Künstliche Intelligenz
Beyerdynamic Amiron 200 im Test: So gut können Open-Ear-Kopfhörer klingen
Die Open-Ear-Kopfhörer Beyerdynamic Amiron 200 bieten einen hervorragenden Klang, hohen Komfort und eine starke Akkulaufzeit von 11 Stunden.
Open-Ear-Kopfhörer boomen – und Beyerdynamic mischt kräftig mit. Neben den Beyerdynamic Amiron Zero Sport im Clip-on-Design bringt der Heilbronner Audioprofi mit den Amiron 200 nun ein Modell mit klassischen Ohrbügeln. Der Fokus liegt klar auf Klang – und das merkt man. Keine aktive Geräuschunterdrückung, dafür ein offenes Design, das Umgebungsgeräusche bewusst durchlässt. Ob sich die Amiron 200 gegen starke Konkurrenten wie die Shokz Openfit Pro (Testbericht) oder eben die hauseigenen Beyerdynamic Amiron Zero Sport behaupten, klärt unser Test.
Design
Sportlich und dezent: Die Beyerdynamic Amiron 200 setzen auf ergonomische Ohrbügel aus leichtem, verstärktem Kunststoff. Der Lautsprecher sitzt vor dem Gehörgang, ohne in den Kanal einzudringen – typisch für Open-Ear-Kopfhörer mit Luftschallübertragung. Erhältlich sind die Kopfhörer in Schwarz und Weiß, jeweils mit mattem Finish. Auffällige Logos sucht man vergeblich. Das Erscheinungsbild wirkt modern, kompakt und zurückhaltend. Wer es etwas auffälliger will, greift zu den Amiron 200 Sport, die ähnlich den Amiron Zero Sport in einer präsenten Kombination aus Schwarz und Orange daherkommen.
Mit 10,7 g pro Earbud sind die Amiron 200 schwerer als die meisten anderen Open-Ear-Kopfhörer. Das Ladecase wiegt rund 76 g und fällt relativ groß aus. Es passt trotzdem in die meisten Hosentaschen, trägt dort aber sichtbar auf. Der USB-C-Anschluss sitzt an der Rückseite.
Beyerdynamic Amiron 200 Bilder
Verarbeitung
Verarbeitet sind die Amiron 200 hochwertig, die Ohrbügel bestehen aus robustem Kunststoff. Dank IP54-Zertifizierung sind sie vor Staubpartikeln und Wasserspritzern aus allen Richtungen geschützt – für heftigen Regen oder ein Bad reicht das allerdings nicht.
Das Case besteht überwiegend aus Kunststoff. Es wirkt solide, erreicht aber nicht das haptische Niveau der Nothing Ear (Open) mit ihrem transparenten Plexiglasdeckel und dem satten Schließmechanismus.
Tragekomfort
Die Amiron 200 sitzen bequem und erzeugen keinen Druck auf den Ohren. Tatsächlich lassen sich die Kopfhörer problemlos den ganzen Tag tragen, ohne dass Druckstellen schmerzen.
Die ergonomischen Bügel passen sich den meisten Ohrformen an. Bei kleineren Ohren kann der Sitz allerdings etwas zu locker ausfallen. Bei unseren Tests bleiben die Earbuds beim Joggen und Radfahren stabil am Ohr. Die Shokz Openfit Pro sitzen im direkten Vergleich noch etwas sicherer, da ihre Bügel straffer anliegen. Wer heftig den Kopf schüttelt, sollte den Sitz vorher prüfen.
Bedienung am Gerät
Die Beyerdynamic Amiron 200 setzen auf Touch-Bedienung an den Earbuds. Per Tippen steuert man Play/Pause, Lautstärke, Track-Wechsel und Anrufannahme. Wischgesten gibt es nicht. Auch eine One-Touch-Geste ist an Bord, die allerdings zu Fehleingaben führen kann – insbesondere, weil die Amiron 200 keine Trageerkennung besitzen. Die Musik läuft also weiter, auch wenn man die Kopfhörer abnimmt.
Die gute Nachricht: In der App lässt sich die Touch-Steuerung genau anpassen. Unter anderem kann man die One-Touch-Geste deaktivieren, was Fehlbedienungen minimiert. Klar erfühlbar ist auch die Sensorfläche, und die Berührungsempfindlichkeit überzeugt. Wir bevorzugen zwar physische Knöpfe, wie sie die Shokz Openfit Pro bieten. Für eine Touch-Steuerung ist die Umsetzung aber gelungen.
