Künstliche Intelligenz
Rasterfahndung 2.0: Starke Zunahme der polizeilichen Gesichtserkennung
Die digitale Überwachung im öffentlichen Raum erreicht eine neue Dimension. Zahlen des Bundesinnenministeriums belegen einen deutlichen Anstieg bei der Nutzung des polizeilichen Gesichtserkennungssystems (GES). Im vorigen Jahr nutzten deutsche Behörden das beim Bundeskriminalamt (BKA) angesiedelte System deutlich häufiger zur Identifizierung von Personen als zuvor. Mit insgesamt rund 343.856 Suchläufen 2025 hat sich die Schlagzahl gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.
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Die Kriminalämter von Bund und Ländern stechen laut einer Antwort von Innenstaatssekretär Christoph de Vries (CDU) auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Lea Reisner (Die Linke) hervor: 2024 generierten diese noch rund 121.000 Abfragen. Doch zuletzt schnellte der Wert 2025 auf über 313.500 Suchläufe hoch. Auch die Bundespolizei intensivierte die Nutzung und griff etwa 30.000 Mal auf die zentrale Fotodatenbank zu – ein Plus von rund 50 Prozent.
Das 2008 etablierte System dient offiziell als assistierendes Werkzeug, um die Identität von Tatverdächtigen oder Opfern zu klären. Das Verfahren basiert auf dem Abgleich von Bildmaterial aus Überwachungskameras oder Mobiltelefonen mit der Inpol-Datei. Darin lagern derzeit 7,6 Millionen Lichtbilder von etwa 5,4 Millionen Menschen.
Die Software codiert anatomische Merkmale eines Gesichts in ein mathematisches Template und vergleicht dieses sekundenschnell mit dem Bestand. Das Ergebnis ist eine nach Wahrscheinlichkeit sortierte Kandidatenliste. Resultate müssen im Anschluss von Lichtbildexperten manuell verifiziert werden.
KI-Einsatz und mobile Fahndung per App
Treiber ist die technische Modernisierung. Seit September 2024 setzt das BKA auf ein System, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. BKA-Chef Holger Münch betonte die gesunkene Fehlerrate, die nun unter einem Prozent liege. Diese Effizienz hat personelle Konsequenzen: Durch den hohen Automatisierungsgrad plant das Amt, bis Ende 2026 etwa 50 Stellen aus der Gesichtserkennung abzuziehen. Nur die mit der KI-Verordnung der EU vorgeschriebene Endkontrolle bleibt als menschliches Korrektiv erhalten.
Die Bundespolizei verzeichnete eine hohe Erfolgsquote. Mit 5328 direkten Treffern führt sie die Liste der Identifizierungen an. Jeder sechste Suchlauf war erfolgreich. Experten führen dies auf den Einsatzschwerpunkt an den Binnengrenzen und die Migrationskontrolle zurück.
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Da mehr als die Hälfte der in Inpol gespeicherten Personen Asylsuchende oder Menschen mit abgelehntem Status sind, ist die Trefferwahrscheinlichkeit in dieser Gruppe mathematisch weitaus höher. Bei den Kriminalämtern fiel die Zunahme der Identifizierungen mit 1833 Fällen moderater aus. Hier verdoppelte sich aber die Zahl der „Ermittlungshinweise“ – Informationen über Ähnlichkeiten ohne direkten Treffer – auf rund 22.000.
Mobiler Einsatz
Auftrieb erhält die Fahndung durch mobile Einsatzoptionen. Eine von der hessischen Polizei entwickelte App ermöglicht es Streifenbeamten, Gesichter direkt vor Ort per Smartphone mit dem GES des BKA abzugleichen.
Rechtswissenschaftler warnen: Da Menschen aus sozioökonomisch schwachen Schichten oder Personen, die als ausländisch wahrgenommen werden, häufiger kontrolliert würden, landeten sie überproportional oft in Inpol. Bei künftigen Delikten würden sie so mithilfe von Gesichtserkennung mit höherer Wahrscheinlichkeit identifiziert.
