, obwohl ihre Stärke eigentlich woanders liegt – in Fach-, Projekt- oder Stabsrollen. Rollen, in denen sie oft deutlich mehr Wirkung hätten.

Die Alternative ist weniger spektakulär, aber deutlich sinnvoller: Weiterentwicklung neu denken. Mehr Verantwortung, größere Themen, mehr Einfluss – ohne zwingend einen Titel- oder Führungssprung.

Dafür braucht es Klarheit und Kommunikation. Mitarbeitende müssen verstehen, dass Karriere nicht automatisch „größere Teams führen“ bedeutet, sondern vor allem „mehr beitragen“. Und Gründer:innen müssen aktiv Wege schaffen, auf denen genau das möglich ist.

Realistische Entwicklungspfade verhindern, dass Menschen in Rollen gedrängt werden, die sie fachlich oder menschlich überfordern – und sorgen gleichzeitig dafür, dass Potenzial dort eingesetzt wird, wo es wirklich wirkt.

  1. Kläre Verantwortung radikal – sonst macht es die Organisation für dich

Ghost Positions entstehen nicht, weil niemand entscheiden will – sondern weil unklar ist, wer es soll.

In frühen Phasen funktioniert vieles über Zuruf. Jeder weiß ungefähr, wer woran arbeitet. Mit Wachstum kippt das. Plötzlich hängen Themen zwischen Rollen, Entscheidungen bleiben liegen oder werden doppelt getroffen.

Die Lösung klingt erstmal nach unnötigem Verwaltungsaufwand: Rollen und Verantwortlichkeiten sauber zu definieren und – das ist der Trick – auch zu implementieren. Das klingt banal, wird aber erstaunlich selten sauber gemacht. Stattdessen entstehen Grauzonen, in denen sich die Organisation selbst auflöst: Entscheidungen wandern zu den Lautesten, Schnellsten oder Verfügbarsten.

Wer gesund skalieren will, muss hier aktiv gegensteuern. Klare Zuständigkeiten sorgen nicht nur für bessere Entscheidungen, sondern entlasten auch das Team. Weil plötzlich wieder klar ist, woran man ist – und worauf man sich verlassen kann.

Über die Autorin
Marion Nöldgen ist Gründerin von Clearimpact und berät Unternehmen zu Leadership und  Organisationsentwicklung in Wachstums- und Transformationsphasen. Zuvor hat sie zehn Jahre lang innovative Unternehmen in den Energie- und Technologiesektoren aufgebaut, erfolgreich skaliert und internationalisiert. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Strategie und Umsetzung und unterstützt Unternehmen dabei, Klarheit in wachsender Komplexität zu schaffen.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): KI



Source link

Weiterlesen

Beliebt