Künstliche Intelligenz
Festung im All: Wie Europa Satelliten gegen Cyberangriffe und Geopolitik wappnet
In der Arktiswüste von Kangerlussuaq auf Grönland entsteht derzeit ein Bollwerk für die europäische Sicherheit. Inmitten von Eis und Fels errichtet das litauische Unternehmen Astrolight mit Unterstützung der Europäischen Weltraumorganisation ESA eine neue Bodenstation, die den Datenaustausch mit dem Orbit revolutionieren soll. Dabei geht es nicht um klassische Funkwellen, die leicht gestört oder abgehört werden können. Die Anlage soll hochpräzise Laserstrahlen nutzen, um gewaltige Datenmengen von Satelliten schnell und sicher zur Erde zu übertragen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Das Projekt hat laut einem Bericht von Politico hohen Symbolcharakter: Europa rüste technisch massiv auf, um sich gegen eine vergleichsweise neue Bedrohung zu verteidigen: Cyberangriffe im und über den Weltraum („Space Hacks“).
Lange Zeit betrachteten Entscheidungsträger die Satelliteninfrastruktur eher als eine Art unsichtbare technische Dienstleistung für den Alltag, vergleichbar mit der Wasser- oder Stromversorgung. Sie ist sie längst entscheidend etwa für Fernsehen, die Wettervorhersage oder die zivile Navigation. Diese Sichtweise hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Spätestens seit 2022 begreifen Politiker die Infrastruktur im All als strategisches Kernelement der nationalen und kontinentalen Sicherheit. Damals fiel eine Cyberattacke auf das Viasat-Satellitennetzwerk zeitlich exakt mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine zusammen und legte die Kommunikation ukrainischer Streitkräfte sowie tausender Windkraftanlagen in Deutschland lahm.
Die Arktis als gefährliches Nadelöhr
Satelliten sind heute Ziele für Spionage, elektronische Störungen und Sabotageakte. Die EU-Kommission warnte im Juni, der Weltraum sei zunehmend umkämpft. Deutschland und Großbritannien wiesen auf die wachsende Gefahr durch russische und chinesische Satelliten hin. Diese würden regelmäßig dabei ertappt, wie sie europäische Objekte im All aus nächster Nähe beschatten. In diesem Umfeld wird die Anfälligkeit der physischen Infrastruktur am Boden zum kritischen Faktor.
Das Problem der aktuellen europäischen Architektur wird besonders in der Arktis deutlich. Astrolight-Chef Laurynas Mačiulis führte gegenüber Politico aus, aktuell liefen rund 80 Prozent des gesamten europäischen Datenverkehrs aus dem All an einem einzigen, hochgradig exponierten Ort zusammen: auf Svalbard (Spitzbergen). Die Inselgruppe wird aufgrund völkerrechtlicher Verträge von verschiedenen Ländern genutzt, darunter auch Russland.
Die dortige Bodenstation ist zwar strategisch günstig für polare Umlaufbahnen gelegen, aber geopolitisch extrem verwundbar. Sie ist über ein einziges Unterseekabel mit dem globalen Internet verbunden, das in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrfach unter mysteriösen Umständen beschädigt wurde. Fällt diese Leitung aus, verliert Europa schlagartig den Zugriff auf die wichtigsten Daten der Copernicus- und Galileo-Systeme.
Die neue Laser-Station auf Grönland soll daher als technologisch aufgerüstete Ausweichmöglichkeit dienen. Astrolight konnte im Frühjahr 2025 eine Finanzierungsrunde über 2,8 Millionen Euro abschließen. Das Unternehmen entwickelt eine Dual-Use-Kommunikationsarchitektur, die sowohl optische Verbindungen zwischen Weltraumstationen als auch zwischen Weltraum und Erde ermöglicht. Ziel ist es, optische Kommunikation als Service anzubieten und die optischen Terminals von Astrolight und anderen Anbietern mit der eigenen Bodeninfrastruktur zu verbinden.
