Digital Business & Startups
admark.ai: Wie höflich müssen Investoren sein?
Der noch recht junge Gründer von admark.ai Christopher Luis Zoellner wird auf manchen Social Media Plattformen regelrecht gefeiert, nachdem er in der ersten Folge der neuen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ Frank Thelen die Stirn zu bieten schien. Viele ZuschauerInnen schienen die Unterbrechungen des Investors ebenfalls als unhöflich zu empfinden.
Doch hatte er vielleicht gute Gründe? Und wie höflich sollen oder müssen Gründer:innen und Investor:innen in solchen Gesprächen eigentlich sein?
Natürlich ist die Diskussion über gutes oder schlechtes Benehmen eine müßige. Schließlich hängt es von verschiedenen Faktoren ab und liegt auch oft genug im Auge des Betrachters.
Gerade das Thema des „Ausreden-Lassens“ scheint in der deutschen Startup-Welt (und wahrscheinlich auch darüber hinaus) durchaus einmal eine Diskussion wert zu sein, denn bestimmt ist jede Gründerin und jeder Gründer bei Investorengesprächen schon einmal unterbrochen worden.
Anders als uns viele aufpolierte Pitch-Veranstaltungen weis machen wollen, haben Investoren geradezu den Ruf, durch den Pitch- vor und zurückzuspringen und die Präsentierenden keinen Punkt zu Ende bringen zu lassen. Und selbst Antworten auf ihre expliziten Fragen unterbrechen sie gerne einmal.
Genau das konnten auch die Zuschauer:innen der beliebten Gründershow beobachten, als Christopher Luis Zoellner von admark.ai nach seinem Pitch die Fragen der Löwen zu beantworten versuchte.
Der junge Gründer trat mit dem mutigen Claim an, seine Plattform admark.ai wäre „AI made im Kinderzimmer“ und möchte Unternehmen ein Tool an die Hand geben, dass ihre Social Media Beiträge analysiert und optimierte Version davon erstellt.
Dafür möchte er 200.000 Euro einsammeln und 20% Unternehmensanteile abgeben, ruft also eine Post-Money-Bewertung von einer Million Euro auf.
Doch er behauptet stolz, dass seine Software die erste Software ist, die es ermöglicht, Posts zu generieren, zu analysieren und zu optimieren. And dieser Stelle ist von Löwe Frank Thelen schon eine Art entrüsteter Laut zu hören, und er sagt dann auch bald im Anschluss, dass das Thema nicht neu ist, und meistens die großen KI-Modelle wie ChatGPT dazu genutzt werden. Er unterstellt dem Gründer dann auch, mit dieser Behauptung schon sehr stark „die Balken gebogen“ zu haben, doch dieser verteidigt sich vehement.
Er besteht darauf, kein OpenAI-Wrapper zu sein, sondern eine generative KI (wie eben besagtes ChatGPT von OpenAI) mit einer selbst entwickelten prädiktiven KI zu kombinieren.
Doch das ist dem Technik-affinen Löwen nicht klar genug. Er will genau wissen, wo er die großen Modelle benutzt und wo er eine eigene Entwicklungsleistung im Bereich KI erbracht hat, um so etwas zu behaupten.
Darauf antwortet der Gründer, dass der Algorithmus die Daten bekommt und mit eigenen Analysen gefüttert wird, dass er Texte analysiert, aber auch Bilder und Videos und so z.B. Gesichter erkennen und das Alter von Personen auf Fotos schätzen kann. Er zählt also eigentlich nur Funktionen auf.
Hier unterbricht Frank Thelen ihn dann auch bald und zweifelt stark an, dass er das wie behauptet mit einer eigenen KI macht.
Verständlich, denn die großen Modelle bieten solche Funktionen schon längst an.
Doch der Gründer bleibt dabei und betont neuerlich, dass der Ansatz seiner Software komplett einzigartig wäre.
Doch der Investor scheint langsam ungeduldig zu werden und unterbricht ihn erneut, um ihn aufzufordern, nun einmal ganz genau zu erklären, welche Sprache, welche Daten und welche Trainingscenter eingesetzt werden bei seiner KI aus dem Kinderzimmer.
