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Der größte VC-Denkfehler: Ein 70 Jahre altes Prinzip wird ignoriert


Der größte VC-Denkfehler: Ein 70 Jahre altes Prinzip wird ignoriert

Silvia Christmann, Gründerin und Executive Coach, berät Investoren und Gründer zu besseren Führungsentscheidungen.
Getty / Christmann / Collage: Dominik Schmitt

Silvia Christmann ist dreifache Gründerin und Executive Coach mit Harvard-Master, die seit über 16 Jahren CEOs, Gründer und Investoren – von Startups bis zu Top-Fonds wie a16z und Y Combinator – dabei unterstützt, bessere Führungs- und Investmententscheidungen zu treffen.

Rund 90 Prozent der Startups scheitern – und 65 Prozent davon aufgrund von Teamdysfunktionen, so Branchenstudien. Heißt konkret: In fast zwei Dritteln der Fälle scheitern Startups nicht am Markt oder an der Technologie – sondern daran, dass es im Team nicht funktioniert.

Die Arbeit von Harvard-Business-School-Professor Noam Wasserman zur Gründerdynamik zeigt, dass Konflikte innerhalb von Gründerteams eine der häufigsten Ursachen für das Scheitern von Startups mit hohem Potenzial sind. Mit anderen Worten: Der Faktor, der das Unternehmen am ehesten zum Scheitern bringt, ist oft der am wenigsten strukturierte Teil der Investitionsentscheidung.

Die große Frage lautet: Wenn strukturierte Bewertungsmethoden die Vorhersagegenauigkeit in anderen Bereichen der Entscheidungsfindung deutlich verbessern können, warum verlassen sich dann immer noch so viele Unternehmen bei der Bewertung von Führungskräften und Talenten auf Intuition?

Die Illusion der Mustererkennung

Für viele Investoren wird Intuition als erfahrungsbasierte Mustererkennung verstanden. Nach jahrelangen Begegnungen mit Gründern (oder nach dem Wechsel vom Gründer zum Investor), der Prüfung von Investitionsvorhaben und der Beobachtung von Ergebnissen entwickeln erfahrene Investoren angeblich ein ausgeprägtes „Bauchgefühl“ für die Erkennung außergewöhnlicher Führungskräfte und deren langfristige Leistungsfähigkeit.

Untersuchungen in der Entscheidungswissenschaft legen jedoch nahe, dass Intuition nur unter ganz bestimmten Bedingungen zuverlässig ist. Die Forschungsarbeiten von Daniel Kahneman und Gary Klein zeigen, dass sich intuitive Expertise vor allem in Umgebungen entwickelt, in denen Muster stabil sind und das Feedback schnell und präzise erfolgt. In Bereichen wie der Brandbekämpfung oder beim Schach erfahren Experten schnell, ob ihre Einschätzungen richtig waren.

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Startup-Investitionen hingegen finden in einem Umfeld statt, das für sein langsames Feedback bekannt ist. Bei einer Venture-Capital-Investition kann es fünf bis zehn Jahre dauern, bis das Ergebnis klar wird. Unter solchen Bedingungen können Entscheidungsträger unmöglich zeitnahe Signale erhalten, die es ihnen ermöglichen, ihre Urteile genau zu kalibrieren oder eine auf Intuition basierende Mustererkennung zu etablieren. Darüber hinaus entsteht dadurch eine negative Rückkopplungsschleife, in der das Vertrauen in die Intuition wachsen kann, selbst wenn deren Vorhersagegenauigkeit ungewiss bleibt. Daher werden alle informellen Interviews ohne strukturierte Bewertungsmethoden zu einer unsichtbaren Risikoquelle bei der Entscheidungsfindung.

Wenn also Intuition in Umgebungen mit langsamer Rückmeldung unzuverlässig ist, was funktioniert dann? Die Antwort gibt es schon seit siebzig Jahren.

