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Wie man eins wird als Stadt: Mit bliggit samt eigenem Markencharakter › PAGE online


Bliggit ist eine Service-App, die zeigt, wie vielfältig und engagiert das Angebot der Stadt im Bergischen Land ist, wie man sich trifft, den Alltag plant, wo man Push-Up-Nachrichten zu Pollen oder Spritpreisen bekommt – und das alles ist mit einem quirligen Markencharakter versehen, der alle anspricht.

Wie man eins wird als Stadt: Mit bliggit samt eigenem Markencharakter › PAGE online

Auf so einen Namen muss man als Start-up erstmal kommen. bliggit! Abgeleitet ist es von »auf einen Bligg« und bliggit könnte man dann vielleicht als »Blicke es« interpretieren.

Und in Wuppertal im Bergischen Land, das sich mit der App gut und informativ aufgestellt hat, wird sie sowieso den meisten dort ein Begriff sein mit ihren mehr als 55.000 aktiven Nutzer:innen und 650 lokalen Partnern.

Bliggit ist ein Start-up der Wuppertaler Stadtwerke und der Sparkasse Wuppertal, das, orientiert an digitalen Vorreitern wie Estland, eine App entwickelt ha, die ein breites Spektrum an Bedürfnissen abdeckt.

Diese reichen von Veranstaltungen zu Vereinen, von Community Events zu Push-up-Nachrichten zur Intensität bestimmter Pollen, die man vorher ausgewählt hat, Terminen der Müllabfuhr und anderer städtischer Services, und auch der Einzelhandel, Restaurants und Cafés kommen nicht zu kurz.

Rund und bunt

Bliggit zeigt, was Wuppertal mit seinen etwas mehr als 350.000 Einwohner:innen zu bieten hat, die Stadt der Schwebebahn, des Avantgarde-Tanztheaters von Pina Bausch, dem Skulpturenpark Waldfrieden und eben vielem, vielem mehr.

Sie unterstützt, auf die Stadt, in der man lebt, stolz zu sein, sich um sie zu kümmern, engagiert zu sein.

Das Angebot, was eine breite Zielgruppe ansprechen soll, funktioniert auf Augenhöhe. Mit einer Schrift, die durch ihre kugelrunden Buchstabeninnenräume, durch seine Punzen, freundlich und ansprechend ist und dazu ist es mit einem Logo versehen, das wie ein Auge und eine Sprechblase zugleich wirkt.

Markencharakter für alle!

Zentral ist, dass jetzt auch ein eigener Markencharakter hinzugekommen ist. Entwickelt wurde er von Bartosz Dronkas BART – Designbüro für Bewegtbild und Illustration, das ebenfalls in Wuppertal zu Hause ist.

Bliggi, wie der Charakter heißt, wurde direkt vom Logo abgeleitet. Auf einen Körper hat Bartosz Dronka verzichtet, setzt stattdessen auf fröhliche Farben lediglich auf frei schwebende Hände und Füße.

Diese lassen in der Gestaltung größtmögliche Freiheit und versehen den Charakter zudem weder mit einem Geschlecht noch anderen Zuschreibungen, sondern mit größtmöglicher Offenheit.

Im Zentrum steht seine maximale Flexibilität, dass er über alle Kommunikationskanäle hinweg funktioniert, in allen Größen und Umgebungen: analog und digital, als Key-Visual auf Plakaten, in den sozialen Kanälen, auf Merchandise, Video-Content, auf Messen – und als Live-Maskottchen.

Bisher sieht man bliggi beim Tanken, im Supermarkt und in öffentlichen Verkehrsmitteln, bliggi vergnügt sich im Kino und wird von Icons begleitet, die von Schulranzen zu Würstchen, Pommes, Pilzen und 3D-Brillen reichen – und dazu wird der Markencharakter in beständiger Weiterentwicklung sein. Und das alles komplett KI-frei wie es von BART heißt.



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Interview mit Zamina Ahmad zu fairer KI › PAGE online


Wir sprechen vor dem German Creative Economy Summit mit AI-Expertin Zamina Ahmad über faire KI und die Gestaltungskraft der Kreativbranche.

Interview mit Zamina Ahmad zu fairer KI › PAGE onlineDer German Creative Economy Summit steht vor der Tür – eines unserer liebsten Events für Design im politischen und gesellschaftlichen Kontext. Wir sprechen im Vorfeld mit AI-Expertin Zamina Ahmad, die als Geschäftsführerin der KI-Beratung shades&contrast und Co-Founderin von ZAQ, einer Software für KI-basiertes Wissensmanagement, Unternehmen in der Tech-Transformation berät.

