Datenschutz & Sicherheit
Crime-as-a-Service: Regierung warnt vor hochprofessionellen kriminellen Netzen
Die Zeiten, in denen organisierte Kriminalität (OK) als starr strukturierte Gruppierung agierte, gehört der Vergangenheit an. In ihrer Antwort auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion zeichnet die Bundesregierung das Bild einer hochflexiblen, funktional organisierten kriminellen Ökonomie. Das Schlagwort lautet „Crime-as-a-Service“ (CaaS): Kriminelle Gruppen gehen dazu über, spezialisierte Dienste einzukaufen, um getrennte Teilprozesse ihrer Taten abzudecken.
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Anstatt alle Kompetenzen im eigenen Haus zu bündeln, agieren moderne Täterstrukturen laut der Auskunft konspirativ, international vernetzt. Sie nutzten modernste Technologien sowie Messenger-Dienste, um sich regelmäßig neue, profitable Handlungsfelder zu erschließen.
Supermarkt der Schattenwirtschaft
Im Bereich der Cyberkriminalität ist dieses Modell zum Standard geworden. Dem federführenden Innenministerium zufolge ist CaaS ein elementarer Bestandteil dieses Sektors. In der digitalen Underground Economy werde ein Großteil der für Cyberattacken benötigten Komponenten als Dienstleistung angeboten. Das senke Eintrittshürden: Auch technisch weniger versierte Akteure würden in die Lage versetzt, komplexe Angriffe durchzuführen.
Prominentes Beispiel ist „Ransomware-as-a-Service“. Dabei vermarkten spezialisierte Entwickler ihre Schadsoftware und stellen sie „Affiliates“ gegen Gebühr oder eine Beteiligung am erpressten Lösegeld zur Verfügung.
Ein Faktor für Planung, Koordination und Verschleierung dieser Aktivitäten ist der Einsatz digitaler Kommunikations- und Infrastruktursysteme. Die Exekutive betont, dass diese strukturellen Entwicklungen systematisch erfasst und analysiert werden müssten, um eine wirksame strategische Bekämpfung zu ermöglichen.
Gewalt auf Bestellung: Perfides Outsourcing
Die Auslagerung von Tatbeiträgen beschränkt sich nicht auf die digitale Welt. Die Regierung berichtet von einer Zunahme von „Violence-as-a-Service“. Dabei werden teils schwerste Auftragstaten wie Drohungen unter Verwendung von Explosivstoffen, physische Gewalt oder sogar Tötungsdelikte über digitale Plattformen koordiniert.
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Erschreckend sei vor allem die Rekrutierung, heißt es: Insbesondere Minderjährige und junge Erwachsene würden für diese Aufgaben angeworben. Schweden gilt als stark betroffen und hat ein vierstufiges Rekrutierungsmodell identifiziert, das vom Auftraggeber über Vermittler bis zum ausführenden Täter reicht.
Die Hintermänner nutzen gezielte Strategien zur Risikominimierung, um hochrangige Mitglieder der Netzwerke zu schützen und das Entdeckungsrisiko zu verringern. Zudem dient die Ansprache Jugendlicher der Kostenminimierung, da diese oft geringere Entlohnungen akzeptieren oder leichter manipuliert und ausgebeutet werden können. Zugleich ermöglichen die Kontaktnetzwerke dieser jungen Täter kriminellen Gruppen neue Zugänge zu Abnehmern etwa von Drogen und fördern die territoriale Verankerung. Die Trennung von Planung, Steuerung und operativer Durchführung erschwert die Zurechenbarkeit von Verantwortung.
Professionelle Geldwäsche und Identitätsbetrug
Daneben umfasst das Portfolio krimineller Dienstleister Angebote in den Bereichen Geldwäsche, Fälschungskriminalität oder die Bereitstellung technischer Infrastruktur wie verschlüsselter Messenger. Zwar waschen laut einer Europol-Studie noch immer 96 Prozent der untersuchten Netzwerke ihre Erträge selbst. Doch der Zugriff auf spezialisierte externe Dienstleister wird beliebter. Diese Profis nehmen inkriminierte Vermögenswerte an und zahlen dafür „sauberes“ Geld an ihre Kunden aus.
Ferner verwenden OK-Mitglieder verstärkt gefälschte oder gestohlene Identitätsdokumente, um unentdeckt zu bleiben und ihre Aktivitäten über lange Zeiträume fortzusetzen. Auch dafür werden teils externe Angebote genutzt, sofern die Gruppen diese Leistungen nicht selbst erbringen können. Das korrespondiert mit einem steigenden Gewaltpotenzial, was Konflikte zwischen rivalisierenden Gruppen vermehrt in den öffentlichen Raum trägt. Das Innenressort sieht in dieser schleichenden Unterwanderung von Staat und Gesellschaft durch OK-Strukturen ein erhebliches Gefahrenpotenzial.