Das 70 Jahre alte Geheimnis, das die meisten Risikokapitalgeber ignorieren

Die Debatte zwischen Intuition und strukturierter Bewertung ist nicht neu. Strukturierte Bewertungsmethoden sind seit über sieben Jahrzehnten durchweg genauer als Expertenurteile. Die Risikokapitalbranche beharrt jedoch darauf, dass dies anders sei und dass herkömmliche, wissenschaftlich belegte Leistungsmodelle nicht auf Startup-Gründer und deren Investitionsthesen zuträfen.

Und sie könnten nicht falscher liegen. So hat der Forscher Grove und seine Kollegen beispielsweise jahrzehntelange Studien ausgewertet und festgestellt, dass statistische Vorhersagemethoden in etwa der Hälfte bis zu zwei Dritteln der Vergleiche besser abschneiden als menschliches Urteilsvermögen und selten schlechter. Dies stellt die Annahme, dass Expertenintuition der zuverlässigste Weg sei, komplexe Vorhersagen zu treffen, grundlegend in Frage.

Stellt euch vor, ihr würdet 100 Kopf-an-Kopf-Wettbewerbe zwischen einem erfahrenen Experten, der sein Urteilsvermögen einsetzt, und einer strukturierten statistischen Methode durchführen. Die strukturierte Methode würde etwa zwischen 50 und 65 Prozent dieser Wettbewerbe gewinnen. Rechnet selbst bei einer Ausfallrate von 90 Prozent nach: Mindestens 50 Prozent dieser Entscheidungen könnten potenziell verbessert werden. Auf welche Quote würdet ihr setzen?

Seit 1954 werden Erkenntnisse der Auswahlforschung genutzt, um systematische Methoden zu entwickeln, die Verzerrungen reduzieren und die Vorhersagegenauigkeit bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Talenten verbessern. Eine der einflussreichsten Studien auf diesem Gebiet ist die umfassende Metaanalyse von Schmidt und Hunter, die 85 Jahre Forschung im Bereich der Personalauswahl umfasst. Ihre Ergebnisse zeigten, dass strukturierte Bewertungsmethoden bei der Leistungsvorhersage durchweg besser abschneiden als informelle Gespräche.

Die Daten sind sehr aussagekräftig. Systematische Methoden stellen sicher, dass jeder Kandidat anhand der gleichen Kriterien bewertet wird, und reduzieren den Einfluss subjektiver Eindrücke. Strukturierte Interviews erhöhen die Wahrscheinlichkeit, einen Leistungsträger korrekt zu identifizieren, um etwa 30 bis 40 Prozent.

Warum mentale Abkürzungen euren „Instinkt“ so real erscheinen lassen

Das menschliche Gehirn verbraucht etwa 20 Prozent der Stoffwechselenergie des Körpers, obwohl es nur zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht. Um mit dieser Einschränkung umzugehen, stützt sich das Gehirn auf kognitive Heuristiken oder mentale Abkürzungen, die eine schnelle Entscheidungsfindung ohne bewusste Überlegung ermöglichen.

Diese Heuristiken haben sich im Zusammenhang mit Überlebenssituationen entwickelt: Mustererkennung, um Bedrohungen schnell zu identifizieren, selektive Aufmerksamkeit, um überwältigende Sinneseindrücke zu filtern, und prozedurale Automatisierung, um Routineaufgaben aus der bewussten Verarbeitung auszulagern. Betrachten wir ein bekanntes Beispiel: Erfahrene Autofahrer fahren Strecken, während sie gedanklich mit anderen Dingen beschäftigt sind, und können sich später nicht mehr an bestimmte Momente der Fahrt erinnern. Das bedeutet, dass das prozedurale Gedächtnis die Aufgabe automatisiert hat.

Während diese Effizienzmechanismen unserer evolutionären Vergangenheit gute Dienste leisteten, verursachen sie systematische Fehler in modernen, risikoreichen Kontexten wie der Investitionsbewertung. Das Gehirn priorisiert nach wie vor Geschwindigkeit und schlüssige Erzählungen gegenüber Genauigkeit, selbst wenn eine bewusste Analyse zu besseren Ergebnissen führen würde.