Weiterlesen nach der Anzeige
Souveränität statt Abhängigkeit von Milliardären
Die Souveränität am Boden ist nur die eine Seite der Medaille; die andere ist die Unabhängigkeit im Orbit. Ein zentraler Baustein der europäischen Ambitionen ist die „Infrastruktur für Resilienz, Interkonnektivität und Sicherheit durch Satelliten“ (IRIS2). Die milliardenschwere Konstellation gilt als Antwort auf Elon Musks Starlink-System. Experten wie der frühere NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betonen oft, wie gefährlich die aktuelle Abhängigkeit von privaten US-Akteuren sei. In der Ukraine habe sich gezeigt, dass die lebenswichtige Kommunikation eines ganzen Landes im Zweifelsfall von den persönlichen Ansichten und geopolitischen Einschätzungen eines US-Milliardärs abhänge.
IRIS2 soll aus hunderten Satelliten bestehen und verschlüsselte Breitbandkommunikation ermöglichen. Ziel ist ein System, das selbst bei einem theoretischen Abfangen der Signale durch Quantentechnologien nicht entschlüsselt werden kann und strengsten nationalen Sicherheitszertifizierungen standhält. Bis IRIS2 voll einsatzfähig ist, werden aber noch mindestens vier Jahre vergehen. In dieser Übergangsphase bleibt die europäische Flanke weit offen: Der wunde Punkt am Satellitenhimmel ist längst kein theoretisches Szenario mehr.
Das organisatorische Vakuum füllen
Zugleich kämpft Europa mit organisatorischen und rechtlichen Hürden. Die Zuständigkeiten für die Verteidigung im Weltraum sind oft diffus zwischen neu geschaffenen Weltraumkommandos etwa der Bundeswehr und anderer Armeen sowie den klassischen nationalen Cybereinheiten aufgeteilt. Clémence Poirier vom Center for Security Studies der ETH Zürich fordert eine engere Koordination und klare Mandate. Es gehe nicht mehr nur ums bloße Beobachten von Schrottteilen, sondern um die Fähigkeit zu defensiven und im Ernstfall auch offensiven Cyberoperationen im Orbit.
Auch die Sicherheitsindustrie hinkt der Bedrohungslage hinterher. Viele klassische Cybersecurity-Firmen betrachten den Weltraum noch nicht als eigenständigen Sektor. Stattdessen werden Satellitendienste oft in herkömmliche Kategorien wie Umwelt, Medien oder allgemeine Breitbanddienste einsortiert. Diese Fragmentierung erschwert es den Betreibern, auf den Weltraum zugeschnittene Abwehrwerkzeuge zu entwickeln. Die Baustelle in der grönländischen Kälte ist so nur einer von vielen Schauplätzen in einem weitgehend unsichtbaren Konflikt.
(nen)
Künstliche Intelligenz
Experten warnen: Klarnamenpflicht gefährdet Demokratie und trifft die Falschen
Ein Vorstoß aus der Regierungszentrale könnte die Grundfesten der anonymen Kommunikation erschüttern. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) drängt mit Nachdruck auf eine Klarnamenpflicht im Internet. Wer sich kritisch mit der Gesellschaft oder dem Land auseinandersetze, solle dies unter seiner echten Identität tun, argumentiert er. Das Ziel scheint klar: eine Rückkehr zum Anstand durch die Aufhebung der digitalen Maskerade. Doch was in der Theorie nach einer einfachen Lösung gegen Hass und Hetze klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als digitalpolitisches Minenfeld. Dieses könnte Kennern zufolge eher die Demokratie gefährden, als sie zu schützen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Fachleute und Bürgerrechtler schlagen Alarm. Der IT-Sicherheitsberater Manuel Atug hält die Forderung nicht nur für populistisch, sondern sogar für gefährlich. Gegenüber dem WDR betonte er, dass das Grundgesetz das Recht auf anonyme Äußerungen schütze. Dabei handle es sich um einen Eckpfeiler, der in einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft unverzichtbar sei. Eine Klarnamenpflicht würde dieses Recht für die breite Zivilgesellschaft faktisch aushebeln, ohne dabei die eigentlichen Zielgruppen zu treffen.
