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DefenseTech : Warum das Integrationsproblem wichtiger ist als die Innovationslücke


#Gastbeitrag

Wer heute ein DefenseTech- oder GovTech-Startup gründet, braucht mehr als eine gute Technologie. Er muss Systemarchitektur, Beschaffungswege und die Akteure auf staatlicher Seite verstehen. Ein Gastbeitrag von Falk Schäfers.

DefenseTech : Warum das Integrationsproblem wichtiger ist als die Innovationslücke

Die Zahlen sprechen für sich: Die Investitionen in europäische DefenseTech-Startups haben sich von 2024 auf 2025 auf 2,3 Milliarden Dollar verdoppelt. Allein das deutsche Unternehmen Helsing sammelte 700 Millionen Dollar ein. Der ukrainische KI-Drohnenhersteller Swarmer legte einen der größten Börsengänge des letzten Jahres hin. Europa holt im globalen DefenseTech-Wettbewerb auf. Der Abstand zu den USA und Israel schrumpft. 

Das ist ein gutes Zeichen, aber es reicht nicht. Das Problem liegt nicht im Mangel an Innovation, sondern in der Fähigkeit, diese Innovationen zu nutzen. Diese Fähigkeit fehlt in Deutschland und Europa noch immer in erschreckendem Ausmaß. 

Kritische Infrastruktur: Eine zivil-militärische Herausforderung 

Die Verteidigung kritischer Infrastruktur ist nicht mehr nur ein militärisches Thema. Technologien zur Abwehr von Drohnenangriffen schützen inzwischen auch Energieanlagen, Häfen, Industrieparks und Flughäfen. 

Was bedeutet das konkret? Sensoren, Detektionssysteme und Lagebildfusion müssen zwischen zivilen Betreibern und staatlichen Akteuren reibungslos funktionieren. Der Engpass liegt nicht in den einzelnen Technologien, sondern in ihrer Integration. Viele marktreife Einzellösungen existieren, aber sie wachsen selten systemisch zusammen. 

Das ist nicht ausschließlich ein technisches Problem, sondern auch ein Architekturproblem, das die staatliche Handlungsfähigkeit direkt betrifft. 

Das eigentliche Problem: Absorptionsfähigkeit 

Budgets sind inzwischen vorhanden. Was fehlt, sind Strukturen, die Innovationen in die Praxis umsetzen. Vergabekultur, Zuständigkeitsfragmentierung und fehlende Skalierungsmechanismen bremsen die Umsetzung im Defense Bereich. 

Gründerinnen und Gründer mit marktreifen Produkten stecken oft monatelang in Beschaffungskorridoren fest. Verwaltung und Politik sind frustriert, weil die richtigen Lösungen schwer zu identifizieren und noch schwerer zu beschaffen sind. Diese Reibungsverluste behindern eine schnelle Skalierung. 

Der Dialog zwischen Politik, Bundeswehr, Industrie, Startups und Investoren muss institutioneller werden – dabei stellt der sog. Rüstungsgipfel von Verteidigungsministerium und Wirtschaftsministerium gemeinsam mit Verbänden, Industrie und Startups bereits einen guten Beginn dar. Produktionskapazitäten und europäische Lieferketten rücken zunehmend in den Vordergrund, nicht zuletzt, weil der Wandel in der Automobilindustrie neue Fertigungskapazitäten und -expertise freisetzt, die für die Rüstungsindustrie relevant werden. Man sollte den Markt für Sicherheit und Verteidigung stets mindestens europäisch betrachten, mit dem Ziel, ihn über nationale Grenzen hinweg zu erweitern und gemeinsame Standards zu schaffen. 

Was Gründer jetzt brauchen 

Wer heute ein DefenseTech- oder GovTech-Startup gründet, braucht mehr als eine gute Technologie. Er muss Systemarchitektur, Beschaffungswege und die Akteure auf staatlicher Seite verstehen. 

Erstens: Denkt in Fähigkeiten, nicht in Produkten. Konsequentes Vorgehen nach dem Fähigkeitsprinzip und Plattformdenken sind der Schlüssel zum Erfolg in dem Bereich. Einzellösungen sind austauschbar. Langfristig werden neben der Fähigkeit verschiedene Systeme zu verbinden und Entscheidungsfähigkeit zu schaffen, auch die Supply-Chain an sich sowie die Zulieferung kritischer Komponenten das, was Beschaffer und strategische Partner langfristig suchen. 

