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Markenbindung und was das mit »Bad Bunny« zu tun hat › PAGE online


»Wer in unserer hoch emotionalisierten Zeit relevant bleiben will, muss lernen, Atmosphären und Affekte zu kuratieren, die sich für den Menschen in einem spezifischen Moment schlicht richtig anfühlen«, sagt Bernhard Fischer-Appelt. PAGE hat das Thema Vibe Shift nochmals aufgegriffen – und das ist hochaktuell.

Markenbindung und was das mit »Bad Bunny« zu tun hat › PAGE online
Foto: Bernhard Fischer-Appelt

Die Halbzeit-Show mit Bad Bunny war ein Riesenerfolg, nicht nur musikalisch, sondern auf sehr vielen verschiedenen Ebenen. Das hat auch was mit dem Vibe Shift und Markenbindung zu tun. Denn heute geht es darum, spürbar zu sein, nicht einfach nur stabil.

Wir haben Bernhard Fischer-Appelt, CEO von fischerAppelt, dazu ein paar Fragen gestellt. Inklusive drei Take-aways für Marketing-Manager:innen und Brandingexpert:innen.

PAGE: Was bedeutet »Vibe Shift« im Zusammenhang mit Markenführung und -kommunikation?

Bernhard Fischer-Appelt: Ein Vibe Shift markiert den Übergang von einer Welt der Argumente hin zu einer Welt der Affekte. Das sehen wir in der Politik, in der Gesellschaft, aber auch in der Markenführung: Wir kommunizieren nicht mehr primär über rationale Produktvorteile, sondern über atmosphärische Konsistenz und über die richtige Schwingung. Wir leben in einer »Affektzeit«: Das bedeutet, dass nicht nur Fakten oder Überzeugungen unser Handeln steuern, sondern unmittelbare, körperlich spürbare Emotionen und Stimmungen. In dieser Ära wirken Vibes als »kulturelle Operatoren« – sie sind affektive Sinnschichten, die uns erreichen, noch bevor der Verstand eine Botschaft analysiert hat. Wenn ein Vibe Shift stattfindet, verschiebt sich dieses kollektive Grundgefühl. Für Marken ist das entscheidend, denn der Vibe ist heute das, was sie im Kern zusammenhält – nicht das Versprechen, sondern die Schwingung. Wer also in unserer hoch emotionalisierten Zeit relevant bleiben will, muss lernen, Atmosphären und Affekte zu kuratieren, die sich für den Menschen in einem spezifischen Moment schlicht »richtig anfühlen«.

PAGE: Was ist anders als bei der klassischen Markenbindung?

Bernhard Fischer-Appelt: Die klassische Markenbindung basiert auf Identität und Permanenz: Man kauft eine Marke als Element und Ausdruck eines stabilen Selbstbildes. Heute scheint sich aber etwas zu verschieben. Die Treue weicht einem situativen Mitschwingen. Die Markenführung konstruiert liquide Steuerungssysteme und nicht stabile, ewige Regelwerke. Konsument:innen suchen nicht mehr die lebenslange Bindung, sondern die passende Frequenz für den Moment – wir nennen das »Shop the look« statt »Live the brand«. An die Stelle harter Versprechen treten »Soft Links«: weiche, assoziative Verbindungen, die Marken flexibel machen. Diese Links speisen sich aus der unmittelbaren Gegenwart: Ein Vibe entsteht heute im Zusammenspiel mit globalen Ereignissen – denken Sie an den Super Bowl und seine bombastische Halbzeit-Show mit Bad Bunny: Hier wird nicht einfach nur Musik performt; hier wird ein hochverdichtetes affektives Arrangement erzeugt, das Mode, Lifestyle, soziale Codes und politische Message in Echtzeit synchronisiert. Der Künstler surft voll auf der Frequenz der US-amerikanischen Gegenwart.

»Die Kunst liegt nicht darin, immer freundlich zu sein – sondern spürbar.« Bernhard Fischer-Appelt

PAGE: Welche Take-aways haben Sie für Vibe-Marketing-Manager:innen?

