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Warum Führung in bewegten Zeiten weniger Vision und mehr Struktur braucht


#Gastbeitrag

Führung heißt, Parallelitäten aufzulösen: Verantwortlichkeiten festzulegen, Entscheidungswege zu verkürzen und Prozesse so zu gestalten, dass sie auch unter Volatilität funktionieren. Ein Gastbeitrag von Tobias Drabiniok und Peter Falk (Green Club).

Warum Führung in bewegten Zeiten weniger Vision und mehr Struktur braucht

Führung wird im Startup-Umfeld häufig über Vision definiert: über Richtung, Tempo, Wachstum. Solange Märkte stabil sind und Annahmen tragen, funktioniert dieses Verständnis gut. Problematisch wird es in dem Moment, in dem mehrere Faktoren gleichzeitig kippen – und genau das ist in der Startup-Welt eher Regel als Ausnahme.

Bei Green Club trafen innerhalb von rund anderthalb Jahren mehrere Entwicklungen aufeinander, die jeweils für sich schon anspruchsvoll gewesen wären. Eine öffentliche Medienkrise zu Beginn des Jahres 2024, die operative und kommunikative Klarheit erforderte. Die Fusion unseres Unternehmens, der Make Food GmbH mit der Pottsalat GmbH, und die damit verbundenen Herausforderungen rund um den Change-Prozess. Ein vollständiges Rebranding von zwei Food-Marken, das nahezu alle operativen Ebenen berührte – vom Produkt über die Standorte bis zur internen Organisation. Parallel dazu standen Expansionspläne in einem Markt, der zum Jahresende standortübergreifend abrupt einbrach, bei gleichzeitig steigenden Kosten.

Eigenverwaltung als Sanierungsinstrument in der Krise

Ende 2024 mündete diese Situation für uns in einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Zu diesem Zeitpunkt war dieser Schritt das einzige Instrument, um unter klaren rechtlichen Rahmenbedingungen die Zukunftsfähigkeit zu sichern. Der Fokus lag bewusst nicht auf neuen Ideen oder zusätzlichen Initiativen, sondern auf belastbaren Grundlagen: Liquidität sichern, Kosten einsparen, Prozesse stabilisieren, Steuerungsfähigkeit zurückgewinnen. Erst diese strukturelle Arbeit machte es möglich, das Unternehmen wieder handlungsfähig aufzustellen. 

Unserer Erfahrung nach hilft in solchen Situationen keine zusätzliche Vision. Sie erhöht eher den Erwartungsdruck. Was gebraucht wird, ist etwas anderes: Struktur. Struktur als Voraussetzung für Handlungsfähigkeit.

Struktur als Führungsaufgabe: Wofür sind wir ausgelegt? 

Struktur klingt technokratisch, ist aber eine zentrale Führungsaufgabe. Sie beginnt mit der ehrlichen Frage, wofür ein Unternehmen in der jeweiligen Phase tatsächlich ausgelegt sein muss. Nicht für Geschwindigkeit um jeden Preis, sondern für Stabilität. Nicht für eine maximale Zahl an Optionen, sondern für klare Entscheidungen. Führung verschiebt sich dann vom Entwerfen neuer Zukunftsbilder hin zum konsequenten Ordnen und Anpassen bestehender Systeme.

Konkret bedeutete das für uns, Komplexität aktiv zurückzubauen. Sortimente wurden fokussiert, um Foodcosts und operative Abläufe besser beherrschbar zu machen. Prozesse in den Küchen wurden standardisiert und vereinfacht, Zuständigkeiten klarer definiert. Standorte, die langfristig keine ausreichende wirtschaftliche Perspektive boten, wurden geschlossen. In der Zentrale wurde der Apparat deutlich verkleinert, Rollen neu zugeschnitten und Entscheidungswege verkürzt.

Führung und Konsolidierung: schnelle, eigene Entscheidungen 

Solche Schritte sind selten populär. Konsolidierung wird in der Startup-Welt oft als Scheitern gelesen. Tatsächlich ist sie häufig Ausdruck unternehmerischer Verantwortung. Wer Strukturen nicht anpasst, verlängert Unsicherheit – für Mitarbeitende, Partner und Kapitalgeber. Führung bedeutet in solchen Phasen, Entscheidungen zu treffen, bevor sie von äußeren Zwängen erzwungen werden.

Heute ist unser Unternehmen fokussierter und robuster organisiert. Prozesse greifen besser ineinander, Verantwortlichkeiten sind klarer und die Kostenstruktur ist deutlich optimiert. Wachstum wird wieder diskutiert, aber nicht mehr reflexhaft, sondern mit Blick auf Tragfähigkeit. Dass diese Strukturen tragen, zeigt sich uns in München. Hier konnten wir im Mai 2025, mitten im Sanierungsverfahren und mit Zustimmung von Gläubigerversammlung und Sachwalter, unseren ersten Standort eröffnen und innerhalb von vier Monaten, kurz nachdem wir aus der Eigenverwaltung entlassen wurden, einen zweiten. 