Zamina beschäftigt sich dabei nicht nur mit allen Themen rund um Machine Learning und Softwareentwicklung, sondern ist mehrfach ausgezeichnet für ihr Engagement für faire KI. Auf den GCES spricht sie am 29. April darüber, für wen KI eigentlich entwickelt wird, und stellt drei Designprinzipien für KI mit echtem gesellschaftlichem Nutzen vor.

PAGE: Zamina, mehrere Jahre AI im Business sind vergangen und laut dir sind wir längst aus der Phase des Experimentierens heraus. Wo befinden wir uns aktuell?

Zamina Ahmad: Das Bild ist uneinheitlich. Ich arbeite mit einem AI Maturity Model auf drei Stufen, und was ich bei meinen Kund:innen sehe: Einige stecken auf Level 1, der Toolphase, fest. Sie nutzen KI-Tools wie ChatGPT, aber es gibt keine Governance, keine Datenschutzrichtlinien, keine organisatorische Einbettung.

Andere beginnen mit Level 2, der Prozessoptimierung. Aber sie merken schnell, dass das nicht nur ein Tool-Thema ist. Prozesse und Rollen müssen komplett neu gedacht werden, und dafür fehlt die Begleitung. Auf Level 3, der strategischen Transformation, sind die wenigsten. Das sind vor allem Tech-Unternehmen, die sich die radikale Frage stellen: Wie stellen wir uns als Organisation komplett neu auf? Das Experimentieren ist vorbei. Aber die Transformation hat bei den meisten noch nicht begonnen.

Die meisten Unternehmen stecken in der AI Adoption noch im Optimieren bestehender Workflows fest. Wie lässt sich der Schritt hin zu wirklicher Transformation umsetzen?

Ganz pragmatisch: Die Enthusiast:innen finden. In jeder Organisation gibt es Menschen, die nicht nur optimieren, sondern neu denken wollen. Die starten, bevor jemand den Auftrag gibt. Mit denen fängt Transformation an, nicht mit Strategiepapieren. Und dann mache ich gerne eine Übung, die ich die Startup-Übung nenne: Stellt euch vor, ihr wärt ein Startup. Kein Legacy, keine Altlasten, kein »Das haben wir immer so gemacht.« Ihr könnt alles von null aufbauen, mit KI von Tag eins. Wie würdet ihr euer eigenes Unternehmen überholen? Das ist der Moment, in dem Teams aufhören zu optimieren und anfangen zu transformieren. Die Frage ist dann nicht mehr »Wo können wir KI einbauen?«, sondern »Wie würde jemand uns disrupten?«

Welche Themen beschäftigen deine Kund:innen aktuell am stärksten?

Themen, die in fast jedem Gespräch auftauchen: KI tatsächlich in die Prozesse bekommen, nicht als Spielerei, sondern operativ. Die Use-Case-Frage: Wo lohnt es sich wirklich, und wo ist es Hype? Datenschutz und Governance – gerade in Deutschland ein Dauerbrenner. Die Tool- und Kompetenzfrage: Was brauchen unsere Teams, um das selbst zu können? Und unterschätzt, aber enorm wichtig: die persönliche Karrierefrage. Wie positioniere ich mich als AI Leader? Viele Führungskräfte spüren, dass sich ihr Rollenprofil gerade fundamental verschiebt, und wollen nicht nur ihre Organisation, sondern auch sich selbst zukunftsfähig aufstellen.

AI-Impact wird gerne in prozentualem Productivity-Increase gemessen. Was bedeutet das konkret? Und gibt es genauere Wege, um die Wirkung von KI zu messen und sichtbar zu machen?

Die »30 Prozent produktiver«-Schlagzeilen sind verführerisch, aber oft irreführend. Wenn ein Designteam mit KI doppelt so viele Entwürfe produziert, aber keiner davon besser ist, haben wir nichts gewonnen, sondern nur »AI Slop« erzeugt. Ich empfehle, drei Ebenen zu messen: Effizienz, also Zeitersparnis und Durchsatz. Qualität: Werden die Ergebnisse besser, konsistenter, fehlerfreier? Und strategischer Impact: Ermöglicht KI etwas, das vorher gar nicht möglich war?

