Künstliche Intelligenz
Debatten um Stablecoins auf dem Weltwirtschaftsforum
Stablecoins und Krypto-Tokens für fast alle anderen Arten von Vermögenswerten waren eines der heißen Themen beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos diese Woche. In mehreren Runden lieferten sich die Repräsentanten von Zentral- und Geschäftsbanken Scharmützel über die Zukunft des Finanzsektors mit Vertretern von Kryptowährungen.
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Brian Armstrong, Gründer und CEO der Handelsplattform Coinbase, beschrieb in einem Vortrag die Zukunft des Finanzsektors aus Sicht der US-Kryptobranche so, dass es möglicherweise in einigen Jahren nur noch zehn herkömmliche nationale Währungen geben werde. Der Rest der Welt werde zu US-basierten Stablecoins und Bitcoin umgezogen sein, so Armstrongs Provokation.
Stablecoins sind Digitalgeld, das an den Kurs herkömmlicher Währungen (oder andere Vermögenswerte) gekoppelt ist. Üblicherweise werden Stablecoins durch Reserven in diesen Währungen oder durch passende Staatsanleihen abgesichert. Im vergangenen Jahr erreichten sie eine Gesamtkapitalsumme von knapp 300 Milliarden Euro. Das Gros machen die an den US-Dollar gekoppelten Stablecoins USDT (vom Unternehmen Tether) und USDC (von Circle) aus.
Donald Trumps Genius Act vom Sommer 2025 hat Stablecoins und der US-Kryptobranche insgesamt einen Boom beschert, den auch Europas Zentralbanken sehr genau beobachten. Frankreichs Zentralbank hat das Thema auch auf die Agenda der französischen G7-Präsidentschaft 2026 setzen lassen. Man wolle in diesem Kontext unter anderem über mögliche Harmonisierungen bei der Regulierung sprechen, sagte François Villeroy de Galhau, Gouverneur der französischen Zentralbank.
Dominante Dollar-Coins
Zum Aufwind, in dem sich die US-Kryptobranche dank der ihr freundlich gesonnenen US-Administration sieht, hat sie selbst beigetragen. Laut Brad Garlinghouse, CEO des Krypto-Finanztech-Unternehmens Ripple, habe man sich zur Wahl dieser Administration zusammengetan. Geht es nach dem Willen der Branche, muss die US-Administration aber weitere regulatorische Schritte tun. Europas MiCA-Verordnung gehe schon weiter, so Armstrong.
Die Kryptowährungsvertreter aus den USA fordern für sich, dass die US-Administration das bestehende Verbot einer Verzinsung der Stablecoins aufhebt. Im Zug einer stärkeren Tokenisierung von Vermögenswerten, beispielsweise auch von Immobilien, Staatsanleihen oder Fonds, werde sich das natürlich entwickeln, prophezeite Bill Winters, Group CEO der Bank Standard Chartered.
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Laut der Krypto-Banker wollen etablierte Investmentunternehmen wie Blackrock oder Apollo künftig Fondsanteile in Form von Tokens anbieten. Auch der belgische Finanzdienstleister Euroclear treibt entsprechende Projekte voran. Tokens für Immobilien und Fonds böten Firmen neue Liquiditätsquellen und Kleinanlegern einen einfacheren Zugang zu Finanzmarktprodukten, erklärte Valérie Urbain, CEO von Euroclear, in Davos.
Flucht in (Dollar-)Stablecoins
Auch Dan Katz vom Internationalen Währungsfonds nannte Inklusion und besseren Finanzmarktzugang unbestreitbare Vorteile von Stablecoins und Tokenization. In vielen Ländern Afrikas seien US-Dollar-basierte Stablecoins äußerst beliebt, berichtete Vera Songwe, Gründerin der Afrika-fokussierten Liquidity and Sustainability Facility.
Kunden aus Ländern mit hoher Inflation flöhen in US-basierte Stablecoins und hätten damit einfachen Zugang zum internationalen Finanzsystem. Unternehmer müssten bei internationalen Geschäftsabschlüssen ohnehin den Umweg über den Dollar machen, sagte Songwe. Vor allem könnten so aber auch die bislang hohen Transaktionskosten des klassischen Überweisungsverkehrs drastisch reduziert werden. Mit aktuell rund 7 Milliarden überstiegen diese laut Songwe die gesamte Entwicklungshilfe, die auf den Kontinent fließt.
Erste Ansätze, afrikanische Stablecoins zu schaffen, gibt es ebenso wie Versuche einzelner afrikanischer Länder, Stablecoins komplett verbieten zu lassen. Denn mit der „Dollarisierung“ ihrer Wirtschaft verlieren Regierungen in den entsprechenden Ländern mächtige Instrumente, mit denen sie die ökonomische Entwicklung des eigenen Landes kontrollieren und gestalten können, warnten viele der klassischen Bankfachleute in Davos. Songwe bedauerte ausdrücklich, dass Europas Finanzwirtschaft keine Alternativen zu den dollarbasierten Coins bietet. Europa sei zu langsam, sagte sie.
Verpasst Europa den Zug?
