Künstliche Intelligenz
Yale Linus Smart Lock L2 Lite im Test: einfach, praktisch und mit Matter
Einfach nachgerüstet, praktisch mit Fingerprint erweitert und im Alltag überzeugend: Das ist das Yale Linus Smart Lock L2 Lite. Besser als Tedee und Nuki?
Das Yale Linus Smart Lock L2 Lite mit Smart Keypad 2 samt Fingerprint-Sensor ist ein Smart-Lock-Set, das auf einfache Nachrüstung und gute Alltagstauglichkeit setzt. Tür, Schloss und Zylinder bleiben unverändert, der bisherige Schlüssel kann bei kompatiblem Zylinder außen weiter genutzt werden, und das zusätzliche Keypad erweitert den Zugang sinnvoll um PIN und Fingerabdruck. Gegenüber dem teureren Linus L2 spart Yale aber an Ausstattung und Materialqualität. In der Praxis steht das Set damit genau zwischen zwei starken Gegenspielern: dem technisch aufwendigeren und deutlich schnelleren Nuki Smart Lock Pro sowie dem sehr kompakten und oft günstigeren Tedee Go 2.
Design und Verarbeitung
Das Linus Smart Lock L2 Lite wirkt an der Tür deutlich moderner als viele ältere Nachrüstlösungen mit großem Batteriekasten, wie ihn ältere (oder günstige) Nuki-Modelle oder etwa Switchbot verwenden. Yale setzt auf eine kompakte, langgezogene Knaufform wie ein Nuki Smart Lock Pro oder das Tedee Go 2. Das Schloss misst rund 61 mm im Durchmesser und 72 mm in der Tiefe, dazu kommt ein Gewicht von 260 g. Damit ist es angenehm kompakt, das Tedee Go 2 ist aber mit 57 × 63 mm und rund 196 g noch kleiner und leichter. Beim Material merkt man zudem den Unterschied zum teureren Linus L2. Das Lite besteht nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff – das sieht zwar etwas weniger wertig aus, ist aber sauber verarbeitet und wirkt nicht billig.
Das Smart Keypad 2 Fingerprint wird außen angebracht und fällt dort durch seine schwarze Farbgebung und das breite Design eher als manches Konkurrenzprodukt auf. Dafür ist es schön flach. Yale gibt 69 × 122 × 19 mm sowie 142 g Gewicht an. Das Keypad mit Fingerabdrucksensor ist nach IP55 gegen Regen geschützt und wird von vier AAA-Batterien betrieben. Praktisch: Die Tastatur leuchtet bei Annäherung auf, bietet kapazitive Tasten und integriert sogar eine Klingelfunktion – praktisch.
Installation und App
Das L2 Lite wird auf der Innenseite der Tür nachgerüstet, ohne Bohren oder sonstige bleibende Veränderung. Am einfachsten ist es, wenn der Zylinder mindestens 3 mm aus dem Türblatt herausragt, dann kann die beiliegende Adapterplatte direkt am Zylinder festgeschraubt werden. Ansonsten liegt ein Klebepad bei. Die Yale-Home-App führt Schritt für Schritt durch die Installation, allerdings waren bei uns die Videos für jeden Schritt immer für den folgenden Schritt gedacht. Außerdem wurden eher generelle Informationen als speziell für das L2 Lite runtergespult – unschön, aber kein Beinbruch. Anschließend folgt die Kalibrierung, die mit wenigen Handgriffen absolviert ist.
Das Smart Keypad 2 ist ebenfalls schnell montiert. Yale erlaubt die Befestigung mittels Schrauben und Dübel oder mit einem doppelseitigen Klebepad. Wichtig ist nur, dass das Keypad innerhalb der Bluetooth-Reichweite des Schlosses platziert wird und die Batterien zuvor richtig eingelegt sind.
Die Yale-Home-App ist weitestgehend selbsterklärend. Sie ist klar strukturiert, führt überwiegend verständlich durch die Einrichtung und bündelt die wichtigsten Funktionen übersichtlich. Dazu zählen digitale Schlüssel, Zugangsverwaltung, Aktivitätsprotokolle, automatisches Ver- und Entriegeln und die Verwaltung von PIN-Codes. Gerade für Familien, Ferienwohnungen oder wiederkehrende Gäste ist das praktisch. Das Yale Keypad 2 kann bis zu 220 individuelle Codes mit 4 bis 6 Stellen speichern. Das ist für private Nutzung mehr als genug und auch für Vermietungsszenarien brauchbar.
