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Datenschutz & Sicherheit

Qnap löst kritische Sicherheitsprobleme in NAS-Software


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Mehrere Softwareschwachstellen gefährden NAS-Systeme von Qnap. Angreifer können auf Geräte zugreifen und im schlimmsten Fall die volle Kontrolle erlangen. Sicherheitspatches schaffen Abhilfe. Bislang gibt es keine Berichte, dass Angreifer die Lücken bereits ausnutzen. Wer ein Qnap-NAS besitzt, sollte sicherstellen, dass alle installierten Komponenten auf dem aktuellen Stand sind.

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Wie aus dem Sicherheitsbereich der Qnap-Website hervorgeht, betreffen die Sicherheitsprobleme die Komponenten Media Streaming Add-on, QuFTP Service, QuNetSwitch (ADRA NDR), QuRouter und QVR Pro.

Am gefährlichsten gilt eine „kritische“ Lücke (CVE-2026-22898) in der IP-Videoüberwachungssoftware QVR Pro. Weil einer Warnmeldung zufolge die Authentifizierung im Kontext einer kritischen, nicht näher beschriebenen Funktion fehlt, können entfernte Angreifer Zugriff auf Systeme erlangen. Die Entwickler versichern, die Schwachstelle in QVR Pro 2.7.4.1485 geschlossen zu haben.

Die von vier Lücken in QuNetSwitch (ADRA NDR) ausgehende Gefahr schätzt Qnap als „kritisch“ ein. Hier können Angreifer unter anderem aufgrund von hartcodierten Zugangsdaten auf Netzwerkspeicher zugreifen (CVE-2026-22900 „mittel“). Durch das erfolgreiche Ausnutzen der verbleibenden Schwachstellen können Angreifer unter anderem eigene Befehle ausführen (etwa CVE-2026-22901 „mittel“). An dieser Stelle müssen Admins QuNetSwitch 2.0.4.0415 oder QuNetSwitch 2.0.5.0906 installieren.

Für die Sicherheitslücken in QuRouter vergibt Qnap ebenfalls eine kritische Einstufung. Auch hier kann es zur Ausführung von Schadcode kommen. Dafür benötigen lokale Angreifer aber bereits Adminrechte (etwa CVE-2025-62845 „mittel“). Die Entwickler geben an, QuRouter 2.6.3.009 repariert zu haben.


(des)



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Datenschutz & Sicherheit

Ivanti EPMM: Update stopft bereits angegriffene Sicherheitslücken


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In Ivantis Endpoint Manager Mobile (EPMM) klaffen mehrere Sicherheitslücken, von denen eine bereits im Internet angegriffen wird. Aktualisierte Software stopft die Sicherheitslecks. Admins sollten zügig handeln.

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In der Update-Ankündigung für Ivantis EPMM schreiben die Entwickler des Unternehmens, dass sie von Missbrauch einer der Lücken bei einigen Kunden wissen; auch die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA hat die Schwachstelle bereits in ihren Known-Exploited-Vulnerabilities-Katalog aufgenommen. Für erfolgreiche Attacken benötigen Angreifer jedoch Admin-Rechte. Vorab empfiehlt Ivanti, Konten mit Admin-Rechten zu prüfen und gegebenenfalls die Zugangsdaten zu rotieren. Die anderen vier Schwachstellen seien jedoch noch nicht attackiert worden.

Insgesamt geht es um fünf Sicherheitslecks. Die bereits angegriffene Schwachstelle basiert auf einer unzureichenden Eingabeprüfung – Ivanti schreibt jedoch keine weiteren Hinweise, die eingrenzen würden, in welcher Komponente der Fehler liegt oder wie das angreifbar wäre (CVE-2026-6973, CVSS 7.2, Risiko „hoch“).

