Künstliche Intelligenz
Klage gegen Cloud-Abgabe: Der Verband CISPE zieht in Italien vor Gericht
Die jahrelange Debatte über die Urheberrechtsabgabe erreicht eine neue Eskalationsstufe. Der europäische Cloud-Verband CISPE hat eine Klage gegen ein Dekret des italienischen Kulturministeriums eingereicht. Dieses sieht vor, die traditionelle Geräteabgabe für physische Speichermedien wie Festplatten, Smartphones oder Rohlinge auf Cloud-Dienste auszuweiten. Nach Ansicht der Lobbygruppe verstößt dieser Schritt sowohl gegen italienisches als auch europäisches Recht. Er gefährde den digitalen Binnenmarkt.
Weiterlesen nach der Anzeige
Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Latium könnte Signalwirkung für die EU haben. Denn auch in anderen Mitgliedstaaten wie Deutschland und Österreich wird über ähnliche Modelle diskutiert.
Historisch dient die Urheberrechtsabgabe dazu, Kreative und Rechteinhaber dafür zu entschädigen, dass Verbraucher legale Privatkopien von geschützten Werken wie Musik, Filmen oder Texten anfertigen. In Italien ist diese Pauschalzahlung bereits fest verankert: Jeder Server und jede Festplatte, die in einem Rechenzentrum verbaut wird, unterliegt beim Kauf einer entsprechenden Abgabe an die Verwertungsgesellschaften.
Die Ausweitung auf Cloud-Speicher bedeutet nach Darstellung der Kläger, dass derselbe Vorgang zweifach finanziell aufgerechnet wird. Die Cloud-Infrastruktur basiere auf Hardware, für die bereits beim Erwerb Abgaben entrichtet worden seien. Daher handele es sich um eine Doppelbesteuerung, die Anbieter und letztlich Endkunden unverhältnismäßig belaste.
Vorwurf von Verfahrensfehlern und Alleingängen
Die Allianz Cloud Infrastructure Services Providers in Europe führt auch schwerwiegende Verfahrensfehler ins Feld. Das italienische Ministerium habe seine Kompetenzen überschritten, indem es den Geltungsbereich eines bestehenden Gesetzes per Dekret ohne die erforderliche Zustimmung des Parlaments ausgeweitet habe. Zudem wäre die italienische Regierung verpflichtet gewesen, die EU-Kommission vorab über das Vorhaben zu informieren („Notifizierung“) und eine offizielle Stellungnahme des italienischen Staatsrates einzuholen.
Der Verband warnt vor den Konsequenzen: Sollte die italienische Regel Bestand haben, drohe eine Fragmentierung des europäischen Marktes. Jedes EU-Land könnte eigene, unkoordinierte Cloud-Abgaben einführen. Österreich preschte hier ebenfalls bereits vor.
Ein Punkt der Cloud-Anbieter betrifft den Wandel der Mediennutzung. In Zeiten von Streaming-Diensten wie Spotify oder Netflix werden geschützte Inhalte kaum noch lokal oder in einer persönlichen Cloud repliziert, sondern direkt über lizenzierte Plattformen abgerufen. Die Urheber werden dabei schon über die Streaming-Plattformen für die tatsächliche Nutzung entlohnt.
Weiterlesen nach der Anzeige
Zudem besteht der Großteil der in der Cloud gespeicherten Daten laut dem CISPE aus geschäftlichen Dokumenten, Firmenanwendungen oder rein privaten Backups, die keine urheberrechtliche Relevanz haben. Eine pauschale Abgabe auf Cloud-Speicher sei daher nicht zeitgemäß. CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance kritisiert das italienische Vorgehen scharf. Er drängt auf den Einsatz von digitalem Rechtekontrollmanagement (DRM), statt pauschale Töpfe ohne transparenten Verteilungsmechanismus zu füllen.
Die Situation in Deutschland und der EU-Rahmen
In Deutschland regelt das Urheberrechtsgesetz die Geräte- und Speichermedienabgabe, die von der Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ) verwaltet wird. Seit Jahren fordern Verwertungsgesellschaften auch hier eine Einbeziehung von Cloud-Speichern, da immer mehr Daten von lokalen Festplatten ins Netz wanderten.
