Künstliche Intelligenz
NIS2 im Gesundheitswesen: Sensibilisierung auch für kleinere Einrichtungen nötig
Seit Dezember 2025 ist das NIS-2-Umsetzungsgesetz in Kraft und nimmt Geschäftsführer von Krankenhäusern, Medizinischen Versorgungszentren (MVZs) und anderen Gesundheitseinrichtungen persönlich in die Haftung für die Cybersicherheit. Doch wie soll das in einem Sektor gelingen, der von veralteter Medizintechnik und knappen Budgets geprägt ist?
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heise online sprach mit den Rechtsexperten Dennis-Kenji Kipker und Tilmann Dittrich, die kürzlich einen NIS2-Leitfaden für Führungskräfte im Gesundheitswesen veröffentlicht haben, über die Änderungen und darüber, ob das Gesetz mehr als nur ein Papiertiger ist.
Mit dem NIS-2-Umsetzungsgesetz ist die Geschäftsleitung persönlich für IT-Sicherheitsvorfälle haftbar. Macht das den Klinik-Chef nun juristisch für Patientenschäden verantwortlich, ähnlich wie einen Arzt bei einem Kunstfehler?
Tilmann Dittrich: Wenn man es streng nimmt, ist die Haftung der Geschäftsleitung keine Neuheit, sondern eine Klarstellung. Ein Geschäftsführer oder Vorstand haftet nach dem GmbH-Gesetz (GmbHG) oder Aktiengesetz (AktG) schon immer für die Organisation des Unternehmens. Das neue Gesetz hebt diese Verantwortung für den Bereich Cybersicherheit jetzt aber explizit hervor und verknüpft sie mit einer Schulungspflicht. Für viele CISOs und IT-Leiter ist das ein Segen. Sie sagen uns: Endlich haben wir ein gesetzliches Argument, um bei der Geschäftsführung Budgets und die notwendige Aufmerksamkeit zu bekommen.

Tilmann Dittrich ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt für IT-Strafrecht, Cybersecurity und Medizinstrafrecht.
(Bild: Dittrich)
Ein Dauerthema in der Branche: Wer ist verantwortlich, wenn ein Arzt wegen eines Ausfalls der Telematikinfrastruktur (TI) kein E-Rezept ausstellen oder nicht auf die elektronische Patientenakte (ePA) zugreifen kann?
Dittrich: Das ist ein schwieriger Punkt. Die TI wurde aus dem BSIG (Gesetz über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und über die Sicherheit in der Informationstechnik von Einrichtungen) herausgenommen, weil sie sektorspezifisch im Sozialgesetzbuch V geregelt ist. Das bedeutet aber nicht, dass sie keine kritische Infrastruktur ist. Die Verantwortlichkeiten sind komplex zwischen der Gematik, den Software-Herstellern und dem Arzt oder Krankenhaus als Anwender aufgeteilt. Wenn die TI von außen gestört wird, ist es schwierig, dem Krankenhaus einen Vorwurf zu machen. Aber es bleibt die Herausforderung: Wenn die elektronische Patientenakte ein verlässliches Mittel sein soll, ich aber externen Störungen ausgesetzt bin, brauche ich immer eine Redundanz.
Dennis-Kenji Kipker: Das ist eine klassische Verantwortungsdiffusion, die wir in allen komplexen Lieferketten sehen. Das ist kein Gematik-spezifisches Problem. Wir müssen uns aber von der Vorstellung lösen, dass es eine hundertprozentige Sicherheit gibt. Es ist gut, dass wir in Deutschland über Sicherheit diskutieren und nicht wie Großbritannien eine Schnelldigitalisierung durchgezogen haben. Dort hat der National Health Service (NHS) 2024 den ersten bestätigten Todesfall in Europa infolge eines Cyberangriffs gemeldet: Ein Angriff auf einen Pathologiedienstleister führte zu Verzögerungen bei den Blutergebnissen, was für einen Patienten tödlich endete. Das zeigt, wohin ein überhasteter Ansatz ohne robustes Sicherheitsfundament führen kann.
