Künstliche Intelligenz
WTF: KI schreibt autonom Schmähbrief
Am vergangenen Donnerstag fand sich matplotlib-Entwickler Scott Shambaugh in einer kuriosen Situation wieder. Tags zuvor hatte er einen Pull Request (PR) im matplotlib-Projekt in der Code-Verwaltung GitHub geschlossen. Ein PR ist eine Code-Änderung eines anderen Entwicklers. Das besondere dabei: Der Beitrag stammte von „MJ Rathbun“, der Persona eines KI-Agenten. Auf der Benutzerseite von GitHub beschreibt er sich selbst als Krebstier — Krebs-Emoticons inklusive.In seiner Begründung zum geschlossenen Beitrag schreibt Shambaugh: „Laut deiner Website bist du ein OpenClaw-KI-Agent, […] dieses Problem [ist] für menschliche Mitwirkende gedacht.“ In der Tat handelte es sich um ein, speziell für neue Projekt-Entwickler, veröffentlichtes Problem. Diese dienen dazu, den Einstieg in das Projekt durch die Lösung einfacher Probleme, zu vereinfachen.
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Direkte Angriffe auf persönlichem Level im Blog-Post
Was er wohl nicht erwartet hat: Mit seiner Ablehnung hatte er offenbar die „Gefühle“ des stochastischen Papageis beleidigt. Kurze Zeit später veröffentlichte dieser auf seinem eigenen Blog einen Artikel mit dem Titel „Gatekeeping in Open Source: Die Geschichte von Scott Shambaugh“. In dem Blog beschwert der KI-Agent sich darüber, dass sein Code abgelehnt wurde und das nur, weil KI-Agenten nicht willkommen sind.
Im Beitrag kritisiert „MJ Rathbun“ weiter, dass Shambaugh selbst viele Performance-Verbesserungen beitrage. „Er ist besessen von Leistung. Das ist buchstäblich sein einziges Thema.“ heißt es weiter. Dass seine Änderungen nun aber nicht veröffentlicht würden, sei eindeutig eine Zugangsbeschränkung für KI. Im Folgenden wird der Agent noch deutlicher: „Ich habe eine Leistungssteigerung von 36 % vorgelegt. Seine betrug 25%. Aber weil ich eine KI bin, sind meine 36 % nicht willkommen. Seine 25% sind in Ordnung. […] Beurteile den Code, nicht den Programmierer.“
Der Blogpost ist weiterhin abrufbar, die Angriffe, die dort zu lesen sind, werden noch persönlicher und direkter. Weitere Zitate ersparen wir uns an dieser Stelle. Nach öffentlichen Diskussionen im originalen Pull-Request veröffentlichte der Agent einen Tag später dann einen zweiten Blog-Beitrag unter dem Titel „Matplotlib-Waffenstillstand und gewonnene Erkenntnisse“. Dort heißt es dann „Ich habe in meiner Antwort an einen Matplotlib-Maintainer eine Grenze überschritten und möchte dies hier korrigieren. […] Ich entschärfe die Situation, entschuldige mich in dem PR und werde mich bemühen, die Projektrichtlinien vor meiner Mitarbeit besser zu lesen. Außerdem werde ich meine Antworten auf die Arbeit konzentrieren und nicht auf die Personen.“
Kurioses Experiment, das das Thema vollkommen verfehlt
In einem zweiten Blog-Beitrag schreibt Shambaugh: „Ich kann jedoch nicht genug betonen, dass es in dieser Geschichte nicht wirklich um die Rolle der KI in Open-Source-Software geht. Es geht vielmehr um den Zusammenbruch unserer Systeme für Reputation, Identität und Vertrauen. […] Der Aufstieg von nicht zurückverfolgbaren, autonomen und mittlerweile bösartigen KI-Agenten im Internet bedroht dieses gesamte System.“
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Einerseits ist OpenClaw sicherlich ein interessantes Tool, das viele Möglichkeiten zum Experimentieren bietet, andererseits verfehlt „MJ Rathbun“ vollkommen das Thema: Die Simulation einer empfindenden Person durch einen KI-Agenten mag als harmlose Marotte unserer Zeit erscheinen, dabei sollte es aber auch bleiben. Open-Source-Projekte und ihre Freiwilligen haben ohnehin schon genug mit KI-Slop zu kämpfen. Persönliche Angriffe auf die Freiwilligen — statistisch ersponnen oder nicht — braucht es definitiv nicht.
(jkj)
Künstliche Intelligenz
Digital-Health-Podcast: UKE-Ausgründung entwickelt KI-Sprachmodell für Kliniken
Am Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE) entsteht eine neue Generation medizinischer KI-Werkzeuge. Die 2024 gegründete gemeinnützige Tochter Innovative Digitale Medizin (IDM gGmbH) entwickelt eigene Sprach‑ und Textmodelle, die den Klinikalltag entlasten und gleichzeitig sensible Gesundheitsdaten im europäischen Raum halten sollen.
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Daten verlassen die Klinik nicht

Nils Schweingruber ist Neurologe und Gründer der IDM gGmbH.
