Künstliche Intelligenz
Hass im Netz: Groschen aus Sofaritzen für Opferschutz in Österreich
Zwei mal 150.000 Euro sollen ZARA, die österreichische Opferschutzeinrichtung bei Hass im Netz sowie Online-Rassismus, vorerst überleben lassen. Das haben Vizekanzler Andreas Babler und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) bekanntgegeben. „Es sind Rest-Euro, die man aus den letzten Sofaritzen zusammengekratzt hat, damit es diese Überbrückungsfinanzierung gibt”, sagte die Ministerin am Mittwoch. Zwei Tage zuvor hatte die Nachricht aufschrecken lassen, dass Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) die jährliche Finanzierung des Opferschutzes rückwirkend zum Jahresanfang streicht.
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Für ZARA sind die 300.000 Euro keine Rettung, sondern nur ein Wundpflaster. Vorerst kann der gemeinnützige Verein weiter kostenlose juristische und psychosoziale Beratung für Opfer von Hass im Netz samt deren Begleitung bei Gerichtsverfahren anbieten. ZARA muss nicht allen Mitarbeitern kündigen. Dank finanzieller Unterstützung der Stadt Wien kann ZARA auch Opfer von Online-Rassismus beraten. Zusätzlich ist ZARA die einzige anerkannte Meldestelle („Trusted Flagger”) „im Bereich der Cybergewalt, Cybergewalt gegen Frauen, Illegale Rede” nach dem Digital Services Act in Österreich
Für all das sind 300.000 Euro im Jahr deutlich zu wenig. Seit 2017 hat Österreichs Bundeskanzleramt ZARA mit anfangs 470.000 Euro, dann 300.000 Euro, zuletzt 330.000 Euro jährlich unterstützt. Ein ähnlicher Betrag kam jährlich aus Spenden sowie dem Betrieb der Tochterfirma ZARA Training zusammen. Langfristige Sicherung von Unterstützung für Opfer von Hass im Netz und Online-Rassismus fehlt in Österreich nach wie vor.
Familienministerin Bauer möchte aus „budgetären Gründen” jedenfalls nichts mehr beisteuern. Ihre Koalitionspartner SPÖ und NEOS fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Bauer ließ durch einen Sprecher ausrichten, dass Meldung und Dokumentation von Diskriminierung „unter anderem eine Aufgabe der Gleichbehandlungsanwaltschaft“ seien. Von einer Aufstockung der Mittel der Gleichbehandlungsanwaltschaft für diese zusätzliche Arbeit ist jedoch keine Rede. Auch verweist Bauers Sprecher darauf, dass es in Österreich neben ZARA sieben weitere Trusted Flagger gäbe. Das trifft zu, doch sind diese für andere Themen akkreditiert, etwa Konsumentenschutz, Rechte Minderjähriger, unlauteren Wettbewerb oder die Durchsetzung von Urheberrechtsabgaben.
(ds)
Künstliche Intelligenz
Tesla kann Umsatz, Gewinn und Margen steigern, aber Überproduktion läuft weiter
Tesla hat die Geschäftszahlen des ersten Quartals 2026 vorgelegt, die die Erwartungen der Marktbeobachter insgesamt übertreffen. Denn der Konzern von Elon Musk hat sowohl Umsatz als auch Gewinne gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Allerdings bleiben die Ergebnisse hinter den Zahlen der letzten beiden Quartale teilweise deutlich zurück und auch der Umsatz fällt niedriger aus, als Analysten erhofft hatten. Da Tesla für dieses Jahr zudem höhere als zuvor angekündigte Ausgaben plant, rutscht der Aktienkurs nach einem kurzen Zwischenhoch wieder ins Minus.
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2025 ist Teslas Gewinn deutlich eingebrochen, nachdem das Geschäft zuvor auf Wachstumskurs war. Jetzt schreibt das Unternehmen immerhin wieder bessere Zahlen als im selben Zeitraum des Vorjahres. Im ersten Quartal 2026 hat Tesla den Gesamtumsatz um 16 Prozent auf 22,4 Milliarden US-Dollar und den Nettogewinn um 17 Prozent auf 477 Millionen Dollar gesteigert. Die Betriebseinnahmen sind dabei um 136 Prozent auf 941 Millionen Dollar in die Höhe geschnellt. Dadurch erhöhte sich die Betriebsmarge von 2,1 Prozent zu Beginn 2025 auf jetzt 4,2 Prozent.
