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OMR 5050: Diversität, Fairness und Impact auf dem OMR Festival


Beim OMR Festival bringt OMR 5050 Stimmen aus Wirtschaft, Medien und der Creator Economy zusammen, die sich für mehr Gleichberechtigung, Diversität und echte Veränderung einsetzen.

OMR 5050: Diversität, Fairness und Impact auf dem OMR Festival

OMR/Timo Leichert

OMR 5050: Auf allen Bühnen des OMR Festivals präsent

Gleichberechtigung, Diversität und Inklusion gehören längst zu den zentralen Herausforderungen für Unternehmen und Gesellschaft. Beim OMR Festival am 5. und 6. Mai 2026 in Hamburg werden diese Themen nicht isoliert behandelt, sondern sind Teil des gesamten Programms. OMR 5050 ist daher auf verschiedenen Bühnen vertreten und setzt bewusst auf Sichtbarkeit im gesamten Publikum.

In Keynotes, Panels und Interviews werden Perspektiven zu Themen wie Newsfluencing, mentaler Gesundheit, Female Finance und Social-Media-Dynamiken diskutiert. Im Fokus steht dabei die Frage, welche Rolle Gleichberechtigung in einer sich schnell verändernden digitalen und wirtschaftlichen Realität spielt. Alle OMR-5050-Bühnenslots werden an beiden Tagen von Lexware präsentiert – einem Unternehmen, das sich für mehr Chancengleichheit und die Förderung diverser Gründerteams engagiert.


Seid dabei und sichert euch ein Ticket für das OMR Festival 2026!


Keynotes und Panels zu Gleichberechtigung

Zu den bereits angekündigten Highlights gehört die Keynote von Isabelle Gardt, Geschäftsführerin bei OMR und Initiatorin von OMR 5050. In ihrer Keynote „Gender In_Equality 2026“ analysiert sie, wo Gleichberechtigung heute steht und warum Fortschritte nicht selbstverständlich sind.

Auch der Einfluss von sozialen Plattformen steht im Fokus. Im Interview wird Journalistin Alexandra Zykunov über neue Narrative und alte Klischees diskutieren und die Frage „Was KI und Social Media mit unseren Rollenbildern macht?“ beantworten. Sie ordnet aktuelle Zahlen, Studien und Zusammenhänge ein und beleuchtet, wie diese Inhalte Einfluss auf politische Einstellungen, gesellschaftliche Entwicklungen und das Verständnis von Geschlechterrollen nehmen.

Einen Blick auf Machtstrukturen in der Tech-Welt liefert die Unternehmerin Aya Jaff. In ihrer Keynote „When Founders Became Kings“ geht es um die wachsende Macht der Tech-Elite und darum, wie sie Innovation zugleich vorantreiben und ausbremsen kann.

Darüber hinaus erwarten die Besucher und Besucherinnen auch spannende Themen wie Female Finance, Einsamkeit im digitalen Zeitalter oder Newsfluencing.

Alle Jahre wieder: OMR 5050 Gründer*innen Pitch

Auch in diesem Jahr bringt der OMR 5050 Gründer*innen Pitch die besten Startups auf die Bühne. Sie pitchen ihre Geschäftsmodelle, Ideen und Visionen vor den Expertinnen Verena Pausder und Lea-Sophie Cramer.

Lexware unterstützt den Pitch als Hauptpartner und setzt sich für eine stärkere Förderung von diversen Gründerteams ein. „Der Gründer*innen-Pitch ist eine einmalige Gelegenheit, innovative Startups sichtbar zu machen und ihnen echten Rückenwind zu geben“, so Christian Steiger, Geschäftsführer von Lexware.

OMR 5050 Journey: „The Future of Equality, Fairness & Impact“

Die Journey „The Future of Equality, Fairness & Impact“, präsentiert von OMR 5050, bündelt all diese relevanten Programmpunkte über das Festival hinweg – egal ob Speaker und Speakerinnen, Aussteller oder Masterclasses. Die kuratierte Themen-Route vereint alle Inhalte, die sich auf dem Festival um Gleichberechtigung und Fairness drehen. So entsteht ein roter Faden durch ein volles Programm und ein Überblick über die Akteurinnen und Akteure, die den Diskurs aktiv prägen.


Seid dabei, wenn auf dem OMR Festival 2026 die Zukunft der Gleichberechtigung diskutiert wird. Holt euch jetzt ein Ticket!






