Datenschutz & Sicherheit
Dobrindt warnt vor Ende freiwilliger Inhaltedurchsuchung
Ein relevanter Teil der im vergangenen Jahr in Deutschland polizeilich bekannt gewordenen 5,5 Millionen Straftaten hat digitale Bezüge, teilte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Montagmorgen in Berlin mit. Von digitalen Bezügen ist die Rede entweder, weil die Taten direkt online begangen wurden, weil das Internet auch als Tatmittel genutzt wurde oder weil etwa Aufnahmen im Zusammenhang mit Straftaten im Internet veröffentlicht wurden.
Weiterlesen nach der Anzeige
Das betrifft unter anderem auch Delikte, bei denen etwa Opfer erst mit K.-o.-Tropfen bewusstlos gemacht und anschließend missbraucht oder vergewaltigt werden. „Niemand der sich solche Bilder ansieht, soll vor Verfolgung sicher sein“, fordert der Hamburger Innensenator und Vorsitzende der Innenministerkonferenz Andy Grote. Der SPD-Politiker betonte, dass der digitale Gewaltschutz deutlich verbessert werden solle.
„Wir haben bei der IP-Adressspeicherung eine Einigung mit der Bundesjustizministerin erreicht“, kündigte Dobrindt an. Im Bundeskabinett solle die Vorratsdatenspeicherung nun am kommenden Mittwoch beschlossen werden. Auch die weiteren geplanten polizeilichen Befugnisse, etwa für KI-Erkennung von Verdächtigen und die Analyse großer Datenmengen, sollten bald beschlossen werden.
Sonderproblem Jugendpornografie durch fehlendes Bewusstsein
Dabei gibt es derzeit kein einheitliches Bild bei den Entwicklungen der Straftaten mit engerem Digitalbezug. Vor allem die Jugendpornografie ist noch einmal deutlich angestiegen, zeigen die heute vorgestellten Zahlen. Fast ein Fünftel mehr Fälle sind 2025 den Ermittlungsbehörden bekannt geworden. In vielen dieser Fälle handele es sich um Jugendliche als Tatverdächtige – fast die Hälfte der mutmaßlichen Täter nach den Paragrafen von §184 bis 184e Strafgesetzbuch sei selbst unter 18 Jahre alt. „Auch hier spielen Strafrechtsnormen, aber auch die Nutzung sozialer Medien eine Rolle“, sagte BKA-Präsident Holger Münch. Das Phänomen der sogenannten „Selbstfilmer“, die Videos von sich selbst aufnehmen, mit der Absicht, diese Inhalte meist an Altersgenossen weiterzuleiten, sei vor allem deswegen groß, da es diesen an Bewusstsein dafür fehle. „Die Reaktion darauf ist nicht nur Strafverfolgung“, erklärt Münch auf Nachfrage. Die polizeiliche Kriminalstatistik erfasse die Taten, nicht den Verlauf daraus entstehender Straftaten. Es sei wichtig, auch den Heranwachsenden frühzeitig und deutlich klarzumachen: „Das ist nicht nur blöd, sondern das ist auch eine Straftat!“ Es sei aber wichtig, das Thema nicht nur seitens der Strafverfolgungsbehörden zu adressieren.
Ein großer Teil der Meldungen komme von Plattformen wie Metas Instagram. Und genau hier fürchten der Innenminister und der BKA-Chef nun, dass nach dem Aus der oft „freiwillige Chatkontrolle“ genannten Befugnis zur Durchsuchung die Aufklärungsquote sinken könnte.
Vor allem US-Plattformen hatten unter der Ausnahmeregelung freiwillig auch europäische Inhalte gescannt und über das National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) ihre Befunde auch EU-Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt. „Was wir nicht kennen, können wir nicht aufklären“, sagte BKA-Präsident Holger Münch. Er gehe davon aus, dass die Zahl der aufklärbaren Taten sinken werde. Seine größte Sorge sei, dass bislang unbekanntes Material nicht mehr identifiziert werde.