Die weiteren Schwachstellen sind im Schweregrad teils umstritten, etwa eine unzureichende Zugriffskontrolle, die Angreifern ohne vorherige Anmeldung das Aufrufen beliebiger Methoden erlaubt (CVE-2026-5788). Die NVD-Analysten stufen das mit einem CVSS-Wert von 9.8 als „kritisch“ ein, Ivanti bleibt jedoch entspannter bei CVSS 7.0, mithin einem „hohen“ Risiko. Eine unzureichende Zertifikatsprüfung ermöglicht Angreifern aus dem Netz ohne Authentifizierung, registrierte Sentry-Hosts zu fälschen und gültige CA-signierte Client-Zertifikate zu erhalten (CVE-2026-5787, CVSS laut NVD 9.1, Risiko „kritisch“, laut Ivanti CVSS 8.9, „hoch“).

Eine weitere unzureichende Zertifikatsprüfung erlaubt Angreifern aus dem Netz ohne vorherige Anmeldung, Geräte einzubinden, die zu einer begrenzten Liste an nicht eingebundenen Geräten gehört, was zum Abfluss von Informationen über die EPMM-Appliance führen kann (CVE-2026-7821, NVD: CVSS 9.1, Risiko „kritisch“; Ivanti: CVSS 7.4, „hoch“). Hier schränkt Ivanti in der Update-Ankündigung noch ein, dass Kunden, die das Apple-Device-Enrollment nicht konfiguriert haben und nicht nutzen, nicht davon betroffen sind. Die letzte gefixte Schwachstelle basiert auf unzureichenden Zugriffskontrollen, durch die authentifizierte Angreifer aus dem Netz Admin-Zugang erlangen können (CVE-2026-5786. CVSS 8.8, Risiko „hoch“).

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Die Schwachstellen schließt Ivanti mit den Versionen Ivanti Endpoint Manager Mobile 12.6.1.1, 12.7.0.1 und 12.8.0.1 oder neueren. Die Downloads verlinkt der Hersteller in der Update-Ankündigung.

Sicherheitslücken in Ivantis EPMM sind immer wieder Ziel von bösartigen Akteuren. Im Februar warnte etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor weiter verbreitetem Missbrauch von Schwachstellen in der Verwaltungssoftware.


(dmk)



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Datenschutz & Sicherheit

Digitales Bezahlen: „Die Leute haben sehr gute Gründe, Bargeld zu nutzen“


Ob an der Eisdiele oder an der Kinokasse – immer weniger Menschen zahlen mit Bargeld. Viele zücken eine Plastikkarte oder gleich ihr Smartphone. Den Kostenanteil für den gemeinsamen Ausflug PayPal-en einem die Freund:innen sowieso lieber direkt auf der Rückfahrt.

Digitale Bezahlsysteme sind nicht nur längst Teil unseres Alltags, sondern auch Gegenstand politischer Debatten. Diese drehen sich – sofern sie den Dunstkreis technokratischer Diskurse verlassen – meist um Datenschutz oder Digitale Souveränität. Doch hinter den Apps und Karten versteckt sich auch eine soziale Frage.

Barbara Brandl ist Professorin für Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, mit Schwerpunkt auf Wirtschafts- und Organisationssoziologie. Zudem ist sie Sprecherin des Forschungsprojektes „Die normativen Dimensionen des Digitalen Euro“. Wir haben mit ihr über soziale Ungleichheit, digitalisierte Zahlungen und Lektionen für den Digitalen Euro gesprochen.

netzpolitik.org: Frau Brandl, Sie sind Soziologin. Warum beschäftigen Sie sich mit PayPal und Kreditkarten?

Barbara Brandl: Ich beschäftige mich immer mit dem Zwischenfeld von Technologieentwicklung und Gesellschaft und bin eigentlich über das Thema Blockchain zum Thema Zahlungen gekommen. Ich habe aber festgestellt, dass Blockchain für den Alltag der meisten Menschen keine allzu große Bedeutung hat. Was hingegen eine große Bedeutung hat, sind alle Systeme, über die wir digital bezahlen.

Wir alle müssen zahlen: Um zu überleben, weil wir eben nicht alles selber herstellen und mit Nachbarn tauschen, sondern weil der absolut größte Teil über formale Märkte funktioniert. In meiner For­schung habe ich dann festgestellt, dass digitale Zahlungen und soziale Ungleichheit sehr stark mit­einander zusammenhängen. Und das ist natürlich das Kernthema der Soziologie.