Die Kreativwirtschaft ist brillant im Geschichtenerzählen, z. B. Wirkung emotional zu vermitteln. Aber wenn wir KI für gesellschaftlichen Wandel einsetzen, reicht Storytelling allein nicht. Wir brauchen auch Evidenz. Das muss nicht akademisch sein – es kann so einfach sein wie: »Wir haben diesen Service mit 200 Nutzer:innen getestet und festgestellt, dass eine bestimmte Gruppe nur halb so oft eine hilfreiche Antwort bekommt.« Das ist eine Impact-Messung. Mein Appell: Ergänzt eure Impact-Geschichten mit Impact-Daten. Eine gute Geschichte öffnet Türen. Gute Daten halten sie offen.

AI & Kreativbranche

Wer profitiert aktuell am stärksten von KI? Wer verliert am meisten?

Am stärksten profitieren diejenigen, die Qualität bewerten können – die wissen, was guter Output ist, und strategisches Denken mit dem verbinden, was KI liefert. Erfahrene Designer:innen, Strateg:innen, Creative Directors, die KI nicht als Ersatz nutzen, sondern als Verstärker ihrer Urteilsfähigkeit.

Am meisten verlieren diejenigen, deren Arbeit primär in der Ausführung liegt, ohne eigene strategische oder kreative Tiefe. Und es verlieren die, die in den Trainingsdaten nicht vorkommen. KI reproduziert, was sie gelernt hat. Ein Empfehlungssystem, das bestimmte Kulturangebote bevorzugt, weil die Trainingsdaten sie überrepräsentieren. Ein Chatbot für Betroffenen-Support, der bestimmte Sprachregister nicht versteht. Die Oberfläche glänzt, aber der Impact hat blinde Flecken. Wer in den Daten unsichtbar ist, wird durch KI-generierte Arbeit noch unsichtbarer.

Du beschreibst KI als nicht neutral, da sie systemische Vorurteile und Machtverhältnisse reproduziert. Wie lässt sich dieses Problem beheben?

Es lässt sich nicht mit einem Fix beheben, weil es kein Bug ist – es ist ein Strukturproblem. Es muss kontinuierlich gemanagt werden. Mein Ansatz: Transparenz, d. h. verstehen, welche Annahmen in den Systemen stecken und wie sie Entscheidungen treffen. Diversität, d. h. nicht nur in Teams, sondern in Daten, in Evaluierungskriterien, in den Stimmen, die gehört werden. Und Verantwortungsbewusstsein, d. h. jemand muss verantwortlich sein, wenn Fehler passieren und diese dann beheben. Nicht ein Algorithmus, sondern ein Mensch.

In der AI-Entwicklung und -Adoption gibt es eine Gender Gap. Hat das Thema für deine Unternehmenskunden Relevanz – und wie versuchen sie das Problem zu lösen?

Die Relevanz wächst, aber bei vielen ist es noch nicht auf Priorität eins. In meinen Workshops wird der Gender Gap oft erst sichtbar, wenn wir konkret mit KI-Tools arbeiten. Die Unternehmen, die das Thema ernst nehmen, investieren gezielt in Upskilling-Programme.

Welche Menschen möchtest du stärker in der KI-Entwicklung involviert sehen?

Menschen, die wissen, wie die Welt für diejenigen aussieht, die nicht am Tisch sitzen. Sozialarbeiter:innen, Pflegekräfte, Lehrer:innen, Community Organizer:innen. Menschen aus dem Globalen Süden. Menschen mit Behinderungen. Nicht als Berater:innen am Rand, sondern als Mitentscheider:innen.

Ein konkretes Beispiel: In Deutschland sind über zehn Millionen Menschen auf Informationen in Leichter Sprache angewiesen – Menschen mit Lernschwierigkeiten, ältere Menschen, Menschen mit Deutsch als Fremdsprache. Ich arbeite mit der Universität Hamburg und der Lebenshilfe Hamburg daran, dass feingetunete Open-Source-Modelle diese Übersetzung leisten können. Die Betroffenen sollten hier selbst am Tisch sitzen, nicht als Testpersonen, sondern als Expert:innen ihrer eigenen Bedarfe. Das ist Teilhabe durch Technologie.

Wie genau kann KI gesellschaftlich positiven Wandel anstoßen?

Zwei konkrete Wege. Erstens Teilhabe skalieren: KI kann Leichte Sprache erzeugen, Farbkontraste automatisch prüfen, Alt-Texte generieren, Layouts auf Lesbarkeit testen. Barrierefreiheit wird vom Sonderwunsch zum Default. Das betrifft jedes Designstudio, jede Agentur, jede Kulturinstitution.