Weiterlesen nach der Anzeige
Lesen Sie auch
Das Europaparlament hatte die Ausnahmeregelung, die eigentlich nur für kurze Zeit gelten sollte, bereits mehrfach verlängert. Schon beim Entwurf zur „Chatkontrolle“ – einem Vorschlag zur Bekämpfung von Missbrauchsdarstellungen, der dem Parlament deutlich zu weit ging – forderte es von den Mitgliedstaaten und der Kommission eine saubere, endgültige Regelung. Da diese Verhandlungen nun gescheitert sind, stimmte das Parlament konsequenterweise gegen eine erneute Verlängerung der Ausnahme. Für Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ist das dennoch Schuld des Parlaments: Dieses habe mit der Ablehnung einen „erheblichen Fehler“ begangen. „Die Situation ist so, dass wir nicht absehen können, was sie bedeutet“, sagte der CSU-Politiker. Und räumt ein: „Es ist nicht klar, was das Wegfallen der Interimsverordnung bedeutet.“
Auch jenseits dieser beiden Themen spielt das Digitale in der Kriminalstatistik eine große Rolle. Deutlich gestiegen, um über 10 Prozent, sind die Straftaten im Zusammenhang mit Urheberrechtsbestimmungen, zurückgegangen sind hingegen die „Datenstraftaten“ wie Hehlerei und Ausspähung und Datenveränderung. Auch bei „Computerbetrug“ und Warenkreditbetrug sanken die Zahlen.
„Bei Cybercrime übersteigen schon seit mehreren Jahren die Auslandstaten die Inlandszahlen“, erklärt BKA-Präsident Holger Münch. Nur jede fünfte Straftat würde dabei aber überhaupt angezeigt. Er erwarte, dass wegen KI noch größere Probleme auftreten würden, weshalb die Polizeien vor allem beim Datenaustausch noch enger miteinander verzahnt werden müssten. Daran werde bereits gearbeitet.
(afl)
Datenschutz & Sicherheit
Google warnt: Angreifer geben sich als IT-Techniker aus und betreten Büros
Die Google Threat Intelligence Group warnt aktuell davor, dass Angreifer physisch auf die Systeme ihrer Opfer zugreifen: Sie geben sich vor Ort als IT-Techniker aus und betreten dann die Büros eines betroffenen Unternehmens. Mit einem USB-Stick greifen sie anschließend sensible Daten direkt vom Endgerät ab.
Weiterlesen nach der Anzeige
Normalerweise versuchen digitale Angreifer meist aus der Ferne Daten zu stehlen oder Netzwerke zu sabotieren: Das Opfer fällt etwa auf eine Phishing-Mail herein, kontaktiert den Angreifer und der erhält remote Zugriff aufs Firmennetz – dann kopiert er sensible Daten. Kommt der Angreifer so nicht weiter, steht er in manchen Fällen direkt vorm Firmengebäude.
Bei den falschen IT-Supportern geht es laut Google um die Hackergruppe UNC3753, die auch als Luna Moth, Chatty Spider oder Silent Ransom Group bekannt ist. Sie zielen hauptsächlich auf Anwaltskanzleien in den USA ab, aber auch Versicherungs-, Finanz- oder Gesundheitsunternehmen sind betroffen. Bei den Daten geht es dann um rechtliche Vereinbarungen, personenbezogene Daten oder Finanzunterlagen, mit denen sie das Unternehmen später erpressen wollen.
Vorgehen
Die Hackergruppe sucht auf Firmenwebsites nach Kontaktdaten, um ihre Opfer etwa per Telefon oder Mail zu erreichen. Dabei tun sie so, als würden sie zur IT- oder Sicherheitsabteilung des Unternehmens gehören. Sie machen dann das Opfer auf eine vermeintliche Sicherheitslücke aufmerksam oder wollen ihm bei einem erfundenen Projekt helfen, um Daten zu migrieren. So bauen sie Vertrauen auf und versuchen, das Opfer zu einer Fernwartungssitzung zu überzeugen.
Laut Google nutzt UNC3753 ganz normale Screen-Sharing-Software: Zoom, Microsoft Terminal Services, Microsoft Teams oder Quick Assist. In einem Beispiel hat der Angreifer etwa innerhalb von drei Tagen mit dem Opfer fünfmal per Teams gesprochen. Sie versuchen die Opfer aber auch dazu zu bewegen, spezielle Remote-Software zu installieren: wie AnyDesk, Bomgar oder Zoho Assist. In einem Fall sollte der Nutzer einen „SuperOps RMM agent“ per cURL herunterladen.