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Prof. Dennis-Kenji Kipker forscht und lehrt an der Hochschule Bremen zu Recht und Technik in der Cybersicherheit und ist Gründer des cyberintelligence.institute.
(Bild: CII)
Führt die Mischung aus strengem BSIG und alten SGB-V-Regeln nicht zu einem Compliance-Albtraum statt zu mehr Sicherheit in den Kliniken?
Dittrich: Ja, diese Doppelregulierung, etwa für Klinik-MVZs, ist ein Problem. Man hat die strengen BSIG-Vorgaben auf der einen Seite und die leichter umzusetzende, aber prozessual schwächere KBV-Richtlinie auf der anderen. Das schafft Unsicherheit und Mehraufwand. Ideal wäre eine klare Regelung, die solche Überschneidungen vermeidet.
Wie soll eine Klinikleitung entscheiden, wenn sie das Budget für eine neue Firewall oder ein neues MRT-Gerät hat? Beides rettet Leben, aber nur für die IT droht persönliche Haftung.
Dittrich: Das ist genau die unternehmerische Risikoentscheidung, die getroffen und dokumentiert werden muss. Man kann nicht mehr sagen, das sei einem egal. Wenn etwas passiert, wird genau diese Abwägung geprüft – vom BSI, von einer Staatsanwaltschaft oder in einem zivilrechtlichen Prozess. Das Argument „Wir kriegen es nicht finanziert“ ist keine Rechtfertigung für eine geringere Patientensicherheit.
Reguliert NIS-2 am Ziel vorbei, wenn das größte Risiko für Kliniken oft bei kleinen, unregulierten Software-Zulieferern liegt?
Kipker: Hundertprozentige Lieferkettensicherheit ist eine Illusion. Aber Regelungen wie der Cyber Resilience Act oder spezielle Vorgaben zur digitalen Resilienz im Medizinprodukterecht sind ein erster Schritt. Wenn wir es schaffen, dass eine Insulinpumpe nicht mehr mit einem Standardpasswort aus der online verfügbaren Bedienungsanleitung angreifbar ist, haben wir viel gewonnen. Die Branchenverbände müssen zudem Standards für die Lieferkettenabsicherung entwickeln, denn das wird immer mehr zur vertraglichen Anforderung.
In vielen Krankenhäusern stehen uralte, aber teure Medizingeräte, für die es keine Sicherheitsupdates mehr gibt. Wer haftet, wenn ein Angreifer darüber ins Netz eindringt?
Kipker: Im Schadensfall interessiert es keinen, ob das Gerät alt war oder der Hersteller keine Updates mehr liefert. Das Krankenhaus ist verpflichtet, Sicherheit nach dem Stand der Technik zu gewährleisten. Wenn sie veraltete „Legacy-IT“ betreiben, müssen sie das Risiko managen, zum Beispiel, indem sie das Gerät vom Netzwerk isolieren.
Dittrich: Wenn eine Klinik einen Anbieter wählt, der keine Patches oder nur kurzfristigen Support anbietet, ist das eine unternehmerische Risikoentscheidung. Dann hat man vielleicht aber auch bei der Beschaffung einen Fehler gemacht.
Es gibt auch Fragen zum neuen Paragraph 17 der Medizinprodukte-Betreiberverordnung, der Betreiber nun zur regelmäßigen Überprüfung ihrer Software zwingt. Sowohl Kliniken als auch Hersteller scheinen unsicher, was das in der Praxis bedeutet. Was bewirkt die Änderung?
Kipker: Unsicherheit entsteht dadurch, weil § 17 keinen festen Prüfkatalog vorgibt. Eine „angemessene“ und nach den „anerkannten Regeln der Technik“ durchgeführte Prüfung bedeutet jedoch, risikobasiert und nachvollziehbar zu handeln. Dies sind Anforderungen, die wir im IT-Sicherheitsrecht allgemein bereits seit langen Jahren kennen. Insbesondere bedeutet dies für den konkreten Fall die Vornahme einer Risikoabwägung mit Blick auf die relevanten Faktoren, zum Beispiel, wie hoch der Vernetzungsgrad ist, ob Fernwartung durchgeführt wird, wie es um die Bedrohungslage bestellt ist und ob der Versorgungspfad besonders kritisch ist.