„Gleichzeitig würden Kriminelle immer einen Weg finden, in der Anonymität zu bleiben“, gibt Atug zu bedenken. „Denn sie halten sich ja schlicht nicht an Gesetze und damit interessiert die auch eine Klarnamenpflicht nicht.“
Die technische Realisierbarkeit steht ohnehin auf tönernen Füßen. Gegner einer Ausweispflicht fürs Netz ziehen Vergleiche zu autoritären Systemen. Um eine solche Auflage flächendeckend und manipulationssicher durchzusetzen, müsste eine Überwachungsstruktur entstehen, wie sie sonst nur aus China bekannt sei. Statt symbolischer Politik fordern Experten wie Atug eine Stärkung der Ermittlungsbehörden. Diese müssten befähigt werden, bestehende Befugnisse effektiv anzuwenden. Denn ein Paradox der aktuellen Situation ist: Viele Straftaten im Netz finden bereits heute unter Klarnamen statt, werden aber mangels Ressourcen oder technischer Expertise der Behörden kaum geahndet.
Algorithmen als wahre Brandstifter
Wissenschaftliche Untersuchungen stützen die Skepsis gegenüber dem Merz-Plan. Studien belegen immer wieder, dass Anonymität nicht Haupttreiber für Aggression im Netz ist. Eine Schweizer Studie zeigt etwa, dass ein winziger Bruchteil von nur fünf Prozent der Nutzer für satte 78 Prozent der Hasskommentare verantwortlich ist. Noch deutlichere Ergebnisse brachte eine Analyse von Twitter (jetzt X) schon 2021: Hier waren 99 Prozent der Verfasser von Hassbotschaften bereits identifizierbar.
Eine Klarnamenpflicht würde diese „Hater“ also kaum bremsen, dafür aber die große Mehrheit der friedlichen Nutzer massiven Risiken aussetzen. Besonders Frauen und marginalisierte Gruppen, die ohnehin schon Zielscheibe von digitaler Gewalt sind, müssten bei einer Entanonymisierung um ihre physische Sicherheit fürchten.
Die Ursache für die Verrohung liegt tiefer, nämlich im Maschinenraum der großen Plattformen. Die Empfehlungsalgorithmen von Netzwerken wie X, Facebook oder TikTok belohnen Emotionalisierung und Hass, da diese Interaktion und damit Werbeeinnahmen generieren. Die EU-Abgeordnete Alexandra Geese (Grüne) verlangt daher eine europäische Antwort statt nationaler Alleingänge. Sie appelliert an Merz, sich gemeinsam mit Frankreich und Spanien für eine konsequente Durchsetzung des Digital Services Act (DSA) einzusetzen. Europa müsse die Betreiber dazu bringen, „toxische Algorithmen zu reformieren“.
Weiterlesen nach der Anzeige
Alternative Lösungswege
Innerhalb der politischen Landschaft ist das Echo geteilt. CSU-Politiker wie Markus Söder und Teile der Freien Wähler wie der bayerische Digitalminister Fabian Mehring sehen im Klarnamen die einzige Waffe gegen Troll-Fabriken und KI-gesteuerte Desinformation.
Beim Koalitionspartner im Bund, der SPD, und in der Opposition regt sich dagegen Widerstand. Johannes Schätzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, verweist auf den Schutzraum der Anonymität. Der sei etwa für Whistleblower oder Menschen in persönlichen Krisensituationen lebensnotwendig. Auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) plädiert dafür, dass Anonymität im Netz grundsätzlich möglich bleiben muss. Die Sozialdemokraten bauen auf die EUDI-Wallet. Diese soll es ab 2027 ermöglichen, sich gegenüber Plattformen als „echte Person“ auszuweisen, ohne die gesamte Identität für jedermann sichtbar offenzulegen.
