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Knackig, opulent inszeniert & mit viel Humor: So wirbt Apple in Indien! › PAGE online


Mit fünf Spots, die von den smarten Funktionen des iPhone 17 erzählen, führt Apple mitten hinein in den Palast einer royalen Familie. Die hat mit ganz weltlichen Problemen zu kämpfen – und das ist ein wirklicher Spaß.

Knackig, opulent inszeniert & mit viel Humor: So wirbt Apple in Indien! › PAGE online

Mit den Apple-Kampagnen kann man immer wieder um die Welt reisen. Mit dem verblüffenden Spot »¡Suerte!« ging es nach Mexiko, in dem epischen 12-Minüter »I Made A Mixtape For You« nach China.

In gleich fünf Spots führt jetzt die Reise nach Indien. Und das zu einer royalen Familie, deren Oberhaupt sich mit einigen Problemen herumschlagen muss. Und das immer, wenn eine Botin ganz außer Atem im Palast auftaucht und schlechte Nachrichten überbringt.

Mal ist der royale Sneaker vom ebenso royalem Mops zerkaut, dann wieder hat die Gattin ihre AirPods irgendwo liegen gelassen (im Bubble Tea Shop, wie sich herausstellt). Dann passt der Clan nicht aufs Gruppenfoto, muss das Phone schnell geladen werden oder der Herrscher beim Kochen multitasken.

Alles kein Problem mit der Visual Intelligence des iPhones, der FindMy- und Selfie-Funktion, der Dual Captures und des Fast Charging.

Das alles ist opulent in Szene gesetzt, in prächtigen Farben und warmem Licht, gerade Mal 20 Sekunden lang und pointiert und immer wieder mit einem Twist versehen.

Knackige Spots für die Prime Time

Regie bei dem Apple-Spot, der wie immer von TBWA\ Media Arts Lab stammt, führte Ayappa KM. Preisgekrönt in Cannes und auf zahlreichen anderen Festivals, beweist der indische Autor und Regisseur, der auch Dokumentarfilme und Serien dreht, dass er ein Meister des perfekten Timings ist.

Er zeigt, dass er einen untrüglichen Blick fürs Detail hat, für kleine Gesten und entscheidende Blicke – und bringt das alles in einer ausgefeilten und pointierten Choreografie zusammen.

Seinen eigenen Stil, der sich immer wieder jenseits vom Mainstream bewegt, hat Ayappa KM mit Lieblingsvideos wie »Around The World«, das Michel Gondry für Daft Punk drehte, ebenso geschärft wie mit Kultfilmen wie »Clockwork Orange« und Jonathan Glazers spektakulärem »Surfer«-Werbespot. 1999 für Guinness gedreht, lässt er darin Pferde in den Schaumkronen riesiger Wellen auftauchen und sie hinab galoppieren.

Die Royal iPhone 17 Spots werden während des größten Sportereignisses des Landes ausgestrahlt, der Indian Premier League, die noch bis zum 31. Mai stattfindet.

Agentur: TBWA\ Media Arts Lab (Indien)
Regie: Ayappa KM
Produktion: Earlyman Film
Postproduktion: Heckler
Schnitt: Earlyman Film
Kamera: Daniel Abelló

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Menschlichkeit aus dem Prompt? Warum sich bei der noch jungen Marke BarmeniaGothaer die Frage der Glaubwürdigkeit stellt – Design Tagebuch


Nach der Fusion von Barmenia und Gothaer präsentiert das Versicherungsunternehmen BarmeniaGothaer seine erste große Imagekampagne. In der DNA der noch jungen Marke ist „menschlich“ als zentraler Kernwert verankert. Die visuelle Welt der Kampagne besteht in weiten Teilen aus KI-generierten Inhalten. Wie bei derzeit keiner anderen Marke ist die Diskrepanz zwischen Markenversprechen und den im Rahmen der visuellen Umsetzung gewählten Mitteln so offensichtlich. Ein Kommentar. Und ein Appell für mehr Wahrhaftigkeit im Design.

Bereits zum Markteintritt im Oktober 2024 hatte BarmeniaGothaer auf der eigenen Website plakativ KI-generierte Inhalte eingesetzt. Anstelle von Menschen waren auf großformatigen Bildern Replikanten zu sehen (dt berichtete). Als KI-generiert gekennzeichnet waren die Bilder nicht.

Auch in der kürzlich aufgelegten Kampagne „Dein Leben ist voller Veränderungen“ setzt das Versicherungsunternehmen auf KI-generiertes Bild-/Videomaterial. Anders als noch beim ersten Mal wird nun innerhalb der Unternehmenskommunikation auf den Einsatz von KI hingewiesen. Gemäß Pressetext handelt es sich dabei um „ein hybrides Verfahren aus realem Fotoshooting und KI‑Einsatz“.

In dem 20-sekündigen Clip (Link auf YouTube) werden in Stop-Motion-ähnlicher Stilistik verschiedene Lebensabschnitte eines männlichen Protagonisten gezeigt. Mittels KI-generiertem Alterungseffekt entsteht dabei eine Illusion biografischer Kontinuität – diese soll beim Betrachter Vertrauen in die Marke stiften. Das damit verbundene Versprechen: Wir begleiten dich durch dein Leben.

