Künstliche Intelligenz
Googles KI-Blamage und frisches Blut für MFT – die Fotonews der Woche 7/26
Manchmal fühlt sich die schöne neue Tech-Welt an wie eine Szene aus einem Roman von Franz Kafka, nur dass der unnahbare Beamte im Schloss heute ein Algorithmus ist. Und wenn dieser Algorithmus entscheidet, dass Schwarz eigentlich Weiß ist, dann ist das so. Widerspruch? Zwecklos. Eine besonders absurde Episode dieser Art hat diese Woche der Journalist und Fotograf Georg Berg durchlebt und akribisch dokumentiert. Es ist eine Geschichte, die jeden, der eine Kamera in die Hand nimmt, aufhorchen lassen sollte.
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Googles „Won’t Fix“-Politik: Wenn gute Arbeit zum KI-Verdacht wird
Der Fall ist so paradox, dass man ihn kaum erfinden könnte: Georg Berg nahm ein authentisches Reportagefoto – vier ältere Herren in Schweizer Sennentracht – auf. Er bearbeitete es dann professionell in Lightroom, um die Personen präzise vom Hintergrund abzuheben. Eine handwerkliche Fleißarbeit, die jeder gute Fotograf kennt. Das Ergebnis? Googles KI-Detektor „SynthID“ stempelte das Bild als „KI-generiert“ ab. Die Begründung, wenn man sie so nennen möchte, liegt in der Präzision: Die saubere Maskierung erzeugte statistische Muster, die der Algorithmus als „unnatürlich“ und damit als Werk einer Maschine interpretierte. Ein Profi, der zu gut arbeitet, wird so zum Fälscher erklärt.
Das eigentliche Sahnehäubchen auf dieser Torte der Ironie ist jedoch, dass das Foto ein C2PA-Zertifikat (Content Credentials) besaß. Das ist quasi der digitale Herkunftsnachweis, der kryptografisch belegt, woher ein Bild stammt und wie es bearbeitet wurde. Und jetzt halten Sie sich fest: Google ist Mitglied ebenjener C2PA-Initiative, die diesen Standard entwickelt hat und von Adobe, der New York Times und Twitter ins Leben gerufen wurde. Man hat also einen Standard für Authentizität mitentwickelt, ignoriert ihn aber in den eigenen Produkten geflissentlich. Adobe erkennt das Bild korrekt als „menschlich“ – der Nutzer steht nun zwischen zwei konkurrierenden ‚Wahrheiten‘.

Als der Fotograf Berg diesen Systemfehler pflichtbewusst an Google meldete, kam die Antwort nach nur 60 Sekunden, was auf eine automatisierte Abfuhr schließen lässt: „Won’t Fix (Intended Behavior)“. Auf Deutsch: „Wird nicht repariert (beabsichtigtes Verhalten)“. Google teilt damit mit, dass es kein Fehler, sondern Absicht ist, wenn authentische Werke fälschlicherweise als KI-Produkt gebrandmarkt werden. Für Fotografen und Journalisten ist das ein Schlag ins Gesicht. Es bedeutet, dass der Algorithmus die Wahrheit definiert und es kein Recht auf Widerspruch gibt. Wenn der digitale Schiedsrichter pfeift, ist das Spiel aus – auch wenn er auf dem falschen Feld steht.
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MFT-Allianz wächst: Sonida aus Shenzhen ist dabei
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Während ein Tech-Gigant das Vertrauen in digitale Bilder untergräbt, gibt es an anderer Front handfeste und erfreulichere Nachrichten. Die Micro-Four-Thirds-Allianz (MFT), angeführt von OM Digital Solutions (ehemals Olympus) und Panasonic, hat ein neues Mitglied: die Shenzhen Sonida Digital Technology Co, Ltd. aus China. Wer jetzt die Augenbrauen hochzieht und „Wer?“ fragt, dem sei gesagt: Das ist potenziell eine sehr gute Nachricht für alle MFT-Nutzer.
Sonida ist kein unbeschriebenes Blatt, sondern hat bereits als sogenannter ODM-Hersteller Kameras für andere internationale Marken produziert. Sie wissen also, wie man Kameras baut. Unter der eigenen Marke „Songdian“ wollen sie nun MFT-kompatible Produkte auf den Markt bringen. Für das MFT-System, das oft als agiler Underdog gegen die Vollformat-Übermacht von Sony, Canon und Nikon antritt, ist das ein Gewinn. Jeder neue Partner stärkt das Ökosystem und verspricht mehr Auswahl bei Kameras und vor allem bei Objektiven. Und wer weiß, vielleicht sorgt ein neuer Spieler aus China ja auch für eine erfrischende Preisdynamik. Man darf gespannt sein, ob die Produkte so klingen, wie der Markenname vermuten lässt.