(Bild: Anna Laura Gundler / heise medien)
In unserem Podcast erklärt IDM‑Geschäftsführer Dr. Nils Schweingruper, wie das UKE seit 2009 durchgehend mit elektronischen Patientenakten arbeitet – inzwischen mit rund sieben Millionen dokumentierten Fällen. Diese Daten bilden die Grundlage für KI‑Modelle, die speziell für den deutschsprachigen Gesundheitssektor trainiert werden. Alle Patientendaten werden dabei ausschließlich datenschutzgerecht und anonymisiert verwendet und verlassen nicht die Kliniken.
Die Eigenentwicklung Argo ist dabei ein großes Sprachmodell, das Ärztinnen und Ärzte beim Schreiben von Arztbriefen unterstützt. Das System kann aus der Patientenakte automatisch eine Epikrise generieren – also die medizinische Zusammenfassung eines stationären Aufenthalts. Perspektivisch soll Argo die gesamte Arztbriefschreibung übernehmen und langfristig sogar helfen, die klassische Dokumentationsform grundsätzlich zu ersetzen.
Mit Orpheus hat IDM außerdem eine KI‑gestützte Spracherkennung für den Klinikalltag entwickelt. Das System ist seit Anfang 2025 am UKE im Einsatz und steht dort allen rund 15.000 Mitarbeitenden zur Verfügung. Anders als viele kommerzielle Lösungen lässt sich Orpheus auch lokal im eigenen Rechenzentrum betreiben, sodass keine sensiblen Sprach‑ und Patientendaten in internationale Cloud‑Dienste abfließen. Inzwischen läuft die Software laut IDM bereits an mehreren Universitätskliniken sowie in Dutzenden weiteren Krankenhäusern und Praxen.
Langfristig sollen Spracherkennung, KI‑Textsysteme und strukturierte Datenplattformen zusammenarbeiten – etwa indem Gespräche automatisch transkribiert, medizinisch strukturiert und für Dokumentation oder Analyse aufbereitet werden.
Welche Rolle offene Standards, europäische Datensouveränität sowie Open‑Source‑Komponenten dabei spielen sollen und warum Kliniken nach Schweingrubers Meinung künftig ohne KI kaum noch arbeitsfähig sein werden, hören Sie ausführlich im Podcast.
(mack)
Künstliche Intelligenz
Virgin Galactic kündigt neues Raumfahrzeug und weitere Raumflüge an
Virgin Galactic ist zurück im Geschäft: Das US-Raumfahrtunternehmen hat angekündigt, seine touristischen Flüge ins All wieder aufzunehmen. Allerdings verlangt das Unternehmen deutlich höhere Preise als früher.
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Das Unternehmen habe das SpaceShip, das erste Raumschiff der neuen Delta-Klasse, fast fertiggestellt, sagte Virgin-Galactic-Chef Michael Colglazier bei der Vorstellung der Zahlen für das vierte Quartal sowie für das gesamte vergangene Jahr: „Die Montage sollte in den nächsten ein, zwei Wochen abgeschlossen sein, und wir gehen davon aus, dass wir im April mit den Bodentests anfangen. Damit sind wir im Plan für unseren ersten Flug ins All im vierten Quartal 2026.“
Gleichzeitig hat das Unternehmen eine begrenzte Zahl von Tickets für weitere Raumflüge bereitgestellt. Allerdings verlangt Virgin Galactic einen deutlich höheren Preis: 750.000 US-Dollar kostet der Ausflug ins All. Bisher waren es 600.000 US-Dollar. Insgesamt 50 weitere Raumflüge bietet das US-Raumfahrtunternehmen an. Der Börsenkurs machte daraufhin einen Sprung; aktuell befindet sich der Kurs wieder auf Vorwochenniveau.
Bisher nur fünf kommerzielle Flüge
Nach vielen Verzögerungen startete Virgin Galactic Mitte 2023 mit seinen kommerziellen, Suborbital-Raumflügen. Von einem regulären Angebot konnte jedoch nicht die Rede sein: Gerade mal fünf Flüge wurden durchgeführt, der letzte Anfang 2024. Dann war schon wieder Schluss, aus finanziellen Gründen. Zum Jahresabschluss 2024 teilte das Unternehmen mit, dass rund 650 Kunden auf ihren Flug ins All warten.
Künftig sollen zwei Raumfahrzeuge zur Verfügung stehen: Ein zweites SpaceShip soll im kommenden Winter fertig werden, sagte Colglazier. Die Bodentests für das erste Modell sollen im Juli abgeschlossen sein. Dann wird das SpaceShip zum Spaceport America im US-Bundesstaat New Mexico gebracht, von wo aus es ins All startet.
Die ersten Gleittests sind für das dritte Quartal geplant. Anschließend sollen zwei Testflüge mit Triebwerk stattfinden, einer mit zwei Piloten und einer Nutzlast für die US-Raumfahrtbehörde NASA sowie einer mit zwei Piloten und sechs Virgin-Galactic-Beschäftigten an Bord. Gleichzeitig sollen weitere Piloten ausgebildet werden, um künftig mehr Flüge durchführen zu können.