Die Filmproduktion erfolgte, wie der offiziellen Pressemeldung zu entnehmen ist, durch Goodhouse Films unter Regisseur Joffrey Jans, die Fotoproduktion durch Robert Eikelpoth. Die Agentur Serviceplan München ist für Konzept und Umsetzung verantwortlich. Serviceplan München zeichnet auch für den im Herbst 2024 eingeführten Markenauftritt von BarmeniaGothaer verantwortlich.

„Menschlich – Partner ohne Wenn und Aber“ ist eine von drei Kernbotschaften von BarmeniaGothaer. Innerhalb der Herleitung des Markenlogos wird „menschlich – Der Mensch im Mittelpunkt“ als wichtiger inhaltlicher Referenzpunkt ausgewiesen. KI, genauer gesagt die Art, wie sie genutzt wird, steht damit im direkten Widerspruch zu dem vom Unternehmen artikulierten Versprechen. Menschlichkeit und künstliche Simulation – größer können Gegensätze kaum sein.

BarmeniaGothaer Imagekampagne „Das Leben ist voller Verönderungen“, Quelle: BarmeniaGothaer, YouTube

Es ist etwas anderes, ob KI dafür genutzt wird, Grafiken, Illustrationen oder Komposita zu erstellen, um so eine möglichst große Anzahl an Varianten bzw. um zusätzliche Ideen zu erhalten, oder ob mithilfe von KI zum Zwecke gezielter Wahrnehmungslenkung und Emotionalisierung Versprechen formuliert werden, die ein ganz bestimmtes Marken-Image erzeugen sollen. Ein Image, das womöglich nicht den Tatsachen entspricht. Allgemein gesprochen.

Bei Slogans wie „…verleiht Flügel“ und Werbebotschaften von Waschmittelherstellern wie „…riiiesige Strahlkraft“ oder „unübertroffen sauber und frisch“ weiß man als Konsument/Verbraucher/Kunde/Zielgruppe, dass sie metaphorisch gemeint beziehungsweise nur bedingt faktenbasiert sind. Wir wissen mittlerweile, dass die Aussage eine starke Übertreibung, eine Überhöhung der Realität darstellt.

„Weil du wichtig bist.“, der Marken-Claim von BarmeniaGothaer, ist hingegen arglistig, da man als Individuum direkt angesprochen wird und das Gefühl vermittelt bekommt, ernst genommen zu werden. Umso ernüchternder ist es dann, zu sehen, wie wenig diesem Eindruck in anderen Ebenen des kommunikativen Handelns entsprochen wird. Replikanten, die in die nicht vorhandene Kamera grinsend Menschsein und Menschlichkeit vortäuschen, prägen das Markengesicht von BarmeniaGothaer von Beginn an.

Ein Unternehmen, das Fairness und Verantwortungsbewusstsein beansprucht, Arbeiter auf Plantagen jedoch unzureichend bezahlt und diese ausbeutet, handelt in der gleichen Weise unmoralisch wie ein Unternehmen, das sich als menschlich bezeichnet, im kommunikativen Handeln jedoch in erster Linie synthetisch erzeugte Mittel nutzt. Wer, wie beispielsweise auch Starbucks, Menschlichkeit im Leitbild verankert hat und „grenzenlose Möglichkeiten der menschlichen Verbindung“ fördern möchte, muss auch konsequent danach handeln, an der Bedientheke, dem Empfang und der Kunden-Hotline ebenso wie in internen Meetings und Workshops mit Agenturen.

Auch wenn, so die Erklärung seitens BarmeniaGothaer, ein reales Fotoshooting der KI-Videoerstellung vorausgegangen ist, so ist das Produkt ein Ergebnis synthetischer Bilderzeugung. Ohne Bildsynthese wäre der Clip und die Storyline zwar auch bei entsprechend hohem Aufwand insbesondere im Bereich Maskenbild realisierbar, doch erst KI ermöglicht eine Umsetzung, die auch wirtschaftlich tragfähig ist.

„Ressourcenschonend“ nennt dies die Abteilung Strategie und Kundenmarketing der BarmeniaGothaer, offenkundig übersehend, dass für den Betrieb und das Training von KI-Modellen enorme Energiemengen verbraucht werden. Ein Aspekt, der in diesem Zusammenhang oftmals übersehen wird. Weltweit könnten KI-Systeme bis 2030 über 80 TWh/Jahr verbrauchen, vergleichbar mit dem gesamten Strombedarf der Niederlande (Quelle: Enviam Gruppe).

Energiehungrige generative KI als eine ressourcenschonende Lösung darzustellen ist Augenwischerei. Zwar wird eine konventionelle Methode (Filmtechnik, Crew, Set) aufgrund vor allem von Transport- und Materialkosten in aller Regel ressourcenintensiver als eine KI-Produktion sein. Würden für einen Spot hunderte Iterationen (Prompts) benötigt, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen, könnte der kumulierte Energieverbrauch der KI jedoch den eines kleinen, effizienten Drehs erreichen. Wenn zudem ein Markenbild aufgrund fehlender bzw. zu geringer Differenzierungsqualität nicht trägt und mittelfristig erneuert wird, bringt auch ein kurzfristig herbeigeführter Einsparungseffekt nichts. Auch hier gilt die Maxime: Wer billig kauft, kauft zweimal.

