Digital Business & Startups
Schnellster Pitch der DHDL-Geschichte: Klemab räumt Deal mit Dümmel ab
47 Sekunden, ein vollgeklebtes Studio und ein Rekord-Pitch: Vick Manuel sichert sich mit seinem Klebemaßband Klemab den Deal mit Dümmel.
47 Sekunden. So lange dauert es, bis Vick de Froz Jorge Manuel in der neuen Folge von „Die Höhle der Löwen“ den Rekord für den schnellsten Pitch in der Geschichte der Sendung aufstellt. Bevor überhaupt jemand richtig sitzt, ist das ganze Studio schon vollgeklebt, sogar die Löwensessel bleiben nicht verschont.
Das Produkt heißt Klemab und ist ein Klebemaßband – eine Idee, die bereits 2018 entstanden ist. Die Anwendung erklärt sich so schnell wie der Pitch selbst: Klebemaßband aufkleben, Maß nehmen, am Klemab markieren, zuschneiden und rückstandslos entfernen. Die Skala erlaubt theoretisch unendliches Messen, ohne dass sich beim Ziehen etwas verschiebt. Die Idee an sich gab es schon, aber laut Gründer hat es bislang niemand geschafft, die Standards so umzusetzen, dass das Band auf allen Untergründen hält und sich beim Arbeiten nicht verzieht. Für die Weiterentwicklung und den Schritt in den Handel bietet Jorge Manuel 50.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile an.
Vom Kochroboter zum Klebeband
Der 32-Jährige aus Leipzig ist Produktdesigner, gelernter BWL-er und arbeitet viel handwerklich, ist Schreiner, Heimwerker, Tüftler. Er ist einer, der weiß, wie nervig es sein kann, wenn das Maßband ständig verrutscht. Klemab soll genau dieses Problem lösen, ohne großes Umdenken.
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Jorge Manuel hat schon Erfahrungen im Gründen gemacht, da er bereits ein Startup in der Robotik aufgebaut hatte. „Ich habe die letzten Jahre ein Startup gegründet und war in der Food Robotic tätig und habe kochende Roboter gebaut. Wir waren eines von zwei deutschlandweiten Startups, die sowas gemacht haben“, erzählt er. Das Timing allerdings sei schwierig gewesen. „Mit der Corona-Pandemie ein passendes Investment zu finden war hart. Die Technologie in Europa war ebenfalls nicht so einfach. Die Mischung daraus hat das Startup nicht aufgehen lassen.“ Ausgerechnet aus dieser Erfahrung entstand jedoch die Idee für sein heutiges Produkt. „Ich brauchte Tools, mit denen man schnell arbeiten kann.“
Soft Launch statt TikTok-Hype
Seit einem Jahr ist das Produkt im Soft Launch online erhältlich. Rund 1000 Rollen wurden bislang verkauft, etwa 5000 Euro Umsatz stehen zu Buche. Eine volle Rolle mit 50 Metern kostet im Verkauf 7,90 Euro, der Einkauf liegt bei 1,20 Euro. Online habe er noch nicht so viel Gas gegeben. Warum eigentlich nicht, will Frank Thelen wissen: „Was ist da los? Ich empfinde dich als extrem sympathisch, und stelle mich dich auf TikTok vor. Da müssten doch ein paar Rollen rübergehen.“ Jorge Manuel sieht sich jedoch nicht in dem Feld: „Ich kann Produkte gut bauen und das ist das, was ich gerne mache. Ich habe da die größten Anforderungen an mich selbst.“
Thelen zeigt sich grundsätzlich angetan: „Ich liebe einfache Produkte. Wenn du nichts kompliziert erklären musst. Das finde ich cool.“ Trotzdem sieht er sich nicht als passenden Partner. „Du bist ein toller Gründer. Starker Auftritt. Sehr eindrucksvoll. Aber was du brauchst, ist ein Vertrieb in den Baumärkten. Ich seh dich als Medienstar auf TikTok. Du siehst es aber nicht und willst in die großen Baumärkte. Dafür bin ich der falsche Löwe.“
Zwischen Baumarkt und Bauchgefühl