Das Keypad speichert bis zu zehn Fingerabdrücke. Die Daten werden laut Yale verschlüsselt auf dem Keypad gespeichert. Falsche Eingaben führen nach fünf Fehlversuchen zu einer Sperre von fünf Minuten, sowohl bei PIN als auch beim Fingerabdruck. Das ist sinnvoll, auch wenn vermutlich die wenigsten Diebe durch bloßes Ausprobieren von theoretisch 1 Mio. Kombinationsmöglichkeiten versuchen werden, Einlass zu bekommen.
Etwas schade: Das L2 Lite funkt zwar per Bluetooth 5.4 und Matter over Thread. Ohne ConnectX-WiFi-Bridge fehlen ansonsten aber einige Komfortfunktionen. So gibt es ohne Bridge keinen Fernzugriff und unterwegs keine Echtzeit-Benachrichtigungen. Sprachassistenten lassen sich hingegen per Matter über Thread einbinden. Das ist zwar im Alltag weniger bequem als bei Nuki Smart Lock Ultra oder Pro mit integriertem WLAN, dürfte aber dem niedrigen Preis geschuldet sein. Tedee geht einen ähnlichen Weg wie Yale und verlangt für den vollen Fernzugriff ebenfalls eine zusätzliche Bridge.
Beim Datenschutz und bei der Kontosicherheit setzt Yale auf Zwei-Faktor-Authentifizierung und AES-128-Verschlüsselung – bevor die geknackt ist, kann man eher die Tür eintreten. Beim Keypad spricht Yale zusätzlich von verschlüsselter Speicherung der biometrischen Daten. Zusätzlich lässt sich das Schloss in der App mit zusätzlicher Verifikation wie Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder PIN absichern – auch bei aktiver Bluetooth-Verbindung zum Handy mit der App.
Im Alltag
Im täglichen Einsatz macht das Yale-Set durch seine einfache Nutzung vieles richtig. Die Tür lässt sich per App, Fingerabdruck, PIN, manuellem Drehen oder Knopfdruck von innen und weiterhin per Schlüssel von außen bedienen, sofern es der eingebaute Zylinder erlaubt. Das wird übrigens bei der Installation abgefragt und die App empfiehlt, das L2 Lite nicht ohne einen solchen Sicherheitszylinder zu verwenden. Im Alltag ist Key Sense praktisch: Ein kurzer Druck verriegelt oder entriegelt direkt, ein langer Druck verschließt die Tür mit Verzögerung.
Den höchsten Komfort bietet aber das Schloss in Verbindung mit dem Keypad. Finger statt Schlüssel klappt schneller und einfacher als das Hantieren mit dem Smartphone. Die beleuchtete Tastatur hilft bei Dunkelheit, und die eingebaute Klingelfunktion, bei deren Betätigung ein Alarm auf dem Smartphone eingeht, macht das Gerät noch vielseitiger. Diese Funktion ist aber ebenfalls Nutzern mit Wifi-Bridge vorbehalten. Auch bei der Zuverlässigkeit fällt das Bild positiv aus. Nach einfacher Installation, Kalibrierung und Nutzung überzeugt auch die Auto-Unlock-Funktion. Im Testzeitraum klappte das automatische Aufschließen bei Annäherung vorbildlich und so gut wie immer.
Weniger stark ist das Yale beim Öffnungstempo. Es gibt keine frei wählbaren Geschwindigkeitsmodi wie beim Nuki Smart Lock Pro und je nach Schloss kann das Öffnen dann auch schon mal über 5 Sekunden dauern. Was nach wenig klingt, erscheint vor der Tür stehend wie eine halbe Ewigkeit. Zudem ist das L2 Lite mit um 60 dB Lautstärke mäßig laut, aber auch nicht besonders leise. Das Tedee Go 2 ist da noch einmal weniger zu hören.
Die Smart-Home-Einbindung des Yale-Modells ist dagegen stark. Matter over Thread ist in dieser Preisklasse ein echtes Argument, Apple Home, Google Home, Alexa und Samsung Smartthings werden offiziell unterstützt. Damit lässt sich das Schloss flexibler in bestehende Smart-Home-Umgebungen einbinden als viele günstigere Alternativen. Das Tedee Go 2 etwa setzt stärker auf seine Bridge.
