Künstliche Intelligenz
Virtual OS Museum: Über 1700 alte Betriebssysteme in einer VM
Wer mal eben einen Blick tief in die Geschichte der Computer werfen will, muss nicht immer die passende Hardware und Software vorhalten. Im Netz gibt es Emulatoren für fast jede irgendwann einmal gebaute Hardware. QEMU ist da ein Allrounder, SIMH ist wichtig für Minicomputer oder frühe Unix-Systeme und Hercules emuliert alte IBM-Systeme. Previous ist spezialisiert auf NeXT-Workstation, Basilisk II/SheepShaver auf klassische Macs und MAME kann neben Arcade-Konsolen auch Unix-Maschinen von SGI, Sun oder Apollo auf den Bildschirm bringen. Der schwierige Teil ist heute aber nicht mehr die CPU-Emulation selbst. Problematisch sind proprietäre Grafiksysteme, Netzwerkkarten, Dongles oder spezielle Firmware-ROMs. Deshalb funktionieren viele historische Unix-Systeme nur mit ganz bestimmten Emulator-Versionen oder sorgfältig konservierten Konfigurationen.
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Ein schlichter Launcher im Virtual OS Museum startet über 1700 virtuelle Systeme auf mehr als 250 verschiedenen Plattformen.
(Bild: virtualosmuseum.org)
Eine Emulation ohne Software ist witzlos, und bei der Suche nach dem jeweils passenden klassischen Betriebssystem oder gar einigen typischen Anwendungen muss man neben guten Suchmaschinen auch ausgereifte Archäologie-Kenntnisse in der IT-Geschichte haben. Da alte Systeme oft auf Magnetbändern, 8-Zoll-Disketten oder proprietären Cartridges ausgeliefert wurden und diese Laufwerke heute nahezu unmöglich zu bekommen (oder gar anzuschließen) sind, arbeiten Emulatoren mit virtuellen Laufwerken und Images dieser Datenträger. Und auch, dass man eine alte DEC PDP-11 von einem emulierten Band-Image via
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startet, gehört nicht unbedingt zum Standardwissen von Windows-, Mac- oder GNU/Linux-Usern. Die Installation erfolgte bei den klassischen Systemen dann oft komplett von Hand – von einer geführten Installation, Assistenten oder gar einem per Maus anklickbaren Installer war man damals noch Lichtjahre entfernt. Anwendungen zu finden und einzurichten, ist dann schon fast der einfachste Teil der Übung.
20 Jahre Recherche und Arbeit in einem Paket
Zum Glück gibt es Abhilfe: Der Kanadier Andrew Warkentin beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit genau diesen Problemen und hat in der langen Zeit ein geradezu unglaubliches Projekt auf die Beine gestellt: Das „Virtual OS Museum“.
Das Virtual OS Museum wird komplett in Form einer virtuellen Maschine für VirtualBox/QEMU/UTM mit installiertem GNU/Linux (AMD64) und Xfce-Desktop ausgeliefert, bei dem automatisch der Launcher für die Emulatoren startet. Wer sich zum ersten Mal im Launcher umsieht und die Liste aller verfügbaren Systeme und Konfigurationen sieht, mag es kaum glauben: Beginnend bei einer Demo vom „Manchester Baby“ (Small-Scale Experimental Machine, SSEM) aus dem Jahr 1948 inklusive einiger Programme stellt das Virtual OS Museum über 250 Plattformen bereit, auf denen über 600 unterschiedliche Betriebssystem und insgesamt über 1700 Versionen und Konfigurationen aufrufbar sind. Angeblich hat Andrew noch Material für mehr als 1000 weitere Installationen.
