Künstliche Intelligenz
Schätzung: Temu und Shein kosten Einzelhandel Milliarden
Die beliebten Onlinehändler Temu und Shein schaden der deutschen Wirtschaft einer Schätzung zufolge erheblich. Dem Einzelhandel entgehen jährlich Umsätze in Höhe von 2,5 Milliarden Euro – weil Konsumenten Produkte bei den chinesischen Plattformen kaufen, statt bei Anbietern in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE).
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Der tatsächliche Umsatzausfall für die gesamte Wirtschaft wird doppelt so hoch beziffert. Darin enthalten sind auch Vorleistungen wie Mieten, Energie, Logistik sowie Löhne und daraus entstehende Konsumausgaben. Jeder Euro Umsatz im Einzelhandel führe zu insgesamt etwa zwei Euro Umsatz in der gesamten Wirtschaft, sagte Marco Trenz, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft.
Grundlage ist eine repräsentative Umfrage unter 4000 Verbraucherinnen und Verbrauchern zwischen 16 und 69 Jahren, die im Februar online befragt wurden. Daraus geht hervor: 51 Prozent der Nutzer von Temu und Shein hätten die dort erworbenen Produkte zum gleichen Preis woanders gekauft, wenn dies bei den chinesischen Plattformen nicht möglich gewesen wäre. 19 Prozent wären sogar bereit, mehr Geld auszugeben.
Der Analyse zufolge sind in Deutschland wegen Temu und Shein bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, die meisten im Einzelhandel. „Wenn es Temu und Shein nicht gäbe, dann würde ein Großteil der Käufe im deutschen Einzelhandel getätigt. Dafür wären mehr Beschäftigte nötig“, so Trenz. Hinzu kämen weitere Jobs in Vorleistungsbranchen. Er erwartet, dass die Umsätze von Temu und Shein weiter steigen und dadurch mittelfristig noch mehr Jobs wegfallen.
Temu und Shein schicken laut HDE täglich 460.000 Pakete
Der Forscher sieht durch den Erfolg der beiden Shoppingportale weitere Nebenwirkungen. Bund, Ländern und Kommunen entgingen dadurch bis zu 420 Millionen Euro an Steuereinnahmen pro Jahr. „Wenn die Käufe nicht bei Temu und Shein, sondern im deutschen Einzelhandel stattfänden, würden dadurch auch Lohn-, Gewerbe- und Körperschaftsteuer gezahlt“, betonte Trenz.
Laut HDE haben Temu und Shein 2025 täglich 460.000 Pakete nach Deutschland verschickt. Die Plattformen sind bei Verbrauchern beliebt, stehen aber in der Kritik. Politiker, Handelsvertreter und Verbraucherschützer monieren unter anderem Produktqualität, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Sie fordern eine strengere Regulierung und besseren Schutz beim Online-Einkauf.
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HDE-Präsident Alexander von Preen beklagt, Temu und Shein erfüllten oft nicht die rechtlichen Vorgaben, verbreiteten unsichere Ware und brächten viele heimische Händler „an den Rand des Ruins“. Diese würden streng kontrolliert und hielten sich an die Gesetze. Der Verband forderte erneut ein härteres Durchgreifen gegen die Plattformen. „Wenn sonst nichts hilft, muss bei solch massiven Regelverstößen der Stecker gezogen werden“, sagte von Preen.
So reagieren Temu und Shein
Temu nahm zu der Kritik Stellung. Ein Unternehmenssprecher teilte auf Anfrage mit: „Temu ermöglicht Tausenden traditionellen Unternehmen in Deutschland und ganz Europa den Zugang zu einem globalen Kundenstamm und unterstützt sie dabei, ihren Umsatz zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen und international wettbewerbsfähig zu sein.“ Die Partnerschaften sollen weiter ausgebaut werden.
Ein Sprecher von Shein sagte: „Konkurrenten zum Sündenbock zu stempeln und mit denselben immer wiederkehrenden und haltlosen Vorwürfen fairen Wettbewerb zu konterkarieren, mag Schlagzeilen erzeugen.“ Eine ernsthafte Strategie, die deutschen Einzelhändlern helfe, wettbewerbsfähig zu sein, sei dies jedoch nicht.
Weiter sagte er: „Heute verkaufen mehr als 600 deutsche Unternehmen über unsere Plattform, schaffen Beschäftigungen und leisten einen konkreten Beitrag zur Wirtschaft in Deutschland.“ Allein in den vergangenen drei Jahren habe Shein hierzulande Hunderte Millionen Euro an Steuern entrichtet und werde auch künftig allen Verpflichtungen nachkommen.
EU führt neue Bearbeitungsgebühr ein
Im Kampf gegen die Flut kleiner Pakete aus Onlinekäufen in Drittstaaten gilt in der EU ab November eine neue Bearbeitungsgebühr für jedes im Internet bestellte und in die EU eingeführte Produkt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bearbeitungsgebühr kommt zusätzlich zu geplanten neuen Zollgebühren.