Führung in der Krise: Offene Fragen systematisch reduzieren

Was sich daraus ableiten lässt, reicht über ein einzelnes Unternehmen hinaus. Führung in bewegten Zeiten bedeutet, die Zahl der offenen Fragen systematisch zu reduzieren. Wer führt, muss entscheiden, welche Themen jetzt nicht weiterverfolgt werden, welche Spielräume geschlossen werden und wo bewusst Eindeutigkeit hergestellt wird. Das betrifft Produktentscheidungen ebenso wie Organisation, Rollen und Prioritäten.

Unsicherheit entsteht weniger durch schlechte Nachrichten als durch fehlende Struktur. Wenn Zuständigkeiten unklar sind, Entscheidungen vertagt werden oder mehrere Strategien parallel laufen, steigt der Druck im System – unabhängig davon, wie gut die Vision ist. Führung heißt in solchen Phasen, diese Parallelitäten aufzulösen: Verantwortlichkeiten festzulegen, Entscheidungswege zu verkürzen und Prozesse so zu gestalten, dass sie auch unter Volatilität funktionieren. 

Über die Autoren
Tobias Drabiniok und Peter Falk sind Geschäftsführer von Green Club.

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Foto (oben): KI



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KI-Fans sollten sich auf diesen 315.000-Dollar-Job bewerben


Anthropic sucht eine gut bezahlte Person, die religiös klingende Skills mitbringen soll. Tech und Glaube haben noch andere erstaunliche Überschneidungen.

KI-Fans sollten sich auf diesen 315.000-Dollar-Job bewerben

Amen! Das Gehalt ist nicht auf Bettelmönch-Niveau.
krisanapong detraphiphat/Getty Images

Anthropic sucht einen überzeugten Anhänger, der bereit ist, das Evangelium von Claude zu verbreiten. Das Unternehmen stellt einen „Applied AI Claude Evangelist“ ein. In dieser Rolle wird die Person mit Startups zusammenarbeiten, um ihnen bei der Einführung der Produkte von Anthropic zu helfen.

Der Claude-Evangelist wird „das Gesicht von Anthropic“ unter Risikokapitalgebern, Startup-Gründern und Accelerators sein. Er oder sie wird die Einarbeitung von Entwicklern leiten, Demos und Tutorials erstellen und Feedback an das interne Team weitergeben.

Gehalt von einer Viertelmillion

Ein wesentlicher Teil der Tätigkeit wird die Durchführung von Live-Veranstaltungen sein. Eine der Aufgaben: „Entwerfen und Durchführen von praktischen technischen Sessions, die Entwickler innerhalb einer einzigen Veranstaltung von der Neugierde zum aktiven Entwickeln bewegen.“

Die Stelle erfordert sieben Jahre Berufserfahrung und einen Hintergrund als technischer Gründer oder Mitarbeitender eines Startups. Das Jahresgehalt liegt zwischen 240.000 und 315.000 US-Dollar.

„Evangelist“ mag auf den ersten Blick als ungewöhnliche Berufsbezeichnung erscheinen, ist aber in der Tech-Branche keineswegs beispiellos. Apple hatte beispielsweise einst eine Position als „Chief Evangelist“.

KI ist bisschen Sekte

Der Claude Evangelist ist einer von mehreren neuen Jobs, die aus der KI-Revolution hervorgegangen sind. Ein weiterer kürzlich geschaffener Job: „Forward Deployed AI Accelerator“. Der Titel stammt vom Zahlungsabwicklungsunternehmen Stripe, das eine Stelle in seinem Marketingteam besetzte, um gute KI-Gewohnheiten zu festigen.

Das „Forward Deployed“-Modell hat sich seitdem über Stripe hinaus verbreitet. Am Montag kündigte OpenAI die neue, mit 10 Milliarden Dollar ausgestattete OpenAI Deployment Company an. Dank der Übernahme des Beratungsunternehmens Tomoro wird sie mit einem Kern von rund 150 „Forward Deployed“-Ingenieuren starten.

Die Angst vor KI ist teilweise von einem Mangel an Religion getrieben

Shyam Sankar

CTO von Palantir

Und während die Berufsbezeichnung „Evangelist“ verständlicherweise an Religion denken lässt, gibt es in der KI-Branche noch deutlichere religiöse Bezüge. Der ehemalige Google- und Uber-Ingenieur Anthony Levandowski gründete vor Jahren bekanntlich eine KI-Kirche. Im Jahr 2024 sagte Arthur Mensch, CEO von Mistral, dass es bei der Besessenheit von AGI darum gehe, „Gott zu erschaffen“. Im Oktober erklärte Shyam Sankar, CTO von Palantir, dass der KI-Pessimismus durch einen Mangel an Religion getrieben sei.

Prediger-Skills gesucht

Unterdessen trafen sich Anthropic und OpenAI kürzlich mit religiösen Führern zu einem Rundtischgespräch unter dem Titel „Faith-AI Covenant“, um zu erörtern, wie KI-Systemen am besten ein Gefühl für Recht und Unrecht vermittelt werden kann.

Wer sich bewerben möchte, sollte bedenken, dass die Stelle bei Anthropic möglicherweise eher die Rolle eines Predigers als die eines Entwicklers erfordert. Ein guter Kandidat sollte „die Fähigkeit besitzen, einen Raum zu beherrschen“, heißt es in der Stellenanzeige.

 





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