Zweitens Zugang ermöglichen: Ein kleines Studio kann heute mit KI Themen betreiben, die früher nur Konzernen möglich waren. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – nicht die Technologie ist die Innovation. Die Innovation ist die Entscheidung, sie für eine bestimmte Gruppe und ein bestimmtes Problem einzusetzen. Technologie hat keine Absicht. Die Absicht kommt von uns.

Welche Rolle spielen Designer:innen bei einer verantwortungsbewussten KI-Adoption?

Eine zentrale, denn Designer:innen sind trainiert darin, vom Menschen aus zu denken. In der Tech-Industrie wird gerade massiv in KI-Governance investiert – Compliance-Prozesse, Ethics Boards. Wichtig und notwendig. Aber diese Arbeit findet oft in einem Vakuum statt, weit weg von den Menschen, für die die Systeme gebaut werden. Die Kreativwirtschaft arbeitet in diesem Vakuum nicht. Ihr habt etwas, das die Tech-Industrie mit keinem Budget kaufen kann: echte Nähe zu euren Communities. Erfahrung in partizipativem Design, in Ko-Kreation, in der Arbeit mit diversen Gruppen. Das ist kein Soft Skill. Das ist ein strategischer Vorteil.

Geht Responsible AI in der Kreativbranche überhaupt – mit so vielen offenen Fragen rund um Urheberrecht, Umwelt und die oft unerfüllte gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen?

Responsible AI heißt nicht, perfekte Antworten zu haben. Es heißt, die richtigen Fragen konsequent zu stellen und transparent damit umzugehen, was man noch nicht weiß. In der Kreativbranche bedeutet das: Offenlegen, wo KI eingesetzt wurde. Sich mit der Urheberrechtsfrage auseinandersetzen, statt sie zu ignorieren. Den ökologischen Fußabdruck mitdenken. Wer ernsthaft anfängt, muss nicht perfekt sein, aber konsequent.

What´s next?

Kannst du uns einen Ausblick auf deine Designprinzipien für KI mit gesellschaftlichem Nutzen geben?

Ich arbeite mit zwei Kernprinzipien und einem Appell. Prinzip eins: Entscheide, für wen du baust, bevor du entscheidest, was du baust. Der Flaschenhals bei KI war nie das Bauen. Er war immer das Entscheiden. Die allermeisten KI-Projekte beginnen mit der Technologie: „Wir haben jetzt ein LLM, was machen wir damit?” Das ist der falsche Startpunkt. Impact-Projekte beginnen mit einem Menschen. Wer hat ein Problem, das wir lösen können? Wer wird gerade nicht erreicht? Und dann, genauso wichtig: Für wen bauen wir das bewusst nicht – und ist das in Ordnung? Prinzip zwei: Miss deinen Impact, nicht nur deinen Output. Fairness in KI ist kein Problem, das man einmal löst. Es ist ein Spannungsfeld, das kontinuierlich gemanagt werden muss. Ergänzt eure Impact-Geschichten mit Impact-Daten. Und der Appell: Die Kreativwirtschaft muss Fair AI nicht von der Tech-Industrie lernen. Sie kann es besser, wenn sie den Anspruch, den sie an analoges Design stellt, auch an digitale Systeme stellt.

Schwarz-weißes Grafikmotiv mit horizontalen Linien und dem Schriftzug „PAGE AI Newsletter“. Darunter steht „Jetzt hier lesen und gratis abonnieren“. Links und rechts am Rand ist jeweils „PAGE“ bzw. „NEWS“ vertikal gesetzt.



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Manchmal braucht es nur einen Satz! › PAGE online


Aufhören zu scrollen und ins IRL, ins Real Life, eintauchen, dazu ruft die verblüffende Guerilla-Aktion von Fred & Farid für das Luxuslabel Marc-Antoine Barrois Paris auf, das jetzt seine erste Dependance in New York City eröffnet hat.

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Marc-Antoine Barrois stammt aus einer Familie, die einen Namen in der französischen Textilindustrie hat. Er lernte das Handwerk von der Pike an, Nähen inklusive, arbeitete später mit Jean-Paul Gaultier zusammen – und eröffnete 2013 in Paris seine erste eigene Modeboutique.

Luxus, aber reduziert und schlicht, zeichnet seinen Stil, seine Couture und Accessoires aus und auch die Parfums, die er mit dem gefeierten Parfümeur Quentin Bisch entwickelt.