Ein gutes Beispiel für das gemütliche Tempo der Europäer ist der digitale Euro. Seit 2021 läuft das Projekt dafür offiziell. Es war ursprünglich gestartet, um dem Facebook-Projekt Diem (vormals Libra) etwas entgegenzusetzen. Diem wurde allerdings schon 2022 eingestellt, vom digitalen Euro wird es 2026 lediglich eine Wholesale-Variante für die Transaktion zwischen Banken geben, erklärte Villeroy de Galhau.
Andere Regionen sind wesentlich schneller. Beispielsweise gibt es seit 2020 in Brasilien das Sofortzahlungsmittel PIX von der Zentralbank des Landes. China will Zinszahlungen auf den digitalen Yuan einführen und Indien, das die digitale Rupie eingeführt hat, schlägt aktuell den BRICS-Staaten vor, ihre Digitalwährungen leichter austauschbar zu machen.
(syt)
Künstliche Intelligenz
VW: Audi-Werk in USA wegen Zöllen nicht finanzierbar
Das erwogene Audi-Werk in den USA kann Volkswagen erst bauen, wenn Präsident Donald Trump die Belastung durch Zölle senkt. Das machte in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ Oliver Blume deutlich, der Chef des Volkswagen-Konzerns, zu dem Audi gehört. „Bei einer unveränderten Belastung durch die Zölle ist eine große zusätzliche Investition nicht finanzierbar“, antwortete Blume auf eine entsprechende Frage. „Was wir brauchen, sind kurzfristige Kostenentlastungen und langfristige verlässliche Rahmenbedingungen.“
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Audi denkt seit 2023 über den Bau eines Werks in den USA nach. Als Grund wurden seinerzeit neue Subventionen in den Vereinigten Staaten genannt, die den Bau eines Werks wirtschaftlich interessant machten. Inzwischen setzt aber die US-Regierung unter Trump europäische Autobauer mit Zöllen unter Druck. Den VW-Konzern belastete das in den ersten neun Monaten 2025 mit und 2,1 Milliarden Euro, wie Blume der Zeitung sagte.
Der Konzernchef sprach dennoch von einer „Vorwärtsstrategie“ für das US-Geschäft und deutlichen Wachstumschancen. Das einst formulierte Ziel von zehn Prozent Marktanteil in den USA nannte Blume aber ein altes Ziel. Heute müsse Volkswagen Schritt für Schritt vorangehen.
Zum Bau eines Audi-Werks habe es einige Gespräche mit der Regierung in Washington gegeben, etwa mit Präsident Trump und seinem Handelsminister Howard Lutnick – aber noch ohne die benötigten Ergebnisse. „Wer investiert, Arbeitsplätze und Wertschöpfung schafft, der muss auch Vorteile auf der Kostenseite haben“, forderte Blume. „Wir bleiben offen für Lösungen, von denen beide Seiten profitieren.“
(anm)
Künstliche Intelligenz
Fast jeder zweite private Windows-PC noch mit Windows 10
Die PC-Anwender in Deutschland tun sich schwer damit, sich von dem von Microsoft als veraltet erklärten Betriebssystem Windows 10 zu verabschieden. Knapp die Hälfte (48,5 Prozent) der rund 21 Millionen Windows-PCs in deutschen Privathaushalten hat nach einer Studie des europäischen Cybersecurity-Unternehmens Eset aktuell noch Windows 10 installiert.
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Der zögerliche Umstieg ist problematisch, weil der offizielle Support für Windows 10 bereits am 14. Oktober 2025 ausgelaufen ist. Für Privatanwender in der Europäischen Union hat Microsoft allerdings nach Druck durch Verbraucherschützer eine kostenlose Verlängerung der Sicherheitsupdates für Windows 10 bis zum 14. Oktober 2026 eingeräumt. Unternehmen müssen für den weiteren Support mit Sicherheitsupdates allerdings bezahlen. Ohne diesen Vertrag, den sogenannten ESU-Support (Extended Security Updates), erhalten Firmenrechner seit Oktober 2025 keine Updates mehr.
„Ritt auf der Rasierklinge“
Alexander Opel, Sicherheitsexperte bei Eset Deutschland in Jena, warnte vor den Folgen einer Verzögerung beim Umstieg: „Wer den Wechsel weiter hinauszögert oder nicht in den erweiterten Support wechselt, betreibt einen Ritt auf der Rasierklinge.“ Nutzer sollten sofort handeln und auf ein aktuelles Betriebssystem oder in den erweiterten Support wechseln: „Jahr für Jahr werden mehr Sicherheitslücken aufgedeckt.“ Allein bei Microsoft-Produkten seien im Jahr 2025 knapp zwölf Prozent mehr Schwachstellen geschlossen als noch 2024.
Die Zahl der PCs mit Windows 10 sank seit dem August 2025 um rund 3,7 Millionen Geräte auf 10,2 Millionen. Eset geht davon aus, dass die alten Windows-PCs fast vollständig durch Geräte mit Windows 11 ersetzt wurden. Hier liege der Anteil inzwischen bei 49,5 Prozent. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte jedoch auch den Umstieg auf das freie Betriebssystem Linux oder einen Macintosh-Rechner von Apple empfohlen.