(wpl)
Künstliche Intelligenz
Google Pics und Tiger-Selfies – die Fotonews der Woche 21/2025
Wenn Technologiegiganten wie Google ihre jährlichen Entwicklerkonferenzen abhalten, ist das meist der Moment, in dem sie versuchen, uns zu zeigen, wie die Zukunft aussehen soll. Auf der Google I/O 2026 war das nicht anders – und für Fotografen und Kreative gab es dabei tatsächlich etwas Spannendes zu sehen: Google Pics, ein neues KI-gestütztes Bildbearbeitungswerkzeug, das verspricht, endlich das größte Problem der KI-Bilderzeugung zu lösen.
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(Bild: heise )
Wenn KI-Bilder fast perfekt sind
Wer schon mal mit KI-Bildgeneratoren gespielt hat, kennt das Problem: Man tippt eine Beschreibung ein, wartet gespannt – und bekommt ein Bild, das zu 90 Prozent genau das ist, was man wollte. Nur leider trägt die Person die falsche Farbe, der Hund schaut in die falsche Richtung, oder der Text im Bild ist unleserlich. Und dann? Zurück auf Los, neuer Versuch, wieder würfeln. Google Pics will genau das nun ändern.
Das neue Tool, das auf dem hauseigenen Nano-Banana-Modell basiert, erlaubt es, einzelne Objekte in einem generierten oder hochgeladenen Bild auszuwählen und gezielt zu bearbeiten – ohne das ganze Bild neu generieren zu müssen. Man kann Objekte verschieben, ihre Größe ändern oder sogar komplett transformieren: aus einem roten Pullover wird ein blauer, aus einer Katze ein Hund. Auch Text lässt sich direkt im Bild bearbeiten oder in andere Sprachen übersetzen, wobei Schriftart und Design erhalten bleiben. Das klingt nach einem echten Fortschritt – und könnte tatsächlich den Unterschied machen zwischen „nett, aber unpraktisch“ und „das benutze ich wirklich“. Google Pics wird zunächst nur für ausgewählte Tester verfügbar sein, ab Sommer 2026 dann für zahlende Abonnenten der Google AI Pro und Ultra Pläne sowie für Workspace-Geschäftskunden. Später soll das Tool auch direkt in Google Slides und Drive integriert werden. Ob es hält, was es verspricht, wird sich zeigen – aber die Idee, KI-Bildbearbeitung weniger zufällig und mehr kontrollierbar zu machen, ist längst überfällig. Lesen Sie auch unseren Kommentar zur Google I/O.
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Tiger-Selfies
Während Google versucht, Bilder mit KI zu perfektionieren, zeigt ein Video aus Thailand [Video auf X], wie weit manche Menschen für das ‚perfekte‘ Foto gehen – und welchen Preis andere dafür zahlen. Ein kürzlich viral gegangenes Video zeigt einen amerikanischen Touristen, der für über 200 Dollar ein Foto mit einem Tiger auf seinen Schultern machen lässt. Die Szene ist verstörend: Der Mann sitzt sichtlich verängstigt auf einem Stein, während Tierpfleger das riesige Raubtier auf ihn lenken. Die Pfleger selbst wirken nervös, lassen das Tier nie länger als ein paar Sekunden allein – gerade genug Zeit für ein paar Aufnahmen.
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Solche Foto-Shootings sind in Thailand leider keine Seltenheit. Orte wie Tiger World Thailand oder Tiger Kingdom in Phuket bieten Touristen die Möglichkeit, gegen Bezahlung mit Tigern zu posieren – oft mit der Behauptung, das Geld fließe in den Artenschutz. Die Realität sieht anders aus: Laut der Environmental Investigation Agency (EIA) werden die Tiere unter oft grausamen Bedingungen gehalten. Tigerbabys werden bereits nach zwei bis drei Wochen von ihren Müttern getrennt, damit diese schneller wieder trächtig werden können. Die Jungtiere werden dann den ganzen Tag von Tourist zu Tourist gereicht, oft hunderte Male täglich. Vielen werden die Krallen entfernt, damit sie keine zahlenden Kunden verletzen können. Sobald sie zu groß oder zu widerspenstig werden, verschwinden sie aus dem Fotobusiness – und landen in viel zu kleinen Käfigen.
