Digital Business & Startups
Wer viel verdient, sollte leichter zu kündigen sein, fordert Verena Pausder
Verena Pausder fordert in einem Interview eine Lockerung des Kündigungsschutzes für hochqualifizierte Gutverdiener in jungen Unternehmen. Die aktuellen Regeln würden Startups zu sehr einschränken.
Die Vorsitzende des Deutschen Startup-Verbands, Verena Pausder, fordert eine Lockerung des Kündigungsschutzes für hochqualifizierte Gutverdiener in jungen Unternehmen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung argumentiert sie, dass die aktuellen Regelungen junge Firmen zu stark einschränken.
„Die Kosten für Fehler sind zu hoch in diesem Land“, sagte Pausder. Gerade in der Aufbauphase stellten Gründer manchmal die falsche Person ein. Die Trennung koste dann viel Geld und Energie.
Das zentrale Problem: „Eines der Hauptprobleme deutscher Startups ist, dass sie nicht genug atmen können“, so die Verbandschefin. Die fehlende Flexibilität beim Personal behindere das Wachstum junger Technologiefirmen.
Lest auch
Pausder richtet sich mit ihrem Vorstoß an eine bestimmte Gruppe. Sie schlägt vor, den Kündigungsschutz für Spitzenverdiener zu lockern, die sich eine berufliche Neuorientierung finanziell leisten können. Diese Gruppe könne „locker ein paar Monate überbrücken“ und „ziemlich frei von rechts nach links wechseln“.
An Firmenalter knüpfen statt flächendeckend lockern
Einen generellen Abbau des Kündigungsschutzes lehnt die Unternehmerin ab. „Ich bin nicht dafür, den Kündigungsschutz flächendeckend abzuschaffen“, stellte sie klar.
Stattdessen schlägt sie eine zeitlich begrenzte Regelung vor. „Man könnte das zum Beispiel an die Anzahl an Jahren nach der Gründung knüpfen“, erklärte Pausder. So hätten Startups in der kritischen Wachstumsphase mehr Spielraum bei Personalentscheidungen.
Die Verbandschefin warnt vor den Folgen, wenn Deutschland für Startups unattraktiv bleibt. „Wenn Unternehmen stattdessen lieber woanders Leute einstellen, ist auch nichts gewonnen“, sagte sie.
Mit Material der dpa/sr
Digital Business & Startups
16-Jähriger baut KI-Tool für Landwirte – und lehnt dafür 300.000 Dollar ab
Rudrojas Kunvar, 16, entwickelte Evion, ein KI-Tool, das Landwirten hilft, den Gesundheitszustand von Feldfrüchten zu analysieren.
Das Tool sammelt Luftbilddaten von Drohnenaufnahmen der Felder.
Kunvar entwickelte Evion, um diese Daten für kleine und mittelgroße Betriebe zugänglicher zu machen.
Als er sich im vergangenen Jahr mit einem Risikokapitalgeber traf, erhielt der 16-jährige Rudrojas Kunvar ein Angebot, das selbst die gelassensten Teenager begeistern würde: 300.000 Dollar (etwa 277.000 Euro) erhalten, die Highschool abbrechen und sein KI-Startup Vollzeit leiten.
„Es waren definitiv ein paar harte Wochen des Überlegens“, sagte Kunvar, der in Germantown, Maryland, lebt, gegenüber BUSINESS INSIDER (BI). „Das ist eine Menge Geld.“
Kunvar hatte den Sommer zuvor damit verbracht, Evion zu entwickeln, ein kostenloses KI-Tool zur Analyse von Feldfrüchten, das Bilder von einfachen Kameradrohnen nutzt, die Landwirte selbst kaufen können. Das KI-Modell analysiert die Bilder und erstellt eine Karte des Gesundheitszustands der Pflanzen, die Landwirte in ihre bestehenden Plattformen integrieren oder über ein Dashboard abrufen können. Grün bedeutet gesund, Rot bedeutet ungesund.
„Landwirte können damit die Zukunft ihrer Felder vorhersagen“, sagte Kunvar. „Man sieht, welche Bereiche mehr Wasser oder Dünger benötigen, anstatt einfach überall zu sprühen.“
Wie im Bauwesen und in der Verteidigung verändern Drohnen auch die Landwirtschaft in den USA. Laut Forschern der Michigan State University waren im Jahr 2025 etwa 5500 landwirtschaftliche Drohnen bei der Federal Aviation Administration registriert, nach rund 1000 im Jahr 2024.