Der Gründer selbst wünscht sich vor allem Kontakte, Netzwerk und Unterstützung beim Schritt in den Handel. Genau da hakt es bei einigen. Judith Williams sagt: „Vick, du bist super sympathisch. Du kommst hier an mit einer genialen Idee. Aber ich bin geschäftlich kein Partner von Baumärkten. Nicht mein Business.“ Anne Lemke ist ebenfalls begeistert vom Produkt: „Das Band klebt sehr gut. Er kommt sehr gut rüber.“ Ihr Ehemann und Geschäftspartner Stefan Lemke ergänzt: „Du bist top, aber leider ist es kein richtiges Online-Produkt. Anne und ich sind einfach nicht die Richtigen.“
„Saudufter Typ“ holt sich den Deal
Carsten Maschmeyer bringt es mit einem Joke auf den Punkt: „KI würde in dem Fall heißen: Klebt intelligent.“, weiterhin sagt er: „Ich will dich hier nicht ohne Deal rauslassen. Ralf, hast du Interesse? Ich bin da auch nicht so zu Hause.“ Ralf Dümmel meldet sich zu Wort, und der Ton ist eindeutig. „Saustarker Auftritt. Menschlich bist du sensationell und super bodenständig. Du bist ein saudufter Typ. Das Produkt gehört in jeden Haushalt. Du stehst ganz am Anfang. Ich sag zu 50.000 Euro und 20 Prozent ja und glaube, ich bin der richtige Partner.“
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Dass aus dem TV-Handschlag mehr wird als nur Sendezeit, zeigt sich nach den Dreharbeiten: Die 50.000 Euro für 20 Prozent fließen tatsächlich, der Deal mit Dümmel geht in die Umsetzung. Für den Leipziger Gründer bedeutet das nicht nur Rückenwind, sondern vor allem Zugang zu genau dem Vertriebsnetz, das er sich gewünscht hat. Am Ende bleibt damit nicht nur ein Rekord in 47 Sekunden, sondern auch die Aussicht, dass aus einer klebrigen Studioaktion ein ernstzunehmender Baumarkt-Case werden könnte.
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Ich habe mich in Tim Cook geirrt
Kein Gründer — und trotzdem einer der erfolgreichsten CEOs aller Zeiten: Wie Tim Cook Apple zur wertvollsten Maschine der Welt machte.
Tim Cook ist die ultimative Erfolgsgeschichte eines Nicht-Gründers. Während er nach 15 Jahren als CEO von Apple zurücktritt, ist das für mich die wichtigste Erkenntnis.
Im Silicon Valley werden Gründer als die einzigen Führungspersönlichkeiten gefeiert, die in der Lage sind, großen, disruptiven und nachhaltigen Wert zu schaffen. Cook hat diese „Founder-Mode“-Theorie auf spektakuläre Weise widerlegt.
Ich war von Anfang an dabei. Als Steve Jobs 2011 starb, ging ich zum Apple-Hauptquartier, um über die Stimmung vor Ort zu berichten. Unter der Trauer lagen viele Fragen: Würde das Unternehmen ohne seinen legendären Mitgründer bestehen? Cook, ein Spezialist für Lieferketten und Operations, übernahm die Führung. Würde er genauso innovativ sein wie Jobs?
Gelächter über meine knallgrüne Hose
Diese Zweifel hingen jahrelang über Apple. Ende 2013 bezeichnete ich Cook in einer Analyse als „Verlierer“, nachdem er einen Großteil des Jahres damit verbracht hatte, zu zeigen, dass der Konzern weiterhin bahnbrechende Geräte entwickeln kann, die das Leben der Menschen verändern.
Etwa sechs Monate später reiste ich erneut zum Apple-Hauptquartier, um Cook, Eddy Cue, Dr. Dre und Jimmy Iovine zur Übernahme von Beats Electronics zu interviewen.
Ich glaube, der CEO hatte mir meine „Verlierer“-Aussage noch nicht verziehen. Als ich in einer knallgrünen Hose erschien, fragte Cook, ob ich direkt vom Golfplatz käme. Ich stammelte, während Cook und sein Team lachten. Ja, sogar Dr. Dre lachte über meine Hose. Das werde ich nie vergessen.
Leben nach Steve Jobs
Was ich ebenfalls nie vergessen werde, ist Cooks Antwort auf eine meiner Fragen. Die Beats-Übernahme war damals Apples mit Abstand größter Zukauf. „Hätte Steve Jobs so eine Übernahme gemacht?“, fragte ich.
