Digital Business & Startups
Qdrant bekommt 50 Millionen – Airmo sammelt 5 Millionen ein – heycare erhält 4 Millionen
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ DeepTech-Startup Qdrant bekommt 50 Millionen +++ SpaceTech Airmo sammelt 5 Millionen ein +++ HealthTech heycare erhält 4 Millionen +++ Another Earth bekommt 3,5 Millionen +++ Remi Health sammelt 3 Millionen ein +++ Neuramancer streicht 1,7 Millionen ein +++

Im #DealMonitor für den 12. März werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
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INVESTMENTS
Qdrant
+++ Der französische DeepTech-Investor AVP, Bosch Ventures, Unusual Ventures, Spark Capital und 42CAP investiere 50 Millionen US-Dollar in Qdrant. Das Berliner Unternehmen, das 2021 von Andre Zayarni und Andrey Vasnetsov gegründet wurde, entwickelt eine Open-Source-Vektorsuchmaschine. „With Qdrant, embeddings or neural network encoders can be turned into full-fledged applications for matching, searching, recommending, and much more“, heißt es zum Konzept. Unternehmen wie Tripadvisor, HubSpot und Bosch setzte bereits auf Qdrant. Spark Capital, Unusual Ventures und 42CAP investierten zuletzt 28 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. Insgesamt flossen nun schon bereits über 85 Millionen in Qdrant. Der US-Geldgeber Unusual Ventures hielt zuletzt 18,2 % am Unternehmen. Auf 42CAP aus München entfielen zuletzt 16,5 %. Mehr über Qdrant
Airmo
+++ Ananda Impact Ventures, Unconventional Ventures, kopa ventures, Desai Ventures, Hypernova / New Venture Securities, Matthias Fackler and Francesco Starache sowie die Altinvestoren Antler, Findus Ventures, E2MC und Pilabs investieren 5 Millionen Euro in Airmo. Das Climate- und SpaceTech aus Weßling, von Daria Stepanova und Pavels Razmajevs gegründet, befasst sich mit dem Messen von CO2-Emissionen aus dem Weltraum. Findus Venture, Ananda Impact Ventures, Pi Labs, E2MC, Antler, Seriengründerin Anna Alex, Rainer Horn und die ESA investierten zuvor bereits 5,2 Millionen Euro indie Jungfirma. Mehr über Airmo
heycare
+++ Der Osnabrücker Early Stage-Investor Scalehouse Capital und Swiss Post Ventures investieren in einer „Extended Seed Runde“ rund 4 Millionen Euro in heycare (früher als heynanny bzw. heynannyly bekannt). Das Startup aus Höchstadt, 2022 von Anna Schneider und Julia Kahle gegründet, positioniert sich als „Plattform für Mitarbeitergesundheit, mit Fokus auf mentale Gesundheit, körperliches Wohlbefinden und familiäre Entlastung“. Das frische Kapital soll insbesondere in den Ausbau des Teams fließen. Unternehmen wie Daimler Truck, Douglas und Vaillant setzen bereits auf das Unternehmen. Scalehouse Capital hält nun 6,2 % an heycare. Auf Swiss Post Ventures entfallen 4,7 %. Zuvor sammelte das Team mehr als 1,6 Millionen ein. Mehr über heycare
Another Earth
+++ Der Dubliner Early-Stage-Investor Wake-Up Capital, Rockstart, Inovexus, Stamco, FFG Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und Austria Wirtschaftsservice (AWS) investieren 3,5 Millionen Euro in Another Earth. Das Wiener SpaceTech, 2024 von Maya Pindeus und Felix Geremus gegründet, entwickeltKI-gestützte Simulationen und synthetische Daten für die Erdbeobachtung. „This funding marks a pivotal moment for us – moving from deep technical R&D to commercial scaling“, teilt das Team mit. Mehr über Another Earth
Remi Health
