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So wild ist Tourismus-Werbung selten! › PAGE online


Neurowissenschaft trifft Live-Action und Zeichentrick in diesem wirklich ungewöhnlichen Spot, den Serviceplan Wien Nord für Austria Tourism entwickelte und darin zeigt, wie ein Urlaub in Österreich nachwirkt.

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Längst reicht es vielen nicht mehr, einfach »nur« in den Urlaub zu fahren. Sich mit etwas Idylle zu umgeben, die Beine auszustrecken und einfach für eine kurze Zeit woanders zu sein.

Man möchte etwas mitnehmen, das über den Urlaub hinaus in den Alltag hineinreicht, ihn verändert – zumindest für eine kurze Zeit. Und am besten so lange wie möglich.

Und das greift die Kampagne »The Austrian Synapse« auf, die Serviceplan Wien Nord für Austria Tourism entwickelte. Und es ist nicht ihre erste Idee, die einen neuen Zugang zum Thema Tourismus öffnet.

Im Januar bereits brachten die Kreativen aus Wien die »Non-Disclosure Austria« Geheimhaltungserklärung auf den Weg, die Tourist:innen unterschreiben sollten, um zu garantieren, dass die schönen Orte Österreichs geheim bleiben.

Jetzt zeigt der Social-Media-Spot »The Austrian Synapse«, in dem Zeichentrick, Animé und Live-Action aufeinandertreffen auf schönste Landschaftsaufnahmen, spielende Kinder und romantische Abende treffen, wie sich in einem Urlaub in Österreich neue Synapsen bilden, die weit über die Ferienzeit hinaus nachsimmern.

Neurowissenschaft trifft Zeichentrick

Erzählen Landschaftsaufnahmen von dem Urlaubserlebnis in Österreich, von den Bergseen und Radrennstrecken, dem Ferienspaß für die Kinder und der Schönheit der Berge, zeigen Zeichentrick- und anderen artifizielle Aufnahmen ganz im Sinne der Neurowissenschaft, wie die Erlebnisse im Gehirn wirken.

Wie aus Kindern Superhelden werden, dass die Freiheit in den Bergen sich wie Galoppieren anfühlt, die Geschmacksnerven im Restaurant explodieren und sich auf diese Weise die Synapsen bilden.

Darauf muss man erst einmal kommen. Und die Umsetzung ist ein wilder Ritt – und das alles ist untermalt von dem Song »Softpower« der österreichischen Indie-Ikonen Bilderbuch.

Doch damit nicht genug, denn gleichzeitig kann man auf austriansynapse.com Live-Daten verfolgen, die visualisieren, wie die »Austrian Synapses« im Gehirn der Besucher:innen weltweit entstehen. Als wir geschaut haben, waren es 40.643.007:)

Erlebnisreiche Selbstoptimierung

Der Spot entstand gemeinsam PPMNext Film, Regie führte Roland Schafek, bekannt auch für seine Musikvideos, während die handgefertigten Animationen von Bounty Studio und Illustrator:innen wie Pia Graf stammen.

Mit diesem neuen Ansatz soll eine Generation angesprochen werden, die, wie Sandra Stichauner, CMO von Österreich Werbung, erklärt »Reisen als Investition in sich selbst sieht – in mentale Gesundheit, Inspiration und persönliche Entwicklung.«

Umso besser, dass die Kampagne die permanente Selbstoptimierung so ausgelassen und mitreißend inszeniert, dass sie nicht wie eine Investition, sondern wie ein wirklicher Urlaub wirkt.

Die Kampagne ist in den wichtigsten europäischen Märkten zu sehen, darunter Deutschland, die Schweiz, Großbritannien und die Niederlande. Dabei wird der Social-Media-Spot OOH, mit digitalen Plattformen und realen Aktivierungen später in diesem Jahr, begleitet.