Zweitens: Baut frühzeitig Brücken zur öffentlichen Hand. Pilotprojekte mit Behörden und Kooperationen mit der Bundeswehr oder Sicherheitsbehörden sind kein Beiwerk. Sie sind der Proof of Concept, der Skalierung überhaupt erst ermöglicht. Die Nähe zum Endnutzer unterstützt bereits in frühen Phasen der Produktentwicklung den 

Drittens: Dual-Use ist keine Notlösung, sondern eine Stärke. Technologien, die sowohl zivile als auch militärische Infrastruktur schützen, haben ein breiteres Marktpotenzial und eine stabilere Finanzierungsbasis. Dabei kann in späteren Phasen und zum Ausbau der Produktion neben Venture Capital auch der Rückgriff auf Structured Finance Ansätze wie Debt Vehikel von Banken spannend werden. 

Über den Autor: 
Falk Schäfers, Co-CEO des börsennotierten Investors Heliad AG, hat während der Rocket Internet Ära bereits IPOs begleitet, darunter von HelloFresh und Delivery Hero. Heliad ist auch in Defense-Startups wie ARX Robotics, Albacore und das Cybersecurity Startup Aikido investiert. Darüber hinaus positioniert sich Heliad als Brücke zwischen privaten und öffentlichen Kapitalmärkten und ermöglicht Anlegern den Zugang zu wachstumsstarken Pre-IPO-Unternehmen über eine liquide, börsennotierte Struktur.

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Foto (oben): KI



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500-Millionen-Deal: Das steckt hinter der KI-Fusion von Aleph Alpha und Cohere


Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU).

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU).
picture alliance / Metodi Popow | M. Popow

Monatelang wurde im Hintergrund verhandelt, jetzt steht der Vertrag. Deutschland und Kanada schließen eine strategische Partnerschaft im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Die beiden wichtigsten KI-Unternehmen der Länder, die Heidelberger Firma Aleph Alpha und das kanadische Cohere, fusionieren. Am Freitag präsentiert Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) die Pläne in Berlin. Gründerszene kennt vorab die wichtigsten Details.





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Ich habe lange versucht, alles allein zu stemmen


#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? „Mit drei Kindern beginnt mein Tag meistens zwischen Brotdosen und Babyflasche“, so Dilan Küçük, Gründerin von NAILD. „Danach: starker Kaffee und ein schneller Blick in die Zahlen“, führt sie weiter aus.

„Ich habe lange versucht, alles allein zu stemmen“

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Dilan Küçük, Gründerin von NAILD. Das 2017 gegründete Startup aus Berlin, das auf Press-on Nails setzt, erwirtschaftet inzwischen einen siebenstelligen Umsatz.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Mit drei Kindern beginnt mein Tag meistens zwischen Brotdosen und Babyflasche. Danach: starker Kaffee und ein schneller Blick in die Zahlen. Ich brauche einen klaren Überblick über die Performance, erst dann kann ich fokussiert in Meetings oder kreative Themen einsteigen. Mein Mann und ich führen NAILD gemeinsam – also startet unser Tag oft im Team.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?
Ehrlich gesagt gar nicht immer. Das Gründerinnen-Leben hört im Kopf selten um 18 Uhr auf. Aber ich versuche, bewusste Übergänge zu schaffen, zum Beispiel durch Kochen, Spazieren mit den Kids oder ein Matcha-Date mit mir selbst. Inzwischen weiß ich: Selfcare ist kein Luxus, sondern notwendig, wenn du langfristig brennen willst, ohne auszubrennen.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?
Wie einsam es manchmal ist, wenn man niemanden hat, der wirklich versteht, was gerade in deinem Kopf los ist. Deswegen habe ich früh angefangen, mir einen Female Founder Circle aufzubauen. Ohne Austausch, Ehrlichkeit und gegenseitigen Support wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?
Ich hatte keine Vorbilder, die aussahen wie ich. Keine Business-Eltern, kein Kapital, keinen „klassischen“ Weg. Ich musste mir alles selbst beibringen und oft doppelt so laut sein, um gehört zu werden. Aber genau deshalb ist NAILD heute eine Marke, die andere ermutigt, sich selbst zu vertrauen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Ich habe lange versucht, alles allein zu stemmen – aus Angst, die Kontrolle zu verlieren. Dabei habe ich gelernt: Vertrauen ins Team und klare Prozesse sind keine Schwäche, sondern der Schlüssel zu Wachstum. Und: Nicht jede Agentur ist die richtige. Gute Briefings sind Gold wert.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?
Nicht durch CVs, sondern durch Haltung. Wir schauen, ob Menschen unsere Werte teilen, mitdenken und mitwachsen wollen. Wir sind ein kleines Team, da zählt jede Stimme. Wer bei uns arbeitet, muss nicht perfekt sein, aber bereit, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?
Zeig dich. Deine Geschichte, deine Vision, deine Haltung. Personal Branding ist kein Buzzword – es ist dein USP und deine größte Chance auf einen nachhaltigen Wachstumstreiber. Und: Hab keine Angst vor deiner eigenen Stimme. Sichtbarkeit schafft Vertrauen: bei Kund:innen, bei Partner:innen und im Team.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Shopify. Unsere gesamte E-Commerce-Infrastruktur läuft über die Plattform. Aber genauso wichtig: WhatsApp. Wir sind ein kleines Team, das super schnell reagieren muss und unsere wöchentliche Kommunikation mit Agenturen läuft größtenteils asynchron über kurze Voice-Memos.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?
Wertschätzung ist der Anfang von allem. Wir feiern kleine Erfolge, sprechen offen über Herausforderungen und lassen Flexibilität zu, wo es möglich ist. Mein Mann und ich arbeiten eng mit dem Team – und wir wissen, wie wichtig es ist, gesehen zu werden, nicht nur als Arbeitskraft.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Unser erstes Pop-Up-Event in Berlin. Innerhalb von zehn Tagen haben wir alles selbst organisiert – inklusive Matcha-Bar, DJ, Fotowand und hunderten Besucher:innen. Es war chaotisch, emotional und komplett überwältigend. Und genau das hat mir gezeigt: Female Energy ist eine unterschätzte Kraft.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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Foto (oben): Naild



