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„Solidarische Umlage“: Das sagt die Berliner Politik zur Azubi-Pflicht


Berliner Ausbildungsplatzumlage beschlossen: Während Startups warnen, spricht die Politik von „Solidarität“. Was wirklich dahinter steckt.

„Solidarische Umlage“: Das sagt die Berliner Politik zur Azubi-Pflicht

Cansel Kiziltepe (l.) und Dirk Stettner (r.) sehen die Ausbildungsplatzumlage positiv.
Getty Images/picture alliance; Collage: Gründerszene/Dominik Schmitt

Kritik von Startups trifft auf Eigenlob aus der Politik: Die sogenannte Ausbildungsplatzumlage wurde vergangene Woche vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen. Konkret bedeutet sie: Wer nicht ausbildet, muss zahlen. Und das schon ab zehn Mitarbeitenden im Unternehmen. Gründer kritisierten den neuen Beschluss, wie wir berichtet haben.

Doch was sagen die Verantwortlichen aus der Berliner Politik dazu – und ihre Konkurrenz aus Bayern? Wir haben nachgefragt.

Was die Umlage bewirken soll – und wie sie greift

Die Berliner Senatsverwaltung erklärt den Grund für den Beschluss so: „Die Ausbildungsplatzumlage ist nicht das Ziel, sondern das Mittel, das wir einsetzen, um zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen.“ Das Gesetz ziele auf deutlich mehr Plätze im Berliner Ausbildungsmarkt ab. Hier würden Angebot und Nachfrage nicht zueinander passen. Sei man mit der Maßnahme erfolgreich, würde das Gesetz automatisch nach drei Jahren enden.

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Abgabepflichtig seien alle Berliner Arbeitgeber mit mindestens zehn sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die eine Ausbildungsquote unter 4,6 Prozent hätten. Also auch Startups, die wachsen. Wer die Quote erreiche oder klein bleibe, zahle dann nichts.

Gründer würden bei der Rechnung als volle Kraft zählen, Teilzeitkräfte nur anteilig. Heißt, bei zehn Stunden/Woche zähle man als Viertel Arbeitskraft, bei zwanzig Stunden als Halbe, bei dreißig Stunden als drei Viertel.

Die Abgabenhöhe werde dabei individuell pro Branche durch eine Verordnung bestimmt: Sie hänge grundsätzlich vom Finanzbedarf ab – der allerdings mindestens 75 Millionen Euro jährlich betragen soll – und der Lohnsumme der Zahlenden. Ein Beirat mit Wirtschafts- und Sozialpartnern würde sich dazu regelmäßig beraten und Härtefälle regeln.  

SPD-Senatorin Kiziltepe nennt die Umlage „solidarisch“

Cansel Kiziltepe, Berliner Senatorin für Arbeit, hatte den Beschluss vorangetrieben. Sie freue sich, dass Berlin die Umlage bekommt, wie sie sagt. „Wir haben uns fest vorgenommen, die Ausbildungsverhältnisse deutlich und langfristig zu erhöhen.“ Sie stelle damit junge Berliner ins Zentrum: „Mit der Umlage rücken wir junge Menschen in den Mittelpunkt unserer politischen Arbeit. Wir müssen uns intensiver um sie kümmern.“

Will mehr Ausbildungsplätze schaffen: Die Berliner Senatorin für Arbeit Cansel Kiziltepe.

Will mehr Ausbildungsplätze schaffen: Die Berliner Senatorin für Arbeit Cansel Kiziltepe.
picture alliance/dpa | Britta Pedersen

Ihre Idee: Anreize zum Ausbilden schaffen, kleine Unternehmen besser schützen, während große mehr leisten müssten. „Wir schaffen einen finanziellen Anreiz für die Berufsausbildung und wir stärken vorbildliche Betriebe. Kleine Unternehmen schützen wir, während größere Betriebe mehr Verantwortung tragen müssen. Am Ende profitieren alle von gut ausgebildeten Fachkräften.“

„Keine Belastung für Startups“: CDU-Abgeordneter Stettner über Kosten und Auswirkung der Umlage

CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Stettner relativiert den Beschluss. Er sieht Kosten, aber auch Chancen. „Ein gar nicht ausbildender Betrieb mit 20 Vollzeitbeschäftigten sollte nicht mehr als 1000 Euro pro Jahr für die Unterstützung der Ausbildung in anderen Betrieben beisteuern.“ Im Gegenzug bekämen Ausbilder vollen Kostenersatz. „Ein Betrieb gleicher Größe, der einen neuen Ausbildungsplatz schafft und besetzt, wird 100 Prozent der Kosten des Ausbildungssalärs als Unterstützung erhalten – je nach Branche und Tarif rund 15.000 Euro pro Jahr.“