Technik-affinen Zuschauer:innen sollte spätestens jetzt das Ziel dahinter klar sein: der Gründer soll seinen Tech-Stack und seine grobe Architektur erklären, damit sich herausstellt, an welcher Stelle KI genutzt wird und ob bzw. wo eventuell wirklich eine eigene KI-Entwicklung stattgefunden hat. Doch bisher schien es (natürlich immer, soweit man dem Schnitt trauen darf), als ob er nur mit Funktionsweisen und Features geantwortet hat und Frank Thelen trotz mehrfachen Nachfragens keine wirkliche Antwort auf seine Frage bekommen hat.
Daher gibt er ihm jetzt noch einmal 90 Sekunden, um das nachzuholen.
Doch kaum startet der Gründer seine Antwort mit „Für unsere UI…“ unterbricht der Löwen ihn schon wieder, und betont, es ginge hier um seine Behauptung, ein eigenes, proprietäres KI-Modell gebaut zu haben, womit seine UI nicht wirklich etwas zu tun haben könnte.
Hier bittet der Gründer nun darum, zu Ende aussprechen zu können, wofür er sowohl von Ralf Dümmel als auch von Frank Thelen – und später von Teilen der Internetgemeinde – Respekt gezollt bekommt.
Doch die hart erkämpfte Antwort enttäuscht leider schon wieder, denn der Gründer spricht erneut nur davon, was sein Algorithmus kann. Für Frank Thelen ist da wieder „0 Technologie“ drin und vor allem nichts, was seine nun mehrfach gestellte Frage beantwortet.
Er deutet auch an, warum er ihn zuvor immer wieder unterbrochen hatte: weil man oft schon am Anfang des Satzes gemerkt hat, dass er „falsch abgebogen“ war, dass also eine sinnvolle Antwort auf die gestellte Frage überhaupt nicht zu erwarten war.
Und das ist genau der Knackpunkt: Bestimmte Fragen müssen Investoren beantwortet werden, wenn man im Prozess vorankommen will. Denn bestimmte Sachverhalte müssen einfach glasklar sein, bevor ein Investment stattfinden kann. Hierzu gehören rechtliche Dinge, Geschäftsmodell und Unternehmenszahlen und eben auch der Tech-Stack und die Frage, wie viel Eigenentwicklung denn nun wirklich in dem ganzen steckt.
Gerade in den aktuellen Boom-Zeiten gab es schon für viele Investoren, denen hier Kompetenz fehlt, ein böses Erwachen, denn nicht überall, wo Gründer KI draufschreiben, war letztlich auch wirklich KI drin – oder eben keine eigene.
Und wenn sie das Gefühl haben, dass Gründer:innen drumherum reden oder eben zum x-ten Mal die Features ihres Produktes hervorheben, statt die Bestandteile des technischen Setups zu nennen, können sie schon einmal ungeduldig werden.
Ein einfaches Beispiel aus einem anderen Bereich, das auch oft bei den Löwen zu sehen ist: Wenn Gründer:innen auf die Frage nach den Umsatzzahlen nicht mit einer Zahl, sondern mit „nicht so viel, weil…“ oder „das ist für uns gerade weniger relevant, weil…“ antworten, ziehen sie sehr schnell den Unmut von Investoren auf sich. Denn für diese ist die Zahl nun einmal essentiell.
Und bei aller berechtigten Kritik, jemanden nicht ausreden zu lassen: ist es nicht auch unhöflich, eine Frage mehrfach nicht wirklich zu beantworten, sondern zu versuchen, vom Sachverhalt abzulenken? Ist es nicht erst recht mindestens unhöflich, etwas als etwas verkaufen zu wollen, das es nicht ist?
Natürlich kann dies auch unabsichtlich passieren, doch wenn ein Gründer mehrfach eine berechtigte Frage eines Investors nicht versteht, wird dieser zumindest seine Kompetenz in Zweifel ziehen. Und sich mehrfach nicht weiterhelfende Antworten anhören zu müssen, ist schlicht eine Verschwendung der Lebenszeit beider Parteien.
Da muss man sich auch fragen, ob man in solch einem Fall nicht lieber unterbrochen werden will.