Cook sagte, er versuche, sich nicht ständig zu fragen: „Was würde Steve tun?“ — führe Apple aber dennoch mit demselben Ethos obsessiver Produkt-Exzellenz.
Damals war ich etwas enttäuscht von dieser Antwort. Doch mit der Zeit habe ich den differenzierten, ausgewogenen und pragmatischen Ansatz zu schätzen gelernt. Jobs kam nicht zurück. Cook war nicht Jobs und konnte es auch nie sein. Also ging der neue CEO seinen eigenen Weg — und hielt gleichzeitig die grundlegenden Ziele und Ideale seines berühmten Vorgängers am Leben.
Die Billionen-Marke
2018 überschritt Apples Börsenwert erstmals die Marke von einer Billion Dollar und wurde damit zum ersten börsennotierten US-Unternehmen, dem das gelang. Statt ein Nicht-Gründer-„Verlierer“ zu sein, hatte Cook rund 650 Milliarden Dollar an Wert geschaffen — fast doppelt so viel wie Jobs.
Damals war ich Redakteur bei Bloomberg und fragte den iPod-Designer Tony Fadell nach seiner Einschätzung.
„Tim und sein Team haben es meisterhaft geschafft, Steves Vision weiterzuentwickeln und gleichzeitig operative und ökologische Exzellenz in jeden Teil des Unternehmens zu bringen — und so eine nie dagewesene Größenordnung zu erreichen, bei gleichzeitig außergewöhnlich hohen Margen im Consumer-Electronics-Geschäft“, sagte Fadell.
Weitere drei Billionen
Seitdem hat Apple weitere drei Billionen Dollar an Börsenwert aufgebaut. Das iPhone hat sich von einem coolen Gadget zum zentralen Werkzeug entwickelt, mit dem die meisten Menschen ihr Leben organisieren.
Macs wurden dank Apples eigener Chips immer besser — eine Strategie, die Cook mit typischer Präzision umgesetzt hat. Mein MacBook ist auch nach mehr als fünf Jahren intensiver Nutzung noch extrem schnell. Unglaublich.
Apples Servicegeschäft nahm durch die Beats-Übernahme richtig Fahrt auf, weil das Unternehmen damit einen Musik-Streamingdienst bekam, der mit Spotify konkurrieren konnte. Heute generieren Services weit über 100 Milliarden Dollar Umsatz — und das hochprofitabel.
„Tim Cook hat Apple zu dem Unternehmen gemacht, das es heute ist. Diese weltverändernde Größe ist ganz klar das Ergebnis seiner Führung und seines Fokus“, sagte Matt Rogers, ein ehemaliger iPhone-Designer und Mitgründer von Nest Labs.
Sein letzter Sieg?
War Cook so innovativ wie Apples Mitgründer? Vielleicht nicht. Das Unternehmen stellte ein selbstfahrendes Auto-Projekt nach jahrelangen Problemen ein. Die Vision Pro war ein teurer Flop, und es bleibt die große Frage, ob Apple im Bereich KI hinterherhinkt.
Dennoch sind neue Wearables in Entwicklung, und Apple hat bislang die massiven Investitionen vermieden, die andere Big-Tech-Konzerne in KI stecken. Das könnte sich am Ende als Cooks letzter großer Sieg herausstellen.
Doch der Markt lügt nicht — vor allem nicht über viele Jahre hinweg: Apple ist eines der wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Und Tim Cook hat das möglich gemacht.
Interessant ist auch: Apple liegt aktuell beim Börsenwert ungefähr gleichauf mit Google. Und wer führt Google seit über einem Jahrzehnt? Ein Nicht-Gründer namens Sundar Pichai.