Preisgünstigere E-Auto-Modelle angekündigt
Den allergrößten Teil der Einnahmen macht immer noch die Automobilsparte aus. Tesla-Fahrzeuge erzielten im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 16,2 Milliarden Dollar. Das ist 16 Prozent mehr als im Vorjahr und repräsentiert 72,5 Prozent des aktuellen Gesamtumsatzes. Die Einnahmen aus Energieerzeugung und -speicherung (Solaranlagen und Stromspeicher) sind im Jahresabstand hingegen um 12 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar gefallen. Die Umsätze aus Diensten und anderen Angeboten sind um 42 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar gestiegen.
Tesla stellt aber immer noch mehr Elektrofahrzeuge her, als derzeit verkauft werden. Im ersten Quartal wurden 408.386 Modelle produziert, 13 Prozent mehr als im Vorjahr, aber nur 358.023 Exemplare ausgeliefert (+6 %). Bei dieser Verkaufsrate könnte Tesla knapp vier Wochen die Produktion einstellen, bevor die Autos ausgehen. Zwar überarbeitet Tesla die mittlerweile in die Jahre gekommenen Model 3 und Model Y immer mal wieder, aber bei der Präsentation der Quartalszahlen verspricht der Konzern „preisgünstigere Ausstattungsvarianten beider Modelle“.
Cybercab und Semi noch 2026 in Serie
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Dabei konnte Tesla die Margen bei Elektroautos auf 19,2 Prozent steigern, höher als in jedem Quartal des letzten Jahres. Der Hersteller führt dies auf höhere durchschnittliche Verkaufspreise der Fahrzeuge und „niedrigere durchschnittliche Kosten pro Fahrzeug aufgrund geringerer Materialkosten“ zurück. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Teslas vom Fahrer überwachtes „Full Self Driving (FSD) Supervised“ nur noch als Abonnement und nicht mehr als Kaufoption verfügbar ist.
Nachdem Tesla Model X und Model S in Deutschland aus dem Programm genommen hat, sind Tesla-Interessenten auf Model 3 und Model Y sowie den Cybertruck beschränkt. Aber der Konzern bereitet die Massenproduktion weiterer E-Fahrzeuge für dieses Jahr vor. Das Cybercab soll als Robotaxi fungieren und auch der Tesla Semi soll 2026 in Serie gefertigt werden. Der Semi Truck wurde nach vielen Verspätungen Ende 2022 erstmals ausgeliefert und Elon Musk versprach damals, dass Tesla schon 2024 allein für Nordamerika 50.000 Trucks produzieren will. Noch steckt der Semi aber in der Pilotproduktion.
Vorbereitung der Optimus-Massenproduktion
Die durch die Streichung von Model X und Model S frei gewordenen Produktionskapazitäten will Tesla für den humanoiden Roboter Optimus nutzen. In Kalifornien wird die entsprechende Fabrik umgerüstet, um jährlich 1 Million Roboter herstellen zu können. Die Vorbereitungen für die Massenfertigung sollen laut Tesla im laufenden Quartal beginnen. In Texas wird derweil eine Optimus-Fabrik für die zweite Generation dieses Roboters gebaut. Dort sollen langfristig 10 Millionen Roboter pro Jahr produziert werden.
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Tesla nennt beim Ausblick auf die Ergebnisse des laufenden Quartals keine Zahlen, aber im Gespräch mit Investoren und Analysten erklärte Finanzchef Vaibhav Taneja laut CNBC, dass der Konzern dieses Jahr 25 Milliarden Dollar investieren wird. Das sind 5 Milliarden Dollar mehr als ursprünglich geplant und 8,6 Milliarden Dollar mehr als 2025. Das dürfte Anleger abgeschreckt haben, denn nachdem die Tesla-Aktie im nachbörslichen Handel zunächst um rund 4 Prozent geklettert ist, rutschte sie letztendlich knapp ins Minus.
(fds)
Künstliche Intelligenz
KI-Fehler in Schulbüchern: Verlag nach Bericht in der Kritik
Ein Schulbuchverlag aus Kerpen sieht sich nach Recherchen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ mit dem Vorwurf konfrontiert, dass mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellte Grafiken und Texte als Werke von Menschen ausgegeben hat. In von dem Verlag herausgegebenen Arbeitsheften für den inklusiven Unterricht weisen Illustrationen laut „Spiegel“ typische Fehler auf, die Bild-KI-Modelle erzeugen. Auch in Texten seien Ungereimtheiten aufgefallen. Die angegebene Autorin der Bücher habe sich indessen als Pseudonym erwiesen, hinter dem verschiedene Freiberufler stecken sollen.
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Der Kohl-Verlag ist vor allem bekannt für Kopiervorlagen für den Schulunterricht. Unter dem Autorennamen „Anni Kolvenbach“ hat der Verlag auch diverse Arbeitshefte herausgebracht. Das Foto der angeblichen Sonderpädagogin habe sich im Zuge der Recherchen aber als frei käufliches Stockfoto erwiesen, berichtet der „Spiegel“. Die Namen der Illustratoren seien bei Netzrecherchen außerhalb der Verlagsseiten nicht aufzufinden gewesen.
