Datenschutz & Sicherheit
Microsoft Edge: Passwörter landen als Klartext im Speicher
Passwort-Manager sollen helfen, Zugangsdaten geschützt und sicher abzulegen und dabei Nutzerinnen und Nutzern die „Merkarbeit“ abnehmen. Dabei können die praktischen Helferlein auch noch Gerätegrenzen sprengen und die Zugangsdaten auf dem Smartphone und Desktop und Laptop gleichermaßen verwalten. Dazu liegen sie in der Regel Ende-zu-Ende-verschlüsselt in der Cloud. Auch im Speicher sollten die Passwörter nur für kurze Zeit entschlüsselt liegen. Hier patzt Microsofts Passwort-Manager im Edge-Browser jedoch.
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In einem Post auf X macht Tom Jøran Sønstebyseter Rønning auf das Problem aufmerksam. Ein einfacher Test bestätigt die Schwachstelle. Bei aktiviertem Passwort-Manager in Microsoft Edge haben wir ein Konto mit dem Kennwort „Klartext-PW-Test“ angelegt. Um diese Daten einzusehen, abzurufen oder zu ändern, verlangt Microsoft Edge nach einer Authentifizierung mit Windows Hello. Damit wirken die Daten gut geschützt.
Für die Überprüfung haben wir den Browser geschlossen und Microsoft Edge neu gestartet. Edge hat dabei nur die eigene Startseite angezeigt. Nun lässt sich mit dem Taskmanager ein Speicherabbild des Browsers erstellen. Rund 670 MByte landeten dabei auf dem Laufwerk. Hier drin lieferte eine einfache Suche mit einem Hex-Editor nach „Klartext“ das ganze „Klartext-PW-Test“-Passwort zurück – das Passwort wurde noch nicht einmal verwendet, ist aber im Klartext im Speicher.
Unsichere Passwort-Haltung
Derartiger Umgang mit Passwörtern im Prozessspeicher ist seit Langem nicht mehr Stand der Technik. Nach gängigen Sicherheitskonzepten sollten Passwörter erst zum Zeitpunkt des Gebrauchs entschlüsselt und sehr kurz darauf auch wieder aus dem Speicher gelöscht werden. Dass Microsoft hier sogar alle Passwörter in den Speicher lädt, obwohl nicht einmal die Webseiten besucht wurden, auf denen sie eingesetzt werden, ist zudem ein eklatanter Anachronismus. Dabei handelt es sich um eine eigene Schwachstellenkategorie: CWE-316, „Cleartext Storage of Sensitive Information in Memory“. Microsoft sollte hier zügig nachbessern. Allerdings berichtet Itavisen.no, dass Rønning von Microsoft zur Schwachstellenmeldung als Reaktion erhalten habe, dass das eine bewusste Design-Entscheidung und beabsichtigt sei. Nutzerinnen und Nutzer sollten sich daher zur Sicherheit nach anderen Passwort-Managern umsehen.
Bei seinem Passwort-Manager-Test im vergangenen Dezember hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) explizit den Microsoft-Edge-Passwortmanager ausgeklammert. Eine Prüfung von VPN-Software und Passwort-Managern im August 2024 fand jedoch ebenfalls derartige Schwachstellen in einigen Produkten.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Vimeo-Datenleck: 119.000 E-Mail-Adressen betroffen | heise online
Vergangene Woche hat die Cybergang ShinyHunters Daten vom Video-Dienst Vimeo ins Darknet gestellt, nachdem Vimeo offenbar kein Lösegeld dafür gezahlt hat. Jetzt hat das Have-I-Been-Pwned-Projekt sie aufgenommen: Rund 119.000 E-Mail-Adressen sind betroffen.
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Vimeo hat bereits einen Datenabfluss eingeräumt. Der Anbieter hat demnach Kenntnis vom Einbruch beim Analysedienstleister Anodot. Unbefugte haben demnach auf bestimmte Vimeo-User- und -Kundendaten zugegriffen. Den Untersuchungen zufolge enthalten die Datenbanken im Wesentlichen technische Daten, Video-Titel und Metadaten sowie in einigen Fällen E-Mail-Adressen von Kunden. Es seien jedoch keine Vimeo-Videoinhalte, gültige Zugangsdaten von Nutzern oder Zahlungsinformationen darunter.
Daten bei Have-I-Been-Pwned eingepflegt
Betreiber Troy Hunt vom Have-I-Been-Pwned-Projekt (HIBP) hat nun die Daten mit einem Umfang von hunderten GByte erhalten und in die durchsuchbare Datenbank integriert. Die wuchs dadurch um 119.200 neue Einträge von E-Mail-Adressen an. Die Daten enthalten zudem neben der E-Mail-Adresse in einigen Fällen auch die Namen von Vimeo-Nutzern und -Nutzerinnen. Hauptsächlich besteht der Datenfundus demnach aber aus nicht weiter verwertbaren Videotiteln, technischen Daten und Metadaten.
