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„Pokémon Champions“ angespielt: Klarer Hit mit klaren Schwächen


Der alte Cordy denkt an den Ruhestand. Seit 55 Jahren leitet er sein Trainingszentrum, ein grauer Bart ist ihm gewachsen, er macht jetzt alles etwas langsamer. Er ruckelt leicht. Leider ruckeln in diesem Spiel auch die jungen Menschen. Das neu erschienene „Pokémon Champions“ läuft nicht nur auf der Switch 1, sondern auch auf der Switch 2 bemerkenswert träge. So ungefähr fühlt es sich an, wenn man merkt, dass 3D-Spiele auf einem alt gewordenen Handy nicht mehr ganz flüssig laufen. Grundsätzlich sind Wartepausen in Menüs und während der Kämpfe bei einem frisch gestarteten Onlinespiel zu erwarten. Doch wie lieblos und technisch veraltet sich hier ein neues Spiel von Nintendo vom Start weg präsentiert, ist bemerkenswert.

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Das wirkt unnötig bis ärgerlich, sahen doch die Pokémon-Spiele Karmesin/Purpur und Legenden Z-A auf der Switch 2 nicht umwerfend aus, liefen aber wenigstens flüssig. In „Pokémon Champions“ sehen immerhin die Pokémon-Modelle besser aus als die Menschen, auch Kampfeffekte sind jetzt detaillierter. Und hat Cordy erst einmal alle Tutorials durchgeleiert, taucht er nur noch am Rand auf. Der schwache erste Eindruck betrifft also nicht das ganze Spiel.

Doch „Pokémon Champions“ wirkt etwas unfertig, wie ein Schnellschuss. Dabei ist genau diese Spielidee ein seit Jahrzehnten erwarteter Riesenhit, der auf seine Umsetzung wartet. Endlich gibt es klassische, rundenbasierte Pokémon-Kämpfe im Multiplayer nicht nur als Modus in einem anderen Spiel. Der neue Free-to-Play-Titel erscheint vorerst nur für Switch 1 und 2, soll aber auch für Android und iOS erhältlich werden. Auf so etwas wartet nicht nur die Turnierszene, sondern auch Generationen alter Fans. Wer bei Pokémon regelmäßig online mitspielen will, züchtet und trainiert die Kreaturen irgendwann, und das kann im Korsett der Konsolenspiele ganz schön umständlich, langwierig und teuer werden.

Ebenfalls abgeholt werden alle Menschen, die noch nie ein Pokémon abgerichtet und auf andere gehetzt haben. Die Tutorials sind kleinteilig, erklären aber zielstrebig die wichtigsten Spielelemente. Man will sie schon deswegen wenigstens schnell durchklicken, weil sie mit Coupons, Tickets und „VP“ belohnt werden – „Pokémon Champions“ erzeugt anfangs ein ungutes Gefühl, weil auch hier mal wieder mehr als eine Währung zum Einsatz kommt. Allerdings werden anfangs auch viele davon ausgeschüttet.

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In „Pokémon Champions“ geht es nur um das Austragen von Kämpfen. Doch die Tiere müssen auch irgendwie geschnappt, trainiert und zu Teams zusammengestellt werden. So wird man vom Hauptmenü aus auf eine Ranch geschickt und versteht dort zu Beginn nur Bahnhof. Das Weideland funktioniert wie eine Losbude: Einmal täglich darf man hier gratis ein neues Pokémon aus einer zufälligen Auswahl rekrutieren. Für eine Woche kann man es gratis einsetzen, zum Behalten werden Tickets oder VPs fällig.


Wer dreimal in Folge siegt, steigt aus dem untersten Rang der untersten Klasse auf. (Bild:

heise medien

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Ein paar gute Pokémon zu schnappen, geht recht schnell und einfach. Unmöglich und frustrierend ist es dagegen, auf diesem Weg ganz bestimmte Kreaturen aus dem aktuellen Pool von 229 Kandidaten zu bekommen. Wer das machen will, muss sie eigentlich in einem anderen Spiel der Serie fangen und dann mit der Pokémon Home-App transferieren. Auch diese Funktion wirkt bisher halbgar, ist aber vorhanden – zum Artikelzeitpunkt fehlte der Filter in Pokémon Home, mit dem man sich anzeigen lassen kann, welche Kreaturen aus einem anderen Spiel überhaupt mit Champions kompatibel sind.