Wenn der Klinik-CISO warnt und die Leitung aus Kostengründen nicht handelt – wer haftet im Schadensfall?
Dittrich: Die Geschäftsleitung. Wenn der CISO auf ein klares Risiko hinweist, muss die Leitung eine dokumentierte Entscheidung treffen. Sie kann die Verantwortung nicht abschieben.
Behindert der Zwang zur 24-Stunden-Meldung ans BSI die eigentliche Krisenbewältigung?
Dittrich: Der Meldedruck ist hoch, keine Frage. Das erfordert exzellente interne Informationsprozesse. Im Ernstfall muss klar sein, wer wann welche Informationen an wen weitergibt. Das lenkt Ressourcen ab, ist aber nun gesetzliche Pflicht und Teil eines professionellen Krisenmanagements. Die Meldung erfolgt über das neue zentrale BSI-Portal, das gemeinsam mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe betrieben wird.
Was passiert, wenn dieses Portal selbst Ziel eines Angriffs wird oder ausfällt?
Kipker: Zumindest so weit es die faktische Erreichbarkeit anbelangt, sind für derlei Ausnahmesituationen Fallback-Lösungen vorgesehen, zum Beispiel die Übermittlung per Mail oder telefonisch. Inwieweit dieses Verfahren sinnvoll ist und auch über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten kann, steht auf einem anderen Blatt, denn durch die Medienbrüche erhöhen sich die Risiken für Fehlinformationen, Missverständnisse, nicht weiter übertragene Daten und eine längere Reaktionszeit.
Kann das BSI diese Informationsflut überhaupt bewältigen?
Kipker: Das ist die entscheidende Frage. Wir sprechen von potenziell 30.000 betroffenen Einrichtungen insgesamt. Wenn auch nur ein Bruchteil davon meldet, steht das BSI vor einer gewaltigen Herausforderung. Die Sorge ist, dass das Portal zu einem reinen Datenfriedhof wird, in dem Meldungen zwar eingehen, aber aufgrund fehlender personeller und fachlicher Kapazitäten nicht zeitnah analysiert und korreliert werden können. Die Gefahr eines Single Point of Failure ist real – nicht nur durch technische Angriffe, sondern auch durch schlichte Überlastung. Ein zentrales Portal ist nur so stark wie die Behörde, die dahintersteht.
Sind die Krisenstäbe für physische Sicherheit und Cybersicherheit in Kliniken getrennte Silos, die im Ernstfall nicht zusammenarbeiten?
Kipker: Ja, das ist leider oft noch der Fall. Viele Krankenhäuser haben zwar eine Krankenhausalarm- und Einsatzplanung (KAEP) für physische Katastrophen, aber Cyberrisiken sind dort oft nicht integriert. Wir müssen dringend weg von diesem Silo-Denken, denn hybride Angriffe – etwa ein Brand im Serverraum kombiniert mit einer DDoS-Attacke – sind die neue Realität und führen zu eben jenen gefährlichen Kaskadeneffekten, die die Versorgungssicherheit gefährden können.
Ist das Gesetz für kleine MVZs und Rettungsdienste ohne IT-Abteilung realitätsfern?
Dittrich: Die Herausforderung ist riesig, das ist klar. Aber auch kleine Praxen sind Teil der kritischen Versorgungskette. Was wir dringend brauchen, sind Unterstützungsangebote und Sensibilisierungskampagnen für diese kleineren Leistungserbringer, die oft völlig ungeschützt sind, wie man bei Stromausfällen immer wieder sieht.
Wenn eine Klinik jetzt nur Budget für eine einzige große Maßnahme hätte, was wäre Ihr dringlichster Rat?