Die spezifischen Verzerrungen, die die Bewertung von Gründern verfälschen

Unstrukturierte Gründer-Interviews verstärken mehrere gut dokumentierte kognitive Verzerrungen:

Bestätigungsfehler: Sobald sich ein erster Eindruck gebildet hat, suchen Interviewer unbewusst nach unterstützenden Belegen, während sie widersprüchliche Signale außer Acht lassen. Fragen werden zu Gelegenheiten, Hypothesen zu bestätigen, anstatt sie zu überprüfen.

Halo-Effekt: Eine einzige beeindruckende Eigenschaft – Charisma, Referenzen oder eine fesselnde Geschichte – erzeugt einen positiven Schein, der Schwächen in anderen Bereichen überdeckt.

Ähnlichkeitsverzerrung: Bewerter bevorzugen systematisch Kandidaten, die ihnen in Bezug auf Hintergrund oder Kommunikationsstil ähneln, und verwechseln Vertrautheit mit Kompetenz.

Aktualitätsverzerrung: Die neuesten Informationen beeinflussen das endgültige Urteil überproportional, selbst wenn frühere Datenpunkte aussagekräftiger waren. Dies sind keine Charakterfehler, sondern vorhersehbare Merkmale der menschlichen Wahrnehmung. Die Frage ist nicht, ob Verzerrungen existieren, sondern ob strukturierte Methoden vermeidbare Fehlerquoten reduzieren können.

Was „strukturierte Beurteilung“ eigentlich bedeutet

Die Belege für die Wirksamkeit strukturierter Bewertungen sind eindeutig. Doch was bedeutet „Struktur“ in der Praxis?

Eine Studie von Levashina, Hartwell, Morgeson und Campion identifiziert vier Kernelemente, die eine fundierte Beurteilung von einer intuitiven Einschätzung unterscheiden:

  • Standardisierte Fragen, die allen Bewerbern einheitlich gestellt werden
  • Vorab festgelegte Kompetenzrahmen, die vor den Vorstellungsgesprächen festgelegt werden
  • Mehrere geschulte Bewerter, die gemeinsame Kriterien anwenden
  • Verhaltensbezogene Nachweise, die auf beobachtbaren Handlungen und nicht auf Eindrücken beruhen

Die konkreten Methoden variieren – verhaltensbezogene Bewertungsskalen, Kompetenzmatrizen, strukturierte Interviewprotokolle –, doch das Prinzip bleibt dasselbe: Struktur zwingt die Bewerter dazu, vergleichbare Daten zu sammeln und ihre Urteile an Nachweisen statt an Bauchgefühl festzumachen.

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Mehrere Bewerter, die einheitliche Rahmenwerke verwenden, können eine Interrater-Reliabilität von durchschnittlich 0,78 erreichen, im Vergleich zu einer nahezu zufälligen Übereinstimmung bei unstrukturierten Interviews. Noch wichtiger ist, dass diese Methoden Daten liefern, anhand derer ihr erkennen könnt, welche Gründerattribute tatsächlich den Erfolg in eurem Portfolio vorhergesagt haben, im Gegensatz zu denen, die während der Pitch-Meetings als wichtig empfunden wurden.

Was das für euch bedeutet

Eine strukturierte Verhaltensbeurteilung beseitigt das Risiko nicht vollständig. Aber sie reduziert die Rate vermeidbarer Fehler im Vergleich zur reinen Intuition erheblich.

Das Ziel besteht nicht darin, Erfahrung, Instinkt oder Mustererkennung zu ignorieren. Es geht darum, sie zu strukturieren. Untersuchungen zeigen, dass dies die Vorhersagegenauigkeit im Vergleich zu unstrukturierten Vorstellungsgesprächen um bis zu 40 Prozent verbessern kann.

Beim Investieren geht es darum, auf Gewinnerteams zu setzen. Warum solltet ihr keine Methode anwenden, die eure Chancen, auf das richtige Team zu setzen, deutlich erhöht?





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16-Jähriger baut KI-Tool für Landwirte – und lehnt dafür 300.000 Dollar ab


16-Jähriger baut KI-Tool für Landwirte – und lehnt dafür 300.000 Dollar ab

Rudrojas Kunvar entwickelte Evion, ein KI-Tool für die Landwirtschaft, während er noch die Highschool besuchte.
Rudrojas Kunvar

Rudrojas Kunvar, 16, entwickelte Evion, ein KI-Tool, das Landwirten hilft, den Gesundheitszustand von Feldfrüchten zu analysieren.