Manipulation, nachträgliche Bildretusche und die geschönte Inszenierung gibt es in der Werbung seit Jahrzehnten. Wer die Ansicht vertritt, wir müssten uns halt eben auch an neue Formen der Inszenierung und Manipulation gewöhnen,  übersieht womöglich die mit KI-Technologien verbundenen bei weitem größeren Gefahren. An Desinformation, automatisierte Betrugsmaschinen, Machtkonzentration, Abbau von Arbeitsplätzen, Datenschutzrisiken, Urheberrechtsverletzungen, Identitätsmissbrauch und Deepfakes, um nur einige zu nennen, möchte ich mich nicht gewöhnen.

Was technisch machbar bzw. finanziell umsetzbar und was ethisch geboten ist, ist nicht erst seit ChatGPT, Claude und GoogleGemini ein Grundsatzthema. Als Gesellschaft stehen wir noch ganz am Anfang des Lernprozesses, was den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Technologien betrifft. Und für die Kreativbranche stellt sich diese Herausforderung in besonderem Maße. Was heißt verantwortungsvoll?

BarmeniaGothaer Bildmarke „Sparkle“, Quelle: BarmeniaGothaer
BarmeniaGothaer Bildmarke „Sparkle“, Quelle: BarmeniaGothaer

Wenn Menschlichkeit nach außen (im Übrigen auch nach innen) vermittelt werden soll, kann das Fundament des Markendesigns nicht synthetisch sein. Hier besteht ein performativer Widerspruch. Die Bedingungen schließen sich gegeneinander aus. So wie sich Nähe, Vertrauen und persönliche Beratung vor Ort nicht glaubwürdig als Leistungs- und Markenversprechen vertreten lassen, wenn im Kundenkontakt in erster Linie – oder ausschließlich – auf Online-KI-Assistenten gesetzt wird.

Was ein Unternehmen in der Werbung verspricht, muss es auch halten. Irreführende Werbeaussagen, unvollständige Preisangaben oder fehlende Transparenz können rechtliche und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Grundlage hierfür ist das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG).

Auch die visuelle Umsetzung von Werbung und Markenkommunikation muss sich, wie ich meine, an jenem Anspruch messen lassen, den sie in Textform und im Leitbild formuliert. Doch im Fall BarmeniaGothaer untergraben die gewählten kommunikativen Mittel den selbstdefinierten Anspruch. Damit die Selbstbezeichnung „menschlich“ Geltung beanspruchen kann, bedarf es eines entsprechenden kommunikativen Handelns. Und dieses Handeln muss und sollte, da Marke ein ganzheitliches Konzept darstellt und nicht nur Design und Ästhetik umfasst, über alle Ebenen, Bereiche und Disziplinen hinweg konsistent sein.

Vor dem Hintergrund einer Verschiebung von Content zu Kontext ist entscheidend, und dieser Aspekt wird zukünftig aller Voraussicht nach eine noch größere Rolle spielen, WIE ein Produkt entsteht. Faktoren wie Produktionsbedingungen, Einhaltung sozialer und ökologischer Standards, Nachhaltigkeit und Lieferkette sind nicht nur für Produkte wie Lebensmittel und Kleidung bedeutsam, sie gelten auch für Leistungen, die im Rahmen von Corporate Design, Branding und Marketing entwickelt werden.

Konsumenten interessieren sich heutzutage stärker dafür, wie und unter welchen Rahmenbedingungen eine Sache entstanden ist. Was die große Beliebtheit von Workflow-Videos auf TikTok, Instagram und YouTube erklären mag. Menschen beschäftigen sich intensiv mit dem hinter einem Werk stehenden Schaffensprozess. Eine Entwicklung, die Hoffnung macht, wie der Motion Designer Vincent Schwenk im Interview im Grafikmagazin reflektiert. Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe 02/2026: Design und KI.

Im Kontext der digitalen Transformation, geprägt von KI, Social Media, ständiger Inszenierung und idealisierter Darstellung, sehnen sich viele Menschen nach Authentizität und Wahrhaftigkeit als Gegenpol zu manipulierbaren Inhalten. Dieses Interesse an Echtheit und Schaffensprozessen, an von Hand angefertigten Produkten gilt es für sich zu nutzen. Menschen lieben Geschichten. Doch wenn ein Mitarbeiter einen halben Tag lang mit bescheidenem Erfolg an einem einzelnen Bild herumprompt, entsteht in dieser Hinsicht rein gar nichts, kein interessanter Content, keine Geschichte, nichts Positives, das auf das Konto einer Marke einzahlen könnte.