Zum Nachlesen: Wenn der Fehler Methode hat
Wer tiefer in die absurde Welt der KI-Detektion und Plattformverantwortung eintauchen will, dem sei der vollständige Bericht von Georg Berg auf seiner Webseite „Tellerrand-Stories“ wärmstens ans Herz gelegt. Er legt nicht nur den Fall dar, sondern liefert auch die komplette technische Analyse und die Beweiskette. Es ist ein wichtiges Dokument, das zeigt, warum freiwillige Selbstverpflichtungen von Tech-Konzernen oft nicht mehr wert sind als das digitale Papier, auf dem sie stehen. Ein Weckruf für alle, denen Authentizität in der Fotografie am Herzen liegt.
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(tho)
Künstliche Intelligenz
Kalifornien wird zum Vorreiter der KI-Regulierung
Kalifornien will Künstliche Intelligenz in Zukunft stärker regulieren. Ein entsprechendes Dekret unterzeichnete der demokratische Gouverneur des US-Bundesstaats Gavin Newsom am Montag. Damit widersetzt sich die kalifornische Regierung der Forderung Trumps, die KI-Branche so weit wie möglich zu deregulieren.
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Dem Dekret zufolge haben die kalifornischen Behörden rund vier Monate Zeit, um Empfehlungen für KI-Richtlinien vorzulegen. Ziel der neuen Standards für KI-Unternehmen soll es sein, die öffentliche Sicherheit zu priorisieren und die Rechte und die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger zu schützen.
Missbrauch von KI verhindern
Kalifornien gilt als das globale Zentrum der KI-Innovation. In dem US-Bundesstaat sind 33 der weltweit 50 führenden KI-Unternehmen ansässig. Der Erlass von Newsom betrifft nun diejenigen KI-Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen mit dem Bundesstaat Kalifornien pflegen.
In Zukunft sollen sie nachweisen müssen, dass sie über Richtlinien und Sicherheitsvorkehrungen verfügen, die einen Missbrauch ihrer Technologien verhindern. Der Erlass nennt dabei explizit die Verbreitung illegaler Inhalte, beispielsweise nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen oder Darstellungen von Kindesmissbrauch. Außerdem müssen KI-Unternehmen künftig darlegen, wie sie den Bias ihrer KI-Modelle verringern. Zudem werden sie verpflichtet, Richtlinien zu entwickeln, die die Bürgerrechte schützen und „eine rechtswidrige Diskriminierung, Inhaftierung und Überwachung“ verhindern.
Der Erlass sieht des Weiteren vor, dass der Bundesstaat Kalifornien Verfahren entwickelt, mit denen KI-generierte oder -bearbeitete Bilder und Videos eindeutig gekennzeichnet werden können.
Klares Signal an Trump
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Der aktuelle Erlass des kalifornischen Gouverneurs Newsom widersetzt sich klar dem Willen Trumps. Der US-Präsident will eine Regulierung von KI-Anwendungen auf der Ebene der Bundesstaaten eigentlich verhindern. Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte Trump ein Dekret erlassen, in dem er ein nationales politisches Rahmenwerk für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz formulierte.
„Um erfolgreich zu sein, müssen US-amerikanische KI-Unternehmen die Freiheit haben, ohne lästige Vorschriften innovativ zu sein“, heißt es in Trumps Dekret. Übermäßige staatliche Regulierung stehe diesem Gebot im Weg.
Trumps Erlass von vergangenem Dezember wies das Justizministerium zudem an, eine „Taskforce für KI-Rechtsstreitigkeiten“ einzurichten. Die seit vergangenem Januar bestehende Taskforce soll Regulierungsbestrebungen der US-Bundesstaaten im Bereich KI anfechten.
(rah)
Künstliche Intelligenz
Preise für DRAM und SSDs sollen massiv weitersteigen
Die angespannte weltpolitische Lage hat bislang keine Auswirkungen auf die laufende Speicherkrise. Weltmarktführer wie Samsung, SK Hynix und Micron verhandeln weiter langfristige Lieferverträge mit Abnehmern. Insbesondere US-amerikanische Cloud-Hyperscaler wie Amazon AWS, Google Cloud, Meta und Microsoft kaufen weiter massenhaft Arbeitsspeicher und SSDs. Alle Speicherkategorien sollen in den kommenden Monaten im Preis steigen.
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Der auf Speicher spezialisierte Marktbeobachter Trendforce erwartet, dass konventionelles DRAM im zweiten Quartal 2026 durchschnittlich 58 bis 63 Prozent teurer wird. Damit ist Arbeitsspeicher gemeint, der in Form von etwa DDR5 und LPDDR5X in Server, Desktop-PCs und Mobilgeräte gelangt. Explizit nicht darin enthalten: High-Bandwidth Memory (HBM) für KI-Beschleuniger. NAND-Flash für SSDs soll im selben Zeitraum 70 bis 75 Prozent teurer werden.