Die drei Wellen der Zahlungsdigitalisierung

netzpolitik.org: Was sind überhaupt digitale Bezahlsysteme? Nur PayPal und GooglePay?

Barbara Brandl: „Digitale Bezahlsysteme“ umfasst erst einmal alles, was nicht Bargeld ist. Insgesamt gab es drei Wellen der Digitalisierung von Zahlungen im Globalen Norden. Die erste Welle der digitalen Zahlungen begann etwa 1950 mit den Kreditkarten in den USA. Das war lange auch das einzige vorhandene System. Die zweite Welle digitaler Zahlungen begann in den 1990er-Jahren umfasst alles, was Internet-basiert ist, auch PayPal war da ganz wichtig. Die dritte Welle sind für mich App-basierte-Lösungen, die sich mit der Nutzung von Smartphones in den 2010er-Jahren ausbreiteten. Beispiele dafür sind etwa Apple oder GooglePay aber auch „Buy Now, Pay Later“-Angebote wie Klarna.

netzpolitik.org: Das gilt aber nur für den Globalen Norden, wie ist das im Globalen Süden?

Barbara Brandl: Dort haben sich eigene Systeme digitaler Zahlungen herausgebildet, deren Entwicklungen sich mit denen im Globalen Norden überschneiden. Das erste und vielleicht spannendste ist das sogenannte „Mobile Money“. Der Hintergrund war, dass in Subsahara-Afrika der Großteil der Menschen überhaupt keinen Zugang zu Bankkonten hatte. Und auch Bankfilialen waren in den Flächen quasi nicht vorhan­den. Das war sehr ungünstig, denn viele Menschen waren darauf angewiesen, regelmäßig Geld zu versenden, zum Bei­spiel, weil jemand in der Stadt gearbeitet hat, aber die eigene Familie auf dem Land versorgen wollte. Oder weil die eigenen Kinder im Internat waren und Bücher brauchten.

Barbara Brandl steht in einem Flur
Barbara Brandl forscht zu sozialen Ungleichheiten bei digitalen Bezahlsystemen.

In den 90er Jahren kam dann der Mobilfunk auf und das ist die Revolution. In ihrer Verzweif­lung erfanden die Menschen Geld neu und verschicken über SMS die Codes, die auf den PrePaid-Karten aufgedruckt waren. Die haben das also nicht mehr nur als Mobilfunkguthaben benutzt, sondern als Geld. Und dann gab es relativ schnell Leute, die das informell gewechselt haben, Mobilfunkguthaben in Bargeld und umgekehrt. Diese Dienste wurden dann rasch kommerzialisiert von den Mobilfunkanbietern und das war die erste Form einer digitalen Währung.

netzpolitik.org: Was sind die anderen Systeme digitaler Zahlungen im Globalen Süden?

Barbara Brandl: Einerseits Super-Apps wie Alipay oder Tencent, die in China entstehen und sich dann in Ostasien sowie teilwiese auch in Lateinamerika ausbreiten. Und anderseits Echtzeitzahlungssysteme wie das brasilianische PIX, die von Zentralbanken bereitgestellt werden und insbesondere in Lateinamerika populär sind, aber jüngst auch in Ländern wie Indien oder Israel eingerichtet wurden.

„Technologie ist nicht neutral“

netzpolitik.org: Sie forschen dazu, inwiefern digitale Bezahlmöglichkeiten soziale Ungleichheit verändern – was haben Sie herausgefunden?

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Barbara Brandl: Technologie ist nicht neutral, auch nicht die Systeme digitaler Zahlung. Sie wurden von be­stimmten Schichten mit bestimmen Ideen eingerichtet. Am krassesten sieht man das bei den Kredit­karten in den Vereinigten Staaten. Die wurden eingerichtet, damit die Mittelschichten schnellen Zu­gang zu Krediten bekommen und einfach bezahlen können. Das waren vor allem die weißen Mittelschichten und die profitieren bis heute am stärksten von den Kreditkarten.