+++ Der Berliner Geldgeber IBB Ventures, Catalpa Ventures, MSD Global Health Innovation Fund und Business Angels wie Arend Lars Iven investieren 3 Millionen in Remi Health. Insgesamt sammelte das Unternehmen nun bereits 5 Millionen ein. Das HealthTech aus Berlin, 2021 von Marvin Abert, Anthony Bielenstein, André Lange und Philipp Henneberg gegründet, möchte sich als „Diagnostics-as-a-Service platform“ etablieren. Zur Idee schreibt das Team: „Operating across multiple European markets, Remi Health partners with leading laboratories and combines decentralised collection, lab connectivity, regulatory compliance, medical oversight, and digital patient experiences into one scalable solution.“ Mehr über Remi Health
Neuramancer
+++ Der Münchener Frühphasen-Investor Vanagon Ventures, Bayern Kapital, ZOHO.VC, das Family Office Lightfield Equity und Business Angels investieren 1,7 Millionen Euro in Neuramancer (ehemals Neuraforge). Das Startup aus Rosenheim, 2024 von Anika Gruner und Anatol Maier gegründet, entwickelt eine proprietäre Deepfake-Erkennungstechnologie. „Neuramancers forensische Analyseberichte erklären klar, wie und wo Medien manipuliert wurden, und liefern Hinweise für gezielte Betrugsbekämpfung“, heißt es zum Konzept. Mehr über Neuramancer
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Foto (oben): azrael74
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Warum ausländische Top-Talente von Deutschland ausgebremst werden
Deutschland zieht immer mehr internationale Tech-Talente an. Doch die Blue Card verhindert oft, dass diese Experten selbst Startups gründen, sagt Antler-Partner Alan Poensgen.
Alan Poensgen ist Partner beim global aktiven Early-Stage VC Antler, einer der größten Frühphasen-Investoren der Welt mit mehr als 1000 Startup-Investments. In diesem Beitrag erklärt er, warum das deutsche Visa-System internationale Tech-Talente ausbremst, die in Deutschland Startups gründen wollen.
Deutschland – und Berlin ganz besonders – ist zu einem der weltweit stärksten Magneten für internationales Tech-Talent geworden. Das wird viel zu selten gesagt, deshalb sage ich es hier deutlich: Die Qualität und Zahl der internationalen Engineers und Operators, die nach Berlin kommen, hat sich im vergangenen Jahrzehnt grundlegend verändert.
Über 100.000 Blue Card-Inhaber in Deutschland
Als wir 2012 für Rocket Internet einen Software-Engineering-Hub mit 200 Leuten in Berlin aufgebaut haben, hatten wir vielleicht eine Handvoll Ingenieure aus Indien. Indian Institute of Technology (IIT)-Absolventen – die im Silicon Valley einen überproportionalen Anteil der wertvollsten Unternehmen aufgebaut haben – gab es quasi nicht in Berlin. Heute ist das anders. Die letzten verfügbaren Zahlen aus 2023 zeigen rund 113.500 Blue Card-Inhaber in Deutschland – mehr als das Doppelte der Zahl von 2018 und knapp 80 Prozent aller in Europa ausgestellten Blue Cards.
Das ist eine echte Erfolgsgeschichte. Wir als Land der notorischen Nörgler sollten stolz darauf sein.
Und trotzdem führe ich jede einzelne Woche dasselbe Gespräch. Ein internationales Top-Talent, das bei einem Tech-Unternehmen in Deutschland arbeitet, erzählt mir, dass er oder sie in Berlin gründen will. Die Idee steht, die Mitgründer sind bereit, es sind Ersparnisse da, um das Risiko zu tragen. Und dann kommt die Frage: Kann ich das tun, ohne meinen Aufenthaltsstatus zu riskieren?
In den meisten Fällen lautet die ehrliche Antwort: nicht ohne Weiteres.