Schlussendlich gab es für den Gründer in diesem Fall dann zwar einen Deal mit Carsten Maschmeyer, der aber nach einer technischen Prüfung absagte, da der Anteil an proprietärer IP auch für ihn nicht ausreichend erkennbar war.
Manchmal sind ständig unterbrechende Investoren einfach nur unhöflich und nervig. Manchmal können sie aber auch ein Indikator sein, dass man ihre Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet und vielleicht noch einmal reflektieren sollte.
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Foto (oben): RTL / Bernd-Michael Maurer
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Vater und Töchter erobern DHDL mit Rücken-Stab – Deal, oder nicht?
BackDani sorgt für Rückenwind: Kappacher und sein Stab überzeugen Dümmel zu einem Deal über 80.000 € für 20 %.
Wer hätte gedacht, dass ein unscheinbarer Trainingsstab in „Der Höhle der Löwen“ mehr Action bekommt als so mancher Startup-Gadget? Daniel Kappacher (51) aus A-Völs, Physiotherapeut, Osteopath und Wirbelsäulenspezialist mit eigenem Zentrum nahe Innsbruck, hat ein Gerät entwickelt, das die Tiefenmuskulatur entlang der Wirbelsäule aktivieren soll. Sein Ziel ist es, Rückenschmerzen vorzubeugen und die Wirbelsäule zu stärken. Laut dem Gründer sei es eine Herausforderung, die in Deutschland rund 80 % der Bevölkerung betrifft. Für sein Produkt bietet der Gründer 80.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.
Ein Stab, viele Muskeln
BackDani sieht aus wie ein unscheinbarer Gymnastikstab: Elastische Griffe und ein spezielles Mittelteil sorgen dafür, dass kontrollierte Rotationsbewegungen gezielt die Lenden-/ Hals-/ und Brustmuskelsäule ansprechen. „Die kleinen Muskeln stabilisieren Wirbel für Wirbel. Wenn sie nicht richtig arbeiten, schlägt die Wirbelsäule Alarm“, erklärt Kappacher. Die Beine und der Kopf sollen dabei still bleiben, also keine wilden Yoga-Moves, sonst macht der Stab Joker-mäßig einfach nicht mit. Nach drei bis vier Tagen Training solle man mehr Stabilität und Beweglichkeit verspüren.
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Unterstützt wird Kappacher von seinen drei Töchtern Nina, Franca und Kira, welche die Nutzung des Produktes demonstrieren. Die Löwen sind von der Präsentation begeistert, und lassen sich auch von ein paar Scherzen nicht bremsen: Carsten Maschmeyer fragt mit einem Augenzwinkern, ob die drei Töchter so schön seien, weil sie das Produkt ständig anwenden. Judith Williams ergänzt: „Erst mal kommen drei solche Grazien. Ihr habt alle drei eine wunderschöne Ausstrahlung. Also du bist ein reicher Mann.“ Anne Lemcke merkt an: „Und dein Social Media Team hast du dann ja quasi auch schon direkt dabei.“ Kappacher nickt: „Ja, die drei unterstützen mich in allem, was wir machen. Wir montieren die Stäbe selbst, Franka hat das Logo entworfen.“
Erste Verkäufe und kleine Erfolge
Das Produkt wurde vor einem halben Jahr entwickelt, vor sechs Wochen gingen die Einzelteile in die Produktion. Kappacher verteilt BackDani für 35 Euro an Patienten in seiner Praxis; für andere Interessenten liegt der Preis bei 39,90 Euro. Die Herstellungskosten liegen bei etwa 3,50 Euro pro Stab. In den letzten sechs Wochen wurden rund 400 Stück verkauft, wodurch ein Umsatz von insgesamt 10.000–12.000 Euro generiert wurde.
Die Löwen probieren das Gerät selbst aus, und die Reaktionen sind eindeutig: Williams sagt: „Komischerweise so wie ich hier sitze, will ich das Produkt nicht mehr hergeben. Man will es irgendwie behalten.“
Deal oder nicht?