Bösartige Akteure können jedoch die Daten wie E-Mail-Adressen und Namen für gezieltes und glaubwürdigeres Phishing missbrauchen – über die Inhaber ist immerhin bekannt, dass sie bei Vimeo registriert sind und dort etwa Videos schauen. Wer als Vimeo-Nutzer E-Mails mit diesbezüglichen Themen und Betreffs erhält, sollte daher aufmerksam bleiben und prüfen, ob die E-Mail tatsächlich echt sein kann.
Große Datenmengen, die die Cyberbande ShinyHunters gestohlen hat, landen öfter im HIBP-Fundus. Ende Februar kamen etwa Daten von 12,5 Millionen CarGurus-Kunden und -Kundinnen hinzu.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Die Bundesregierung zwingt uns zur Wiederholung.
Liebe Leser*innen,
es gibt Vorhaben, über die haben wir gefühlt schon so oft berichtet, so häufig schon die Gefahren und Kritikpunkte zusammengefasst, dass es uns irgendwann so vorkommt, als sei doch längst alles gesagt. Doch was hilft es, wenn die Vorhaben trotzdem nicht verschwinden? Wenn sie ganz im Gegenteil mit großen Schritten weiter Richtung Gesetzgebung schreiten?
So ist es aktuell mit dem Überwachungspaket der Bundesregierung. Bereits vergangenen Sommer haben wir die Pläne aus dem Bundesinnenministerium geleakt, dann im März die Ministerienentwürfe analysiert. Vergangene Woche hat sich das Kabinett geeinigt und wir können das schlecht einfach aussitzen und warten, bis die Gesetze verabschiedet sind. Dafür sind die Befugnisse – Fotofahndung im Netz und KI-gestützte Datenanalysen – zu bedeutsam. Dafür berichten erstaunlicherweise auch andere Medien viel zu wenig darüber. Nach der Kabinettssitzung vergangene Woche schaffte es an vielen Stellen nur die Einigung zur Krankenkassenreform in die Schlagzeilen. Dass das Kabinett parallel die weitreichendsten Überwachungsbefugnisse seit langem beschlossen hat, war kaum Thema.
Wir haben deshalb nochmal zusammengefasst, was die Regierungskoalition plant und was das für Grundrechte bedeuten würde.
Habt einen guten Tag
Chris
Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.
Datenschutz & Sicherheit
Druck aus China soll zu Absage der RightsCon geführt haben
Morgen sollte in Lusaka die RightsCon beginnen, eine der wichtigsten Konferenzen für Grund- und Menschenrechte in der digitalen Welt. Doch kurz vor dem Beginn meldete vorige Woche die Regierung des Gastgeberlandes Sambia Bedenken an und verkündete, die Konferenz müsse verschoben werden. Inzwischen ist sie ganz abgesagt und die Ausrichterin, die Nichtregierungsorganisation Access Now, erhebt schwere Vorwürfe – nicht nur gegen Sambia, sondern auch gegen die Volksrepublik China. Diese habe wegen der Teilnahme taiwanesischer Gäste Druck auf die Regierung Sambias ausgeübt.
Mehr als 2.600 Gäste erwartet
Die Konferenz findet jedes Jahr in einem anderen Land statt. Seit 2024 habe man die erste RightsCon im südlichen Afrika in enger Zusammenarbeit mit der Regierung Sambias vorbereitet, heißt es in einem Statement, das Access Now am Freitag veröffentlicht hat. Mehr als 2.600 Gäste seien in der sambischen Hauptstadt Lusaka erwartet worden, viele von ihnen hätten ihre Reise lange geplant und teilweise bereits angetreten. Weitere 1.100 Teilnehmende im Netz waren angemeldet, zusammen repräsentierten sie mehr 750 Organisationen aus 150 Ländern: Menschenrechts-Aktivist:innen, Vertreter:innen von Regierungen und internationalen Organisationen, Mitarbeitende von Tech-Unternehmen.
Entsprechend groß war der Schock, als Ende April, nur wenige Tage vor dem Beginn der viertägigen Veranstaltung, erste Berichte über eine Verschiebung der Konferenz durch die sambische Regierung die Runde machten. Noch am 26. April hatte das Ministerium für Technologie und Wissenschaft die bevorstehende Veranstaltung begrüßt. „RightsCon 2026 wird Sambia eine strategische Plattform bieten, um sein Engagement für eine sichere, inklusive und auf Rechten basierende digitale Zukunft unter Beweis zu stellen und gleichzeitig wirtschaftliche Chancen für lokale Innovatoren und Unternehmen zu erschließen“, so eine Sprecherin des Ministeriums.
