Datenschutz & Sicherheit
Notepad++: Update bessert Schwachstelle im Installer aus
Notepad++ schließt in der neuen Version 8.9.6 eine Sicherheitslücke im Installer. Die Risikobewertung ist noch nicht eindeutig, ein aufgeführter CVE-Eintrag noch nicht veröffentlicht.
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In der Versionsankündigung schreibt der Notepad++-Entwickler Don Ho, dass die Schwachstelle Version 8.9.4 und 8.9.5 von Notepad++ betreffe, in der letzteren Fassung jedoch einige Installer-bezogene Regressionen bereits ausgebessert wurden. Es handelt sich um die Lücke mit dem CVE-Eintrag CVE-2026-46710, der bislang jedoch noch nicht veröffentlicht wurde. Das CERT-Bund vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kommt zur Einschätzung, dass der Schweregrad gemäß CVSS 7.3 erreicht, also als Risiko „hoch“ eingestuft wird.
Gemäß alter Programmiererdoktrin ist daher derzeit der Code die Dokumentation. Im zugehörigen Commit zur Schwachstelle schreibt Ho, dass der Dateipfad nun aus der Registry bezogen anstatt hartkodiert wird. Das bezieht sich auf den Aufruf von „powershell“, die jedoch zuvor ohne jedweden Pfad aufgerufen wurde. Das legt zumindest die Vermutung nahe, dass ein Angreifer eine bösartige Datei mit dem Namen „powershell.exe“ in den Windows-Suchpfad hätte legen können, der dann beim Start der Installation oder eines Updates ausgeführt wird.
Update manuell anwenden
Die aktualisierte Version findet sich auf der Notepad++-Download-Webseite. Der interne Update-Mechanismus meldet zum Meldungszeitpunkt bei Aufruf, dass es kein allgemein verfügbares Update nach v8.9.5 gebe. Auch der Aufruf von „winget upgrade –all“ an der Windows-Eingabeaufforderung fördert die aktualisierte Version des mächtigen Textwerkzeugs bislang noch nicht auf das Laufwerk. Wer sich also jetzt schon schützen möchte, muss selbst Hand anlegen und das Update herunterladen und installieren.
Ende vergangenen Jahres wurde eine Sicherheitslücke im Update-Mechanismus von Notepad++ von staatlichen Akteuren missbraucht. Sie haben damit Malware auf Rechner der Opfer verfrachtet.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Videoanalyse für die Bundespolizei: Bahnhofs-Kameras sollen Menschen und ihr Verhalten erkennen
Zahlreiche Bundesländer haben ihren Polizeien bereits Software-gestützte Echtzeit-Videoanalyse erlaubt, nun zieht die Bundesregierung nach. Die Bundespolizei soll künftig automatisiert die Bilder von Kameras prüfen. Software soll nach bestimmten Gesichtern suchen und identifizieren, wer gerade was tut. Die Bundespolizei könnte die Technologien an Bahnhöfen, aber auch an Häfen und Flughäfen einsetzen.
Ein Änderungsantrag zu einem der drei Sicherheitsgesetze, die gerade durch den Bundestag gedrängt werden, erweitert die geplanten KI-Überwachungsbefugnisse massiv. Bislang beinhalteten sie die Erlaubnis, im Internet nach bestimmten Gesichtern zu suchen und Datenanalysen nach Palantir-Art durchzuführen. Nun kommt noch die automatisierte Auswertung von Videobildern hinzu. Der Antrag wurde gestern eingereicht und wird am heutigen Mittwoch im Innenausschuss debattiert. Das entsprechend reformierte Bundespolizeigesetz soll bereits am Freitag im Bundestag verabschiedet werden.
Mit zwei verschiedenen Technologien soll die Bundespolizei künftig die Live-Streams von Videokameras untersuchen dürfen. Eine wird aktuell bereits in Frankfurt am Main getestet. Dabei werden die Gesichter aller Passant*innen vermessen und mit einer Liste von gesuchten Gesichtern abgeglichen. Stimmt ein Gesicht im videoüberwachten Areal mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit mit einem gesuchten Gesicht überein, schlägt die Software Alarm.
Alles, was erlaubt ist
Die KI-Verordnung der EU setzt derartiger Live-Gesichtserkennung enge Grenzen. Sie darf nur in bestimmten Fällen angewendet werden. Die Bundespolizei soll beinahe alle diese Verbotslücken ausnutzen. Sie soll mit der Technologie nach Menschen suchen, die das Leben einer Person oder die Sicherheit der Bundesrepublik gefährden, nach Menschen, denen vorgeworfen wird, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, nach Menschen, die mutmaßlich Opfer von Entführung, Menschenhandel oder sexueller Ausbeutung sind oder vermissten Personen, die sich in Lebensgefahr befinden. Die Maßnahme muss richterlich angeordnet werden, Treffer müssen von zwei Polizist*innen geprüft werden. Mit der Begrenzung glaubt die Bundesregierung, sich noch innerhalb des Rahmens der KI-Verordnung zu bewegen.