Die Löwen scherzen, bis Ralf Dümmel schließlich das Wort ergreift: „Darf ich einmal frech fragen, ob jemand von den Löwen ein Angebot machen möchte? Weil ich glaube, dass ich der Richtige dafür bin und ich möchte nicht unverschämt sein und deswegen frage ich vorher, ob jemand mit mir ins Battle gehen möchte, sonst würde ich einmal vorpreschen.“ Stefan Lemcke grinst: „Wir durften noch nicht einmal eine Frage stellen, aber gut Ralf. Ich glaube, das Produkt ist auch deins.“
BackDani-Stab und Dümmel – passt farblich wie inhaltlich
Dümmel macht sein Angebot: 80.000 Euro für 20 Prozent. „Auch wenn du ein mega Produktionsteam hast, wird das bei diesen Mengen nicht mehr reichen. Ich glaube, dass ich der Richtige bin.“ Weiterhin sagt er: „Die Firmenbewertung für den Stand, wo du heute bist, ist zu hoch, weil du viel Unterstützung brauchst. Ich mache dir das Angebot: 80.000 Euro für 20 %.“ Kappacher nimmt an.
Ein Sprecher von Dümmel berichtet gegenüber Gründerszene, dass der Deal nach der Show tatsächlich zustande kommt. Für Kappacher und seine Töchter heißt das: mehr Reichweite, mehr Hilfe, und vielleicht ein bisschen weniger Rumgezucke im Rücken für Deutschland.
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Sowas gab es noch nie bei DHDL: Startup schnappt sich Mega-Deal
Supernutural bringt den „Nutbooster“ zu Endverbrauchern – die Löwen sind begeistert, Thelen, Anne und Stefan investieren 500.000 € für 10 %.
Manchmal braucht es in der Höhle keine App, keine KI und kein Gadget mit blinkendem Display, sondern einfach nur frische Nüsse. Amelie (42) und Timo (44) Sperber aus München treten bei „Die Höhle der Löwen“ mit dem Angebot von 500.000 Euro für 6,25 Prozent der Firmenanteile an, bei einer Bewertung von rund acht Millionen Euro. Eine harte Nuss, im wahrsten Sinne des Wortes.
Von Kalifornien nach München – und rein ins Risiko
Kennengelernt hat sich das Ehepaar vor 20 Jahren, seit 2015 leben sie komplett für ihr Startup. Damals kündigten sie ihre Jobs, inspiriert von einer Erdnussmaschine in Kalifornien, und gründeten Supernutural. Die Idee: Oben kommen 100 Prozent Nüsse rein, unten kommt 100 Prozent frische Nusscreme raus, ohne Zusatzstoffe, ohne Zuckerzusatz, ohne Konservierung. Frisch gepresst auf Knopfdruck.
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Gestartet sind sie mit einer großen Profimaschine für die Hotellerie, Unternehmen und Profisport. Heute stehen ihre Maschinen in 40 Ländern, unter anderem bei internationalen Top-Clubs wie dem FC Liverpool und bei Olympia-Goldmedaillenteams als zahlende Kunden. Insgesamt haben sie über fünf Millionen Euro Umsatz erzielt, davon 2,5 Millionen in den letzten zwei Jahren. Sie leben von ihrem Startup, sind aber noch nicht ganz rentabel. Darum stehen sie in der Höhle.
Nusscreme zum Selbermachen für zuhause
Nach der B2B-Geschichte soll nun der Endverbrauchermarkt folgen. Der „Nutbooster“ als Gerät für zuhause, ist der eigentliche Pitch. Mandeln, Haselnüsse, Pistazien, sowie Varianten mit Schokolade, Ananas oder Kokos werden innerhalb von Sekunden zu Creme. Die Löwen dürfen selbst ran und sich ihre eigene Nusscreme zapfen.