Im vergangenen Jahr wurde ein Tourist in Phuket von einem Tiger angegriffen, als er für ein Foto posierte. Kein Wunder, dass die Pfleger so nervös sind. Die EIA rät dringend davon ab, solche Einrichtungen zu besuchen. Auch wenn das Foto auf Instagram gut aussehen mag – es ist Teil eines Systems, das Tiere ausbeutet und quält. Mehr zu dieser dunklen Seite des Foto-Tourismus findet sich in diesem ausführlichen Bericht [PDF].
Erinnerungen aus Gaza: Photo Kegham in Marseille
Von der Gegenwart in die Vergangenheit: In Marseille zeigt das Centre Photographique noch bis September eine bemerkenswerte Ausstellung. „Photo Kegham de Gaza“ präsentiert die Arbeit von Kegham Djeghalian Sr., der 1944 das erste professionelle Fotostudio in Gaza gründete. Als Überlebender des armenischen Völkermords dokumentierte er fast 40 Jahre lang das Leben in der Stadt – Porträts, Hochzeiten, Alltag.
Sein Enkel, Kegham Djeghalian Jr., entdeckte 2018 drei Kisten voller Negative und Dokumente im Schrank seines Vaters in Kairo. Statt die Bilder chronologisch zu ordnen oder mit detaillierten Beschriftungen zu versehen, entschied er sich für einen anderen Ansatz: Die Fotos werden bewusst ohne genaue Angaben gezeigt – als „unmade archive“, ein offenes, unabgeschlossenes Archiv. Besucher sollen die Bilder auf sich wirken lassen, ohne durch Daten und Fakten in eine bestimmte Lesart gedrängt zu werden. Es ist das erste Mal, dass diese Sammlung in Frankreich zu sehen ist, und sie ist Teil der Saison Méditerranée sowie des Grand Arles Express. Mehr zur Ausstellung gibt es hier und hier.
Nan Goldin kehrt nach London zurück
Ebenfalls ein Ereignis für Fotoliebhaber: Die Hayward Gallery in London kündigt für November 2026 eine große Einzelausstellung von Nan Goldin an. „You Never Did Anything Wrong“ wird ihre erste institutionelle Ausstellung in Großbritannien seit 2002 sein. Goldin, die seit den 1970er-Jahren das Leben queerer Gemeinschaften, Beziehungen und Sucht dokumentiert, hat die Fotografie grundlegend verändert – indem sie die Distanz zwischen Beobachter und Beobachtetem aufhob und ihr eigenes Leben radikal offen zeigte.
Die Ausstellung läuft vom 24. November 2026 bis 7. März 2027 und rundet das 75-jährige Jubiläum des Southbank Centre ab. Goldin gilt als eine der einflussreichsten Fotografinnen der Gegenwart, und ihre Arbeit ist nicht nur künstlerisch bedeutend, sondern auch politisch – sie ist Gründerin der Aktivistengruppe P.A.I.N., die gegen die Opioid-Krise kämpft. Mehr zur Ausstellung gibt es bei FAD Magazine und Amateur Photographer.
Southbank Centre entdecken
Wer ohnehin in London ist – oder eine Reise plant –, sollte sich das Programm des Southbank Centre genauer ansehen – Skater sollten ihr Board nicht vergessen. Neben der kommenden Nan-Goldin-Ausstellung gibt es dort das ganze Jahr über Konzerte, Performances, Kunstinstallationen und kostenlose Veranstaltungen. Ein Besuch lohnt sich auch ohne konkretes Ziel: Die Architektur, die Themse-Lage und die lebendige Atmosphäre machen das Zentrum zu einem Ort, an dem man gut ein paar Stunden verbringen kann. Mehr zum Programm findet sich auf der offiziellen Website.
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(tho)
Künstliche Intelligenz
Krankenhaus-IT-Leiter schlagen Alarm: Geldmangel gefährdet Digitalisierung
Für die Krankenhaus-IT wächst der Druck. Während Politik und Krankenkassen mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzen wollen, warnen IT-Verantwortliche aus Kliniken davor, dass ausgerechnet die Digitalisierung darunter leiden könnte. Der Bundesverband KH-IT spricht von einem „fragilen“ Fortschritt, der durch das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) überhaupt erst möglich geworden sei.