Warum das Blue Card-System nicht auf Gründung ausgelegt ist
Die Blue Card basiert auf einer einzigen Annahme – dass ihr Inhaber fest angestellt ist und ein Gehalt bezieht. In dem Moment, in dem jemand ein Unternehmen aufbauen will, statt einem beizutreten, bricht das System zusammen.
Wer seinen Job kündigt, um zu gründen, hat ungefähr drei Monate Zeit, eine neue qualifizierende Beschäftigung zu finden, bevor der Aufenthaltsstatus gefährdet ist. Drei Monate. Das reicht nicht, um eine Gesellschaft zu gründen, Mitgründer aufzusetzen, irgendetwas zu bauen und erstes Kapital einzusammeln, um sich dann über die neue Firma selbst anzustellen. Und wer eigenes Kapital in die Firma einbringt, wäre dann gezwungen, sich selbst ein Mindestgehalt von rund 50.000 Euro zu zahlen – und darauf Steuern zu zahlen. Auf das eigene Geld. Gelinde gesagt absurd.
Die Alternativen sind in der Praxis nicht besser. Der Wechsel auf eine Aufenthaltserlaubnis zur selbständigen Tätigkeit dauert häufig über ein Jahr und wird von der IHK nach Kriterien beurteilt, die für Bäckereien und Beratungsfirmen gedacht sind – nicht für Unternehmen, die über Jahre Verluste schreiben, bevor sie skalieren. Die Niederlassungserlaubnis dauert Jahre und setzt B1-Deutsch voraus — eine seltsame Eintrittskarte für eine Stadt, die ein globaler Tech-Hub sein will.
Und nein: Warten ist keine Lösung. Gründen ist kein Karriereschritt, den man auf einen Einwanderungszeitplan legt. Der Moment ist da oder er ist vorbei – das Team zerfällt, der Markt bewegt sich, die Risikobereitschaft ist endlich. Bis die Niederlassungserlaubnis kommt, hat sich das Fenster geschlossen. Die meisten bleiben angestellt. Einige versuchen nebenbei zu bauen – fast nichts davon wird etwas. Die Entschlossensten verlassen Deutschland.
Das ist eine tragische Verschwendung einer Chance, die Deutschland über ein Jahrzehnt aufgebaut hat. Und es passiert genau zum falschen Zeitpunkt.
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Die USA verschärfen Visa-Regelungen und werden als Ziel für internationales Talent unberechenbarer. London hat seit dem Brexit an relativer Attraktivität verloren. Innerhalb Europas ist Berlin der Default: die internationalste, englischsprachigste, Startup-dichteste Stadt des Kontinents. Deutschland hat gerade ein echtes – und zeitlich begrenztes – Fenster, um der Standardstandort für Tech-Unternehmertum im Westen zu werden. Aktuell nutzen wir dieses Fenster dafür, viele unserer besten potenziellen Gründer vor die Tür zu setzen.
Die gute Nachricht: Das lässt sich lösen. Und nicht alles davon erfordert Bundesgesetzgebung oder jahrelange EU-Prozesse.
Gründer-Schalter, englischsprachige Leitfäden, mehr Vorlauf
Einiges davon ist schlicht eine Frage der Anwendung bestehender Regeln. Es gibt schon heute Wege, und die lokale Verwaltung hat mehr Spielraum, als sie derzeit konsequent nutzt. Die Forderung ist nicht radikal: ein dedizierter Gründer-Schalter beim Landesamt für Einwanderung, klare englischsprachige Leitfäden und verlässliche Ergebnisse, auf die Gründer sich im Voraus einstellen können.
Die größeren Hebel erfordern politischen Willen auf Bundes- oder EU-Ebene: mehr Vorlauf, bevor der Aufenthaltsstatus gefährdet ist, und Gehaltsanforderungen, die in der Gründungsphase Sinn ergeben.
