Digital Business & Startups
„Es hat sich lange nicht richtig angefühlt, Geld aus der eigenen Firma zu nehmen“
In unserer Reihe zeigen Gründerinnen und Gründer, wann sie sich ihr erstes Gehalt ausgezahlt haben, wie hoch es war – und warum sie genau diesen Zeitpunkt ausgewählt haben. Hier erzählt: Alexander Valtingojer, Mitgründer des Startups Heizma.
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Mit KI: 20-Jähriger baut 150.000-Dollar-Kuchen-Startup – ohne Coding-Skills
Er kann nicht programmieren – und baut trotzdem ein Startup mit 150.000 Dollar Umsatz. Sein Produkt: Kuchen.
William Lindholm ist 20 Jahre alt, kann nicht programmieren und hat trotzdem ein Software-Startup gebaut. Sein Tool: Vibe-Coding mit Lovable. Sein Produkt: Kuchen.
Im September 2025 startet er „Daymaker“ – eine Plattform, die Firmengeburtstage automatisiert. Vier Monate später steht das Startup laut eigenen Angaben bei 150.000 Dollar ARR. Der ARR ist der wiederkehrende Jahresumsatz eines Startups. Und Vibe Coding heißt: Du baust Software, ohne programmieren zu können. Statt Code zu schreiben, sagst du einem Tool wie Lovable einfach, was du willst – und die KI baut es für dich.
Wie kam er auf die Idee für das Kuchen-Business?
Auf einer Konferenz beobachtet Lindholm ein Muster: Unternehmen scheitern nicht an Strategie oder Budget – sondern daran, Geburtstage sauber zu organisieren. Kuchen bestellen, Allergien berücksichtigen, rechtzeitig liefern. Klingt simpel, ist es aber nicht.
Aus dieser Beobachtung entstand das erste Konzept für „Daymaker“: Die Plattform sollte Firmenfeiern planbarer machen – mit einer Mischung aus klassischem Bäckereigeschäft, Lieferung in Kombination mit Software. Zusammen mit seinem Co-Gründer Simon Dieu (CCO – „Chief of Cakes“) setzte er im Sommer 2025 auf Cold Calls. So stellten sie ihr Geschäftsmodell mehr als 100 Executives vor, darunter auch KPMG.
CaaS – Cake as a Service
Und so funktionierte es: Unternehmen konnten entweder die Geburtstagsdaten direkt bei Daymaker hochladen oder ihr HR-System verbinden – inklusive Präferenzen wie Ernährungsweise oder Allergien. Einmalig wurden Angaben zu bevorzugter Kuchengröße, Glückwünschen und Lieferart gemacht. Anschließend automatisierte das Startup alles: Geburtstagserinnerungen, Bestellungen und die Lieferung des Kuchens zur Feier.
Mittlerweile besteht das Startup-Team von Daymaker aus drei Personen, aber keiner von ihnen hatte vorher technische Erfahrung. Lindholm selbst habe sich um Tech gekümmert: „Nachts habe ich programmiert, tagsüber Kuchen geliefert“, erzählt er.
Für die Kuchen kooperierte das Startup zunächst mit einem Konditor in Oslo, der die Kuchen backte. Drei Monate lang ging das so – inklusive schlafloser Nächte. „Ich habe das komplette Backend gebaut – die Tabellen, alles, was dafür sorgt, dass die Kuchen fließen.“ Er stellt auch klar: „Wir wollen kein Kuchenhersteller sein. Wir wollen ein Technologieunternehmen sein.“
Dass das allein mit Vibe-Coding möglich war, habe selbst seinen Mentor überrascht, „einen echten Deep-Tech-Typen“, wie Lindholm sagt.
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Lindholms Erfolgsrezept
Sein Erfolgsrezept verrät er Gründerszene: „Lerne zu verkaufen, lerne zu entwickeln. Wenn du beides kannst, bist du nicht mehr aufzuhalten.“
Seine zwei wichtigsten Sales-Tipps: Sei freundlich und rede über Dinge, die dich mit dem Gesprächspartner verbinden. Sein Learning: „Menschen reden gerne über sich selbst.“
150.000 Dollar ARR und Pivot in wenigen Monaten
In nur vier Monaten erreichte Daymaker damit laut eigenen Angaben einen ARR von 150.000 Dollar. Das Startup konnte inzwischen auch Angel-Investoren überzeugen: Die erste Finanzierungsrunde brachte über 100.000 Dollar ein.