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In einer aktuellen Stellungnahme zum GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz verweist der Verband auf Investitionen in digitale Patientenportale, Interoperabilität, IT-Sicherheit und moderne klinische Arbeitsplatzsysteme. Digitalisierung sei „kein einmaliges Projekt“, sondern ein langfristiger Prozess, der verlässliche Finanzierung brauche.
Angespannte Lage der Krankenhäuser

Vorstand der Krankenhaus-IT-Leiter. In der ersten Reihe stehen Klemens Behl, Schriftführer; Andreas Lockau, Vorsitzender; Henning Zedler, Schatzmeister und Werner Bachmann, juristischer Beirat. In der zweiten Reihe Bastian Stockhausen, Geschäftsführer der KH-IT Service GmbH; Alexandra Heimel, stelllv. Vorsitzende; Jan Halbuer, Beisitzer und Stephan Herz, Beisitzer.
(Bild: Felix Albertin)
Im Gespräch mit heise online schildern Andreas Lockau, Vorsitzender des Bundesverbands KH-IT, Alexandra Heimel, die stellvertretende Vorsitzende des Verbands sowie Jan Halbuer, ebenfalls Vorstandsmitglied, und Bastian Stockhausen, Geschäftsführer der KH-IT Service GmbH, wie angespannt die Lage vieler Häuser inzwischen ist. „Die Gefahr ist groß“, sagt Lockau mit Blick auf mögliche Sparmaßnahmen. „Die Kostenkalkulation in den Häusern wird immer schwieriger. Damit fehlen am Ende Mittel, um Digitalisierung einzuführen und dauerhaft zu betreiben.“ Projekte würden gestoppt oder gar nicht erst begonnen – selbst dann, wenn sie die Versorgung verbessern könnten.
Alexandra Heimel beschreibt die Situation ähnlich: „Im Grunde erfüllen viele Häuser derzeit nur noch die Mindestanforderungen, damit sie keine Sanktionen bekommen.“ Für die eigentliche Weiterentwicklung fehlten Geld, Personal und strategische Unterstützung. Gleichzeitig gingen die Bundesländer bei der Digitalisierung sehr unterschiedlich vor und schafften häufig eigene Strukturen.
Besonders frustrierend sei das bei Projekten, die Beschäftigte entlasten könnten. Lockau nennt etwa mobile Arbeitsplätze und moderne Authentifizierungslösungen: „Pflegekräfte oder Ärzte wollen nicht ständig mit Usernamen und Passwörtern hantieren. Man braucht Systeme und Hardware, die schnell funktionieren und trotzdem sicher sind.“
Parallel wächst der Druck durch neue gesetzliche Vorgaben. Die Herausforderungen wachsen mit TI-Diensten wie der elektronischen Patientenakte oder dem E-Mail-Dienst KIM, aber auch mit Patientenportalen und zahlreichen Großprojekten wie dem Europäischen Gesundheitsdatenraum. Parallel existierten bereits seit Jahren arztgeführte digitale Patientenakten und weitere Systeme wie Patientenportale. „Eigentlich müssten wir die arztgeführte Patientenakte stärken, damit sie im klinischen Alltag sinnvoll nutzbar ist“, so Lockau. „Ein Arzt schaut sich keine 50 PDFs in der ePA an“.