Besonders scharfe Kritik kommt von Donata Vogtschmidt, Obfrau im Digitalausschuss des Bundestags für die Linksfraktion. Sie wirft dem Kanzler eine „unsachliche und von der Faktenlage entfernte“ Position vor. Eine Klarnamenpflicht würde ihr zufolge staatliche Überwachung auf eine neue Stufe heben und autoritären Kräften gefährliche Instrumente in die Hand geben.
„Ich hätte einen solchen Vorschlag aus dem Iran, Russland oder China erwartet“, wundert sich Vogtschmidt. „Dass er von unserem Bundeskanzler kommt, zeigt das Fingerspitzengefühl einer Abrissbirne.“ Das erneute Hochkochen der uralten Debatte spricht dafür, dass der Wunsch nach mehr Zivilität im Netz konsensfähig ist. Die Abschaffung der Anonymität trifft laut Beobachtern aber die Falschen. Die Plattformbetreiber und ihre Algorithmen würden damit weitgehend aus der Verantwortung entlassen.
(mki)
Künstliche Intelligenz
ZDF zieht nach KI-Fiasko Korrespondentin ab
Das ZDF zieht personelle Konsequenzen, nachdem das „heute journal“ einen Beitrag mit einer KI-Szene sowie aus dem Zusammenhang gerissenem Videomaterial gesendet hat. Die vom Sender für den Regelverstoß verantwortlich gemachte Auslandskorrespondentin Nicola Albrecht werde „mit sofortiger Wirkung“ abberufen, teilt das ZDF am Freitag mit.
Weiterlesen nach der Anzeige
KI-Sequenz mit Wasserzeichen
Das „heute journal“ hatte am Sonntagabend einen Beitrag über das brachiale Vorgehen der US-Grenzpolizei ICE gegen mutmaßliche illegale Einwanderer gesendet. Darin war eine Videosequenz enthalten, in der angebliche ICE-Polizisten eine Mutter von ihren Kinden trennen. Die Szene war mit dem Wasserzeichen der generativen Künstlichen Intelligenz „Sora“ gekennzeichnet.
Eine weitere in dem Beitrag verwendete Szene zeigte, wie ein US-Polizist einen Minderjährigen abführt. Dabei handelt es sich um einen Fall von 2022, als ein Jugendlicher mit einem Amoklauf an seiner Schule in Florida gedroht hatte. Die Szene ist zwar echt, aber alt und hat mit ICE nichts zu tun.
Nachdem sich das ZDF zunächst in Widersprüche verstrickte und eine plausible Erklärung der Vorgänge schuldig geblieben war, hat sich Nachrichtenchefin Anne Gellinek am Dienstagabend im „heute journal“ erklärt und um Entschuldigung gebeten. Der Sender kündigt erste Konsequenzen an. So sollen Mitarbeiter noch einmal für die Verwendung von KI-Material geschult werden. Zudem will der Sender die internen Abläufe überprüfen.
Mit der Abberufung der Chefkorrespondentin New York zieht das ZDF jetzt auch personelle Konsequenzen aus der Affäre. Nachdem eine längere und nicht beanstandete Schnittfassung des Beitrags bereits am Freitag zuvor im „Mittagsmagazin“ gesendet worden war, habe Nicola Albrecht diesen dann für das „heute journal“ angepasst, so die offizielle Version des Senders. Dabei habe Albrecht „zwei Videoszenen aus dem Netz“ verwendet.
„Das KI-generierte Material hätte ohne journalistische Begründung und ohne Einordnung gemäß den internen Regeln des ZDF zur Verwendung von KI-generiertem Material nicht verwendet werden dürfen“, teilt der Sender mit. „Der Schlussredaktion des ‚heute journals‘ hätte bei der Abnahme des Beitrags die KI-generierte Bildsequenz auffallen müssen.“
Weiterlesen nach der Anzeige
„Der Schaden ist groß“
Warum und auf wessen Veranlassung der Beitrag für das „heute journal“ noch einmal geändert werden musste, erklärt das ZDF nicht. Ebenso offen bleibt, wer beim „heute journal” für die Abnahme des Berichts verantwortlich war. Der Sender ist offensichtlich bemüht, den Skandal von der Moderatorin fernzuhalten. „Dunja Hayali wusste nichts von den handwerklichen Fehlern im Beitrag“, teilt das ZDF mit.