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Jetzt will das Startup den nächsten Schritt wagen, weg vom Geburtstagsgeschäft hin zu Kundenakquise. Damit will Daymaker international expandieren, wie Gründer William Lindholm gegenüber Gründerszene verrät. Dafür ist er derzeit im Silicon Valley. Dort betreibt er Kundenakquise mit Kuchen – zuletzt besuchte er dort die VCs Andreessen Horowitz, Sequoia Capital, Lightspeed, Better Tomorrow Ventures und Index Ventures, erzählt er.
Der Kuchen-Fokus bleibe also vorerst: Lindholm ist überzeugt, dass personalisiertes und physisches Marketing die Zukunft sei, wie mit Backwaren. Und genau das sei die Stärke von Daymarker. Damit will das Startup Kaltakquise-E-Mails und Co. ablösen. Lindholm nennt es: Coldcaking.
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Leute filmen sich beim Müllrausbringen – und werden dafür bezahlt
Avi Patel ist der 22-jährige Gründer von Kled AI, einem Startup aus San Francisco, das persönliche Daten von ganz normalen Menschen kauft und weiterverkauft, um KI zu trainieren.
Patel brach 2021 sein Studium nach nur zwei Wochen ab, um Gründer zu werden. Während er ein Startup für Musiklizenzen leitete, wurde Patel mit Anfragen nach KI-Trainingsdaten überschwemmt – und entschied sich, eine Plattform aufzubauen, um diese bereitzustellen.
Heute bezahlt Kled AI Menschen dafür, dass sie Videos von sich selbst beim Müll rausbringen oder Fotos von Schlaglöchern auf einer Straße einsenden. Diese Daten werden dann an Robotik- und Selbstfahrauto-Unternehmen weiterverkauft, damit diese ihre eigene KI verbessern können.
Kled AI ist zwar weltweit verfügbar, besonders beliebt ist es jedoch in Ländern wie den Philippinen, wo zusätzliche 20 bis 40 Dollar im Monat allein für das Hochladen von Fotos einen größeren Unterschied machen, sagt Patel.
Das Startup gehört zu einer neuen Gruppe von KI-Trainings-Startups, die den boomenden Bedarf an Daten decken, um die neuesten und besten KI-Systeme anzutreiben.
Der folgende Text basiert auf einem Gespräch mit Patel, das aus Gründen der Länge und Verständlichkeit redaktionell bearbeitet wurde:
Ich habe das College nach zwei Wochen abgebrochen
Ich studierte Informatik an der University of Illinois, aber ich mochte die Uni einfach nicht. Also habe ich abgebrochen und sofort ein Unternehmen gegründet.
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Mein erstes Unternehmen befasste sich mit Musiklizenzen. Wir bauten einen Marktplatz auf, auf dem Künstler ihre Musik hochladen und Unternehmen diese sofort lizenzieren konnten. Wir hatten Hunderte Millionen von Songs, aber das Geschäft lief nicht wirklich. Der Umgang mit Plattenfirmen war einfach zu kostspielig.
Gleichzeitig erhielt ich immer wieder Anfragen nach Daten. Unternehmen, die KI-Modelle entwickelten, fragten, ob wir Trainingsdaten hätten. Da wurde mir klar, dass dies eine viel größere Chance war.
Die meisten Daten wurden gesammelt, ohne dass die Menschen dafür bezahlt wurden
Zunächst probierten wir ein einfaches Modell aus – wir kauften Inhalte von Produktionsfirmen und verkauften sie weiter. Das war langweilig. Es war einfach nur ein Verkaufsgeschäft.
Also dachte ich mir: Warum nicht stattdessen Daten direkt von den Menschen sammeln? Genau das macht Kled AI. Wir haben eine App entwickelt, in der jeder Fotos, Videos oder andere Daten hochladen und dafür bezahlt werden kann.
Die meisten Unternehmen sammeln heute eure Daten, ohne euch dafür zu bezahlen. Wir versuchen, das umzukehren. Die Menschen laden die Daten freiwillig hoch, und wir bezahlen sie dafür.
Wir bitten die Leute um ganz bestimmte Daten
Der entscheidende Unterschied ist, dass wir nicht einfach beliebige Daten sammeln. Wir vergeben Aufgaben.
Wir bitten jemanden vielleicht, ein Video davon zu machen, wie er den Müll rausbringt. Das ist nützlich für die Robotik.
Wir bitten jemanden, ein Foto von einer Essenslieferung vor seiner Haustür zu machen. Das hilft bei Liefer- und Kartierungssystemen.