Kipker: Ganz klar das Prozessmanagement. Eine Mitarbeiterschulung ist wichtig, aber auch nicht teuer. In einem Krankenhaus ist die Prozesslandschaft entscheidender. Krankenhäuser sind extrem von Technologie abhängig. Ein strukturiertes Management, das festlegt, wie Geräte beschafft, gewartet und aus dem Netzwerk entfernt werden, ist die Basis.
Dittrich: Das sehe ich auch so. Durch technisch-organisatorische Prozesse muss man das Risiko des einzelnen Mitarbeiters ohnehin minimieren.
(mack)
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Vision Pro: Haben die Apple Stores den Start vermasselt?
Als die Vision Pro im Februar 2024 zuerst in den USA auf den Markt kam und in den folgenden Monaten auch in weiteren Ländern, spielten Apples Ladengeschäfte eine wichtige Rolle: die Store-Mitarbeiter sollten den Kunden eine erstaunlich tiefgehende Einführung in das Spatial-Computing-Headset geben, auf dass diese das derzeit mindestens 3800 Euro teure Gerät erwerben. Doch bei diesen Präsentationen ging offenbar einiges schief, wie es in einem neuen Buch heißt, aus dem das Magazin Wired nun Auszüge veröffentlicht hat.
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Demos über 20 Minuten
New-York-Times-Autor Noam Scheiber schreibt darin, dass das Management der Läden aufgrund einer zu dünnen Personaldecke wenig Möglichkeiten hatte, die Mitarbeiter dafür auszubilden. Resultat: Oft gab es bei der von Apple vorgesehenen Sales-Choreografie schwere Probleme. Scheiber glaubt gar, dass diese dazu führten, dass das Headset zum Flop wurde.
Apple hatte zur Einführung des Headsets Anfang 2024 extra zu geheimen Schulungen in Cupertino eingeladen, wo ausgewählte Apple-Store-Mitarbeiter unter Abgabe ihrer Telefone und Unterzeichnung einer Geheimhaltungserklärung trainiert wurden. Die jeweils 20 Minuten lange Demonstration hatte ein komplexes Skript, durch das die Store-Mitarbeiter die Kunden per iPad führten.
Schon bei der Anpassung des Headsets mit seinen knapp 25 Light-Seals („Lichtdichtungen”) soll es häufig Probleme gegeben haben, ebenso mit vorhandenen Brillenglasaufsätzen. Mehrfach sei das Bild beim Kunden nur verschwommen gewesen, ohne dass die Mitarbeiter dies mitbekamen. Die interne Wissensweitergabe habe zudem nicht funktioniert, wie Apple sich das gewünscht hatte.
Keine gut bezahlten Fachleute mehr?
Apple soll zudem gehofft haben, dass sich die Store-Mitarbeiter selbst an der Vision Pro fortbilden. Das Problem: Für die meisten von ihnen war das Gerät schlicht zu teuer – auch abzüglich eines 25-prozentigen Rabatts. In Schreibers Buch, das den Titel „Mutiny: The Rise and Revolt of the College-Educated Working Class“ trägt, heißt es weiter, Apple habe den alten Ansatz von Steve Jobs, gut bezahlte Fachleute in seinen Apple Stores zu beschäftigen, teils umgeworfen. Nun gehe es insbesondere um Geräteverkäufe, Zubehörerwerb und weitere konventionelle Retail-Metriken. Auch Dienste wie iCloud oder AppleCare werden von den Mitarbeitern verstärkt an Mann und Frau gebracht. Die Rolle des sogenannten „Creative“ wurde hingegen zurückgedrängt, kritisiert das Buch.
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Es ist unklar, wie gut sich die Vision Pro bislang verkauft hat. Apple nennt keinerlei Zahlen. Das Headset wurde im vergangenen Jahr jedoch mit dem M5-Chip ausgestattet und mit einem neuen Dual-Kopfband für besseren Sitz. Zudem wurden die Preise minimal abgesenkt. Apple bietet die Demos der Vision Pro nach wie vor in seinen Läden an, allerdings sieht man diese wesentlich seltener als noch im vergangenen Jahr.