Zurück zum Thema Transparenz. Unternehmen und Agenturen, die sich der damit verbundenen Verantwortung nicht bzw. noch nicht ausreichend stellen, werden im Umgang mit KI-Technologien womöglich schon bald die Konsequenzen spüren, auch da der regulatorische Druck von gesetzgebender Seite wächst. Der EU AI Act verpflichtet Anbieter bestimmter KI-Systeme zu Transparenz gegenüber Nutzern, wenn synthetische Inhalte reale Personen oder Situationen imitieren. Der betreffende Auszug aus dem EU AI Act (in Kraft seit 2024, schrittweise anwendbar ab 2025/2026) lautet:

Neben den technischen Lösungen, die von den Anbietern von KI-Systemen eingesetzt werden, sollten Betreiber, die ein KI-System zum Erzeugen oder Manipulieren von Bild-, Audio- oder Videoinhalte verwenden, die wirklichen Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen merklich ähneln und einer Person fälschlicherweise echt oder wahr erscheinen würden (Deepfakes), auch klar und deutlich offenlegen, dass die Inhalte künstlich erzeugt oder manipuliert wurden, indem sie die Ausgaben von KI entsprechend kennzeichnen und auf ihren künstlichen Ursprung hinweisen.

Als KI-generiert gekennzeichnet ist der BarmeniaGothaer-Spot weder auf YouTube (+6 Mio. Aufrufe) noch im Live-Stream im TV. Auf Instagram ist die betreffende Story hingegen mit dem Hinweis „teils KI-Inhalt“ gekennzeichnet. Innerhalb der Unternehmenskommunikation (B2B, Corporate, Presse) wird auf den KI-Einsatz ebenfalls hingewiesen, so auch auf Linkedin. Entscheidend ist jedoch, dass die Kennzeichnung unmittelbar im Zuge der Perzeption des Videos zu erfolgen hat, in jeder einzelnen Ausspielung. Es reicht nicht, innerhalb der Unternehmenskommunikation darauf einzugehen.

Von den vorwiegend negativen Kommentaren, die KI-Videos und -Bilder im Umfeld von Social Media oftmals nach sich ziehen, könnte zudem ein selbstregulierender Effekt ausgehen, wobei hierbei gleichermaßen externe und interne Kräfte und Dynamiken wirken. Es bedarf nicht erst eines Shitstorms, wie im Fall des peinlich-desaströsen Coca-Cola’s-AI-Christmas-Werbe-Trucks (2025), um einen Lerneffekt anzuregen. Auch ein Beitrag in einem Fachmedium wie diesem kann sensibilisierend wirken und den Diskurs weiter vorantreiben.

Um abschließend noch auf die Qualität und Bildästhetik des „Dein Leben ist voller Veränderungen“-Clips einzugehen. Meines Erachtens entspricht die gezeigte Bildsprache, trotz realer Vorlage, einem für KI typischen generischen, sterilen Look. Obendrein ist die Story stark klischeebehaftet, was freilich viele Werbespots gemein haben. Im Bemühen um Political Correctness und Vermittlung von Technologie-Zugewandtheit / Innovationsoffenheit bleiben ein eigener Stil, Unverwechselbarkeit und die Wärme echter Fotografie auf der Strecke.

Nebenbei gesagt könnte das BarmeniaGothaer-Markenlogo („Sparkle“, siehe Abb. oben) auch gut als visueller Markenabsender eines KI-Modells dienen. Mittlerweile fungiert die Sparkle-Symbolik als universelles Erkennungszeichen für KI-Funktionalität. Mit einer in dieser Weise konnotierten und besetzten Symbolik Schutz, Absicherung, Nähe, gar menschliche Fürsorge als Marke vermitteln zu wollen, ist mit zunehmender Bedeutung von KI maximal herausfordernd, wenn nicht aussichtslos.

Resümee

Die Bildästhetik des Clips ist letztlich nebensächlich, ebenso meine persönlichen Ansichten hierzu. Es geht um die Frage, zu welchen Zwecken KI eingesetzt werden kann, darf und sollte. Grundfragen wie diese gehören insbesondere in der Kreativbranche ausdiskutiert. Diese gilt es zu verhandeln. Wo ist die Baseline, wo die Grenze.

Dass ein großes Unternehmen KI zum Bestandteil der Kreation erklärt, ist für sich genommen keine Meldung. Künstliche Intelligenz hat längst Einzug in den Arbeitsalltag von Millionen Menschen gehalten und wird somit auch innerhalb kreativer Schaffensprozesse ganz selbstverständlich eingesetzt.

Wenn hingegen ein Versicherungsunternehmen mit 8 Millionen Kunden menschliche Expertise, persönliche Beratung und professionellen Rat in allen Lebensphasen verspricht, allerdings innerhalb der Kommunikation synthetisch erzeugte Lebensbilder zeigt und KI-Produktion/-Kreation zum Standard erklärt, ist dies nicht pikant, es stellt ein ethisches Problem dar und betrifft eben jene Grundfragen. Wenn infolgedessen die Wertschätzung menschlicher Arbeit sinkt und schöpferische Kreativtätigkeiten wegrationalisiert werden, dann sollte dies innerhalb der Branche als Signal verstanden werden.