Ganz einig scheint man sich bei der Höhe der Umlage allerdings noch nicht zu sein. Denn die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit sagt gegenüber Gründerszene, „wichtige Koordinaten, Daten und Zahlen, die wir zur Berechnung der Umlage benötigen, werden in den kommenden Wochen und Monaten eruiert.“

Trotzdem gibt Stettner für Startups Entwarnung. „Der Ausbildungsförderungsfonds bedeutet für viele Startups in Berlin zunächst einmal keine Belastung.“ Wer unter zehn Beschäftigte bleibe, zahle nichts, meint Stettner. Ausbilder würden außerdem profitieren: „Unternehmen, die ausbilden oder zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, profitieren sogar von Fördermitteln.“

Sieht keine Mehrbelastung für Startups: CDU-Fraktionsvorsitzender in Berlin Dirk Stettner.

Sieht keine Mehrbelastung für Startups: CDU-Fraktionsvorsitzender in Berlin Dirk Stettner.
Getty Images/picture alliance

Und Berliner Gründer? Diese kritisieren die Umlage als „falsches Signal.“ Sie treffe Startups, die oft keine Azubis einstellen könnten. Der Standort Berlin werde weiter geschwächt, da die Regelung zu mehr Bürokratie und letztlich Kosten führe.

Für Stettner hingegen sei die Ausbildungsplatzumlage kein Standortnachteil für Berlin. Er sieht den Fonds mehr als eine Investition in die Zukunft. „Einem Berliner Startup-Gründer, der überlegt, wegen dieser Regelung woanders zu wachsen, würde ich sagen: Berlin investiert bewusst in die Fachkräfte von morgen.“

Bayerns Politik hält Pflicht für wenig sinnvoll

Bayern plane nichts Vergleichbares, sagen das bayerische Wirtschafts- sowie Arbeitsministerium gegenüber Gründerszene. Das Arbeitsministerium hebt dabei seinen Platzüberschuss hervor: „Im September 2025 standen in Bayern den 63.297 gemeldeten Bewerbern 94.548 Berufsausbildungsstellen zur Verfügung. Auf jeden Bewerber in Bayern kommen also 1,5 Stellen.“

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In der deutschen Hauptstadt sei die Lage laut bayerischem Wirtschaftsministerium anders: „In Berlin gibt es im Gegensatz zu Bayern mehr Bewerber als Ausbildungsstellen. Daher können dort auch andere Maßnahmen sinnvoll sein.“ Eine Ausbildungsplatzumlage mit einer verpflichtenden Azubi-Quote halte man allerdings nicht für den richtigen Weg, so das Wirtschaftsministerium. „Eine Umlage verursacht meist mehr Bürokratie und berücksichtigt die Möglichkeiten der Betriebe nicht ausreichend.“

Bayern stärke die Ausbildungsstimmung deswegen anders. Statt auf eine Umlage setze man auf Partnerschaften mit der Wirtschaft und der Agentur für Arbeit. Dabei würden sowohl eine Internetplattform als auch Orientierungsmessen zur Vermittlung genutzt werden. Dies würde hervorragend funktionieren – ganz ohne Pflicht.





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+++ Unicorn-Time +++ Finn +++ GovTech +++ High-Tech Gründerfonds +++ Speedinvest +++


#StartupTicker

+++ #StartupTicker +++ Unicorn-Time: Schon sieben neue Einhörner in diesem Jahr +++ GovTech – der Staat bleibt ein schwieriger Kunde +++ High-Tech Gründerfonds: Axel Nitsch und Johannes Weber steigen auf +++ Speedinvest und der große KI-Boom +++

+++ Unicorn-Time +++ Finn +++ GovTech +++ High-Tech Gründerfonds +++ Speedinvest +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Mittwoch, 1. Juli).

#STARTUPLAND: NUR DER FRÜHE VOGEL SPART!

STARTUPLAND – one day, unlimited opportunities

+++ Sichere Dir jetzt Deinen Platz in der STARTUPLAND-Community! Mit den Super-Early-Bird-Tickets kannst Du Dir Deinen Platz für unsere vierte STARTUPLAND Conference am 10. März 2027 in Köln zum günstigsten Preis sichern.