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Hinzu komme die technische Komplexität. „Jeder Datensatz muss klassifiziert werden“, erklärt Heimel. Kliniken müssten festlegen, wo Informationen künftig benötigt werden und wie unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren. „Genau an diesem Punkt fehlen vielen Häusern Ressourcen.“ Heimel verweist zusätzlich auf KI-gestützte Spracherkennung: „Das würde Beschäftigte massiv entlasten und mehr Zeit für Patienten schaffen. Aber solche Systeme lassen sich oft nicht finanzieren.“
Lockau warnt davor, dass mitten im laufenden Umbau die Finanzierung wegbrechen könnte. „Das Krankenhauszukunftsgesetz hat vieles angeschoben. Aber man muss weitermachen. Es kann nicht sein, dass man jetzt mitten im Prozess aufhört, weil die Nachfinanzierung fehlt.“ Besonders kritisch sieht er die Belastung engagierter Beschäftigter: „Man brennt gerade auch die Leute aus, die wirklich Lust auf Digitalisierung haben. Nicht nur die, die es machen müssen.“ Auch die Umstellung vieler Anbieter auf Cloud- und Rechenzentrumsmodelle verschärfe die Kostenprobleme Heimel zufolge. Früher habe man einen Server gekauft und diesen über viele Jahre betrieben.
Sorge vor Cyberangriffen
Große Sorgen bereitet den Beteiligten außerdem die IT-Sicherheit. Die Zahl der Cyberangriffe auf Krankenhäuser oder deren IT-Dienstleister wächst. Aktuell macht der erfolgreiche Angriff auf Unimed Schlagzeilen, ein Abrechnungsdienstleister vieler Krankenhäuser. Im März gab es einen Angriff auf den US-Medizingerätehersteller Stryker. Das Bundesgesundheitsministerium verspricht derweil Milliardeninvestitionen in IT-Sicherheitslösungen.
Aus Krankenhäusern und vom Bundesverband Gesundheits-IT kommt zudem seit längerem Kritik daran, dass es etwa für die ePA keine zentralen Sicherheitslösungen wie einen gemeinsamen Virenscanner gebe. „Das lösen aktuell die Häuser oder Dienstleister selbst“, sagt Lockau. Viele Einrichtungen wären froh über zentralisierte Lösungen. Gleichzeitig seien viele Arztpraxen technisch nur begrenzt ausgestattet. „Nicht jede Praxis hat eine eigene IT-Abteilung oder Security-Experten.“ Laut Heimel betreuen externe IT-Dienstleister oft dutzende Praxen gleichzeitig und hätten „meist gar nicht die Zeit, sich tief mit IT-Sicherheit zu beschäftigen.“
Krankenhaus kein kleines Spezialzentrum
Gleichzeitig wird Krankenhäusern, meist vonseiten der Praxen, vorgeworfen, bei der Digitalisierung langsamer zu sein als kleinere Einrichtungen. Für Bastian Stockhausen greift das deutlich zu kurz: „Ein Krankenhaus ist eben kein kleines Spezialzentrum.“ Es sei „viel einfacher, eine einzige Fachrichtung zu digitalisieren als ein komplettes Akutkrankenhaus mit OP, Intensivmedizin, Bildgebung, Labor und zig unterschiedlichen Fachbereichen“. Heimel betont die enorme organisatorische Komplexität: „Spezialkliniken haben vielleicht drei oder vier Fachbereiche, die sie miteinander vernetzen müssen. Große Akutkliniken müssen teilweise 80 Bereiche zusammenbringen.“ Das sei „eine völlig andere Komplexität“.
Stockhausen ergänzt, dass in Krankenhäusern unzählige Systeme parallel liefen – von Radiologie- und Laborsystemen über Patientenverwaltung und Medizintechnik bis hin zu OP-Planung und Intensivmonitoring. „All diese Systeme müssen miteinander kommunizieren, oft auch in Echtzeit.“
Viele unterschätzten außerdem die Dimensionen solcher Häuser, sagt Halbuer. „Man digitalisiert eben nicht fünf Arbeitsplätze, sondern teilweise mehrere tausend.“ Hinzu kämen Schichtbetrieb rund um die Uhr, unterschiedliche Berufsgruppen und hohe Anforderungen an die Ausfallsicherheit. „Ein Krankenhaus kann Systeme nicht einfach mal für einen Tag abschalten, um etwas umzubauen.“
TI-Anwendung, ePA und Sicherheitsanforderungen müssen integriert werden
Jede Veränderung betreffe sofort zahlreiche Abteilungen und Schnittstellen. Laut Heimel verkompliziere jede neue gesetzliche Vorgabe die Lage weiter. Neue TI-Anwendungen, ePA-Anbindungen oder Sicherheitsanforderungen müssten in Prozesse integriert werden, „die teilweise über Jahrzehnte gewachsen sind“.