Quellen

Interne Verlinkungen

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Von Kultur bis Haltung: Fünf Trends bei der OFFF › PAGE online


Felix Damerius, ECD der Peter Schmidt Group und Kurator der Typo-Trends für PAGE, stand diesmal selbst auf der Bühne in Barcelona. Bei den zahlreichen Eindrücken vor Ort sind es vor allem fünf Trends, die die diesjährige OFFF geprägt haben.

Von Kultur bis Haltung: Fünf Trends bei der OFFF › PAGE onlineBild: Arnau RoviraSeit Wochen fiebert man drauf hin – und dann ist sie auch schon wieder vorbei: die OFFF in Barcelona. Drei Tage Input, Gespräche und diese typische Erschöpfung, die sich nur gut anfühlen kann. Für mich war die OFFF in diesem Jahr ein besonderes Erlebnis: nicht nur als Besucher, sondern gerade als Speaker. Zusammen mit unserem CEO Lukas Cottrell durfte ich mit »Own Your Aura« zeigen, wie wir Marken verstehen und verbessern. Selbst auf der Bühne zu stehen, vor so vielen Menschen, das lässt niemanden kalt. Gleichzeitig war es auch eine riesengroße Ehre, die eigene Arbeit auf der großen Leinwand zeigen zu können.

Drei Tage OFFF in Barcelona bedeuten nicht nur volle Programme und visuelle Eindrücke, sondern auch Austausch mit anderen, bei einer Cerveza, in abgelegenen Industrieanlagen oder beim täglichen Tapasessen. Nach drei Tagen hat man aber besonders eins: ein schärferes Gefühl dafür, wohin sich kreative Arbeit gerade bewegt. Zwischen Talks, Projekten und Gesprächen ließen sich in diesem Jahr einige Trends erkennen. Fünf davon sind bei mir besonders hängen geblieben:

1: Branding mit kultureller Bedeutung

Die OFFF stand in diesem Jahr unter dem Motto »Cultured«. Für die visuelle Identität kultivierte Uncommon buchstäblich die Bakterien der kreativen Community. Wie? Indem sie Gestalter aus aller Welt zu Events mit Essen und Getränken einluden. Was die Gäste nicht wussten: Im Nachhinein entnahm das Uncommon-Team Proben von benutzten Bechern und Gegenständen. In Petrischalen herangezüchtet, formten die gewonnenen Bakterienkulturen schließlich das bunte, vielfältige OFFF-Visual. (Siehe Video!)

Der Ansatz beschreibt einen klaren Trend: weg vom durchoptimierten Branding hin zu kulturell verankerten Systemen. Gestaltung wird als kollektiver, lebendiger Prozess verstanden – roh und experimentell. Kreativität entsteht im Austausch, gewinnt Bedeutung durch Kontakt und schöpft ihre Stärke aus gemeinsamen Prozessen und geteilter Geschichte.

Drei farbintensive Poster hängen nebeneinander an einer hellen Wand. Links ein rot-weißes, abstraktes Motiv mit stilisierter Schrift „CULTURED“, in der Mitte ein blau-grünes, organisch wirkendes Design mit dem Schriftzug „CULTURE IS CONTAGIOUS“, rechts ein orangefarbenes Poster mit großflächiger Typografie „BARCELONA 2026“.
Nicht nur Bakterien – die visuelle Identity der OFFF hat Geschichte Bild: PSG

2: Die Persönlichkeit zählt

Wir alle haben eine Vorstellung davon, wie Präsentationen so laufen: Cases, Showreel, Cases – und am Ende staunt das Publikum. Bei der OFFF war die Ansage von Anfang an: Zeigt nicht das, was man auf der Website eh schon sieht, sondern die Geschichten dahinter. Bei vielen Speakern waren diese Stories sehr persönlich: Lebenswege, persönliche Hintergründe und Scheitern wurden Teil der Präsentationen – und machten sie dadurch nahbarer. James Callahan, CEO von Future Deluxe, redete über seine Erfahrung wie es war, plötzlich CEO zu sein und sich mit Zahlen und Begriffen rumschlagen zu müssen, die er vorher nicht mal kannte. Natürlich waren auch die Projekte Highlights. Aber sie standen eben nicht für sich allein.

Ein Mann steht auf einer Bühne und hält einen Vortrag vor Publikum. Hinter ihm ist eine große Leinwand mit einem Ausschnitt der Mona Lisa und dem Text „I thought I had to be someone else – turns out I just had to be more me“. Im Vordergrund sitzen Zuhörer und blicken zur Bühne.
James Callahan wird persönlich, man darf auch im T-Shirt CEO sein. Bild: PSG

3: Mehr Menschlichkeit

Jede Bewegung ruft eine Gegenbewegung hervor. Im Zeitalter von künstlicher Intelligenz bekommt genau das wieder eine Bühne, was die menschliche Handschrift erkennen lässt. Ob persönliche Skizzen, Zeichnungen, Graffiti und Process Charts – Dinge, die reale Prozesse zeigen. Menschliche Gedankengänge statt Prompts. Foreal stellte die Frage »Wer von euch hat in den letzten Tagen mit dem Stift etwas gezeichnet?« – und überraschend für alle: Viele im Raum hoben die Hand! Analog ist also relevanter denn je.