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Kreativ-Exzellenz in Salzburg: Wo Design auf Technologie und Strategie trifft › PAGE online


Das Department Creative Technologies der Fachhochschule Salzburg setzt wegweisende Maßstäbe in der Designausbildung. Ausgezeichnet vom Art Directors Club Germany als beste Designhochschule, bietet der Studiengang MultiMediaArt eine interdisziplinäre Ausbildung. Bewerbungsfrist für den Master ist der 01.07.2026 – starte jetzt durch.

Kreativ-Exzellenz in Salzburg: Wo Design auf Technologie und Strategie trifft › PAGE online

Wer heute und zukünftig in der Kreativbranche erfolgreich sein will, muss die Sprache verschiedener Design-Disziplinen sprechen. Gefragt sind Köpfe, die Gestaltung als Werkzeug für komplexe gesellschaftliche und technologische Herausforderungen verstehen. Kreativität und innovative Technologien zeichnen das Department Creative Technologies an der FH Salzburg aus.

Der Fachbereich Kommunikationsdesign im Studiengang MultiMediaArt hat sich einen exzellenten Ruf erarbeitet, der weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Die jüngste Auszeichnung durch den Art Directors Club Germany als beste Designhochschule unterstreicht den hohen Anspruch und die Qualität der Lehre.

Das Besondere an der FH Salzburg ist die Kombination aus Exzellenz und Interdisziplinarität: Als ausgezeichnete Adresse lernst du hier nicht im stillen Kämmerlein, sondern entwickelst Projekte im direkten Austausch mit Kreativen aus den Bereichen Code, Audio oder Game Design.

Während der Bachelor das kreative Fundament gießt, transformiert der Master dein Designverständnis in eine strategische Führungskompetenz, die gesellschaftliche Wirkung und technologische Innovation vereint – ein Profil, das dich für die Branche unverzichtbar macht.

Das Fundament: Interdisziplinäres Bachelorstudium

Im Bachelorstudium legen Studierende nicht nur ihr gestalterisches und methodisches Fundament, sondern lernen von Tag eins an, über den Tellerrand zu blicken. Das Studium ist konsequent interdisziplinär angelegt. Designer:innen arbeiten hier Hand in Hand mit Kreativen aus den Bereichen:

  • Film & 3D-Animation
  • Audio & Game Design
  • Web Development

Die enge Verzahnung mit technologischen Disziplinen sorgt dafür, dass Absolvent:innen der FH Salzburg zu den gefragtesten Talenten der Branche zählen. Sie verstehen nicht nur das »Wie«, sondern auch das »Warum« hinter einer technischen Umsetzung.

Die Vertiefung: Strategie und Verantwortung im Masterstudium

Das Masterstudium geht einen entscheidenden Schritt weiter. Hier entwickeln die Studierenden die Fähigkeit, Gestaltung strategisch zu denken. Es geht um die Analyse von Wirkung in komplexen gesellschaftlichen Kontexten. Wer hier studiert, lernt, gestalterische Entscheidungen fundiert zu begründen und die Konsequenzen des eigenen Handelns zu verantworten. Es ist eine Ausbildung für künftige Creative Directors und Design-Strateg:innen, die Transformationen in der Kreativbranche aktiv mitgestalten wollen.

Die Studiengänge im Überblick

Das Department Creative Technologies bietet spezialisierte Pfade für jede Karrierephase – alle führen zu einem international anerkannten akademischen Grad:

Bachelor MultiMediaArt

Der Fokus liegt auf der Vermittlung von gestalterischen, konzeptionellen und methodischen Basics in einem kreativen High-Tech-Umfeld. Ideal für alle, die eine breite, aber fundierte Basis in der Welt der visuellen Kommunikation suchen.

Bachelor Code and Interactive Systems

Der Schwerpunkt liegt auf der Verschmelzung von Programmierung, Interaktionsdesign und Zukunftstechnologien wie KI oder Games. Geeignet für alle, die digitale Anwendungen nicht nur verstehen, sondern von Grund auf technisch selbst realisieren.