Daten übertragen
Weiterlesen nach der Anzeige
Haben die Angreifer das Vertrauen des Opfers, kopieren sie sensible Daten. Sie melden sich etwa direkt im Browser des Opfers bei Dateifreigabe-Konten und laden Dateien direkt hoch – das taten sie entweder selbst oder haben ihre Opfer dazu angeleitet. Dabei imitierten sie auch das Branding des Zielunternehmens.
Unter anderem kamen dabei die Datenübertragungsprogramme WinSCP oder Rclone zum Einsatz. In einem Fall haben die Angreifer etwa 1,7 GByte an Daten aus einem lokalen OneDrive-Ordner auf ein Google-Drive-Konto übertragen. Zudem haben sie Opfer angewiesen, Dateien aus der Anwaltssoftware iManage direkt per Mail an die Hacker zu senden.
FBI-Warnung
Falls die Remote-Taktiken der Angreifer fehlschlagen, versuchen sie laut Google physisch die Daten zu stehlen. Auch das FBI hat davor bereits Ende Mai gewarnt (PDF). Sie stellen sich wieder als IT-Support vor und täuschen etwa vor, dass sie ein Backup erstellen müssen. Dafür nutzen sie externe Festplatten oder einfache USB-Sticks. Haben die Hacker alle Daten, die sie brauchen, senden sie eine Erpressermail an die Firma und drohen mit der Veröffentlichung.
Das FBI empfiehlt unter anderem, die Berechtigungen aller Personen zu kontrollieren, die Unternehmensräume betreten. Außerdem sollen Unternehmen ihre Mitarbeiter schulen, Backups anlegen und etwa die Möglichkeit, externe Laufwerke anzuschließen, einschränken.
Zudem rät Google dazu, den ausgehenden Datenverkehr und das Netzwerk strikt zu überwachen – der Abfluss von mehreren GByte an Daten sollte nicht unbemerkt bleiben. Unternehmen sollen nicht autorisierte Filesharing-Dienste blockieren, die übertragenen Datenmengen in den Firewall-Protokollen erfassen und den SSH-Verkehr auf Port 22 gezielt auf massenhafte Übertragungen prüfen.
(str)
Datenschutz & Sicherheit
Angebliche „Auto-Reports“: Das steckt hinter der Betrugsmasche beim Kfz-Verkauf
Der Verkauf gebrauchter Fahrzeuge über Online-Plattformen wie Kleinanzeigen und Mobile ist nichts für schwache Nerven: Neben nächtlichen Nachrichten oder Anrufen der Gattung „was ist dein letzter Preis?“ gibt es reichlich Gauner, die Unbedarften allerlei Fallen stellen. Eine dieser Maschen taucht unter wechselnden Namen immer wieder auf: angebliche „Kfz-Berichte“. Was es damit auf sich hat, haben wir untersucht.
Weiterlesen nach der Anzeige
Der Ablauf eines Gebrauchtwagenverkaufs über das Internet ist meist etwa so: Der Verkäufer macht einige Fotos, sammelt notwendige Informationen des Autos zusammen und stellt Verkaufsanzeigen auf Plattformen wie Kleinanzeigen online. Interessenten melden sich, stellen Rückfragen, machen Preisangebote und bitten zur einfacheren Abwicklung um die Telefonnummer. Die herauszugeben, ist mehrheitlich keine gute Idee, scheint einem schnellen Verkauf aber oft zuträglich.
Viele heise-investigativ-Recherchen sind nur möglich dank anonymer Informationen von Hinweisgebern.
Wenn Sie Kenntnis von einem Missstand haben, von dem die Öffentlichkeit erfahren sollte, können Sie uns Hinweise und Material zukommen lassen. Nutzen Sie dafür bitte unseren anonymen und sicheren Briefkasten.
In einem uns vorliegenden Fall (gefunden auf Reddit) bat der potenzielle Käufer per WhatsApp in tadellosem Deutsch um mehr Informationen zum Auto und einen Besichtigungstermin. Nachdem der Verkäufer ihm Vorschläge für die persönliche Begutachtung unterbreitet hatte, schwenkte der angebliche Interessent um: Er müsse lange fahren und zöge daher einen kompletten Fahrzeugbericht vor. Den könne der Verkäufer mittels Eingabe von Kennzeichen oder Fahrgestellnummer auf der Webseite „kfzabfrage.de“ herunterladen.