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Adyen kauft Talon.One (750 Millionen)
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ Adyen übernimmt Talon.One für 750 Millionen +++ Solar Materials erhält bis zu 20 Millionen +++ Omegga bekommt 10 Millionen +++ Kemaro sammelt 5 Millionen ein +++ VREY streicht 3,3 Millionen ein +++ Christian Lindner investiert in Leegle +++

Im #DealMonitor für den 24. April werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
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MERGERS & ACQUISITIONS
Adyen – Talon.One
+++ Der niederländische Payment-Gigant Adyen übernimmt das Berliner Scaleup Talon.One, das eine Loyalty- und Promotion-Software anbietet. Der Kaufpreis beträgt 750 Millionen Euro. Der amerikanische Geldgeber Silversmith Capital Partners, der Late-Stage-Investor Meritech Capital und Altinvestor CRV investierten zuletzt beachtliche 135 Millionen US-Dollar in Talon.One. Zuvor flossen rund 40 Millionen Euro in das Unternehmen. Talon.One, 2015 von Lieferando-Gründer Christoph Gerber und dem RapidApe-Founder Sebastian Haas gegründet, bietet seinen Kundinnen und Kunden die Möglichkeit an, Coupon-Codes, Rabattaktionen, Bündelangebote, Empfehlungs- und Treueprogramme auf einer Plattform zu erstellen und zu tracken und somit das Promotion-Marketing zu optimieren. Für dieses Jahr peilt das Talon.One-Team rund 60 Millionen Annual Recurring Revenue (ARR) an. Rund 300 Mitarbeitende wirken derzeit für Talon.One. Mehr über Talon.One
INVESTMENTS
Solar Materials
+++ NOVA, der Investmentarm von Saint-Gobain, EIC Fund und Altinvestor bmp Ventures sowie First Imagine! investieren bis zu 20 Millionen Euro in Solar Materials. „15 Millionen Euro davon in der aktuellen Finanzierungstranche“, teilen die Investoren mit. Das Startup aus Magdeburg, 2021 von Fridolin Franke, Jan Bargel und Jan-Philipp Mai in Braunschweig gegründet, entwickelt eine Technologie zum Recycling von Photovoltaik-Modulen. „Mit dem Recyclingverfahren können sämtliche Rohstoffe der zu recycelnden Solarmodule wirtschaftlich zurückgewonnen werden. Im Fokus stehen insbesondere die Funktionswerkstoffe Silber und Silizium sowie hochwertiges Solarglas“, heißt es zum Konzept. Mehr über Solar Materials
Omegga
+++ Der englische DeepTech-Investor IQ Capital, der Kölner Investor Capnamic und EIC Fund investieren 10 Millionen Euro in Omegga. Das BioTech aus München, 2020 von Katharina Hesseler, Till Nöllgen und Paul Günther gegründet, entwickelt eine „optische, Methode zur in-ovo Geschlechtsklassifizierung von frühembryonalen Hühnern“. Das Team möchte so „Millionen männliche Küken davor bewahren, direkt nach dem Schlüpfen getötet zu werden“. Das frische Kapital soll unter anderem in die „kommerzielle Skalierung der Lösung zur In-Ovo-Geschlechtsbestimmung“ fließen. 17 Mitarbeitende arbeiten derzeit für die Jungfirma. IQ Capital, hierzulande auch an Alpine Eagle und Quantum Diamonds beteiligt, hält nun rund 19,6 % an Omegga. Auf Capnamic entfallen 18,4 %. Mehr über Omegga
Kemaro
+++ Nicht genannte Investoren investieren 5 Millionen US-Dollar in Kemaro. Das Robotik-Unternehmen aus Eschlikon (Schweiz), 2016 von den Ingenieuren Thomas Oberholzer, Martin Gadient und Armin Koller gegründet, entwickelt vollständig autonome Reinigungsroboter für industrielle Anwendungen. Das frische Kapital soll das „internationale Wachstum des Unternehmens beschleunigen“. Insgesamt möchte das Team in der Series B 20 Millionen einsammeln. Mehr über Kemaro
VREY
+++ Der niederländische Investor Rubio Impact Ventures, High-Tech Gründerfonds (HTGF) und Kopa Ventures investieren 3,3 Millionen Euro in VREY. Das PropTech aus Berlin, 2024 von Julius Pahmeier und Cedric Jaeger gegründet, möchte sich als „voll integrierter Anbieter für gemeinschaftliche Gebäudeversorgung“ etablieren. Konkret ermöglicht das Unternehmen es, „Solarstrom in Mehrparteienhäusern rechtskonform, wirtschaftlich und ohne zusätzliche Pflichten als Energievollversorger bereitzustellen“. Der PropTech-Investor Styx Urban Investments und mehrere Business Angels investierten bereits in das Unternehmen. Mehr über VREY