Strategische Gegenmaßnahmen
Die Antwort der Sicherheitsbehörden besteht aus mehr internationaler Zusammenarbeit. Ziel bleibt die Zerschlagung krimineller Strukturen. Dabei soll sichergestellt werden, dass Gruppierungen in finanzieller Hinsicht nachhaltig getroffen werden. Der Missbrauch staatlicher und gewerblicher Strukturen wird der Strategie nach durch enge Kooperation verschiedener Institutionen verhindert. Die Regierung unterstreicht, dass eine Kombination repressiver und präventiver Ansätze nötig sei.
Auf europäischer Ebene koordiniert den Kampf die European Multidisciplinary Platform Against Criminal Threats (Empact). Im laufenden Zyklus bis 2029 liegt ein Schwerpunkt auf der Identifizierung und Zerschlagung der bedrohlichsten kriminellen Netzwerke sowie von Personen in Schlüsselfunktionen. Deutschland integriert Erkenntnisse aus dieser Einschätzung in die strategische Bewertung der OK, um dem Phänomen der Gewaltdelegation und neuen digitalen Geschäftsmodellen begegnen zu können. Empact soll so helfen, einschlägige Netzwerke dauerhaft zu brechen.
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(nie)
Datenschutz & Sicherheit
Warnung vor Malware aufgrund von Lieferkettenangriffen
Die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA hat eine Warnung vor den kürzlich entdeckten Supply-Chain-Angriffen auf mehrere Produkte veröffentlicht. IT-Verantwortliche sollten das zum Anlass nehmen, zu prüfen, ob sie unwissentlich mit Malware verseuchte Pakete einsetzen.
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Insgesamt warnt die CISA vor drei Vorfällen. An erster Stelle stehen die Daemon Tools, die zwischen dem 8. April und 5. Mai 2026 mit Malware infizierte Installer von Daemon Tools Lite ausgeliefert haben. Die Version 12.6 und neuere der Daemon Tools Lite enthalten keinen Schadcode mehr, versichert der Anbieter. Der Vorfall hat einen CVE-Schwachstelleneintrag erhalten (CVE-2026-8398, CVSS 9.8, Risiko „kritisch“). Ungewöhnlich ist die Dringlichkeit, die die CISA zum Fixen vorgibt: Statt der üblichen zwei Wochen haben US-amerikanische Behörden lediglich bis zum 30. Mai Zeit, die bereinigte Software zu verteilen.
Ein weiterer Lieferkettenangriff erfolgte auf TanStack. Dabei haben die bösartigen Akteure 42 Pakete kompromittiert, mit 84 kompromittierten Versionen. Nach nur 20 Minuten sind die infizierten Pakete aufgeflogen (der CVE-Eintrag spricht gar nur von 6 Minuten am 11. Mai 2026, von 19:20 bis 19:26 Uhr UTC) und seitdem als „deprecated“ markiert, es ist jedoch unklar, wie oft sie installiert wurden. Betroffene sollten ihre Zugangsdaten auf jeden Fall erneuern. Der zugehörige CVE-Schwachstelleneintrag hat die Nummer CVE-2026-45321 erhalten (CVSS 9.8, Risiko „kritisch“).
Dritte Supply-Chain-Attacke
Auch das Entwickler-Tool Nx Console wurde im Mai 2026 Opfer eines Supply-Chain-Angriffs. Die Version 18.95.0 war betroffen, zwischen 12:30 und 13:09 Uhr UTC stand kompromittierte Software zum Download bereit. Das Problem ging offenbar von einer vereinzelten Entwickler-Maschine aus, die eine Woche zuvor ein manipuliertes TanStack-Paket gezogen und dann eingebaut hat. Ein Postmortem-Bericht der Nx-Console-Maintainer geht in die Details. Der Schwachstelleneintrag lautet CVE-2026-48027 (CVSS 9.8, Risiko „kritisch“).
Der letzte Vorfall zeigt, dass eine Kompromittierung durch die Lieferkette rasch und zunächst unbemerkt erfolgen kann. Entwickler sollten gegebenenfalls die eingesetzten Pakete einmal prüfen, ob dort bekannt kompromittierte Pakete hereingerutscht sind.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
C# 16: Microsoft plant strengere Regeln für unsicheren Code
Microsoft will die Speichersicherheit in C# verbessern. Dazu überarbeitet das .NET-Team das bisherige unsafe-Modell mit dem Ziel, unsichere Operationen sichtbarer und überprüfbarer zu machen, was Speicherfehlern und damit auch Sicherheitslücken vorbeugen soll. Live gehen sollen die Änderungen mit C# 16, das voraussichtlich Ende 2027 erscheint.