Master MultiMediaArt

Hier steht die Ausbildung von Management- und Strategiekompetenzen im Vordergrund. Ideal für kreative Köpfe, die Design als Werkzeug für komplexe gesellschaftliche Fragen nutzen und gestalterische Verantwortung in Führungspositionen übernehmen möchten.

Master Code and Interactive Systems

In diesem Studium liegt das Augenmerk auf der technischen Spezialisierung in Software-Engineering oder Next Generation Web. Geeignet für Technik-Begeisterte, die komplexe Systeme meistern und Innovationen an der Grenze zwischen Code und Design vorantreiben.

Master Human-Computer Interaction

Das Studium konzentriert sich auf die nutzerzentrierte Gestaltung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Ideal für alle, die in einem internationalen Umfeld erforschen wollen, wie Technologie intuitiv, barrierefrei und zukunftsweisend interagieren kann.

Warum die FH Salzburg?

Die Zahlen und Fakten sprechen für sich: Die Kombination aus praxisnaher Ausbildung, modernster Infrastruktur und der engen Vernetzung mit der Industrie macht Salzburg zu einem Hotspot für die Design-Szene. Absolvent:innen sind keine reinen »Ausführenden«, sondern reflektierte Gestalter:innen, die in Agenturen, Designstudios und Innovationsabteilungen weltweit Karriere machen.

Wichtige Termine & Kontakt

Plane deine Zukunft jetzt. Für das Studienjahr 2026 gelten folgende Fristen:

  • Bachelor-Bewerbung: war bis 01.05.2026
  • Master-Bewerbung: bis 01.07.2026

Persönliche Beratung:

Für fachspezifische Fragen zum Bereich Kommunikationsdesign steht dir die Fachbereichsleitung gerne zur Verfügung: Prof. Viktoria Kirjuchina
E-Mail: viktoria.schneider-kirjuchina@fh-salzburg.ac.at

Kosten im Überblick

  • 6 Semester Bachelor-Studium: 2.335,20 € (389,20 € pro Semester inkl. ÖH-Beitrag)
  • 4 Semester Master-Studium: 1.556,80 € (389,20 € pro Semester inkl. ÖH-Beitrag)
  • Österreichische Studienbeihilfe: Individuelle staatliche Förderung möglich (je nach Einkommen/Selbsterhalter-Status)
  • Material- & Softwarekosten: Abhängig vom Schwerpunkt (z. B. Creative Cloud, Hardware), meist individuell zu tragen
  • Reise und Unterkunft für Präsenzzeiten: Campus Urstein (Salzburg) individuell

Wichtige Links

Alle Infos zum Creative Technologies Department:
Alle Details zu den Studiengängen, Projekten und dem Campus

Zum Bachelorstudiengang MultiMediaArt:
Detaillierte Curriculum-Infos und Einblicke in den Bachelorstudiengang

Mehr Infos:
Aktuelle Veranstaltungen des Departments

Studiengänge Master im Überblick:
Studiengänge am Creative Technologies Department

Zu den Kosten & Stipendien
Mehr Informationen

Aufnahmeverfahren und Bewerbung für den Bachelor:
Bewerbung & Aufnahme

Alle Infos zu den Zugangsvoraussetzungen:
Hier informieren

Services für alle Interessierten:
Allgemeiner Service für Studierende im Überblick

Überblick über alle Angebote der FH Salzburg:
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Menschlichkeit aus dem Prompt? Warum sich bei der noch jungen Marke BarmeniaGothaer die Frage der Glaubwürdigkeit stellt – Design Tagebuch


Nach der Fusion von Barmenia und Gothaer präsentiert das Versicherungsunternehmen BarmeniaGothaer seine erste große Imagekampagne. In der DNA der noch jungen Marke ist „menschlich“ als zentraler Kernwert verankert. Die visuelle Welt der Kampagne besteht in weiten Teilen aus KI-generierten Inhalten. Wie bei derzeit keiner anderen Marke ist die Diskrepanz zwischen Markenversprechen und den im Rahmen der visuellen Umsetzung gewählten Mitteln so offensichtlich. Ein Kommentar. Und ein Appell für mehr Wahrhaftigkeit im Design.