Unicorn 
+++ Unicorn-Time! Nach fünf neuen Einhörnern im Jahr 2025 legt die deutsche Startup-Szene 2026 noch einmal nach. Mit Finn (München), Neura Robotics (Metzingen), Focused Energy (Darmstadt, Berlin, Austin, San Francisco), CMBLU (Alzenau), Dash0 (Solingen, New York), Stark (Berlin) und osapiens (Mannheim) schafften bereits sieben Unternehmen den Sprung zur Milliardenbewertung – und das, obwohl das Jahr gerade erst zur Hälfte vorbei ist. Auffällig: Die neuen Unicorns kommen längst nicht mehr nur aus dem KI-Umfeld. DefenseTech, Robotik, Fusionsenergie, ClimateTech, Enterprise Software und Mobility sorgen inzwischen gleichermaßen für milliardenschwere Erfolgsgeschichten. Bemerkenswert ist zudem die regionale Verteilung: Milliarden-Startups entstehen inzwischen in ganz Deutschland – von Darmstadt und Metzingen über Alzenau, Solingen und Mannheim bis nach München und Berlin. Der deutsche Unicorn-Club wächst zudem so schnell wie seit Jahren nicht mehr. Zur Erinnerung: 2025 stiegen Black Forest Labs, n8n, Isar Aerospace, Quantum Systems und Parloa in den Milliarden-Club auf, 2024 waren es lediglich EGYM und Autodoc. Mehr über deutsche Einhörner

GovTech
+++ Der Staat bleibt ein schwieriger Kunde! Zwar sehen 78 % der GovTech-Startups großes Marktpotenzial im öffentlichen Sektor, doch nur 11 % halten den Staat derzeit für attraktiver als Unternehmen aus der Privatwirtschaft – das geht aus dem neuen GovTech Startup Monitor 2026 von Startup-Verband, Accenture und der Hertie School hervor. Als größte Hürden nennen die Gründerinnen und Gründer komplizierte Vergabeverfahren, lange Entscheidungswege und schwer auffindbare Ansprechpartner – nicht etwa kulturelle Unterschiede. Gleichzeitig sehen 86 % der befragten Startups eine startupfreundlichere öffentliche Beschaffung als wichtigen Baustein für die digitale Souveränität Deutschlands. Der Monitor macht damit deutlich: Weniger die Technologien als vielmehr die bestehenden Beschaffungsstrukturen bremsen die Digitalisierung des Staates. Das GovTech-Ökosystem wächst seit Jahren kontinuierlich. Startups wie GovRadar, Polyteia und SUMM AI zeigen, welches Innovationspotenzial inzwischen für den öffentlichen Sektor bereitsteht. (Startup-Verband, PDF) Mehr über GovTech

High-Tech Gründerfonds
+++ Aufstieg! Der Bonner Frühphasen-Investor High-Tech Gründerfonds (HTGF) erweitert seinen Partnerkreis: Axel Nitsch und Johannes Weber steigen auf. Nitsch übernimmt den Bereich „Digital Tech & KI“, Weber die Segmente „Industrial, Climate & Deep Tech“. Beide gehören seit Jahren zum Investmentteam des aktivsten deutschen Frühphaseninvestors. Mit den beiden Personalien stärkt der HTGF seine Investmentkompetenz in den derzeit wichtigsten Zukunftsfeldern. Mehr über den HTGF

Speedinvest
+++ Lesenswert! Im Interview mit brutkasten spricht Oliver Holle, Gründer des Wiener Investors Speedinvest, über den KI-Boom, den verschärften Wettbewerb um die besten Startups und die Veränderungen im Venture-Capital-Markt. „Artificial Intelligence ist eine immer noch unterschätzte Drehbewegung, die die ganze Branche umorientiert – auch die Venture-Branche“, sagt Holle. Der Geldgeber hatte zuletzt mit einem Stellenabbau für Schlagzeilen gesorgt. (brutkasten) Mehr über Speedinvest

Heimstatt
+++ „Hunderte Kleinstädte und Dörfer stehen vor massiven Leerstands- und Überalterungsproblemen“, sagt Daniel Ehlers, Gründer von Heimstatt. Das Startup verbindet deswegen Kommunen mit jungen Familien, die aufs Land ziehen möchten. Mehr über Heimstatt