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Nach Entlassungen: HR-Startup Personio wird erstmals profitabel


Personio ist erstmals profitabel und übernimmt das KI-Startup aurio, um sein Recruiting-Geschäft auszubauen.

Personio-Chef Hanno Renner.

Personio-Chef Hanno Renner.
Personio

Zum ersten Mal seit der Gründung ist der Münchner HR-Softwareanbieter Personio profitabel. Parallel übernimmt das Startup den Recruiting-KI-Anbieter Aurio.

Personio gehört zu den bekanntesten HR-Tech-Unternehmen Europas. Mehr als 16.000 Firmenkunden nutzen die Software, über die rund 1,5 Millionen Mitarbeiter verwaltet werden.

Dass das Unternehmen nun profitabel ist, passt zu einem größeren Trend: In der Branche verschiebt sich der Fokus spürbar – weg vom reinen Wachstum, hin zu Geschäftsmodellen, die sich nachhaltig tragen.

Dieser Kurswechsel zeigt sich auch intern. Im Oktober 2025 entließ Personio 165 Mitarbeiter, rund zehn Prozent der Belegschaft – es war bereits die dritte größere Kündigungswelle innerhalb von anderthalb Jahren. Gleichzeitig zog sich das Unternehmen aus den USA zurück und schloss sein Büro in New York, um sich stärker auf Europa zu konzentrieren.

KI-Startup Aurio wird gekauft

Während Personio Kosten senkt und den Fokus schärft, investiert das Unternehmen gezielt in KI. Mit der Übernahme von Aurio holt es sich Technologie ins Haus, die zentrale Teile des Recruitings automatisieren soll. Das Münchner Startup entwickelt agentenbasierte KI-Systeme – also Software, die Prozesse eigenständig abarbeitet.

Der Bedarf dafür wächst. Recruiting wird für viele Unternehmen zunehmend ineffizient: Auf offene Stellen kommen mehr Bewerbungen als früher, gleichzeitig sinkt oft die Qualität. Ein Grund ist die wachsende Zahl automatisiert erstellter Bewerbungen. Für HR-Teams bedeutet das vor allem mehr Masse, nicht unbedingt bessere Kandidaten.

Aurio setzt genau an diesem Punkt an – bei der Suche und der Vorauswahl. Ein Teil der Arbeit soll automatisiert ablaufen, bevor Recruiter überhaupt eingreifen. Personio will diese Funktionen in sein bestehendes Recruiting-Produkt integrieren, das bereits von tausenden Unternehmen genutzt wird.

Profitabilität, Stellenabbau und KI-Zukauf ergeben so ein klares Bild: Personio entwickelt sich vom reinen Wachstums-Startup zu einem fokussierteren, effizienteren und stärker KI-getriebenen HR-Player.





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