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Die andere Technologie, mit der die Bundespolizei Videostreams durchsuchen soll, prüft automatisiert, was die abgebildeten Menschen gerade tun. Derartige Software wird bereits in der Mannheimer und der Hamburger Innenstadt erprobt. Berlin bereitet den Einsatz vor. Sie ordnet menschliche Bewegungen in Kategorien ein wie: „Tanzen“, „Rennen“ oder „einander Umarmen“. Findet sie etwa Bewegungen, die auf einen Kampf hindeuten, weist sie die wachhabenden Beamt*innen auf die Situation hin. Auch die Wahrnehmung mutmaßlich hilfloser Menschen führt zu einer derartigen Alarmierung. Die Hilflosigkeit wird dann wohl mindestens bei liegenden Tätigkeiten angenommen. Kritiker*innen weisen darauf hin, dass dieser polizeiliche Fokus zu einer Diskriminierung von obdachlosen Menschen führt.
Außerdem soll die Software selbstständig Waffen detektieren und Personen, die einer Straftat verdächtig sind, automatisiert über mehrere Kameras hinweg verfolgen. Laut Gesetzesbegründung ist es auch möglich, Personen zu identifizieren, die sich ungewöhnlich lange in einem Bereich aufhalten. So sollen potenziell suizidale Menschen von der Umsetzung des Suizids abgehalten werden.
Laut dem Gesetzespaket dürfen die beiden Programme dann auch mit den Gesichtern und dem Verhalten von Bürger*innen trainiert werden. Nach zwei Jahren soll es eine Evaluierung der Befugnisse geben. Die wird „im Zusammenwirken mit“ einer wissenschaftlichen Einrichtung, also nicht unabhängig, erstellt.
Datenschutz & Sicherheit
Sicherheitsalbtraum Wechselrichter: Hoymiles lässt Nachbarschaften verstummen
Der Ausbau der dezentralen Energieerzeugung offenbart immer wieder Defizite bei der IT-Sicherheit marktführender Hardware. Im Fokus steht erneut die chinesische Firma Hoymiles, die nach eigenen Angaben rund 20 Prozent des europäischen Marktes für Mikrowechselrichter bedient. Diese sind in Balkonkraftwerken und kleineren Dachsolaranlagen verbaut. Der Sicherheitsforscher Benedikt Heinz alias Hunz hat zusammen mit dem Chaos Computer Club (CCC) weitreichende Sicherheitslücken aufgedeckt: Mit einfachen Mitteln aus der elektronischen Grabbelkiste und wenig Know-how ist es demnach möglich, Solaranlagen in der Nachbarschaft im Vorbeifahren zu manipulieren, abzuschalten oder dauerhaft unbrauchbar zu machen.
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Das Problem liegt laut den Schwachstellenbeschreibungen in den Funkprotokollen, über die die Wechselrichter der HM- sowie der HMS- und HMT-Serien mit den zugehörigen Steuereinheiten kommunizieren. Der Austausch erfolgt unverschlüsselt über die Frequenzbänder 868 MHz und 2,4 GHz. Hobby-Bastler und Open-Source-Projekte wie OpenDTU oder AhoyDTU gingen bisher davon aus, dass Angriffe zumindest die Kenntnis der individuellen Seriennummer des Geräts voraussetzen. Doch Hunz entdeckte eine undokumentierte Funktion in der Firmware. Wird dieser Rundrufbefehl ausgesendet, antworten alle erreichbaren Hoymiles-Wechselrichter in der Umgebung und übermitteln ihre Seriennummer im Klartext per Funk.
Massenhafte Lokalisierung und Fernsteuerung
Bei experimentellen Tests reichte ein modifizierter, handlicher Scanner aus, um innerhalb von 20 Minuten zwei Dutzend fremde Wechselrichter samt ihrer eindeutigen Identifikationsnummern und Modell-IDs zu lokalisieren. Da die Reichweite der Funksignale mehrere hundert Meter betragen kann, ließe sich eine solche Angriffshardware sogar problemlos auf eine Drohne montieren, um ganze Wohngebiete systematisch zu erfassen.