Diese Preissteigerungen kommen auf die bisherigen Anpassungen obendrauf. Für das jetzt endende erste Quartal 2026 rechnet der Marktbeobachter mit einem besonders steilen Anstieg: bis zu 98 Prozent bei DRAM und 90 Prozent bei NAND-Flash.
Endkunden verweilen am Ende der Nahrungskette
Endkunden und PC-Hersteller sind besonders betroffen, weil sich Speicherhersteller auf Server konzentrieren und große Anbieter den Markt verlassen. Trendforce dürfte damit unter anderem auf Micron anspielen, der seine Endkundenmarke Crucial einstellt.
Die sinkende Nachfrage nach Desktop-PCs, Notebooks und Smartphones reicht offenbar nicht ansatzweise, um die Liefersituation zu entspannen. Weil Hyperscaler weiter einkaufen, ist weiterhin mit „klaren Engpässen“ über das gesamte Jahr zu rechnen. Auch Trendforce betont, dass erst Ende 2027 oder 2028 mit signifikanten Kapazitätserweiterungen bei den Speicherherstellern zu rechnen ist, die die Krise lockern könnten.
(mma)
Künstliche Intelligenz
Mathematiker fordern Verlegung des größten Fachkongresses weg aus den USA
Lieber nicht in den USA: Eine Gruppe von Mathematikern hat dazu aufgerufen, den International Congress of Mathematicians (ICM) im Juli nicht wie vorgesehen in Philadelphia abzuhalten. Grund ist die aktuelle politische Situation.
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Ein Grund sei „Amerikas Rolle bei der Destabilisierung der Welt durch ausgedehnte Angriffe“, schreiben die Mathematiker in einer Petition, in der sie die Verlegung des ICM fordern. Dazu gehörten die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und „ein dreister und gedankenloser Krieg gegen den Iran“ ebenso wie die unrechtmäßigen Tötungen von Menschen in der Karibik, die Unterstützung des israelischen Vorgehens gegen die Palästinenser sowie die Drohungen gegen Kuba und Grönland.
Auch die innenpolitische Situation spreche gegen eine Konferenz in Philadelphia: „Die derzeitige US-Regierung hat ihren ungezügelten Hass auf Einwanderer unmissverständlich gezeigt.“ Es sei zu befürchten, dass den Wissenschaftlern die Einreise in das Land verweigert werde – die US-Behörden verweigern Bürgern aus über 70 Ländern ein Visum. Beamte des Grenzschutzes und des ICE töteten und misshandelten Menschen.
Diskriminierung und Gewalt befürchtet
Zu der Konferenz seien Mathematiker aus aller Welt eingeladen, „Menschen, die für einen ICE-Beamten vielleicht nicht so aussehen, als ‚gehörten sie dazu’“. Diese Menschen könnten Diskriminierungen und physischer Gewalt ausgesetzt sein.
Damit disqualifiziere sich die aktuelle US-Regierung als Gastgeber für den ICM. Das Ziel des ICM sei, ein Gefühl internationaler Einigkeit unter Mathematikern zu erwecken. Wenn die Konferenz wie geplant in den USA stattfinde, „würde die IMU nach ihren eigenen Maßstäben völlig versagen“, resümiert die Petition.
Der ICM findet alle vier Jahre statt und bringt Mathematiker aus der ganzen Welt zusammen. Er wurde erstmals 1897 in Zürich abgehalten; der letzte ICM in den USA fand 1986 statt. Beim ICM werden auch eine Reihe von Auszeichnungen verliehen, darunter die Fields-Medaille, die höchste Auszeichnung in der Mathematik.
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Franzosen haben bereits abgesagt
Über 1800 Mathematikerinnen und Mathematiker haben die Petition unterzeichnet und sich damit verpflichtet, nicht am ICM teilzunehmen, sollte dieser in Philadelphia stattfinden. Zum Vergleich: Der Kongress 1998 in Berlin hatte über 3300 Teilnehmer, der in Madrid 2006 rund 4500. Die französische mathematische Gesellschaft hat bereits im Januar angekündigt, einem Kongress in Philadelphia fernzubleiben.
Die Konferenz zu verlegen, wäre kein Präzedenzfall: 2022 sollte der ICM in St. Petersburg in Russland stattfinden. Doch nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie im Hinblick auf die politische Situation im Land, insbesondere der fehlenden politischen Freiheiten und des Vorgehens gegen die LGBT-Community, entschlossen sich die Mathematiker damals, den Kongress online durchzuführen. Eine Eröffnungszeremonie sowie die Verleihung der Fields-Medaille fanden in Helsinki statt.
„Angesichts der damaligen Entscheidung gibt es einfach kein stichhaltiges Argument, dass internationale Teilnehmer bei dieser Ausgabe des ICM sicherer sind, als sie es 2022 in Russland gewesen wären“, schreiben die Initiatoren in der Petition.
(wpl)
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