Das Tool sammelt Luftbilddaten von Drohnenaufnahmen der Felder.

Kunvar entwickelte Evion, um diese Daten für kleine und mittelgroße Betriebe zugänglicher zu machen.

Als er sich im vergangenen Jahr mit einem Risikokapitalgeber traf, erhielt der 16-jährige Rudrojas Kunvar ein Angebot, das selbst die gelassensten Teenager begeistern würde: 300.000 Dollar (etwa 277.000 Euro) erhalten, die Highschool abbrechen und sein KI-Startup Vollzeit leiten.

„Es waren definitiv ein paar harte Wochen des Überlegens“, sagte Kunvar, der in Germantown, Maryland, lebt, gegenüber BUSINESS INSIDER (BI). „Das ist eine Menge Geld.“

Kunvar hatte den Sommer zuvor damit verbracht, Evion zu entwickeln, ein kostenloses KI-Tool zur Analyse von Feldfrüchten, das Bilder von einfachen Kameradrohnen nutzt, die Landwirte selbst kaufen können. Das KI-Modell analysiert die Bilder und erstellt eine Karte des Gesundheitszustands der Pflanzen, die Landwirte in ihre bestehenden Plattformen integrieren oder über ein Dashboard abrufen können. Grün bedeutet gesund, Rot bedeutet ungesund.

Evion ist ein KI-Tool zur Analyse der Pflanzengesundheit.

Evion ist ein KI-Tool zur Analyse der Pflanzengesundheit.
Evion

„Landwirte können damit die Zukunft ihrer Felder vorhersagen“, sagte Kunvar. „Man sieht, welche Bereiche mehr Wasser oder Dünger benötigen, anstatt einfach überall zu sprühen.“

Wie im Bauwesen und in der Verteidigung verändern Drohnen auch die Landwirtschaft in den USA. Laut Forschern der Michigan State University waren im Jahr 2025 etwa 5500 landwirtschaftliche Drohnen bei der Federal Aviation Administration registriert, nach rund 1000 im Jahr 2024.

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Kunvar sagte, Evion könne Landwirten helfen, Geld zu sparen, da die gezielten Daten die Unsicherheit über den Gesundheitszustand der Felder reduzieren. Das verringert die Wahrscheinlichkeit, Wasser oder Dünger zu verschwenden.

Evion ist als kostengünstige Alternative zu Unternehmen positioniert, die teure Drohnenprodukte oder Dienstleistungen vermarkten. Stattdessen können Landwirte günstige Kameradrohnen kaufen, eigene Fotos machen und die Daten selbst hochladen.

„Es soll ein erschwinglicheres Modell für kleine bis mittlere Betriebe sein“, erklärte Kunvar.

Nachdem Evion aufgebaut war, arbeitete Kunvar mit Jacob Lee zusammen, der Erfahrung mit der Entwicklung von Tech-Tools hat, um die Reichweite zu erweitern. Der erste Pilotstart erfolgte im Herbst.

Letztendlich lehnte Kunvar das Angebot über 300.000 Dollar ab, da er sicherstellen wollte, dass sein Produkt zugänglich bleibt und nicht nur der Profitmaximierung dient.

Wenig KI-Fortschritte in der Landwirtschaft

Die Idee für Evion entstand während Kunvars zweitem Highschool-Jahr an der Poolesville High School in Montgomery County, als er ein Gemeindefest besuchte. Ein Drittel des Montgomery County ist als Agricultural Reserve ausgewiesen, also als geschütztes Land, um ländliche Flächen zu erhalten.