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In den USA haben Gründer der ersten Einwanderergeneration einen überproportionalen Anteil der wertvollsten Technologieunternehmen des Landes aufgebaut. Dieses Talent sucht jetzt nach einem anderen Ort. Deutschland hat es. Berlin hat es. Das Fenster ist offen – das Talent ist bereits hier und die Alternativen werden schwächer. Wenn wir das richtig machen, profitieren wir davon über Jahrzehnte.
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foodforecast – und Lebensmittel bleiben frisch
#StartupsToWatch
Bei foodforecast dreht sich alles um ultrafrische Lebensmittel. Kürzlich sammelt das Startup, dessen Geschichte bereits bis 2018 zurückreicht, 8 Millionen ein. Das Team aus dem Rheinland setzt nun die Segel in andere europäische Länder.

Zu den vielen Startups, die man unbedingt im Blick behalten sollte, gehört das millionenschwere Kölner Startup foodforecast. Das Kölner Startup, 2018 von Justus Lauten als werksta.tt gegründet, setzt Künstliche Intelligenz zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung ein.
Zuletzt erlebte das Unternehmen, das seit 2022 als foodforecast unterwegs ist, einen ziemlichen Schub. Der niederländische Impact-Investor SHIFT Invest, European Circular Bioeconomy Fund (ECBF), Future Food Fund und Aeronaut Invest investierten kürzlich 8 Millionen Euro in das Unternehmen.
„Diese Series-A-Finanzierungsrunde stellt einen wichtigen Meilenstein für Foodforecast dar. Unser Anspruch ist es, grundlegend neu zu denken, wie ultrafrische Lebensmittel geplant und produziert werden. Mit unseren neuen Investoren sind wir bereit, unsere Technologie international zu skalieren und neue Maßstäbe bei Planung, Effizienz und Nachhaltigkeit zu setzen“, sagt Gründer Justus Lauten.
Das Team aus dem Rheinland setzt somit nun die Segel in andere europäische Länder. Ziel dabei ist es, „die Nutzung sowohl bei KMU als auch bei Enterprise-Kunden in der Gastronomie, bei Bäckereiketten und im Lebensmitteleinzelhandel weiter zu skalieren“.
„Foodforecast zeichnet sich durch eine seltene Kombination aus Ambition, Marktverständnis und Umsetzungskraft aus. Das Team adressiert ein großes strukturelles Problem in ultra-frischen Lebensmittel-Lieferketten mit einer KI-Lösung, die sowohl hochentwickelt als auch einfach zu implementieren ist. Diese Balance verschafft Foodforecast eine hervorragende Ausgangsposition für skalierbares, internationales Wachstum“, meint Thijs Gitmans von SHIFT Invest. SHIFT hält nun rund 14,6 % an foodforecast.
Scalehouse Capital, Future Food Fund, Blue Horizon Ventures, Aeronaut Invest und Co. investierten vor der aktuellen Investmentrunde bereits 3 Millionen Euro in foodforecast.
Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness
In unserem Themenschwerpunkt Köln beleuchten wir das dynamische Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind die Bedingungen für Gründer:innen, welche Investitionen fließen in innovative Ideen und welche Startups setzen neue Impulse? Rund 800 Startups haben Köln bereits als ihren Standort gewählt – unterstützt von einer lebendigen Gründerszene, einer starken Investor:innen-Landschaft sowie zahlreichen Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents. Als zentrale Anlaufstelle für die Startup- und Innovationsszene stärkt die KölnBusiness Wirtschaftsförderung die Rahmenbedingungen für Gründer:innen, vernetzt sie mit Investor:innen und bietet gezielte Unterstützung. Diese Rubrik wird unterstützt von KölnBusiness. #Koelnbusiness auf LinkedIn, Facebook und Instagram.

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Foto (oben): Shutterstock
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Diese 15-Jährige ist eine der jüngsten Gründerinnen Deutschlands
Bibifotima Zukhurova ist 15, kommt aus Harsewinkel bei Bielefeld, entwickelt eine Finanzbildungsplattform für Gen Z – und das parallel zur Schule. Ihre Plattform sei „vom Prinzip her wie Duolingo, nur geht es nicht um Sprachen, sondern um Geld“, sagt sie.