Lest auch
Kunvar sagte, Evion könne Landwirten helfen, Geld zu sparen, da die gezielten Daten die Unsicherheit über den Gesundheitszustand der Felder reduzieren. Das verringert die Wahrscheinlichkeit, Wasser oder Dünger zu verschwenden.
Evion ist als kostengünstige Alternative zu Unternehmen positioniert, die teure Drohnenprodukte oder Dienstleistungen vermarkten. Stattdessen können Landwirte günstige Kameradrohnen kaufen, eigene Fotos machen und die Daten selbst hochladen.
„Es soll ein erschwinglicheres Modell für kleine bis mittlere Betriebe sein“, erklärte Kunvar.
Nachdem Evion aufgebaut war, arbeitete Kunvar mit Jacob Lee zusammen, der Erfahrung mit der Entwicklung von Tech-Tools hat, um die Reichweite zu erweitern. Der erste Pilotstart erfolgte im Herbst.
Letztendlich lehnte Kunvar das Angebot über 300.000 Dollar ab, da er sicherstellen wollte, dass sein Produkt zugänglich bleibt und nicht nur der Profitmaximierung dient.
Wenig KI-Fortschritte in der Landwirtschaft
Die Idee für Evion entstand während Kunvars zweitem Highschool-Jahr an der Poolesville High School in Montgomery County, als er ein Gemeindefest besuchte. Ein Drittel des Montgomery County ist als Agricultural Reserve ausgewiesen, also als geschütztes Land, um ländliche Flächen zu erhalten.
„Ich fragte einen Landwirt, wie er erkennt, wann eine Krankheit droht oder was leichte Verfärbungen bedeuten“, sagte Kunvar. „Im Grunde sagte er, er müsse raten. Ich sprach mit ein paar weiteren Landwirten und stellte fest, dass alle ähnliche Antworten gaben.“
Kunvar, der angab, schon immer eine Leidenschaft für Technologie gehabt zu haben, war überrascht. „Wir haben viele KI-Fortschritte in verschiedenen Branchen gesehen“, sagte er. „Warum passiert im Bereich Landwirtschaft so wenig?“
Ursprünglich wollte Kunvar eine eigene Flotte vollautonomer Drohnen entwickeln, die die Daten erfassen könnten, entschied sich nach Gesprächen mit Mentoren und Berechnungen jedoch für einen anderen Ansatz. Stattdessen studierte er Drohnen und identifizierte den Hauptkostenfaktor: die Multispektralkamera.
„Die Kamera war der größte Kostenfaktor. Ich fragte mich: ‚Was, wenn es eine Möglichkeit gibt, ähnliche Daten ohne diese Kamera zu bekommen? Was, wenn ich eine einfache Kamera nutzen könnte?‘“, sagte Kunvar.
Lest auch
Partnerschaften mit Landwirtschafts-Nonprofits
Er verwies auf Tesla und seine autonomen Fahrzeuge als Beweis, dass das funktionieren kann. Im Gegensatz zu Waymo und anderen Firmen, die Lidar nutzen, verlässt sich Tesla auf Kameras.
Nachdem die Logistik und das KI-Modell eingerichtet waren, suchten die Gründer Kunden über Kaltakquise per E-Mail und LinkedIn. Bessere Ergebnisse erzielten sie jedoch durch Partnerschaften mit landwirtschaftlich orientierten Nonprofits und Organisationen, um Landwirte zu erreichen. Heute hilft die Technologie Landwirten in Nordamerika, Südostasien und Indien.
Für die Zukunft plant Kunvar, Evion weiter auszubauen und Chancen in anderen Bereichen, einschließlich KI-Infrastruktur, zu erkunden. „Im Unternehmertum gibt es viel Ungewissheit, besonders bei Startups, aber ich habe gelernt, dass in der Ungewissheit auch Schönheit liegt“, sagte Kunvar. „Es gab Zeiten, in denen nichts funktionierte, und dann erzielt man den kleinsten Erfolg, und man denkt: ‚Wow, vielleicht kann ich das doch schaffen.‘“
Lest das Original auf Business Insider US.