Bernhard Fischer-Appelt: Ich glaube diese drei Punkte sind in der aktuellen Dynamik absolut zentral: »Kuratieren statt kontrollieren«: Du kannst Vibes nicht steuern, aber Räume gestalten, in denen Resonanz entstehen kann. »Ambivalenz zulassen«: Unperfektheit schafft Vertrauen und macht Marken menschlich. »Spürbar statt nur sichtbar«: Vibes entscheiden, ob ein Kontakt wirkt – das reicht vom Sounddesign bis zur Lichtstimmung. Man muss sich als Gastgeber statt Wertordner verstehen. Marken demokratisieren sich heute, indem sie an einem Vibe teilhaben, statt immer den Anspruch zu erheben, ihn allein erzeugen zu müssen.

PAGE: Hat sich in den letzten Monaten durch und mit dem Vibe Sift noch mehr verändert? Gibt es dazu aktuelle Erkenntnisse?

Bernhard Fischer-Appelt: Auf jeden Fall, dass der Vibe kein nettes Extra, sondern ein wichtiger Kompass geworden ist. In einer Welt, in der man sich ständig über Fakten streiten kann, verlassen sich die Menschen auf ihr Bauchgefühl. Wenn sich etwas nicht »echt« anfühlt, ist die Marke sofort raus. Neu ist auch, wie extrem schnelle Vibes sich heute durch Algorithmen verstärken. Ein kleiner Trend oder ein falscher Tonfall kann innerhalb von Stunden ein ganzes Markenimage kippen lassen. Markenführung ist heute also viel mehr »Reaktions-Management«. Wer starr an seinem alten Plan festhält, verliert den Anschluss. Wer aber lernt, die Stimmung im Raum – oder im Netz – richtig zu lesen, gewinnt eine Tiefe und Bindung, die man mit einem Werbebudget gar nicht mehr kaufen kann.

Vielen Dank. 

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Wie feiert man am besten sein Agentur-Jubiläum? So wie die Typonauten! › PAGE online


Vor 25 Jahren gründeten Ingo Krepinsky und Stefan Krömer ihre Designagentur Die Typonauten – in einer Zeit des Umbruchs, ganz so wie heute. Von ihren Projekten, Fonts und Erfahrungen erzählt »Oberflächlich mit Tiefgang« – und führt gleichzeitig durch die Geschichte der Markenkommunikation.

Wie feiert man am besten sein Agentur-Jubiläum? So wie die Typonauten! › PAGE online
B-Movie Retro / B-Movie Splatter: Font von Die Typonaten

Wie feiert man sein Jubiläum? Gemeinsam, mit Wegbegleiter:innen, Kolleg:innen, mit Auftraggebenden vielleicht und mit Freund:innen und Familie.

Oder gleich mit der gesamten Design-Community. Ganz so, wie die Bremer Designagentur Die Typonauten es gemacht hat.

Und das in einer Publikation, 300 Seiten stark, die durch die gesamte Agenturgeschichte führt.

Und die Projekte vorstellt, die vom Redesign der Bremer Fernwärme, dem Branding für den Verein Historische Fahrräder e.V. und dem Erscheinungsbild der Literaturwoche Bremen führen. Zu eigenen Schriften wie der Dimitri, der B-Movie Retro oder Oklahoma Pro, zu zahlreichen Preisen, Toprankings – und zu Unveröffentlichtem.

25 Jahre Designgeschichte

Die Idee zu dem Buch entstand »beim Kramen im Planschrank«, wie es von den Typonauten-Gründern Ingo Krepinsky und Stefan Krömer heißt. »Wir merkten, dass man doch viel vergisst – was bei einigen Dingen auch nicht wirklich schlimm ist«, so Krömer.

Und so reizte es sie, »eine Auswahl der guten und wichtigen Sachen zu treffen und diese sorgfältig zusammenzustellen«.