Startup-Radar
+++ Es ist wieder Zeit für neue Startups! Hier einige ganz frische Firmen, die jeder kennen sollte. Heute stellen wir diese Jungunternehmen vor: peeps, Zelara, MARIMET, encosa und Whaaat AI. Mehr im Startup-Radar

#DEALMONITOR

Investments & Exits
+++ PropTech Theo sammelt 25 Millionen ein +++ DeepTech-Startup Fusion Bionic erhält 8,2 Millionen +++ FinTech Nomerra sammelt 2 Millionen ein +++ Entryzero sammelt Kapital ein +++ KoRo übernimmt seedtrace +++ Rauch rettet Kloster Kitchen. Mehr im Deal-Monitor

#JOBS

MySecondEar
+++ Unser Job des Tages! MySecondEar Audiology Group sucht einen Digital Content Manager (m/w/d). Bei MySecondEar denken wir den Prozess neu, Menschen zu einem besseren Hörerlebnis zu verhelfen. Gegründet in Berlin, sind wir heute Deutschlands führender digitaler Hörakustik-Anbieter und verbinden fachliche Expertise mit modernster Technologie und persönlicher Betreuung – online und vor Ort in unseren Fachgeschäften.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen. Hier entlang zu unserer Jobbörse!

Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker



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Diese 7 deutschen Startups wurden 2026 zu Unicorns – und hier stellen sie ein


Sieben deutsche Startups wurden 2026 zu Unicorns, andere verloren den Milliardenstatus. Welche Einhörner wachsen, welche Jobs schaffen – und wo der Personalaufbau stockt.

Diese 7 deutschen Startups wurden 2026 zu Unicorns – und hier stellen sie ein

Welche deutschen Startups das erste Halbjahr 2026 prägten – und wo jetzt die meisten Stellen entstehen.
Generative Illustration: Dominik Schmitt / Gründerszene

Die erste Hälfte des Jahres ist vorbei – und die deutsche Startup-Szene zählt einige neue Einhörner. Ein Zwischenfazit: Sieben Startups haben 2026 erstmals die Milliardenbewertung erreicht, während andere ihren Einhorn-Status wieder verloren haben.

Diese Startups sind seit 2026 Einhörner

Den Anfang machte im Januar das Mannheimer Software-Startup Osapiens, das erstmals mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wurde. Im März folgte Dash0: Das Startup für KI-Kontrollsoftware erreichte nach einer Finanzierungsrunde über 110 Millionen US-Dollar ebenfalls die Milliardenbewertung und wurde damit zum zweiten deutschen Einhorn des Jahres.

Und es brodelte die Gerüchteküche: Laut Insidern gab es bereits im Februar eine Finanzierungsrunde für das Berliner Rüstungs-Startup Stark Defence sowie einen 270 Millionen Euro schweren Auftrag, um sogenannte Kamikazedrohnen für die Bundeswehr zu produzieren. Damit wurde auch Stark zum Unicorn und verdreifachte sogar im Juni seine Bewertung mit einer weiteren Runde, bei der das Startup eine halbe Milliarde Euro einsammelte.

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Der bayrische Batteriespeicheranbieter CMBlu ist seit April ein Einhorn – bei Investoren sammelte das Startup 50 Millionen Euro frisches Kapital ein, die Bewertung kletterte auf mehr als eine Milliarde Euro. Im Mai schloss sich das deutsche Fusions-Startup Focused Energy an, sichert sich 240 Millionen US-Dollar und knackte die Milliarden-Bewertung.

Die Rekordsumme von 1,4 Milliarden Dollar kassierte Neura Robotics Anfang Juni. Die Bewertung: sieben Milliarden Dollar und damit Einhorn-Status. Der jüngste Zugang im Unicorn-Club ist das Mobility-Startup Finn: Ende Juni gab CEO Maximilian Wühr bekannt, dass das Unternehmen 140 Millionen Euro angesammelt hat und damit die Milliarden-Bewertung erreicht.

Wer den Unicorn-Status in diesem Jahr verloren hat

Wiederum haben andere Einhörner ihren Status verloren. Dazu gehört die Versicherungsfirma Clark aus Frankfurt. 2021 hatte das Startup die Milliardenbewertung erreicht. Laut einem Bericht des Manager Magazins sei nun der Umsatz eingebrochen – statt Gewinnen schreibe die Firma Verluste. Die Clark-Investoren sollen das Startup bereits abgewertet haben.