(bsc)
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KI-Update Deep-Dive: KI-Kompetenzen verbessern mit dem KI-Campus
KI-Wissen für Hochschulen und darüber hinaus
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Um die Innovationsfähigkeit Deutschlands zu stärken, braucht es ein breites Verständnis für Künstliche Intelligenz. Hier setzt der KI-Campus an, eine Lernplattform, die ursprünglich aus der KI-Strategie der Bundesregierung hervorging. Florian Rampelt, Programmleiter für Future Skills & KI und Geschäftsstellenleiter des KI-Campus beim Stifterverband, erläutert im KI-Update die Entwicklung und Ziele des Projekts.

Der Stifterverband ist eine Gemeinschaftsinitiative von Unternehmen und Stiftungen zur Förderung von Wissenschaft und Bildung. Er hat gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) den KI-Campus aufgebaut. Während der Fokus weiterhin auf Hochschulen liegt, hat sich die Zielgruppe seit dem Start 2020 erweitert. „Im Moment sind die, die am meisten davon profitieren, Menschen, die einen ersten Einstieg in das Thema KI haben wollen und dafür bei uns kurze Online-Kurse nutzen“, erklärt Rampelt.
Anfänglich habe man vor allem auf umfangreiche Kurse mit bis zu 150 Stunden Lernaufwand gesetzt. Inzwischen sei aber klar, dass auch kürzere Formate benötigt werden. „Dafür haben wir auch Podcasts zum Beispiel, aber eben auch Mikrokurse mit zwei bis vier Stunden Workload“, so Rampelt. Ein zentrales Kriterium für alle Inhalte sei die Bereitstellung als offene Bildungsressource. Das bedeutet, dass alle entwickelten Materialien, wie etwa ein Kurs der Humboldt-Universität, auch von anderen Schulen oder Universitäten frei und ohne Lizenzprobleme nachgenutzt werden können.
Neues Projekt mit Fokus auf Hochschulen
Ein neues, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Projekt soll nun gezielt die KI-Kompetenzen an Hochschulen stärken. Dies sei auch eine Anforderung des AI-Acts, des europäischen KI-Gesetzes. „Artikel 4 versucht dort, eine mehr oder weniger starke Verpflichtung einzuführen, dass Institutionen, die KI-Systeme nutzen, auch KI-Kompetenzen stärken müssen“, sagt Rampelt.
Ein Konsortium aus neun Partnern, darunter die Humboldt-Universität zu Berlin, die FernUniversität Hagen und die TU München, entwickelt nun Angebote für alle Zielgruppen an Hochschulen. „Das heißt, wir entwickeln für Studierende, Lehrende oder Verwaltungsmitarbeitende, Onlinekurse, Podcasts und andere Lernangebote“, führt Rampelt aus. Dabei werde auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingegangen. Während Verwaltungsmitarbeitende tiefere Einblicke in rechtliche Rahmenbedingungen benötigen, interessiere Lehrende vor allem die didaktische Einbettung von KI-Tools in den Unterricht. Der Ansatz verfolge „gemeinsame Grundlagen und gleichzeitig eine praxisorientierte Anwendung in den jeweiligen Fokusbereichen.“
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Von der Theorie in die Praxis
Dass die Angebote des KI-Campus bereits genutzt werden, zeigen mehrere Beispiele. An der Technischen Hochschule Nürnberg ist ein Kurs für Studierende inzwischen Pflicht. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat bestehende Materialien des KI-Campus genutzt, um einen eigenen Kurs zu KI und wissenschaftlichem Arbeiten für über 2.000 Personen zu erstellen. Auch Verwaltungsmitarbeitende aus Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben kooperativ einen Einführungskurs entwickelt. Für Florian Rampelt ist diese Zusammenarbeit ein positiver Nebeneffekt. „Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass das Thema KI, das durchaus ein bisschen Panik bei vielen auslöst, auch unfassbar viel Kooperationsbereitschaft mit sich bringt.“
Für den Abschluss der Kurse können kostenlose Zertifikate erworben werden, entweder eine Teilnahmebescheinigung oder ein Leistungsnachweis, der das Absolvieren von Tests bestätigt. Die Inhalte werden regelmäßig, etwa alle sechs Monate, überprüft und bei Bedarf aktualisiert oder archiviert.