Digital Business & Startups
Dash0 erhält 110 Millionen – Rivia bekommt 15 Millionen – Amazon übernimmt RIVR
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ Dash0 erhält 110 Millionen +++ Rivia bekommt 15 Millionen +++ blue activity sammelt 8,5 Millionen ein +++ eternal.ag streicht 8 Millionen ein +++ Amazon übernimmt RIVR +++ Berentzen kauft JUMA +++ DHDL: After Inject, ANABOX smart, Nylam +++

Im #DealMonitor für den 24. März werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: STARTUPLAND 2027 findet bereits am 10. März statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
Dash0
+++ Balderton Capital, DTCP Growth, Accel, Cherry Ventures, DIG Ventures, July Fund und T.Capital investieren 110 Millionen US-Dollar in Dash0. Im Zuge der Investmentrunde steigt das Unternehmen zum Unicorn auf (Bewertung: 1 Milliarde US-Dollar). Insgesamt sammelte das Team nun bereits 155 Millionen ein. Das Startup (New York, Solingen), 2023 vom Seriengründer Mirko Novakovic (Instana), Miel Donkers, Marcel Birkner, Ben Blackmore und Michaele Mancioppi gegründet, entwickelt eine Plattform, die Entwickler:innen dabei hilft, Probleme zu beheben. Unternehmen wie Zalando, Taco Bell und The Telegraph setzen bereits auf Dash0. Mehr über Dash0
Rivia
+++ Der Berliner Geldgeber Earlybird Venture Capital, Defiant aus London, Speedinvest, Amino Collective und Nina Capital investieren 15 Millionen US-Dollar in Rivia. Das Startup aus Zürich, 2022 von Erik Scalfaro, Tiago Kieliger, Henk Streefkerk und Pietro Scalfaro gegründet, unterstützt BioTech-Unternehmen ihre „Produktkandidaten effizienter zur Marktreife zu bringen“. Das Team nutzt dabei „KI, um verschiedene Datenquellen für klinische Studien nahtlos zu integrieren, zu analysieren und seinen Kunden so einen umfassenden Überblick in Echtzeit zu bieten“. Speedinvest, Amino Collective und Nina Capital investierten zuvor bereits 3 Millionen Euro in das Unternehmen. Mehr über Rivia
blue activity
+++ Wind Capital (Paris), Venture Stars (München) und Angel Invest (Berlin) investieren 8,5 Millionen Euro in blue activity. Das CleanTech aus Heidelberg, 2021 von Lars Havighorst und Michael Simon gegründet, setzt auf die „nachhaltige Behandlung von Kühlwasser in industriellen Verdunstungskühlsystemen“. Das „Echtzeit-Monitoring-Dashboard“ des CleanTechs überwacht dabei „alle relevanten KPIs-Biofilm, Scaling, Korrosion und Füllstand“. Das Kapital soll dabei helfen, „die Produktentwicklung zu beschleunigen und die kommerziellen Aktivitäten in europäischen Industriemärkten auszubauen“. Mehr über blue activity
eternal.ag
+++ Der Düsseldorfer Early-Stage-Investor Simon Capital, Oyster Bay Venture Capital, EquityPitcher Ventures und Backbone Ventures investieren 8 Millionen Euro in eternal.ag. Das Robotik-Startup aus Köln, 2025 von Renji John und Sherry Kunjachan gegründet, setzt auf autonome Ernteroboter für Gewächshäuser. „We remove the biggest risk in greenhouse operations: uncertainty of labor. Our autonomous robots handle hard, repetitive crop work, around the clock“, heißt es zum Konzept. Simon Capital hält nun rund 14,4 % am AgTech aus dem Rheinland. Mehr über eternal.ag
MERGERS & ACQUISITIONS
Amazon – RIVR
+++ Der amerikanische Versandriese Amazon übernimmt das 2023 gegründete Schweizer Robotik-Startup RIVR, das vierbeinige Maschinen für Zustellungen bis an die Haustür entwickelt. „This step will accelerate our vision of building General Physical AI through doorstep delivery, bringing robotics and AI closer to real-world deployment at scale“, schreibt Marko Bjelonic auf Linkedin. Das Unternehmen aus Zürich wurde zuletzt mit 100 Millionen US-Dollar bewertet. Im März 2025 investierten Bezos Expeditions, HongShan, Amazon Industrial Innovation Fund, Armada Investment und Linear Capital 22 Millionen in RIVR.
Berentzen – JUMA
+++ Die Berentzen-Gruppe übernimmt über ihre Tochter Vivaris den Functional Drink JUMA. Hinter dem Getränke steckte bisher das Startup food42morrow, das von Raoul Kammann, Max Kammann und Carlos Lopez Granado gegründet wurde.
DIE HÖHLE DER LÖWEN
After Inject
+++ Beauty-Löwin Judith William investiert in der neunzehnten Staffel der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ 200.000 Euro in After Inject und sichert sich dabei 20 % am Unternehmen. Das Startup aus Berlin setzt auf eine natürliche Alternative zu Botox. Der Deal platzte nach der Show.
ANABOX smart
+++ Startup-Löwe Frank Thelen investiert in der neunzehnten Staffel der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ 180.000 Euro in ANABOX smart und sichert sich dabei 25 % am Unternehmen. Das Startup aus Leipzig setzt auf einen digitalen Medikamentenspender.