Es gibt verschiedene Dimensionen sozialer Ungleichheit. Eine davon ist Zugang. Weiße haben sehr viel häufiger Kredit­karten als Schwarze oder Hispanics. Die Mittelschicht hat viel häufiger Kreditkarten als die Unter­schicht. Man kann hier schon von Ausschluss sprechen. Das war bis in die 1990er-Jahre noch bruta­ler, dort haben Menschen gar keine Kreditkarte bekommen, wenn sie in bestimmten Vierteln ge­wohnt haben. Seither wurde der Zugang extrem ausgeweitet, man spricht auch von einer Demokratisierung der Kreditvergabe. Trotz allem haben Hispanics und Schwarze bis heute bei gleichen Einkommensverhältnissen seltener Kreditkarten als weiße US-Bürger.

Hinzu kommt die zweite Dimension: die systematische Benachteiligung in der Nutzung. Das funktioniert zum Beispiel durch massive Kreditkartenzinsen auf „Bad Credit“, also wenn sie mit ei­ner schlechten Bonität einen Kredit aufnehmen. Der Zins kann schon mal 30 Prozent betragen. Alle Schichten haben Kreditkartenschulden. Aber Menschen aus mittleren und oberen Schichten können diese Schulden mit einem guten Gehalt relativ schnell zurückzahlen. Aber die einkommensärmsten zehn Prozent der Bevölkerung müssen, sofern sie Kreditkartenschulden haben, durchschnittlich 80 Prozent ihres Einkommens für die Tilgung dieser Schulden aufwenden.

netzpolitik.org: Wie werden ärmere Menschen noch systematisch benachteiligt?

Barbara Brandl: Ein weiterer Faktor bei der Umverteilung von arm zu reich sind sogenannte „Loyality“- beziehungsweise Cashback-Programme. Das funktioniert so: Immer wenn sie mit ihrer Kreditkarte im Supermarkt zahlen, kriegen sie Punkte. Die reichen sie am Ende des Jahres ein und kriegen Geld zurück. Allerdings ist die Kre­ditkarte das teuerste Zahlungsmittel für die Händler:innen. Die schlagen das wiederum bei den Preisen drauf. In der untersten Schicht – in den USA – haben nur 30 Prozent der Menschen eine Kreditkarte. Die zahlen aber trotzdem natürlich alle die höheren Preise und subventionieren damit die höheren Preise für Güter sowie die Prämien quer, die den höheren Schichten ausgezahlt werden.

Ökonomen der US-amerikanischen Zentralbank haben ausgerechnet, dass alleine dieser Mechanismus über zwölf Milliarden Euro im Jahr umverteilt, von schlechter Bonität zu guter Bonität, also in der Regel von Menschen mit geringer Bildung zu Menschen mit höherer Bildung. Höhere Schichten profitieren von Kreditkarten und niedrigere Schichten tragen die Kosten.

„Der größte Teil der Gewinne kommt von Überziehungszinsen“

netzpolitik.org: Wie meinen Sie das?

Barbara Brandl: Der größte Teil der Gewinne von Kreditkartenfirmen – und generell innerhalb dieses Sektors – kommt durch Überziehungszinsen. Transaktionsgebühren, die bei jeder Zahlung anfallen, sind zwar die älteste Einnahmequelle, bringen aber nicht so viel Gewinn ein. Die modernste Einnahmequelle ist der Ver­kauf von Daten. Das machen etwa die Super-Apps in Asien. Aber auch Buy-Now-Pay-Later-Anbieter im Globalen Norden, wie PayPal, Klarna und AfterPay, verkaufen Daten für Werbezwecke. Dennoch sind die Zinsen auf Konsumkreditschulden immer noch die finanzstärkste Ein­nahmequelle.

netzpolitik.org: Am Ende nehmen die Menschen einen Kredit ja freiwillig auf. Sind sie dann nicht auch ein Stück weit selbst verantwortlich, wenn sie sich überschulden?

Barbara Brandl: Das ist genau der Punkt, wie das in unserer Gesellschaft moralisch funktioniert und warum hier nicht mehr reguliert wird. Eine sehr bekannte Kollegin von mir, Greta Krippner, argumentiert dazu wie folgt: Wir haben in der Gesellschaft immer asymmetrische Beziehungen. Eine ganz klassische asymmetrische Beziehung ist die zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die regu­lieren wir sehr stark und es gibt starke Schutzmechanismen für Arbeitnehmer, wie etwa Kündi­gungsschutz für Schwangere.