Repentium
+++ Raiffeisen Salzburg Start-Up eGen, Business Angel Wolfgang Faist und Austria Wirtschaftsservice (aws) investieren eine siebenstellige Summe in Repentium. Das Startup aus Salzburg, 2024 von Lukas Rupsch und Florian Rohrmoser gegründet, entwickelt eine Software für industriellen 3D-Druck. „At the core of our technology is a patented printhead unit combined with a proprietary algorithm, which analyses each print-object upfront“, heißt es zum Konzept. Mehr über Repentium
Leegle
+++ Der ehemalige Bundesfinanzminister Christian Lindner investiert in Leegle. Das Münchner LegalTech, 2022 von Anne Greul, Patrick Tu und Sebastian Wagner als Moonblock gegründet, positioniert sich als „Regulatory & Compliance Operating System für Produkthersteller“. Zur Idee schreibt das Team: „Die KI-Plattform übersetzt regulatorische Komplexität in klare, ausführbare Maßnahmen: für jedes Produkt, jeden Markt, jede Regulierung“. Business Angels wie Leon Szeli, Gründer von Presize, und der ehemalige Audi-CTO Peter Mertens investierten zuvor bereits eine sechsstellige Summe in das Unternehmen. Das Investment ist das erste öffentlich bekannte Startup-Investment von Lindner nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik. Mehr über Leegle
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Foto (oben): azrael74
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Julian Draxler gründete Haarpflegemarke – getestet an diesen Profi-Fußballern
Draxler und Mostafa gründeten 2021 Haarwald. Nach Jahren der Entwicklung und Tests mit Fußballprofis wie Messi und Neymar ist das Produkt nun im Handel.
Julian Draxler sitzt in Katar, sein Co-Gründer Mustafa Mostafa in Essen, als Gründerszene mit ihnen spricht. Draxler spielt aktuell als Profifußballer beim katarischen Verein Al-Ahli SC und ist für das Gespräch von zu Hause zugeschaltet. Mostafa arbeitet seit 2012 als selbstständiger Friseur in Essen und führt parallel sein eigenes Geschäft. Gemeinsam gründeten sie 2021 Haarwald, eine Haarpflege- und Stylingmarke.
Obwohl Draxler im Gespräch mit kurzem Haarschnitt zu sehen ist, sagt er, dass er das Produkt selbst regelmäßig nutze, auch wenn es gerade nicht nach aufwendigem Styling aussehe.
Vom Friseurtermin zur Gründung
Dabei kennen sich die beiden Gründer laut eigener Aussage schon länger. Draxler sei 2017 Stammkunde bei Mostafa gewesen, hätte sich dort regelmäßig die Haare schneiden lassen. Dabei sei der Fußballer oft mit verschwitzten und nassen Haaren vom Training gekommen. Mostafa hätte dann zu Draxler aus Spaß gemeint: „Ich weiß nicht, wie du deine Haare immer machst, aber du siehst immer aus wie der letzte Idiot.“ Draxler daraufhin: „Wenn du alles besser weißt, dann mach es doch mal selber.“ Was anfangs locker daher gesagt war, entwickelte sich dann zur gemeinsamen Geschäftsidee.
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Wie die beiden das Produkt dann entwickelt hätten? Sie kommen zwar aus verschiedenen Welten, würden sich aber laut Mostafa gut ergänzen. Mostafa sei dabei der „Macher“: Kreativ, impulsiv, und immer mit dem Produkt in der Hand. Dieses hätte er über sein Friseur- und Produzentennetzwerk entwickeln und testen lassen, sagt er.
Draxler hingegen hätte ihn bei seinem großen Elan manchmal etwas bremsen müssen, meinen die beiden. Als Fußballprofi denke er strategisch – und teste ihr Produkt am liebsten unter Extrembedingungen wie Schweiß, Regen und Kamera-Aufmerksamkeit. Mostafa hätte ihm dann immer die überarbeiteten Produkte mit in den Friseurladen gebracht, auch mit Feedback und Unterstützung aus seinem Salon-Netzwerk. „Jedes Feedback hilft, egal ob gut oder schlecht“, betont Mostafa und ergänzt: „Wir haben dann einfach gemacht, es war viel try and error.“
Werbung mit Neymar, Messi und Co.
