Digital Business & Startups
„Solidarische Umlage“: Das sagt die Berliner Politik zur Azubi-Pflicht
Berliner Ausbildungsplatzumlage beschlossen: Während Startups warnen, spricht die Politik von „Solidarität“. Was wirklich dahinter steckt.
Kritik von Startups trifft auf Eigenlob aus der Politik: Die sogenannte Ausbildungsplatzumlage wurde vergangene Woche vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen. Konkret bedeutet sie: Wer nicht ausbildet, muss zahlen. Und das schon ab zehn Mitarbeitenden im Unternehmen. Gründer kritisierten den neuen Beschluss, wie wir berichtet haben.
Doch was sagen die Verantwortlichen aus der Berliner Politik dazu – und ihre Konkurrenz aus Bayern? Wir haben nachgefragt.
Was die Umlage bewirken soll – und wie sie greift
Die Berliner Senatsverwaltung erklärt den Grund für den Beschluss so: „Die Ausbildungsplatzumlage ist nicht das Ziel, sondern das Mittel, das wir einsetzen, um zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen.“ Das Gesetz ziele auf deutlich mehr Plätze im Berliner Ausbildungsmarkt ab. Hier würden Angebot und Nachfrage nicht zueinander passen. Sei man mit der Maßnahme erfolgreich, würde das Gesetz automatisch nach drei Jahren enden.
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Abgabepflichtig seien alle Berliner Arbeitgeber mit mindestens zehn sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die eine Ausbildungsquote unter 4,6 Prozent hätten. Also auch Startups, die wachsen. Wer die Quote erreiche oder klein bleibe, zahle dann nichts.
Gründer würden bei der Rechnung als volle Kraft zählen, Teilzeitkräfte nur anteilig. Heißt, bei zehn Stunden/Woche zähle man als Viertel Arbeitskraft, bei zwanzig Stunden als Halbe, bei dreißig Stunden als drei Viertel.
Die Abgabenhöhe werde dabei individuell pro Branche durch eine Verordnung bestimmt: Sie hänge grundsätzlich vom Finanzbedarf ab – der allerdings mindestens 75 Millionen Euro jährlich betragen soll – und der Lohnsumme der Zahlenden. Ein Beirat mit Wirtschafts- und Sozialpartnern würde sich dazu regelmäßig beraten und Härtefälle regeln.
SPD-Senatorin Kiziltepe nennt die Umlage „solidarisch“
Cansel Kiziltepe, Berliner Senatorin für Arbeit, hatte den Beschluss vorangetrieben. Sie freue sich, dass Berlin die Umlage bekommt, wie sie sagt. „Wir haben uns fest vorgenommen, die Ausbildungsverhältnisse deutlich und langfristig zu erhöhen.“ Sie stelle damit junge Berliner ins Zentrum: „Mit der Umlage rücken wir junge Menschen in den Mittelpunkt unserer politischen Arbeit. Wir müssen uns intensiver um sie kümmern.“
Ihre Idee: Anreize zum Ausbilden schaffen, kleine Unternehmen besser schützen, während große mehr leisten müssten. „Wir schaffen einen finanziellen Anreiz für die Berufsausbildung und wir stärken vorbildliche Betriebe. Kleine Unternehmen schützen wir, während größere Betriebe mehr Verantwortung tragen müssen. Am Ende profitieren alle von gut ausgebildeten Fachkräften.“
„Keine Belastung für Startups“: CDU-Abgeordneter Stettner über Kosten und Auswirkung der Umlage
CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Stettner relativiert den Beschluss. Er sieht Kosten, aber auch Chancen. „Ein gar nicht ausbildender Betrieb mit 20 Vollzeitbeschäftigten sollte nicht mehr als 1000 Euro pro Jahr für die Unterstützung der Ausbildung in anderen Betrieben beisteuern.“ Im Gegenzug bekämen Ausbilder vollen Kostenersatz. „Ein Betrieb gleicher Größe, der einen neuen Ausbildungsplatz schafft und besetzt, wird 100 Prozent der Kosten des Ausbildungssalärs als Unterstützung erhalten – je nach Branche und Tarif rund 15.000 Euro pro Jahr.“
Ganz einig scheint man sich bei der Höhe der Umlage allerdings noch nicht zu sein. Denn die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit sagt gegenüber Gründerszene, „wichtige Koordinaten, Daten und Zahlen, die wir zur Berechnung der Umlage benötigen, werden in den kommenden Wochen und Monaten eruiert.“
Trotzdem gibt Stettner für Startups Entwarnung. „Der Ausbildungsförderungsfonds bedeutet für viele Startups in Berlin zunächst einmal keine Belastung.“ Wer unter zehn Beschäftigte bleibe, zahle nichts, meint Stettner. Ausbilder würden außerdem profitieren: „Unternehmen, die ausbilden oder zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, profitieren sogar von Fördermitteln.“
Und Berliner Gründer? Diese kritisieren die Umlage als „falsches Signal.“ Sie treffe Startups, die oft keine Azubis einstellen könnten. Der Standort Berlin werde weiter geschwächt, da die Regelung zu mehr Bürokratie und letztlich Kosten führe.