Fantasievolle Fahrzeugabfrage
So weit, so gut – doch was ist das für eine Webseite? Beim Aufruf von „kfzabfrage.de“ erwartet den Kaufinteressenten zunächst eine nichtssagende Webseite aus dem Baukasten, womöglich KI-generiert. Die Abfrage ist per Autokennzeichen oder Fahrzeugidentifikationsnummer (VIN) möglich, doch warum im entsprechenden Eingabefeld neben einem LKW und PKW auch ein Fahrradfahrer-Piktogramm erscheint, wissen wohl nur die unbekannten Autoren.

Hier können wir allerhand Neues über unser zukünftiges Fahrzeug erfahren – allerdings samt und sonders gelogen.
Immerhin: Über 500.000 Nutzer weltweit sowie die bekannten Marken „Auto Bild“ und „TopGear“ vertrauen angeblich der Kfz-Abfrage (die laut Logo unter dem Markennamen „VinCheck“ auftritt). Auch ein Beispielbericht lässt sich abrufen: Er enthält einige Fotos des Autos sowie den Kilometerstand, Leistung (verräterisch: die Verwendung der englischen Abkürzung „hp“ für Pferdestärken) und eine „Überprüfung auf gestohlenes Fahrzeug“. Und der Laie fragt sich: Wie soll ein Webportal an all diese Informationen kommen? Fotos von Unfallschäden tauchen in keiner öffentlichen Datenbank auf, genauso wenig wie Positionsdaten oder Tachostände.
Weiterlesen nach der Anzeige
Gibt man ein Autokennzeichen wie „CT-DE 1234“ oder eine zufällig ausgewürfelte, aber syntaktisch korrekte VIN in das Eingabefeld ein, leuchtet die frohe Botschaft auf: „Erfolg! Wir haben das Fahrzeug und seine bisherigen Daten gefunden.“ Spätestens jetzt ist klar: Es kann sich nur um Betrug handeln, denn das Ortskennzeichen „CT“ existiert in Deutschland schlicht nicht. Dennoch wollen wir wissen, was die halbseidene Fahrzeugdatenbank über unser Auto weiß.

Was letzte Preis? 19,99 Euro für einen Fantasiereport.
Doch das mag sie uns ohne Gegenleistung nicht verraten – und die besteht natürlich in der Angabe unserer Kreditkartendaten für den 19,99 € teuren Report. Nun denn, ermutigt durch die vielen Kreditkarten- und das Paypal-Logo begeben wir uns zur Kasse. Dort empfängt uns eine weitere Überraschung: Von Paypal-Zahlung ist plötzlich keine Rede mehr. Stattdessen nimmt der Seitenbetreiber Google Pay an, das haben wir jedoch nicht „auf Tasch“ – also muss es die Kreditkartenzahlung sein.
Also generieren wir uns schnell beim Zahlungsdienstleister unserer Wahl eine Einmal-Kreditkarte – und laufen vor die Wand. Denn die wird von „kfzabfrage“ schnurstracks abgelehnt. Womöglich möchten die unbekannten Betreiber sich die Option auf (unerlaubte) Folgezahlungen offenhalten. Mit einer anderen virtuellen Kreditkarte der Online-Bank Revolut klappt die Zahlung. Zumindest beinahe, denn die Revolut-App schlägt innerhalb von Sekunden Alarm.

Leider nein, leider gar nicht: Revolut erkennt den Betrugsversuch von „Autostoria24“.
Die Zahlung über 19,99 € an einen Händler namens „Autostoria24“ führte die Bank nicht aus, sondern sperrte direkt die Karte. Offenbar haben automatische Systeme zur Betrugserkennung bei Revolut zugeschlagen. Derlei vehemente Warnungen schlagen wir nicht in den Wind und brechen den Kauf ab. Stattdessen schauen wir, was wir über die Hintergründe der Masche erfahren können.
Wer steckt dahinter?
Die Recherche beginnt bei der Domain und ihren Inhabern. „kfzabfrage.de“ wurde am 29. Mai 2026, also eine Woche vor Erscheinen dieses Artikels registriert. Laut DENIC-Inhaberinformationen auf ein Unternehmen namens AUTO INFORM in der Ballifeary Road im britischen Bamburgh. Das malerische Küstendörfchen im Nordosten Englands ist berühmt für seine mittelalterliche Burg. Die diente unter ihrem altenglischen Namen Bebbanburg dem Romanhelden Uthred aus Bernard Cromwells gleichnamiger Romanreihe als Sehnsuchts- und Herkunftsort, ist eine beliebte Filmkulisse und Touristenattraktion. Doch Bamburgh hat keine Ballifeary Road, die gibt es lediglich im fünf Autostunden entfernten Inverness.