Ein Mann steht auf einer Bühne neben einem pinken Rednerpult mit der Aufschrift „ROOTS“ und hält einen Vortrag. Hinter ihm zeigt eine große Leinwand den Text „A PEN AND A SIGNATURE STYLE“ mit grafischen Elementen. Im Vordergrund sind Teile des Publikums zu sehen, die zur Bühne blicken.
Foreal zeigte, wie kreative Ideen Menschen beeindrucken können. Bild: PSG

4: Perfektionismus ist out

Viele Talks einte in diesem Jahr ein beinahe befreiender Gedanke: Perfektion ist kein Ziel mehr. Scheitern gehört zum Weg. Los York zeigt das anhand eines Projekts, das so deutlich misslang, dass der Kunde sagte: »Du wirst in dieser Stadt nie wieder arbeiten.« Der wahre Albtraum eines jeden Gestalters! Doch genau darin liegt die Erkenntnis: Es geht darum, Dinge zu veröffentlichen, zu testen und sich weiterzuentwickeln. Fehler, Brüche und Unschärfen sind kein Makel, sondern ein fester Teil des gestalterischen Prozesses.

Ein Mann steht auf einer Bühne neben einem pinken Rednerpult und spricht vor Publikum. Hinter ihm zeigt eine große Leinwand den handschriftlich wirkenden Text: „We don’t learn from the wins! We really learn from losses!“. Im Vordergrund sitzen Zuhörer und verfolgen den Vortrag.
Los York startete die Präsentation mit Fehlern, nicht mit Perfektion. Bild: PSG

5: Haltung statt Tools

Gleich zu Beginn gab Uncommon den Ton an: »In einem Zeitalter von Prompts wird Geschmack das sein, was heraussticht.« KI, neue Software, das nächste große Kreativ-Tool – die OFFF hat eines sehr deutlich gemacht: Tools ersetzen keine Ideen. Sie sind Werkzeuge. Entscheidend ist der Blick dahinter: der Faktor Mensch, die individuelle Haltung und der ganz persönliche Blick. Das passte irgendwie dann auch zu unserer Präsentation: KI erzeugt austauschbare Ergebnisse. Das Besondere, die Aura einer Marke, entsteht nur durch die Kraft der menschlichen Idee.

Und trotzdem: Niemand war »anti AI« – im Gegenteil. Die zentrale Botschaft war eindeutig: Nicht das neueste Tool erzeugt gute Ideen, sondern Menschen – mit Fantasie, mit Meinungen, und Ecken und Kanten.

Von Kultur bis Haltung: Fünf Trends bei der OFFF › PAGE onlineBild: Arnau Rovira

Was bleibt

Zwischen Vorträgen, Sonne, Beton und Gesprächen entsteht auf der OFFF jedes Jahr ein besonderer Raum. Einer, in dem Status egal ist, in dem man genauso viel lernt, wenn man zufällig irgendwo sitzen bleibt oder gezielt zu einem Vortrag geht. Die OFFF ist keine klassische Designkonferenz – sie ist ein Ort des Austausches und ein Treffpunkt für eine ganze Community. Sie wird zur Bühne grandioser Arbeit, aber zeigt auch, dass Zweifel dazugehören. Dass Wege selten gerade verlaufen. Und dass das vollkommen okay ist.





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Brand Forward: Was macht Marken heute stark? › PAGE online


Beim German Brand Award werden Marken ausgezeichnet, die »Brand Forward« denken und mit exzellenter Markenführung einen Unterschied machen. Aber was heißt das eigentlich konkret – und wann ist eine Marke stark? Wir haben bei den Juror:innen des German Brand Award nachgefragt.

Brand Forward: Was macht Marken heute stark? › PAGE onlineBild: Ben Kuhlmann © German Design CouncilWas bedeutet eigentlich »Marke« und was macht eine starke Marke heute aus? Sind deutsche Marken überhaupt begehrenswert? Und wie wichtig ist Branding? Das haben wir fünf von 17 der Jurymitglieder des German Brand Award 2026 gefragt – und festgestellt: Marke ist mehr als Kommunikation oder Design, sondern zentrales Orientierungssystem in den Köpfen der Zielgruppen.

Das ist heute wichtiger denn je. Denn in einer Zeit, die von Informationsüberfluss, Austauschbarkeit und KI geprägt ist, wird es für Menschen zunehmend schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Genau hier liegt das Problem: Produkte und Dienstleistungen gleichen sich immer stärker an, während die Zahl der Reize und Botschaften wächst. Marken übernehmen dabei die Rolle einer Abkürzung, schaffen Vertrauen, reduzieren Unsicherheit und geben Orientierung. Und werden damit zum entscheidenden Faktor für Relevanz, Differenzierung und Erfolg.