Die Reaktionen fallen entsprechend aus. Stefan Lemcke sagt: „Das ist ja richtig geil. Das schmeckt ja mega.“ Schiebt aber hinterher: „Es schmeckt auch kalorienreich.“ Sperber kontert trocken: „Das sind ja die guten Fette.“ Frank Thelen ergänzt daraufhin: „Das ist der Hammer. Ich durfte in der Höhle der Löwen schon viele Produkte probieren, aber das haut mich völlig um.“ Und Anne Lemcke legt nach: „Das ist das leckerste, was ich im letzten halben Jahr gegessen habe. Wirklich wunderbar.“
1.500 Euro oder 39 Euro im Monat – Premium bleibt Premium
Das Geschäftsmodell: Die Maschine kostet 1.500 Euro oder alternativ 39 Euro im Monat im Abo. Investieren wollen die Gründer ausschließlich in die neue B2C-Maschine. Genau da wird Thelen skeptisch. Wenn man parallel noch die große B2B-Maschine betreibt, konkurriere man doch gewissermaßen mit sich selbst. „Verstehst du, dass es für mich als Investor uninvestierbar ist?“ fragt er. Die Gründerin antwortet darauf: „Die alte Maschine ist aber das Faxgerät.“
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Ralf Dümmel trifft als erster eine Entscheidung: „Erstens: Ihr seid unglaublich. Ihr habt einen selbstbewussten und bodenständigen Auftritt. Aber ein Haushaltsgerät für zu Hause für 39 Euro im Monat oder 1500 Euro ist ein Premiumprodukt. Da wird es einen Markt für geben, das ist aber nicht mein Markt. Deswegen bin ich leider raus.“
Carsten Maschmeyer formuliert es anders: „Mir schmeckt die Creme mega. Mir schmeckt nicht, dass der Umsatz flach linear ist. Mir schmeckt nicht, dass es keine echten durch Verträge gesicherten wiederkehrenden Umsätze sind, und mir schmeckt auch eine Bewertung von ca. 8 Millionen nicht.“ Auch Judith Williams steigt aus: „Erst mal Kompliment. Geschmacklich fantastisch und interessantes Konzept. Was mich besorgt ist, dass der Umsatz so gleichbleibend geworden ist. Aus dem Grund bin ich raus.“
Drei Löwen, ein Angebot – so gab es das noch nie
Drin bleiben Thelen sowie die Lemckes. Thelen bringt es auf den Punkt: „Das schmeckt herausragend. Ihr habt tolle Erfolge dadurch erzielt. Die Herausforderung ist, aus eurer Idee ein Championunternehmen aufzubauen. Das Geschäftsmodell an sich ist herausragend. Wie schafft man es, dass daraus wieder ein stark wachsendes Unternehmen wird? Das ist richtig viel Arbeit!“
Genau diese Arbeit wollen sie gemeinsam angehen. „Die Kombi aus uns ist eine Menge Power und wir haben Bock, das zusammen zu machen und diese Arbeit da rein zu stecken“, sagt Thelen. „Wir gehen in die Elektronik rein, mit Anne haben wir einen der besten Köpfe im Marketing. Stefan hat eine Menge Operational Power.“ Lemcke ergänzt: „Ich glaube, dass man da am Produkt noch was ändern kann.“ Auch über den Preis wollen sie sprechen.
Dann das Angebot: „Wir geben euch die 500.000 Euro, wir geben euch unser Herz, unsere Hände, unseren Kopf, wir packen mit an, aber wir brauchen dafür 10 Prozent“, sagt Thelen. Eine Dreier-Kombination, die es so in der Geschichte der Sendung noch nicht gab.
Die Gründer nehmen an. Auf Nachfrage von Gründerszene bestätigt sich auch nach der Sendung: Der Deal kommt zustande. Seit der Aufzeichnung habe sich bei Amelie und Timo von Supernutural einiges getan, heißt es von Investorenseite. Neben einem neuen Webshop sei mit dem „Nutbooster Mini“ ein weiteres Produkt aus recycelten Materialien hinzugekommen, außerdem habe das Team eine neue Produktion aufgebaut, um die Herstellkosten des Nutbooster Pro deutlich zu senken. Der Austausch laufe weiterhin, um die zukünftige Zusammenarbeit zu definieren. Jetzt wird aus einer B2B-Erfolgsgeschichte mit frisch gepressten Nüssen der Versuch, auch im Endverbrauchermarkt die nächste Nuss zu knacken.
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Der perfekte Burger: Ex-Sternekoch und Goldies-Gründer verrät sein Rezept
Vladislav Gachyn arbeitete einst in einer Sterneküche. Weiße Jacke, präzise Handgriffe, Teller wie Kunstwerke. Doch dann traf er mit seinem Kollegen Kajo Hiesl eine Entscheidung gegen die Haute Cuisine – und für Burger. Aus Fine Dining wurde Fast Food. Was mit einer Doku über Pommes begann, wurde zu einer der spannendsten Burgergeschichten Deutschlands. Heute zählt deren Unternehmen „Goldies“ 15 Filialen deutschlandweit, schaffte es ins KaDeWe – und träumt von noch Größerem: eines Tages in einem Atemzug mit McDonald’s und Burger King genannt zu werden. Wir haben ihn zum Interview getroffen.