Bereits zum Markteintritt im Oktober 2024 hatte BarmeniaGothaer auf der eigenen Website plakativ KI-generierte Inhalte eingesetzt. Anstelle von Menschen waren auf großformatigen Bildern Replikanten zu sehen (dt berichtete). Als KI-generiert gekennzeichnet waren die Bilder nicht.

Auch in der kürzlich aufgelegten Kampagne „Dein Leben ist voller Veränderungen“ setzt das Versicherungsunternehmen auf KI-generiertes Bild-/Videomaterial. Anders als noch beim ersten Mal wird nun innerhalb der Unternehmenskommunikation auf den Einsatz von KI hingewiesen. Gemäß Pressetext handelt es sich dabei um „ein hybrides Verfahren aus realem Fotoshooting und KI‑Einsatz“.

In dem 20-sekündigen Clip (Link auf YouTube) werden in Stop-Motion-ähnlicher Stilistik verschiedene Lebensabschnitte eines männlichen Protagonisten gezeigt. Mittels KI-generiertem Alterungseffekt entsteht dabei eine Illusion biografischer Kontinuität – diese soll beim Betrachter Vertrauen in die Marke stiften. Das damit verbundene Versprechen: Wir begleiten dich durch dein Leben.

Die Filmproduktion erfolgte, wie der offiziellen Pressemeldung zu entnehmen ist, durch Goodhouse Films unter Regisseur Joffrey Jans, die Fotoproduktion durch Robert Eikelpoth. Die Agentur Serviceplan München ist für Konzept und Umsetzung verantwortlich. Serviceplan München zeichnet auch für den im Herbst 2024 eingeführten Markenauftritt von BarmeniaGothaer verantwortlich.

„Menschlich – Partner ohne Wenn und Aber“ ist eine von drei Kernbotschaften von BarmeniaGothaer. Innerhalb der Herleitung des Markenlogos wird „menschlich – Der Mensch im Mittelpunkt“ als wichtiger inhaltlicher Referenzpunkt ausgewiesen. KI, genauer gesagt die Art, wie sie genutzt wird, steht damit im direkten Widerspruch zu dem vom Unternehmen artikulierten Versprechen. Menschlichkeit und künstliche Simulation – größer können Gegensätze kaum sein.

BarmeniaGothaer Imagekampagne „Das Leben ist voller Verönderungen“, Quelle: BarmeniaGothaer, YouTube

Es ist etwas anderes, ob KI dafür genutzt wird, Grafiken, Illustrationen oder Komposita zu erstellen, um so eine möglichst große Anzahl an Varianten bzw. um zusätzliche Ideen zu erhalten, oder ob mithilfe von KI zum Zwecke gezielter Wahrnehmungslenkung und Emotionalisierung Versprechen formuliert werden, die ein ganz bestimmtes Marken-Image erzeugen sollen. Ein Image, das womöglich nicht den Tatsachen entspricht. Allgemein gesprochen.

Bei Slogans wie „…verleiht Flügel“ und Werbebotschaften von Waschmittelherstellern wie „…riiiesige Strahlkraft“ oder „unübertroffen sauber und frisch“ weiß man als Konsument/Verbraucher/Kunde/Zielgruppe, dass sie metaphorisch gemeint beziehungsweise nur bedingt faktenbasiert sind. Wir wissen mittlerweile, dass die Aussage eine starke Übertreibung, eine Überhöhung der Realität darstellt.

„Weil du wichtig bist.“, der Marken-Claim von BarmeniaGothaer, ist hingegen arglistig, da man als Individuum direkt angesprochen wird und das Gefühl vermittelt bekommt, ernst genommen zu werden. Umso ernüchternder ist es dann, zu sehen, wie wenig diesem Eindruck in anderen Ebenen des kommunikativen Handelns entsprochen wird. Replikanten, die in die nicht vorhandene Kamera grinsend Menschsein und Menschlichkeit vortäuschen, prägen das Markengesicht von BarmeniaGothaer von Beginn an.