Deutschland hinkt hinterher
Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der Ausmusterung von Windows-PCs hinterher. Weltweit hat Windows 11 die obsolete Version 10 bereits im Laufe des Jahres 2025 überholt. Die Anteile liegen bei rund 55 Prozent für Windows 11 und 41 Prozent für Windows 10.
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(nie)
Künstliche Intelligenz
Nach Metas Kurswechsel: So geht es weiter mit dem Metaverse
Meta entließ vergangene Woche rund 1.500 Angestellte der VR-Sparte. Der personelle Einschnitt entspricht etwa zehn Prozent der Reality-Labs-Abteilung, die VR-Brillen und Smart Glasses entwickelt. Meta erklärte, dass man Investitionen vom Metaverse in Richtung KI-Brillen und Wearables umverteilen werde. Ein Geschäftsbereich, der derzeit deutlich stärkere Wachstumssignale zeigt als Virtual Reality.
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Eine Woche später bezog Reality-Labs-Leiter Andrew Bosworth erstmals Stellung zu Metas Kurswechsel. Er legte dar, warum es zu den Einschnitten kam und wie die neue Metaverse-Strategie aussieht. Meta hat im Einklang mit dieser noch in der gleichen Woche Änderungen an Horizon OS angekündigt, dem Betriebssystem der VR-Brille Meta Quest.
Das Metaverse-Projekt lebt weiter – aber auf Smartphones statt VR
„Virtual Reality wächst offensichtlich langsamer, als wir hofften“, räumte Bosworth im Gespräch mit dem Tech-Newsletter Sources ein. Meta halte an gewichtigen Investitionen in das Metaverse fest, wolle jedoch sicherstellen, dass die Aufwendungen angemessen seien.
Während Meta mehreren Berichten zufolge weiterhin an neuer VR-Hardware arbeitet, findet der eigentliche Umbruch auf der Softwareseite statt.
Die neue VR-Strategie trifft das Herzstück von Metas Metaverse-Wette: die eigene Metaverse-Plattform Horizon, auf die das Betriebssystem und das Nutzererlebnis in den letzten Jahren zugeschnitten wurden. Horizon hätte das VR-Pendant zu Metaverse-Plattformen wie Roblox, Fortnite und Minecraft werden sollen, stieß bei vielen VR-Nutzern jedoch auf breite Ablehnung. Zudem konkurrierte Meta durch kostenlose Horizon-Inhalte direkt mit externen Studios, was heftige Kritik seitens der Entwickler nach sich zog.

Mark Zuckerbergs „Horizon“-Selfie, das 2022 für viel Häme im Internet sorgte.
(Bild: Meta)
Die Botschaft der Verbraucher und Entwickler ist mittlerweile bei Meta angekommen. In einem Interview mit dem US-Portal Axios auf YouTube erklärte Bosworth, dass man VR künftig „VR sein lassen“ und sich auf Inhalte externer Studios sowie das bestehende Ökosystem fokussieren werde.
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Horizon, das ursprünglich für VR-Brillen entwickelt wurde und seit längerem auch für Smartphones erhältlich ist, soll nun fast ausschließlich auf letztere Geräte ausgerichtet werden. „Wir haben unseren Fokus im letzten Jahr auf den Mobilmarkt verschoben, und das läuft wirklich gut. Deshalb möchten wir diesen Bereich jetzt weiter ausbauen“, sagte Bosworth.
Erste Horizon-Features verschwinden
Auf die Worte folgten Taten: Am Mittwoch kündigte Meta an, den von vielen VR-Nutzern verpönten Horizon Feed zu entfernen. Die Startseite, die sich unaufgefordert bei jedem Starten des Headsets öffnet, diente lange Zeit dazu, Nutzern kostenlose Inhalte aus Horizon aufzudrängen. Ersetzt wird der Horizon Feed durch eine neue Bedienoberfläche, die die App-Bibliothek und den Store ins Zentrum rückt.
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Kehrt Meta damit wirklich von seiner destruktiven Metaverse-Vision ab und wendet sich wieder stärker den Bedürfnissen unabhängiger VR-Entwickler zu? Die Abkehr von Horizon deutet zumindest darauf hin. Auch die Schließung fast aller First-Party-Studios stützt diese These: Bisher trat der Konzern mit millionenschweren Eigenproduktionen in direkten Wettbewerb zu externen Studios. Ein ungleicher Kampf, der nun beendet scheint.
Auf der anderen Seite bleibt unklar, wie viel Substanz Metas Bekenntnis zum Ökosystem tatsächlich hat. Gerüchten zufolge sollen Förder- und Inkubatorprogramme für externe Studios gestrichen worden sein. Zudem wird die weitverbreitete Quest-Piraterie von Meta weiterhin geduldet. Ob der Kurswechsel durchgehalten wird oder sich lediglich als eine weitere flüchtige Episode in Metas sprunghafter VR-Strategie erweist, bleibt abzuwarten.
(tobe)
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