„Ich fragte einen Landwirt, wie er erkennt, wann eine Krankheit droht oder was leichte Verfärbungen bedeuten“, sagte Kunvar. „Im Grunde sagte er, er müsse raten. Ich sprach mit ein paar weiteren Landwirten und stellte fest, dass alle ähnliche Antworten gaben.“

Kunvar, der angab, schon immer eine Leidenschaft für Technologie gehabt zu haben, war überrascht. „Wir haben viele KI-Fortschritte in verschiedenen Branchen gesehen“, sagte er. „Warum passiert im Bereich Landwirtschaft so wenig?“

Ursprünglich wollte Kunvar eine eigene Flotte vollautonomer Drohnen entwickeln, die die Daten erfassen könnten, entschied sich nach Gesprächen mit Mentoren und Berechnungen jedoch für einen anderen Ansatz. Stattdessen studierte er Drohnen und identifizierte den Hauptkostenfaktor: die Multispektralkamera.

„Die Kamera war der größte Kostenfaktor. Ich fragte mich: ‚Was, wenn es eine Möglichkeit gibt, ähnliche Daten ohne diese Kamera zu bekommen? Was, wenn ich eine einfache Kamera nutzen könnte?‘“, sagte Kunvar.

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Partnerschaften mit Landwirtschafts-Nonprofits

Er verwies auf Tesla und seine autonomen Fahrzeuge als Beweis, dass das funktionieren kann. Im Gegensatz zu Waymo und anderen Firmen, die Lidar nutzen, verlässt sich Tesla auf Kameras.

Nachdem die Logistik und das KI-Modell eingerichtet waren, suchten die Gründer Kunden über Kaltakquise per E-Mail und LinkedIn. Bessere Ergebnisse erzielten sie jedoch durch Partnerschaften mit landwirtschaftlich orientierten Nonprofits und Organisationen, um Landwirte zu erreichen. Heute hilft die Technologie Landwirten in Nordamerika, Südostasien und Indien.

Für die Zukunft plant Kunvar, Evion weiter auszubauen und Chancen in anderen Bereichen, einschließlich KI-Infrastruktur, zu erkunden. „Im Unternehmertum gibt es viel Ungewissheit, besonders bei Startups, aber ich habe gelernt, dass in der Ungewissheit auch Schönheit liegt“, sagte Kunvar. „Es gab Zeiten, in denen nichts funktionierte, und dann erzielt man den kleinsten Erfolg, und man denkt: ‚Wow, vielleicht kann ich das doch schaffen.‘“

Lest das Original auf Business Insider US.

 





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Dash0 erhält 110 Millionen – Rivia bekommt 15 Millionen – Amazon übernimmt RIVR


#DealMonitor

+++ #DealMonitor +++ Dash0 erhält 110 Millionen +++ Rivia bekommt 15 Millionen +++ blue activity sammelt 8,5 Millionen ein +++ eternal.ag streicht 8 Millionen ein +++ Amazon übernimmt RIVR +++ Berentzen kauft JUMA +++ DHDL: After Inject, ANABOX smart, Nylam +++

Dash0 erhält 110 Millionen – Rivia bekommt 15 Millionen – Amazon übernimmt RIVR

Im #DealMonitor für den 24. März werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.

STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: STARTUPLAND 2027 findet bereits am 10. März statt. Mehr über Startupland

INVESTMENTS

Dash0
+++ Balderton Capital, DTCP Growth, Accel, Cherry Ventures, DIG Ventures, July Fund und T.Capital investieren 110 Millionen US-Dollar in Dash0. Im Zuge der Investmentrunde steigt das Unternehmen zum Unicorn auf (Bewertung: 1 Milliarde US-Dollar). Insgesamt sammelte das Team nun bereits 155 Millionen ein. Das Startup (New York, Solingen), 2023 vom Seriengründer Mirko Novakovic (Instana), Miel Donkers, Marcel Birkner, Ben Blackmore und Michaele Mancioppi gegründet, entwickelt eine Plattform, die Entwickler:innen dabei hilft, Probleme zu beheben. Unternehmen wie Zalando, Taco Bell und The Telegraph setzen bereits auf Dash0. Mehr über Dash0