Der Trainingsbildschirm besteht dagegen aus schlichten, übersichtlichen Menüs. Hier lassen sich Attacken und Statuswerte der Pokémon einstellen – auf eine erstaunlich klare Weise. Noch nie war es so einfach und einleuchtend, jeden Wert fein einzustellen. Dafür wurde allerdings auch eine taktische Dimension geopfert. Die „Individuellen Stärken“ oder IVs haben maßgeblich dazu beigetragen, Duelle unberechenbarer zu machen, waren aber auch schwerer zu kontrollieren und zu ändern. Mit ihrer Auslassung ist das Spiel nun etwas leichter zu verstehen, bietet aber Vielspielern auch weniger taktische Möglichkeiten.

Die meiste Zeit verbringt man beim Kämpfen. Es gibt Einzel- oder klassische Doppelkämpfe, eine optionale Rangleiter, Privatduelle und auch Turniere, von denen das erste aber erst nach dem Schreiben dieses Artikels startet.

Und all die Schwächen, der ruckelnde Cordy und die unübersichtlichen Währungen verblassen, wenn es in die Arena geht. Hier wirkt „Pokémon Champions“ endlich ausgereift. Natürlich wird sich hier viel verändern, aktuell sind weniger als ein Viertel aller möglichen Pokémon im Spiel, dazu Mega-Entwicklungen, aber noch keine anderen Spezialformen. Und eine Offenbarung ist die Grafik auch hier nicht.

Im Kern aber finden hier Kämpfe so statt, wie man sie aus dem Onlinemodus der Hauptspiele kennt. Ein gemäßigtes Zeitlimit hält die Kämpfe flüssig. Im Doppelkampf-Format entwickelt sich ein irrwitziger Variantenreichtum der Attacken und Effekte. Und noch ist „Pokémon Champions“ nicht auf dem Handy. Aber hier könnte es seine Stärken voll ausspielen: Jede Partie dauert wenige Minuten. Man will immer noch eine spielen, vor allem, wenn man gewinnt. Wegen dieses Spiels werden Menschen in der Bahn ihre Haltestellen verpassen, Kinder ihre Hausaufgaben vergessen. Es gibt auch andere rundenbasierte Duellspiele auf dem Handy, aber eine größere Tradition und Fanbasis hat sonst womöglich nur Schach.

Kurz nach dem Start des Spiels ist noch jedes Duell eine Wundertüte. Zumindest in den Rängen der Pokéball-Klasse tummeln sich absolute Neulinge, aber immer wieder rutschen auch Spieler in die Duelle, die sich offensichtlich auf der Durchreise in höhere Ligen befinden und bereits ausgereifte Teams in die Arena führen. Starke Teams lassen sich ja per Pokémon Home transferieren; hier kündet sich schon eine Zweiklassen-Gesellschaft an. Wie sehr man das Gefühl bekommen wird, unbedingt auch „Pokémon Go“ oder gar Kaufspiele der Serie zum Rekrutieren zu brauchen, das muss sich noch zeigen.

Das Starterpaket für sieben Euro ist empfehlenswert, aber nicht nötig. Wer sich von „Pokémon Champions“ anfangs begeistern lässt, stößt aber im Spiel schnell auf eine deutlich gezogene Grenze. Zwei Shops gibt es. In einem lassen sich Trainermoden, Items und Megasteine für (bisher) sehr faire VP-Preise kaufen. Will man nicht alles kaufen, lässt sich das gut durch VP-Verdienste aus den Kämpfen gegenfinanzieren.

Im anderen Shop wird Geld fällig: Für jede Saison lässt sich ein Premium-Kampfpass für 9,99 € freischalten; die erste Saison dauert einen runden Monat. Zwingend wirkt das Angebot nicht. Viele Boni gibt es in der ersten Saison auch ohne Premium.

Fast alternativlos fühlt sich dagegen die Mitgliedschaft an, die für 4,99 € im Monat oder 49,99 € im Jahr verkauft wird. Mit ihr bekommt man 1000 Plätze in der Pokémon-Box (statt 30) und kann 18 Teams zusammenstellen (statt 3). Wer also nicht bloß genau ein oder zwei Traumteams züchtet, sondern auch nur ein bisschen tiefer eintauchen will, der muss bezahlen. Für Free-to-Play-Verhältnisse ist das Modell allerdings vergleichsweise transparent und fair. Bisher rollt hier kein Gacha-Zug mit goldenen Tickets am Glück vorbei. Doch der Shop wirkt noch verdächtig leer; vielleicht hat das Monetarisierungsmodell sein dickes Ende noch nicht gezeigt.