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Oder wir bitten die Leute, zwei Fotos derselben Szene zu machen – eines mit einem Objekt, eines ohne. Das ist nützlich für Bildbearbeitungsprogramme.
Da wir steuern, was die Nutzer hochladen, sind die Daten von viel höherer Qualität. Außerdem lassen wir nur Fotos von Personen zu, die neuere iPhones verwenden.
Die App hat in Entwicklungsländern einen großen Erfolg
Wir sind vor etwa zwei Monaten gestartet. Die App erreichte Platz 1 im App Store in Malaysia und wurde in Ländern wie den Philippinen und Indonesien zum Hit. Wir haben mittlerweile über 200.000 Nutzer und erhalten täglich etwa fünf Millionen Uploads.
Viele unserer Nutzer kommen aus Ländern mit niedrigerem Einkommen. In Malaysia zum Beispiel verdient unser durchschnittlicher Nutzer 20 bis 40 Dollar im Monat, indem er einfach nur gelegentlich Fotos hochlädt. Unsere Top-Nutzer verdienen rund 2.000 Dollar.
Wir zahlen weltweit die gleichen Tarife. Ich möchte, dass jeder eine faire Chance hat.
Einige Nutzer machen dies zu einem Vollzeitjob
Einer unserer Top-Verdiener ist ein Lkw-Fahrer in den USA. Er hat mehrere Kameras an seinem Lkw und lädt den ganzen Tag über Filmmaterial hoch – dazu Fotos von Schlaglöchern, Baustellen und anderen Dingen, die er sieht. Diese Daten werden dann an Unternehmen für selbstfahrende Autos und andere weiterverkauft.
Er verdient etwa 7.400 Dollar im Monat. Er hat sein Einkommen im Grunde genommen verdoppelt, nur indem er Daten hochlädt. Genau das möchte ich erreichen – eine Möglichkeit für normale Menschen, von der KI-Wirtschaft zu profitieren.
KI ist nur ein Teil des Marktes
Derzeit sind die meisten unserer Kunden KI- und Robotikunternehmen. Aber ich glaube eigentlich, dass KI nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten ist.
Es gibt einen viel größeren Markt bei Hedgefonds, Verbrauchermarken und Regierungen, die bereits Billionen für Daten ausgeben. Ein Großteil dieser Daten wurde in der Vergangenheit ohne Zustimmung gesammelt oder entnommen.
Unternehmen würden viel lieber für hochwertige, mit Einwilligung erhobene Daten bezahlen.
Wir haben gerade 6,5 Millionen Dollar aufgebracht, um dies auszubauen
Wir haben kürzlich 6,5 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 150 Millionen Dollar eingesammelt. Wir werden von Waymo-Gründer Sebastian Thrun, dem Risikokapitalfonds des französischen Milliardärs Bernard Arnault und anderen unterstützt.
Die Finanzierung fließt in den Aufbau von Betrugserkennungssystemen – im Grunde genommen geht es darum, sicherzustellen, dass die hochgeladenen Daten tatsächlich der jeweiligen Aufgabe entsprechen. Wir arbeiten bereits mit mehreren führenden KI-Labors zusammen.
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Ich glaube, dass irgendwann jeder seine Daten verkaufen wird
Mit der Zeit wird das meiner Meinung nach viel passiver ablaufen.
Man könnte zum Beispiel sein Spotify- oder Netflix-Konto verknüpfen und je nach Nutzung bezahlt werden. Hedgefonds würden für solche Daten viel bezahlen. Die Leute könnten ihre Abonnements allein durch das Teilen von Nutzungsdaten finanzieren.
Im Moment sind wir ein Team von elf Leuten. Aber ich glaube, das kann noch viel größer werden.
Für mich ist das Ziel einfach: Anstatt dass Unternehmen deine Daten kostenlos nutzen, solltest du damit Geld verdienen können.
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Enpal: Alle Zugänge kurz nach Bekanntgabe gesperrt – fast 100 Mitarbeiter entlassen
An einem sonnigen Dienstag versammeln sich am Berliner Standort des Energie-Startups Enpal knapp 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem Townhall-Meeting. Ein Meeting, bei dem alle Angestellten in einem großen Raum zusammenkommen. Mit dabei ist die Geschäftsführung der Enpal Customer GmbH, also des Kundenservices. Während einige denken, dass es sich um eine Routineveranstaltung handelt, wird schnell klar, dass es das letzte Meeting für die Anwesenden bei Enpal ist.
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