Bei der Suche nach dieser Straße fiel uns auf, dass unter derselben fiktiven Adresse wie das Kfz-Abfrageportal gleich zwei verschiedene Logistikdienstleister mit nichtssagenden Namen und verdächtiger Webseite residieren. Viel Gewerbe für ein Dorf mit 400 Einwohnern – der Verdacht liegt nahe, dass die Webseiten ebenfalls zu betrügerischen Zwecken aufgebaut wurden und die northumbrische Fantasieadresse regelmäßig recycled wird.
Auch die angeblichen E-Mail-Adressen des Domaininhabers führen ins Leere: Die Domain „autexa24.com“ existiert zwar und ist beim US-Anbieter Cloudflare gehostet, doch ist die Webseite nicht erreichbar und auch in der Wayback Machine nicht zu finden. Immerhin die zweite E-Mail-Adresse existiert, sie gehört zu einem Domain-Treuhanddienst des saarländischen Unternehmens Key Systems. Und die Kontakt-Telefonnummer? Die gehört zu einem Dienst für den kostenlosen SMS-Empfang und ist somit eine Wegwerfnummer.
Weitere Indizien für die Hintermänner sind spärlich gesät: Die AGB verweisen auf ein britisches Unternehmen namens „Datachecker Limited“, das jedoch bereits im Juli 2025 von Amts wegen liquidiert wurde. Das Hosting stellt GoDaddy in Straßburg bereit, die Domain ist über Key Systems registriert. Das stärkste Indiz könnte die Händlerkennung „autostoria24“ bei der Kreditkartenzahlung sein – dieser Name führt zu einem übel beleumundeten Händler für Fahrzeugteile, der offenbar auch seit 2025 nicht mehr im Geschäft ist.
Augen auf beim Fahrzeugverkauf
Ermittler warnen immer wieder vor der Betrugsmasche. Die Betrüger greifen nicht nur knapp 20 Euro von ihren Opfern ab, sondern auch deren persönliche Daten und die VIN oder das Autokennzeichen. Diese können sie später nutzen, um weiteren Betrügereien Glaubwürdigkeit zu verleihen, etwa indem sie selbst als Verkäufer auftreten und Interessenten die ergatterte VIN als Legitimation mitteilen.
Einen „Fahrzeugbericht“, wie ihn der betrügerische Interessent vom Verkäufer anfordert, gibt es zudem in dieser Form nicht. Werden Sie als Verkäufer also danach gefragt, sollten Sie den Kontakt sofort abbrechen – es handelt sich um Bauernfängerei. Wenn Sie bereits gezahlt haben, reklamieren Sie die Zahlung bei Ihrem Kreditkartenunternehmen und lassen sie zurückbuchen. Da nicht auszuschließen ist, dass die Betrüger weitere Abbuchungsversuche unternehmen, behalten Sie die nächsten Kreditkartenabrechnungen genau im Auge oder lassen die Karte gar sperren.
Die Betrüger wechseln die Domains im Wochen- oder Monatstakt und treten sicherlich mit einer Vielzahl von Designvorlagen aus. Allen gemein ist jedoch: Sie sind Teil einer Betrugsmasche.
(cku)
Datenschutz & Sicherheit
Angriff auf GitHub.dev stiehlt das OAuth-Token für alle Repos
Die Web-Version des Editors VS Code auf GitHub.dev hatte eine Sicherheitslücke, die es Angreifern erlaubt hat, sämtliche Repos eines Opfers zu übernehmen – auch private. Sie hätten hier Lieferkettenangriffe mit weiterem Schadcode initiieren oder einen Maintainer gezielt attackieren können.
Weiterlesen nach der Anzeige
Jeder GitHub-Anwender hätte über einen bösartigen Link schnell Opfer werden können. Durch eine Kombination aus eingebetteten Vorschaufenstern mit von JavaScript erzeugten Tastenschlägen hätten Angreifer unbemerkt eine Extension installieren können, die das Zugangs-Token für sämtliche Repos klaut, auf die das Opfer Zugriff hat. Auch die Desktop-Version war prinzipiell betroffen, jedoch mit höheren Hürden. Microsoft hat inzwischen Gegenmaßnahmen ergriffen und verhindert nun, dass Angreifer die Warnung vor einer nicht vertrauenswürdigen Umgebung ausschalten können.