Ein Unternehmen, das Fairness und Verantwortungsbewusstsein beansprucht, Arbeiter auf Plantagen jedoch unzureichend bezahlt und diese ausbeutet, handelt in der gleichen Weise unmoralisch wie ein Unternehmen, das sich als menschlich bezeichnet, im kommunikativen Handeln jedoch in erster Linie synthetisch erzeugte Mittel nutzt. Wer, wie beispielsweise auch Starbucks, Menschlichkeit im Leitbild verankert hat und „grenzenlose Möglichkeiten der menschlichen Verbindung“ fördern möchte, muss auch konsequent danach handeln, an der Bedientheke, dem Empfang und der Kunden-Hotline ebenso wie in internen Meetings und Workshops mit Agenturen.

Auch wenn, so die Erklärung seitens BarmeniaGothaer, ein reales Fotoshooting der KI-Videoerstellung vorausgegangen ist, so ist das Produkt ein Ergebnis synthetischer Bilderzeugung. Ohne Bildsynthese wäre der Clip und die Storyline zwar auch bei entsprechend hohem Aufwand insbesondere im Bereich Maskenbild realisierbar, doch erst KI ermöglicht eine Umsetzung, die auch wirtschaftlich tragfähig ist.

„Ressourcenschonend“ nennt dies die Abteilung Strategie und Kundenmarketing der BarmeniaGothaer, offenkundig übersehend, dass für den Betrieb und das Training von KI-Modellen enorme Energiemengen verbraucht werden. Ein Aspekt, der in diesem Zusammenhang oftmals übersehen wird. Weltweit könnten KI-Systeme bis 2030 über 80 TWh/Jahr verbrauchen, vergleichbar mit dem gesamten Strombedarf der Niederlande (Quelle: Enviam Gruppe).

Energiehungrige generative KI als eine ressourcenschonende Lösung darzustellen ist Augenwischerei. Zwar wird eine konventionelle Methode (Filmtechnik, Crew, Set) aufgrund vor allem von Transport- und Materialkosten in aller Regel ressourcenintensiver als eine KI-Produktion sein. Würden für einen Spot hunderte Iterationen (Prompts) benötigt, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen, könnte der kumulierte Energieverbrauch der KI jedoch den eines kleinen, effizienten Drehs erreichen. Wenn zudem ein Markenbild aufgrund fehlender bzw. zu geringer Differenzierungsqualität nicht trägt und mittelfristig erneuert wird, bringt auch ein kurzfristig herbeigeführter Einsparungseffekt nichts. Auch hier gilt die Maxime: Wer billig kauft, kauft zweimal.

Manipulation, nachträgliche Bildretusche und die geschönte Inszenierung gibt es in der Werbung seit Jahrzehnten. Wer die Ansicht vertritt, wir müssten uns halt eben auch an neue Formen der Inszenierung und Manipulation gewöhnen,  übersieht womöglich die mit KI-Technologien verbundenen bei weitem größeren Gefahren. An Desinformation, automatisierte Betrugsmaschinen, Machtkonzentration, Abbau von Arbeitsplätzen, Datenschutzrisiken, Urheberrechtsverletzungen, Identitätsmissbrauch und Deepfakes, um nur einige zu nennen, möchte ich mich nicht gewöhnen.

Was technisch machbar bzw. finanziell umsetzbar und was ethisch geboten ist, ist nicht erst seit ChatGPT, Claude und GoogleGemini ein Grundsatzthema. Als Gesellschaft stehen wir noch ganz am Anfang des Lernprozesses, was den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Technologien betrifft. Und für die Kreativbranche stellt sich diese Herausforderung in besonderem Maße. Was heißt verantwortungsvoll?