Einen Exit gab es für das Berliner Startup Contentful: Der Anbieter für Content-Management-Plattformen wurde von dem US-Softwarekonzern Salesforce übernommen, wie das ehemalige Unicorn im Juni selbst bekannt gab.

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Wer wächst – und wen die Einhörner suchen

Ob ein Unternehmen aber tatsächlich wächst, zeigt sich oft an anderer Stelle: beim Personal. Gemeinsam mit den Arbeitsmarktexperten von Indeed analysiert Gründerszene deshalb einmal im Monat, welche Einhörner einstellen und welche Fachkräfte besonders gefragt sind. Zur Jahresmitte zeigt sich dabei ein klarer Trend – auch wenn sich die Datengrundlage durch neue und ausgeschiedene Einhörner verändert hat und die Ergebnisse, insbesondere auf Branchenebene, nur eingeschränkt mit den Vormonaten vergleichbar sind.

Von den insgesamt 1.915 in Deutschland ausgeschriebenen Stellen entfällt der Großteil seit Jahresanfang weiterhin auf die beiden Energie-Unicorns 1Komma5° und Enpal. 1Komma5° erhöht seine Ausschreibungen im Monatsvergleich dabei um 2,61 Prozent und Enpal sogar wieder um 43,90 Prozent, zeigt die Indeed-Analyse. Der Energie-Sektor bietet dementsprechend nach wie vor am meisten Möglichkeiten für den Jobeinstieg.

Auf den Plätzen dahinter folgen die beiden Defense-Startups Helsing und Quantum Systems mit jeweils 103 offenen Stellen. Helsing und Quantum Systems gehören mittlerweile mit zu den größten Arbeitgebern im Unicorn-Umfeld, sagt Frank Hensgens. Zusammen mit Stark Defence bildet DefTech die zweitstärkste Branche für Neuanstellungen. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Stellenangebot bei deutschen Unicorns zwar wieder leicht wächst, dieses Wachstum aber stark konzentriert ist. Mehr als jede zweite ausgeschriebene Stelle entfällt auf die Branchen Energy und DefTech, die besonders kapitalintensiv sind und zugleich eine hohe industrie- und sicherheitspolitische Relevanz haben“, ordnet Indeed-Chef Frank Hensgens ein.

„Wie relevant Defense auch bei Startups derzeit wird, zeigt der Vergleich zum Beginn unseres Trackers: Seit Februar hat der DefTech-Sektor um 20 Prozent zugelegt, während alle anderen Branchen um sechs Prozent nachgegeben haben“, so Hensgens. Ein klarer Trend laut dem Arbeitsmarkt-Experten: „Diese Zahlen verdeutlichen einmal mehr, dass Personalaufbau derzeit vor allem dort stattfindet, wo Geschäftsmodelle von strukturellen Investitionen, politischer Priorität und konkreter Nachfrage profitieren.“

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Diese zwei Einhörner stellen nicht ein

Zwei Einhörner fallen in der Analyse der Zahlen besonders durch fehlende Einstellungsaktivität auf. Das Kölner KI-Startup DeepL schrieb ab Mai plötzlich keine Stellen mehr für Deutschland aus. Hensgens sieht diese Entwicklung als Warnsignal: „Wenn ein deutsches KI-Unternehmen Stellen vor allem hierzulande abbaut und zugleich internationale Standorte ausbaut, ist das auch ein Warnsignal. Für die deutsche Wirtschaft wird es entscheidend sein, ob innovative Unternehmen ihre nächste Wachstumsphase in Deutschland durchlaufen – oder ob Wertschöpfung, Talente und operative Funktionen zunehmend in andere Märkte abwandern.“

DeepL baute zuletzt rund ein Viertel seiner Belegschaft ab und strich etwa 250 Stellen. Das Unternehmen nennt als Grund eine Neuausrichtung hin zu kleineren, effizienteren Teams und einer stärkeren Integration von KI in interne Arbeitsprozesse. Damit reagiere DeepL auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck im globalen KI-Markt.

Aber auch das Tech-Startup Choco hat einen Einstellungsstopp, zeigen die Daten. Choco war 2018 als WhatsApp-Dienst für Gastronomen gestartet – nur vier Jahre später erreichte die Berliner Firma die Milliardenbewertung und ist nun eine Plattform für den Lebensmittelgroßhandel. 