Gründerszene: Vladislav, wie sieht für dich der perfekte Burger aus?
Vladislav Gachyn: Ein relativ dünnes, krosses, auf der Grillplatte gebratenes Patty mit einem weichen Bun, was schön zäh, fast schon glitschig ist und nicht auseinanderbröckelt. Mit Ketchup, Senf, Zwiebeln und selbst eingelegten Gürkchen.
Wie kamt ihr damals auf die Idee, in das Burger-Business einzusteigen?
Ich war 26, kam aus der Sterneküche und habe dort mit meinem jetzigen Business-Partner in einem Drei-Sterne-Restaurant gekocht. Er wollte einen Laden in Berlin aufmachen, ich wollte auch einen Laden in Berlin aufmachen. Dann kam der Gedanke: Warum tun wir uns nicht zusammen?
Und warum Fast Food? Ihr kamt ja aus der Sterneküche.
Erst wollten wir ein schickes Restaurant eröffnen, weil wir das können. Aber dann dachten wir: In Berlin musst du dich immer neu erfinden, du musst immer den neuesten heißen Shit machen, immer am Zahn der Zeit bleiben. Das ist schwierig. Darum haben wir uns entschieden, Fast Food zu machen. Denn kaum jemand aus der Sterneküche macht Fast Food.
Die Ursprungsidee war gar kein Burger, sondern Pommes.
Genau. Wir haben zufällig eine Doku im Fernsehen über Pommes gesehen und dachten: Krass, Pommes sind überall nur die Beilage – zu jedem Fast-Food-Essen, zu jeder Currywurst, zu jedem Schnitzel. Wir wollten diese Pommes auf ein Podest stellen, auf dem sie noch nie waren. Wir wollten niemals Burger machen.
Der erste Laden machte sie fast pleite
Wie habt ihr die Gründung finanziert?
Wir haben uns damals noch mit jemandem zusammengetan, der ein Masterstudium in BWL hatte, weil wir beide Köche waren und keine Ahnung von Gründungen hatten. Wir haben ein Jahr lang an einem Businessplan geschrieben. Dann haben wir unsere Jobs gekündigt, den Gründerzuschuss beantragt. Wir haben versucht, einen Kredit zu bekommen – aber natürlich keinen erhalten. Also bin ich auf Akquise gegangen und habe im Bekanntenkreis jemanden gesucht, der genug Geld hatte und für uns gebürgt hat. Erst dann haben wir den Kredit bekommen.
Wie viel braucht man am Anfang?
Wir sind damals mit 120.000 Euro gestartet. Und ich würde heute sagen: Wenn du schon das Risiko eingehst, dann nimm dir das Doppelte, denn es war sehr eng kalkuliert.
Was habt ihr von dem Geld zuerst ausgegeben?
Wir haben den Umbau selber gemacht. Wir haben in den ganzen Ladenbau insgesamt 17.000 Euro gesteckt. Ohne Küche. Wir haben die Fliesen selber gefliest. Das hat eineinhalb Monate gedauert. Vollzeit, weil es gab auch nicht so lange mietfrei.
Und dann kam der erste Schlag.
Für unseren Business-Partner war das zu viel Stress. Kajo und ich sind das aus der Küche gewohnt. Wir wissen, wie es ist, 15 oder 16 Stunden ohne Pause zu arbeiten. Für ihn war das eine enorme Belastung, er hatte schnell ein Burnout. Von heute auf morgen standen wir mit einem großen Minus da. Unser Partner war weggebrochen und Kajo und ich hatten keine Ahnung von Zahlen. Wir waren fast pleite, bevor wir überhaupt richtig gestartet sind. Wir hatten keine andere Wahl, als weiter Essen zu verkaufen. Und innerhalb der nächsten zwei Jahre haben wir uns Schritt für Schritt alles selbst beigebracht.
Wie viel habt ihr in dieser Zeit gearbeitet?