Die Beyerdynamic-App
Die Beyerdynamic-App gibt es für iOS und Android. Ihre Oberfläche ist schlicht gehalten und auf Anhieb verständlich. Ein 5-Band-Equalizer erlaubt individuelle Klanganpassung. Dazu kommen Genre-Presets wie Rock oder Klassik für personalisierten Sound. Benutzerdefinierte EQ-Profile lassen sich speichern.
Zu den weiteren Funktionen gehören Firmware-Updates, Batterieüberwachung und Anpassung der Touch-Steuerung. Erweiterte Features wie Spatial Audio, Health-Tracking oder eine „Kopfhörer finden“-Funktion fehlen. Auch das Anpassen des Klangs an das eigene Hörvermögen – wie es etwa die Earfun Openjump mit ihrer „Mein Soundprofil“-Funktion bieten – gibt es hier nicht.
Insgesamt eine aufgeräumte App ohne Schnickschnack. Für Tastenbelegung und EQ reicht sie völlig. Wer mehr erwartet, sollte woanders suchen.
Beyerdynamic Amiron 200 Screenshot
Klangqualität der Beyerdynamic Amiron 200
Die Amiron 200 verbinden sich per Bluetooth 5.3 mit dem Zuspieler und unterstützen die Profile HFP, A2DP und AVRCP. Bei den Codecs stehen SBC und AAC zur Verfügung. Hi-Res-Codecs wie aptX oder LDAC fehlen – das ist bei Open-Ear-Kopfhörern zu verschmerzen. Trotzdem: Die Earfun Openjump bieten zum günstigeren Preis LDAC, die Bose Ultra Open Earbuds setzen auf aptX Adaptive. Multipoint-Konnektivität für zwei Geräte gleichzeitig ist an Bord.
In jedem Earbud steckt ein dynamischer Treiber mit den Maßen 18 × 11 mm und einem Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz. Vier Mikrofone (zwei pro Earbud) kümmern sich um Telefonie und Geräuschunterdrückung. ANC gibt es nicht – bei einem offenen Design wäre das auch widersinnig.
Beim Thema Sound wird es richtig gut. Die Amiron 200 gehören klanglich zu den besten Open-Ear-Kopfhörern, die wir bisher getestet haben. Der Sound ist dynamisch, detailliert und energiegeladen. Die Klangbühne wirkt weit und offen, die Instrumententrennung ist hervorragend, Vocals kommen klar und präsent durch.
Die Bässe sind für ein offenes Design überraschend kräftig und punchig – perfekt für Sportmusik. In lauten Umgebungen verliert sich die Tiefe allerdings bauartbedingt. Die Mitten klingen ausgewogen, die Höhen klar und detailliert. Im Vergleich zu den Amiron Zero Sport mit ihrer V-Shape-Signatur und den etwas dünnen Mitten wirken die Amiron 200 insgesamt ausgeglichener und voller.
In Tests fällt der Sound als „sauberer“ auf als bei den meisten Konkurrenzmodellen. Die maximale Lautstärke reicht für laute Umgebungen aus, auch wenn das offene Design die Bassintensität bei hohem Umgebungslärm naturgemäß reduziert. Die Amiron 200 zeigen, dass auch ohne Hi-Res-Codec richtig guter Sound möglich ist. Hier spürt man die Audioexpertise von Beyerdynamic.
Per EQ in der App lässt sich der Klang weiter verfeinern. Die Genre-Presets helfen, den Sound an verschiedene Hörsituationen anzupassen. Bauartbedingt bekommt die Umgebung bei hoher Lautstärke einiges vom Inhalt mit.
Telefonieren
Die insgesamt vier Mikrofone reduzieren Wind- und Hintergrundgeräusche. In ruhigen Räumen klingen Anrufe klar. In lauten Umgebungen wie dem Straßenverkehr lässt die Qualität nach. Umgebungslärm erzeugt dann einen echoartigen Effekt. Für Indoor-Telefonate und den Alltag reicht die Qualität aus. Wer viel draußen telefoniert, greift besser zu den Huawei Freearc – diese liefern die beste Gesprächsqualität unter allen von uns getesteten Open-Ear-Modellen und sind zudem bezahlbar.