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Warum Peter Thiel einen Weltstaat mehr fürchtet als den Weltuntergang


Warum Peter Thiel einen Weltstaat mehr fürchtet als den Weltuntergang

Peter Thiel wurde als Mitgründer von PayPal und früher Facebook-Investor bekannt.
Getty Images/Nordin Catic, David Wall

Gerade hat der Tech-Investor Peter Thiel in Rom Vorträge über den Antichristen gehalten. Warum ist der umstrittene Milliardär so vom Weltuntergang fasziniert? Darüber haben wir mit dem katholischen Theologen und persönlichen Thiel-Vertrauten Wolfgang Palaver gesprochen.

Herr Professor Palaver, deckt sich Thiels Antichrist-Bild mit katholischer Dogmatik und Tradition?

Wolfgang Palaver: Da muss man schauen, was man unter dem Begriff versteht. Der katholische Philosoph Josef Pieper schreibt in „Über das Ende der Zeit“ über den Antichristen und knüpft an Traditionen an, wonach dieser eine tyrannische Weltregierung sein könnte – das entspricht der Position Thiels.

Piepers These ist: Mit jedem Schritt in Richtung politischer Weltordnung wächst auch die Gefahr eines alles kontrollierenden Weltstaates. Der Unterschied zu Thiel ist jedoch, dass Pieper trotz dieser Gefahr dafür plädiert, dort, wo es notwendig ist, auf politische Welteinheit hinzuarbeiten – allerdings im Bewusstsein dieser Gefahr.

Dazu kommt die katholische Soziallehre: Spätestens mit Johannes XXIII. und seiner Sozialenzyklika „Pacem in terris“ wird eine Weltautorität mit effizienten Mitteln gefordert. Diese soll aber kein Weltstaat sein, sondern subsidiär aufgebaut. Das dient als Absicherung gegen einen tyrannischen Weltstaat, den Thiel fürchtet.

Hat Thiel die katholische Soziallehre übernommen?

Palaver: Thiel ist kein Katholik, sondern eigentlich Lutheraner, heute vertritt er eher einen eigenen, vom üblichen evangelikalen Glauben abweichenden Stil. Pieper hat er gelesen, aber die katholische Soziallehre hat er nicht übernommen. Er nennt Nick Bostrom oder vor allem Greta Thunberg Legionäre des Antichristen. Wenn er konsequent wäre, müsste er spätestens die Päpste seit Johannes XXIII. ebenso bezeichnen. Dann müssten konservativ-katholische Leute wie J.D. Vance sich fragen: Stehe ich auf der Seite Thiels oder auf der des päpstlichen Lehramts? Das tut er nicht, obwohl aus geleakten Tonbändern seiner Vorträge bekannt ist, dass er gesagt hat, J.D. Vance solle für den Papst beten, aber ihm nicht zuhören.

Mark Siaulys Pfeiffer/SZ Photo/picture alliance

Hat Thiel eine Nähe zu den Sedisvakantisten, die glauben, es gebe zurzeit keinen rechtmäßigen Papst?

Palaver: Ich glaube eher nicht. Man muss die libertären Hintergründe schauen. Thiel ist etwa von Ayn Rand geprägt, und es gibt ein wichtiges Buch, das er 1997 enthusiastisch gelesen hat: „The Sovereign Individual“ von William Rees-Mogg und James Dale Davidson. Dieses libertäre Manifest sagt voraus, dass die digitale Revolution Staat, Politik und Demokratie auflösen wird. Darin gibt es auch ein Kapitel über die Parallele zwischen dem Niedergang der „senilen, heiligen Mutterkirche“ und dem „Nanny State“: So wie die Reformation die Gläubigen von der belastenden katholischen Kirche gelöst hat, werde die digitale Revolution den Versorgungsstaat aushebeln. Thiel verweist auf seine lutherische Konfession und sagt, die lutherische Kirche sei nie eine zentralistische, globale Organisation gewesen wie die katholische Kirche. Ein mit dem Libertarismus kompatibles Christentum ist daher relativ weit von der katholischen Kirche entfernt.

Ist Thiel aus libertären Gründen Christ – oder aus christlichen Gründen Libertärer?