Rivia
+++ Der Berliner Geldgeber Earlybird Venture Capital, Defiant aus London, Speedinvest, Amino Collective und Nina Capital investieren 15 Millionen US-Dollar in Rivia. Das Startup aus Zürich, 2022 von Erik Scalfaro, Tiago Kieliger, Henk Streefkerk und Pietro Scalfaro gegründet, unterstützt BioTech-Unternehmen ihre „Produktkandidaten effizienter zur Marktreife zu bringen“. Das Team nutzt dabei „KI, um verschiedene Datenquellen für klinische Studien nahtlos zu integrieren, zu analysieren und seinen Kunden so einen umfassenden Überblick in Echtzeit zu bieten“. Speedinvest, Amino Collective und Nina Capital investierten zuvor bereits 3 Millionen Euro in das Unternehmen. Mehr über Rivia

blue activity
+++ Wind Capital (Paris), Venture Stars (München) und Angel Invest (Berlin) investieren 8,5 Millionen Euro in blue activity. Das CleanTech aus Heidelberg, 2021 von Lars Havighorst und Michael Simon gegründet, setzt auf die „nachhaltige Behandlung von Kühlwasser in industriellen Verdunstungskühlsystemen“. Das „Echtzeit-Monitoring-Dashboard“ des CleanTechs überwacht dabei „alle relevanten KPIs-Biofilm, Scaling, Korrosion und Füllstand“. Das Kapital soll dabei helfen, „die Produktentwicklung zu beschleunigen und die kommerziellen Aktivitäten in europäischen Industriemärkten auszubauen“. Mehr über blue activity

eternal.ag
+++ Der Düsseldorfer Early-Stage-Investor Simon Capital, Oyster Bay Venture Capital, EquityPitcher Ventures und Backbone Ventures investieren 8 Millionen Euro in eternal.ag. Das Robotik-Startup aus Köln, 2025 von Renji John und Sherry Kunjachan gegründet, setzt auf autonome Ernteroboter für Gewächshäuser. „We remove the biggest risk in greenhouse operations: uncertainty of labor. Our autonomous robots handle hard, repetitive crop work, around the clock“, heißt es zum Konzept. Simon Capital hält nun rund 14,4 % am AgTech aus dem Rheinland. Mehr über eternal.ag

MERGERS & ACQUISITIONS

Amazon RIVR
+++ Der amerikanische Versandriese Amazon übernimmt das 2023 gegründete Schweizer Robotik-Startup RIVR, das vierbeinige Maschinen für Zustellungen bis an die Haustür entwickelt. „This step will accelerate our vision of building General Physical AI through doorstep delivery, bringing robotics and AI closer to real-world deployment at scale“, schreibt Marko Bjelonic auf Linkedin. Das Unternehmen aus Zürich wurde zuletzt mit 100 Millionen US-Dollar bewertet. Im März 2025 investierten Bezos Expeditions, HongShan, Amazon Industrial Innovation Fund, Armada Investment und Linear Capital 22 Millionen in RIVR.

Berentzen – JUMA
+++ Die Berentzen-Gruppe übernimmt über ihre Tochter Vivaris den Functional Drink JUMA. Hinter dem Getränke steckte bisher das Startup food42morrow, das von Raoul Kammann, Max Kammann und Carlos Lopez Granado gegründet wurde.

DIE HÖHLE DER LÖWEN

After Inject
+++ Beauty-Löwin Judith William investiert in der neunzehnten Staffel der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ 200.000 Euro in After Inject und sichert sich dabei 20 % am Unternehmen. Das Startup aus Berlin setzt auf eine natürliche Alternative zu Botox. Der Deal platzte nach der Show.

ANABOX smart
+++ Startup-Löwe Frank Thelen investiert in der neunzehnten Staffel der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ 180.000 Euro in ANABOX smart und sichert sich dabei 25 % am Unternehmen. Das Startup aus Leipzig setzt auf einen digitalen Medikamentenspender.