Nach fünf Tagen bezieht nun auch die Chefredakteurin des ZDF Stellung, die in letzter Konsequenz die Verantwortung trägt. „Der Schaden, der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden ist, ist groß. Es geht im Kern um die Glaubwürdigkeit unserer Berichterstattung“, erklärt Bettina Schausten. „Wir erarbeiten zurzeit einen Maßnahmenkatalog, um mit aller Konsequenz sicherzustellen, dass die hohen journalistischen Standards, denen wir verpflichtet sind, jederzeit und uneingeschränkt eingehalten werden.“
(vbr)
Künstliche Intelligenz
Top 10: Der beste Open-Ear-Kopfhörer im Test – Shokz vor Beyerdynamic & JBL
Beyerdynamic Amiron Zero Sport
Mit den Amiron Zero Sport wagt sich Beyerdynamic in den boomenden Open-Ear-Markt – und setzt auf ein Clip-Design mit mutigem Farbkonzept.
- hervorragender Tragekomfort
- mutiges Design der Sport-Variante
- räumlicher, natürlicher Klang
- Schnellladefunktion
- App mit EQ
- kurze Akkulaufzeit (6 h)
- keine Lautstärkeregelung am Gerät
- Kein Hi-Res-Codec (LDAC/aptX)
Open-Ear-Kopfhörer Beyerdynamic Amiron Zero Sport im Test: Top-Klang und Komfort
Mit den Amiron Zero Sport wagt sich Beyerdynamic in den boomenden Open-Ear-Markt – und setzt auf ein Clip-Design mit mutigem Farbkonzept.
Open-Ear-Kopfhörer lassen den Gehörgang frei und ermöglichen es, Musik zu hören und trotzdem die Umgebung wahrzunehmen. Für Radfahrer, Jogger und Pendler ist das nicht nur praktisch, sondern teils sogar Pflicht. Beyerdynamic – bekannt für audiophile Over-Ear-Kopfhörer wie den DT 770 Pro – betritt mit den Amiron Zero Sport nun dieses wachsende Segment. Das Clip-Design erinnert an die Bose Ultra Open Earbuds (Testbericht), die sich ebenfalls wie ein Ohrring ans Ohr klemmen. Allerdings will Beyerdynamic das Konzept kompakter, leichter und günstiger umsetzen.
Design: Mut zur Farbe
Die Beyerdynamic Amiron Zero Sport setzen auf ein c-förmiges Clip-Design. Der Clip legt sich um die Ohrmuschel, der Lautsprecher sitzt direkt vor dem Gehörgang – ohne in den Kanal einzudringen. Die Kopfhörer gibt es in Schwarz, Weiß und als uns vorliegende Sport-Variante mit orangefarbenen Akzenten. Die mutige Farbkombination erinnert an einen Sportwagen, wirkt dank der kompakten Bauform aber keineswegs protzig. Eher wie ein kleines Schmuckstück. Das Design hebt sich wohltuend von der Open-Ear-Masse ab, die oft in zurückhaltendem Schwarz oder Weiß daherkommt.
Beyerdynamic Amiron Zero Sport Bilder
Zum Vergleich: Die Bose Ultra Open Earbuds und Nothing Ear (Open) liegen bei 8 g. Das flexible Band passt sich an verschiedene Ohrformen an, so eignen sich die Clips sowohl für kleine als auch große Ohren. Insgesamt ein sehr cooles und mutiges Design, das sich erfrischend vom Einheitsbrei abhebt.
Verarbeitung
Die Earbuds bestehen aus robustem Kunststoff. Beyerdynamic zertifiziert sie nach IP54 – das schützt gegen Staub, Spritzwasser und Schweiß. Für ein direktes Wasserbad oder viel Regen reicht es allerdings nicht.