Für Stettner hingegen sei die Ausbildungsplatzumlage kein Standortnachteil für Berlin. Er sieht den Fonds mehr als eine Investition in die Zukunft. „Einem Berliner Startup-Gründer, der überlegt, wegen dieser Regelung woanders zu wachsen, würde ich sagen: Berlin investiert bewusst in die Fachkräfte von morgen.“
Bayerns Politik hält Pflicht für wenig sinnvoll
Bayern plane nichts Vergleichbares, sagen das bayerische Wirtschafts- sowie Arbeitsministerium gegenüber Gründerszene. Das Arbeitsministerium hebt dabei seinen Platzüberschuss hervor: „Im September 2025 standen in Bayern den 63.297 gemeldeten Bewerbern 94.548 Berufsausbildungsstellen zur Verfügung. Auf jeden Bewerber in Bayern kommen also 1,5 Stellen.“
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In der deutschen Hauptstadt sei die Lage laut bayerischem Wirtschaftsministerium anders: „In Berlin gibt es im Gegensatz zu Bayern mehr Bewerber als Ausbildungsstellen. Daher können dort auch andere Maßnahmen sinnvoll sein.“ Eine Ausbildungsplatzumlage mit einer verpflichtenden Azubi-Quote halte man allerdings nicht für den richtigen Weg, so das Wirtschaftsministerium. „Eine Umlage verursacht meist mehr Bürokratie und berücksichtigt die Möglichkeiten der Betriebe nicht ausreichend.“
Bayern stärke die Ausbildungsstimmung deswegen anders. Statt auf eine Umlage setze man auf Partnerschaften mit der Wirtschaft und der Agentur für Arbeit. Dabei würden sowohl eine Internetplattform als auch Orientierungsmessen zur Vermittlung genutzt werden. Dies würde hervorragend funktionieren – ganz ohne Pflicht.
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Vorlage für die perfekte erste Mail an Investoren – laut Earlybird-Partner
Rund 50.000 Startup-Pitches gehen jedes Jahr bei Earlybird ein. Die meisten scheitern bereits an der ersten Nachricht. Denn wer Investoren mit einer generischen Mail kontaktiert, geht schnell unter. Earlybird-Partner Andre Retterath hat uns eine Vorlage gezeigt, die die wichtigsten Elemente eines erfolgreichen VC-Pitches auf wenige Absätze verdichtet. Wir zeigen das komplette Template – inklusive einer Beispiel-Mail.
So sieht die perfekte Mail an Investoren aus
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„Gravierende Zäsur“: Der Anthropic-Schock alarmiert deutsche Startups
Ein Streit zwischen Anthropic und der US-Regierung sorgt für Unruhe in der deutschen Startup-Szene. Kritiker sehen darin einen Weckruf.
Es ist ein Hin und Her mit weitreichenden Folgen: Zunächst erklärte Anthropic, das neue KI-Modell Mythos könne nicht veröffentlicht werden. Es sei zu gefährlich und könne Sicherheitslücken eigenständig erkennen und ausnutzen. Dann erhielten ausgewählte Nutzer Zugang zu einer Variante namens Fable. Kurz darauf wurde dieser Zugang wieder gesperrt.
Hintergrund ist offenbar Druck aus Washington. Die US-Regierung wollte die Technologie nur für amerikanische Nutzer zugänglich machen. Anthropic reagierte mit einer drastischen Entscheidung: Dann bekommt sie niemand.
Der Vorfall zeigt, wie abhängig Europa von wenigen amerikanischen KI-Unternehmen geworden ist. Wenn der Zugang zu den leistungsfähigsten Modellen plötzlich politisch eingeschränkt werden kann, betrifft das nicht nur Forscher und Entwickler, sondern auch die Geschäftsmodelle zahlreicher Startups.
Auf Anfrage von Gründerszene sagt Christoph Stresing, Geschäftsführer des Startup-Verbands, Deutschland und Europa müssten nun mit ganzer Kraft daran arbeiten, eigene Modelle zu entwickeln. „Die Anweisung der US-Regierung an Anthropic, neueste Software-Entwicklung für Ausländer zu sperren ist eine gravierende Zäsur.“ Diese Aktion mache deutlich, dass Souveränität kein „nice to have“ ist, sondern eine Frage von „wirtschaftlicher Lebensfähigkeit“, meint Stresing.
Europa in der Abhängigkeit
Deutschland und Europa müssten jetzt „alles daran setzen“ eigene Modelle zu entwickeln. Dazu zähle auch der „schnellstmögliche Aufbau“ einer eigenen unabhängigen KI-Infrastruktur. „Eine „Appeasement-Politik“, die die Trump-Administration gewähren lässt, darf es nicht geben“, fordert Stresing.