Auch die Industrie sehen die KH-IT-Vertreter kritisch. „Die Industrie arbeitet teilweise aktiv gegen Digitalisierung“, sagt Stockhausen. Schnittstellen würden „extrem teuer gemacht oder nur eingeschränkt geöffnet“. Das verhindere die Digitalisierung. Heimel kritisiert, dass bestehende Vorgaben häufig zu unkonkret seien. „Die Vorgaben sagen oft nur: ‚Die Schnittstelle muss offen sein.‘ Aber nicht, wie umfangreich sie sein muss.“ Am Ende bekämen Häuser „drei Datenfelder statt der 17, die man eigentlich bräuchte“.
Dabei ist Interoperabilität längst gesetzlich vorgesehen. Mit den ISiK-Standards, Vorgaben aus dem KHZG, dem Digitalgesetz und dem sich im Aufbau befindenden Europäischen Gesundheitsdatenraum existieren bereits verschiedene regulatorische Anforderungen für offene Schnittstellen.„Der Gesetzgeber müsste klar festlegen, dass Schnittstellen offen und kostenlos verfügbar sein müssen,“ so Stockhausen. Lockau sieht zwar Bewegung, gleichzeitig würden viele Hersteller aber „natürlich nicht freiwillig mitziehen“. Für den KH-IT-Verband ist deshalb klar, dass die Digitalisierung und die Beitragsstabilität „nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen“. Wenn das Gesundheitssystem langfristig effizienter werden solle, müsse weiter investiert und „nicht abgebremst“ werden.
(mack)
Künstliche Intelligenz
Zwischen Wellen, Weite und Wissenschaft: Die Bilder der Woche 21
Auch dieses Mal präsentiert die c’t-Foto-Community eine beeindruckende Bandbreite fotografischer Ideen. Unsere ausgewählten Bilder führen von rauen Küstenlandschaften und nordischer Weite hin zu stillen Naturbeobachtungen und klar komponierten Architekturaufnahmen. Dabei spielen wie immer Licht, Perspektive und Reduktion eine entscheidende Rolle. Viele Motive wirken ruhig und konzentriert, gleichzeitig aber auch voller Spannung und Atmosphäre.
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Auffällig ist der bewusste Einsatz fotografischer Techniken, um Formen, Strukturen und Stimmungen hervorzuheben. Langzeitbelichtungen glätten Wasserflächen, Makroaufnahmen machen kleinste Details sichtbar und Schwarz-Weiß-Kontraste verleihen Szenen eine grafische Wirkung. So entstehen Bilder, die nicht nur dokumentieren, sondern alltägliche Motive in neue visuelle Erlebnisse verwandeln.
Zackige Kronen von Marbele

Zackige Kronen
(Bild: Marbele)
Dunkle Buhnen ragen wie gezackte Kronen aus der Ostsee. Durch die Langzeitbelichtung werden die Bewegungen des Meeres geglättet und die Wellen verwandeln sich in einen weichen Schleier. Die diagonal durch das Bild verlaufenden Pfähle führen den Blick hinaus zum ruhigen Horizont. Verstärkt durch die Schwarz-Weiß-Darstellung, kontrastieren die rauen Strukturen des Holzes mit der sanften Oberfläche des Wassers. Das Ergebnis ist eine stille Küstenszene mit meditativer Wirkung.
Nudelnest von metapix

Nudelnest
(Bild: metapix)
Vor tiefschwarzem Hintergrund schwebt ein kompakt gewickeltes Nudelnest. Die geschwungenen Bandnudeln legen sich wie ein Geflecht aus Linien und Schleifen übereinander. Das gerichtete Licht hebt die warmen Gelbtöne hervor und arbeitet die feinen Strukturen der Oberfläche heraus. Durch die klare Freistellung wird das Bild auf Form, Rhythmus und Kontrast reduziert. Was zunächst wie ein einfaches Lebensmittel wirkt, wird so zu einem grafischen Objekt mit skulpturaler Wirkung.