Sobald ein Angreifer im Besitz der Seriennummern ist, steht ihm das ganze Spektrum der Gerätefernsteuerung offen. Da die Integrität der Datenpakete nur durch simple Prüfsummen geschützt wird, die sich bei Modifikationen mathematisch leicht neu berechnen lassen, existiert keine echte Authentifizierung.
Ein Angreifer kann die Wechselrichter nach Belieben ein- oder ausschalten und Leistungslimits manipulieren. Über den ungeschützten Funkbefehl zur Aktualisierung der Firmware lässt sich sogar Schadsoftware einschleusen. Der Forscher demonstrierte das anhand eines eigenen Test-Programms, das die Relais und LEDs des Wechselrichters in Dauerschleife schaltete. Werden gezielt sensible Netzparameter verändert oder die internen Speicherbereiche des Bootloaders gelöscht, drohen Brände, elektrische Unfälle oder die Zerstörung des Geräts. Das lässt sich danach nur noch durch Öffnen des Gehäuses reparieren.
Ignoranz der Behörden und CCC-Appell
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Hersteller Hoymiles reagierte im Rahmen des Disclosure-Prozesses irritiert bis gar nicht und stellte bisher keinen Patch zur Verfügung. Auch staatliche Aufsichtsbehörden winkten ab: Mögliche plötzliche Leistungseinbrüche im Gigawatt-Bereich durch ein koordiniertes Abschalten von Solaranlagen könnten von den Netzbetreibern abgefangen werden. Der CCC warnt indes vor einem systemischen Risiko und einer Wild-West-Manier beim Ausbau des Internet of Things (IoT). IT-Sicherheit im Energiesektor dürfe nicht erst bei Großkraftwerken anfangen, sondern müsse auch im Vorgarten und auf dem Balkon gelten.
Die Hacker fordern verbindliche Mindeststandards und ein Verbot von Einspeisegeräten in der EU, die Firmware-Updates ohne kryptografische Authentifizierung via Funk akzeptieren. Bis echte Patches vorliegen, bleibt Betreibern als Notlösung nur, über die Original-Software ein Diebstahlschutzpasswort zu vergeben, die Abfrageintervalle in Open-Source-Tools drastisch zu erhöhen oder die Solarmodule physisch vom Wechselrichter zu trennen.
(cku)
Datenschutz & Sicherheit
Zimbra Collaboration Suite: Kritische Lücke macht Classic Web Client angreifbar
Die Zimbra-Entwickler haben im Zuge eines Patch Release Updates auf Version 10.1.19 der Zimbra Collaboration Suite (ZCS) auf ein mögliches Sicherheitsrisiko aufmerksam gemacht. Laut Patch Release Notes kann die zugrundeliegende Schwachstelle ausschließlich über die Komponente Classic Web Client missbraucht werden, wird in diesem Kontext allerdings als „kritisch“ bezeichnet.
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Die betreffende, bislang nicht mit einer CVE-ID bezeichnete Lücke könnte demnach von Angreifern missbraucht werden, um speziell präparierte E-Mails zu verschicken. In ZCS-Versionen vor 10.1.19 könnte darin enthaltener, schädlicher Programmcode möglicherweise bereits beim Öffnen der betreffenden Mail zur Ausführung kommen.
Wie das Zimbra-Team etwas vage ausführt, könnten sich Angreifer auf diesem Wege unbefugten Zugriff auf Mailbox-, Session- oder Account-Informationen verschaffen. Wie aus den separat veröffentlichten Release-Notes zu 10.1.19 hervorgeht, handelt es sich technisch wohl um einen Stored-Cross-Site-Scripting-Angriff.
Weitere Update-Informationen
Admins tun auch dann gut daran, die ZCS auf den neuesten Stand zu bringen, wenn der Classic Web Client im Unternehmen nicht zum Einsatz kommt. Erst vor wenigen Monaten hat die US-Sicherheitsbehörde vor aktiven Angriffen auf die Collaboration Suite gewarnt. Auch damals hatten die Übeltäter eine Cross-Site-Scripting-Lücke im Visier. Im Hinblick auf den aktuellen Lückenfund bislang zwar keine Exploitversuche bekannt; dennoch ist es ratsam, zeitnah zu handeln.
Endanwender verwundbarer ZCS-Versionen sollten derweil auf die Nutzung des Classic Client verzichten und alternativ etwa auf den Modern Client umschwenken, bis das Update eingespielt wurde.
Upgrade-Anleitungen, je nach Ausgangsversion, sind den Release Notes zu entnehmen.
//Update 07.07.26, 14:52: Anriss und Text nach Leserfeedback angepasst (Update-Verantwortung liegt bei den Admins).
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(ovw)
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