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KI-Coding begünstigt Speicherfehler
Das bisherige unsafe-Modell ist so alt wie das 2002 erschienene C# 1.0. Änderungsbedarf bestehe nun aber unter anderem wegen der hohen Geschwindigkeit KI-gestützter Softwareproduktion, denn die skaliere schneller als die menschliche Überprüfung, was zu mehr Speicherfehlern führen könne. Das schreibt .NET-Produktmanager Richard Lander in einem ausführlichen Blogpost.
Da viele Sicherheitslücken auf Speicherfehler zurückgehen, empfehlen internationale Sicherheitsbehörden schon seit Längerem, speichersichere Programmiersprachen in der kommerziellen Softwareentwicklung zu nutzen, wobei auch Rust explizit genannt wird.
Kein Versteckspiel mehr
Unsicheren Code blockiert C# bereits standardmäßig, doch das neue Sicherheitsmodell soll einen deutlich größeren Bereich abdecken. Dafür hat sich das .NET-Team von Rust inspirieren lassen und will Rusts Konzept der Sichtbarkeit und Weitergabe von Unsicherheit sowie dessen Syntax für C# übernehmen.
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Das neu definierte Schlüsselwort unsafe greift künftig auf Member-Ebene statt auf Typ-Ebene, also dort, wo ein konkreter unsicherer Speicherzugriff stattfindet, etwa in einer bestimmten Methode oder Eigenschaft.
Des Weiteren gelten Pointer‑Typen nicht mehr automatisch als unsicher, sondern erst dann, wenn sie auf den Speicherinhalt zugreifen. Das soll verhindern, dass Sicherheitsregeln und ‑annahmen versteckt oder stillschweigend vorausgesetzt werden. Nun sollen sie für Entwicklerinnen und Entwickler klarer erkennbar und nachprüfbar sein, so Richard Lander.
Für .NET 11 und C# 15 plant Microsoft eine Opt-in-Vorschau des neuen unsafe-Modells. Die endgültige Version soll vermutlich Ende 2027 mit C# 16 und .NET 12 kommen. Um die Nutzung des neuen Sicherheitsmodells zu fördern, könnte es auf NuGet.org, dem Paket-Repository für .NET, künftig spezielle Badges für entsprechende Bibliotheken von Package‑Maintainern geben.
(mro)
Datenschutz & Sicherheit
Notepad++: Lücken erlauben Einschleusen von Schadcode und Befehlen
Ein weiteres Update steht für Notepad++ bereit. Es schließt drei Sicherheitslücken, von denen zwei als hohes Risiko eingestuft sind und Angreifern ermöglichen, etwa Befehle oder gar Schadcode einzuschmuggeln und auszuführen.
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In der Release-Ankündigung zu Notepad++ v8.9.6.1 schreibt Entwickler Don Ho, dass die neue Version die drei Schwachstellen ausbessert. In der Konfigurationsdatei „config.xml“ gibt es keine Einschränkung für den Parameter „commandLineInterpreter“, sodass etwa Angreifer mit Nutzerrechten den Eintrag anpassen oder mittels bösartigem .lnk eigene Dateien starten lassen können. Damit diese Datei gestartet wird, müssen Opfer „Datei“ – „Aktuellen Ordner öffnen“ und dort „Eingabeaufforderung (cmd)“ auswählen. Die Lösung sieht vor, die erlaubten Einträge etwa auf cmd.exe, powershell.exe oder bash.exe zu beschränken, eine Pfadprüfung sowie eine Rückfrage bei Nutzern zu stellen (CVE-2026-48778, CVSS 7.8, Risiko „hoch“).
Eine ähnliche Schwachstelle öffnet das „
Aktualisierte Software-Version
Auf der Download-Seite des Notepad++-Projekts steht die neue Version in verschiedenen Formaten zum Herunterladen bereit. Die aktualisierte Software müssen Nutzerinnen und Nutzer derzeit noch manuell herunterladen und überinstallieren. Der integrierte Update-Mechanismus von Notepad++ v8.9.5 meldet, die Software sei aktuell – Ho hat die neuen Releases (auch die Version v8.9.6) also noch nicht darüber freigegeben.
Ende vergangener Woche hatte Don Ho Version v8.9.6 von Notepad++ veröffentlicht. Sie schloss eine Sicherheitslücke im Installer.
(dmk)
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