Einen Tag später, so Access Now, sei man vom Ministerium telefonisch informiert worden, dass es ein Problem gebe: „Uns wurde mitgeteilt, dass Diplomaten der Volksrepublik China Druck auf die Regierung Sambias ausübten, weil Vertreter der taiwanesischen Zivilgesellschaft planten, persönlich an der Veranstaltung teilzunehmen“, so Access Now in der englischsprachigen Erklärung. Dies habe man mit Nachdruck zurückgewiesen und unverzüglich taiwanesische Gäste gewarnt. „Wir haben ihnen gesagt, dass wir von einer Anreise abraten würden, bis mehr Klarheit herrscht“, so Nikki Gladstone von Access Now gegenüber WIRED.
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Mehrere kritische Beiträge im Programm
Laut Access Now folgten zahlreiche Versuche der Klärung. Am Ende habe die sambische Regierung jedoch klargemacht, dass die Konferenz nur stattfinden dürfe, wenn inhaltliche Konzessionen gemacht würden. Ihnen sei „informell aus mehreren Quellen“ mitgeteilt worden, dass „die RightsCon nur dann fortgesetzt werden könne, wenn wir bestimmte Themen zensieren und gefährdete Gruppen, darunter unsere taiwanesischen Teilnehmer:innen, von der Teilnahme vor Ort und online ausschließen würden“. In Reaktion darauf erfolgte am 30. April schließlich die Absage der Konferenz durch die Veranstalter:innen. „Das war unsere rote Linie“, so Access Now.
Das Programm der RightsCon enthielt mehrere Sessions, die sich kritisch mit Chinas Rolle in der globalen Digitalisierung auseinandersetzten, etwa zum Export digitaler Zensur- und Überwachungswerkzeuge, zur Verbreitung von Desinformation in Regionen wie Afrika oder zu chinesischen Cyber-Attacken. Unter den Speaker:innen waren unter anderem die Chefinnen von Amnesty International Taiwan und des Taiwan Network Information Center, das für die Registrierung von Domainnamen und die Vergabe von IP-Adressen in Taiwan zuständig ist. 2025 fand die RightsCon in Taipeh statt, der Hauptstadt Taiwans.
Die Taiwan-Frage führt immer wieder zu geopolitischen Spannungen, die Volksrepublik China droht regelmäßig mit einer militärischen Eroberung der strategisch wichtigen Insel. Erst kürzlich beschimpfte ein Sprecher der chinesischen Regierung Taiwans Präsidenten Lai Ching-te als „Ratte“. Anlass war eine Reise Lais in das südafrikanische Königreich Eswatini. Medienberichten zufolge sollen drei Staaten im Indischen Ozean auf Druck Pekings Überflugrechte für Lais Maschine zurückgezogen haben, um die Reise zu verhindern.
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Kritische Abhängigkeiten
China hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv auf dem afrikanischen Kontinent investiert und so Abhängigkeiten geschaffen. Insbesondere im Rahmen des Projekts „Neue Seidenstraße“ haben chinesische Kredite und Konzerne den Ausbau der analogen und digitalen Infrastruktur in vielen afrikanischen Ländern ermöglicht. Auch zwischen Sambia und China sind die Verbindungen eng. WIRED zufolge hat die Zambia Development Agency wenige Tage vor der Konferenz, am 23. April einen Vertrag über 1,5 Milliarden US-Dollar mit einem staatlichen chinesischen Bauunternehmen verkündet, um die Stromkapazitäten des Landes auszubauen. Auch das Internationale Konferenz-Zentrum in Lusaka, in dem die RightsCon stattfinden sollte, wurde 2022 mit Hilfe eines Zuschusses der chinesischen Regierung in Höhe von 30 Millionen US-Dollar umfassend erweitert.
Dass China seine Macht gegen die globale Digital-Rights-Community derart offen ausspielt und Abhängigkeiten ausnutzt, ist jedoch ungewöhnlich. Die Volksrepublik positioniert sich seit vielen Jahren im Globalen Süden als systemische Alternative zur US-Dominanz, auch im Bereich der Internet Governance. In einem 2022 Weißbuch spricht China gar von einer „Schicksalsgemeinschaft im Cyberspace“.
„Ich denke, dieser Fall zeigt deutlich, dass China nicht nur eines der stärksten Systeme zu Online-Zensur und ‑Überwachung aufgebaut hat, sondern derzeit auch neue Methoden der Offline-Zensur außerhalb der eigenen Grenzen testet“, kommentiert Alena Epifanova von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik den Fall. „Das könnte künftig mehrere Länder betreffen, die enge wirtschaftliche Beziehungen zu China haben oder von chinesischen Investitionen abhängig sind“, so die Vermutung der Analysten des von der Bundesregierung finanzierten Thinktanks. „Wenn es um Taiwan geht, zieht das Land alle Register – unabhängig von Partnerschaftsnarrativen –, um Taipeh zu isolieren.“
Wir haben die Botschaft der Volksrepublik China und die Botschaft Sambias am Montag kurzfristig für ein Pressestatement zu den Vorwürfen angefragt und bis zur Veröffentlichung keine Antwort erhalten. Wir reichen diese nach, sofern wir eine Antwort erhalten.
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