Ihren Alltag beschreibt die junge Gründerin so: Morgens um sechs klingelt ihr Wecker. Um sieben beginnt die Schule. Der Unterricht dauert meist bis 15 Uhr. „Danach ist eigentlich die ganze Zeit Startup angesagt“, sagt sie. Dazwischen: Essen, Sport, Zeit mit der Familie. Meist arbeitet Zukhurova bis 20 oder 21 Uhr – manchmal sogar noch länger, wie uns die Gründerin erzählt.
In diesem Jahr stehen für die 15-Jährige auch ihre Abschlussprüfungen an. Damit Schule und Startup-Gründung funktionieren, strukturiert sie ihren Alltag konsequent. Zukhurova arbeitet mit Time-Blocking, einer Methode, die ihr aus der Startup-Szene empfohlen wurde, sagt sie. Ihre Termine organisiert sie über Notion, gekoppelt mit Google- und Apple-Kalender. Zusätzlich nutzt sie eine Erinnerungs-App. Alles ist miteinander verbunden. „Die verschiedenen Systeme sind integriert, weil mir das alles sonst zu viel wäre“, erklärt sie. Ohne diese Struktur würde ihr Alltag nicht funktionieren.
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Nebenbei noch studieren?
Zusätzlich zu Schule und Startup studiert Zukhurova als Jungstudentin Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bielefeld. Sie ist dort als Gasthörerin eingeschrieben und besucht Einführungsmodule in BWL und VWL. „Ich habe Zugang zu den ganzen Folien und Ressourcen und bringe mir eigentlich das meiste selbst zu Hause bei“, sagt sie.
Zeitlich ordnet sie das Studium hinter Schule und Startup ein. Klausuren kann sie mitschreiben, muss es aber nicht. Die Vorlesungen legt sie bewusst in ruhigere Phasen, in denen weder Schulprüfungen noch wichtige Startup-Termine anstehen. Hausaufgaben erledigt sie möglichst schon in der Schule, um sich nachmittags auf ihr Unternehmen konzentrieren zu können, sagt Zukhurova.
Das ständige Wechseln zwischen Matheunterricht, Businessmodell und Gesprächen mit Freundinnen empfindet sie nicht als Belastung. „Ich brauche ein bisschen Diversität im Alltag“, sagt sie. Sich den ganzen Tag nur mit einem einzigen Thema zu beschäftigen, fällt ihr schwerer. Die unterschiedlichen Themenblöcke helfen ihr, konzentriert zu bleiben.
Zwischen Pausenhof und Pitchdeck
Trotzdem bewegt sie sich täglich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Welten. In der Schule ist sie „eine ganz normale 15-Jährige“, wie sie sagt. Dort ist sie einfach Bibi. In der Startup-Szene dagegen ist sie meist die Jüngste im Raum.
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Sie sei anfangs davon ausgegangen, dass dort automatisch auf Augenhöhe gesprochen werde. „Deswegen war das eher ein Rücktritt von meinen Erwartungen“, sagt sie rückblickend. Manchmal sei ihr das Gefühl gegeben worden, „dass ich nicht richtig mitreden kann oder darf, weil ich noch zu unerfahren bin“. Niemand sage das offen, „aber man merkt es“. Statt klarer Kritik seien es eher indirekte Kontrollfragen gewesen. Situationen, in denen sie gespürt habe, dass man testen wollte, wie viel sie wirklich weiß.
Durch einen Pitch vor größerem Publikum habe sich dieses Bild verschoben. Nach ihrer Präsentation sei ihr gesagt worden, man habe ihr diese Professionalität nicht zugetraut. Seitdem werde sie anders wahrgenommen. Bei all dem gehe es ihr dabei weniger ums Beweisen, sondern darum, ernst genommen zu werden.