Die Debatte ist von langwierigen Verhandlungen und juristischen Auseinandersetzungen zwischen der Industrie und den Rechteinhabern geprägt. Das Oberlandesgericht München entschied 2024 in einem Verfahren gegen Dropbox, dass Cloud-Dienste keine vergütungspflichtigen Vervielfältigungsgeräte oder Speichermedien sind.
Die EU-Urheberrechtsrichtlinie von 2019 lässt den Mitgliedsländern dem Europäischen Gerichtshof zufolge Spielräume bei der Gestaltung des „gerechten Ausgleichs“. Der freie Dienstleistungsverkehr muss aber gewahrt werden. Das italienische Verfahren wird daher auch von hiesigen Experten und Branchenvertretern aufmerksam verfolgt.
(wpl)
Künstliche Intelligenz
Post zum Freitag: Wem gehört das digitale Ich?
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wissen Sie spontan, wie viele Karten in Ihrem Portemonnaie stecken? Neben EC- und Kreditkarten meist Ausweise, Führerschein, Krankenversicherungskarte, Kundenkarten – das dürfte für viele noch eine eher kurze Liste sein. Die EU will das ändern und all das in einer einzigen digitalen Brieftasche bündeln. Klingt praktisch? Falk Steiner und Viola Heeger haben sich genauer angeschaut, warum die EUDI-Wallet trotz überzeugender Idee einen holprigen Start vor sich hat. Denn zwischen dem Versprechen einer staatlich kontrollierten, datenschutzfreundlichen Lösung und der Realität klafft noch eine gehörige Lücke. Hinzu kommt, dass Apple und Google mit ihren Wallet-Apps längst Fakten geschaffen haben.
Weiterlesen nach der Anzeige
Dabei ist der Wunsch nach mehr Kontrolle über die eigenen Daten längst kein Nischenthema mehr. Auch beim alltäglichen Online-Shopping hinterlassen wir weit mehr Spuren, als uns bewusst ist. Amazon, eBay und andere bauen Trackinginformationen direkt in die Browser-URL ein, selbst dann, wenn man einen Link nur an Freunde weitergibt. Unser Ratgeber zeigt, wie Sie bei Amazon, eBay und Co. datensparsam einkaufen und Tracking-URLs geschickt umgehen. Ein praktisches Bookmarklet hilft dabei, diese Spuren zu verwischen, ohne auf den Komfort des Online-Shoppings verzichten zu müssen.

Meist trifft man die Datenkraken schon, bevor das Päckchen vor der Haustür liegt.
(Bild: Jessica Nachtigall / KI / heise medien)
Wer seine digitale Unabhängigkeit nicht nur privat, sondern auch im Arbeitsalltag ernst nimmt, dem empfehle ich unseren Hintergrundartikel darüber, wie Unternehmen den Wechsel zu einer souveränen Kollaborationsplattform erfolgreich meistern. Der Impuls, schnell eine neue Lösung einzuführen, ist verlockend, aber auch riskant. Verlorene Akzeptanz bei den Mitarbeitenden lässt sich kaum durch Nachbesserungen zurückgewinnen.
Wer sein Zuhause smarter machen möchte, hat dieser Tage die Qual der Wahl. Mein Kollege Sven Hansen hat sich IKEAs Smart-Home-System noch einmal genauer angeschaut, und das Ergebnis ist deutlich erfreulicher als beim ersten Test vor einigen Jahren. In seinem Testbericht lesen Sie, wie sich IKEAs Dirigera-Zentrale mit Matter-Unterstützung im Alltag schlägt. Schick, günstig und einfach zu bedienen, das klingt nach IKEA, und dieses Mal stimmt es auch für das Smart-Home-System.
Sie wollen Ihr smartes Zuhause nicht nur mit fertigen Produkten, sondern auch mit eigener Logik zum Leben erwecken? Dann liefern wir Ihnen eine verständliche Einführung, wie Sie in Home Assistant Automationen auch als Einsteiger sinnvoll anlegen und Fehler mit der Traces-Funktion aufspüren. Von der einfachen Wenn-Dann-Regel bis zur verschachtelten Bedingungslogik macht es der neue Automations-Editor auch Neulingen leichter.