Eine der ersten Reaktionen aus der deutschen Startup-Szene kam von Judith Dada, Partnerin beim Visionaries Club. Der Vorgang sei ein „zutiefst beunruhigender Präzedenzfall“, schreibt sie auf Linkedin. Was auch immer die US-Regierung mit ihrer Entscheidung bezweckt habe – für Europa sei die technologische Abhängigkeit von den USA damit unübersehbar geworden. Es brauche eine „um Größenordnungen“ mutigere KI-Strategie auf europäischer Ebene.
Dada hatte mit Co-Autoren wie Lily Stelling und Philip Fox vor vier Tagen das Manifest Europe 2031 veröffentlicht. Darin fordern die Autoren unter anderem massive Investitionen in Künstliche Intelligenz, eine KI-Allianz mittelgroßer Staaten sowie Reformen des Arbeitsmarktes nach dänischem Vorbild.
Digitale Souveränität
Auch der Digitalverband Bitkom zeigt sich besorgt. Die Sperre habe „unmittelbar Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit unserer klassischen Industrien und unserer Verwaltungen und beeinträchtigt auch unsere Sicherheit und zum Beispiel die Exzellenz unserer Wissenschaft.“ Digitale Souveränität und eigene KI-Kompetenzen seien damit von höchster Priorität, erklärt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Besonders bemerkenswert ist die öffentliche Kritik von Anthropic selbst. Das Unternehmen gilt keineswegs als Gegner staatlicher Regulierung. Im Gegenteil: Anthropic fordert seit Jahren strengere Kontrollen für leistungsfähige KI-Systeme und spricht sich regelmäßig für staatliche Aufsicht aus.
Die Sorge der US-Regierung beziehe sich auf Risiken, die grundsätzlich auch bei anderen Modellen bestehen würden, etwa beim Konkurrenten ChatGPT. Wenn Staaten den Zugang zu leistungsfähiger KI einschränken wollten, müsse dies transparent und technisch nachvollziehbar begründet werden, argumentiert Anthropic.
Genau daran fehle es in diesem Fall. Und genau deshalb könnte der Streit weit über diesen Einzelfall hinausgehen. Für Europa ist der Streit vor allem eine Warnung: Wer die leistungsfähigsten KI-Modelle nicht selbst entwickelt, könnte irgendwann auch nicht mehr selbst entscheiden, wer sie nutzen darf.
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5 neue Startups: Open Wonder, Badger, Ledumi, Phronora, Charly
#Brandneu
Es ist wieder soweit – neue Startups stehen in den Startlöchern! Hier sind einige spannende junge Unternehmen, die man kennen sollte. Heute werfen wir einen Blick auf diese Neugründungen: Open Wonder, Badger, Ledumi, Phronora und Charly.

deutsche-startups.de stellt heute erneut eine Auswahl junger Startups vor, die in den vergangenen Wochen und Monaten gegründet wurden oder kürzlich aus dem Stealth-Mode hervorgetreten sind. Noch mehr spannende Neugründungen gibt es übrigens in unserem Newsletter Startup-Radar.
Open Wonder
Das Unternehmen Open Wonder aus Berlin arbeitet an einer „agentenbasierte Infrastruktur für die Marken- und Marketingumsetzung in Unternehmen“. „Open Wonder macht Ihre Marke KI-fähig. Erstellen Sie markengerechte Bilder, Illustrationen und Banner – mit nur einem Klick“, verspricht das Team der Gründer Tim Herzog, Marcel Schulz, Johannes Ritzel und David Falk .
Badger
Bei Badger aus Lausanne handelt es sich um eine App, die Unternehmen Zugang zu digitalen Tools zur Überwachung der Kundenbindung und der Geschäftsleistung bietet. „Aiming to be the one-stop community oriented platform for digital interactions between consumers and merchants“, erklärt das von Paolo Trifoni und Roberto Trivelli angeschobene Startup.
Ledumi
Ledumi aus Leipzig, von Scarlett Smolenski-Schubert an den Start gebracht, bietet „bildschirmfreie interaktive Hörabenteuer zum Lernen“. Auf der Website heißt es: „Ledumi beendet die passive Berieselung. Wir befreien Kinder von flimmernden Displays, schonen die Augen und stärken den Fokus für das Wesentliche.“
Phronora
Die Firma Phronora aus Münster widmet sich dem Thema Firmenwissen. Das Unternehmen, von Vincent Nells und Moritz Awe ins Leben gerufen, positioniert sich dabei als „KI-gestütztes Wissenstransfertool für implizites Erfahrungswissen im Arbeitsalltag“. Die Macher setzen dabei auf „sprachbasierte Interviews“.
Charly
Hinter der jungen Firma Charly, in Berlin gegründet, verbirgt sich ein KI-Telefonassistent für Kommunalverwaltungen. Das Team rund um die Gründer Niklas Sievers und Son Pham beschreibt seine Idee als „ersten voll funktionsfähigen KI-Bürgerservice“.
Tipp: In unserem Newsletter Startup-Radar berichten wir einmal in der Woche über neue Startups. Alle Startups stellen wir in unserem kostenpflichtigen Newsletter kurz und knapp vor und bringen sie so auf den Radar der Startup-Szene. Jetzt unseren Newsletter Startup-Radar sofort abonnieren!
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Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3
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