Die Grundlagen für diesen Hit stehen seit langer Zeit. Nun ist er tatsächlich erschienen. An dieser schlichten Wahrheit können Leerstellen zum Start, der ruckelnde Cordy und Monetarisierungssorgen nicht rütteln. Hat man erst einmal ein Team zusammengestellt und spielt Runde um Runde, dann schmilzt die Zeit wie früher mit Link-Kabel auf dem Pausenhof. „Pokémon Champions“ muss sich noch entwickeln. Aber stark ist es jetzt schon.


(dahe)



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#307 Off The Record: Im frischen Gewand


Es ist schwer zu übersehen, wenn ihr diesen Text auf unserer Website lest: netzpolitik.org hat einen neuen Look. Nach mehr als neun Jahren, in denen sich unsere Seite optisch und auch funktional kaum verändert hat, haben wir jetzt ein neues Design. Und auch unter der Haube hat sich einiges getan.

In dieser Folge Off The Record schauen wir gemeinsam mit anna und Ingo zurück auf die verschiedenen visuellen Stadien, die netzpolitik.org durchlaufen hat. Wir sprechen über neue Features, über die wir uns besonders freuen, verraten, warum am Tag der Umstellung alles noch ein paar Stunden länger gedauert hat als erwartet – und womit wir die Zeit überbrückt haben.

In dieser Folge: Anna Biselli, Ingo Dachwitz und Chris Köver
Produktion: Serafin Dinges.
Titelmusik: Trummerschlunk.


Hier ist die MP3 zum Download. Wie gewohnt gibt es den Podcast auch im offenen ogg-Format. Ein maschinell erstelltes Transkript gibt es im txt-Format.


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KW 19: Die Woche der Bilanz nach einem Jahr Schwarz-Rot


Liebe Leser:innen,

nach einem Jahr schwarz-roter Bundesregierung wurde in dieser Woche viel Bilanz gezogen. Und die fiel nicht gut aus. Weder in den Medien noch auf der Straße.

Die Regierung liefere nicht, was sie versprochen hat, heißt es. Und sie müsse sich endlich zusammenraufen. Sonst drohe im Herbst ein böses Erwachen. Aus dem „Herbst der Reformen“ sei der „Sommer der Wahrheit“ geworden.

Ich habe in dieser Woche nachgeschaut, was wir selbst zum Start der schwarz-roten Koalition geschrieben hatten. Und was soll ich sagen: Mit Blick auf Überwachung und Grundrechteabbau hat die Regierung leider durchaus geliefert.

Biometrische Videoüberwachung, die Rückkehr der Vorratsdatenspeicherung, Fotofahndung im Netz, automatisierte Datenanalyse à la Palantir, zunehmende Intransparenz und rechtswidrige „Zurückweisungen“ von Schutzsuchenden. Das ist stringente Kontroll- und Ordnungspolitik, von den Innenstädten bis an die deutschen Außengrenzen.

Zivilgesellschaftliche Organisationen, Menschenrechtler:innen und die Kirchen lehnen die Vorhaben ab – als verfassungs- und europarechtswidrig. Die Regierung schert das wenig. Mehr noch: Wenn die Zahlen den Law-and-Order-Kurs nicht rechtfertigen, verweist sie kurzerhand auf die „gefühlte Sicherheit“. So geht Populismus.

Dabei bräuchten wir in Zeiten multipler Dauerkrisen ein anderes Sicherheitsverständnis, wie auch meine Kollegin Anna schreibt. Unter Sicherheit sollten demnach vollkommen andere Fragen fallen: Wie senken wir die Mieten? Wie sichern wir die Renten? Wie stoppen wir die Klimakatastrophe? Wie verbessern wir die Schulen? Wie machen wir unsere Städte lebenswerter? Wie unsere Demokratie resistenter?

Gegen solche Sicherheitsfragen habe ich nichts einzuwenden, im Gegenteil.

Um darauf Antworten zu finden, bräuchte es eine Kehrtwende. Doch ein „Sommer der Kehrtwende“ ist von dieser Koalition am wenigsten zu erwarten. Dafür müssen wir selbst ran: vor dem Bundesverfassungsgericht, auf der Straße oder an der Wahlurne.