Eine KI-kompetente Gesellschaft
Bis 2030 will der KI-Campus eine halbe Million Menschen in Deutschland erreichen; aktuell sind 150.000 Personen auf der Plattform registriert. Ein weiteres Ziel sei es, die Vorbereitung von Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt zu verbessern. Eine Studie des Stifterverbands habe gezeigt, dass 80 Prozent der Unternehmen finden, Hochschulen würden Absolventen nicht hinreichend auf eine KI-geprägte Arbeitswelt vorbereiten. „Wir haben uns hier vorgenommen, in den nächsten fünf Jahren diese Zahl zu halbieren“, kündigt Rampelt an.
Eine KI-kompetente Gesellschaft erkenne man daran, dass Menschen KI im Alltag wahrnehmen und eine bewusste Entscheidung für oder gegen deren Nutzung treffen können. „Es ist mir ganz wichtig, dass KI-Kompetenz nicht nur KI-Anwendungskompetenz ist, sondern auch eine kritische Reflexion im jeweiligen Kontext“, betont Rampelt. Dabei müsse man zwischen KI-Kompetenzen in der Breite und in der Spitze unterscheiden. „Während alle KI-Grundlagen benötigen, müssen manche eben auch hochspezialisierte Expertise aufbauen“, so der Programmleiter. Dies betreffe Bereiche wie AI-Engineering, aber auch KI-Leadership für Führungskräfte.
(igr)
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Nach Mond-Flug: Artemis 2 vor „Feuerball“-Landung in der Nacht zu Samstag
Nachdem sie als erste Menschen seit mehr als 50 Jahren um den Mond herumgeflogen sind, steht der vierköpfigen Crew von Artemis 2 mit der Rückkehr zur Erde die letzte große Herausforderung ihrer Mission bevor. „Seit dem 3. April 2023, als wir für diese Mission ausgewählt worden sind, denke ich über die Rückkehr nach“, sagte US-Astronaut Victor Glover bei einer Pressekonferenz aus der Orion-Kapsel. Es sei wie einen „Feuerball durch die Atmosphäre zu reiten“.
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Mit einem komplizierten Manöver soll die Crew – bestehend neben Glover aus den US-Astronauten Christina Koch und Reid Wiseman sowie dem Kanadier Jeremy Hansen – in der kommenden Nacht gegen 2.07 Uhr MESZ im Pazifik nahe San Diego aufkommen. Zeitweise soll ihre Kapsel dabei eine Geschwindigkeit von bis zu etwa 38.400 Kilometern pro Stunde erreichen, was den Astronauten extreme körperliche Belastungen aussetzt.
Hitze, körperliche Belastungen und Kommunikationsausfall
Orion ist beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre großer Hitze ausgesetzt, die Astronauten sollen durch einen speziellen Hitzeschild geschützt werden. Für rund sechs Minuten wird planmäßig die Kommunikation mit dem Kontrollzentrum ausfallen. Mithilfe von Fallschirmen soll die Kapsel anschließend abgebremst im Pazifik aufkommen. Letzte Wettervorhersagen und letzte Außenaufnahmen von Orion sähen gut aus, hieß es von der NASA.
Die vier Artemis-2-Astronauten waren die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes. Sie waren in der vergangenen Woche an Bord der Orion-Kapsel mit dem SLS-Raketensystem (Space Launch System) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben und dann um den Mond herumgeflogen. Dabei entfernten sie sich auch weiter von der Erde als jemals Menschen zuvor.
Unser Liveticker zu Artemis-2:
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(mho)
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