Jetzt hat er seine erste Boutique in New York City eröffnet – und das mit einer Kampagne von Fred & Farid. Und diese ist genauso reduziert, wie Marc-Antoine Barrois Couture es ist.

Erleben statt scrollen

»IRL is better« oder auch »IRL is so much better« heißt es darin, in real life, das wahre Leben nämlich. Das, was man berühren, fühlen, riechen und erleben kann. Nicht das digitale Double, nicht die Online-Welt.

Deswegen heißt es auf anderen Plakaten auch »Stop scrolling«. Ganz schlicht alles, schwarz auf weiß und mit dezenten Serifen, die den Claim von dem cleanen Wortlogo abheben.

In einer für ein luxuriöses Modehaus wirklich verblüffenden Guerilla-Aktion wurden die Botschaften in New York City plakatiert. Und mehr staunen konnte man noch über das »IRL is better«-Banner, mit dem ein Sportflugzeug über der Metropole seine Kreise zog.

»Stop scrolling«

Luxus lasse sich nur im echten Austausch erleben, heißt es. Und ein schöner ironischer Sidekick ist, dass die Kampagne dennoch auch in den Social Media ausgespielt wurde  – und dort zum »IRL«, das die Kreativen dem Jugendslang entlehnt haben, und zum »Stop scrolling« aufrief.

Stattdessen soll man in das Leben selbst eintauchen, in die Gegenwart, die Gemeinschaft mit anderen, fühlen und erleben.

Und das natürlich am besten in der 120 Wooster Street, in SoHo, New York, wo sich das Maison MARC-ANTOINE BARROIS jetzt zu den anderen hochkarätigen Brands gesellt hat.

 

 

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Das Coachella für Designer und die Ehrfurcht vor dem Zelt › PAGE online


Seit 25 Jahren zieht die OFFF Kreative aus der ganzen Welt an. Felix Damerius ist nicht nur ECD der Peter Schmidt Group und kuratiert Typo-Trends für PAGE, sondern steht in diesem Jahr in Barcelona auf der Festivalbühne. Vorher ist für ihn aber noch Zeit, um erste Eindrücke zu sammeln.

Das Coachella für Designer und die Ehrfurcht vor dem Zelt › PAGE online
Seit vielen Jahren kommt Felix Damerius zur OFFF nach Barcelona – diesmal ist er als Speaker dabei. Bild: PSG

Es ist die Veranstaltung, zu der jeder Designer einmal im Leben hinwill: die OFFF in Barcelona. 2001 begann sie als »Online Flash Film Festival« – daher der Name. Und auch wenn Flash als Technologie längst gestorben ist, bleibt die OFFF ein Magnet für Designer. Ein Ort des Austauschs und der Inspiration mit Vorträgen und Workshops, die die gesamte Bandbreite der Gestaltungsdisziplinen abbilden: Grafik, Branding, Motion, Sound, Kunst, Architektur und mehr. Das Programm ist sorgfältig kuratiert; Slots werden nicht verkauft, sondern Speaker gezielt ausgewählt. Daher fühlt es sich fast schon wie ein Ritterschlag an, hier in diesem Jahr selbst auf der Bühne zu stehen.

Am Samstag ist es soweit. Bin ich aufgeregt? Klar – denn wann spricht man schon mal vor tausend Leuten! Aber fast noch mehr Respekt habe ich vor dem Ort: Die »Beat Stage« ist ein Zelt auf dem Dach und als ich im vergangenen Jahr als Besucher zu Gast war, hatte ich Mitleid mit allen Speakern, die dort in der glühenden Hitze Kataloniens auch noch das Scheinwerferlicht abbekamen. Schon im Publikum fand ich es unfassbar heiß.

Inspirierendes Kontrastprogramm

Aber darum soll es hier nicht gehen, denn bis Samstag habe ich zum Glück noch Zeit, im Besuchermodus über die OFFF zu streifen. Einige Highlights, die ich mir fest vorgenommen habe: Foreal, teamLab, Base Design und Stockholm Design Lab. Natürlich auch JKR oder Wieden & Kennedy, aber beide habe ich schon einmal gesehen. Ansonsten gilt das, was die meisten hier machen: Das Programm auf den Bühnen überlappt sich zeitlich etwas und so spült es einen mal hier hin, mal dort hinein. Und manchmal bleibt man einfach sitzen, weil man einen guten Platz ergattert hat oder die Beine schwer sind. Oft kommt es so zu einem ungeplanten Kontrastprogramm: Am Donnerstag startete ich mit der Keynote von Uncommon ins Festival. Nils Leonard zeigte, wie man aus den Essenresten einer Party eine Bakterienkultur züchten kann, die dann wiederum zum ästhetischen Kampagnenlook der diesjährigen OFFF wurde.