Akku
Die Beyerdynamic Amiron 200 halten mit einer Ladung bis zu 11 Stunden durch. Das ist ein starker Wert und übertrifft viele Konkurrenten deutlich. Die Amiron Zero Sport schaffen nur 6 Stunden, die Nothing Ear (Open) kommen auf 8 Stunden, die Bose Ultra Open Earbuds auf 7 Stunden. Nur die Earfun Openjump liegen mit ebenfalls 11 Stunden gleichauf.
Bei hoher Lautstärke sinkt die Laufzeit auf 8 bis 9 Stunden – immer noch ein solider Wert. Das Ladecase liefert zwei weitere volle Ladungen, was eine Gesamtlaufzeit von bis zu 36 Stunden ergibt. Die Akkukapazität pro Earbud beträgt 70 mAh.
Die Ladezeit der Earbuds liegt bei etwa 1,5 Stunden. Eine Quick-Charge-Funktion liefert nach 10 Minuten am Kabel rund 2 Stunden Wiedergabezeit. Geladen wird per USB-C. Kabelloses Qi-Laden unterstützt das Case nicht.
Für den Alltag, Sport und lange Arbeitstage reicht die Akkulaufzeit locker aus. Hier müssen die Amiron 200 keinen Vergleich scheuen.
Preis: Was kosten die Beyerdynamic Amiron 200?
Die Beyerdynamic Amiron 200 kosten aktuell 179 Euro bei Amazon, was auch der UVP entspricht.
Fazit
Die Beyerdynamic Amiron 200 gehören klanglich zur Spitze der Open-Ear-Kopfhörer. Der Sound ist dynamisch, detailliert und überraschend bassstark – hier merkt man, dass ein Audioprofi am Werk war. Dazu kommen eine hervorragende Akkulaufzeit von bis zu 11 Stunden, ein bequemer Sitz und eine solide Verarbeitung.
Schwächen zeigen sich bei der Telefonie in lauten Umgebungen, dem fehlenden Qi-Laden und dem etwas großen Ladecase. Hi-Res-Codecs fehlen, das fällt klanglich aber nicht ins Gewicht. Wer Open-Ear-Kopfhörer mit Ohrbügel-Design sucht und Wert auf erstklassigen Klang und lange Laufzeiten legt, bekommt mit den Amiron 200 eines der besten Pakete am Markt.
Künstliche Intelligenz
Maximo-Roboter installiert Solarmodule fast doppelt so schnell wie ein Mensch
Ein Installationsroboter des US-amerikanischen Solarrobotik-Unternehmens Maximo, ein Tochterunternehmen von AES Corporation, hat zusammen mit Menschen einen 100-MW-Solarpark im Kraftwerksmaßstab auf dem betriebseigenen Gelände von AES in Bellefield im US-Bundesstaat Kalifornien errichtet. Der Roboter installierte dabei Solarmodule mithilfe von Monteuren pro Schichtstunde und Person fast doppelt so schnell, wie Menschen es alleine können.
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Die Installationsroboter von Maximo bewegen sich mittels achträdrigem Kettenantrieb zwischen den einzelnen Solarmodulreihen fort. Ein Roboterarm ergreift jeweils die mitgeführten Solarmodule und platziert sie millimetergenau auf den bereits vormontierten Modul-Halterungen, sodass sie direkt verschraubt werden können. Auch das erledigt der Roboter durch den Einsatz von Bildverarbeitung und Künstlicher Intelligenz (KI) selbstständig.
Zur Errichtung des Solarparks verwendete Maximo insgesamt vier Installationsroboter in der dritten Version, die zusammen mit erfahrenen Monteuren die Solarmodule aufbauten. Die kommende Version 4.0, in die auch die Erfahrungen des Feldtests einfließen sollen, befindet sich bereits in der Entwicklung.
Hohe Installationsgeschwindigkeit
Die Teams aus Menschen und Robotern installierten pro Schichtstunde und Person bis zu 24 Solarmodule. Das sei knapp doppelt so schnell, wie menschliche Teams mit herkömmlichen Installationsmethoden schafften, heißt es von Maximo.
Die Roboter wurden mit KI-Technik und -Infrastruktur von Nvidia entwickelt, getestet und optimiert. Zum Einsatz kamen dabei etwa Nvidia Omniverse-Bibliotheken sowie das Simulations-Framework Nvidia Isaac Sim, um Roboterfunktionen in physikbasierten Simulationen vor dem praktischen Einsatz im Feld zu erproben. Maximo schreibt, dass die Kombination aus KI, Bildverarbeitung, Robotik und simulationsgestützter Entwicklung die Entwicklungs- und Validierungszeiten stark verkürzt habe.