Nylam
+++ Regal-Löwe Ralf Dümmel investiert in der neunzehnten Staffel der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ 100.000 Euro in Nylam und sichert sich dabei 30 % am Unternehmen. Das Startup aus Heilbronn setzt auf ein spezielles Spray, das die feinen Fasern von Strumpfhosen stärkt.
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): azrael74
Digital Business & Startups
Startup: 8 Minuten bis zum Lunch – warum Juit Highperformer lockt
Ein Startup aus dem Hause Dr. Oetker setzt auf gesunde Tiefkühlgerichte für „Highperformer“. Eigentlich vertreibt Juit über E-Commerce – doch jetzt hat es in Berlin-Mitte auch einen Pop-up-Store eröffnet.
Berlin-Mitte, Zimmerstraße 69. Der Boden glänzt so makellos wie die Glasfassaden der umliegenden Bürokomplexe. Der Pop-up-Store von Juit wirkt weniger wie ein Restaurant, als wie eine schick designte Tankstelle für den menschlichen Motor. Die knallbunten Farben der Fertiggerichte schreien gegen die klinische Sterilität der Einrichtung an. Grauer Boden, blau-graue Bestuhlung, glänzende Schränke. Hier ist alles auf Effizienz getrimmt. Keine Kellner, die nach dem Befinden fragen, kein langes Studium der Speisekarte.
Nur ein riesiges, metallenes Tiefkühlregal. Ich fühle mich in die TK-Abteilung meines Stamm-Supermarktes versetzt, als eine freundliche Mitarbeiterin den Moment unterbricht. „Warst du schon mal hier?“ „Nein“.
Marc Sarembe
Das Gericht, das ich mir aussuche, ist vergriffen. Sie empfiehlt stattdessen „Peanut-Chicken“. Ich hole das „Peanut-Chicken“. Karte ans Lesegerät, kurzes Piepen, fertig. Bezahlt wird natürlich bargeldlos.
Essen auf die Nahrungsaufnahme reduzieren
Juits Slogan „Das Leben ist zu kurz, um schlecht zu essen“ zielt direkt auf eine Generation, die zwischen Selbstoptimierung und Zeitmangel feststeckt. Es ist der nächste logische Schritt nach HelloFresh. Doch während die Kochboxen das Einkaufen ersetzen, scheiterten viele Nutzer am Ende doch an der Realität: an der verschrumpelten Bio-Zucchini im Gemüsefach und dem Abwasch nach dem „schnellen“ 30-Minuten-Rezept. Juit verspricht HelloFresh ohne Reue. Wer am Abend keine Lust auf das Schlachtfeld in der Küche hat, muss hier nicht mal zum Messer greifen.
Lest auch
Kochboxen verkaufen ein Versprechen: Du kochst selbst, du lernst was, du machst und sparst dir den Gang zum Supermarkt. Aber Juit verkauft Erlösung. Keine Tüte, kein Rezept. Ohne schlechtes Gewissen, Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe. Ein Blick auf die Rückseite der Verpackung verrät, die Nährwerte passen zum Konzept: 1,6 Gramm Zucker und 7,1 Gramm Eiweiß auf 100 Gramm beim „Chicken-Curry“. Ich schiebe die Schale in die Mikrowelle – und circa acht Minuten später ist das Abendessen kein Plan mehr, sondern ein Ergebnis.
TK für Gutverdiener
Hinter dem hippen Berliner Auftritt steckt geballte westfälische Wirtschaftskraft. 2019 gründeten Serdar Mansour Azar und Ingmar Knudsen „Juit“, allerdings nicht im Hinterhof, sondern unter dem Dach von Dr. Oetker. Es ist das „Direct-to-Consumer“-Labor des Bielefelder Riesen, der Versuch, das schmuddelige Image der Tiefkühlpizza gegen gesunde, schockgefrostete High-Tech-Mahlzeiten zu tauschen. Mit Juit setzt Dr. Oetker am Zeitgeist an. Der digitale Vertrieb ermöglicht eine direkte Kundenbindung, ohne dass der Umweg über stationäre Supermarktketten nötig ist. Juit ist der Versuch, technologische Innovation, Datenanalyse und neue Vertriebswege zu vereinen. Dabei ist Juit vor allem ein Zahlenspiel. Die kleinste Box mit sechs Gerichten kostet 56,94 Euro, das sind 9,49 Euro pro Mahlzeit. Wer sich für den Monatsvorrat von 30 Mahlzeiten entscheidet, drückt den Preis auf 7,89 Euro. Trotzdem ist das vergleichsweise teuer.