BarmeniaGothaer Bildmarke „Sparkle“, Quelle: BarmeniaGothaer
BarmeniaGothaer Bildmarke „Sparkle“, Quelle: BarmeniaGothaer

Wenn Menschlichkeit nach außen (im Übrigen auch nach innen) vermittelt werden soll, kann das Fundament des Markendesigns nicht synthetisch sein. Hier besteht ein performativer Widerspruch. Die Bedingungen schließen sich gegeneinander aus. So wie sich Nähe, Vertrauen und persönliche Beratung vor Ort nicht glaubwürdig als Leistungs- und Markenversprechen vertreten lassen, wenn im Kundenkontakt in erster Linie – oder ausschließlich – auf Online-KI-Assistenten gesetzt wird.

Was ein Unternehmen in der Werbung verspricht, muss es auch halten. Irreführende Werbeaussagen, unvollständige Preisangaben oder fehlende Transparenz können rechtliche und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Grundlage hierfür ist das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG).

Auch die visuelle Umsetzung von Werbung und Markenkommunikation muss sich, wie ich meine, an jenem Anspruch messen lassen, den sie in Textform und im Leitbild formuliert. Doch im Fall BarmeniaGothaer untergraben die gewählten kommunikativen Mittel den selbstdefinierten Anspruch. Damit die Selbstbezeichnung „menschlich“ Geltung beanspruchen kann, bedarf es eines entsprechenden kommunikativen Handelns. Und dieses Handeln muss und sollte, da Marke ein ganzheitliches Konzept darstellt und nicht nur Design und Ästhetik umfasst, über alle Ebenen, Bereiche und Disziplinen hinweg konsistent sein.

Vor dem Hintergrund einer Verschiebung von Content zu Kontext ist entscheidend, und dieser Aspekt wird zukünftig aller Voraussicht nach eine noch größere Rolle spielen, WIE ein Produkt entsteht. Faktoren wie Produktionsbedingungen, Einhaltung sozialer und ökologischer Standards, Nachhaltigkeit und Lieferkette sind nicht nur für Produkte wie Lebensmittel und Kleidung bedeutsam, sie gelten auch für Leistungen, die im Rahmen von Corporate Design, Branding und Marketing entwickelt werden.

Konsumenten interessieren sich heutzutage stärker dafür, wie und unter welchen Rahmenbedingungen eine Sache entstanden ist. Was die große Beliebtheit von Workflow-Videos auf TikTok, Instagram und YouTube erklären mag. Menschen beschäftigen sich intensiv mit dem hinter einem Werk stehenden Schaffensprozess. Eine Entwicklung, die Hoffnung macht, wie der Motion Designer Vincent Schwenk im Interview im Grafikmagazin reflektiert. Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe 02/2026: Design und KI.

Im Kontext der digitalen Transformation, geprägt von KI, Social Media, ständiger Inszenierung und idealisierter Darstellung, sehnen sich viele Menschen nach Authentizität und Wahrhaftigkeit als Gegenpol zu manipulierbaren Inhalten. Dieses Interesse an Echtheit und Schaffensprozessen, an von Hand angefertigten Produkten gilt es für sich zu nutzen. Menschen lieben Geschichten. Doch wenn ein Mitarbeiter einen halben Tag lang mit bescheidenem Erfolg an einem einzelnen Bild herumprompt, entsteht in dieser Hinsicht rein gar nichts, kein interessanter Content, keine Geschichte, nichts Positives, das auf das Konto einer Marke einzahlen könnte.