Diese Schutzmechanismen fehlen in der Beziehung Kreditnehmer versus Kreditgeber, obwohl diese Beziehung ebenfalls hoch-asymmetrisch ist. Und diese Schutzlosigkeit ist bei Konsumkrediten am stärksten.

Aber es gibt noch eine weitere Ebene und da sehe ich eine Parallele zur Debatte um die Regulierung von Social-Media-Plattformen.

Geschäftspraktiken, die menschliche Schwächen ausnutzen

netzpolitik.org: Worin besteht diese Parallele?

Barbara Brandl: Es geht um Geschäftspraktiken, die systematisch menschliche Schwächen ausnutzen. Dazu gibt es ein ganzes Forschungsfeld, die sogenannten Behavioral Economics. Daraus wissen wir: Unser Ge­hirn funktioniert auf eine bestimmte Art und Weise und bestimmte Dinge können wir nicht gut ver­arbeiten, zum Beispiel Kosten und Nutzen von Kreditkarten.

Es gibt eine ganze Reihe von Studien, die sagen: Wir unterschätzen systematisch, wie viel uns Kreditkarten kos­ten und überschätzen den Nutzen. Wir kommen darauf, wenn wir länger nachdenken, aber so auf die Schnelle passieren syste­matische Fehleinschätzungen. Und diese systematischen Verzerrungen werden eben ausgenutzt. Dann ist es nun mal zynisch, immer zu schreien, dass wir mehr Finanzbildung und den mündigen Konsumenten bräuchten. Ebenso wie in der Plattform-Debatte derzeit oft nach Medienbildung gerufen und gefordert wird, die Eltern sollten sich jetzt mal bitte besser um ihre Kinder kümmern.

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netzpolitik.org: Wir haben bisher viel über Kredite gesprochen, aber haben das Interview eigentlich bei digitalen Zahlungen angefangen. Das sind ja erst mal zwei verschiedene Dinge. Für Sie gehört aber beides zusammen, korrekt?

Barbara Brandl: Richtig, das ist ein zentraler Befund meiner Forschung. Ich habe mir fünf Systeme ange­schaut, wie digitale Zahlungen abgewickelt werden. Was mich erschreckt hat: Je mehr digitale Zah­lungen getätigt werden, desto stärker spielen Konsumkredite eine Rolle.

Das krasseste Beispiel ist vielleicht das Zahlungssystem PIX in Brasilien. PIX wird von der brasilianischen Zentralbank zur Ver­fügung gestellt und man sieht, für ein Prozent mehr PIX-Nutzer:innen erhöht sich die Menge der Kon­sumkredite um 0,8 Prozent. Das war das Ergebnis einer multivariaten Analyse. Das heißt, je mehr Leute, und das wissen wir auch aus anderen Studien, digital bezahlen, desto mehr geben sie aus und deswegen verschulden sie sich auch schneller.

Die Mechanismen dahinter sind ausführlich von den Verhaltensökonom:innen beschrieben worden. Ein Beispiel für diese Mechanismen ist: Sie gehen beispielsweise in die Stadt und wol­len sich einen Mantel kaufen. Dann nehmen Sie, je nachdem wie Ihr Budget ist, 100 oder 200 Euro mit und vielleicht noch 20 Euro extra. Wenn das ausgegeben ist, können Sie nicht mehr kau­fen. Wenn Sie aber digital bezahlen, haben Sie ihr ganzes Geld ja immer dabei. Dann können Sie sich auch einen Mantel kaufen, der doppelt so teuer ist wie ihr Budget – oder noch einen Gürtel ex­tra.

„Gut für die Finanzindustrie, aber nicht für uns“

netzpolitik.org: Wo sind da die Parallelen zum digitalen Euro?