Die SSD-Preise sind zwar gestiegen, aber es gibt noch Schnäppchen, wenn man weiß, wo man suchen muss. Wir haben acht aktuelle USB-SSDs mit ein und zwei Terabyte unter die Lupe genommen und im Vergleichstest ermittelt, welche externen Flash-Speicher ihr Geld wirklich wert sind.
Weiterlesen nach der Anzeige
Zum Abschluss habe ich noch zwei Empfehlungen für Bastler und Foto-Enthusiasten. Mein Kollege Jan Schüßler hat ein Projekt vorgestellt, das mich sofort begeistert hat, nämlich wie man aus einem Raspberry Pi Pico 2 für weniger als zehn Euro eine vollwertige USB-Soundkarte mit DSP-Funktionen baut. Acht Ausgangskanäle, Toslink-Ausgang und digitale Frequenzweiche für weniger als den Preis eines Döners, das hat schon was.
Falls Sie lieber mit der Kamera als mit dem Lötkolben hantieren, dann dürfte Sie das Duell zwischen Leicas Leitzphone und Panasonics Kompaktkamera L10 interessieren. Darin beantworten wir die Frage, ob High-End-Smartphones klassische Kameras endgültig verdrängen können. Das Ergebnis ist überraschender, als man denken könnte.
Ein entspanntes Wochenende und viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr
Volker Zota
(Chefredaktion heise medien)
(vza)
Künstliche Intelligenz
E-Scooter-Unfälle: Vermieter haften künftig verstärkt
Bei Unfällen mit E-Scootern gelten künftig strengere Regeln für deren Vermieter. Der Bundestag hat am späten Donnerstagabend, den 9. Juli 2026, eine Gesetzesänderung verabschiedet, durch die die Geschädigten leichter an Schadenersatz kommen sollen. „Wer mit der Vermietung von E-Scootern Geld verdient, muss auch Verantwortung für die Schäden übernehmen, die mit seinen Fahrzeugen verursacht werden“, erläuterte Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) im Vorfeld das Vorhaben.
Weiterlesen nach der Anzeige
Deshalb führt der Bundestag eine verschuldensunabhängige Halterhaftung ein. Damit muss der Betreiber einer E-Roller-Flotte für die Unfallkosten aufkommen, wenn es nicht gelingt, den eigentlichen Verursacher zu belangen. Bei Unfällen mit parkenden Elektroscootern müssen Geschädigte außerdem nicht mehr nachweisen, dass ein Fahrer das Fahrzeug fehlerhaft abgestellt hat. Das Gesetz tritt allerdings erst zum Beginn des auf die Verkündung folgenden Quartals in Kraft; das wäre dann zum Oktober der Fall. Der Bundesrat hatte bereits im Mai keine Einwendungen erhoben.
Drastischer Anstieg von Unfällen
Seit in Deutschland immer mehr E-Scooter unterwegs sind, ist die Zahl der Unfälle mit sogenannten Elektrokleinstfahrzeugen deutlich gestiegen – laut Statistischem Bundesamt von etwa 5900 im Jahr 2020 auf rund 12.000 im Jahr 2024. Bislang blieben Geschädigte oft auf ihren Kosten sitzen, weil die Elektroroller von den strengen Haftungsregeln für Kraftfahrzeuge ausgenommen waren.
Die Gesetzesänderung betrifft aber nur „selbstbalancierende“ Fahrzeuge wie Elektroroller und sogenannte Segways. Sitzrasenmäher sind damit ebenso von den verschärften Haftungsregeln ausgenommen wie Elektromobile für Gehbehinderte.
Lesen Sie auch
(afl)
Künstliche Intelligenz
KI-Update Deep-Dive: KI im Handwerk – Mehr als nur ein Werkzeug
Erst der Mensch, dann der Prozess, dann die KI
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) wird oft als Lösung für Effizienzprobleme in Unternehmen gesehen. Doch im Handwerk, wo praktische Arbeit im Vordergrund steht, sieht die Realität häufig anders aus. Anstatt Produktivitätsgewinne zu erzielen, erleben viele Betriebe, dass die neue Technologie vor allem eines tut: Sie macht bereits vorhandenes Chaos sichtbar, erklärt Dominik Heckner im Podcast. Er ist Geschäftsführer der Heckner Coaching GmbH und hat sich auf die Beratung von Betrieben im Elektrohandwerk spezialisiert.