Ein Mann in weißem Hemd und grauer Stoffhose steht entspannt in einem hellen Flur mit großen Fensteröffnungen, lächelt freundlich in die Kamera und hat eine Hand locker in der Hosentasche.Bild: Ben Kuhlmann © German Design Council

»Marke hält alles zusammen«

Christian Rummel, Head of Central Brand Management, Deutsche Bank AG

Marke hält alles zusammen, wofür ein Unternehmen oder auch ein Produkt steht – nach innen, wie nach außen. Marke ist dabei keine Dekoration. Sie ist ein bedeutender geschäftsrelevanter Hebel, der Strategie in Momentum, Präferenz und messbaren Wert verwandelt. Eine starke Marke ist ein wichtiger Anker im Leben der Menschen, sie steht für Vertrauen und trägt damit zur Entlastung bei, wenn es täglich darum geht, Entscheidungen zu treffen. Dabei gewinnt die Bedeutung von Marken und Branding an Bedeutung: Die medialen Kanäle und Kontaktpunkte, an denen Menschen mit Marken in Berührung kommen, nehmen zu und werden vielfältiger. Gerade in der digitalen Welt ist es von Bedeutung, dass Marken Präsenz zeigen und im Sinne der Customer Journey im richtigen Moment, in der kontextuell passenden Art und Weise im Leben der Menschen erscheinen.

Deutsche Marken haben in der Welt eine hohe Strahlkraft. Allerdings verändert sich die Sicht auf Marken in anderen Ländern. Chinesische Marken zum Beispiel gewinnen aufgrund der stetig steigenden Qualität, Innovationen sowie des Designs an Bedeutung.

Marken transportieren ein Lebensgefühl, wenn sie ganzheitlich gedacht werden und im Leben der Menschen eine Rolle spielen. Die Relevanz der Marke ist dafür entscheidend, aber auch eine emotionale Aufladung, die resoniert.

Eine junge Person mit heller Kappe und großen Creolen steht in einem hellen Flur vor Fenstern und blickt direkt in die Kamera. Sie trägt ein locker geschnittenes, sportliches Trikot mit grafischem Muster und auffälliger Schrift, dazu mehrere Ringe und Armbänder, die den lässigen Stil unterstreichen.Bild: Ben Kuhlmann © German Design Council

»Marke ist Orientierung«

Isabelle Rogat, Cultural Trendscout, Next Gen & DEIB Expert

In einer Welt voller Komplexität, Gleichzeitigkeit und Unbeständigkeit ist Marke Orientierung. Sie schafft es, Klarheit zu geben. Sowohl in dem, was Konsument:innen von ihr erwarten können (ob Image oder Qualität) – als auch in dem, was deren Entscheidung für die entsprechende Marke über sie selbst aussagt. Jeden Tag machen uns Unternehmen und Menschen unzählige Versprechen. Viele Inhalte imitieren andere, viele überhöhen wiederum. Eine gute Marke steht für etwas und leistet das dann auch, während der Standard verspricht, was nicht gehalten wird. Dass Marken ein Lebensgefühl transportieren, spielt auch heute eine große Rolle, nur anders als früher. Es braucht aspirative Inspiration – auch (oder gerade) in den 2020ern wollen Menschen sich neu erfinden können und in neue Welten eintauchen. Marken müssen nur verstehen, welche Rolle sie hier spielen.

Bei den Einreichungen für den German Brand Award hat sich gezeigt: »Anders sein« und »anders sagen« sind zwei Paar Schuhe. Wir als Branche sind gut darin, kleine Optimierungen als Revolution zu verkaufen. Das funktioniert – bis eine echte Innovation die Synapsen anzündet und man sich denkt: Okay, DAS ist wirklich neu.

Eine Frau mit langen, rötlich-braunen Haaren steht in einem hellen Flur vor großen Fensteröffnungen, die Arme selbstbewusst verschränkt. Sie trägt eine weiße Bluse und einen grafisch gemusterten Rock und blickt mit einem freundlichen, sicheren Lächeln in die Kamera.Bild: Ben Kuhlmann © German Design Council

»Marke ist ein Versprechen«

Saskia Diehl, Managing Director & Co-Owner, GMK Markenberatung

Für mich ist eine Marke immer zuerst ein Versprechen. Ein Versprechen an Menschen, was sie erwarten dürfen – an Qualität, Haltung und Erlebnis. Was für Marken jetzt erfolgskritisch wird: Sie müssen genau hinschauen, welche Relevanz sie im Leben ihrer Zielgruppen haben. Märkte, Technologien und gesellschaftliche Strukturen verändern sich in hoher Geschwindigkeit – und damit auch die Bedürfnisse und Erwartungen an Marken. Starke Marken vermögen es, sich in diesem Tempo weiterzuentwickeln und dabei immer klar zu zeigen, wofür sie stehen. Und: Starke Marken sind schon jetzt »KI-ready«. Damit meine ich sowohl die technische Seite – also die »Maschinenlesbarkeit« von Marken – als auch die KI-Readiness im Brand Management. Der Anteil der durch das Brand Management gesteuerten Markenerlebnisse wird immer geringer, während die Menge an nicht kuratiertem Markencontent explodiert. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Dabei ist Branding zentraler denn je: Wenn Kanäle und Angebote explodieren, Produkte und Services sich immer stärker ähneln und Empfehlungsplattformen komplett KI-generiert sind, steigen Risiko und Verunsicherung. Stärke und Einzigartigkeit wird dann zum zentralen Vorteil.