Barbara Brandl: Die brasilianischen Banken setzen auf die PIX-Bezahlfunktion ihre eigenen Kreditprodukte drauf und nennen es dann PIX Parcellado, also Ratenzahlung. Das heißt, sie bezahlen es mit PIX und PIX wird immer über die App der Bank benutzt und dann bietet Ihnen die Bank in der App so­fort einen Kredit an, sofort eine Ratenzahlung an. Und da liegt die Parallele zum digitalen Euro.

Weil der viel Gegenwind aus der Finanzlobby bekommt, wirbt nun die Europäische Zentralbank mit dem Argument, dass die Banken ihre eigenen Finanzdienstleistungen auf den digitalen Euro draufbauen können. Und aus der brasilianischen Erfahrung würde ich sagen, das können wir eigentlich gar nicht wollen. Die EZB versucht, die Finanzindustrie mit dem Argument „Das ist doch gut für euch“ zu überzeugen. Ich würde sagen, das stimmt: Es ist auch für die Fi­nanzindustrie gut, aber nicht für uns.

netzpolitik.org: Wie muss ein digitaler Euro aus Ihrer Sicht ausgestaltet sein, dass er mög­lichst sozial gerecht wird?

Barbara Brandl: Die Verknüpfung zu anderen Dienstleistungen, insbesondere der Aufnahme von Konsum­krediten, muss maximal weit weg davon sein. Das hat in Kenia nicht gut geklappt, aber in anderen Mo­bile-Money-Systemen in Subsahara-Afrika hat es besser funktioniert, dass man damit nur bezahlen kann.

Natürlich ist auch der Zugang ein Thema. In der Europäischen Union haben 96 Prozent der Menschen ein Konto. Und neben dem Basiskonto gibt es auch im Entwurf der Kommission zum Digitalen Euro schon Vorschläge, um Menschen ohne Konto zu integrieren. Das viel größere Problem ist hier ein anderes, nämlich dass ein Sechstel der Menschen zwar Konten hat, aber nicht in der Lage ist, Online-Banking zu nutzen. Leider wird das in der Diskussion oft so dargestellt, als seien die einfach ein bisschen altmodisch.

Ich würde mittlerweile aber sagen: Die nutzen zurecht Bar­geld. Erstens behandeln die Banken Menschen aus einkommensschwächeren Schichten systema­tisch schlechter, das sehen wir überall auf der Welt. Deswegen ist das Misstrauen gegenüber Banken durchaus gerechtfertigt. Zweitens hat das natürlich auch was mit den Lebensumständen zu tun. Sie und ich sitzen den ganzen Tag am PC, da können wir das Online-Banking auch noch ne­benbei machen. Wer auf dem Bau arbeitet, für den ist das ein sehr viel größerer Aufwand, sich da am Feierabend für das Online-Banking noch einmal hinzusetzen. Und dann ist es für Menschen mit geringem Einkommen viel einfacher, die eigenen Ausgaben mit Bargeld zu kalkulieren.

Ich würde trotzdem sagen, es gibt letztlich wahrscheinlich keine Alternative zum Digitalen Euro. Das ist immer noch die beste Lö­sung, die es gibt, wenn wir weiterhin digital bezahlen wollen und dabei nicht auf ein US-amerikanisches Oligopol von Kreditkartenfirmen angewiesen sein wollen, das den Großteil seiner Gewinne mit Überziehungszinsen und dem Verkauf von Daten macht.

netzpolitik.org: Also Ja zum Digitalen Euro, aber Bargeld auf jeden Fall erhalten?

Barbara Brandl: Das Bargeld erhalten will ja auch die EZB, nach eigener Aussage. Mein Appell ist sehr viel stärker, den Hang zum Bargeld nicht abzutun als irgendeine Schrulligkeit oder eine Verschrobenheit: Die Leute haben wirklich sehr gute Gründe, Bargeld zu nutzen.



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Datenschutz & Sicherheit

„Dirty Frag“: Linux-Lücken verschaffen root-Rechte


Mit „Dirty Frag“ wird die dritte Rechteausweitungslücke (respektive Kombination von Lücken) innerhalb von zwei Wochen bekannt, durch die Angreifer ihre Rechte in den meisten Linux-Distributionen ausweiten können. Da offenbar einige Beteiligte zu früh Informationen veröffentlicht haben, sah sich der Entdecker Hyunwoo Kim (X-Handle @v4bel) dazu genötigt, die Lücken jetzt öffentlich zu machen – ohne dass Updates für betroffene Linux-Distributionen oder ein CVE-Schwachstelleneintrag bereitstünden.