Zurück zum Thema Transparenz. Unternehmen und Agenturen, die sich der damit verbundenen Verantwortung nicht bzw. noch nicht ausreichend stellen, werden im Umgang mit KI-Technologien womöglich schon bald die Konsequenzen spüren, auch da der regulatorische Druck von gesetzgebender Seite wächst. Der EU AI Act verpflichtet Anbieter bestimmter KI-Systeme zu Transparenz gegenüber Nutzern, wenn synthetische Inhalte reale Personen oder Situationen imitieren. Der betreffende Auszug aus dem EU AI Act (in Kraft seit 2024, schrittweise anwendbar ab 2025/2026) lautet:

Neben den technischen Lösungen, die von den Anbietern von KI-Systemen eingesetzt werden, sollten Betreiber, die ein KI-System zum Erzeugen oder Manipulieren von Bild-, Audio- oder Videoinhalte verwenden, die wirklichen Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen merklich ähneln und einer Person fälschlicherweise echt oder wahr erscheinen würden (Deepfakes), auch klar und deutlich offenlegen, dass die Inhalte künstlich erzeugt oder manipuliert wurden, indem sie die Ausgaben von KI entsprechend kennzeichnen und auf ihren künstlichen Ursprung hinweisen.

Als KI-generiert gekennzeichnet ist der BarmeniaGothaer-Spot weder auf YouTube (+6 Mio. Aufrufe) noch im Live-Stream im TV. Auf Instagram ist die betreffende Story hingegen mit dem Hinweis „teils KI-Inhalt“ gekennzeichnet. Innerhalb der Unternehmenskommunikation (B2B, Corporate, Presse) wird auf den KI-Einsatz ebenfalls hingewiesen, so auch auf Linkedin. Entscheidend ist jedoch, dass die Kennzeichnung unmittelbar im Zuge der Perzeption des Videos zu erfolgen hat, in jeder einzelnen Ausspielung. Es reicht nicht, innerhalb der Unternehmenskommunikation darauf einzugehen.

Von den vorwiegend negativen Kommentaren, die KI-Videos und -Bilder im Umfeld von Social Media oftmals nach sich ziehen, könnte zudem ein selbstregulierender Effekt ausgehen, wobei hierbei gleichermaßen externe und interne Kräfte und Dynamiken wirken. Es bedarf nicht erst eines Shitstorms, wie im Fall des peinlich-desaströsen Coca-Cola’s-AI-Christmas-Werbe-Trucks (2025), um einen Lerneffekt anzuregen. Auch ein Beitrag in einem Fachmedium wie diesem kann sensibilisierend wirken und den Diskurs weiter vorantreiben.

Um abschließend noch auf die Qualität und Bildästhetik des „Dein Leben ist voller Veränderungen“-Clips einzugehen. Meines Erachtens entspricht die gezeigte Bildsprache, trotz realer Vorlage, einem für KI typischen generischen, sterilen Look. Obendrein ist die Story stark klischeebehaftet, was freilich viele Werbespots gemein haben. Im Bemühen um Political Correctness und Vermittlung von Technologie-Zugewandtheit / Innovationsoffenheit bleiben ein eigener Stil, Unverwechselbarkeit und die Wärme echter Fotografie auf der Strecke.

Nebenbei gesagt könnte das BarmeniaGothaer-Markenlogo („Sparkle“, siehe Abb. oben) auch gut als visueller Markenabsender eines KI-Modells dienen. Mittlerweile fungiert die Sparkle-Symbolik als universelles Erkennungszeichen für KI-Funktionalität. Mit einer in dieser Weise konnotierten und besetzten Symbolik Schutz, Absicherung, Nähe, gar menschliche Fürsorge als Marke vermitteln zu wollen, ist mit zunehmender Bedeutung von KI maximal herausfordernd, wenn nicht aussichtslos.

Resümee

Die Bildästhetik des Clips ist letztlich nebensächlich, ebenso meine persönlichen Ansichten hierzu. Es geht um die Frage, zu welchen Zwecken KI eingesetzt werden kann, darf und sollte. Grundfragen wie diese gehören insbesondere in der Kreativbranche ausdiskutiert. Diese gilt es zu verhandeln. Wo ist die Baseline, wo die Grenze.

Dass ein großes Unternehmen KI zum Bestandteil der Kreation erklärt, ist für sich genommen keine Meldung. Künstliche Intelligenz hat längst Einzug in den Arbeitsalltag von Millionen Menschen gehalten und wird somit auch innerhalb kreativer Schaffensprozesse ganz selbstverständlich eingesetzt.