Akku
Beim Linus Smart Lock L2 Lite setzt Yale auf drei CR123A-Batterien statt auf einen integrierten Akku – schade, zumal solche speziellen Batterien mit über 1 Euro pro Stück vergleichsweise teuer sind. Modelle wie das Nuki Go erlauben zwar die Verwendung herkömmlicher und günstigerer AA-Batterien, erkaufen diesen Vorteil mit deutlich größeren Maßen. Die Laufzeit beziffert Yale mit bis zu 6 Monaten, abhängig von Nutzung, Anzahl der Umdrehungen pro Schließvorgang, Leichtgängigkeit der Tür und Signalstärke. Das ist ein durchschnittlicher Wert.
Für das Smart Keypad 2 nennt Yale ebenfalls 6 Monate Laufzeit. Hier kommen vier AAA-Batterien zum Einsatz. Das ist deutlich praktischer als spezielle Batterien, umweltschonender wäre aber vermutlich auch hier ein Akku.
Preis
Die UVP für Deutschland liegt beim Yale Linus Smart Lock L2 Lite bei 139 Euro, das Smart Keypad 2 Fingerprint kostet einzeln 129 Euro. Für das Starter-Set nennt Yale regulär 268 Euro. Bei Tink ist es gerade für 260 Euro erhältlich. Damit ist das Set etwas teurer als das etwas kompaktere Tedee Go 2 mit Keypad Pro, das für 250 Euro erhältlich ist. Das Nachrüst-Smart-Lock kostet im Handel knapp 140 Euro, das Smart Keypad 2 Fingerprint ab 105 Euro (Stand: 3/2026).
Fazit
Das Yale Linus Smart Lock L2 Lite mit Smart Keypad 2 Fingerprint ist ein eher pragmatisches Paket. Es ist nicht extrem hochwertig, schnell oder leise, dafür aber zuverlässig und einfach in Installation und Bedienung. Außerdem bietet es viele Optionen in der übersichtlichen App und zum Einbinden in ein Smart-Home-System per Matter über Thread. Gerade zusammen mit dem Fingerprint-Keypad bietet das Set einen echten Mehrwert gegenüber dem Schloss allein, da der Zugang spürbar einfacher und schneller wird. Schade nur, dass Yale zumindest beim Schloss auf teure Spezialbatterien statt Akku setzt.
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Reparieren statt wegwerfen: Das neue EU-Recht auf Reparatur
Jedes Jahr fallen in der Europäischen Union 35 Millionen Tonnen Abfall an, weil Produkte vorzeitig weggeworfen statt repariert werden. Smartphones mit fest verbauten Akkus, Waschmaschinen ohne verfügbare Ersatzteile und Hersteller, die Reparaturen durch Softwaresperren aktiv verhindern – das sind Symptome eines Problems, dessen Konsequenzen für unsere Ressourcen, etwa seltene Erden, aber auch für das Klima erheblich sind. Die EU hat darauf mit der Richtlinie (EU) 2024/1799 über das Recht auf Reparatur reagiert, kurz R2R-Richtlinie. Sie ist seit dem 30. Juli 2024 in Kraft und wird ab Juli 2026 wirksam. R2R leite sich vom Englischen „Right to Repair“ ab.
Die Richtlinie ist eingebettet in den europäischen Green Deal, den Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft, und die bereits seit 2009 geltende Ökodesign-Richtlinie, die sukzessive um Reparierbarkeitsanforderungen erweitert wurde. Hinzu kommt die Ökodesign-Verordnung von 2024, die den Rahmen für nachhaltige Produktanforderungen weiter ausdehnt. Das Recht auf Reparatur zielt damit nicht isoliert auf Verbraucherschutz, sondern ist Teil einer kohärenten europäischen Produktpolitik, die Langlebigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft als gleichrangige Ziele neben dem Binnenmarkt etabliert.
- Das Recht auf Reparatur ist Teil einer größeren EU-Strategie, die auf Langlebigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft zielt.
- Die Richtlinie verpflichtet Hersteller dazu, Produkte über die gesetzliche Gewährleistungspflicht hinaus zu reparieren und Reparaturen nicht durch entsprechende Praktiken zu erschweren oder zu verhindern.
- Händler, auch Onlineshops, sind durch veränderte Gewährleistungsansprüche und Informationspflichten betroffen.
- Zwei Instrumente sollen der Richtlinie zum Erfolg verhelfen: eine Onlineplattform, die über Reparaturstellen in der Nähe der Verbraucher informiert, und ein einheitliches europäisches Reparaturformular, das standardisierte Angaben zur Preisberechnungsgrundlage, Reparaturdauer, Ersatzteilverfügbarkeit et cetera enthält.