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Das schreibt er im GitHub-Projekt zur Schwachstellenkombination „Dirty Frag“. Dort führt er eine Verkettung zweier Schwachstellen vor. Ein vollständiger Deepdive erörtert sie im Detail. Es handelt sich um Lücken, die am Ende den Page-Cache von Dateien im Arbeitsspeicher manipulieren, auf die User lediglich Leserechte haben, etwa „/etc/passwd“ oder „/usr/bin/su“. Bei nachfolgenden Zugriffen verwendet Linux die veränderten Einträge aus dem RAM, die weiterreichende Rechte und am Ende root-Zugriff verschaffen. Das erinnert sehr an die „Copy Fail“ genannte Schwachstelle. Kim erklärt, dass das auch der Ausgangspunkt für seine Schwachstellensuche war. Um bestimmte Einschränkungen in Linux-Distributionen zu umschiffen, die einen Exploit verhindern würden, verkettet er zudem gleich zwei Sicherheitslücken. Auf Systemen, die durch Blacklisten des Moduls algif_aead gegen „Copy Fail“ abgesichert wurden, funktioniert „Dirty Frag“ dennoch.

Die Lücken betreffen xfrm-ESP und RxRPC, die beide eine Page-Cache-Schreib-Schwachstelle aufweisen. Kim hat die Schwachstellen unter mehreren Distributionen erfolgreich getestet und damit root-Rechte erlangt: Ubuntu 24.04.4 (Kernel 6.17.0-23-generic), RHEL 10.1 (Kernel 6.12.0-124.49.1.el10_1.x86_64), openSUSE Tumbleweed (Kernel 7.0.2-1-default), CentOS Stream 10 (Kernel 6.12.0-224.el10.x86_64), AlmaLinux 10 (Kernel 6.12.0-124.52.3.el10_1.x86_64) sowie Fedora 44 (mit Kernel 6.19.14-300.fc44.x86_64).

Da die Distributionen noch keine Zeit hatten, aktualisierte Kernel zu veröffentlichen, schreibt Kim, können sich Admins mit dem Entfernen der verwundbaren Module behelfen. Er nennt den Befehl

sh -c "printf 'install esp4 /bin/false\ninstall esp6 /bin/false\ninstall rxrpc /bin/false\n' > /etc/modprobe.d/dirtyfrag.conf; rmmod esp4 esp6 rxrpc 2>/dev/null; true"

Kim schlägt im Deepdive zudem einen Quellcode-Patch vor, der das Problem lösen soll. Es empfiehlt sich, auf offizielle Kernel-Updates der jeweiligen Distribution zu warten. Für die ESP-Komponente wurde am 7. Mai 2026 bereits ein Patch in den Upstream-netdev-Tree gemergt; für RxRPC steht ein Upstream-Patch noch aus.

Es handelt sich um die dritte namhafte Rechteausweitungslücke, die in den vergangenen zwei Wochen gemeldet wurde. Vor etwa zwei Wochen wurde die vom Telekom-Security-Team aufgedeckte Lücke „Pack2TheRoot“ (CVE-2026-41651) bekannt, die root-Rechte in mehreren Linux-Distributionen verschafft. Am Ende vergangener Woche kam die „Copy Fail“-Sicherheitslücke hinzu, die inzwischen sogar in freier Wildbahn missbraucht wird. Wer nun glaubt, das sei ein Linux-spezifisches Problem – mitnichten. Seit drei Wochen klafft etwa die Zero-Day-Lücke „RedSun“ offen in Windows, ohne dass Microsoft Anstalten macht, einen Patch dagegen auszuliefern. Auch diese Schwachstellen – insgesamt haben sich auch da drei angesammelt, neben „RedSun“ auch „UnDefend“ und „BlueHammer“ – ermöglichen die Rechteausweitung und werden bereits von bösartigen Akteuren missbraucht.

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(dmk)



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