Bislang können Pakete mit einem Wert von bis zu 150 Euro zollfrei in die Staatengemeinschaft eingeführt werden. Ab Juli soll jedoch für jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in Höhe von drei Euro gelten. Diese Regelung ist vorübergehend, bis eine neue digitale Plattform startet und dann alle in die EU importierten Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig sind.
Die EU-Kommission hat Temu und Shein auch wegen möglicher Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste im Visier. Gegen beide Firmen laufen Untersuchungen. Das Bundeskartellamt leitete im Oktober ein Verfahren gegen Technology Limited ein, das Unternehmen hinter Temu. Die Behörde prüft den Verdacht, dass der Online-Marktplatz unzulässige Vorgaben für die Preisgestaltung der Händler in Deutschland machen könnte.
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(afl)
Künstliche Intelligenz
Vibecoding: Wenn das KI-Paradies vom guten Willen der Firmen abhängt
Es war eine schöne Vorstellung: In Zukunft erschaffen wir unsere Apps und Programme einfach selbst. Passgenau und auf Zuruf. Vibecoding heißt das Zauberwort. Es macht reine Computernutzer zu Schöpfern. Ein Rückbezug zu den Anfangstagen des Heimcomputers, als viele Nutzer sich noch völlig selbstverständlich auch mit Programmierung beschäftigten, Listings aus Heften abtippten und sie veränderten. Doch Vibecoding ist im Vergleich dazu noch viel mehr angesichts der unermesslichen Möglichkeiten, die sich einem heute mit Technik bieten. Und all das ist schon für 20 Euro im Monat mit Tools wie Künstlicher Intelligenz zu haben.
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Eine Nachricht in dieser Woche zeigt jetzt aber auf, wie sehr dieses kleine Paradies vom guten Willen einiger Unternehmen abhängig ist. Anthropic hatte Claude Code still und ohne Ankündigung kurzzeitig aus dem Pro-Tarif entfernt. Aus der Chefetage wurde zwar rasch klargestellt, dass es nur ein Test bei einigen Neukunden sein sollte. Aber alleine, dass das Unternehmen diese Möglichkeit so ernsthaft in Betracht zieht, zeigt, wie groß die Bereitschaft in mindestens einer KI-Schmiede ist, ein Vibecoding-Werkzeug wieder aus den Händen der Consumer zu nehmen.

Malte Kirchner ist seit 2022 Redakteur bei heise online. Neben der Technik selbst beschäftigt ihn die Frage, wie diese die Gesellschaft verändert. Sein besonderes Augenmerk gilt Neuigkeiten aus dem Hause Apple. Daneben befasst er sich mit Entwicklung und Podcasten.
Preiserhöhung aus guten Gründen
Betrachtet man die andere Seite, ist der Schritt völlig logisch: Die KI-Unternehmen arbeiten nicht profitabel und die Kosten wachsen ihnen immer mehr über den Kopf, je mehr Nutzer diese Tools für sich entdecken und je mehr sie sie im Alltag nutzen. Wenn es eine Perspektive auf Refinanzierung und Gewinnschöpfung gibt, dann nur mit professionellen Nutzern, die deutlich mehr zahlen. Die Begrenzung der Nutzung gegenüber teureren Tarifen scheint wohl nicht bei allen Kunden dazu geführt zu haben, dass sie den 100-Euro-Tarif wählen. Also ist der nächste Schritt, die Einstiegshürde für das Vibecoding gleich komplett hochzusetzen.
Noch ist unklar, welche Lehren aus dem „Test“ gezogen werden. Und ob in dem hitzigen Wettbewerb Konkurrenten wie OpenAI und Google angesichts der eigenen Kostensituation mitziehen – oder gerade deshalb auf dem günstigen Preisniveau verbleiben. Denn dass allzu viele, denen die Nutzungslimits des Pro-Tarifs reichen, bereit sind, fünfmal pro Monat zu zahlen, darf bezweifelt werden. Unternehmen werden mit dem spitzen Bleistift die Personalkosten gegenrechnen, die sie durch den KI-Einsatz sparen. Vor allem viele private Nutzer werden eher wieder Abstand vom Vibecoding nehmen.
Alternativen in Sicht
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Gibt es Alternativen? Lokale KI-Modelle sind zwar besser geworden, an die Leistung der cloudbasierten Modelle reichen sie aber (noch) nicht heran. Immerhin sind sie ein Hoffnungsschimmer am Horizont, dass Vibecoding auf lange Sicht auch für den privaten Nutzer ein Thema bleiben wird.
Für den Moment ist die aktuelle Entwicklung aber eine Erinnerung daran, auf welchen tönernen Füßen das ganze KI-Business gebaut ist. Und vielen Entwicklern dürfte es sicher recht sein, dass es ihre Leistung auch mit KI nicht zum Nulltarif gibt.