Tobias Haar ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt IT-Recht bei Vogel & Partner in Karlsruhe. Er hat zudem Rechtsinformatik studiert und hält einen MBA.
Nach intensiven Verhandlungen zwischen Kommission, Rat und Europäischem Parlament wurde die R2R-Richtlinie am 13. Juni 2024 beschlossen und trat am 30. Juli 2024 in Kraft. Als Richtlinie gilt sie nicht wie eine Verordnung unmittelbar, sondern muss durch die Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Bis zum 31. Juli 2026 haben sie dafür Zeit. Versäumt ein Mitgliedsstaat diese Frist, droht ein Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission, das im weiteren Verlauf unter anderem zur Festsetzung von Zwangsgeldern führen kann. Verbraucher können in dem Fall einen direkten Anspruch gegen den verkaufenden Unternehmer geltend machen, weil dann eine Richtlinie ausnahmsweise direkt gilt. Aber nur, wenn die Richtlinie ausreichend klar ist, damit sie direkt angewendet werden kann.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Reparieren statt wegwerfen: Das neue EU-Recht auf Reparatur“.
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Thunderbird: Webmail-Alpha kommt im nächsten Monat
Thunderbird hat nach den ersten gestaffelten Einladungen für seinen Maildienst Thundermail die Roadmap angepasst. Im Zentrum steht jetzt Webmail: Die Browseroberfläche war nach Angaben der Entwickler der mit Abstand meistgewünschte Punkt aus der Community und soll bereits im kommenden Monat als frühe Alpha-Version erscheinen. Parallel arbeitet Thunderbird an einer Zwei-Faktor-Authentifizierung, an einer zuverlässigeren Mailzustellung und an einem einfacheren Einstieg für neue Nutzer.
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Thunderbird Pro heißt jetzt Thundermail
Mit der Umbenennung schärft das Projekt auch die Außendarstellung. Thunderbird Pro war bislang der Sammelname für die bezahlten Dienste rund um Thundermail, Appointment und Send. Künftig soll der Name Thundermail den eigentlichen E-Mail-Dienst stärker in den Vordergrund rücken. Gleichzeitig betonen die Entwickler erneut, dass die Thunderbird-Anwendungen für Desktop und Mobil unverändert frei und mit beliebigen Mailkonten nutzbar bleiben.
Aus Sicht des Projekts hat das frühe Nutzerfeedback vor allem drei Dinge bestätigt: Eigene Domains und unbegrenzte Domain-Aliase sind für viele Anwender ein wichtiges Kaufargument, die Offenheit gegenüber anderen Mail-Apps kommt gut an, und Kalender sowie Kontakte werden offenbar noch nicht ausreichend als Bestandteil des Angebots wahrgenommen. Außerdem hat Thunderbird Funktionen wie DNSSEC und DANE auf die Roadmap gesetzt. DNSSEC schützt DNS-Antworten vor Manipulation, DANE verknüpft TLS-Zertifikate stärker mit DNS-Einträgen.
Webmail rückt nun deutlich weiter nach vorn als ursprünglich geplant. Thunderbird hatte die Funktion zwar grundsätzlich vorgesehen, viele Nutzer erwarteten sie aber schon zum Start. Die frühe Alpha soll im nächsten Monat kommen. Für Beta-Tester bedeutet das zunächst eine noch unfertige Oberfläche, aber auch die Möglichkeit, das neue Bedienmodell früh zu testen und mitzuprägen.
Auch bei der Anmeldung und beim ersten Einrichten will Thunderbird nachbessern. Das betrifft vor allem den Onboarding-Prozess, also die ersten Schritte nach der Registrierung. Hinzu kommen Arbeiten an der Zustellbarkeit: Das Team spricht von Feinarbeit an Mailservern und Spamfiltern, um den Versand und Empfang stabiler zu machen.
Bei den Zusatzdiensten Send und Appointment bleibt es bei kontinuierlichen Verbesserungen. Send soll enger mit Thundermail verzahnt werden und Ende-zu-Ende-verschlüsselte Dateianhänge ohne separates Add-on bieten. Appointment, das Terminplanungswerkzeug, bekommt einen vereinfachten Registrierungsablauf, eine Ein-Klick-Anbindung an den Thundermail-Kalender und eine überarbeitete Kalenderansicht.