Draxler habe dabei aber auch das Feedback seiner prominenten Teamkollegen genutzt. Er habe die Produkte großzügig in der Kabine bei seinem damaligen Fußballclub Paris St. Germain verteilt. So kam es, dass Fußballgrößen wie Messi, Neymar und Sergio Ramos das Haarprodukt testen und nutzen durften. Was diese dazu gemeint hätten? „Sie haben es gefeiert und genutzt, der Stock in der Kabine war ziemlich schnell leer“, meint Julian Draxler im Gespräch mit Gründerszene.
Und da er laut eigener Aussage nicht der unbeliebteste in der Kabine gewesen sei, hätten ein paar Spieler sich dann sogar zu spontanen Werbefotos mit dem Produkt bereit erklärt. Draxler habe diese dann Mostafa geschickt, und so die erste Werbekampagne für ihre Marke gestartet. „Das hat uns sicherlich am Anfang auch geholfen, ein bisschen Bekanntheit zu generieren“, sagt Draxler im Gespräch.
Für einen Serverausfall hätte aber jemand anderes gesorgt: Elias Nerlich. Der bekannte deutsche Streamer hat neben anderen Creatorn auch bereits für das Produkt geworben und mit seiner Werbung kurzzeitig die Server lahmgelegt. Draxler: „Darauf waren wir in der Form nicht vorbereitet und es war schon spannend zu sehen, welche Power dahintersteckt. Die Kombi macht es am Ende vermutlich.“
Jahre des Bastelns, bis alles passte
Von der Idee 2017 bis zum finalen Produkt dauerte es viele Proben und rund vier Jahre, bis beide wirklich zufrieden waren. Dabei machten sie laut eigenen Aussagen Tausende Tests, Mostafa sei bei fünf deutschen Fabriken mit der Produktion gescheitert – es sei nicht möglich gewesen, eine ausreichende Qualität zu erreichen. Sie feilten an Geruch, Textur und Halt – mit dem Anspruch, ein Produkt zu entwickeln, das im Alltag genauso funktioniert wie unter Extrembedingungen im Profisport.
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Die Zielgruppe ist dabei bewusst breit gedacht: vom ganz normalen Alltag bis hin zu sportlichen Belastungen. „Wie hält das? Riecht das richtig?“, habe Mostafa Draxler immer wieder gefragt. Irgendwann hätten beide dann kein Verbesserungspotenzial mehr gesehen.
Drogerie-Kampf und große Träume
Nachdem die Online-Verkäufe gut angelaufen seien, hätten die großen Drogerieketten zunächst gezögert. Verpackung und Formel hätten aus ihrer Sicht nicht gepasst. Inzwischen aber stehe Haarwald deutschlandweit in den Regalen aller großen Drogerien. Mostafa sagt: „90 Prozent der Leute kaufen unser Produkt wieder, wenn sie’s testen. Wir liefern echte Friseurqualität für die Drogerie-Märkte.“
Auch bei der Produktentwicklung sei das Startup konsequent vorgegangen. In der Gründungsphase hätten sie so günstig wie möglich produziert, weil die Kosten in der Pandemie stark gestiegen seien. Später seien Verpackung, Haptik und Formeln verbessert worden, unter anderem mit veganen und dermatologisch getesteten Produkten. Das sei bei den kleinen Bestellmengen zwar rund dreimal teurer gewesen und habe auf die Marge gedrückt, sei aber aus dem eigenen Umsatz finanziert worden. Draxler betont dabei: „Es ist alles bootstrapped!“
Für die Erstbestückung in den Drogerien erwarte Haarwald nun Umsätze im hohen sechsstelligen Bereich. Mit guten Abverkäufen wolle das Unternehmen Marktanteile sichern und möglichst schnell in den siebenstelligen Umsatz kommen.
Wie es sei, mit einem Fußballprofi zusammen zu gründen, fragen wir Mostafa noch. „Gut, wir haben voneinander gelernt“, sagt er. Die Freundschaft bilde dabei die Basis der Zusammenarbeit. Draxler sei durch das gemeinsame Projekt offener geworden, während Mostafa vor allem Geduld gelernt habe, meint er. Es sei aber etwas nervig, dass Draxler durch Training und Reisen oft schwer erreichbar sei. Dieser kontert trocken: „Unternehmer sein ist anstrengender als Fußballprofi. Meetings im Office sind für mich herausfordernder als das Training auf dem Platz.“
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