Vom dritten Platz zum Dämpfer
Ein prägender Moment war die Teilnahme an der Westfalen-Challenge von Startup Teens, einem Gründungswettbewerb für Jugendliche. Dort erreichte sie auf regionaler Ebene den dritten Platz.
Für Zukhurova war es dann der logische nächste Schritt, an der bundesweiten Challenge teilzunehmen. Wochenlang überarbeitete sie ihren Businessplan, machte ihn detaillierter und strukturierter. Bei der nationalen Runde schaffte sie es jedoch nicht unter die Top 5 und war somit nicht im Finale. „Ich habe da wirklich viel Zeit investiert, und als dann die Absage kam, war das schon hart“, sagt sie.
Nach dem Erfolg auf regionaler Ebene habe sie mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet. Die Enttäuschung traf sie stärker, als sie erwartet hatte, sagt sie. Das habe ihr nochmals gezeigt, wie stark sie schon in ihr Startup involviert ist.
Plötzlich Verantwortung
Seit rund einem Jahr bewegt sich Zukhurova in einer Welt, in der die meisten Gründer zehn oder zwanzig Jahre älter sind. Wettbewerbe, Konferenzen, Netzwerktreffen gehören inzwischen zu ihrem Alltag. Anfangs habe sich das wie eine neue, spannende Parallelwelt angefühlt. Doch irgendwann wurde ihr klar, dass Gründen mehr ist als Pitchdecks und Ideen. „Da passiert auch rechtlich ganz viel oder man muss bestimmte Pflichten erfüllen“, sagt sie.
Mit jedem Wettbewerb, jedem Programm wurde das Projekt verbindlicher. Verträge, Fristen, Strukturen – all das sind Dinge, mit denen sich die meisten in ihrem Alter noch nicht beschäftigen. Der Schritt vom Ausprobieren zur Verantwortung kam schleichend, aber spürbar.
Woher der Druck wirklich kommt
Von außen sieht man Bühnen, Programme, Netzwerke. Zukhurova pitcht vor Jurys, engagiert sich zusätzlich bei Initiativen wie dem Female Entrepreneurship Summit oder „Startup in School“ und war Teil des achtwöchigen Inkubators von Young Founders Network mit Finale in Stuttgart.
Der Druck entsteht jedoch weniger durch einzelne Events als durch das Zusammenspiel vieler Faktoren, sagt sie. Da ist ihr eigener Ehrgeiz. Da sind Erwartungen, die mit jeder Teilnahme an Wettbewerben oder Programmen wachsen. „Ich bin sehr ehrgeizig und möchte meine Ziele erreichen“, sagt die 15-Jährige. Und da sei eine Startup-Kultur, die oft suggeriere, man müsse ständig erreichbar sein und möglichst wenig schlafen.
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Sie merkt schnell, wenn sie an ihre Grenzen kommt, sagt Zukhurova. „Wenn ich zwei Stunden weniger schlafe, merke ich das am nächsten Tag vollkommen.“ Deswegen versucht sie Pausen einzuhalten, auch wenn wichtige Calls oder Deadlines es ihr nicht immer leicht machen.
Und dann ist da FOMO, allerdings nicht im klassischen Sinn. „FOMO begleitet mich täglich“, sagt sie. Gemeint ist weniger die verpasste Party als das ständige Abwägen von Prioritäten. Jede Stunde für das Startup ist eine Stunde, die sie nicht anders verbringt. Sie treffe diese Entscheidung bewusst, sagt sie, doch das Gefühl, parallel etwas anderes zu verpassen, bleibe.
Theoretisch könne sie jederzeit aufhören. „Ich könnte morgen sagen, ich stoppe das Ganze.“ Praktisch aber ist das Projekt längst mehr als ein Hobby. Morgen früh um sechs wird ihr Wecker wieder klingeln.
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