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„Rückgänge in den Bereichen FoodTech, E-Commerce und Software sowie der vollständige Wegfall offener Stellen bei Unternehmen wie DeepL zeigen, dass auch bei Unicorns kein automatisches Wachstum garantiert ist“, meint dazu der Indeed-Chef. „Gerade im KI-Umfeld ist die Entwicklung ambivalent. Einerseits gilt KI als zentrales Zukunftsfeld, andererseits zeigt das Beispiel DeepL, dass technologische Stärke nicht zwangsläufig zu mehr Beschäftigung in Deutschland führt.“





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Der Unicorn-Status war kein Ziel


#Interview

„Finn hat sich in den vergangenen sieben Jahren von einem Startup zu Deutschlands führendem Anbieter für Auto Abos entwickelt“, sagt Gründer Maximilian Wühr. In den vergangenen Jahren flossen dabei mehr als 350 Millionen Euro in das Unicorn.

„Der Unicorn-Status war kein Ziel“

Das 2019 gegründete Münchner Mobility-Unternehmen Finn stieg kürzlich zum Unicorn auf. Das Unternehmen, das zuvor schon länger als Soonicorn galt, setzt auf Auto-Abos und kommt inzwischen auf einen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) von über 300 Millionen Euro.

Investoren wie Portage, BC Partners, Runway Growth Capital, SevenVentures, UVC Partners, Planet First Partners, Korelya Capital, White Star Capital, HV Capital, Picus Capital und Keen Venture Partners investierten in den vergangenen Jahren mehr als 350 Millionen Euro in Finn.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Maximilian Wühr einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei Finn, das derzeit 400 Mitarbeitenden beschäftigt.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Finn erklären?
Ich würde sagen: Wir machen Mobilität einfacher. Statt ein Auto zu kaufen oder zu leasen, können unsere Kundinnen und Kunden ein Auto flexibel bequem übers Internet abonnieren. Sie suchen sich ihr Fahrzeug online aus, wir kümmern uns um Versicherung, Zulassung, Wartung und vieles mehr. So können Menschen ein Auto nutzen, ohne sich langfristig festlegen zu müssen.

War dies von Anfang an Euer Konzept?
Die Grundidee ist seit der Gründung 2019 dieselbe geblieben. Natürlich haben wir das Modell kontinuierlich weiterentwickelt, unsere Technologie verbessert und unser Angebot ausgebaut. Aber wir hatten keinen Pivot. Unsere Vision war von Anfang an, Menschen mit dem Auto Abo einen einfachen, flexiblen und digitalen Zugang zum Auto zu ermöglichen.

Wie hat sich Finn seit der Gründung entwickelt?
Finn hat sich in den vergangenen sieben Jahren von einem Münchner Startup zu Deutschlands führendem Anbieter für Auto Abos entwickelt. Seit unserer letzten Finanzierungsrunde konnten wir die Zahl unserer Auto Abos von rund 25.000 auf über 50.000 mehr als verdoppeln. Unser jährlich wiederkehrender Umsatz (ARR) liegt heute bei über 300 Millionen Euro. Zudem haben wir wichtige Fortschritte bei Profitabilität, Technologie und operativer Exzellenz erzielt.

Zuletzt konntet Ihr weitere 140 Millionen einsammeln. Wofür benötigt Ihr das viele Geld?
Die Finanzierung hilft uns vor allem dabei, Finn langfristig noch solider aufzustellen und das Fundament für die nächste Wachstumsphase zu stärken. Mit der verbesserten Kapitalisierung schaffen wir die Voraussetzungen, unser Geschäft nachhaltiger zu skalieren und unsere Finanzierungsstruktur weiter zu optimieren. Gleichzeitig investieren wir gezielt in unsere Plattform, unsere operative Infrastruktur und die Weiterentwicklung des Kundenerlebnisses.

Im Zuge der letzten Investmentrunde seid Ihr zudem zum Unicorn aufgestiegen. Was bedeutet Dir dieser Status?
Der Unicorn-Status war kein Ziel, auf das wir aktiv hingearbeitet haben. Für mich ist er vor allem eine Bestätigung dessen, was unser Team in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Natürlich ist es ein besonderer Meilenstein.

Wo steht Finn in einem Jahr?
Unser Fokus liegt klar darauf, unsere Führungsposition in Deutschland weiter auszubauen und die Grundlage für weiteres Wachstum in Europa zu schaffen. Wir wollen unsere Plattform weiter skalieren, unser Angebot verbessern und noch mehr Menschen von flexibler Mobilität überzeugen.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Finn



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