Wenn hingegen ein Versicherungsunternehmen mit 8 Millionen Kunden menschliche Expertise, persönliche Beratung und professionellen Rat in allen Lebensphasen verspricht, allerdings innerhalb der Kommunikation synthetisch erzeugte Lebensbilder zeigt und KI-Produktion/-Kreation zum Standard erklärt, ist dies nicht pikant, es stellt ein ethisches Problem dar und betrifft eben jene Grundfragen. Wenn infolgedessen die Wertschätzung menschlicher Arbeit sinkt und schöpferische Kreativtätigkeiten wegrationalisiert werden, dann sollte dies innerhalb der Branche als Signal verstanden werden.

Quellen

Interne Verlinkungen

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Knackig, opulent inszeniert & mit viel Humor: So wirbt Apple in Indien! › PAGE online


Mit fünf Spots, die von den smarten Funktionen des iPhone 17 erzählen, führt Apple mitten hinein in den Palast einer royalen Familie. Die hat mit ganz weltlichen Problemen zu kämpfen – und das ist ein wirklicher Spaß.

Knackig, opulent inszeniert & mit viel Humor: So wirbt Apple in Indien! › PAGE online

Mit den Apple-Kampagnen kann man immer wieder um die Welt reisen. Mit dem verblüffenden Spot »¡Suerte!« ging es nach Mexiko, in dem epischen 12-Minüter »I Made A Mixtape For You« nach China.

In gleich fünf Spots führt jetzt die Reise nach Indien. Und das zu einer royalen Familie, deren Oberhaupt sich mit einigen Problemen herumschlagen muss. Und das immer, wenn eine Botin ganz außer Atem im Palast auftaucht und schlechte Nachrichten überbringt.

Mal ist der royale Sneaker vom ebenso royalem Mops zerkaut, dann wieder hat die Gattin ihre AirPods irgendwo liegen gelassen (im Bubble Tea Shop, wie sich herausstellt). Dann passt der Clan nicht aufs Gruppenfoto, muss das Phone schnell geladen werden oder der Herrscher beim Kochen multitasken.

Alles kein Problem mit der Visual Intelligence des iPhones, der FindMy- und Selfie-Funktion, der Dual Captures und des Fast Charging.

Das alles ist opulent in Szene gesetzt, in prächtigen Farben und warmem Licht, gerade Mal 20 Sekunden lang und pointiert und immer wieder mit einem Twist versehen.

Knackige Spots für die Prime Time

Regie bei dem Apple-Spot, der wie immer von TBWA\ Media Arts Lab stammt, führte Ayappa KM. Preisgekrönt in Cannes und auf zahlreichen anderen Festivals, beweist der indische Autor und Regisseur, der auch Dokumentarfilme und Serien dreht, dass er ein Meister des perfekten Timings ist.

Er zeigt, dass er einen untrüglichen Blick fürs Detail hat, für kleine Gesten und entscheidende Blicke – und bringt das alles in einer ausgefeilten und pointierten Choreografie zusammen.

Seinen eigenen Stil, der sich immer wieder jenseits vom Mainstream bewegt, hat Ayappa KM mit Lieblingsvideos wie »Around The World«, das Michel Gondry für Daft Punk drehte, ebenso geschärft wie mit Kultfilmen wie »Clockwork Orange« und Jonathan Glazers spektakulärem »Surfer«-Werbespot. 1999 für Guinness gedreht, lässt er darin Pferde in den Schaumkronen riesiger Wellen auftauchen und sie hinab galoppieren.

Die Royal iPhone 17 Spots werden während des größten Sportereignisses des Landes ausgestrahlt, der Indian Premier League, die noch bis zum 31. Mai stattfindet.

Agentur: TBWA\ Media Arts Lab (Indien)
Regie: Ayappa KM
Produktion: Earlyman Film
Postproduktion: Heckler
Schnitt: Earlyman Film
Kamera: Daniel Abelló

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