»Oberflächlich mit Tiefgang« haben sie ihren über 300 Seiten starken Rückblick genannt, der immer auch ihren Humor beweist – und auch die Geschichte des Kommunikationsdesigns selbst nachzeichnet. Und dabei auch den letzten großen Umbruch in der Designbranche zeigt, um 2000 herum, als QuarkXPress das dominierende Layoutprogramm war, wie die Typonauten sich erinnern und der Apple-Rechner der Standard.

Als das Digitale immer mehr Raum einnahm und Montagen, Repros und klassische Satzbetriebe ersetzte, Webdesign aufkam und Gestaltende erstmals auf den gesamten Produktionsprozess Einfluss nahmen.

Das war ein großer Transformationsprozess und das Berufsfeld veränderte sich, ganz so wie aktuell durch KI. Dem würde sie jetzt deshalb »vielleicht mit etwas mehr Gelassenheit als früher« begegnen, heißt es.

Leidenschaft für Typografie

Auch die eigene Entwicklung der Designagentur lässt sich anhand der Projekte verfolgen: von Buch- und anderen Printprojekten über die Gestaltung von Websites hin zu umfänglichen Kommunikationsprojekten und dem heutigen Schwerpunkt Energie- und Versorgungswirtschaft. Und auch dort ist die Transformation abzulesen. Und das vom Corporate Design über kampagnenstarke Markenkommunikation bis hin zu qualitätsgesichertem Dokumentenmanagement, wie Krepinsky sagt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Leidenschaft für Typografie, die schon in dem Agenturnamen zu finden ist und auch in dem Buch. Und das mit zahlreichen selbst gestalteten Schriften, die heute von ihnen auf dem Markt sind.

Was für eine Freude und eine Herausforderung Kommunikationsdesign ist, zieht sich durch das gesamte Buch, was es kann, was für eine Kraft es hat und welche Entwicklung es in den letzten 25 Jahren nahm.

Das legt auch ein umfangreiches Interview in dem Buch dar, das Antje Dohmann, Typofachfrau der PAGE, führte.

Und das alles ist natürlich besonders gestaltet: Leuchtend Gelb und mit einem Halbleinen-Hardcover, vierfacher Heißfolienprägung und Bohrung, mit Sonderfarben, auf ungestrichenem Feinpapier (Icon Classic smooth matt white 120 g; Design Offset naturweiß 160 g; säurefrei, alterungsbeständig), mit Fadenheftung, Kapitalband und dreiseitigem Farbschnitt.

Oberflächlich mit Tiefgang: Ingo Krepinsky, Stefan Krömer (die Typonauten GmbH), 304 Seiten, über 900 Abbildungen; Deutsch; 1. Auflage: limitiert und handnummeriert (300 Exemplare), 105 Euro, ISBN 978-3-00-085447-7
Erhältlich direkt bei Die Typonauten.



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tyyp – Nachhaltige Notizbücher aus Deutschland – Design Tagebuch


In Zeiten digitaler Flüchtigkeit erlebt das Notizbuch, als Ausdruck analoger Rückbesinnung, seit einigen Jahren eine stille Renaissance. In Berlin-Köpenick fertigt die Manufaktur tyyp nachhaltige Notizbücher und Schreibwaren. Die regional in höchster handwerklicher Qualität produzierten Notizbücher sind ein beständiger, langlebiger Begleiter, mit denen Kreativschaffende, seien Designer, Grafiker, Autoren oder Architekten, ihre Ideen festhalten und zu Papier bringen können. Für dt-Leser stehen drei Notizbücher nach Wahl bereit.

tyyp – nachhaltige Notizbücher, Quelle: typp

Hinter dem Label tyyp steht Kommunikationsdesigner Christoph Andrews, dessen Abschlussarbeit „Typographie als Objekt“ den Ausgangspunkt für die Unternehmensgründung bildete – und zugleich den gestalterischen Kern bis heute definiert.

tyyp-Notizbücher werden in Handarbeit in der eigenen Berliner Manufaktur gefertigt, häufig in kleinen Auflagen und mit modular aufgebauten Materialien. Dieses System ermöglicht Flexibilität, reduziert Ressourcenverbrauch und bleibt dennoch wirtschaftlich tragfähig – ein Ansatz, der im Spannungsfeld zwischen Designanspruch und Nachhaltigkeit konsequent wirkt.