„Wenn ich erwarte, dass die KI gewisse Dinge für mich übernimmt, mit denen sich bereits der Inhaber schwertut, der seit 10 oder 20 Jahren sein Unternehmen führt, wie soll die KI ohne große Anleitung diesen Job besser machen?“, fragt Heckner im Gespräch. Für ihn ist die richtige Reihenfolge entscheidend: „In jedem Unternehmen, völlig unabhängig von der Branche, gibt es drei Ebenen. Du hast Prozess, Mensch und Technologie. Und die richtige Reihenfolge ist natürlich Mensch, Prozess, Technologie.“

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Die Basis muss stimmen: Ohne Struktur kein Erfolg
Bevor KI-Tools sinnvoll eingesetzt werden können, müssen die Grundlagen im Betrieb stimmen. Heckner betont, dass eine der wichtigsten Voraussetzungen ein klares Organigramm und definierte Stellenbeschreibungen sind. Daraus ergeben sich dann individuelle Bedürfnisse und Möglichkeiten der Unternehmen.
Ist ein Unternehmen gut aufgestellt und die Strukturen gefestigt, kann KI in vielen Bereichen unterstützen: in der Lagerverwaltung, bei der Baustellenplanung, bei Mitarbeitergesprächen, in der schnelleren Kommunikation mit Kunden oder mit automatisierten Angeboten. Dabei gilt es auch immer, die Bedürfnisse und Bedenken der Belegschaft im Blick zu haben, „denn ansonsten wird es ein Kreuzzug, den der Chef alleine führt.“
Weiterlesen nach der Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externer Podcast (Podigee GmbH) geladen.
Sinnvolle Anwendungsfälle und ihre Grenzen
Ein konkreter Anwendungsfall ist die Erstellung eines digitalen Betriebshandbuchs, auf das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über einen Bot zugreifen können. Darin werden Fragen zu Arbeits- und Pausenzeiten, zum Umgang mit Material oder Fahrzeugen sowie zu Verwaltungsabläufen beantwortet. „Der Mitarbeiter kann auf der Baustelle ganz einfach über das Smartphone sagen, ‚ich habe folgenden Anwendungsfall, wie soll ich das technisch lösen?‘ Und dann untersucht die KI das Skript und gibt eine konkrete Antwort“, erklärt Heckner. Da die KI hierbei auf einen kontrollierten Wissensfundus zugreift, sei die Gefahr von Falschinformationen gering.
Allerdings warnt der Experte auch vor den Risiken. Insbesondere beim Thema Datenschutz sei Vorsicht geboten. „Im Zweifel, wenn es um Kundendaten geht, muss ich immer die Annahme treffen, dass ich es nicht darf.“ Personenbezogene Daten sollten nur mit Bedacht und im Einklang mit der DSGVO verarbeitet werden. Eine weitere Gefahr sieht er in der unreflektierten Nutzung von KI-Ergebnissen. „Das Gefährliche an der KI ist, dass 80 bis 90 Prozent wohl richtig sein mögen, aber die letzten 10 Prozent sind teilweise absurd schlecht.“ Erfahrene Fachleute erkennen diese Fehler sofort, für Neulinge könne dies jedoch zu einem Problem werden.
(igr)
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
xTool P3 im Test: CO₂-Laser mit 80 Watt schneidet und graviert auch Acryl
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenWeitere Entlassungswelle bei Disney: Bis zu 1000 Mitarbeiter betroffen
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenMega-GPUs für Nvidia, AMD & Co: TSMC zeigt CoWoS-Package mit >11.600 mm² & 24 × HBM5E
-
UX/UI & Webdesignvor 5 TagenRegional & mit Gefühl: Identity für Klimafonds Baden-Württemberg › PAGE online
-
Social Mediavor 2 MonatenMetas neuer Creative Setup Workflow: Was sich wirklich ändert – und warum das nicht nur eine UI-Frage ist!
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenApple‑Geräte mit Microsoft Intune verwalten – zweiteiliges Live-Webinar
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 2 MonatenMutter Palit dementiert: Gerüchteküche beerdigt fälschlicherweise Galax/KFA²
-
Entwicklung & Codevor 2 MonatenKommentar: Das Ende der SaaS-Gelddruckmaschine