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Es gibt fast nichts, was es nicht gibt
Die Zeitreise beginnt: Der von ihm selbst entwickelte Launcher ist schlicht, übersichtlich und funktionell. Mit einem Klick sitzt man virtuell vor einer PDP-7 mit Unix V0, einem Xerox Alto OS mit Smalltalk, allen möglichen CP/M- und DOS-Versionen oder den ersten GUI-Implementationen wie Xerox ViewPoint/GlobalView, Visi On oder der Apple Lisa. Angegraute PC-Enthusiasten finden die DOS-basierten Windows-Versionen, diverse Windows NT bis hin zu Longhorn Betas und Alternativen wie OS/2 oder BeOS. Fast alle der damals heiß begehrten Unix-Workstation samt ihrer Unix-Varianten sind vertreten. Auch Heimcomputer und Mobilplattformen sind enthalten. Fängt man einmal an, in der Liste der vorhandenen Computerfamilien zu stöbern, ist schnell ein ganzer Nachmittag vergangen. Eine Liste aller enthaltenen Systeme gibt es im Netz nicht, aber ein Blick auf die „Credits“ des Projektes offenbart, was alles in dem Virtual OS Museum steckt. Einen visuellen Vorgeschmack auf das Virtual OS Museum gibt Andrew in dem Video „I’ve built a virtual museum…“ auf seinem YouTube-Kanal.

80 Jahre Computergeschichte sind mit dem Virtual OS Museum nicht nur als dröge Screenshot oder YT-Video konsumierbar, sondern direkt und live am eigenen PC erlebbar.
(Bild: virtualosmuseum.org)
Das Virtual OS Museum kommt als Komplett-Paket inklusive der Virtualisierungssoftware in zwei Varianten: Einem 14 GByte großen Archiv mit dem Rumpfsystem, bei dem die virtuellen Systeme und Datenträger bei Bedarf nachgeladen werden, und der „Full Edition“ mit satten 121 GByte, das bereits alles enthält. Der Launcher besitzt eine Update-Funktion, mit der man gezielt einzelne Systeme aktualisieren kann. Snapshots sorgen dafür, dass beschädigte Installationen mit wenigen Klicks in einen definierten Ausgangszustand zurückgesetzt werden können.
Die Computergeschichte in einer Zeitkapsel
Mit dem Virtual OS Museum will Andrew historische Software nicht nur bewahren, sondern ihren Nutzungskontext rekonstruieren und für die Nachwelt erhalten. Viele Systeme starten daher nicht in einer nackten Standardinstallation, sondern mitsamt damaliger Werkzeuge, Entwicklungsumgebungen oder Anwendungen – also ungefähr so, wie ein Rechner seinerzeit tatsächlich verwendet wurde. Das Virtual OS Museum bietet damit nicht nur interessante Unterhaltung, sondern könnte zu einem objektiven Spiegel der IT-Geschichte werden.
(dmk)
Künstliche Intelligenz
Verbraucherschützer fordern Schadensersatz für Nutzer bei Smart-Meter-Problemen
Wenn Smart Meter nicht funktionieren wie vorgesehen, sollen Nutzer künftig Anspruch auf Schadensersatz haben, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Denn es komme immer wieder vor, dass die vernetzten Stromzähler zwar eingebaut werden, dann aber über Monate oder gar Jahre ohne Funktion bleiben. Und dies könne für die Nutzer finanzielle Nachteile haben, argumentiert der VZBV in einem aktuellen „Kurzpapier“, das c’t vorliegt.
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„Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist entscheidend, dass ein Smart-Meter nicht nur installiert wird, sondern auch zuverlässig funktioniert“, sagte Marie Barz, Referentin Marktbeobachtung Energie beim VZBV. „Genau daran hapert es derzeit immer wieder.“ Auch c’t hatte vor Kurzem ausführlich über die Probleme berichtet, die nach der Installation von Smart Metern auftreten können. In Extremfällen werden Zählernummern vertauscht, sodass die Smart-Meter-Daten an der falschen Stelle ankommen.
Voraussetzung für dynamische Tarife
Finanzielle Nachteile entstehen Verbrauchern vor allem dann, wenn sie einen dynamischen Stromtarif nutzen wollen, der Tarifwechsel aber an Problemen mit dem Smart Meter scheitert. Damit der Wechsel klappt, muss das „intelligente Messsystem“ beim Messstellenbetreiber und Netzbetreiber registriert sein und im Viertelstundentakt gemessene Verbrauchsdaten übermitteln. Mit einem dynamischen Tarif können Nutzer dann ihren Verbrauch an die schwankenden Börsenpreise anpassen.