Ein Referent steht auf einer Bühne hinter einem Pult und präsentiert vor einer großen LED-Wand. Die Bildschirme zeigen farbenfrohe, grafische Arbeiten und Typografie, darunter Schlüssel-Illustrationen und Layouts. Im Vordergrund sitzt Publikum, während die moderne Halle mit langen Lichtleisten an der Decke eine klare, technische Atmosphäre schafft.
Nils Leonard von Uncommon präsentiert die Geschichte hinter dem OFFF Branding 2026. Bild: PSG

Sein Vortrag war zugleich aber auch eine Therapiestunde für alle Designer im Raum: Geballte Haltung, in bolden Statements auf Charts platziert. Ein Appell an Mut und Abgerotzheit – das gefiel dem Publikum und so passierte dasselbe, wie in den Jahren zuvor: Die Smartphones gehen nach oben und jedes Statement wird abfotografiert. Manchmal sind also auch wir Designer anfällig für Text.

Ein Referent steht auf einer Bühne hinter einem pinken Rednerpult und präsentiert vor mehreren großen Bildschirmen. Auf den Displays ist eine Stofftasche mit der Aufschrift „Stop wanging on about A.I. and make some good work.“ zu sehen. Die moderne Veranstaltungshalle ist mit langen Lichtleisten an der Decke ausgestattet, im Vordergrund sitzt das Publikum und verfolgt den Vortrag.Bild: PSG

Und danach? Kamen Alex Lampe and Benji Wiedemann auf die Bühne. Ihr Vortrag war fast schon akademisch, eine Folienparade aus Stadtplänen und der Auseinandersetzung mit den Charakteristika von Metropolen. Auch spannend – aber eben total anders. Ist KI in diesem Jahr ein Thema? Selbstverständlich. Aber eher nebenbei. Und eigentlich sind sich bislang alle einig: Wir unterhalten uns über ihre Leistungsstärke als Tool – aber auch darüber, dass sie ohne menschliche Ideen keinen Mehrwert bringt.

Zwei Referenten stehen auf einer Bühne und präsentieren vor einer großen, mehrteiligen LED-Wand mit zahlreichen Bildern, Grafiken und Designbeispielen. Die Screens zeigen Collagen aus Architektur, Typografie und visuellen Elementen in kräftigen Farben. Im Vordergrund sitzt das Publikum und verfolgt den Vortrag, während die moderne Halle mit langen Lichtleisten an der Decke beleuchtet ist.
Benji Wiedemann und Alex Lampe auf der Roots Stage. Bild: PSG

Ein herrlich inklusiver Ort

Zwischendrin geht es nach draußen an Stände voller Kunst und Merch. Und auch der Ort selbst, der Disseny Hub, wird zur Kunst: Ab 21 Uhr wandelt sich die Außenfassade in eine Projektionsfläche, das »The Screen« Mapping, und featuret, immer wechselnd, kuratierte und eingesendete Arbeiten von Motion Designern aus aller Welt. Etablierte Artists aber auch unbekannte Designer bekommen die Chance, ihre Projekte auf der großen Betonleinwand zu zeigen. Die OFFF wird überall auf dem Gelände zum Treffpunkt, an dem man sich zu dem Erlebten austauschen und den Tag Revue passieren zu lassen. Die zwei Bildschirme auf dem Wasser zeigen, was innen passiert. So können Vorträge auch komplett kostenlos, ohne Ticket verfolgt werden. Inklusiver geht es nicht – und löst auch in diesem Jahr ein bekanntes Gefühl aus: Es fühlt sich verdammt richtig an, wieder nach Barcelona gekommen zu sein.

Belebter Außenbereich eines Design-Events mit vielen Menschen auf Treppenstufen und entlang eines Wasserbeckens. Besucher:innen sitzen, stehen oder gehen über mehrere Ebenen eines modernen Gebäudekomplexes. Im Vordergrund gibt es eine kleine Café- und Marktfläche mit Tischen, Stühlen und Ständen, darunter ein Bereich mit der Beschriftung „La Plaza Design Market“. Bäume spenden Schatten, die Szene wirkt sonnig, offen und lebendig.
Die Leinwände draußen bieten auch Besuchern ohne Ticket die Möglichkeit, die Vorträge zu verfolgen. Bild: PSG

 

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