Das Ladecase wiegt etwa 45 g und fällt angenehm kompakt aus – es passt problemlos in jede Hosentasche. Seine Oberfläche ist leicht aufgeraut und fühlt sich dadurch minimal gummiert an. Das liegt sehr angenehm in der Hand. Das matte Finish zieht keine Fingerabdrücke an. Ein Metall-Scharnier sorgt für Stabilität, und Magnete halten den Deckel sicher geschlossen. Beim Öffnen fühlt sich der Mechanismus aber nicht immer perfekt an: Gelegentlich knackt er etwas eigenartig – das wirkt nicht ganz so hochwertig wie etwa das Case der Nothing Ear (Open) mit seinem satten Schließmechanismus.
Die Earbuds halten per Magnet im Case. Allerdings finden wir nicht immer sofort die richtige Position. Die Verarbeitung ist insgesamt präzise und solide, das Case hätte in Details aber etwas mehr Feinschliff vertragen können.
Tragekomfort der Beyerdynamic Amiron Zero Sport
Mit 6 g pro Earbud sind die Amiron Zero Sport so leicht, dass man sie bei längeren Sessions schlicht vergisst. Das Clip-Design erzeugt keinen Druck im Gehörgang – ein Vorteil gegenüber klassischen In-Ear-Kopfhörern, die gerade bei empfindlichen Ohren nach einiger Zeit unangenehm drücken können. Die offene Bauweise verhindert zudem, dass sich Wärme am Ohr staut. Gerade beim Sport ein spürbarer Komfortgewinn.
Der Clip-Mechanismus hält bei sportlichen Aktivitäten sicher. Laufen, HIIT-Training oder Sprinten – die Earbuds sitzen auch bei größeren Ohren bombenfest. Die Bose Ultra Open Earbuds sitzen ähnlich sicher, wirken nach außen aber klotziger.
Der Tragekomfort zählt zu den größten Stärken der Beyerdynamic. Ob beim Pendeln, im Büro oder beim Sport – wer einen Kopfhörer sucht, der sich auch über viele Stunden angenehm tragen lässt, wird hier fündig.
Bedienung am Gerät
Die Beyerdynamic Amiron Zero Sport setzen auf Touch-Sensoren, die auf der Rückseite und Vorderseite der Earbuds sitzen – nicht auf dem Bügel. Bedient wird per Doppel- und Dreifach-Tap. Einzel-Taps und langes Drücken gibt es bewusst nicht. Das reduziert versehentliche Eingaben.
Über die Touch-Gesten steuert man Play/Pause, springt Tracks vor oder zurück, nimmt Anrufe an und aktiviert den Sprachassistenten. Die Belegung lässt sich per App anpassen. Allerdings fehlt eine Lautstärkeregelung. Die muss über das verbundene Smartphone erfolgen – das kennt man von Konkurrenten, nervt aber trotzdem.
Die Touch-Steuerung funktioniert meist zuverlässig, gelegentlich reagieren die Earbuds aber nicht auf Eingaben. Hier hätten wir uns physische Tasten gewünscht, wie sie die Shokz Openfit Pro bieten. Die Bedienung ist insgesamt selbsterklärend, erfordert anfangs jedoch etwas Eingewöhnung, um die Position der Sensoren sicher zu treffen.
Praktisch: Ein Mono-Modus erlaubt die unabhängige Nutzung eines einzelnen Earbuds. So lässt sich etwa beim Autofahren nur ein Ohr bestücken, während das andere frei bleibt. Das verdoppelt nebenbei die effektive Laufzeit.