Besonders positiv überrascht hat mich bei den Einreichungen zum German Brand Award, wie differenziert Nachhaltigkeit und Transformation zusammengedacht werden: nicht als Kommunikationsanlass, sondern als integraler Bestandteil der Markenidentität. Gleichzeitig sieht man eine Herausforderung: Viele Marken haben gute Ideen und starke visuelle Auftritte – aber die wirklich differenzierende Markenstrategie dahinter bleibt manchmal noch zu vage.

Eine Frau mit kurzem, seitlich gestyltem Haar steht in einem hellen Flur vor großen Fensteröffnungen, die Arme selbstbewusst verschränkt. Sie trägt eine gemusterte Jacke im Leo-Look mit auffälligem pinken Kragen über einem dunklen Outfit und blickt ruhig und direkt in die Kamera.Bild: Ben Kuhlmann © German Design Council

»Marke bedeutet Emotion und Positionierung«

Sophia Rödiger, Chief Marketing Officer, 1KOMMA5°

Marke bedeutet für mich Emotion und Positionierung. Sie kann ein Lebensgefühl ausdrücken, Community-Zugehörigkeit stiften und baut so einen echten Zugang sowie eine tiefe Beziehung auf. Marken geben einem Unternehmen »Profil« – sie machen sichtbar, wofür man eigentlich einsteht. Mehr denn je müssen Marken Haltung einnehmen, Verantwortung übernehmen und ein klares Profil zeigen. Denn wer versucht, jedem zu gefallen, bleibt am Ende profillos. In der Masse des zunehmend KI-generierten Contents wird man schnell beliebig, redundant und aussagelos.

Markenführung bedeutet heute »Sensing« und echtes Erleben zu kreieren. Und Marke muss semantische Dominanz aufbauen. Sie muss KI integrieren und vor allem muss die KI wiederum die Marke kennen – denn Fakt ist: Die Kunden von heute googeln nicht mehr, sie fragen die KI.

Branding ist heute wichtiger denn je. Durch KI-Automation und Creation kann jedes Unternehmen und jede:r Influencer:in exponentiell mehr Content – und damit Reize – generieren und veröffentlichen. Was am Ende zählt: Was spüren wir? Was bleibt an Sinneswahrnehmung wirklich hängen? Wo sind wir noch authentisch und schlichtweg menschlich, indem wir ein Gesicht mit allen Makeln und Emotionen zeigen?

Bei deutschen Marken fehlen oft Mut und Authentizität. Es wird zu wenig eigene Position bezogen, vor allem wenn man nicht direkt einer Meinung mit Lobby, Politik oder Aktionären ist, aber unternehmerisch für das Beste einsteht. Viel zu viel Branding wird heute teuer an Agenturen ausgelagert. Ich würde es begrüßen, wenn wir wieder mehr selbst verrückt denken, ausprobieren und uns die »Branding-Hände« richtig schmutzig machen.

Ein Mann mit Brille und leichtem Bart steht in einem hellen Flur vor großen Fensteröffnungen und lächelt in die Kamera. Er trägt ein dunkles Sakko über einem weißen T-Shirt und wirkt entspannt und zugänglich.Bild: Ben Kuhlmann © German Design Council

»Marke ist ein emotionales Vorurteil«

Jörg Liebeskind, Senior Director Corporate Communications & Brand Management, Conrad Electronic Group

Eine Marke ist für mich ein emotionales Vorurteil gegenüber einem Produkt, einer Firma oder einer Dienstleistung. Dieses Vorurteil kann positiv oder negativ sein. Eine starke Marke 2026 zeichnet sich nicht durch bloße Bekanntheit aus, sondern durch starke mentale Verfügbarkeit. D.h. sie muss Menschen in dem Moment, in dem ein konkretes Bedürfnis entsteht, automatisch in den Sinn kommen. Branding ist heute wichtiger denn je, weil es als kognitive Abkürzung fungiert. In einer Welt des Overloads entscheiden Menschen sehr oft intuitiv. Eine starke Marke senkt das empfundene Risiko und sorgt dafür, dass der Kunde nicht mehr vergleicht, sondern direkt wählt. Branding spart dem Kunden Zeit – und der Marke den reinen Preiskampf.

Viele deutsche Marken sind nach wie vor sehr begehrenswert, aus einem einfachen Grund: Resilienz. In einer volatilen Welt ist Verlässlichkeit das höchste Gut. Da spielt auch das »Verlassen können auf die Qualität einer Marke« wieder eine wichtigere Rolle. Das Lebensgefühl einer Marke von heute ist daher nicht mehr nur ‚Prestige‘, sondern häufig ‚Peace of Mind‘, weil die Marke für meinen Anspruch bestens funktioniert. Quasi Qualität als neues Lebensgefühl. Und beim German Brand Award sieht man zum Glück immer wieder, welch starke Marken in Deutschland existieren.



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