Palaver: Ich habe natürlich keinen Blick in sein Herz. Aber ich würde sagen: Er ist schon Christ. Und dann gibt es Berührungspunkte zwischen Christentum und Libertarismus, die man nicht übersehen darf. Der Libertarismus ist eine extreme Betonung der Freiheit des Individuums. Ohne jüdisch-christliche Tradition wäre das gar nicht möglich gewesen. Interessant ist auch Ayn Rand: Sie ist extrem gegen das Opfer. Für sie sind das Kollektive, ob Staat oder Kirche, alles Opfermaschinen, die das einzelne Individuum für die Interessen des Kollektivs hinopfern. Thiel war ganz klar gegen den Irakkrieg 2003. Er sagt auch heute, man solle die islamischen Länder in Ruhe lassen, die müssten ihren eigenen Weg finden. Da spürt man das Libertäre. Der Unterschied zwischen Ayn Rand und Thiel ist, dass Thiel sich immer als religiöser Mensch verstanden hat.

Wie haben Sie den Wandel im Denken Thiels erlebt – vom Libertären zum Trump-Unterstützer und Bekannten des umstrittenen politischen Denkers aus der Tech-Szene, Curtis Yarvin?

Palaver: Als er Ron Paul unterstützt hat, ist mir das in Richtung Friedensengagement vorgekommen. Dann kommt dieser Schwenk hin zu Trump und J. D. Vance. Meine Erklärung ist, dass er da einen Wandel in der Bevölkerung gesehen hat, einen Vibe-Shift. Zu Curtis Yarvin wäre ich vorsichtig, Thiel mit ihm zu identifizieren. Thiel sagt, er vertrete nicht die Position von Yarvin. Wenn es den katholischen Neo-Integralisten gelingen würde, einen amerikanischen Staat nach ihrem Muster aufzubauen, würde Thiel da nicht reinpassen: als Homosexueller mit gleichgeschlechtlicher Ehe und adoptierten Kindern. Insofern unterstützt er diese Entwicklungen, solange sie nicht wirklich einen Autoritätsstaat aufbauen. Katechon light eben.

Glaubt Thiel wirklich an den Antichristen? Oder nutzt er das nur als Denkmodell?

Palaver: Man muss es im Kontext sehen: In den USA gibt es diese Antichrist-Diskussion seit Jahrzehnten: Die Uno ist Antichrist, Gorbatschow ist Antichrist. Thiel unterscheidet sich von den Millenaristen, die wirklich glauben, dass der Antichrist kommt, dann die Schlacht von Armageddon und dann Jesus wiederkommt. Thiel sagt, die biblischen Gedanken sind keine historische Abfolge, sondern eine Warnung. Er unterscheidet sich sogar von Pieper, bei dem man den Eindruck hat, dass er sagt: Die biblischen Schriften sagen eine Endkatastrophe voraus, mit der Christen rechnen müssen.

Teilt Thiel René Girards Vorstellung, wir lebten in apokalyptischen Zeiten?

Palaver: Ich glaube schon, dass er das teilt. Ich würde sowohl Girard als auch Thiel bestätigen, dass wir in einer apokalyptischen Phase der Welt sind. Die Doomsday Clock wurde 1947 auf sieben Minuten vor Mitternacht gestellt und 2026 auf 85 Sekunden – das sagen nicht Theologen, sondern Leute, die einfach auf die Weltlage schauen. Dazu kommen die Biogefahren, die Klimakrise und die Gefahren der KI. Thiel setzt irgendwo auf ein Wunder und glaubt, dass man technologisch Durchbrüche haben kann. Es gibt von ihm einen interessanten Aufsatz über Goethes Faust, wo er zeigt, warum technischer Fortschritt und der Glaube an die Wissenschaft zusammengehören. Und wie sich das Faustische, seine Seele aufs Spiel zu setzen, mit dem Glauben an Gott vereinbaren lässt. Das Schlimme ist, dass er über die Ermordung von Philemon und Baucis, die sich dem Projekt entgegenstellen, nichts sagt. Faust riskiert Kollateralschäden – und das wäre mein Punkt: Wenn man technologische Fortschritte fördert, dann bitte nicht wie Faust. Bei KI braucht es „Ethics by Design“.

Thiel sieht aber doch gerade in denen, die vom Weltuntergang sprechen – wie Greta Thunberg – das Antichristliche.

Palaver: Seine Position ist: Je mehr wir uns auf diese Gefahren fokussieren, desto größer ist die Gefahr des totalitären Weltstaates. Das findet er noch schlimmer als die apokalyptischen Gefahren. Es ist eine Wette: Lieber vorausbrausen – vielleicht passiert ein Wunder –, als aus Angst die Apokalypse im Sinne eines totalitären Weltstaates zu kreieren.