Die Beyerdynamic-App
Die Beyerdynamic-App steht für iOS und Android bereit. Android nutzt Google Fast Pair für eine schnelle Erstverbindung. Der Funktionsumfang ist übersichtlich, aber sinnvoll: Ein 5-Band-Equalizer erlaubt die individuelle Klanganpassung. Dazu kommen Genre-Presets wie Bass, Smooth, Loudness, Neutral und Podcast. Beyerdynamic bietet zudem Presets für laute Umgebungen – etwa eine Vocal-Betonung für Parks oder eine Bass-Verstärkung für ruhige Räume zu Hause. Benutzerdefinierte EQ-Profile lassen sich ebenfalls speichern.
Weitere Funktionen: Touch-Steuerung anpassen, Batteriestatus in Prozent, Auto-Abschaltung konfigurieren (etwa nach 30 Minuten Inaktivität), Sprachassistent und Trageerkennung ein- oder ausschalten. Die Trageerkennung pausiert die Wiedergabe automatisch, wenn man einen Earbud abnimmt – mit einer Verzögerung von etwa zwei Sekunden.
Beyerdynamic Amiron Zero Sport Screenshot
Die App ist übersichtlich und selbsterklärend. Neben Tastenbelegung und Equalizer bietet sie allerdings keinen großen Mehrwert. Erweiterte Funktionen wie einen Gaming-Modus oder eine „Kopfhörer finden“-Funktion mit akustischem Signal sucht man vergeblich.
Klangqualität der Beyerdynamic Amiron Zero Sport
Die Amiron Zero Sport verbinden sich per Bluetooth 5.4 mit dem Zuspieler und unterstützen die Profile HFP, A2DP und AVRCP. Bei den Codecs stehen SBC und AAC zur Verfügung. Hi-Res-Codecs wie aptX, LDAC oder Lossless fehlen – das ist bei Open-Ear-Kopfhörern zu verschmerzen. Trotzdem: Die Earfun Openjump bieten zum deutlich günstigeren Preis immerhin LDAC, die Bose Ultra Open Earbuds setzen auf aptX Adaptive, und die Anker Soundcore Aerofit 2 Pro unterstützen LDAC. Multipoint-Konnektivität für zwei Geräte gleichzeitig ist an Bord.
In jedem Earbud steckt ein dynamischer Treiber mit den Maßen 18 × 11 × 4,85 mm und einem Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz. Die Klangbühne wirkt natürlich und räumlich, die Stereotrennung gelingt gut, das Imaging überzeugt. Jazz, Instrumentalmusik und Podcasts machen mit den Amiron Zero Sport richtig Spaß.
Die Klangsignatur tendiert in Richtung V-Shape: Bässe und Höhen sind betont, die Mitten treten etwas in den Hintergrund. Im Detail bedeutet das: Der Bass ist für einen Clip-on-Kopfhörer überraschend präsent, fällt im Sub-Bass-Bereich aber hohl und flach aus. Tiefe Frequenzen verlieren an Klarheit, sind zuweilen kaum wahrnehmbar. Die Shokz Openfit Pro liefern hier spürbar mehr Tiefgang und sogar einen für Open-Ear seltenen, spürbaren Bass. Auch die Nothing Ear (Open) klingen voller im Tieftonbereich.
Die Mitten wirken etwas dünn und schwach betont. Vocals kommen klar durch, Instrumenten fehlt es aber an Präsenz und Körper. Die Höhen hingegen sind ein echtes Highlight: luftig, detailliert und farbig, ohne dabei scharf oder unangenehm zu werden. Das trägt zur angenehmen Offenheit des Klangbilds bei – hier spürt man die Audioexpertise von Beyerdynamic.
Per EQ in der App lässt sich der Klang merklich verbessern. Die Genre-Presets helfen, den Sound an verschiedene Hörsituationen anzupassen. In lauten Umgebungen muss man die Lautstärke allerdings deutlich aufdrehen, da Umgebungsgeräusche ungehindert durchdringen – das liegt in der Natur offener Kopfhörer. Bauartbedingt bekommt die Umgebung bei hoher Lautstärke auch einiges vom Inhalt mit.