Anfangs habe ich 18 Stunden am Tag gearbeitet. Sonntags habe ich den ganzen Tag geschlafen.
Was habt ihr in dieser Zeit verdient?
Wir hatten beide keine Ersparnisse, gar nichts. Unser erstes Gehalt waren 2.000 Euro brutto. Man kann sich den ganzen Tag von Pommes und ungesundem Zeug ernähren, aber das geht auch nicht ewig. Die ersten Jahre konnten wir nicht reisen, gar nichts. Wir waren an diesen Laden gekettet.
Smashburger-Hype sorgte für meterlange Schlangen
Wann kam der Burger?
Ich hab so langsam mitbekommen, dass in Amerika so eine neue Welle kam, der Smashburger-Hype. Da kamen auch die ersten Videos von George Motz. Und auf einmal war ich in so einem Rabbit Hole. Ich war monatelang im Internet gefangen und bin dann auch selber hin gereist.
Und dann?
Wir haben als erster Laden in Deutschland Martin’s Buns bekommen – für mich die besten Burger-Buns der Welt. Zunächst haben wir einen „Smashburger Friday“ eingeführt und das nur freitags angeboten. Das kam sehr gut an. Dann sind wir an einem Laden vorbeigegangen, der früher ein richtig guter Burgerladen war, aber nicht mehr gut lief und abgegeben wurde. Wir haben ihn übernommen und dort Smashburger verkauft. Das war genau die Zeit, als Food-YouTube in Deutschland groß wurde. Ein paar Food-YouTuber kamen vorbei – und das war ein Katalysator. Im Sommer standen plötzlich Schlangen bis zur U-Bahn.
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Was habt ihr beim zweiten Laden finanziell gesehen?
Ich weiß es gar nicht mehr genau, aber für uns war das damals natürlich großartig. Die Leute standen Schlange, wir haben jeden Tag unglaublich hohe Umsätze gemacht. Beim zweiten Laden haben wir außerdem viele Learnings aus dem ersten umgesetzt. Statt 20 Soßen hatten wir nur noch vier. Das hat man in den Zahlen und in der Marge sofort gemerkt. Auf einmal hat es richtig Spaß gemacht.
15 Läden, KaDeWe und internationale Pläne
Wie seid ihr heute aufgestellt?
Wir sind jetzt zu dritt Eigentümer. Wir haben eine klare Aufteilung. Wir haben eine sehr gute, eine immer bessere Struktur. Wir machen alle Läden in Eigenregie. Wir machen vor allem auch Franchise. Aber nur mit ausgewählten Partnern, das ist ein langer Prozess bei uns. Wir wachsen komplett organisch gerade.
Wie viele Mitarbeiter hat Goldies heute?
Mehr als 300.
Und wie viele Läden gibt es aktuell?
Wir stehen bei 15 Läden. Wir wollen dieses Jahr 15 neue Läden eröffnen. Einige Mietverträge sind bereits unterschrieben.
Wachstum bringt immer die Frage nach der Qualitätssicherung. Wie schützt ihr euch vor den Fallstricken, die andere Franchiseketten erlebt haben?
System ist alles. McDonald’s macht es vor. Das ist eine andere Dimension, aber die Qualität ist dort immer gleich. Wir optimieren unsere Prozesse täglich. Schulungen sind unglaublich wichtig. Und die Auswahl der Menschen, die bei uns arbeiten, ist entscheidend.
Wie sieht euer Franchise-Auswahlprozess aus?
Wir bekommen sehr viele Bewerbungen, aber nur wenige schaffen es am Ende durch den Prozess. Uns ist operative Klasse wichtig – also fundierte Gastronomie-Erfahrung. Viele klopfen an, die viel Geld, aber keine Erfahrung haben. Die lehnen wir ab.
Was ist langfristig das Ziel – in drei, fünf Jahren?
Wir wollen in Deutschland einen festen Platz neben Burger King und McDonald’s einnehmen. Wir wollen ein Teil der gastronomischen Quick-Service-Landschaft in Deutschland sein.
Wie wollt ihr das erreichen? Braucht ihr externes Kapital?
Im Moment wachsen wir aus dem Cashflow heraus. Sehr gesund und stetig – und so können wir weitermachen.
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