Maximo griff zusätzlich auf Amazon Web Services (AWS) für die Entwicklung, den Einsatz und den Betrieb der KI-gesteuerten Feldsysteme des Roboters zurück, um die Roboterbetriebsdaten zu erfassen, auszuwerten und dessen Leistung zu optimieren.
Für Maximo zeigt der Einsatz von Robotik bei der Solarmodul-Installation, dass Roboter bereits heute beim Aufbau von Solarparks im Kraftwerksmaßstab zuverlässig funktionieren und für Einsparungen durch die hohe Installationsgeschwindigkeit sorgen sowie die Sicherheit für die Monteure erhöhen.
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(olb)
Künstliche Intelligenz
iX-Workshop Angriffsziel lokales AD − Schwachstellen finden und beheben
Als zentraler Bestandteil vieler Unternehmensnetzwerke ist das Active Directory (AD) ein beliebtes Ziel für Ransomware und andere Angriffe aus dem Netz. Im iX-Workshop Angriffsziel lokales Active Directory: effiziente Absicherung erfahren Sie, wie Sie Active Directory-Umgebungen wirksam schützen.
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Zunächst lernen Sie die Grundlagen von AD-Objekten und Authentifizierungsprotokollen wie Kerberos und Net-NTLM kennen. Sie erhalten Einblicke in typische Angriffswege – von der Informationssammlung über Fehlkonfigurationen bis zu Techniken wie Pass the Hash, Kerberoasting, Lateral Movement und Delegierungsangriffen. Auch verbundene Dienste wie SQL-Server und Exchange werden betrachtet.
Darauf aufbauend werden konkrete Schutzmaßnahmen vermittelt: das Aufspüren und Beheben von Schwachstellen mit Tools wie PowerView, BloodHound und PingCastle, Härtung durch Rechtevergabe, Tiering, LAPS und Schutz administrativer Konten. Zudem lernen Sie, Angriffe frühzeitig zu erkennen – durch Log- und Auditeinstellungen, zentrale Protokollauswertung, Sicherheitslösungen und Deception-Technologien wie Honeypots.
Dieser Workshop richtet sich an Administrierende, IT-Sicherheitsverantwortliche sowie an Security-Fachleute. Referent des dreitägigen Online-Workshops ist Frank Ully. Als erfahrener Pentester und Security Consultant konzentriert er sich auf relevante Entwicklungen im Bereich der offensiven IT-Sicherheit.
Absicherung von Entra ID
Geht es Ihnen um die Absicherung von Entra ID, Microsofts Active Directory in der Cloud, empfehlen wir Ihnen den Workshop Azure und Entra ID: Angriffsszenarien und Schutzmaßnahmen.

(ilk)
Künstliche Intelligenz
Tankregel: Preise steigen nur noch einmal am Tag um 12 Uhr
Die neue Tankregel in Deutschland tritt heute in Kraft. Nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, dürfen an Tankstellen die Preise erhöht werden. Preissenkungen sind jederzeit möglich. Hintergrund der Neuregelung ist der Preissprung an der Zapfsäule seit Beginn des Iran-Kriegs. Worum es geht:
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Warum wurde die neue Regel eingeführt?
Die schwarz-rote Koalition verspricht sich von der Änderung nach österreichischem Vorbild mehr Verlässlichkeit durch weniger Preiserhöhungen sowie mehr Transparenz. Autofahrerinnen und Autofahrer hätten schon länger kritisiert, dass sich die Preise an den Tankstellen teilweise sehr häufig änderten, hieß es zur Begründung des Gesetzes.
Im Durchschnitt habe eine Tankstelle pro Tag 20 Preisveränderungen gemeldet, in der Spitze seien es 50, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Dadurch verlören Preisvergleichs-Apps an Bedeutung.
Verstöße gegen das Verbot der mehrmaligen Preiserhöhungen können mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro geahndet werden.
Was bringt die neue Regel?