Scheitert der Tarifwechsel, entgeht Nutzern unter Umständen nicht nur der dynamische Tarif, sie können auch in einem teureren Tarif landen als vorher. Der finanzielle Nachteil sei aber schwer zu beziffern, schreibt der VZBV. Sinnvoll sei daher eine „pauschale Entschädigung ohne aufwendige Schadensnachweise“. Diese Pauschale soll der Messstellenbetreiber zahlen. Sei der Netzbetreiber oder der Stromlieferant verantwortlich, müsse dieser die Pauschale erstatten. Die Kosten dürften nicht auf die Netzentgelte umgelegt werden, „so dass die angestrebte Steuerungsfunktion untergraben wird“, mahnen die Verbraucherschützer.
Vorbild Telekommunikationsrecht
Eine Regelung im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) könne sich an § 58 des Telekommunikationsgesetzes orientieren, schlägt der VZBV außerdem vor. Diesem zufolge erhalten Nutzer von Telekommunikationsdiensten eine Entschädigung, wenn Störungen nicht unverzüglich beseitigt werden.
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Als Ursachen für Smart-Meter-Probleme nennt der VZBV drei zentrale Probleme: fehlende oder stark verspätete Rückmeldungen von Verteilnetzbetreibern, die hohe Zahl von 850 Netzbetreibern mit unterschiedlichem Umsetzungsfortschritt sowie hochkomplexe und fehleranfällige Marktkommunikationsprozesse bei allen beteiligten Akteuren. Die Verbraucherschützer stützen sich dabei auf Einzelfallschilderungen von Verbrauchern, Experteninterviews mit wettbewerblichen Messstellenbetreibern sowie Stellungnahmen der Bundesnetzagentur und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEV).
(cwo)
Künstliche Intelligenz
Citroën kündigt Elektroauto mit dem Namen „2CV“ an
Wie gestern im Fünfjahresplan „FaSTLAne 2030“ skizziert, will sich Stellantis mithilfe einer Modernisierungsoffensive wieder konkurrenzfähig aufstellen. Seiner Marke Citroën kommt dabei die Rolle zu, einen erschwinglichen elektrischen Kleinstwagen möglichst glaubwürdig zu vertreten. Dazu soll sich das neue Elektrofahrzeug an Werten des legendären 2CV orientieren.
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Wie Citroën heute mitteilt, bezieht sich das Projekt an der historischen TPV-Idee („Toute Petite Voiture“ – ganz kleines Auto), aus der in den 1930er-Jahren der 2CV hervorging. Damals wie heute gehe es darum, Mobilität für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. Citroën-CEO Xavier Chardon beschreibt die Neuauflage als „nicht durch Nostalgie, sondern durch eine zeitgemäße Neuinterpretation von Einfachheit und Zugänglichkeit“ getrieben. Sein Credo für das Fahrzeug: „Elektrisch. Essenziell. Erschwinglich. Menschlich.“
Der historische Kleinstwagen wurde dadurch so erfolgreich und legendär, dass seine Ingenieure in vielerlei Hinsicht völlig neue konstruktive Wege gingen. Das war damals nur möglich, weil man ihnen komplett freie Hand gelassen hatte. Die starke Persönlichkeit, die das Fahrzeug dadurch ausstrahlte, war nicht beabsichtigt, aber ein logisches Nebenprodukt. Heute ist das durch eine ganz andere Stellung des Controllings in den Unternehmen nicht mehr möglich – man agiert deutlich konservativer als vor vielen Jahrzehnten. Stellantis wird daher mit Sicherheit auf seine neue Plattform, allenfalls die eines seiner chinesischen Partner zurückgreifen. Wir hoffen wenigstens auf ein großes Rolldach wie am Original.