Geht Thiel zu leichtfertig mit theologischen Kategorien um – oder hinterfragt er sich selbst?

Palaver: Man beobachtet, wie er da ringt. Wenn man den tyrannischen Weltstaat heute baut, ist die Apokalypse schon da, denkt er. Deshalb ist es besser, einen Weg zu gehen, wo sie noch nicht da ist, und die Zehn-Prozent-Hoffnung auszunutzen, dass es gut geht. Es ist aber kein Glaube, dass das kommen soll. Es gab Interpretationen, Girard und Thiel wollten die Apokalypse beschleunigen – so ein Schmarrn.

Thiel und Girard wollen also nicht die Apokalypse?

Palaver: Ja, eben. Girard sagt, man muss über das Thema reden und die Apokalypse den Fundamentalisten aus der Hand nehmen. In den USA sprechen oft nur die Fundamentalisten über apokalyptische Texte. Dabei gibt es Gründe, sich ganz rational damit auseinanderzusetzen.

Das Interview erschien zuerst in der Welt.





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Venticross: DHDL-Produkt spaltet Löwen – aus diesem Grund


Der Nasenspreizer von Venticorss sorgte bei DHDL für große Diskussionen – am Ende ging der Deal an Dümmel. Wir haben nachgehakt, was daraus wurde.

Venticross: DHDL-Produkt spaltet Löwen – aus diesem Grund

Venticross: Drei Gründer, ein kleines Produkt, und die große Frage, ob bessere Nasenluft auch ein Investment wert ist.
RTL / Bernd-Michael Maurer

Die Gründer Ignasi Selga, Carolin Abraham und Heidi Depner kommen in die „Höhle der Löwen“ und präsentieren ein Produkt für ein sehr alltägliches Problem: eingeschränkte Nasenatmung. Ihre Lösung ist ein kleiner Nasendilatator aus medizinischem Silikon, der in die Nasenöffnungen eingesetzt wird und diese sanft weiten soll: Venticross. Das Ziel soll eine insgesamt bessere Atmung durch weniger Mundatmung – und besserer Schlaf sein. Die Gründer bieten dafür 15 Prozent ihrer Unternehmensanteile für 50.000 Euro an.

Testeffekt sorgt für Reaktion

Die Löwen probieren den Nasenspreizer selbst aus. Carsten Maschmeyer merkt an: „Ich habe das Gefühl, ich atme besser.“

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Der Verkaufspreis liegt bei 19,99 Euro, die Produktionskosten bei rund 2,36 Euro pro Stück (bei 500er Einheiten). Den Gründern zufolge haben sie mehr als 600 Stück in den vergangenen Monaten verkauft.

Löwen steigen aus – Zweifel am Setup

Maschmeyer entscheidet sich gegen ein Investment, nachdem er nachgehakt hatte, ob die Gründer das Projekt bereits hauptberuflich machen oder es in Zukunft vorhaben. Als diese dabei unsicher wirken, zieht er die Konsequenz: „Ich habe schlechte Erfahrungen mit Gründern gemacht, die das nicht hauptberuflich machen, und deswegen bin ich raus.“ Frank Thelen schließt sich direkt an: „Ich bin da bei Carsten. Ich bin raus.“ Judith Williams lehnt ebenfalls ab: „Ich finde das Produkt echt unangenehm und nicht gut. Ich bin raus.“

Carsten Maschmeyer steckt sich den Nasenspreizer ein und prüft, wie viel Luft nach oben noch ist.

Carsten Maschmeyer steckt sich den Nasenspreizer ein und prüft, wie viel Luft nach oben noch ist.
RTL / Bernd-Michael Maurer

Zwei Angebote: Wettbewerb unter den Löwen

Dagmar Wöhrl sieht das Produkt dagegen positiv: „Ich kann mir das super vorstellen. Das sind Themen, die uns als Gesellschaft belasten. Ich hätte Lust, das mit euch zu machen. 50.000 Euro für 15 Prozent finde ich auch ein faires Angebot.“ Kurz darauf zieht Ralf Dümmel nach und macht ebenfalls ein Angebot in gleicher Höhe und Bewertung. „Ich habe sofort den Wow-Effekt gehabt und hätte Bock, das mit euch zu machen. Ich biete euch auch 50.000 Euro für 15 Prozent“, sagt er. Beide Löwen wollen also Gründer und Produkt für sich gewinnen.