„Ob die neue Tankregel tatsächlich zu günstigeren Spritpreisen führen wird, ist offen“, sagte Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands. „Die Erfahrung aus unserem Nachbarland zeigt: Kurz nach der Einführung sanken die Kraftstoffpreise in Österreich vorübergehend, pendelten sich aber rasch wieder auf dem gewohnten Niveau ein.“ Mundt schrieb im sozialen Netzwerk LinkedIn: „Eines ist sicher: Wir werden nach aller Voraussicht weniger Preisgezappel sehen. Es wird vielleicht leichter, die niedrigen Preise an einem Tag an der Tankstelle auch zu erwischen. Und das lohnt die Sache doch schon.“
Der ADAC bewertet das Eingreifen der Bundesregierung grundsätzlich positiv – bezweifelt jedoch, dass das Gesetz tatsächlich zu niedrigeren Preisen führt. In Österreich liegt der günstigste Zeitpunkt zum Tanken laut Autoclub nun häufig kurz vor Mittag, zu einem Zeitpunkt, an dem bisher nur wenige Menschen eine Tankstelle ansteuern. „Ob sich die Situation für Verbraucherinnen und Verbraucher verbessert, muss sich daher erst noch zeigen“, sagt eine Sprecherin.
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Nach Einschätzung der ADAC-Fachleute wird das neue System das Preisniveau voraussichtlich nicht senken. „Erwartet werden vor allem Veränderungen im Tagesverlauf der Preise, weniger jedoch beim generellen Niveau“, heißt es in der Münchner ADAC-Zentrale.
Was sagt die Branche?
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, der mehrere Mineralölkonzerne zu seinen Mitgliedern zählt, hält nicht viel von dem neuen Modell: „Uns ist keine Untersuchung bekannt, die belegt, dass das neue Preismodell nach österreichischem Vorbild Vorteile für den Verbraucher bieten würde“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands. Fuels und Energie widerspricht der Darstellung, hierzulande seien die Tankstellenpreise wegen des Kriegs besonders stark gestiegen. Dies sei längst widerlegt.
Der Interessenverband der Tankstellen bescheinigt der Bundesregierung gute Absichten – und ist ebenso skeptisch wie der ADAC. „In Österreich hat der Preiskampf nicht so stattgefunden, wie man sich das wünscht“, sagt dessen Sprecher Herbert Rabl. Es sei unklar, ob die Mineralölkonzerne in Deutschland den Preiswettbewerb aufnehmen wollten. „Der entscheidende Punkt ist, ob der Markt funktioniert oder nicht. Wenn sich nichts tut, ist der Markt dysfunktional und wir haben ein stillschweigendes Kartell.“
Zum Spritpreispaket der Bundesregierung gehört auch, dass das Kartellamt mehr Befugnisse gegen überhöhte Preise bekommt. Ein entsprechendes Vorgehen aber könnte viel Zeit in Anspruch nehmen.
Wie haben sich die Spritpreise seit Beginn des Kriegs entwickelt?
Am 27. Februar – dem Tag vor dem Kriegsbeginn – kostete ein Liter Super E10 nach Daten des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,778 Euro, ein Liter Diesel war mit 1,746 Euro ein wenig günstiger. Seither hat der Dieselpreis Superbenzin überholt. Am Dienstag lagen die morgendlichen Preisspitzen laut Autoclub bei 2,368 Euro, gut ein Drittel teurer. Super E10 hat sich wenig stark verteuert, um etwa ein Fünftel. Bisher wurde Benzin im Laufe eines Tages nach den Höchstpreisen während der morgendlichen Rushhour üblicherweise wieder günstiger.
Welche Maßnahmen plant die Koalition noch?
Die schwarz-rote Koalition prüft weitere Schritte für den Fall, dass der Iran-Krieg länger andauert und die Preise weiter steigen. Nach einer Sitzung der von den Koalitionsfraktionen eingesetzten Arbeitsgruppe am vergangenen Freitag wurden verschiedene Möglichkeiten genannt.
Dazu zählen: eine temporäre Entlastung über die Pendlerpauschale, eine Pauschalentlastung über Daten der Kfz-Steuer, eine befristete Senkung der Energiesteuer und die Senkung der Stromsteuer für alle. Daneben geht es um einen Spritpreisdeckel sowie die Einführung einer „Übergewinnsteuer“ – eine Art Extra-Steuer für kriegsbedingte Profite von Mineralölkonzernen.
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sprach sich gegen staatliche Eingriffe aus. Stattdessen sollte man die höheren Preise wirken lassen, sagte das Mitglied des Konjunktur-Sachverständigenrats im ZDF. Autofahrer müssten selbst entscheiden, „wo ist es wirklich wichtig zu fahren, wo kann ich darauf verzichten, wo kann ich eine Fahrgemeinschaft bilden, wo kann ich vielleicht mal mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren“.
(fpi)
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