Klare Ausrichtung
Das Fahrzeug ist noch nicht bestellbar, konkrete technische Eckdaten zu Batteriekapazität, Reichweite, Leistung oder Gewicht nennt Citroën bislang nicht. Die Marke betont stattdessen die Leitlinien Erschwinglichkeit, geringes Gewicht, hohe Alltagstauglichkeit, Vielseitigkeit und Persönlichkeit. Medienberichte spekulierten bereits über einen möglichen Preis von unter 15.000 Euro und einen Marktstart um 2028 und einen Fertigungsort im italienischen Pomigliano d’Arco genannt. Bestätigt hat Stellantis davon bislang nichts.
Was den 2CV ausmachte
Die Ankündigung fällt in den Rahmen des Stellantis-Strategieplans FaSTLAne 2030, der ein Investitionsprogramm von 60 Milliarden Euro über fünf Jahre vorsieht. Der Konzern peilt bis 2030 einen Umsatzanstieg von 154 auf 190 Milliarden Euro und eine operative Marge von 7 Prozent an. Der Schwerpunkt liegt dabei ausdrücklich auf bezahlbaren Elektrofahrzeugen für den europäischen Markt.
Weitere Details zum neuen Modell will Citroën auf dem Pariser Autosalon im Oktober 2026 präsentieren. Den 2CV für morgen neu zu erfinden, sei „eine enorme Herausforderung und zugleich eine große Verantwortung“, so Chardon. Der ursprüngliche 2CV sei nicht mit dem Ziel entwickelt worden, zur Ikone zu werden – er habe den Menschen schlicht Freiheit gegeben.
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(fpi)
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Spotify: Neue Desktop-App erstellt personalisierte KI-Podcasts
Spotify hat Studio by Spotify Labs vorgestellt: Eine eigenständige Desktop-App, die mithilfe eines KI-Agenten personalisierte Podcasts, Briefings und Playlists erstellt. Die App, die an Googles NotebookLM erinnert, soll in den kommenden Wochen als Vorschau in über 20 Ländern erscheinen.
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Im Spotify-Blog schreibt das Unternehmen hinter dem Streaming-Dienst, dass Studio die Hörgewohnheiten aus Musik, Podcasts und Hörbüchern auswertet und mit „allgemeinem Weltwissen“ kombiniert. Mit Zustimmung des Nutzers greift ein integrierter KI-Agent auf Kalender, Postfach und Notizen zu und kann eigenständig im Web recherchieren. Nutzer können Inhalte im Dialog mit dem Agenten verfeinern und anpassen.
Audio auf Bestellung
Als Beispielprompt nennt Spotify das Erstellen eines Reise-Briefings: Der Agent soll den Tagesplan aus dem Kalender durchgehen, Restaurantempfehlungen in der Nähe der geplanten Stopps geben und einen Podcast für die Fahrt generieren. Alle erstellten Inhalte landen in der persönlichen Spotify-Bibliothek und sind nicht öffentlich zugänglich, werden aber geräteübergreifend synchronisiert. Spotify weist darauf hin, dass der KI-Agent Fehler machen und unzuverlässige Inhalte ausgeben kann. Musik wird mit dem Programm nicht generiert.
Studio knüpft an ein Kommandozeilen-Tool an, das Spotify Anfang Mai 2026 für Nutzer von KI-Programmiertools wie Claude Code veröffentlicht hatte, berichtet TechCrunch. Mit der Desktop-App öffnet das Unternehmen dieselbe Funktion für ein breiteres Publikum. Das Format selbst ist nicht neu: Googles NotebookLM hat KI-generierte Podcasts aus individuell ausgewählten Quelltexten schon länger im Angebot. Auch Adobe bietet im Acrobat ein vergleichbares Tool an, das PDF-Dokumente in Podcasts verwandeln kann.
Spotify baut seit Monaten verstärkt KI-Funktionen in sein Ökosystem: Seit dem vergangenen Dezember können Nutzer etwa Spotify-Wiedergabelisten per KI-Befehl erstellen. Die Preview von Studio by Spotify Labs soll für ausgewählte Premium-Nutzer ab 18 Jahren erscheinen. Wie diese Nutzer ausgewählt werden sollen, ist unklar. Eine Nachfrage von heise online hat Spotify nicht beantwortet.
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(dahe)
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