Nylam
+++ Regal-Löwe Ralf Dümmel investiert in der neunzehnten Staffel der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ 100.000 Euro in Nylam und sichert sich dabei 30 % am Unternehmen. Das Startup aus Heilbronn setzt auf ein spezielles Spray, das die feinen Fasern von Strumpfhosen stärkt.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): azrael74



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Startup: 8 Minuten bis zum Lunch – warum Juit Highperformer lockt


Ein Startup aus dem Hause Dr. Oetker setzt auf gesunde Tiefkühlgerichte für „Highperformer“. Eigentlich vertreibt Juit über E-Commerce – doch jetzt hat es in Berlin-Mitte auch einen Pop-up-Store eröffnet.

Startup: 8 Minuten bis zum Lunch – warum Juit Highperformer lockt

Mit einem Pop-Up-Store in Berlin will Juit der Laufkundschaft seine Gerichte näher bringen. Besonders unter Vielbeschäftigten findet das Konzept offenbar Anklang.
Marc Sarembe

Berlin-Mitte, Zimmerstraße 69. Der Boden glänzt so makellos wie die Glasfassaden der umliegenden Bürokomplexe. Der Pop-up-Store von Juit wirkt weniger wie ein Restaurant, als wie eine schick designte Tankstelle für den menschlichen Motor. Die knallbunten Farben der Fertiggerichte schreien gegen die klinische Sterilität der Einrichtung an. Grauer Boden, blau-graue Bestuhlung, glänzende Schränke. Hier ist alles auf Effizienz getrimmt. Keine Kellner, die nach dem Befinden fragen, kein langes Studium der Speisekarte.

Nur ein riesiges, metallenes Tiefkühlregal. Ich fühle mich in die TK-Abteilung meines Stamm-Supermarktes versetzt, als eine freundliche Mitarbeiterin den Moment unterbricht. „Warst du schon mal hier?“ „Nein“.

Marc Sarembe

Das Gericht, das ich mir aussuche, ist vergriffen. Sie empfiehlt stattdessen „Peanut-Chicken“. Ich hole das „Peanut-Chicken“. Karte ans Lesegerät, kurzes Piepen, fertig. Bezahlt wird natürlich bargeldlos.

Essen auf die Nahrungsaufnahme reduzieren

Juits Slogan „Das Leben ist zu kurz, um schlecht zu essen“ zielt direkt auf eine Generation, die zwischen Selbstoptimierung und Zeitmangel feststeckt. Es ist der nächste logische Schritt nach HelloFresh. Doch während die Kochboxen das Einkaufen ersetzen, scheiterten viele Nutzer am Ende doch an der Realität: an der verschrumpelten Bio-Zucchini im Gemüsefach und dem Abwasch nach dem „schnellen“ 30-Minuten-Rezept. Juit verspricht HelloFresh ohne Reue. Wer am Abend keine Lust auf das Schlachtfeld in der Küche hat, muss hier nicht mal zum Messer greifen.

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Kochboxen verkaufen ein Versprechen: Du kochst selbst, du lernst was, du machst und sparst dir den Gang zum Supermarkt. Aber Juit verkauft Erlösung. Keine Tüte, kein Rezept. Ohne schlechtes Gewissen, Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe. Ein Blick auf die Rückseite der Verpackung verrät, die Nährwerte passen zum Konzept: 1,6 Gramm Zucker und 7,1 Gramm Eiweiß auf 100 Gramm beim „Chicken-Curry“. Ich schiebe die Schale in die Mikrowelle – und circa acht Minuten später ist das Abendessen kein Plan mehr, sondern ein Ergebnis.

TK für Gutverdiener

Hinter dem hippen Berliner Auftritt steckt geballte westfälische Wirtschaftskraft. 2019 gründeten Serdar Mansour Azar und Ingmar Knudsen „Juit“, allerdings nicht im Hinterhof, sondern unter dem Dach von Dr. Oetker. Es ist das „Direct-to-Consumer“-Labor des Bielefelder Riesen, der Versuch, das schmuddelige Image der Tiefkühlpizza gegen gesunde, schockgefrostete High-Tech-Mahlzeiten zu tauschen. Mit Juit setzt Dr. Oetker am Zeitgeist an. Der digitale Vertrieb ermöglicht eine direkte Kundenbindung, ohne dass der Umweg über stationäre Supermarktketten nötig ist. Juit ist der Versuch, technologische Innovation, Datenanalyse und neue Vertriebswege zu vereinen. Dabei ist Juit vor allem ein Zahlenspiel. Die kleinste Box mit sechs Gerichten kostet 56,94 Euro, das sind 9,49 Euro pro Mahlzeit. Wer sich für den Monatsvorrat von 30 Mahlzeiten entscheidet, drückt den Preis auf 7,89 Euro. Trotzdem ist das vergleichsweise teuer.