Marc Sarembe
In Berlin geht Juit einen Schritt weiter und startet seinen ersten Pop-up-Store. Ziel ist es, die Produkte sichtbar zu machen und außerhalb des klassischen E-Commerce zu werben. Kundinnen und Kunden können die Gerichte vor Ort probieren oder zum Lunch vorbeikommen. Geht das Konzept auf, sei auch die Eröffnung weiterer Geschäfte vorstellbar.
Hauptsache schnell
Marc Sarembe
Acht Minuten und 30 Sekunden. So lange dauert die Zubereitung in der Mikrowelle. Es ist eine seltsame Zeitspanne des Stillstands in Berlin-Mitte. „Wer kommt zu euch zum Mittagessen?“, frage ich den Inhaber Serdar, dessen Kollege mich einige Tage zuvor auf der Straße angesprochen hatte. Seine Antwort passt zur Umgebung: „Highperformer“. Ich begebe mich auf die Suche nach „Highperformern“ und schaue mich um. Hinter mir sitzt ein Mann zusammen mit einer Frau am Tisch. Sie reden im Business-Slang über Social Media und Strategien. Kurz nach dem Lunch sind sie schnell wieder aus dem Geschäft, die Zeit drängt. Dann betritt ein weiterer Kunde den Store, Dresscode Business Casual, er wird per Du begrüßt. „Bei uns auf der Arbeit ist das gerade voll das Ding“, erzählt er der Mitarbeiterin und holt seinen Lunch ab. Schnell bezahlen und schon ist er verschwunden. Immer wieder bleiben Passanten vor dem Schaufenster stehen und starren ins Innere. Das Konzept scheint zu polarisieren. Das auffällige Design bewegt die Umgebung, die sonst eher trist erscheint.
Lest auch
Viel Biss, wenig Bums
Acht Minuten 30. Ein „Pling“ beendet das Warten. Besonders appetitlich sieht das Peanut-Chicken auf den ersten Blick nicht aus. Nach dem Abziehen der Folie begegnet mir ein leichter, angenehmer Erdnuss-Geruch. Der erste Bissen überrascht: Das Gemüse ist knackig und schmeckt frisch. Es ist erstaunlich, welche Wirkung das Schockfrosten hat. Die Sauce hat eine angenehme Schärfe. Das Fleisch ist zart und saftig, wenn auch geschmacklich etwas fade. Es fehlt mir an Koch-Basics; die Röstaromen einer Pfanne schmecke ich nicht heraus. Doch im Zusammenspiel mit dem Reis wird die Sache stimmig. Die Portion ist ordentlich: Selbst als bekennender Vielfraß fühle ich mich nach dem Mittagessen gesättigt, auch wenn ich nach einer harten Sporteinheit wohl die teurere XL-Variante wählen müsste.
Regional, antibiotikafrei, gesund – Juit wirft mit den richtigen Schlagworten um sich, um das schlechte Gewissen der Tiefkühl-Käufer zu beruhigen. Doch am Ende bleibt die Frage: Ist das noch Essen oder schlicht Treibstoff? Am Abend finde ich es heraus. Zu Hause hübsch auf dem Porzellan-Teller angerichtet kippt das Gefühl, was ich zuvor im Laden hatte. Es fühlt sich für mich jetzt nicht mehr wie eine reine Nährstoffaufnahme an, sondern vielmehr wird es plötzlich ein Abendessen. Nicht weil es mehr Liebe hätte, sondern weil das Setting stimmt und ich die industrielle Kälte des Stores vergesse. Mit einem Mal funktioniert Juit für mich doch: als Vorrat für stressige Tage, zwei, drei Packungen im Tiefkühlfach, wenn Training und Termine den Abend auffressen.
Lest auch
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenSchnelles Boot statt Bus und Bahn: Was sich von London und New York lernen lässt
-
Social Mediavor 3 WochenCommunity Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
-
Social Mediavor 1 MonatCommunity Management zwischen Reichweite und Verantwortung
-
Künstliche Intelligenzvor 1 Monat
Top 10: Die beste kabellose Überwachungskamera im Test – Akku, WLAN, LTE & Solar
-
UX/UI & Webdesignvor 2 MonatenEindrucksvolle neue Identity für White Ribbon › PAGE online
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenAumovio: neue Displaykonzepte und Zentralrechner mit NXP‑Prozessor
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenÜber 220 m³ Fläche: Neuer Satellit von AST SpaceMobile ist noch größer
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonateneHealth: iOS‑App zeigt Störungen in der Telematikinfrastruktur