Iframe-Sandbox aufgebrochen
Der Sicherheitsforscher Ammar Askar hat den Angriff in seinem Blog im Detail beschrieben: GitHub bietet eine Version von VS Code im Web unter github.dev. (Genauer genommen ist VS Code ursprünglich eine Webanwendung, die via Electron im Desktop läuft.) Jeder GitHub-Anwender kann seine Repos mit github.dev/user/repo statt github.com/user/repo unmittelbar in einer VS-Code-Umgebung im Browser öffnen, bearbeiten und verwalten.
Dadurch, dass die Web-App „fast die gesamte Ladung der Millionen Zeilen der TypeScript-Codebasis ausführt, eignet sie sich hervorragend als Ziel für jeden, der Bugs in VS Code sucht“, hebt Askar hervor. Im Prinzip schützt der Editor die Anwenderinnen und Anwender durch verschiedene Sandbox-Mechanismen jedoch vor der Übermacht der JavaScript-Funktionen.
Der Angriff nutzt die Funktion Webview, die externe Inhalte in einer Sandbox in einem Iframe ausführt, zum Beispiel um Markdown zu rendern oder Jupyter-Notebooks zu bearbeiten. Intern haben Webviews eine andere Code-Quelle: vscode-webview://... statt vscode-file://... und damit keinen Zugriff auf die Node.js-APIs, auf denen VS Code basiert. Aber es gibt einen Informationsaustausch über Messages mit der übergeordneten Hauptseite. So nimmt Webview Tasten-Events (keydown) für das Hauptfenster entgegen, beispielsweise Strg-Shift-P, um die Befehlspalette von VS Code zu öffnen. Über diese wiederum lassen sich Extensions installieren. Um dann die Installation der Extension zu bestätigen, dient Strg-Shift-A, was immer den Default-Button einer Meldung wählt, hier „Install“ für Erweiterungen.
Ein Angreifer kann nun Tastatureingaben einfach mit JavaScript-Code emulieren, um die Installation einer Extension anzustoßen. Askar zeigt, wie sich weitere Sicherheitsmechanismen einfach aushebeln ließen, darunter die Warnung an das Opfer, dass ein neuer Extension-Herausgeber etwas installieren will. Diese Überprüfung konnte Askar über das Vorspielen einer vertrauenswürdigen Local Workspace Extension umgehen – eine Schwachstelle, die Microsoft laut Askar inzwischen bereinigt hat.
Weiterlesen nach der Anzeige
Der Forscher demonstriert den Angriff mit einem Jupyter-Notebook, das über einen github.dev-Link wie oder über eine Umleitung darauf lädt. Die bösartige Extension tritt dann unbemerkt in Aktion und klaut das Token, mit dem sie Zugriff auf alle Repos bekommt, auf die auch das Opfer Zugriff hat – GitHub vergibt nur ein Token für alle Verzeichnisse.
Nur Anwender, die github.dev noch nicht oder länger nicht mehr benutzt haben, bekommen einmal die Warnung „The extension ‚GitHub Repository‘ wants to sign in using GitHub“. Im Blog von Askar findet sich ein Demo-Link, den die heise-developer-Redaktion jedoch nicht auf Sicherheit überprüft hat.
Lesen Sie auch
(who)
-
Entwicklung & Codevor 3 MonatenCommunity-Protest erfolgreich: Galera bleibt Open Source in MariaDB
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenBlade‑Battery 2.0 und Flash-Charger: BYD beschleunigt Laden weiter
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
Top 10: Der beste Luftgütesensor im Test – CO₂, Schadstoffe & Schimmel im Blick
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenMähroboter ohne Begrenzungsdraht für Gärten mit bis zu 300 m²
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateniPhone Fold Leak: Apple spart sich wohl iPad‑Multitasking
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
JBL Bar 1300MK2 im Test: Soundbar mit Dolby Atmos, starkem Bass und Akku‑Rears
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenPetra‑AI: KI soll Frauen in der Perimenopause unterstützen
-
Social Mediavor 3 MonatenVon Kennzeichnung bis Plattformpflichten: Was die EU-Regeln für Influencer Marketing bedeuten – Katy Link im AllSocial Interview