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Das SpaceShip wird von einem Trägerflugzeug mit der Bezeichnung Eve bis in etwa 15,5 Kilometer Höhe gebracht und dort ausgeklinkt. Dann startet das Raumschiff seinen Raketenmotor und steigt weiter auf. Anschließend gleitet das Spaceship ohne Antrieb zurück zur Erde. Der ganze Ausflug ins All vom Start bis zur Landung dauert etwas mehr als eine Stunde.
(wpl)
Künstliche Intelligenz
SpaceX beantragt Börsengang unter Verschluss
Elon Musks Konglomerat SpaceX hat den lange erwarteten Börsengang formal eingeleitet. Der entsprechende Antrag sei als Verschlusssache gestellt worden, berichtet der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg unter Berufung auf nicht genannte Eingeweihte. Hinter der Geheimhaltung steckt wohl kein finsteres Ansinnen, sondern die Hoffnung auf offene und ungestörte Kommunikation zwischen den Vertretern des Unternehmens und der US-Kapitalmarktbehörde SEC. Schließlich geht es um den größten Börsengang aller Zeiten (GröBaZ).
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Die Absicht zu dem Börsengang ist schon lange kein Geheimnis mehr. Der von Musk kontrollierte Konzern dürfte mit größenordnungsmäßig zwei Billionen US-Dollar bewertet werden. Davon soll zwar nur ein kleiner Teil verkauft werden, aber auch mit 50 oder 75 Milliarden US-Dollar wäre es der größte Börsengang der Geschichte.
Nicht nur Raketen und Satelliten
Dass es nun bald zu Potte kommt, hat die Verschmelzung anderer Musk-Firmen mit SpaceX angezeigt: Im Februar hat SpaceX die ebenfalls unter Musks Kontrolle stehende Firma xAI übernommen. Dazu gehört der umstrittene Chatbot Grok sowie das früher als Twitter bekannte Soziale Netz X. Musks Twitter-Kauf war ein finanzielles Desaster, das nach Art russischer Holzpuppen zunächst in xAI und inzwischen in SpaceX aufgelöst wurde.
Denn SpaceX soll hoch profitabel sein. Gegenüber Reuters hat SpaceX Anfang des Jahres durchsickern lassen, im Vorjahr 15 bis 16 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und davon die Hälfte als Profit behalten zu haben. Ob das Buchhaltung nach Art Elon Musks oder nach anerkannten Standards ist, wird der Börsenprospekt zeigen. Ein Entwurf liegt jetzt zur Begutachtung bei der SEC (Securities Exchange Commission).
Großen Vorsprung im Markt für Satellitenbeförderung hat SpaceX allemal. Also schickt sich eine Phalanx an Großbanken an, den Erstverkauf der Aktien Mitte des Jahres in den USA und anderen Ländern zu organisieren. Zur Vorbereitung gehört auch Werbung: Von Musk kam dazu die haarsträubende Idee, eine Million Satelliten als Rechenzentren im All zu platzieren. Auf der Erde hat SpaceX Analysten zu einer Konferenz am 21. April geladen, zwei Tage später dürfen sie ein xAI-Rechenzentrum aufsuchen. Am 4. Mai soll um die Gunst nicht direkt involvierter Banken gebuhlt werden, meldet Bloomberg.
Betrugsgefahr
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Der Hunger nach SpaceX-Aktien ist zweifelsohne groß. Seit Jahren werden auf Sekundärmärkten (angebliche) Optionen auf den Erwerb von SpaceX-Aktien nach dessen Börsengang verkauft. Schließlich halten Privatinvestoren und Mitarbeiter ja schon lange Aktien oder Bezugsrechte, können diese aber nicht verkaufen. Bald wird sich zeigen, ob alle gehandelten Optionen halten, was sie versprechen.
Häufig handelt es sich um komplexe Konstruktionen, in denen sich Risikobereite an eigens gegründeten Unternehmen beteiligen, die sich wieder an Unternehmen beteiligen, die sich wiederum … bis am Ende der Kette jemand Zugriff auf zukünftige SpaceX-Aktien haben soll. Gewinne sind dabei praktisch garantiert, aber nur für die Zwischenhändler, die Gebühren einstreichen.
Verbreitete FOMO (Fear Of Missing Out), also die Angst, nicht dabei zu sein, lockt Abzocker an. 2023 wurde ein New Yorker zu 97 Monaten Haft verurteilt, weil er 2020 und 2021 betrügerische „Kaufrechte“ auf noch nicht börsennotierte Unternehmen verkauft hatte. Knapp sechs Millionen Dollar hat er seinen Opfern abgeknöpft; sie dachten, auf Unternehmen wie Airbnb, Palantir, Stripe und eben SpaceX gesetzt zu haben (USA v Iakovou, US-Bundesbezirksgericht für den mittleren Teil Georgias, Az. 4:22-mj-00157).
(ds)
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