Typische KI-Bildfehler in Illustrationen
Auf Konfrontation hin räumte der Verlag laut Spiegel ein, dass hinter dem Pseudonym mehrere freiberufliche Autoren stecken. Einer von ihnen meldete sich anonym beim Spiegel und gab an, Lehrer an einer Regelschule zu sein. Er habe gemeinsam mit einer Sonderpädagogin Erfahrungen im inklusiven Unterricht gesammelt und diese weitergeben wollen. Zuvor hatte er im Namen von „Anni Kolvenbach“ zunächst Interviewfragen des Nachrichtenmagazins beantwortet, gab sich dann aber zu erkennen.
Die Bildfehler, die typische KI-Merkmale aufzeigen, umfassen Wimmelbilder, auf denen Kinder keinen Körper haben oder deren Kopf in einem Regal steht. In einer Zoo-Szene fehlt einem Elefant der Rüssel, andere Tiere sind merkwürdig deformiert. Ein bekannter KI-Fehler sind auch Hände mit mehr als fünf Fingern – in einer Bildillustration zu sehen bei einer Lehrerin.
In Rechenaufgaben weisen die dazugehörigen Illustrationen Fehler auf, etwa wenn die Anzahl der abgebildeten Symbole nicht mit der zu lösenden Aufgabe übereinstimmt. Pädagogen kritisieren auch Texte im Fach Geschichte für die höheren Jahrgänge, die unzureichend eingeordnet seien.
Verlag hat erste Korrekturen vorgenommen
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Nach den Spiegel-Recherchen soll der Verlag inzwischen in den Digitalversionen der Hefte Korrekturen vorgenommen haben. Weitere Fragen zur Qualitätskontrolle blieben bislang unbeantwortet. Auch heise online hat den Verlag um eine Stellungnahme gebeten.
Der Deutsche Lehrerverband warnt derweil grundsätzlich davor, dass KI-generierte Inhalte den Schulunterricht und Hausaufgaben gefährden – und dass Lehrkräfte kaum kontrollieren können, was von KI erstellt wurde. In Illustrationen seien Länder wie die Sowjetunion in Südfrankreich eingezeichnet und Polen doppelt dargestellt worden.
Dabei ist der Einsatz von KI in der Buchbranche generell umstritten: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sieht klare Risiken beim KI-Einsatz in der Textproduktion, etwa bei Urheberrechten und der Qualitätssicherung.
Dass der undeklarierte Einsatz von KI-generierten Inhalten Vertrauen kostet, zeigte sich auch bei der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA: Sie musste einräumen, dass zwei ihrer Berichte halluzinierte Quellen enthielten, die von einer KI erfunden worden waren. Der Mann, der sich als Autor zu erkennen gegeben hat, erklärte, dass er den Auftrag erhalten habe, alle Hefte zu überarbeiten. Den Einsatz von KI bei den Texten bestreitet er.
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(mki)
Künstliche Intelligenz
Alte Spiele neu erleben: Die hohe Kunst sehr guter Remaster
Möchte man heutzutage ein Spiel aus der eigenen Kindheit oder Jugend noch einmal erleben, hat man dazu mehr Möglichkeiten als je zuvor: So gibt es Webseiten wie GOG.com, die sich darauf spezialisiert haben, auf modernen Systemen Spiele aus den Achziger und Neunzigerjahre ohne Herumgefummel laufen zu lassen. Ähnliches gilt auch für die Plattform Steam.
Wer ein wenig Handarbeit nicht scheut, dem bieten Softwareemulatoren und Tools wie DOSBox, ScummVM oder WinUAE nahezu perfekt emulierte alte Systeme. Damit laufen ewige Klassiker wie „The Secret of Monkey Island“, „Turrican 2“ oder „Civilization“ genauso, wie man sie in Erinnerung hat.
- Ein richtig gutes Remaster lässt Retrovideospiele in neuem Glanz erstrahlen, ohne das Originalspielgefühl zu ruinieren.
- Der Weg dahin ist nicht nur technisch herausfordernd, sondern auch rechtlich.
- Wie ein richtig gutes Remaster aussieht, haben Nightdive Studios bereits mehrmals eindrucksvoll demonstriert.
Dank verschiedener Videooptionen im Emulator kann man sie sogar mit grafischen Extras aufwerten, genießt Gamepad-Support und oft auch eine Schnellspeicherfunktion.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Alte Spiele neu erleben: Die hohe Kunst sehr guter Remaster“.
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