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Preise und Optionen
Für die nächste Phase kündigt Thunderbird außerdem weitere Preisstufen und auch einzeln buchbare Optionen an. Diese sollen allerdings erst nach dem Beta-Status und mit dem öffentlichen Start von Thundermail kommen. Bis dahin wollen die Entwickler weiter Rückmeldungen aus der Early-Bird-Gruppe auswerten und die Prioritäten entsprechend verschieben. Details hierzu finden sich im aktuellen Statusreport des Projekts.
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(fo)
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Spuren von Cyberangriffen führen oft nach Russland
Deutschland ist nach Einschätzung eines Cybersicherheits-Experten im europäischen Vergleich das am stärksten von Ransomware-Angriffen betroffene Land. Spuren von Cyberkriminellen führten zudem häufig nach Russland, sagte der Cyber-Fachmann Christian Dörr vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Dort kommen heute Vertreter von Sicherheitsbehörden zu einer Konferenz für nationale Cybersicherheit zusammen, darunter das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz.
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Bei Ransomware-Angriffen handelt es sich um Schadsoftware, die Daten und Systeme verschlüsselt. Ziel der Cyberkriminellen ist es, Lösegeld zu erpressen.
Größerer Zuwachs bei Ransomware-Attacken
„Deutschland ist europaweit der Hotspot für Ransomware“, sagte Dörr. Der Zuwachs dieser Angriffe sei fast doppelt so groß wie im zweitstärksten betroffenen EU-Land Frankreich. „Lösegeldforderungen der Kriminellen liegen im Schnitt bei Hunderttausenden von Euro. Dazu kommt die wochenlange Ausfallzeit, bis wieder alles läuft. Das kann ein Unternehmen in den Konkurs zwingen.“
Dörr: Deutschland hängt bei Sicherheit hinterher
Was sind Gründe dafür? Da es in Deutschland zahlreiche hochinnovative Unternehmen und Weltmarktführer gebe, ließen sich wertvolle Informationen erbeuten, sagte Dörr. Gleichzeitig hapert es ihm zufolge in Deutschland am Bewusstsein für Cybersicherheit. „Wir hängen seit vielen Jahren in weltweiten Vergleichen hinterher.“
„Aktuell sehen wir die größte prozentuale Zunahme bei Angriffen auf die öffentliche Verwaltung, hier ist es strukturell besonders schwierig, gute Cybersicherheit zu machen“, sagte der Cybersicherheits-Experte.
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Krankenhaus wegen sensibler Daten Angriffsziel
Gerade im Gesundheitsbereich seien Lösegeldzahlungen mit Abstand am höchsten, sagt Dörr. Der Grund: Kriminelle erbeuteten nicht nur Geschäftsdaten, sondern auch sensible Gesundheitsdaten von Patienten. Diese seien auf dem Schwarzmarkt besonders viel wert und Patienten könnten damit noch einmal zusätzlich erpresst werden. NIS2 und das KRITIS-Dachgesetz sollen den Schutz von Kliniken und Rettungsdiensten vor solchen Angriffen künftig verbessern.
Ransomware-Attacken legten in der Vergangenheit Krankenhäuser, Kommunalverwaltungen und Verkehrsbetriebe vorübergehend lahm. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schätzt die Bedrohung durch immer neue Schadprogramme und Varianten als hoch ein. Die europäische Cybersicherheitsbehörde Enisa warnt in ihrem aktuellen NIS360-Bericht über wachsende Risiken in kritischen Infrastrukturen vor ähnlichen Entwicklungen.
Im vergangenen Jahr wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) bundesweit 1041 Fälle von Ransomware-Angriffen und anderen Formen von mit Erpressung verbundenem Datendiebstahl angezeigt. 2024 waren es 950 Anzeigen.
Russland als sicherer Hafen für Cyberkriminelle
Cyberkriminalität sei ein globales Geschäft, aber die Spuren führten sehr häufig nach Russland, sagte der HPI-Experte. Dort gebe es „wenig Risiko für eine Strafverfolgung und Auslieferung“, solange sich die Kriminellen ihre Opfer außerhalb Russlands suchten.
In den vergangenen Jahren lasse sich eine zunehmende Verquickung von Cyberkriminellen und staatlichen Akteuren beobachten. „Zum einen, weil Staaten dies als zusätzliche Einnahmequelle für sich entdeckt haben, zum anderen aber auch, weil Täter aus den Reihen der offensiven Cyberkrieger dieser Länder stammen und sich nach Dienstschluss ‚noch etwas dazu verdienen‘ können.“
(dmk)
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