Entscheidung für Dümmel

Am Ende nehmen die Gründer das Angebot von Dümmel an. Auf Nachfrage von Gründerszene bestätigt ein Sprecher, dass der Deal nach der Ausstrahlung zustande gekommen ist.

Carsten Maschmeyer steckt sich den Nasenspreizer ein und prüft, wie viel Luft nach oben noch ist.

Carsten Maschmeyer steckt sich den Nasenspreizer ein und prüft, wie viel Luft nach oben noch ist.
RTL / Bernd-Michael Maurer

Onlineshop bereits aktiv

Die Produkte von Venticross sind bereits online erhältlich. Der Nasendilatator kostet im Shop 19,99 Euro. Ergänzend gibt es größere Packungen und Bundle-Angebote, die je nach Menge günstiger pro Stück werden.





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Die SaaSpocalypse und die Stunde der deutschen B2B-Software


#Gastbeitrag

Globale SaaS-Plattformen verlieren Glanz, KI-Agenten übernehmen Aufgaben, die einst ganze Softwarekategorien rechtfertigten – und ausgerechnet jetzt rückt der deutsche Mittelstand in den Fokus. Ein Gastbeitrag von Nicolas Barthalon (Ventech).

Die SaaSpocalypse und die Stunde der deutschen B2B-Software

Die Euphorie rund um Software-as-a-Service hat lange gereicht. Jahrelang wuchsen SaaS-Bewertungen, als hätten Softwareunternehmen das Recht auf ewige Expansion gepachtet. Dann kam die KI – und mit ihr das, was im Silicon Valley bereits als „SaaSpocalypse“ diskutiert wird: KI-Agenten, die ganze Aufgabenbereiche übernehmen, die zuvor dutzende spezialisierte Tools erforderten. Warum noch für drei verschiedene CRM-Insellösungen zahlen, wenn ein Agent die Daten selbst pflegt, priorisiert und auswertet?

Das klingt nach einem Bedrohungsszenario. Für viele etablierte Anbieter ist es das auch. Aber für eine bestimmte Kategorie von B2B-Software – nämlich solche, die tief in operative Prozesse eingebettet ist und branchenspezifisches Know-how kodiert – eröffnet diese Disruption eine Chance. Nicht trotz der KI-Welle, sondern wegen ihr.

Late-mover Vorteil – und seine Grenzen

Unternehmen ohne komplexe Legacy-IT können KI-Lösungen tatsächlich schneller und moderner aufsetzen, weil sie keine über Jahrzehnte verkrusteten Architekturen migrieren müssen. Dieser Late-Mover-Vorteil ist real – aber er betrifft vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die größere IT-Projekte lange aufgeschoben haben. Große Industrieunternehmen hingegen haben häufig beides: komplexe IT-Strukturen und gleichzeitig noch erhebliche Digitalisierungslücken. Und hier liegt der entscheidende Haken. Denn wenig Digitalisierung bedeutet auch wenig Daten. Ohne belastbare, strukturierte Daten bleibt KI wirkungslos. KI-Agenten können nur in klar definierten, digital abgebildeten Prozessen funktionieren – wo diese Grundlage fehlt, entsteht kein Beschleunigungseffekt, sondern zusätzlicher Aufwand, um erst eine digitale Basis zu schaffen. Außerdem fehlen oft digitale Kompetenzen.

Dennoch gibt es einen Grund für vorsichtigen Optimismus: KI-Modelle entwickeln sich derzeit in einem Tempo von Monaten, nicht Jahren. Wer heute die neueste Generation einführt, kann damit technologisch nahezu aufschließen, selbst wenn vorher Jahre an Digitalisierung versäumt wurden. Diesen „Leapfrog-Effekt“ sollte man nicht überbewerten, aber er ist real. Die Bedingung bleibt allerdings dieselbe: Die digitale Grundinfrastruktur muss geschaffen werden. Datengrundlagen bereinigen, Prozesse digital abbilden, Integrationen herstellen – das ist keine Option, sondern Voraussetzung.