Habt ein gutes Wochenende
Daniel



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Urteil gegen die Apobank: Finanzinstitut haftet für Phishing-Schaden


Das Landgericht Berlin II hat die Rechte von Bankkunden bei Phishing-ähnlichen Täuschungsversuchen gestärkt und Finanzinstitute technologisch in die Pflicht genommen. Das ist einem heise online vorliegenden Urteil vom 22. April der Zivilkammer 38 zu entnehmen (Az.: 38 O 293/25). In dem Verfahren gegen die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) entschied das Gericht, dass das Finanzhaus für einen unautorisierten Schaden von über 200.000 Euro haften muss. Die Entscheidung verdeutlicht, dass die Annahme einer groben Fahrlässigkeit bei immer raffinierteren Betrugsszenarien kaum noch haltbar ist.

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Der Fall wirft ein Licht auf die Professionalität der Angreifer: Die Betroffenen wurden durch eine Kombination aus einem täuschend echt wirkenden Brief im Namen der Bank, einer manipulierten Online-Banking-Oberfläche und einem persönlichen Telefonat in die Falle gelockt. Die Betrüger verfügten über Detailwissen zu weiteren Konten der Kläger, was den Eindruck einer legitimen Bankmitarbeiterin festigte.

Die Kundin schöpfte nach ihrer Aussage keinen Verdacht, als sie beim gewohnten Login über ihre Favoritenleiste am Rechner zur Einrichtung einer 2-Faktor-Authentifizierung aufgefordert worden sei. Dieser war zuvor in einem authentisch wirkenden Brief angekündigt worden. Die Szenerie habe zudem durch den zeitnahen Anruf einer vermeintlichen Bankmitarbeiterin glaubhaft gewirkt, der unter der offiziellen Nummer der Bank erfolgte. Im Weiteren fotografierte die Klägerin lediglich Codes vom Bildschirm ab, ohne sensible Autorisierungsdaten wie PINs oder TANs aktiv an die Anruferin zu übermitteln.

Die Berliner Richter stellten klar, dass Kunden in einer solchen nahezu perfekt inszenierten Täuschung nicht grob fahrlässig handeln.

Bemerkenswert sind die Ausführungen des Gerichts über die Entscheidung hinaus. Die Kammer deutet darin Ansätze für notwendige Früherkennungssysteme an: Die Bank hätte den Betrug erkennen und unterbinden können, da die Einwahl des Kunden und die gleichzeitige Registrierung eines neuen Geräts durch die Täter über vollkommen unterschiedliche IP-Adressen und Provider erfolgten. Das Finanzhaus habe diese offensichtliche Diskrepanz nicht durch automatisierte Sicherheitsmechanismen blockiert und die Verknüpfung des neuen Geräts ohne hinreichende Besitzprüfung zugelassen.

Ulrich Schulte am Hülse von der Kanzlei Ilex Rechtsanwälte, der das Urteil erstritten hat, bewertet diese Einschätzung zwar als technisch noch laienhaft. Er sieht die Justiz aber auf dem richtigen Weg. In Verfahren gegen die Apobank stünden fast immer vollständige Logfiles inklusive IP-Adressen zur Verfügung. Anhand dieser Daten und einer Kundenbefragung lasse sich rückschauend exakt belegen, welche Handlung den Tätern zuzurechnen sei und wo die Bank hätte intervenieren müssen.

Der Anwalt unterstreicht, dass Phishing längst kein reines Verbraucherthema mehr sei. An der Entscheidung lasse sich ersehen, dass die größten Einzelschäden verstärkt im Bereich der mittelständischen Wirtschaft entstünden. Es seien etwa Freiberufler, Selbständige und gestandene Kapitalgesellschaften betroffen. Durch modernes Multibanking, bei dem Geschäfts- und Privatkonten zusammengeführt werden, verschwömmen die Kategorien zunehmend. Das Urteil schütze so Akteure, deren Existenz durch hohe Schadenssummen bedroht sein könnte.

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Diese Sichtweise deckt sich mit der Tendenz anderer Gerichte. Das Oberlandesgericht Koblenz machte vor Kurzem die Ansage, dass selbst das Anklicken von Links in SMS und die Eingabe von Transaktionsnummern in ein Browser-Formular nicht automatisch als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden darf, wenn die Betrugsmasche eine täuschend echte Interaktionskette aufbaut.

Das Berliner Urteil sendet so ein Signal: Banken müssen ihre Sicherheitsalgorithmen schärfen. Auffällige Diskrepanzen in den Logfiles, wie etwa zeitgleiche Logins aus technisch unplausiblen Quellen, sollten proaktiv zur Betrugsverhinderung genutzt werden.


(nen)



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