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(mki)
Künstliche Intelligenz
God Game: Peter Molyneux veröffentlicht „Masters of Albion“ im Early Access
„Das ist das bedeutendste Ereignis meines Lebens“, schreibt Peter Molyneux auf X. „Abgesehen von der Geburt meines Sohnes“. Die britische Entwicklerlegende hat mit dem Studio 22cans eine neue Göttersimulation namens „Masters of Albion“ in den Early Access veröffentlicht. Als Frühversion soll das Spiel bis zum finalen Release reifen und vom Feedback der Spieler profitieren.
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Molyneux hatte „Masters of Albion“ auf der Gamescom 2024 angekündigt, nachdem er zuvor länger von der Videospielbildfläche verschwunden war – von ein paar fehlgeleiteten NFT-Eskapaden mal abgesehen. „Masters of Albion“ ist also Molyneuxs Rückkehr auf den Videospielmarkt, wo er einst bekannt war wie nur wenige andere Entwicklerpersönlichkeiten.
65 Prozent empfehlen „Masters of Albion“
„Masters of Albion“ ist ein God Game, das sich nicht ganz ernst nimmt. Gespielt wird aus der Perspektive einer übermächtigen Götterfigur, die im Spiel als Hand dargestellt wird und mit Figuren und Umwelt interagieren kann. Spieler bauen nicht nur kleine Städte und Häuser, sondern stecken auch einzelne Items individuell zusammen. So kann man etwa Schwerter aus Brot basteln, Sandwiches schmieren oder Ratten in die Pastete hauen. Selbst die Kleidung und Rüstung der Dorfbewohner darf man individuell zusammenstellen.
Die Steam-Seite von „Masters of Albion“ verspricht außerdem eine Geschichte mit moralischen Entscheidungen, Quests und Abwehrschlachten gegen einfallende Bestien. Erste Nutzer-Reviews auf Steam fallen durchwachsen aus: Seit dem Launch am 22. April wurden knapp 200 Reviews geschrieben, von denen 65 Prozent das Spiel in seinem jetzigen Zustand empfehlen.
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12 Monate Early Access
Eine häufig vorkommende Kritik: Der aktuelle Zustand des Spiels sei selbst für einen Early-Access-Release noch recht schlecht. Die Entwickler schreiben, das Spiel soll voraussichtlich 12 Monate im Early Access bleiben, bevor eine Vollversion veröffentlicht wird. Die Arbeit an „Masters of Albion“ soll aber auch danach weitergehen.
Peter Molyneux gehört zu den bekanntesten, aber auch umstrittensten Entwicklerpersönlichkeiten der Branche. Molyneux war für die Entwicklung von „Populous“ verantwortlich und gilt als Schöpfer des Götterspielgenres. Später entwickelte er etwa „Black & White“ und arbeitete als Designer bei den Lionhead Studios an den „Fable“-Spielen. Bekannt wurde er durch seine abgedrehten Ideen, aber auch durch große Versprechen, die seine Spiele oft nicht einhalten konnten.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
MacBook Neo: Der Schrecken der Windows-Welt
Der langjährige Apple-Kunde freut sich über den Preis: Ein neues MacBook für knapp 700 Euro – das gab es noch nie. Als mobile Alternative zum Desktop-Mac, als Reiserechner neben dem großen und schweren MacBook Pro, als Laptop für Filius und Filia oder schlicht als Einstieg in die Apple-Welt: Das Neo füllt eine Lücke, die Apple jahrelang ignoriert hat. Verarbeitung und Bildschirm sind für diese Preisklasse bemerkenswert, die Ausstattung reicht für den Alltag, resümiert unser Test.
Doch warum hat Apple mit dem A18 Pro einen iPhone-Chip verbaut? Warum nicht einen älteren M-Chip? Werfen wir zunächst einen Blick auf seine Leistung. In unserem Test lag der iPhone-Chip im Single-Core-Benchmark mit dem M3 weitgehend gleichauf, in Multi-Core-Tests allerdings leicht hinter dem M1. Für die Praxis bedeutet das: Videos rendert der A18 in derselben Zeit wie ein M1-MacBook; bei Spielen kommt er fast an den M2 heran, was aber dennoch (zu) langsam ist.
Der Clou mit dem iPhone-Chip
Obwohl der A18 Pro schon eineinhalb Jahre auf dem Buckel hat, handelt es sich im Vergleich zum M1 und M2 um den moderneren Chip: Gefertigt im 3- statt 5-Nanometer-Prozess, was für eine gute Leistung pro Watt sorgt. Ein wichtiger Aspekt für das Neo, dessen Akku mit 36,5 Wattstunden deutlich kleiner als der eines MacBook Airs ist (53,8 Wattstunden). Weitere Vorzüge sind das hardwarebeschleunigte Raytracing und die schnellere Neural Engine für KI.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „MacBook Neo: Der Schrecken der Windows-Welt“.
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