Physical AI: Automatisierung für den Mittelstand 

KI-Agenten steigern die interne Effizienz – doch die nächste Welle der Automatisierung geht weiter: Sie verlässt den Bildschirm und betritt die Fabrikhalle. Bisher war Robotik vor allem eine Technologie für Großkonzerne mit hohen Stückzahlen und standardisierten Abläufen. Der Aufwand, einen Roboter für eine spezifische Aufgabe zu programmieren, rechnete sich schlicht nicht für mittelständische Produktionen mit hoher Varianz und kleinen Serien. Das ändert sich gerade grundlegend. Dank KI-Training mit synthetischen Daten müssen Roboter nicht mehr für jede einzelne Tätigkeit explizit programmiert werden. Man gibt ihnen eine Mission – und sie entwickeln selbstständig eine Strategie, um sie auszuführen. Sie passen sich in Echtzeit an neue Situationen an, ohne dass Ingenieure jeden Schritt vorschreiben müssen. Automatisierung, die bisher als zu komplex oder zu kleinserig galt, wird damit erstmals wirtschaftlich. Für den deutschen Mittelstand eröffnet das eine spannende Gleichung: Wer Physical AI einsetzt, kann gleichzeitig interne Effizienz steigern, Produktmargen verbessern und wettbewerbsfähig bleiben – und das bei einem akuten Fachkräftemangel. Aufgaben, für die qualifizierte Arbeitskräfte fehlen, können schrittweise übergeben werden. Das ist kein fernes Zukunftsszenario, sondern eine Entwicklung, die sich in konkreten Investitionen und Produkten bereits abzeichnet.

Drei Beispiele, die zeigen, wie es geht

Auf der Software-Seite zeigen bereits einige europäische Startups konkret, wo die Hebel ansetzen. Prewave etwa steht für den Zugang und die Nutzung von Daten als Wettbewerbsvorteil: Wer seine Lieferkette in Echtzeit überblickt, also Risiken frühzeitig erkennt, Abhängigkeiten versteht, auf Störungen proaktiv reagiert, baut eine Resilienz auf, die Konkurrenten ohne diese Datenbasis schlicht nicht haben. Ein weiteres gutes Beispiel ist DrimCo. Das Unternehmen löst einen der zähesten Schmerzpunkte im deutschen Maschinenbau: komplexe B2B-Ausschreibungen, die Vertriebsteams tagelang binden. KI, die diesen Prozess strukturiert und beschleunigt, ist kein Komfort-Feature – sie verändert die Wettbewerbsfähigkeit fundamental. amber aus Aachen hingegen adressiert eine Herausforderung, über die meiner Meinung nach zu wenig gesprochen wird. In einer Wirtschaft, die vom Wissen ihrer Mitarbeitenden lebt, droht ein unsichtbarer Aderlass: Jahrzehnte an Erfahrung verschwinden, wenn die Generation der Expertinnen und Experten in Rente geht. Zurück bleiben verstreute Spuren in Dateien, E-Mails und Notizen. amber verwandelt diesen digitalen Fußabdruck in lebendiges Unternehmensgedächtnis und mit amberSearch entsteht aus fragmentierten Informationsinseln ein vollständiges, dynamisches Bild, das auffindbar, verstehbar und direkt nutzbar ist, für Menschen wie für KI-Agenten. 

Keine Angst vor der Zäsur

Die SaaSpocalypse ist kein Ende. Sie ist eine Zäsur und ein Neubeginn. Software, die sich mit generischen Aufgaben begnügte, wird verschwinden. Software, die echte operative Tiefe bietet, branchenspezifisches Wissen kodiert und die digitale Basis für KI-Agenten schafft, wird wichtiger denn je. Der deutsche Mittelstand hat die Strukturen, die Branchenkenntnis, um jetzt zu handeln. Was fehlt, ist Entschlossenheit: die Bereitschaft, Datengrundlagen zu bereinigen, Integrationen zu schaffen und auf Technologien zu setzen, die Komplexität nicht nur verwalten, sondern lösen. Als Investor sehe ich Europa und Deutschland im Besonderen in einer stärkeren Position, als es das aktuell herrschende Angstbild vermuten lässt. Die KI-Ära ist nicht im Kommen, sie ist bereits da. Die Frage ist nur, wer die Infrastruktur baut, auf der sie läuft.

Über den Autor
Nicolas Barthalon ist Senior Investor bei Ventech, einem europäischen Venture-Capital-Fonds mit Fokus auf B2B-Software und Deep Tech. Das Portfolio umfasst mehr als 100 Unternehmen in Europa und Nordamerika.

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Foto (oben): Shutterstock



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