Marc Sarembe

In Berlin geht Juit einen Schritt weiter und startet seinen ersten Pop-up-Store. Ziel ist es, die Produkte sichtbar zu machen und außerhalb des klassischen E-Commerce zu werben. Kundinnen und Kunden können die Gerichte vor Ort probieren oder zum Lunch vorbeikommen. Geht das Konzept auf, sei auch die Eröffnung weiterer Geschäfte vorstellbar.

Hauptsache schnell

Marc Sarembe

Acht Minuten und 30 Sekunden. So lange dauert die Zubereitung in der Mikrowelle. Es ist eine seltsame Zeitspanne des Stillstands in Berlin-Mitte. „Wer kommt zu euch zum Mittagessen?“, frage ich den Inhaber Serdar, dessen Kollege mich einige Tage zuvor auf der Straße angesprochen hatte. Seine Antwort passt zur Umgebung: „Highperformer“. Ich begebe mich auf die Suche nach „Highperformern“ und schaue mich um. Hinter mir sitzt ein Mann zusammen mit einer Frau am Tisch. Sie reden im Business-Slang über Social Media und Strategien. Kurz nach dem Lunch sind sie schnell wieder aus dem Geschäft, die Zeit drängt. Dann betritt ein weiterer Kunde den Store, Dresscode Business Casual, er wird per Du begrüßt. „Bei uns auf der Arbeit ist das gerade voll das Ding“, erzählt er der Mitarbeiterin und holt seinen Lunch ab. Schnell bezahlen und schon ist er verschwunden. Immer wieder bleiben Passanten vor dem Schaufenster stehen und starren ins Innere. Das Konzept scheint zu polarisieren. Das auffällige Design bewegt die Umgebung, die sonst eher trist erscheint.

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Viel Biss, wenig Bums

Acht Minuten 30. Ein „Pling“ beendet das Warten. Besonders appetitlich sieht das Peanut-Chicken auf den ersten Blick nicht aus. Nach dem Abziehen der Folie begegnet mir ein leichter, angenehmer Erdnuss-Geruch. Der erste Bissen überrascht: Das Gemüse ist knackig und schmeckt frisch. Es ist erstaunlich, welche Wirkung das Schockfrosten hat. Die Sauce hat eine angenehme Schärfe. Das Fleisch ist zart und saftig, wenn auch geschmacklich etwas fade. Es fehlt mir an Koch-Basics; die Röstaromen einer Pfanne schmecke ich nicht heraus. Doch im Zusammenspiel mit dem Reis wird die Sache stimmig. Die Portion ist ordentlich: Selbst als bekennender Vielfraß fühle ich mich nach dem Mittagessen gesättigt, auch wenn ich nach einer harten Sporteinheit wohl die teurere XL-Variante wählen müsste.

Regional, antibiotikafrei, gesund – Juit wirft mit den richtigen Schlagworten um sich, um das schlechte Gewissen der Tiefkühl-Käufer zu beruhigen. Doch am Ende bleibt die Frage: Ist das noch Essen oder schlicht Treibstoff? Am Abend finde ich es heraus. Zu Hause hübsch auf dem Porzellan-Teller angerichtet kippt das Gefühl, was ich zuvor im Laden hatte. Es fühlt sich für mich jetzt nicht mehr wie eine reine Nährstoffaufnahme an, sondern vielmehr wird es plötzlich ein Abendessen. Nicht weil es mehr Liebe hätte, sondern weil das Setting stimmt und ich die industrielle Kälte des Stores vergesse. Mit einem Mal funktioniert Juit für mich doch: als Vorrat für stressige Tage, zwei, drei Packungen im Tiefkühlfach, wenn Training und Termine den Abend auffressen.

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