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Supernova Planetarium von Mike_FJ

Supernova Planetarium
(Bild: Mike_FJ)
Das Planetarium in Garching erscheint hier wie ein futuristisches Raumschiff. Seine geschwungenen Formen heben sich scharf vom tiefschwarzen Himmel ab. Die monochrome Darstellung reduziert das Bild auf Licht, Schatten und klare Geometrie. Die niedrige Perspektive lässt das Gebäude monumentaler erscheinen, während die helle Wolkenspur über dem Dach für Dynamik im Bild sorgt. Dabei ist eine Fine-Art-Aufnahme entstanden, die Wissenschaft und Science-Fiction visuell miteinander verbindet.
Der Fotograf berichtet über sein Foto: „Das Planetarium in Garching hat mich bereits vor Ort durch seine außergewöhnliche Architektur fasziniert – die geschwungenen Formen erinnern fast zwangsläufig an ein futuristisches Objekt oder ein gelandetes Raumschiff. Ich entschied mich bewusst für eine schwarz-weiße Fine-Art-Umsetzung, um die Architektur stärker auf Form, Kontrast und Wirkung zu reduzieren. Die reduzierte monochrome Gestaltung verstärkt die skulpturale Präsenz des Gebäudes und lässt das Planetarium wie ein eigenständiges Objekt außerhalb von Raum und Zeit erscheinen.“
gespiegelter Reiher von Hungry Joe

gespiegelter Reiher
(Bild: Hungry Joe)
Ein Graureiher steht regungslos auf einem Ast im dunklen Wasser. Unter ihm zeichnet sich seine Spiegelung weich und leicht verzerrt auf der Oberfläche ab. Der helle Vogel hebt sich deutlich vom tiefen Grün des Hintergrunds ab und zieht den Blick sofort auf sich. Die senkrechte Bildaufteilung aus Reiher und Spiegelung schafft Balance und verstärkt die stille Wirkung des Moments.
Hütte am Strand von dave-derbis

Hütte am Strand
(Bild: dave-derbis)
Einsam zwischen Dünen und Gras steht eine rote Holzhütte direkt am feinen Sandstrand von Ramberg auf den Lofoten. Dahinter leuchten das türkisfarbene Wasser und die dunklen Berge Nordnorwegens. Der schmale Weg lenkt den Blick direkt auf die Hütte und verstärkt so die klare Bildmitte. Die kräftigen Farben setzen starke Kontraste: das satte Rot der Hütte gegen das kühle Blau von Meer und Himmel. Darüber ziehen dramatische Wolkenformationen auf und verleihen der ruhigen Szenerie spürbare Tiefe. Das Bild verbindet nordische Weite mit dem Gefühl von Abgeschiedenheit und Sommer am Meer.
Fleißige Biene von R. Engelhardt

Fleißige Biene
(Bild: R.Engelhardt)
Mitten in einer Kirschblüte ist eine Biene auf Pollensuche. Die Makroaufnahme zeigt jedes Detail, wie die feinen Härchen, die transparenten Flügel und das gut gefüllte Sammelkörbchen. Die hellen Blütenblätter lassen die warmen Gelb- und Brauntöne der Biene besonders gut zur Geltung kommen. Durch die weiche Unschärfe im Hintergrund bleibt der Blick ganz bei diesem kleinen, geschäftigen Moment der Bestäubung.
Loire II Schloss Chambord von lgfokus

Loire II Schloss Chambord
(Bild: lgfokus)
Wie eine steinerne Kulisse erhebt sich das Schloss Chambord über dem Wasser der Loire. Seine Türme, Kuppeln und filigranen Dachaufbauten zeichnen sich klar gegen den tiefblauen Himmel ab. Die frontale Perspektive betont die strenge Symmetrie der Architektur und verleiht dem historischen Gebäude eine fast grafische Wirkung. Das ruhige Wasser im Vordergrund schafft Abstand und lenkt den Blick direkt auf die helle Fassade. So wirkt das berühmte Loire-Schloss zugleich monumental und erstaunlich leicht.
(vat)
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