„Ich liebe es, wenn Design nicht nur ‘gut aussieht’, sondern sich in der Hand richtig anfühlt – und im Alltag funktioniert.“

– Christoph Andrews –

Zum Produktsortiment gehören neben Notizbüchern, Jahreskalender, Notizblöcke sowie Sonderanfertigungen personalisierter Notizbücher, Präsentations- und Dokumentenmappen. Hinsichtlich der verwendeten Materialien verfolgt tyyp eine klare Linie: Recyclingpapiere, FSC- oder Blauer-Engel-zertifizierte Komponenten sowie langlebige Konstruktionen sollen die Nutzungsdauer erhöhen. Die Gestaltung folgt dabei einem bewusst zeitlosen Ansatz – minimalistisch, typografisch geprägt, funktional. Die Objekte treten nicht laut auf, sondern setzen auf Reduktion und Beständigkeit.

tyyp Logo, Quelle: tyypGestaltung, Produktion und Vertrieb werden bei tyyp als zusammenhängendes System verstanden. Dass Kunden von Unternehmen wie BMW oder öffentlichen Institutionen bis hin zu Privatnutzern reichen, zeigt, dass dieser leise, reduzierte Ansatz auch im Markt funktioniert.

tyyp ist ein gutes Beispiel für eine Generation kleiner Designmanufakturen, die nicht auf maximale Skalierung setzen, sondern auf Qualität, Transparenz und Haltung – und damit dem Notizbuch eine neue, zeitgemäße Relevanz verleihen.

tyyp – nachhaltige Notizbücher aus Deutschland, Quelle: tyyp

Verlosung

dt-Leser können jeweils eines von drei Notizbüchern gewinnen – Größe/Format und Farbe nach Wahl. Wer bis zum 18. April 20:00 Uhr einen Kommentar hinterlässt, nimmt an der Verlosung teil. (Hinweis: Mehrfachkommentieren unter Verwendung unterschiedlicher Mail-Adressen zieht den Ausschluss von der Verlosung nach sich!).

Alle dt-Leser können an der Verlosung teilnehmen. dt-Mitglieder, die an dieser Stelle einen Kommentar hinterlassen, haben eine dreimal höhere Gewinnchance.



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»I don’t think in terms of layouts, more in big gestures« › PAGE online


No one thinks as freely as Irma Boom when it comes to book design. She transforms books into objects and sometimes even encourages readers to tear the pages into pieces. No wonder she is celebrated as the world’s best book designer.

»I don’t think in terms of layouts, more in big gestures« › PAGE online
Irma Boom

Already her first book was a sensation. When Irma Boom was still learning the craft, she was commissioned to design the official annual Dutch postage stamp books. Even back then, she didn’t care in the slightest about the rules of book design, and instead went her very own way. And she still does. Sometimes she puts the entire contents of a book on its cover, then roughens the paper to feel like fabric. Boom – which means tree in Dutch – works worldwide and also exhibits internationally, designs for the most exciting artists, and turns extraordinary projects into publications.

This fall, »Susie« will be published, a unique declaration of love from singer and artist Nick Cave to his wife. While Irma Boom keeps jumping to her feet to fetch a book from the shelf in her Amsterdam office, we talk about the relationship between books and bodies, about ideas that seem to appear out of nowhere—and why she was almost thrown out of the Vatican libraries.

PAGE: You were always interested in conceptual art. What fascinates you so much about it?

Irma Boom: I think, basically the imagination. For me, there is so much more to see in abstract art than in figurative art. Instead of seeing what is shown to me, abstraction gets my brain working.



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