In ruhigen Räumen klingt die eigene Stimme für den Gesprächspartner klar und natürlich. Draußen, bei Wind oder im Café sieht es deutlich anders aus: Die Stimme wird dumpf, Wind bricht stark durch und macht die Verständigung oft schwierig. Für Outdoor-Telefonate eignen sich die Amiron Zero Sport kaum. Wer oft unterwegs telefoniert, ist mit den Huawei Freearc besser bedient.
Akku
Die Beyerdynamic Amiron Zero Sport halten mit einer Ladung bis zu 6 Stunden durch. Das Ladecase liefert etwa drei weitere volle Ladungen, was eine Gesamtlaufzeit von rund 20 Stunden ergibt (6 + 14 Stunden aus dem Case). Bei moderater Nutzung bestätigen sich diese Angaben im Test. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das ein solider, aber kein herausragender Wert.
Positiv: Eine Schnellladefunktion liefert nach 10 Minuten am Kabel bereits 2 Stunden Wiedergabezeit. Das ist praktisch, wenn man vor dem Lauftraining feststellt, dass der Akku fast leer ist. Der Mono-Modus verdoppelt die effektive Laufzeit – wer abwechselnd nur einen Earbud nutzt, kommt weiter. Geladen wird per USB-C. Kabelloses Qi-Laden unterstützt das Case nicht – das bieten in dieser Preisklasse aber auch nur wenige Konkurrenten, etwa die Earfun Openjump.
Wer die Kopfhörer den ganzen Tag durchgehend tragen möchte, sollte zwischendurch nachladen. Für den typischen Einsatz beim Sport oder auf dem Arbeitsweg reichen die 6 Stunden aber aus.
Preis: Was kosten die Beyerdynamic Amiron Zero Sport?
Der aktuelle Preis der Beyerdynamic Amiron Zero Sport liegt bei 149 Euro (Amazon) – was der UVP entspricht.
Fazit
Die Beyerdynamic Amiron Zero Sport sind gelungene Open-Ear-Kopfhörer mit eigenständigem Charakter. Das mutige Clip-Design in Orange-Schwarz sieht klasse aus, die Verarbeitung überzeugt und der Tragekomfort gehört dank 6 g Gewicht zum Besten im Segment. Beim Klang punkten sie mit einer natürlichen und räumlichen Klangbühne und luftigen Höhen – hier spürt man die Audioerfahrung von Beyerdynamic. Der Bass hat erstaunlich viel Punch für einen Clip-on, fällt im Sub-Bass aber flach aus.
Schwächen zeigen die Amiron Zero Sport bei der Telefonie im Freien, der fehlenden Lautstärkeregelung am Gerät und der gelegentlich unzuverlässigen Touch-Steuerung. Auch die Akkulaufzeit von 6 Stunden pro Ladung liegt unter dem Klassendurchschnitt. Wer einen kompakten, ultraleichten Open-Ear-Kopfhörer mit Clip-Design sucht und Wert auf räumlichen Klang und hohen Tragekomfort legt, bekommt mit den Amiron Zero Sport dennoch ein stylishes und überzeugendes Paket.
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenSchnelles Boot statt Bus und Bahn: Was sich von London und New York lernen lässt
-
Social Mediavor 1 WocheCommunity Management zwischen Reichweite und Verantwortung
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenFast 5 GB pro mm²: Sandisk und Kioxia kommen mit höchster Bitdichte zum ISSCC
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenHuawei Mate 80 Pro Max: Tandem-OLED mit 8.000 cd/m² für das Flaggschiff-Smartphone
-
Entwicklung & Codevor 2 MonatenKommentar: Anthropic verschenkt MCP – mit fragwürdigen Hintertüren
-
Datenschutz & Sicherheitvor 2 MonatenSyncthing‑Fork unter fremder Kontrolle? Community schluckt das nicht
-
Social Mediavor 2 MonatenDie meistgehörten Gastfolgen 2025 im Feed & Fudder Podcast – Social Media, Recruiting und Karriere-Insights
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenGame Over: JetBrains beendet Fleet und startet mit KI‑Plattform neu
